Donnerstag, 89. Januar IMl, Wiesbadener TagblM« _Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Sette I.
fahrt in j>as Gebiet der Großen Sund a-Inseln in See gegangen. Zu dieser hat der Geschwaderchef auch den zweiten Panzerkreuzer der oftasialischen Station, die „G n e i - senau", herangezogen, der zuletzt in Singapore ankerte. Ein dritter Kreuzer des Geschwaders, die „Leipzig", kreuzt bereits seit Wochen im Gebiet der Sunda-Jnfeln und hat die Molukken, Timor und Java aufgesucht, während der „Tiger" in Hinterindien nach der Molaischen Halbinsel in See ging.
Die Schiffsbauten des Etatsjahres 1911. Mit dem aus der Germaniawerft in Kiel erbauten Kreuzer „Karlsruhe", der kürzlich zu Probefahrten in Dienst gestellt wurde, ist das erste Kriegsschiff aus dem Etatsjahre 1911 unter die Flagge getreten. Der zweite kleine Kreuzer, der auf den Howaldis- werken erbaute „Rostock", wird in nächster Zeit ebenfalls zur Indienststellung bereit sein. Zu den weiteren Bauten des Etatsjahtes 1911 gehören vier Großkampfschiffc, und zwar drei Linienschiffe und ein großer Kreuzer. Von den Linienschiffen werden „Großer Kurfürst" auf der Vulkanwerft in Hamburg, „Markgraf" auf der Weserwcrst bei Bremen und „König" auf der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven erbaut. Der große Kreuzer „Derfflinger" befindet sich bei Blohm n. Voß in Hamburg im Bau. Auch diese vier großen Schiffe werden voraussichtlich im Laufe dieses Jahres zur Jndienst-. stellung kommen.
Deutsche Schutzgebiete.
Die Deutsche Gesellschaft für Eingcborcnenfchntz. Das
Januarheft der „Kolonialen Rundschau" macht in seinem einleitenden Artikel Mitteilung von der Gründung der Deutschen Gesellschaft für E i n g eib o re n e n - s cb u tz und druckt den A u f r u f zum Eintritt in die Gesellschaft ab. Die neue Gesellschaft sieht als ihre Aufgabe an: die Mitarbeit an dem Schutz und der Hebung aller unentwickelten Rassen, vor allem der Eingeborenenbevölkerung in den deutschen Schutzgebieten. Daß eine solche Gesellschaft, wenn sie sich bemüht, auch den Forderungen der wirtschaftlichen Interessen gcrcchr zu werden, Gutes wirken kann, ist nicht zu bezweifeln. Es ist dringend wünschenswert, daß das Interesse der weiteren Skf-mtUchkeit auf die kolonialen Bevölkerungsfragen gebracht wird, denn von ihnen hängt schließlich die Zukunft der Kolonien wesentlich mit ab.
KuZlanö»
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Die Arbeiter-Fachverbände. Der Rückgang der französischen Arbeiter-Fachverbände nimmt weiter zu und wird um so beunruhigter beobachtet, als in allen Ländern die Entwicklung der Arbeiter-Syndikate fortschreitet. Nach den letzten Ausweisen des „Office du Travail" sind die französischen Arbeiter-Syndikate vom 1.Januar 1912 von 5217 mit 1 064 413 Anhängern am 1. Januar 1913 auf 5046 mit 1 027 059 Anhängern zurückgegangen. Das bedeutet in einem Jahre eine Verminderung um 171 Verbände und 87 354 Mitglieder. Die Arbeitsbörsen ihrerseits haben 45 Syndikate mit 66 610 Anhängern eingebüßt. Im Gegensatz dazu haben die Fachverbände der Arbeitgeber sich um 175 mit 11 406 Teilnehmern vermehrt. Auch die landwirtschaftlichen Fachverbände schreiten fort. Am 1. Januar 1912 zählte man nämlich 5379 mit 934 317 Anhängern, ein Jahr später hingegen 6178 mit 976 117 Syndizierten.
Norvcnneritt«!
Wilson und der Panainakanal. Washington,
27. Jan. Es wird bestimmt versichert, daß Präsident Wilson gelegentlich einer Konferenz mit der Kommission für aus- wärtige Angelegenheiten sich gegen die Befreiung der amerikanischen Küstendampfer von den Panamakanalzöllen aus- fprach. — Präsident Wilson hat ferner eine Verordnung unterzeichnet, durch die ab 1. April in der Panamakanalzone eine dauernde Regierung errichtet und Oberst G o e t h a l s zum ersten Zivilgouverneur ernannt wird.
China.
Eine neue wichtige Bahnkonzession an Frankreich.
Peking, 28. Jan. Der Berkehrsminister und die Banque Industrielle haben am 21. d. M. einen der Bestätigung durch das Hauptburcau der Bank in Paris unterliegenden vorläufigen Vertrag zum Bau einer 400 englische Meilen langen Eisenbahn von Jünnanfu nach Tschungking unterzeichnet. Die Bahn bildet ein höchst wichtiges' strategisches Verbindungsglied der französischen Linie von Haiphong sowie der französisch-belgischen Linie von Fatung mit Lantschau, Hai- mönting und Hauptlinie Peking-Hankau. Die französischen, ruisischen und belgischen Interessen erlangen damit ein ungeheures Bahnnetz von 4000 Meilen Länge.
Bits Stabt unö Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Anmeldung zur Schule.
Wieder einmal ist die Zeit gekommen, in der diejenigen Kinder, die das sechste Lebensjahr bereits vollendet haben oder doch bald vollenden werden, zur Schule angemeldet werden müssen. Für Eltern ist damit die Frage zu beantworten: In welche Schule schicken wir unser Kind? Und daneben heischt die vielleicht noch wichtigere: Ist unser Kind körperlich und geistig schulreif? eine Entscheidung. Bei der Wahl der Schule spielen gewöhnlich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse eine ausschlaggebende Rolle. Ob das richtig ist, soll hier nichtnäher untersucht werden. Wer sein Kind der Volksschule zuführen will, ist einer weiteren Wahl der Schule enthoben; für ihn kommt nach den behördlichen Bestimmungen nur die Schule seines Bezirks in Frage. Ein Zwang zur Anmeldung besteht für alle die Kinder, die bis zum 1. April d. I. ihr sechstes Lebensjahr^ vollenden. gß r unsere Volksschulen können weiter noch wlü)e Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. Juni sechs Jjsiüe alt werden. Eine Verpflichtung zur Aufnahme dieser Kinder besteht jedoch nicht. Dringend zu raten ist allen Eltern, lchwachliche Kinder oder solche, die körperlich oder geistsg zurückgeblieben sind, vom Schulbesuch befreien zu lassen, geschieht dies auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses, bei Volks,chülern nach Anhörung des Schularztes. Regel müßte e» werden, daß kein erst nach dem 1. April 6 Jahre alt werdendes Kind zur Schule angemclder werden sollte, ohne daß vorher mit dem Hausarzt darüber Rücksprache genommenn worden wäre. Bemerkt sei noch, daß die Zeit, für die ein Kind vom Eintritt in die Schule befreit ist, äyrt auf die gesetzlich vorge,chriebenen acht Schuljahre an
gerechnet wird. Praktische Bedeutung hat dies jedoch in der Regel nur für Bolksschüler; es kann aber auch in Frage kom- inen bei Schülern, die eine mittlere oder höhere Schule nicht ganz durchlaufen.
— Das 25jährigr Dienstjubiläum als Lehrer und Leiter der hiesigen Blindenanstalt feiert Inspektor A. Claas am nächsten Montag, den 2. Februar.
— Wiesbaden im Film. Morgen Freitag, alEnds 8 Uhr, wird das Thaliatheater in der Kirchgasie festlich vor geladenem Publikum eröffnet. Eine ganze Reihe interessanter Sujets aus dem Wiesbadener Leben sind, wie schon ertvähnt, zu der Eröffnungsfeier „verfilmt" worden. Wilhelm Clobes nennt seinen Vorspruch „Willkommen bei Thalia!", ein „Filmprolog in 500-Kino-Metern und ein paar Versen mit fünf Wiesbadener Flimmerbildern". Die einzelnen Zwischenstationen des Prologs sollen das Publikum mitten in den Strudel der Kirchgasie ebensowohl führen als auf die „Wimmelstraße" und auf die Eisbahnen im Kurpark und „Unter den Eichen".
— Ortskrankenkasse und Arzneimittel. Bezüglich der Erwiderung des Vorstandes der „Wiesbadener Kassenärzte" in Nr. 44 ist zu bemerken — so schreibt man uns daß eine große Anzahl hiesiger Kassenärzte aus ihrer eigenen Tasche oft beträchtliche Summen für Arzneien bezahlt haben, die diese Ärzte in dem vorliegenden Krankheitsfall für wirks nn und notwendig gehalten haben, aber weder Reklamemittel noch in dem Verordnungsbüchlein enthalten waren. Beruhigender für uns Kassenpatienten ist gewiß, daß das Ver- ordnungsbüchlein dem preußischen Kultusministerium, Abteilung für Medizinalangelrgenheiten, zur Prüfung eingereicht worden ist. ob die darin enthaltenen Mittel für die ärzr- liche Kassenpraxis genügen.
— Landwirtschaftliche Tagungen. Die diesjährige Win- terkonfer-enz der Vorstände der preußischen Landwirtschaftskammern findet am Mittwoch, den 4. Februar, in Berlin statt. Als Vertreter der hiesigen Landwirtschafts- kammer werden deren Vorsitzender B a r t m a n n-L ü d i ck e (Frankfurt), der stellvertretende Vorsitzende Landrat Kammerherr v. H e i m b u r g (Wiesbaden) sowie der Generalsekretär Landesökonomierat Müller (Wiesbaden) den Verhandlungen anwohnen. — Die erste Tagung der 13. Sitzungsperiode des König!. preußischen Landesökonoftiiekolle- g r u m s findet in der Zeit vom 5. bis 7. Februar d. I. im Festsaal des Abgeordnetenhauses zu Berlin statt. Die hiesige Landwirtschaftskammer wird bei den Verhandlungen durch ihren Vorsitzenden Bartmann-Lüdicke (Frankfurt a. M.) vertreten sein. — Die 42. Plenarversammlung des deutschen Landwirtschaftsrats tagt in der Zeit vom 10. bis 13. Februar im Herrenhaus in Berlin. Als Vertreter unserer Landwirtschaftskammer wohnen der Tagung an: die
beiden Vorsitzenden Bartmann-Lüdicke (Frankfurt a. M.) und Landrat Kammerherr v. Heimburg (Wiesbaden).
— Die Freiwillige Sanitätskolonnc vom Roten Kreuz hielt am letzten Sonntag eine größere Übung im Gelände zwischen Bierstadt und Erbenheim ab, die am städtischen Gaswerk an der Mainzer Straße abgeschlossen wurde. Übungsleiter, Leutnant d. R. B ö n i 1t g, hielt eine Besprechung ab und dankte den wackeren Freiwilligen, die sich trotz des kalten Wintertags in den Dienst der guten Sache des Roten Kreuzes gestellt hatten. Die Verletzten wurden von der Jungdeutsch- land-Jugendwehr gestellt. Im Anschluß an die Übung wurde die Koloniie von Herrn und Frau Oberingenieur Urfey durch Kaffee und Zubrot bewirtet. Die Jugendwehr kochte sich im Freien einige Kessel Kaffee und spielte bis zum Einbruch der Dunkelheit auf freiem Feld.
— Gerichtliche Jmmobilien-Bcrstcigernngen. Auf Grund des Gebots von 99,90 M. bar bei einem Hypothekenguthaben von 33 456 M. ist den Eheleuten Bäckermeister Wilhelm Weygan dt und Ehefrau, geb. Fischer, dahier für das Anwesen Waldstraße 64 in Biebrich vom Amtsgericht der Zuschlag erteilt worden. — Bei der gerichtlichen Versteigerung des Hausgrundstücks Roonstraße l9 Hierselbst legte das Höchstgebot mit 6470 M. die Nassauische Landcsbank ein, welche ihre Ansprüche an die nachstehend benannten vier Personen. Elisabeth Zolling er, Henriette Zollingcr, Frieda Zollin- ger und Architekt Wilhelm Schröder in Wiesbaden abtrat. Der Zuschlag wurde gleich erteilt. Das Anwesen hat einen Gebäudesteuer-Nutzungswert von 1360 M. — Im weiteren war einer Versteigerung ausgeseht das Wohnhaus mit Nebengebäuden, Hofraum und Hausgarten in Dotz- h e i m, Biebricher Straße 63, 6 Ar 81 Quadratmeter groß Schätzungswert 29 000 M. Das höchste Gebot rührte dabei von dem Inhaber der ersten Hypothek, Tierarzt Di\ Hermann Müller in Biebrich, her, welchem auch gleich an Ort und Stelle der Zuschlag erteilt wurde.
Ku§ dem vereinsleben.
vorberichte, Verelnsvcrsammlungen.
* Der „Allgemeine D e u t sch e Realschulmann er- V e rei u" (Verein für Schulreform). bält seine Jahresversammlung morgen 8 rmtag den 30 Januar, abends
Uhr. rn der Turnhalle der Sprehschen Lehranstalt Rhein-
.. * Die heute abend im Hof". Moritzstratzc 6,
stattfindende Hauptversammlung des ,.B e r e i n s z u m S ch u h e flehen s ch ä d I1 w e - & r e b x t g e h c n" begannt um sy 2 Uhr.
.* Die „Wiesbadener Gesellschaft der F r r e d e n s f r e u n d e" veranstaltet am Donnerstag, den 29. Januar, abends 514 infe, ’, r S crb !e ten Zimmer des Restaurants ..Gambrinus". Marktstraße 20. eine zwanglose Mitgliederversammlung zum «weae des gegeriseitigen Gedankenaustausches. Gäste sind willkommen.
* Der F lei sch erg e-'lfen -Verein Wies
baden", gegründet 1883. halt seinen diesjährigen Festball am Sonnlag. den 1. Februar, in den öderen Räumen der „Walhalla" (Kurtheater) ab. .
* Der Männergesang-Vereu' „E o ncordi a" beabsichtigt.
anläßlich seines diesjährigen -".»-»renballes am Fastnacht- Niontag ein Festspiel mit Tanz amzufuhren. Die Damen und Herren deS Vereins sind zu rmei Besprechung auf Donnerstag, den 29. Januar, abends 8% Um. ms Vereinslokal. Kleine Sck'walbacker Straße 10. eingeladen.
* Der hiesige „Freidenkerverein" bat in seiner vorgestrigen Generalversammlung leinen alten Vorstand nrie» de": ewählt und die Veranstaltung einer Häckelfeier beschlossen.
vereinsoorträge.
Der e; ste diesjährige Lichtbilder - Vortrag des S t o l z e s ch e n S t e i> o g r a P b c n v e r e i n s E. E. Stolze- Schrey welcher am Sonntag, den^ 5. Januar, im „Hotel Römer" stattfand. behandelte die VUsel Zeylon uiid ihre Bewohner in Gegenwart und Vergangenheit. Mit Hilfe vorzüglich vorgefnhrter Lichtbilder gab der, .neuner interessante Einblicke in das Leben und Treiben aut dem paradiesischen Eilande, welches infolge seiner üppigen tropische,, Vegetation und der reichen Bodenschätze eine beachtenswerte Rolle im Welthandel spielt. Mit der besonders wichtigen Leeproduktion und ihren einzelnen Phasen tote auch mit den herrlichen Baudenkmälern aus alter Zeit machte der Vortrag naher bekannt. Tie inter
essanten, von Humor getragenen Ausführungen des Herrn Todt-Biebrich fanden den lebhaftesten Beifall der sehr zahlreichen Zuhörer. (Ohiie Gewähr.)
5lus dem Landkreis Wiesbaden.
hw. Schierstem, 27. Jan. Die diesjährige Jahreshauptversammlung der hiesigen Turn gemeinde fand am Samstagabend in der Turnhalle des Vereins statt. Erschienen waren ungefähr 70 Mitglieder. Aus dem Bericht des Verem-- vorsitzcnden August Steinheuner, der die Mitglieder kurz begrüßte, sowie aus dem Turn- und Kassenbericht war zu ersehen, daß das abgelaufene Geschäftsjahr ein rn leder Hinsicht erfolgreiches war. Der Mitgliederbestand, der am Jahresanfang 355 betrug, erhöhte sich im Laufe des -aayres um 16, also auf 871. Der Kassenumsatz weist in Einnahme 5208,66 M„ in Ausgabe 4641,89 M., mithin eine Mehreln- nahme von 561.77 'M. auf. Das Vereinsvermögen m Hohe von 48 761,77 M. beträgt nach Abschrift von 14.370 M. an Schulden 29 391,77 M. Die reichhaltige Vereinsbibllochei wurde um verschiedene lehrreiche Schriften vermehrt. D>e durchschnittliche Besuchsziffer derTurnstunden ^ durch tue aktiven Turner betrug 40. Der seitherige Vorstand wurde im wesentlichen wiedorgewählt Nachdem bezüglich des bevorstehenden hier stattfindenoen Gauturnfestes noch verschiedene wichtige Punkte erörtert waren, konnte die Versammlung ,n vorgerückter Stunde geschlossen werden.
z. Bierstadt, 27. Jan. Der neu gegründete Ziegen- zuchtveretn hielt ,m Gasthause „Zur Krone seine konstituierende Versammlung ab. 30 Mitglieder haben sich ,n den neuen Verein angemeldet. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Heinrich Rieth, 1. Vorsitzender; Philipp Kilian, 2. Vorsitzender; Christian Rupp, Kasiierer und Schrisi- führer; Peter Müller und August Wendel als Beisitzer. Als Vereinsdiener meldeten sich freiwillig Friedrich Karl Vogel und Adolf Schwenzer. In die Körkommisfton wurden gewählt: Asmus Schneider, Heinrich Klotz, Christian Rupp und Peter Müller. Sämtliche Gewählten betrachten vor aufig das Amt als Ehrenamt. Bis zum 1. März ist, das Eintrittsgeld aus 50 Pf. festgesetzt und von da ab betragt es 1 Mark, während der monatliche Beitrag 20 Pf. betragen soll. In allernächster Zeit soll ein Vortrag über die Ziele, und Bestrebungen der Ziegenzucht gehalten werden. Einstimmig wurde der Anschluß an den Verband nassauischer Z'egen- zuchtvereine beschlossen. — Im Gasthaus „Zum Engel hielt die Pf erd ev e rsi cheru n gs lasse ihre Jahres-Haupt- versammlung ab. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden geht hervor, daß dem Verein 68 Mitglieder mit etwa 100 versicherten Pferden angehören. Die Versicherungssumme belief sich aus 62 000 Mark. Es wurden die Vereinsge,chafte in acht Borstandssitzungen und einer Generalversammlung erledigt. Für vier eingegangene Pferde waren 2080 Mark aufzubringcn. Nach dem Kassenbericht beliefen sich Einnahme aus 8819,12 M. und Ausgabe 3318,35 M. Das Bar- vermogen beträat 3259 M. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Karl Stcrnberger, 1 Vorsitzender; Karl Friedrich Bierbrauer, 2. Vorsitzender; Christian Ludwig Vogel, Kassierer. Zu Taxatoren pro 1914 wurden gewählt: Friedrich Brech, Wilhelm Seulberger, Christian Ludwig Seulberger II., Wilh Rink Heinrich Bierlirauer und Georg Philipp Vogel. Die Änderungen der Statuten wurden einstimmig genehmigt und sollen als Nachtrag in den Satutenbüchern eingereiht
z. Kloppen!,cim, 27. Jan. Der Männergesang-Verein „Eintracht", unter Leitung des Musiklehrers Hecker zu Biebrich, hat beschlossen, sich im laufenden Jahre an einem Gesangwctt st reite zu beteiligen. — Am Sonntag, den 8. Februar, hält der Männergesang-Verein „Concordra" im Saale „Zur Rose" sein diesjähriges Konzert ab. Der Verein tritt alsdann zum erstenmal mit seinem neuen Dirigenten, Herrn Petcrsen (Wiesbaden) aus. — — Am 18. Januar fand im Saalbau „Zur Rose" ein Konzert des Gesangvereins „Germania" statt. Das reichhaltige Programm enthielt außer 10 Chören noch 8 Theaterstücke und einen Solovortrag. Die Leituiig des Konzerts lag m Händen des Musik- und Chordirektors R. Herber (Wiesbaden). — Unser elektrisches Werk ist, soweit wieder hergestellt und nimmt heute wieder den Betrieb auf.
ei. Hochheim, 27. Jan. Der „Sängerbun d", der stärkste hiesige Gesangverein, kann demnächst auf ein 7 0- jähriges B e st e h e n zurückblicken. Er beabsichtigt aus diesenl Anlaß am 28. und 29. Juni eine größere Festlichkeit zu veranstalten, verbunden mit der Weihe einer neuen Ver- einsfahne. — Es Hai sich Hierselbst ein Komitee gebildet, das beabsichtigt, am 15. Februar im Rahmen eines „Bunten Avends" ein Wohltätig keitskonzert zu veranstalten. — Die ziemlich kahle Ostwand der e v a n g e I i s ch e n K i r ch e war in den letzten Jahren durch vier prächtige Palmen gedeckt; bei Eintritt der kalten Jahreszeit in die Kirche gebracht, verfehlten sic auch hier ihres erhebenden Eindruckes nickst. Merkwürdigerweise hat man sie in diesem Jahre im Freien stehen gelassen, so daß sie bei der strengen Kälte c r- froren sind. — Die militärischen Vereine feierten mit Unterstützung sämtlicher Gesangvereine und der Turngemeinde bereits am Samstag durch einen Kommers den Geburtstag des Kaisers.
NafsKUifche Nachmchtsn.
Versuche zur Bekämpfung der „Geißel der Winzer" mit „Nikotin" und „Golazin Jtötsi".
Die bisher in verschiedenen Gemarkungen im Rheingau, in Rheinhessen und in der Rheinpfalz von einzelnen Weingutsbesitzern vorgenommenen Versuche, den Rebschädling: Heu- und Sauerwurm, jene Geißel der Winzer, durch Spritzen mit N'.kotin zu bekämpfen, haben recht schöne Erfolge gezeitigt. Von hervorragenden Weinbausachverständigen im Rheingau und in der Rheinpfalz wird die Verwendung des Nikotins im allgemeinen jedoch als ein Mittel zur Bekämpfung des Schädlings bezeichnet, das unter Umständen die Reife der Trauben schädigend beeinflusse. Besonders die Seife, mit der das Nikotin vergällt werde, wirke in dieser Weise nachteilig. Auch sei es bewiesen, daß die mit Nikotin behandelten Trauben gerade bei hochedlen Gewächsen einen Wein lieferten, der nach Nikotin riecht und schmeckt. Da die Behandlung^ mit Nikotin außerdem viel Zeit in Anspruch nimmt, dürste bei -dem Mangel an Arbeitskräften eine ratio- uelle Bearbeitung der Weinberge mit diesem Mittel kaum durchführbar sein, da in einem Tage höchstens ein viertel Morgen bespritzt werde. Zudem reize Nikotin die mit ihm Arbeitenden zum Erbrechen, eine Beobachtung, die im vergangenen Herbst in der Gemarkung Hochheim a. M. gemacht wurde, so daß die Arbeiten unterbrochen werden mußten. — ©in anderes Mittel dagegen, das geruch-, geschmacklos und nicht giftig ist, mit dem Versuche von Weingutsbesitzern erfolgreich ausgeführt worden sind, stellt das „Golazin Jtötsi" von I. Golaz in Küßnacht-Zürich dar. In der Gemarkung Rüdesheim a. Rh. wurde „Golazin" in einzelnen Weinbergen der^ wohlbekannten Firma Johann Baptist Sturm sowie in verschiedenen Distrikten der Freiherrlich v. Stumm-Hallbergi- ichen Weingutsverwaltung verwendet und durchschlagende Erfolge erzielt. So wurden aus den Versuchsstrecken von vorhandenen Heuwürmern bis 85,2 Prozent infolge Anwendung des „Golazin" getötet und durchschnittlich auf einer Rute Weinbergsgelände, auf der man dem Sauerwurm mit „Golazin" zu Leibe ging, das 4- bis gfache geherbstet gegenüber einer anliegenden gleichgroßen Flüche, die mit dem Mittel -acht behandelt war. Die' großen Weinbergsbesitzer im Rheingau, unter ihnen vor allem die König!. Preußische Domäne, stehen auf dem Standpunkt, daß die Winterbekämpfung zwar die beste Bekämpfung der Rebschädlinge sei,
