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Sette A. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.

politische Übersicht.

Ueber das Verhältnis zwischen dem Reichs­kanzler, dem Kaiser und dem Kronprinzen

äußert sich Abg. D. Naumann recht interessant in der neuen Nummer derHilfe". Er schreibt:Will ein Reichs­kanzler auf seinem Platz bleiben, so mutz er in erster Linie darauf sehen, datz der hohe Auftraggeber nicht gegen ihn ein­genommen wird. Wir trauen Herrn ll. Bethmann-Hollweg zu, daß er durchaus bereit ist, sein Amt abzugeben, sobald jemand anders gefunden wird, der es nicht schlechter führt, und glauben nicht, datz er auf Umwegen sich den Kaiser sichert und etwa gefährliche Nebenbuhler rechtzeitig stürzt und entfernt. Solche Handgriffe liegen ihm nicht und würden ihm Wahrscheinlich mißlingen. . . . Widerspruch innerhalb des mgsten Kreises der Staatsleitung ist zur Sicherung der Politik des Staates unter Umständen durchaus nötig und wird tat­sächlich vorgebracht. Auch gegen besondere Reiterstückchen des Kronprinzen ist, so weit man davon hört, der Kanzler Auge in Auge nicht ohne Mut, ohne Würde, aber desto mehr gehört es dann zu den ersten Aufgaben seines Amtes, das Ansehen des Kaisers und seines Sohnes nach außen peinlich und selbst unter Aufopferung eigener Zwischenempfin- dungen zu wahren. Das ist der Unterschied vom Fürsten Lülow. Bülow hat nach der Hofansicht den Kaiser im

November 1908 der Öffentlichkeit p reisgegeben -

Die spätere Geschichte wird ihm wohl recht geben, zunächst aber dient er als abschreckendes Beispiel, wie es ein Reichs­kanzler n r ch t machen darf. Man passe einmal auf, wie selten der gegenwärtige Reichskanzler von seinem verehrten Borgänger spricht, neben dem er so lange gesessen hat und von dem ihm der Platz bereitet wurde! Das braucht nicht Undank zu sein, aber es ist Vorsicht. . . . Deshalb steigt er auf wie ein gereizter Höhlenbär, sobald im Reichstag nur der Name des Kronprinzen erwähnt wird. . . . Wir nehmen ohne weiteres an, datz der Reichskanzler über die Tele­gramme des Kronprinzen nicht viel anders denkt als der Abg. Frank, aber da er Kanzler ist, springt er auf und schirmt das Haupt des Angegriffenen, und Staatssekretär Delbrück benutzt die nächste passende Gelegenheit, um nochmals dasselbe zu tun. Die Diener Seiner Majestät erwerben sich ein Verdienst um den Sohn Seiner Majestät."

Ein ketzerischer Revisionist.

Sehr ketzerische Ansichten über die Militärfrage äußert in der neuen Nummer derSozialistischen Monatshefte" der revisionistische Landtagsabgeordnete Kolb. Er gibt zwar zu, daß die Sozialdemokratie dem heutigen Staat, der auf der Grundlage des kapitalistischen Privateigentums ruhe, prin­zipiell als Gegner gegenüberstehe. Aber es sei völlig verfehlt, daraus den Schlutz zu ziehen, datz sie deshalb alle Einrich­tungen ablehnen muffe, die zum Schutz dieses Staates ge­schaffen werden. In der Tat sehe sich ja die Partei, je größer sie werde, um so mehr zu positiver politischer und parlamen­tarischer Mitarbeit gezwungen. Genau so sei sie nun auch in ihrer Stellung zur Militärfrage einfach gezwungen, von bloßer Verwerfung zu eigener Anteilnahme überzugehen. Kolb fährt fort:Datz unsere bisherige Taktik im Kampf gegen den Militarismus zu nichts geführt hat, wird nicht be­stritten werden können. Weder haben wir dem Wettrüsten Einhalt gebieten,'noch irgend eine Reform von Bedeutung auf militärischem Gebiet erzielen können. Dagegen wurde es durch unsere Haltung den bürgerlichen Parteien sehr leicht gemacht, erst einmal unsere Reformforderungen zu ignorieren und dann die Lasten der Wehrverstärkung fast restlos durch indirekte Steuern zu decken. ... Das Versagen einer so großen Partei, wie es die Sozialdemokratie heute ist, in :iner Frage, bei der es sich um die nationale Existenz des Lölkes handelt, mutz notwendig zu ihrer politischen Iso­lierung und damit zu ihrer politischen Lahmlegung führen. . . . Wollen wir nach wie vor keinen Mann und keinen Groschen bewilligen, dann überlassen wir die Ge­staltung des Heereswesens auch nach wie vor den anderen; wir dürfen uns dann über deren unangenehme Begleiter­scheinungen nicht beklagen, ganz abgesehen davon, datz wir uns als maßgebende politische Partei selbst ausschalten, wenn wir

leren bedeuten sie den Glanz eines Tages. Der Überfluß streift der Not an den Ärmel. Sorge trägt dieser, die jener ohne Umstände lindern könnte. Für Minuten, für Bruchteile einer Sekunde taucht fremdes Schicksal im Brennpunkt unse­res Gesichtsfeldes auf, und im nächsten Nu ist es auf Nimmer- ivicdersehen verschwunden. In einem Augenblick, den er sich unbeobachtet glaubt, stürzt die ganze Qual eines Menschen­herzens durch die lächelnde Gesellschaftsmaske. Aber schon fällt wieder der Vorhang der Konvention darüber. Als Nätfelzeichen, unerklärbar, unbedeutbar, bleibt es in unserem Gedächtnis zurück. Und wiederum huscht ein anderes, halb Angedeutetes, halb Verhohlenes, vor uns auf. Ein Wirbel von Ungewissem umkreist uns im Vorübergehen; an allen Ecken und Enden ist ein Geheimnis in der großen Stadt und ein ungefähres Ahnen-lassen zugleich. Und hier, auf der Korsostratze, dem großen winterlichen Rendezvousplatz der Ge­sellschaft: da drückt sich dieses Halb-Vertraut und Halb-Ver- schleiertsein, dies Einanderkennen, ohne den Namen zu wissen, stärker, faszinierender aus, als sonstwo in der Stadt.

Menschen wimmeln an uns vorüber; fremdartig rühren uns fremde Leben an und lassen uns nicht mehr los, denn durch die tägliche Berührung gehören sie irgendwie ein wenig zu uns. Jeder weiß von dem anderen ein Stück seiner Biographie. Kleine Buben haben wir hier in lange Hosen hineinwachsen sehen. Mütter wurden aus kokettierenden Mädchen. Irgendwie sind diese legeren, gutgelaunten Ge­stalten an uns gebunden. Wir denken ihren Lebensweg aus, von dem wir nicht mehr wissen, als dieses Stückchen täglicher Promenade. Wir spielen Erraten wie Kinder, wir schließen wie Dichter fremde Schicksale auf. Da ist diese sanfte Blondine, deren prächtige drei Buben sie rechtzeitig daran ver­hindert haben, eine femme incomprise zu werden. Und her oort, mit dem doppelbödigen Wesen des seignierten Welt­mannes und des harten unerbittlichen Leuteschinders; in seinem Innersten ist er wund von unbefriedigtem Ehrgeiz. Die Schwere seiner Hände, seine gewalttätigen Kiefer sind Schutzwehr gegen die eigene Schwäche, und die Brutalität ver­birgt sich unter Weltmannsallüren.

Hier ist sein stürmisches Losgehertum zu lässiger Eleganz temperiert, denn alle diese tausendfach Verschiedenen sind hier durch eine Gemeinschaft gebunden, die sie rhythmisiert, die sie dem Ganzen einordnet: die einen, denen der Luxus Selbstver-

WresbaderM Sagblaif»

in der wichtigsten Frage der Nation dauernd versagen." Kolb sagt auch noch, die negative Haltung der Sozialdemo­kratie in der Militärfrage bleibe weiten Kreisen des Volkes unverständlich, sie schädige die Partei namentlich auch in den Schichten, die sonst für sie gewonnen werden könnten.

Herr Kolb ist hier sehr offenherzig, und er hat die Sozial­demokratie an einem ihrer wundesten Punkte getroffen. Wir glauben allerdings nicht, datz er die Parteigläubigen über­zeugen wird; denn der Kampf gegen den Militarismus gehört nun einmal zu den Agitationssormen, die für die Sozial­demokratie wohl noch auf lange Zeit typisch sein werden.

Deutsches Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Ein seltenes Jubiläum begeht am 1 . Februar He,r Karl G e b e k in Görlitz, namlrch das 26jährige Jubiläum als Chefredakteur desNeuen Gor- litzer Anzeigers". Der Jubilar, der dem angesehenen fort­schrittlichen Blatte ein volles Vierteljahrhundert hindurch seine Arbeitskraft und seine Kenntnisse gewidmet hat. erfreut sich in politischen und journalistischen Kreisen Schlesiens der größten Hochachtung und Beliebtheit.

Gestern vormittag verschied nach längerem Leiden, m Bamberg der Domkapitular und päpstliche Hauspralat Johann Wagner im Alter von nahezu 71 Jahren.

* Ministerwechsel und Vcrfassungsfrage in Mecklenburg. Die Berufung des Dr. Langfeld zum Ministerpräsidenten in Mecklenburg-Schwerin ist damit in Zusammenhang ge­bracht worden, daß der Grotzherzog die Verfassungs­frage wieder energisch in Fluß bringen wolle. Wie dem Hannov. Courier" berichtet wird, bezeichnet man ganz all­gemein Df. Langfeld als geistigen Urheber der 1907 be­gonnenen mecklenburgischen Verfaffungsaktion. Jedenfalls war die Anregung zu den Reformplänen und der erste Ent­wurf sein Werk. Später mag eine Zeitlang der Einfluß des Grafen Baffewitz überwogen und die rückschrittliche Tendenz der Kompromitzentwürfe verschuldet haben. Danach wird man nicht umhin können, in der Berufung gerade dieses Mannes zum Ministerpräsidenten den Wunsch des Grotz- herzogs zu erkennen, in dem neuen Ministerium ein geeigne­teres Werkzeug zur Durchführung der Berfaffungsreform zu finden. Schon die Ernennung eines Bürgerlichen zum ersten Beamten des Landes ist in Mecklenburg etwas ganz Außerordentliches.

* Kundgebungen von Mitgliedern der Ersten Elsässischcn Kammer. Seit der Zabernsitzung der Ersten Kammer äußerten sich schon mehrere ihrer Mitglieder in der Presse zur Sache, Professor Wiegand, der aus Gesundheitsrücksichten der Sitzung nicht beiwohnte, Justizrat Ruland und Ober- landesgerichtspräsident Dr. Molitor. In allernächster Zeit wird abermals eine Kundgebung eines Mitgliedes der Ersten Kammer von sich relden machen: die Broschüre des Weihbischofs Freiherrn Zorn von Bulach über Zabern.

* Schmiergelder. Rund 30 000 M. Geldgeschenke unbe­kannter Geber sind, wie dieKreuzztg." erfährt, im ver­gangenen Jahre der R e i ch s k a s s e zugeführt worden. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um sogenannteSchmier­gelder", die den staatlichen Behörden und ihren Beamten von Lieferanten als Dank für irgend einen Vorteil zugesandt, aber nicht angenommen wurden. Solche Schenkungen schwanken zwischen 3 und mitunter '1000 M. und mehr und kommen am häufigsten im Bereich der Militärverwaltung vor. Vor allem werden Zahlmeister, Bezirksfeldwebel, Frontfeld­webel, seltener Offiziere durch Schmiergelder zu beeinflussen gesucht. Oft werden auch Gebrauchsgegenstände der mannig­fachsten Art übermittelt. Der aus dem Verkauf erzielte Er­lös wird ebenfalls der Reichskaffe überwiesen. Gelingt es, einen solchenSchmierer" zur Anzeige zu bringen, so erfolgt schwere Strafe wegen Beleidigung und Verleitung zum Treubruch.

* Die 42. Plenarsitzung des Deutschen Landwirtschafts- rats findet vom 10. bis 13. Februar in Berlin statt. Auf der reichhaltigen Tagesordnung stehen wichtige wirtzschafis- poMsche Gegenstände von allgemeinem Interesse wie: 1. All­mähliche Abstoßung der ausländischen Wanderarbeiter durch Vermehrung der einheimischen Landarbeiterschaft und durch Verbreitung des maschinellen Landwirtschaftsbetriebes. 2.

[ Landwirtschaftliche Vorbereitung auf den Ablauf unserer

> Handelsverträge. 3. Die Bewegung der LebensmNelpreise

ständlichkeit ist. und diese anderen, denen es das Außerordent­liche, den Luxus, bedeutet, wenn sie der drängenden Arbeit am hellichten Tage eine nichtstuerische Stunde abringen. Eine ständige Festlichkeit umstrahlt diese Straße. An jedem Tag wird hier ein munteres Fest gefeiert, ein Burgtheaterlustspiel unter freiem Himmel aufgeführt. Plötzlich aber platzt der Armeleurdunst in die Burgtheateratmosphäre, in das Korso­aroma. Ein armseliger, zerlumpter Junge drängt sich, Schnürriemen in den blaugefrorenen Händen, an einen Herrn im Stadtpelz und Zylinder. Erbost stößt der mit dem Stock auf.Pack", bricht es von seinen schmal verklammten Lippen, dann monologisiert er ein wenig geniert in seiner Hartherzigkeit noch eine Weile von Kindererziehung, von Bettelei und von Eltern, die die verdammte Pflicht und Schul­digkeit hätten. . .

Arbeitslos.

In den verengten Seitengassen der Großstadt nistet die Arbeit. Zu ihr hin führt der breite, beladene Lastweg, auf dem der Arme ein paar Stückchen achtlos niederfallendes Holz, achtlos abgeglittene Kohle erhascht, und aus dem dampfenden, rußigen Winkel der Arbeit steigt strahlend und (auf weitem Umweg) blitzblank gemünzt der festlich hege Reichtum der Korsostraße auf. Insgeheim und im Verborgenen ist sie in den tausendfältigen, mühselig keuchenden, spielerisch beschwing­ten Bewegungen die zusammenhaltende und einordnende Kraft. S:e ist der bestimmende Orgelpunkt in dem millionen- stimmigen Orchester Großstadt. Und wie in einem verkürzen­den Gleichnis drückt sich ihr tägliches Wesen, Men sichtbar, allen lesbar, hier noch einmal aus: hier in dem Maschinen­raum einer großen Zeitung, des Mikrokosmus aus dem täg­lichen Geschehen. Dumpf dröhnen die Letternmetalle, Trans­missionsriemen kreischen. Und der mechanische Zählapparat klingt auf, Ivenn wiederum ein paar tausend Nummern aus- gedruckt sind. Neugierige Augen spähen durch die Fenster. Eilige hemmen für Sekunden den Schritt, Spaziergänger verweilen. Aber wenn sic alle sich in Geschäftigkeit oder Überdruß verlaufen haben, starrt einer noch mit Augen, die nicht loskönnen, in diese dumpfe Tätigkeit, und aus dem .schmutzigen, druckerschwarzen Treiben flimmert es goldig vor ihm auf: Arbeitsgewinn, Geldmöglichkeit und ein aufatmen­des Ende seiner drückend arbeitslosen Not. Vielleicht ist es der Vater jenes Knaben, den der Hochmut zur selben Stunde

DormerSkag, ss. Januar 1914. Nr. 47.

feit 1900 in Deutschland, Ungarn, Frankreich, England, Belgien, Schweden, Rußland, den Vereinigten Staaten usw. 4. Aufgaben und Satzungen der neuen Buchführungsstelle des D. L. R. 6. Zentralisation des landwirtschaftlichen und gowerblichen Arbeitsnachweises zum gegenseitigen Ausgleich der Arbeitskräfte. 6. Stellung zur Arbeitslosenversicherung. 7. Deutschlands Baumwollversorgung und kolonialer Baum­wollbau. 8. Schafzucht und Schafwolleproduktion in Deutsch. Südwestafrika.' 9. Mißbräuche bei der Einfuhr russischer Futtergerste. 10. Reichsgesetzuche Regelung des Verkehrs mit Futtermitteln, Düngemitteln und Sämereien usw.

* Ein guter Rat an den Preußenbund. Einen guten Rat gibt dieKölnische Volksztg." dem Preußenbund:Der größte Dienst, den der Prcußenbund dem deutschen Bewußtsein leisten könnte, bestände darin, daß er sich schleunigst wieder auf - lüfte. Wäre für seinen Patriotismus ein solches Opfer zu groß?"

X Zur Rerchstagseriatzwahl in Schwetz. Infolge der Ungültigkeitserklärung der Wahl des Reichsparteilers von Halem in der Wahlprüfungskommission des Reichstags steht in dem Wahlkreise Marienwerder 5 (Schwetz) abermals eine Ersatzwahl bevor, nachdem bereits am 30. Dezember 1912 eine Nachwahl stattgefunden hat. v. Halem legte bekanntlich am 10. Dezember 1912 sein Mandat freiwillig nieder. Bei der Ersatzwahl am 30. Dezember 1912 erhielt v. Halem (Rpt.) von 15 908 gültigen Stimmen 8017, der Pole v. Satz-Jaworski 7866, der Sozialdemokrat 33; die übrigen waren zersplittert. Da die absolute Mehrheit 7956 betrug, hatte v. Halem mit einer Mehrheit von 62 Stimmen das Mandat behauptet. Jetzt ist die Wahl infolge verschiedener Unregelmäßigkeiten aber­mals für ungültig erklärt worden. Man wird die Wahl überall mit großem Interesse entgegensetzen.

post und Fifenhfhn.

Die Verkehrseinnahmen des Reiches. Die Einnahmen der Reichspostverwaltung betrugen in den ersten neun Monaten des laufenden Etatsjahres 612,57 Millionen Mark gegen 585,04 Millionen Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Dezember 1913 waren die Einnahmen mit 74,98 Millionen Mark (1912: 69,52 Millionen Mark) recht hoch, so daß sich dadurch das Ergebnis der bisherigen Post­einnahmen gegenüber dem Etatsanschlag im Vergleich zu den Vormonaten etwas verbessert hat. Allerdings stehen die tat­sächlichen Einnahmen . hinter dem Neunmonatsanieil am Etatsanschlag, der 681,80 Millionen Mark beträgt, noch um fast 19,3 Millionen Mark zurück, und es muß als zweifelhaft erscheinen, ob der Etatsanschlag in diesem Jahre von den Reichsposteinnahmen erreicht wird. Die Einnahmen der ReichseisenbahnVerwaltung stellen sich in den neun Monaten auf 120,47 Millionen Mack; im Dezember 1913 betrugen sie 12,51 gegen 12,76 Millionen Mark im Dezember 1912, waren also geringer. Im Vergleich zum Etatsanschlag ist noch ein Plus von rund 8 Millionen Mark vorhanden.

Einlieferungsbeschemignngen bei Postagenturen. Die

Postamenten können fortan nach eigenem Ermeffen, jedoch unter ihrer Verantwo'MckckLit einen oder mehrere ihrer von der Post- verwaltuna zuqelassenen ständigen Vertreter emächtigen, Post- einliefeungsscheine selbständig zu vollziehen sowie in Post­einlieferungsbüchern zu quittieren.

Reer und

Berlin-Adlershof wird Fliegergarnison. Der endgültige Entschluß der Militärverwaltung, Adlershof zur Garnison einer Bersuchsabteilung der Fliegertruppen zu machen, ist vor wenigen Tagen gefallen und auch für die Gemeindeverwal­tung ganz überraschend gekommen. Das Barackenlager der Abteilung, die aus ungefähr 100 Mann mit 6 bis 8 Offizieren bestehen dürfte, wird auf dem Gelände der deutschen Ver­suchsanstalt für Luftfahrt mit Beschleunigung errichtet. Be­reits in den allernächsten Tagen beziehen die Truppen ihren neuen Standort. Die Gemeinde Adlershof und ihre Ver­waltung ist natürlich darüber hoch erfreut, datz sie Militär erhält.

Kreuzergeschwader. Der Chef des Kreuzergeschwaders, Vizeadmiral Graf v. S p e e, hat mit seinem Flaggschiff Scharnhorst" und dem KanonenbootTiger" seinen Besuch in der Hauptstadt von Siam, Bangkok, beendet und ist jetzt auf der Winterreise des Kreuzergeschwaders zu einer Rund-

auf der Korsostratze beschimpft hat. O, sicher, denn die Not verbindet und macht alle Menschen untereinander verwandt.

Immer ist sie mit ihrer zerrenden Sehnsucht auf Posten vor den rastlosen Stätten der Arbeit. Wie würde das träg verfrorene Blut jauchzend durch die stetig bestrafften Adern rollen! Kräfte spürt der Mann in sich, eine drängende Fülle. Aber der Fluch der Arbeitslosigkeit entwertet die Stärke seines Körpers, und so blickt der Mann von der Straße sehnsüchtig in das Paradies der Arbeit, von dem er ausgesperrt ist. Warum?! Aber seine Hände sind schon zu schwach und zu verzagt, um sie zu ballen, und traurig schleicht er weiter, der düstere Schatten des Schwarz-Weiß-Künstlers Winter.

Schneefall.

Und wiederum ein anderes Bild. Ganz licht und leicht und lind. Glitzernde Sterne schweben aus dem Himmel. Die laute Straße wird leise. Der Schnee hüllt den rasenden Lärm der Großstadt ein. In seinem molligen Teppich verhallt das Klirren der Hufe, das Rattern der Autos, das Stampfen der Lastwagen. Hurtige gehen wie Lässige, beschwingte Karossen mäßigen das Tempo im Lastwagentrab. Der Gleich­macher Schnee breitet einen wundervollen Frieden über die Stadt.

Nun brennen die Laternen auf. Helle Lichter riesiger Kristallüster blinken aus den Palästen auf den leuchtenden Schnee. Langmächtige Reihen edler Karossen fahren vor die Ballsäle. Helle Frauen verschwinden durchs Tor. Sie schrei­ten mit großen Schritten dem Wunderbaren entgegen. Um ihre Lippev blinkt ein lichter Schimmer der Freude, die ihrer wartet.

Dann wird die Straße ganz still, als hielte sie unter der liebkosenden Umhüllung des Schnees den Atem an. Rur ein schwärmender Dichter geht spät in der Nacht durch die Ruhe. Weiß, weich und weit'fällt der Schnee, als sollte die ganze Erde turmhoch umhüllt werden, als sollte dies Tage so fort gehen und niemals ein Ende nehmen. Und irgendwie spürt der Dichter, wie auf dem hohen Meer, das Gefühl der Un­endlichen. Sein Herz wird ihm groß und er liebt sie alle, den armen Mann, der sich die warme Nacht von der Straße aufliest, den Arbeitslosen, der sich nach Tätigkeit sehnt, und die schimmernden Frauen. Er liebt sie alle, in denen Sehn­sucht ist. Nur den dicken Pelzherrn vom Korso, der keine Sehnsucht hat, den liebt der Dichter nicht.