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Sette L. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

die Türkei nach nicht besitzt, da sie ihr nicht zurück- ' gegeben worden find. Endlich ist Griechenland der Ansicht, daß die von Italien besetzten Inseln alle zusammen nicht die materielle Bedeutung besitzen, wie die Insel M y t i l e n c allein. Vor ungefähr einer Woche empfan­den die Diplomaten einige Besorgnis, da sie aus verschiedenen Quellen Informationen erhielten, die in unbestimmter Weise durchblicken ließen, daß die Türkei beabsichtige, bestimmte Entschlüsse betreffs der Ägäischen Inseln zu treffen. Man glaubt, daß gewisse offiziöse Besprechungen die offizielle Er­klärung ,n Konstantinopel veranlagten, daß die Türkei siiicht beabsichtige, eine abenteuerliche Politik zu ver­folgen. Einige glauben, daß die beunruhigenden Nachrichten aus Konstantinopel darum aufhörten, weil die finanziellen Unterhandlungen der Türkei in Paris jüngst zum Stillstand kamen. Andererseits waren die Diplomaten ebenfalls dadurch beruhigt, daß die M ä ch t e fest entschlossen sind, ihre Entschlüsse betreffs der Ägäischen Inseln ebenso wie hinsicht­lich Albaniens ausgeführt zu sehen.

Griechenland will keine direkten Verhandlungen.

London» 30. Jan. Aus Athen wird gemeldet: Die

griechische Regierung hat es abgelehnt, wegen der Ägäi­schen Inseln mit der Pforte in direkte Verhandlungen ein­zutreten.

BcnizeloS' Erfolg in Berlin?

Paris, 29. Jan. Wie der Berichterstatter der „Liberte" aus Berlin meldet, ist es Venizelos bei seinem Aufenthalt in der deutschen Reichshauptstadt gelungen, die deutsche Regierung zu der griechischen Ansicht in der Frage der Inseln C h i o s und Mhtilene zu bekehren. Deutschland schlösse sich demnach in dieser wichtigen Frage nicht nur der Meinung Griechenlands, sondern der Triple-Entente an. (Eine Bestätigung dieser Pariser Meldung bleibt abzuwarten. Schriftl.)

Deutsches Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser nahm Dvnnerstagvormtttag im Berliner Königlichen Schloß die Vor­träge des Chefs des Ingenieur- und Pionierkorps. Gcncral- lentnants v. C l a e r und des Chefs des Militärlabinetts, Generals der Infanterie Frhr. v. L v n ck e r. entgegen. Beim Staatssekretär des Auswärtigen v. Jagow war der Kaiser zum Frühstück.

' Keine kaiserliche Kundgebung gegen den Reichstag? Zu der Nachricht, daß der Kaiser bei der Gratulationscour cm seinem Geburtstag den Vertreter des Reichstags, Präsident Dr. Kaempf, anscheinend absichtlich übersehen habe, während er dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses ostentativ und mit besonderer Herzlichkeit die Hand geschüttelt habe, bemerkt anscheinend offiziös der „B. L.-A.": „Nicht Herr Dr-

Kaempf, sondern das gesamte Präsidium des Reichstags war gleich den Präsidien der beiden Häuser des preußischen Land­tags zur Glückwunschcour vor dem Kaiser erschienen. Der Monarch begrüßte den Präsidenten Dr. Kaempf und die beiden Bizepräsidenten Dr- Paasche und Dove, jeden einzeln, mit einem besonders freundlichen Kopfnicken, dagegen schüttelte er allerdings dem Präsidenten des Herrenhauses v. Wedel und dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses Graf v. Schwerin- Löwjtz die Hände. Wenn man aber berücksichtigt, daß Herr v. Wedel früher der langjährige H a u S m i n i st e r des Kaisers war und daß Graf v. Schwerin-Löwitz, als Vorsitzen­der des Deutschen Landwirtschaftsrates, dem Kaiser seit vielen Jahren intim bekannt ist, während er solche per­sönlichen Beziehungen zu Herrn Dr- Kaempf nicht hat, so wird man diesen Vorgang natürlich finden und ihm keinerlei politische Bedeutung beilegen oder ihn gar als eine kaiserliche Kundgebung gegen den Reichstag, bezw. dessen Präsidenten hinstellen können."

P: Zur Auszeichnung des Herrn v. Dirckfen. In konser­vativen Kreisen wie in Hofkreisen werden, wie wir hören, die Auszeichnungen viel beachtet, die in der letzten Zeit Herrn v. Dircksen zuteil geworden sind. Herr b. Dirckfen, der sehr reich und Besitzer einer wertvollen Gemäldegalerie ist, war früher durch eine Reihe von Jahren im Auswärtigen Amte in Berlin tätig. Mit dem Titel eines Gesandten ist er seiner­zeit aus diesem Dienste geschieden. In der vorigen Legis­laturperiode war er Mitglied des Reichstags. Er gehörte der Reichspartei an und hat an den Beratungen über die Ver­fassung für Elsaß-Lothringen eifrigen Anteil genommen. Er

Franken monatlich. Für Wohnungen in Holzbaracken zahlt man 100 bis 200 Franken. Nach Casablanca, 85 Kilometer weiter südwestlich an der Küste, führt jetzt eine von den Franzosen zu militärischen Zwecken erbaute Eisenbahn, die die ältere Automobilverbindung ersetzt hat. Schließlich mag erwähnt sein, daß der deutsche Handel in Rabat erheblich interessiert ist und das Deutsche Reich dort einen Konsul hat.

Nus Zunft und Leben.

* Neues vom Radium. In den 18 Jahren, die seit der Entdeckung des Radiums durch das französische Ehepaar Curie verflossen sind, hat der sonderbare Urstosf, die strahlende Verkörperung von Kraft und Energie, wiederholt von sich reden gemacht. Die Entdeckung des Mesothoriums und seine Anwendung in der Therapie gleich dem Radium haben das Thema wieder aktuell werden lassen. Ein Vortrag über das Radium, wie ihn der Physiker Hermann Schessler (Dres­den) gestern abend im überfüllten kleinen Saale der „Loge Plato" einem aufmerksamen Publikum hielt, war daher durchaus zeitgemäß. Über die Entdeckung des Radiums, seine schwierige Gewinnung aus der Uranpechblende und die Eigen­schaften des sonderbaren Stoffes, der alle Körper durch ständige Energieabgabe, durch fortwährende Entsendung von Elektronen, durchstrahlt, bedarf es wohl kaum noch näherer Mitteilungen. Beachtenswert ist vielleicht die Tatsache, daß sich das Radium trotz fortgesetzter Energieabgabe erst in 1500 Jahren auf die Hälfte reduziert (beim Mesothorium ist dieser Zeitpunkt schon nach 5 Jahren erreicht), daß das Radium, das Zerfallsprodukt des Uran, in der Zersetzung wieder neue Stoffe — Radium A bis p — bildet, schließlich in das bisher noch nicht zum festen Körper konzentrierte Edelgas Helium übergeht, um dann als letztes Stadium des Zerfalls gewöhn­liches Blei zu werden. Interessant war ferner die Mittei­lung, daß das Radiumgas, die Emanation, bei 268 Grad Kälte gebunden werden kann, daß bis jetzt insgesamt 12 Gramm Radium gewonnen wurden, wovon daZ Gramm einen Wert von 600 000 M- hat, und daß die zersetzende Wirkung der direkten Radiumbestrahlung, die im Kleinen zur Vernich­tung hartnäckiger Bakterien in der Heilkunde erfolgreiche

xstesvaoetrer Nagvlan.

gab die Bedingungen kund, unter denen die Reichspartei für diese Verfassung stimmte. Herr v. Dircksen ist jetzt zum Mit­glied des preußischen Herrenhauses ernannt worden und der Kaiser ist bei ihm zu Gast gewesen. Man vermutet, daß Herr v. Dircksen zu den Persönlichkeiten zählt, die ausersehen sind, künftig aus einem bemerkenswerten Posten eine politische Rolle zu spielen.

* Der drahtlose Depeschenwechsel zwischen dem Präsi­denten Wilson und Kaiser Wilhelm. Auf das in Tuckerton (New Jersey) von der Station Eilvese-Hannover eingetrosfene direkte drahtlose Telegramm des deutschen Kaisers an den Präsidenten Wilson, in welchem der Kaiser die Hoffnung aus­drückt, daß die drahtlose Verbindung ein neues Band zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bilden werde, sandte Wilson folgendes Antworttelegramm an den Kaiser: „Ich bin erfreut, Eurer Majestät huldvolle Grütze zu empfangen, die durch die neue transatlantische Funkenstation Eilvese mir übersandt worden sind. Ich beglückwünsche Eure Majestät zu diesem neuen Gliedc der engeren Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland."

Der Termin der Abreise des Prinzen zn Wied. Wie toir erfahren, wird der Prinz zu Wied seine Reise nach Durazzo erst in der zweiten Februarhälfte antreten, vielleicht noch einige Zeit später. Er wird die albanische Deputation nicht mehr, wie cs ursprünglich beabsichtigt war, in Potsdam empfangen, sondern im Stammschloß der Familie Wied zn Neuwied. Die Villa des prinzlichen Paares in Potsdam ist für einen solchen Empfang schon darum nicht geeignet, weil der größte Teil der Möbel und der Ausstattungsgegenstände bereits verpackt und aus dem Hause entfernt worden ist.

* Ein neuer aufsehenerregender Zwischenfall in Elsaß- Lothringen. Die „Franks. Ztg." berichtet aus Metz: In Sablon, einem Vorort von Metz, fand am 27. d. M., abends, in einer Wirtschaft die K a i s c r g e b u r t s t a g s f e i e r des 2 0. p r e u ß. Pionierbataillons statt. Das Bataillon hatte die Wirtschaft gemietet; zwei Französisch sprechende Lothringer horten den Musikdarbietungen der Kapelle zu, als ein Leutnant zu ihnen trat mit der Aufforderung, entweder Deutsch zu sprechen oder das Lokal zu verlassen. Die Loth­ringer kamen der Aufforderung, nach und begaben sich in das vor dein Saal gelegene Restaurant, wo sie sich erfrischten. Später kamen noch zwei Lothringer hinzu und sie un­terhielten sich in ruhiger, anständiger Weise auf Französisch. Der Leutnant kam auch in das vordere Lokal, um sich zn überzeugen, ob die Leute jetzt Deutsch sprächen. Da dies nicht der Fall war, forderte er sie nochmals in der energischsten Weise, im Kommandoton, auf, das Lokal zu verlassen oder Deutsch zu sprechen, da sie durch ihr Be­nehmen die Kaisergeburtstagsfeier in absichtlicher Weise störten. Die Lothringer erwiderten in gebrochenem Deutsch ruhig, sie könnten reden, wie sie wollten, und ließen sich in ihrer Unterhaltung weiter nicht stören. Ein zweiter Leurnanr kam hinzu, holte den Major herbei, und letzterer, von dem ersten Leutnant aufgeklärt, ließ ohne jegliche Verhandlungen die Leute durch anwesende Unteroffiziere und Mannschaften verhaften. Wie es hierzulande Gebrauch ist, hatten die vier Lothringer in der Wirtschaft ihre Mützen aufbehalten. Der Major fuhr die Leute mit folgenden Worten an: „Nehmen Sie die Mützen ab, Sie st c h e n vor einem königlich-preußischen Majo r." Bevor die Leute überhaupt der Aufforderung Nachkommen konnten, schlug der Major einem derselben die Kappe mit einer derben Ohrfeige vom Kopfe. Dies geschah, während die Leute bereits von den Unteroffizieren festgehalten wur­den. Einer der vier, der in der deutschen Sprache am be­wandertsten schien, versuchte, indem er sich in ruhiger Weise an den Major wandte, Aufklärung über diese merkwürdige Behandlung zu erhalten: „Verzeihen Sie, Herr Major . . . Weiter ließ ihn der Major nicht kommen, sondern schrie: „Schweigen Sic, Ihre Mützen kennzeichnen Sie ja schon, die guten Franzosen sind alle ausgewandert; was noch hier ist, ist alles Kreihr und Pletht, die Hefe vom Volk..." (und Ähnliches mehr). Daraufhin wurden die Leute, von zwei Offizieren und Unteroffizieren begleitet, auf das Bürger­meisteramt nach M o n t i g n Y gebracht und dort der Polizei­gewalt übergeben, wo sie alsbald auf freien Fuß gesetzt wur­de». Es sei noch bemerkt, daß den Lothringern kein freches Wort über die Lippen kam und daß sie sich weder im Restau­rant noch auf dem Weg zum Bürgermeisteramt im geringsten zur Wehr setzten. Bemerkt sei noch, daß daS Lokal für den

Anwendung findet, einen Menschen in 12 Tagen töten kann. Herr Schessler erläuterte die wunderbaren Eigenschaften des Radiums an Hand von durchweg gelungenen Experimenten, demonstrierte seine Leuchtkraft im verdunkelten Zimmer, be­lichtete mit den ihm zur Verfügung stehenden 15 Milligramm Radium innerhalb von 10 Minuten eine photographische Platte, durchleuchtete Gegenstände und Körperteile und brachte durch die fluoreszierende Wirkung des Radiums Diamanten im Dunkeln zum Aufleuchten- Seine etwa Is^stündigen Aus­führungen fanden ungeteilte Aufmerksamkeit und am Schluß dankbaren Beifall. g.

Kleine Chronik.

Theater und Literatur. „Seite lyg", j^g dreiaktige Lustspiel von Halm und S a u d e k, errang in Königs­berg einen hübschen Eriolg am dortigen Städttheater bei der Uraufführung.

Bildende Kunst und Musik. Aus Liverpool wird uns berichtet: Wilhelm Kienzls bekannte Oper „Kuh­

reigen" erlebte in diesen Tagen in Liverpool ihre erste Aufführung in England. In der englischen Übersetzung führte das Werk den Titel „Der Tanz des Todes". Die gute Aufführung endete mit einem starken Erfolge, das Publikum brachte dem Werke lebhaftes Interesse entgegen, das sich am Schlüsse zu ehrlicher Begeisterung zu steigern schien.

Die Hamburger „Künstler-Bereinigung" hat, wie die ,,B. Z." meldet, an die Kommission für die Errichtung eines Künstausstellungsgsbäudes in Hamburg ein Schreiben gerichtet, in dem sie mitteilt, daß die letzte Generalversamm­lung des Vereins den Vorschlag gemacht habe, dem neu zu errichtenden Ausstellungsgebäude den Namen Lichtwark- Halle zu geben. In Hamburger Künstlerkreisen glaubt man, daß die Idee Beifall finden und die Halle den Namen des kürzlich Verstorbenen tragen wird.

Felix Weingartner und Frau, Lucille Marcel, begeben sich morgen von Berlin ans nach A m e r i k a, wo beide für Oper und Konzert verpflichtet find.

Ein Erholungsheim für deutsche Bühnen­künstler soll ins Leben gerufen werden. Dem vorbereiten­den Komitee gehören bisher an: Berta Morena, Kgl. Kam­mersängerin, München, Generalmusikdirektor, Professor Ihr.

Freitag, 30. Januar 1914.?kr 50,

Abend an das Bataillon vermietet war, was aber die be­treffenden Zivilisten nicht wußten und auch in keiner Weffe kenntlich gemacht war. — So — wie gesagt — die „Frank­furter Zig.". Man wird abzuwartcn haben, was die beteilig­ten militärischen Personen zu dieser Darstellung, nach der ihr Verhalten alles andere als einwandsfrei gewesen sein müßte, ihrerseits bemerken werden. Eine schleunige Klarstellung des Sachverhalts erscheint uns unbedingt erforderlich.

'' Ein Vortrag des deutschen Gesandten in Chile. In Er­füllung einer Bitte der Deutsch-Südamerikcmischen Gesell­schaft sprach gestern im großen Sitzungssaale des Abgeord­netenhauses in Berlin der kaiserlich deutsche Gesandte in Chile, Herr v. E r ck e r t, vor einer überaus zahlreichen Ver­sammlung, in der auch die Abgeordneten sehr stark vertreten waren, über Chile und die dortigen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands. Der auch durch Lichtbilder illustrierte Vortrag erregte das lebhafteste Interesse und wurde mit dankens­wertem Beifall ausgenommen. An den Vortrag schloß sich eine gesellige Zusammenkunft in den Restaurationsräumen des Abgeordnetenhauses.

* Der braunschweigische Bevollmächtigte zum Bnubesrat. Auf Grund des Artikels 6 der Verfassung des Deutschen Reiches ist von dem Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg der Vorsitzende des herzoglichen Staatsministe­riums, Staatsminister Wolfs, zum Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt worden.

* Zu dem Brief des Kardinals Kopp. Die Redaktion des „Westfälischen Bolksblattes" in Paderborn bringt an der Spitze der Freitagsnummer folgende Erklärung: „Der Ernst der gegenwärtigen Situation nötigte uns, an unseren Herrn Bischof Schulte mit der Bitte heranzutreten, uns die ab­solute Richtigkeit sämtlicher Angaben, die in den beiden Artikeln des „Westfälischen Volksblattes" über die bekannte Interpretation der päpstlichen Encycliea shiguiari quadam enthalten sind, zu bestätigen. Der Bischof hat uns die Bc - st ä t i g n n g gegeben."

* Sozialdemokratische Protestkundgebungen gegen das Dreiklassenwahlrecht in Braunschweig. Gestern nachmittag hielten die Sozialdemokraten in den braunschweigischen Städten Versammlungen ab, um gegen das Dreiklassenwahl­recht zu protestieren. Nach Schluß der Versammlungen zog eine nach Tausenden zählende Menge durch die Straßen und auch an dem herzoglichen Residenzschlotz vorbei, wo sie auch versuchte, unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht in den Schlotzhof einzudringen. Dieser war aber abgesperrt. In dem Steinweg kam es, wie das- „B. T." meldet, zu einem Zusammenstoß zwischen den Demonstranten und der Schutz- Mannschaft. Die Polizei säuberte den Steinweg; zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.

* Die bayerische« Genosse» und die Hoftafel. Aus München wird berichtet: Da die Mitglieder des bayerischen Landtags, die sich an der am 4. Februar stattsindenden H o s ■ tafel beteiligen wollen, sich in einer Meldeliste ein- schreiben müssen, haben die Sozialdemokraten mit der Be­gründung, daß es sich um keine korporative Einladung handelt, beschlossen, sich nicht zu beteiligen.

* Rücktritt eines bayerischen Zentrumssührcrs aus dem parlamentarischen Leben. Der bekannte bayerische Land- tagsabgeordnete Lern» wurde zum Generalstaatsanwalt mit dem Range eines Ministerialdirektors ernannt. Damit erlischt sein Landtagsmandat. In Parlainentskreisen wird damit gerechnet, daß Ob- Lerno ein neues Mandat nicht mehr annehmen wrrd.

Rechtspflege und Verwaltung.

Der Wechsel in hohen Verwaltungsstellen. An Stelle des verstorbenen Herrn v. Conrad soll Oberpräsident Hengste n- b e r g in Kassel als Oberprästdent nach Potsdam kommen. In Kassel wird der jetzige Potsdamer Regierungspräsident v. d. Schulenburg an seine Stelle treten. Herrn v. d. Schulenburgs Posten soll Oberpräsidialrat Reedern zu- fallcn. Oberprästdent Dr. v. Hegel (Magdeburg) soll Prä­sident des Oberverwaltungsgerichts an Stelle des verstorbenen Herrn v. Bitter werden. Als Kandidat für den Magdeburger Oberpräsidentenposten hält man den Berliner Polizeipräsi­denten o. Jagow und den Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Hoest im Ministerium des Innern.

Max Schillings (Stuttgart), Dr. Hans Pfitzner, Kgl. Pro­fessor, Direktor des Stadttheaters Stratzburg, Dt- Richard Strauß, Kgl. Generalmusikdirektor (Berlin), Siegfried Wag­ner (Bayreuth), Bruno Walter (München), Dr. Ludwig Gang­hofer, Schriftsteller (München) u. a. Die vorbereitenden Ar­beiten leitet Karl Hackenbach ^Nürnberg). Spenden nimmt die Dresdener Bank. Filiale Nürnberg, Konto „Erholungs­heim für Deuffche Bühnenkünstler" entgegen.

Eduard Habich von der Berliner Hofoper singt in den „Parsifal"-Aufführnngen nicht den Gurnemanz, wie wir ■in der Mittwoch-Abendausgabe unseres Blattes irrtümlich mitteilten, sondern den Klingsor.

Wiffenschaft und Technik. Wissenschaftliche Kreise Ber­lins, die der Kaiser-Wilhelm-Gesellschast nahestehen, haben dem Physiologen Abderhalden in Halle eine Million Mark für die Errichtung eines physiologischen Instituts in Berlin zur Fortführung seiner Eiweißforschungen zur Ver­fügung gestellt.

Professor Dr. Gra'bower, einer unserer bedeutendsten Nasen- und Halsärzte, ist gestern im 63. Lebensjahre in Berlin gestorben.

In Stuttgart ist am 26. Januar Oberlbaurat Pro­fessor Otto T a f e I im Alter von 75 Jahren gestorben. Er hat für den ©tafeit Zeppelin die erste schwimmende Luft­schiffhalle bei Friedrichzhascn erbaut.

Am Grabe F i ch t e s auf dem Dorothcenstädtischen Kirchhof fand gestern mittag eine Gedenkfeier statt, zu der sich unter Führung des Rektors der Universität Geheimrat Planck eine Anzahl Professoren versammelten. Professor Riehl hielt die . Gedächtnisrede, worauf der Rektor einen Lorbeerkranz mit einer kurzen Ansprache niederlegte.

In Haag wurde eine Akademie für internatio­nales Rech t jnit dem Kapital des Rektors Goeidkoop und den Asterschen Erben gegründet. Die beträchtlichen Unkosten werden durch einen großen Jahresbeitrag der Carnegiestif­tung gedeckt. Tie Akademie wird in der Bibliothek des Frie- denspälastes uniergebracht. Die toiffenfd^afilic^e Leitung wird von einem internationalen Komitee ausgeübt, das sich aus den frühere,, Präsidenten des Instituts für internatio­nales Recht zusammensetzt.