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Seite 2 Abend-Ausgabe

Wiesbadener Zeitung

tärs bei inneren Unruhen ist jetzt erfolgt. In derselben heißt es, baß die gesetzlichen Grundlagen für ein Eingreifen des Militärs bei inneren Unruhen in dem Gesetz von 3849 gegeben sind. Danach darf ein solches Eingreifen nur nach voraufgegangener Aufforderung der zuständigen Zivil- bchöröen erfolgen. Die preußische Kabinettsvrder von 1820 ist in Württemberg nicht zur Einführung gelangt. Anläß­lich der Militärkonvention von 1870 sind natürlich auch einige preußische Gesetze und Verfügungen über den Was- sengebrauch des Militärs in Frage gekommen. Seinerzeit haben die beteiligten württembergischen Ministerien die Frage einer Prüfung unterzogen, welche Aenöerungen da­durch das württembergische Gesetz von 1849 erfahren habe. Diese Prlifung habe aber ergeben, Laß die Vorschriften des Gesetzes von 1849 unberührt geblieben sind. Schon 1893 ist eine Anweisung seitens der württembergischen Regie rung an die Kreisregierungen und das württembergische Armeekorps erfolgt. Hiernach sind die Organisationen der Departements des Innern und des Krieges fortlaufend über die Rechtslage zu unterrichten.

Donnerstag, 29 . Januar 1914

Die Errichtung des neuen Kolonialgerichtshofes in Hamburg

wird seitens des Reichskolonialamts keinen Widerspruch finden, wenn die Mehrheit des Reichstags den von der Kommission gefaßten Beschluß bestätigen sollte. Der Be­schluß der Kommission hat in Hamburg große Befriedigung hervorgerufen. Wie bekannt, sind von der Hamburger Groß­kaufmannschaft die Mittel für das Dienstgebäude des neuen Kolonialgerichtshofs bereits gestiftet worden. Im Reichs­tag besteht die Absicht, den Gesetzentwurf möglichst bald zu verabschieden, Sa über seine Hauptbestimmungen größere Meinungsverschiedenheiten nicht herrschen.

Die neue ungarische Wehrvorlage.

Die ungarische Wehrvorlage ist gestern im Abgeord Uetenhaus angenommen worden. Darnach wird bas Re­krutenkontingent der österreichisch-ungarischen Armee um 81000 Mann erhöht. Das gesamte Rekrutenkontingent in Ungarn wird demnach 106 694 Mann betragen.

Die Revolution aus Haiti.

Während die amerikanischen Truppen die amerikanische Gesandtschaft, die Kabelstation und das französische Hospital in Port-au-Prince bewachen, beschützen die deutschen Trup­pen die übrigen Gesandtschaften und die Läden der Deut­schen. Die Stratzenkämpfe scheinen noch fortzudauern.,' auch Plünderungsversuche sind häufig.

Wie aus Haiti gemeldet wird, ist der ehemalige Minister Davilmar Theodore zum Führer der Revolutionäre aus­gerufen worden. Er hat mit seinem Gencralstab und 2000 Soldaten den Marsch nach der Hauptstadt angetreten.

Stadtnachrichten.

Wiesbaden, 29. Januar.

Eine Bombe für die Armenvcrwaltnng. Ein seltsamer Fund wurde heute Vormittag im Gebäude der städtischen .Armenverwaltung an der Bahnhofstraße gemacht. Dort lag feit dem frühen Morgen vor dem Zimmer des Herrn Aust eine Blechbüchse, die zunächst nicht weiter beachtet, schließ­lich aber doch als ein nicht an gehöriger Stelle befindlicher Gegenstand aufgehoben wurde. Die festverschlossene Büchse machte einen etwas verdächtigen Eindruck, weshalb sie von den Beamten nach dem Hose gebracht und dort geöffnet wurde. Es stellte sich heraus, daß die blecherne Hülse ein Uhrwerk und ein Gemisch — anscheinend aus Sand und Petroleum — enthielt, über dessen Charakter und Eplosions- kraft keiner der Anwesenden Klarheit gewinnen konnte. Die schreckliche Büchse enthielt ferner einen Brief mit noch schrecklicheren Versen, in denen es am Anfang heißt: Treibt's nur nicht zu weit,

Sonst steht die Leichenhalle bereit ...

Die Beamten übergaben den Fund der Polizei.

Kaufmännischer Verein. Gestern Abend sprach im großen Saal der Tnrngesellschaft auf Veranlassung des Kaufmännischen Vereins Hauptmann a. D. Rh e i n. Der Vortragende, als Kriegskorresponbent während des Bal­kankrieges im türkischen Lager zugelassen, schilderte seine mit großen Schwierigkeiten verbundene Reise nach Kon- stanttnopel, seine Erlebnisse in dieser Stadt und die lang­wierige, durch mancherlei Aufenthalte unterbrochene Fahrt nach der Front. Hauptmann Rhein ist ein Freund der Türken. Er schilderte das Verhalten der türkischen Sol­daten im Felde als tadellos. Nie hat er etwas von Grau­samkeiten bemerkt, nie sind ihm Plünderungen und

stähle vor Augen gekommen. Im Gegenteil, das letzte Brot

teilten sie mit dem Hungrigen, die ihrer Habe und Heimat Beraubten behandelten sie mit größter Menschenfreundlich- keit und Schonung. Der Redner hat die Schlachten bei Krrkilisse und Lüle-Burgas mitcrlebt. Man hat von benachbarter Seite vielfach behauptet, daß diese Schlach­ten eine eklatante Niederlage der deutschen Kruppgeschütze bedeuteten. Aus den Beobachtunqcn des Redners geht je­doch hervor, was ihm auch von türkischer Seite wiederholt bestätigt wurde, daß die Geschütze an und für sich Glänzen­des leisteten und von denen der gegnerischen Seite in keiner Weise übertroffen wurden. Ihr Versagen in den oben­erwähnten Kämpfen lag nur an einer himmelschreienden Nachlässigkeit der türkischen Intendantur, an einem gänz­lichen Mangel an Munition. Später, in den Gefechten an der Tschatalöschalinie, wo Munition genügend vorhanden war, haben sie sich dann auch in geradezu unübertrefflicher Weise bewährt. Eine, genaue Uebersicht über den Verlauf der einzelnen Schlachten zu erlangen, war den Kriegskome- sponöenten verwehrt. Hinter der Linie oder im Lager fest- gehalten, konnten sie sich nur aus dem Munde von Flüch­tigen oder aus dem Näherkommen und Sichentfernen des Geschützdonners über die derzeitige Lage der Schlacht in­formieren. Einen großen Teil seines Vortrages widmete der Redner einem der gefährlichsten Feinde des türkischen Heeres während des Krieges, der Cholera. Schmutz, Un­geziefer, Strapazen, mangelnde Verpflegung mögen wohl die Ursache des Entstehens der Seuche gewesen sein. Mit er­schreckender Schnelligkeit verbreitete sie sich. Der Vortra­gende selbst wurde von ihr ergriffen, konnte sich aber wie­der — durch reichliche Einnahme von Alkohol — mit heiler Haut aus ihren tödlichen Klauen befreien. Hauptmann Rhein, der seinen Bortrag durch zahlreiche Anekdoten und persönliche Erlebnisse aufs lebendigste und anschaulichste ausgestaltete, erntete am Schluß des Abends von dem zahl­reich erschienenen Publikum einen reichen Beifall. s— Der Stenographenvereiu Gabelsberger hat beschlossen, im Laufe des Winters allmonatlich einen Vortrag in sein Programm aufzunehmen. Den ersten dieser Vorträge hielt am Donnerstag. 22. Jan., im Vereinslokal Hotel Vogel, Rheinstratze 27, Magistratsassistent T o l k s ö o r f f über den Erfinder der deutschen Kurzschrift, Franz Xaver Gabels­berger. In seinen einstündigcn Ausführungen schilderte der Redner zunächst kurz den Lcbensgang des Meisters und ging dann näher ein erstens aus sein Familien- und Privat­leben, zweitens auf sein Berufsleben mit besonderer Be­rücksichtigung seiner Tätigkeit als erster Stenograph der Abgeordnetenkammer der bayerischen Ständeversammlun- öeu, und drittens auf Gabelsbergers Verhältnis zu seinen Schülern. Geradezu bewunderungswürdig ist es. wie jener Mann in jenen schweren Zeiten zu. Beginn des neunzehn­ten Jahrhunderts unter außerordentlichen Schwierigkeiten und Anfechtungen zu leiden hatte, aber dennoch mit eiser­ner Energie, unermüdlichem Fleiß und großen Opfern seiner genialen Erfindung zum Siege verhalf. Die außer­gewöhnlich zahlreich erschienenen Mitglieder des Vereins dankten dem Redner mit lebhaftem Beifall. — In der dem Vortrag vorausgegangenen Hauptversammlung unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, Dipl.-Handelslchrer H. Sch open, wurden die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder einstimmig wieöergewählt. — Künftig findet jeden Donnerstag Abend von 8j4 Uhr ab Zusam'- menkunft der Mitglieder im Vereinslokale statt. — Ein neuer A n s ü n g e r k nr s u s beginnt am Dienstag, 3. Febr., abends 8% Uhr in der Mittelschule an der Luisenstratze, Zimmer 26.

„Kunst- und Bandeukmälcr kn der Eifel und in Trier." Am Freitag sprach kgl. Baurat Lauth über das obige Thema. Als Disposition diente ihm hierbei die im Som­mer vorigen Jahres von der Ortsgruppe Wiesbaden des Vereins Naturschutzpark unternommene dreitägige Wan­derung. Infolge der eposkopischen Projektion, die leider notwendig war, war die Schärfe der Lichtbilder etwas be­einträchtigt. Der Redner behandelte zunächst die Baudenk­mäler von Andernach, sodann von.Dann und ging dann chlietzlich zur Schilderung der außerordentlich interessanten Bauwerke Triers über. Mit feinem Kunstverständnis childerte der Redner die Einzelheiten der hervorragenden, von den Mitgliedern der Ortsgruppe besuchten Bauten, wobei er natürlich auch die alten römischen Bauten berück- ichtigte. Der interessante Vortrag fand angemessenen Beifall.

Abgabe von Wehrbeitragserklärunge«. Der arößte Teil der Wehrbcitragscrklärungen ist, wie der L.-A." erfährt, bereits jetzt abgegeben worden, soöaß für Preußen ein Be­dürfnis zur BerlängeruM der Deklarationsfrist nicht bc- teht. Der Finanzministcr hat daher den Termin zur Abgabe der Vermögenscrklärung über den 16. Febr. hinaus entgegen den ihm unterbreiteten Wünschen n , ch t hrnausgeschoben. Anderseits sind die Steuerbehörden

vom Finanzminister angewiesen worden, begründeten Ge­suchen Einzelner um Verlängerung auf acht bis vierzehn Tage ohne weiteres stattzugeben.

Ein Preisgericht. Zu der Errichtung eines Ncubaus für die Nassauische Landesbank und Nassauische Sparkasse, in dem auch die kürzlich errichtete Nassauische Lebcnsversiche- rungsanstalt nntcrgebracht werden soll, ans dem Grundstück Rheinstraße 44 in Wiesbaden unter tcilweiser Heranziehung des Grundstücks Rheinstratze 42, hatte bekanntlich der Lan­desausschutz seine Zustimmung gegeben und das Preis­gericht für das zu erlassende Preisausschreiben bestimmt. Das Preisgericht, unter dem Vorsitz des Oberbürger­meisters a. D. v. Jbell aus Wiesbaden, bestehend aus dem Geh. Baurat Hoffmann ans Darmstadt, Stadtrat Schan- mann in Frankfurt, Landesbankdirektor Klan aus Wies­baden und dem Laudesbaumeister für Hochbau, Müller aus Wiesbaden, wird nunmehr am 2. Februar im Lanüeshaus in Wiesbaden zusammentreten und über die inzwischen eiu- gelaufenen 61 Entwürfe richten. Der Wettbewerb war auf im Regierungsbezirk Wiesbaden ansässige Architekten beschränkt. Besonders eingeladen aber waren außerdem Regierungsbaumeister a. D. Karl Moritz in Köln, die Architekten Bielenberg und Moser in Berlin sowie Regie­rungsbaumeister a. D. Jessen in Berlin.

Die soziale Fürsorge für die „Wanderer". Der 47. Kom­munallandtag beschloß in seiner Sitzung am 28. April v. I. während der Beratung über die Ausführung des Wander- arbeitsstättengesetzes im Regierungsbezirk Wiesbaden auf Antrag der sechs Abgeordneten der Wahlkreise Biedenkopf und Dill, daß auch der DUlkreis verpflichtet werde, eine Wanderarbeitsstätte zu unterhalten und zu verwalten, da der Zwischenraum zwischen der Wanderarbeitsstätte Lim­burg und den Wanderarbeitsstättcn in Marburg und Bri­lon zu groß sei, um einen Zusammenhang Herstellen zu können. Der Landesausschuß hat nunmehr dem Vorschlag der Bczirkskommifsion für die Verwaltung der Wanöer- arbeitsstätten, eine Wanderarbeitsstätte in Herborn im Dillkrcis zu errichten sowie der Erwerbung des Bömper- schen Anwesens in Herborn für diesen Zweck durch den Dillkreis zugestimmt. BiS zur Eröffnung der Wander­arbeitsstätte soll jedoch in Herborn eine Wanöcrcingangs- station ins Leben treten.

* Hamlet als Hoteidieb. In Koblenz, der alten Rhein­stadt, war's. Die Theatcrlcitung hatte Zettel anschlagen lassen, daß ein bedeutender Hamletdarsteller als Gast am Abend die sonderbare Behauptung ausstellen werde: „Ich wittere Morgenluft." Der Name des Gastes war Max Bayrhammer. Und er selbst ging in seinem Hotelzim­mer auf und ab, um gewissenhaft noch einmal die Rolle zu durchfliegen, mit der er die Koblenzer am Abend fortreitzen wollte. Plötzlich klopft's. Ein ernst blickender Herr betritt das Zimmer, weist eine metallene Marke vor und erklärt dem Künstler, daß er ihm zur Polizei folgen müsse, „En­ge l n n ö Boten Gottes st e h t uns bei!" ruft Ham­let erschreckt aus, der, ganz in seine Rolle versunken, glaubt, der Geist seines Vaters winke ihm zu folgen. Der „Geist" war aber ein Kriminalbeamter, der in dem Zitat natürlich ein Schuldbekenntnis witterte und dem erschrockenen Dänenprinzen auf den Kopf zusagte, man habe in ihm einen internationalen Hoteldieb erkannt. Noch immer in dem holden Rollenwahne, murmelt Hamlet, vor verhaltener Erregung zitternd: „Mein Schicksal ruft!". Nun stand es für den Kriminalbeamten fest, daß er den Rich­tigen erwischt habe: er faßte den Arm des vermeintlichen Verbrechers, wodurch Hamlet aus seinem Trance erwachte und plötzlich wieder Max Bayrhammer wurde, der natürlich nicht wenig verwundert war über den Besuch, den er be­kommen. Und als der eifrige Kriminalist ihm seine, das heißt des internationalen Hoteldiebes, Missetaten vorhielt, da griff er sich mit der berühmten Bm,rhommerqcste an die Stirn und in das wallende Künstlerhaar — er verstand nicht, was der Andere fyj erzählte. Um Zusammenhang in die wirren Dinge zu bringen, wollte er seine erprobte Me­thode anwcnden, die einzelnen Momente schriftlich fest­zulegen, um dann Ordnung in das Chaos zu bringen. Da aber der Beamte ihm nicht gestattete, auf den Knopf der elektrischen Klingel zu drücken, schrie er mit Stentor. stimme, sodaß es der Oberkellner, wenn er noch am Leben war, unbedingt hören mußte: „Schrcibtafel her, da­mit i ch's n i e d e r s ch r e t b e !" Der Kriminalist glaubte, er sollte geuzt werden und ging daher energisch aufs Ziel los, indem er dem Künstler die und jene und noch viele andere sehr schlimme Missetaten vorhielt. Allmählich be­griff Herr Bayrhammer, was der Andere von ihm wollte, und in einem Anflug von Galgenhumor rief er mit dem Shakespeareschen Dänenprinzen aus: „O, welch ein Schurk' und niederer Sklav' bin ich!" Aber als der Beamte ihn mitnehmen wollte, wurde es ihm doch unge­mütlich, und. wenn er ihm auch zugab, „Ihr tut, was Euch Beruf und Neigung heißt", so suchte er dem

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Feuilleton.

Theater.

Neues Theater in Frankfurt a. M. Ueber die Ur­aufführung: „Am goldenen Horn", Schauspiel in vier Akten von Pierre Frondaie, nach dem Roman „L'homme »ui assasstna" von Claudel Farrtzre, schreibt unser Frankfur­ter rw-Mitarbeiter: Ein wunderschöner Titel, eine wun­derschöne Ausstattung und ein — jetzt aber mit Anfüh­rungsstrichen — „wunderschönes" Stück. Gleich beim er­sten Aufgang des Vorhanges ein allgemeines „Ah!" Eine offene Balkonterrasse, irgendwo am östlichen Ufer des gol­denen Horns gedacht, mit Ausblick auf das jenseitige im Lichterglanz flimmernde Stambul, aus öesscm Häusermeer sich die mondscheinbeleuchtetc Kuppel der Hagia Sofia er­hebt, im zweiten und vierten Akt ein prächtiger Empfangs­saal (wohl in der französischen Botschaft in Pera'?) mit stilvollem Interieur, im dritten ein lauschiger Pavillon mit dem ganzen Zauber orientaler Romantik. Dazu eine Handlung, die in Sen zwei ersten Akten zwar etwas ein­förmig ist, im dritten und vierten aber an „Sensationen" und „Spannung nichts zu wünschen übrig läßt. — L'homme, qur nyassina, also „der Mann, der gemordet hat", ist nämlich der Oberst Marquis von Ssvigno, Militäratta­ches bei der französischen Botschaft in Konstantinopel, dessen Beweggründe zur Lat aber, besonders von der Frauen­welt, als Hochherzog und heldenhaft werden gepriesen wer­de». Es galt die Uisichüdlichmachung des Ärchibald Falk- land (Edmund Heding), eines brutalen Wichtes, der, um seine natürlich edle Frau Mary (Jenny Balliere a. G.) zu Gunsten seiner ehrsüchtigen und intriganten Geliebten Edith (Nelly Marco) zu bcjeitigen, jener in Gemeinschaft E e E lem seiner „Freunde", dem Prinzen Czernuvitz (Otto Wallburg), eine Falle stellt, sie auch glücklich darin

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tigcn Ärchibald nieder und bemächtigt sich sodann des er­zwungenen Dokuments, um es zu vernichten. Frau Mary aber, dre den nicht minder schurkischen Prinzen liebt, hält diesen für den Mörder und mithin für ihren „Befreier", wodurch rhre merkwürdige Neigung nur noch verstärkt wird. Zum Schluß erführt sie zwar den richtigen Sachver­halt, doch reicht sic dem edelmütigen Marquis nicht etwa die erbetene Hand, o nein, sondern sie scheidet von ihm und „kehrt zu ihrem Kind zurück". — Aus ist die Handlung, die, wie man sieht, sich für ein Kino dritten Ranges ganz vor­züglich eignet. Dazu noch einige Nebenfiguren, wie Meh- med Pa,cha (Hans Schwartze) und Alik Ali (Hans Schind­ler), deren goldstrotzende Uniformen ganz besonders zu imponreren schienen. Die Regie hatte Direktor Arthur Hellmer selbst übernommen, der es wiederum verstanden hatte, die allzu schroffen Effekte fein abzutönen, so daß der nicht zu leugnende starke äußere Erfolg des Abends zum großen Leit ans sein Konto, dann aber auch auf das der sämtlichen Darsteller und Darstellerinnen zu setzen ist.

abfängt: uns der nun von seiner zusammcnbrechenden Gat­tin ctitc Schrift erzwingt, in der sie sich des Ehebruches schuldig bekennt und gleichzeitig auf das Kind verzichtet. Der Oberst von Ssvigns, der Frau Mary im stillen liebt und die vorangegangene Szene ungesehen beobachten konnte, stößt, ebenfalls von anderen ungesehen, den schuf-

Kunst.

Wird Morgan verkaufen? Aus Amerika kommt die zuiiächlt recht verwunderliche Nachricht, daß der Sohn Pier- pont Morgan» die von seinem Vater ererbten Kunstschütze verkaufen will. Daß die Sammlungen nicht dem New- Yorker Metropolitan-Museum zugefallen sind, berührte eigenartig, denn der Millionär hatte diese Absicht geäußert. Auf dem Kunstmarkte würde ein Verkauf der Sammlungen eine Panik hervorgerufen und Morgan jr. würde wohl kaum die Preise beim Verkaufe erreichen, die sein Vater anlegen mußte: da der größte Teil des Kunstbesttzes, in er­ster Linie die allerwertvollsten Kunstwerke, sich in Museen befinden, also dem Kunsthandel vollkommen entzogen sind, wird der Kunstmarkt, auf dem sich eine verhältnismäßig kleine Anzahl von ersten Werken älterer Meister befinden, durch die kleinsten Vesitzveränderungen empfindlich beein­flußt. Würden die Morganschen Sammlungen hcure zusammen auf den Markt kommen, so würde das da sic nur allererste Werke enthalten. einen Preissturz bedeuten, der ihren Verkaufswert be­deutend verringern würde. Auch wenn der Verkauf

nicht auf einmal, sondern allmählich bewerkstelligt würde, würde die Beeinflussung kaum geringer sein. Die ameri­kanische Gefahr, die bisher von den europäischen Samm­lern und Museumsleitern so gefürchtet war, bestand ja in erster Linie in Morgan, neben dem die anderen amerikani­schen Sammler, wie Altmann, kaum aufkamen. Er selbst hat die Preise der Kunstwerke so hoch getrieben, daß sie jetzt, wo diese Gefahr nicht mehr in ihrer früheren Stärke besteht, notwendig nachgeben müssen. Infolgedessen bedeu­ten seine Sammlungen nur totes Kapital, das auch bei einem Verkaufe kaum Gewinn bringen dürfte, und dieser Umstand dürfte iernen Sohn, der ja nicht gerade Mangel zu leiden braucht, bestimmen, Berkaufsabsichtcn, wenn er sie hegt, nicht in die Lat umzusetzen.

Wissenschaft.

a Zum Tode Friedrich Jodles. Aus Wien, 27. Jan., wird uns von unierem (L)-Mitarbeiter geschrieben: Ge­stern ist hier, noch nicht 65 Jahre alt, Friedrich I v d l gestorben. Er war mehr als der Ordinarius für Philoso­phie an der Wiener Universität, mehr als der glänzende Gelehrte, dessen „Geschichte der Ethik", dessen „Lehrbuch der Psychologie" rn der wissenschaftlichen Welt besondere Auf­merksamkeit fanden. Für Wien hat Jodl noch ein übriges getan: er hat dre nmstergiltige Durchführung der Votks- bilönngsbestrebungeil jahrelang geleitet und überwacht. Der „Wiener Volksbilüungsverein", dessen Präsident er

durch geraume Zeit mar, hatte viel verloren, als er sich vor einigen Jahren zurückziehen mußte: das Amt eines Bild.

ncrs gerade der sonst verlassenen und vernachlässigten Mit­menschen war ihm gleichsam ein ethisches Bedürfnis, war ihm Sache heiligster Ueberzeugung, und so lebte er ihm. Unvergessen wird es Friedrich Jodl auch bleiben, daß er in- mitten der Reaktion einen abgeklärten, menschlich reinen Freisinn bewahrt und bekannt hat. Das Unterrichtsmtni- sterium, allezeit der Hort der Reaktion — schon Grillparzer klagte, der „Kultus" habe den „Unterricht" erschlagen — dieses „Ministerium für Kultus und Unterricht" geriet durch diesen vorurtcilsfeindlichen Mann in schwere Verle­genheiten, und setzte ihm einen zweiten Ordinarius, Lau- renz Müllner, an die Seite, der katholischer Priester war«

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