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Werck-AuSgaLe, L. ME.

Wrssbadettvr Tagdlaru

— Allgemeine Ortskrankenrasse Wiesbaden. Von beteilig­ter Seite wird uns geschrieben: »Unter vorstehender Spitz- rnarke bringt die Morgen-Ausgabe des „Wiesbadener Tag- Llatts" vom 28. Januar eine Notiz über die Vorstandssitzung der genannten Kasse vom Montagabend, in der die Wahl der beiden Vorsitzenden besprochen wird, trotzdem den Vorstands- mitgliedern zur Pflicht gemacht ist, über die Verhandlungen Stillschweigen zu bewahren. Der Verlauf der Wahl ist zwar nt dem Artiiel an sich richtig dargestellt, doch wird die Sache auf das politische Gebiet hinübergespielt insofern, als eine Gruppe des Vorstandes als sozialdemokratisch benannt wird. Geschieht dies aber, so darf die andere Gruppe nicht als bür­gerlich, sondern sie mutz als zu der Zentrumspartei gehörig bezeichnet werden. Schon bei der Agitation gelegentlich der Ausschußwahlen wurden von gewisser Seite immer die ver­einigten bürgerlichen Parteien genannt im Gegensatz zu den Sozialdemokraten. In Wirklichkeit sind diese bürgerlichen Parteien bei der Verteilung der Mandate sehr schlecht weg- gekommen. Bei weitem die große Mehrheit der Mitglieder des Ausschusses sowohl als des Vorstandes sind Anhänger der politischen Zentrumspartei. Dieses Verhältnis entspricht in keiner Weise der Parität, die gerade von jener Seite immer betont wird (vergl. z. B. die Wahl eines Beigeord­neten). An dem Ausgang der Wahl der Vorsitzenden sind ein­zig und allein diese der ZcntrumSpartei angehörenden Mtt- glicder des Vorstandes schuld, weil sie der anderen Gruppe Las ihr nach allen parlamentarischen Regeln unzweifelhaft zu­stehende Recht auf den zweiten Vorsitzenden nicht zugestehen wollte. Man wird doch die Vertreter der organisierten Ar­beiterschaft nicht für so naiv halten, auf dieses Recht freiwillig zu verzichten; dafür haben sie der Ortskrünkenkasse viel zu große Dienste geleistet und sind noch heute, wenn auch in der Minderheit, noch immer die Träger derselben. Wie weit die Toleranz dieser bürgerlichen Mehrheit reicht, geht daraus her­vor, daß sie auch den langjährigen ersten Vorsitzenden beiseite schieben wollte; wenn dies nicht geschah, so waren hierfür nur taktische Gründe maßgebend. Die Zentrumsanhänger des Vorstands werden es sich bis zum Donnerstag zu überlegen haben, ob ein beamteter erster Vorsitzender oder ein Gewerk­schaftler als zweiter Vorsitzender das kleinere Übel ist."

Zeichen der Zeit. Bei einer vorgestern dahier abgehal- tenen freiwilligen Jmmobilienversteigerung, wobei. zwei hiesige Hausgrundstücke sowie vier Äcker und eine Wiese in den Gemarkungen Wiesbaden und Bierstadt in Betracht kamen, erfolgte k e i n G e b o t.

— Der Fürsorgeausschuss des Vereins Linbenhaus teilt mit, daß er für Rat- und Hilfesuchende in Fragen des Schutzes und der Rettung gefährdeter Mädchen, Frauen und Kinder eine feste Sprechstunde eingerichtet hat. Dieselbe fin­det an jedem Dienstag und Freitag von 1114 bis 12i/ a Uhr Emser Straße 12, 2, statt.

— Personal-Nachrichten. Den Sanitätsräten Dr. Maximilian B r e s g e n und Dr. Max Ohlemann wurde der Charakter als Geheimer Sanitätsrat verliehen. Die prak­tischen Ärzte Dr. Fritz Reich, Dr. Max Gerheim und Dr. August Brück sind zu Sanitätsräten ernannt.

— Staats- und Gemeindesteuer. Die Einzahlung der 4. Rate ist im Rathaus, Zimmer 17 (weihe Zettel) für die Straßen mit dem Anfangsbuchstaben G am 29. und 30. Januar; Zimmer 16 (grüne Zettel) für die Straßen mit dem Anfangsbuchstaben 8 am 29., 30. med 81. Januar zu be­wirken. „

— Ein rasendes Auto passierte gestern /Mittag 1 Uhr die obere Goethestraße und überfuhr mit Windeseile die Moritz­straße, so daß alle Passanten erschreckt dem Ungetüm aus- wichen und Zeter und Mordio schrien. Nach dem überqueren der Moritzstraße überfuhr das Gefährt ein Fahrrad, das am Trottoir lehnte und steuerte auf ein mit einem Pferd be­spanntes Milchfuhrwerk los, als es plötzlich vor der Metzgerei Weigand eine Rechtswendung auf das Trottoir nahm, das es mit den Vorderrädern anlief; dann blieb es stehen. Die Straßenpassanten stürzten aus das Benzinratz, und siehe da, es war führerlos und leer. Ein zufällig des Wegs kommen­der Chauffeur nahm sich seiner an.

— Unfälle. Der 26 Jahre alte Metzger Gustav Fritz, Kastelstraße 1 wohnhaft, zog sich gestern abend im Hause Oranienstratze 22 an einer Brotmaschine eine tiefe Schnitt­verletzung an der rechten Hand zu, die seine Überführung ins Krankenhaus nötig machte. — Infolge des Glatteises ist gestern früh am Faulbrunnenplatz ein Gemüsehändler aus der Bleichstraße gestürzt. Er blieb mit einer klaffenden Wunde am Kops bewußtlos liegen und wurde in seine Wohnung ver­bracht. — Ebenso stürzte ein Bäckerbursche und brach den Daumen der rechten Hand. — In der Blücherstraße stürzte das Dienstmädchen Marie Hcckmann infolge des Glatteises so unglücklich, daß es sich eine Knieverstauchung zuzog. Die Sanitätswache sorgte für Überführung der Verunglückten nach dem städtischen Krankenhaus. — Stadtverordneter Simon Heß stürzte gestern vormittag, als er bte_RüdeSheimer Straße überqueren wollte, infolge des Glatteises und erlitt eine Verletzung ani Fußgelenk. Er muß das Zimmer hüten.

— Ein Unfall, der leicht bedenklichere Folgen hätte nach sich ziehen können, ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr in der oberen, etwas abschüssigen Mosbacher Straße. Das Rollfuhrwerk eines Mainzer Unternehmers' geriet kn'olge ver herrschenden Glätte ins Rutschen, rannte gegen einen Bord­stein und schleuderte einen Teil der Ladung zur Erde. Um diese wieder auszunehmen, stieg der Fuhrmann vom Fuhr werk herab, plötzlich aber kam das Fuhrwerk wieder ins Rut schen. Ein auf der Straße haltender Postillon versuchte ver gebens den Wagen zum Stellen zu bringen. Dieser rannte jedoch in den Postwagen hinein. Außer einigen Haut Abschürfungen, die die Pferde erlitten, einem Bruch der Deiche sel des Fuhrwerks und einer ziemlich erheblichen Beschädigung der Frachtladung wurde Schaden nicht angerichiet.

— Tagblatt-Sammlungcn. Dem Taablatt-Verlag gingen zu für Kohlen für Arme: von E. W. 3 M.. A. K. 6 M, Fr-l. n Eck, 10 M.. für die vom Hochwasser Geschädigten: von A. K. ly M, .

—• Kleine Notizen. Die Eisbahn Adolfshöhc ist täglich geöffnet.

vorberichte über tkunst, Vorträge und verwandtes.

* Königliche Schauspiele. Infolge Erkrankung des Herrn Lichteiistein hat Herr Scherer in der heutigen Ausführung der „Cavalleria rusticana" die Partie des Turiddu ubenwurmen.

* Konzert. Das Prog-ramm zu dem Konzert, der Kammer­sängerin FrancrI l o-Kaufmann am Freitag im Fest­saal der TurnaefeUfchasj steht nunmehr fest: Arien aus ,La Traviata" „Ernam . „Lakme" und ..Lucia di Lammevmoor"; Sieder von Schubert, Smmnann. Massenet,, Alabiefs uiw wird die Künstlerin zum Vortrag bringen. Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen.

* Vortrag. Der Nadinm-Exverimental-Vortrag, der msrssa Donnerstag, csbends 8)4 Uhr, m der «Loge Plato" statt-

findet durch den Phvsiker Hermann Scheffler-Dresden. wird

v. <t behandeln: Die Gewinnung des Radiums, die wenn scheu, phtzsikalischen und physiologischen Wirkungen, .dis verschiedenen Strahlen arten, das Radiumgas, Atoinzerfall. Eiettronen- theorie, die elektrischen Erscheinungen der Luft unter dem Ein­fluß des Radiums, .das -Photographieren mit Radrum. da» Durchleuchten von Met<rLpl<ltten usw., Äus leuchten der Diccmmrten usw.

Rus dem Landkreis Wiesbaden.

-o- Biebrich, 28. Jan. Die K a t scrgcBurtStagS. f e t c r wurde auch diesmal in gewohnter Weise unter zah,- rcicher Anteilnahme der Bevölkerung begangen. Montagnach­mittag und abends fanden die einleitenden Feiern der oberen und mittleren Klassen der Freiherr vom Steinschule in oer städtischen Turnhalle sowie des Lvzciims, der Riehlschule und der gewerblichen Fortbildungsschule statt. Daran schloß sich abends SV, Uhr der Zapfenstreich der König!. Unteroffizier­schule, die'auch die gestrige Feier morgens 7 Uhr mit dem Wecken erösfn-ete. Vormittags hielten die einzelnen Konfessio­nen ihre Festgottesdienste ab. Um ßsil Uhr fand unter -rctl- nahme der militärischen Vereine die Parade der Unterofsizier- schule, diesmal auf dem .Hof der Kaserne, statt. In seiner Ansprache hob Oberstleutnant v. Wurmb hervor, daß cs das letztemal sei, daß die Truppe hier in Biebrich den Geburtstag des Kaiser» begehen könne. Nachmittags um 6 Uhr versam­melte sich die Zivil- und Militärgemeinde im Saal des Hotels „Bellevue" zu dem gewohnten gemeinschaftlichen Festessen. Oberbürgermeister Vogt gedachte im Verlauf des Mahls der nun über 25 Jahre dauernden glorreichen Regierung unseres Kaisers, dessen hervorragendes Verdienst es vor allem gewesen sei, die Einigkeit der deutschen Stämme und das Gefühl der Zusammengehörigkeit für alle Zeiten zu begründen. Seine Rede, die auch das stets erfreulich gute Verhältnis zwischen Zivil und Militär hier erwähnte, schloß, mit dem begeistert aufgenommenen Kaiserboch.

— S-nncnberg, 27. Jan. Im „Lokal-Gewerbeverein" hält Herr Dr. Weiß von der Nassauischen Lebensversicherungs- anstalt zu Wiesbaden am Donnerstag, den 29. Januar, abends 149 Uhr, einen Vortrag über die Nassauische Lebensver­sicherung.

— Dotzheim, 26. Jan. Die Register des diesigen Standesamtes Laben für 1913 mit 140 Geburten (1912: 151), das Heiratsregister mit 34 (4b) und das Sterdc- rcgister mit 64 ( 57) Beurkundungen abgeschlossen. Das Ver­zeichnis der Aufgebote enthält 53 Eintragungen. Wre tn den Vorjahren, so ist auch in dem abgelaufenen Jahr wieder ein Rückgang der Geburten zu verzeichnen.

NMauische Nachrichten.

Der letzte Wolf in Nassau.

Irt. Soden a. T., 27. Jan. Alten Zeitungsberichten zu­folge sind es in diesen Tagen gerade 60 Jahre her, daß sich während des strengen Winters von 1853 zu 1854 in den Ge­markungen von Soden und Unterliederbach ein Wolf zeigte. Ob das Raubtier erlegt wurde, darüber berichtet die Chronik nichts. Jedenfalls handelte es sich um einen Überläufer.

stt. Aus dem Taunus, 26 Jan. In den wildreichen Revieren zwischen Usingen und Brandoberndorf fandeii dieser Tage ausgedehnte Jagden auf Hochwild statt, die eine reiche Ausbeute lieferten. Bei Brandoberndorf wurden von Frankfurter Pächtern 6 Kapitalhirsche zur Strecke gebracht. Auch Oberförster Graf v Kerssenbrock erlegte in den staatlichen Forsten einen Spießerhirsch und schoß einen anderen weid-

Unterlieberbach, 27. Jan. Gestern abend hielt im Gast­haus zum „MeehauL" die hiesige Fortschrittliche Volkspart.ei eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Parteisekretär Eduard Bleicher sprach über: „Heer und Volk". Nachdem sich einige Herren neu als Mitglieder ange­meldet hatten, wurde die Wahl eines ersten und zweiten Vor­sitzenden vorgenommen. Als erster Vorsitzender wurde Direk­tor Schäfer, als zweiter Vorsitzender Ingenieur Kunze ge­wählt. Anfangs März soll eine weitere Versammlung statl- finden.

hw. Mittelheim, 26. Jan. _ Der diesjährige ordentliche Gauturntag des Turngaues „Süd-Nassau" findet am Sonn­tag, den 1. März, nachmittags l Uhr, im Turnlokal der hiesi­gen Turngemeinde (Saalbau Ruthmann) statt. Eine Sitzung des Gauturnrats und des Turnausschusses geht am Vormittag voraus.

8. Born Westerwald. 25. Jan. WeiU die stehenden Gewässer zngefroren sind, haben die Wasserbögel, besonders die Wildenten, die offenen Flußlaufe aufgesucht Man kann am Wied- und Holzbacb und an der Nister die schmucken Vögel beobachten. Auch der Jäger hat seine Freude daran, denn in dieser jagdarmen Zeit ist die Entemagd eine willkommene Ab­wechslung.

8, Marienbcrg, 25. Jan.. Im hiesigem Krankenhaus wur­den die Schwestern pon einem Italiener belästigt, so daß die Gendarmerie zur Hilfe gerufen werden mußte. Der rabiate Italiener zerriß sogar dre Schließkette und konnte er unter Beihilfe von zwei Männern in Gewahrsam gebracht werden.

8, Hachenburg. 25. Jan. .Ein Vortrag, den Ober« lentnant Schilgen-Berlin hier über die Fremdenlegion hielt, war nicht besonders gut besucht. Außer der Forstschule mögen wohl 20 Personen dagewesen sem. die noch zum Teil von auswärts kamen. — Die stadtrsche Eisbahn wird andauernd gut benutzt. Man plant sogar, sie jeden Abend zu beleuchten, damit auch die Personen, dre am Tage sich nicht frermacheu können, den: Eissport huldigen können. — Im hiesigen Stadtwald wurde eine Eiche gefällt, die etwa 17 Fest Meter Holz geliefert hat. — Rektor Kräh, der Leiter der hiesigen Schulen, wurde zum Leiter der neu- errichteten Mittelschule zu Herborn gewählt.

8. Gemiinden (Westerwald).. 25- Jan. Die hiesige Holz- warenfabrik von Kellner m Velbert, die seit Sommer außer Betrieb ist, ging an die Firma Gros und Feldmann in Ärfurt (Lahn) über. Die Fabrik soll als Bau- und M o b e l t i s ch l e r e i weiter betrieben werden.

Hus der Umgebung.

Neuerungen im Fernsprechverkehr.

üt. Frankfurt «. M., 26. Jan- Eine wesentliche Erleichte­rung im Fernsprechverkehr hat eine Privatgesellschaft „T e l e p h o n w a ch e" im Einverständnis mit dem Fern­sprechamt für Frankfurt eingeführt. ^ Die Wache nimmt jedes Ferngespräch und Stadtgespräch, das während der Abwesen­heit für den betreffenden Teilnehmer einläuft, entgegen, um cs diesem nach der Rückkehr zu übermitteln. Umgekehrt über­nimmt auch die Wache die Ausführung von Bestellungen und Aufträgen für jede Tag- und Nachtstunde. Die überaus prak­tische Neuerung dürfte sich in der Geschäftswelt und in den Privatkreisen rasch die weiteste Verbreitung verschaffen, sie bedeutet aber auch für das Fernsprechamt eine außerordent­liche Erleichterung.

ds. Mainz, 27. Jan. Der alte „Verein der Fort­schrittlichen Bolkspartci wählte gestern abend

Mittwoch, 28. Januar i&ti. Nr- * 6

Rechtsanwalt Dr. Leopold Mäher zu seinem ersten und Lehrer

Reiber zum zweiten Vorsitzenden. Außerdem wurden noch mehrere Ausschüsse, darunter solche für Agitation und Sozial- Politik, gebildet. Dem neuen Verein haben sich inzwischen 82 Mitglieder des alten angexchlossen.

ht. Frankfurt a. M., 27. Jan. Wie schwer vielen Leuten die Steuerzahlung, wird, zeigt eine Statistik über Mahnungen und Pfändungen der letzten Jahre. Mahnungen wurden rund 356 000, Pfändungen 145 000 ange­ordnet. Bon 80 000 vollzogenen Pfändungen erwiesen sich 64 975 als fruchtlos, also 75 Prozent. — ^ Au dem F e st - e s s e n im Zoologischen Garten, das heute aus Anlaß des Ge­burtstags des Kaisers stattfand, nahmen 700 Personen, dar­unter Prinz Heinrich der Niederlande, teil. Das Hoch auf den Kaiser brachte der kommandierende General des 18. Armeekorps v. Schenck aus. — stt. Im hiesigen Schnciderge werbe bereitet sich eine Lohnbe- w e g u n g vor, da die Verhandlungen zwischen dem Schneider- Verband und den Arbeitgebern über den neuen Tarifvertrag, der am 1. März in Kraft treten muß, bislang keine Einigung brachten. Die endgültige Entscheidung wird das Anfang Februar hier tagende Schiedsgericht bringen.

In. Vom Untermain, 27. Jan. Das Tauwetter hat im Wasserstand de? Mains bei Eddersheim und weiter tal­wärts noch ferne Veränderungen hervorgerufem Nach Mit­teilungen erfahrener Männer glaubt man. daß das Hoch- wasser nicht so schlimm wird, als man allgemein befurchtet. Trotzdem ist, um jeder Gefahr sofort. begegnen zu können, bereits ein umfangreicher Sicherheitsdienst von Kostheim bis Hanau organisiert worden.

— Hanau, 27. Jan. Bei einem hiesigen Einwohner wurde von der" Polizei ein großer Reisekoffer beschlag­nahmt. Er soll mit Juwelen und Goldwaren gefüllt sein, die in Mannheim uiw Strahburg gestohlen worden sind. Der Koffer wurde vor einiger Zeit aus Ehrenbreitstein hierher ge­sandt, und zwar von einem Kaufmann Sittig aus Frank­furt a. M., der früher bei jenem Hanauer, gewohnt hatte. Letz­terer, dem die Sache verdächtig erschien, erstattete jetzt An­zeige bei der Polizei. Sittig wird von der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Unterschlagung verfolgt. Er steht im Ver­dacht, an jenen Einbrüchen beteiligt gewesen zu sein. Sittig hatte geschrieben, man möge den Koffer vorläufig aufbewalw reu; er selbst wolle sich nach Kairo begeben. Sittig soll übri­gens inzwischen in Italien verhaftet worden sein.

— Dieburg, 27. Jan. Am 6., 7. uni> 8. Juni feiert der Gesangverein „Sängerlust" sein MjährigeS Bestehen verbun­den mit nationalem G efangwettstreit. über 8000 Dt. Geldpreise und wertvolle Kunstgegenstände sind vor­gesehen. Außer den Stadt- und Landklassen ist auch eine Quartettklasse und eine Abteilung für Vereine, die noch keinen Preis errungen haben, gebildet worden. Zum „höchsten Ehrensingen" stehen vier Ehrenpreise zur Verfügung.

— Offenbach c. M., 27. Jan. Der 13jährige Schüler Gustav Krämer hat sich bereits vor 3 Wochen aus der elter­lichen Wohnung Schloßgrabengasse 15 entfernt, ohne daß über seinen Verbleib inzwischen etwas in Erfahrung gebracht werden konnte.

-- Andernach, 27. Jan. In Polch feierten dre Eheleute Johann Hastentenfel das seltene Fest der diamantenen Hochzeit in geistiger und körperlicher Gesundheit.

8. Attenkirchen (Westerwald), , 26. Jan. Der geplante B i s m a r ck t u r m auf dem Dorn soll am 1. April 1916 ein­geweiht werden. Die Bausumme ist bis auf 1500 M. vor­handen. _

Letzte vrahtberichte.

Eine Verstimmung des Kaisers gegen den Reichstag?

8 . Berlin, 28. Jan. (Eig. Drahtbericht) Eine inter­essante Einzelheit wird uns von der gestrigen Defiliercour beim Kaiser aus zuverlässiger Quelle berichtet. Wie wir hören, hat der Kaiser seine unbegründete Verstimmung gegen den Reichstag dadurch zum Ausdruck gebracht, daß er bei der Defiliereour den Reichstagsprästdenten Dr. Kaempf einfach begrüßte, während er den beiden Präsidenten des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses ostentativ die Hand reichte.

Zu Kardinal KoPPS letztem Besuch in Berlin.

# Berlin, 28. Jan. (Eig. Drahtbericht) Nach der „Voss. Ztg.""hat der Kardinal Ko pp während seiner Anwesenheit in Berlin vor zehn Tagen jeden Empfang von Mitgliedern der Z e n t r u m s p a r t e i a b g e l e h n t. Dagegen hatte er mit dem Grafen Oppersdorfs eine zweistündig« Unterredung, deren Ergebnis die Veröffentlichung des be­wußten Briefes war. Auch im Kultusministerium sprach Kardinal KoPP vor. Wie verlautet, soll eS sich hier um Besprechungen über die Ernennung eines Ooacksutors cum jure successionis gehandelt haben. Kopp will dafür Sorge tragen, daß auch nach fernem Ableben,im gleichen Geiste wie bisher auf dem fürsilbischöslichen Stuhle von Breslau regiert werde.

General v. Hnene jetzt „Favorit" für den Siatthaltcrposte«, -st- Berlin, 28. Jan. (E,g. Drahtbericht) Die Frage, wer Statthalter der Reichslande wird, scheint sich allmählich zu einem anmutigen Rätselspiel auswachsen zu wollen. Jetzt taucht wieder mit großer Bestimmtheit der Name des Generals v. Hueue, des kommandierenden Generals des 14. Armeekorps^ in Karlsruhe, aus. In Karlsruhe ist man fest überzeugt, daß dem General v. Hnene die Aufgabe zu- fallen werde, den^Grafen v. Wedel, an dessen Rücktritt nie- inand mehr zweifelt, in der Regierung von Elsaß-Lothringen zu ersetzen. Es heißt, in der persönlichen Umgebung des Gciierals spreche man offen von dessen sehr bald bevorstehen­den Übersiedlung iw das Statthalterpalais in Straßburg. Freiherr v. Hoiningen, genannt Huene, war, bevor er kom­mandierender General des badischen Armeekorps wurde, Kom­mandeur der 30. Division in Straßburg lind von 1894 bis 1897 Chef des Stabs des 16. Armeekorps in Metz. Er ist ein Vetter des verstorbenen Freiherrn Karl v. Hoiningen, genannt Huene, der als Mitglied des Zentrums eine so be- deutende Rolle im Reichstag spielte.

Zur Abänderung der Servisklnsse».

8. Berlin, 28. Jan. (Eig. Drahtbericht) Durch dkv Blätter ging die Slachricht, daß dem Bundesrat und dem Reichstag demnächst eine Vorlage, betreffend Abänderung der Servisklasseneinteilung für zahlreiche Städte des Reichs, zu­gehen werde. Nach unseren Informationen find die Vor­arbeiten für eine solche Vorlage im Reichsschatzamt zwar eingeleitet, aber die Einbringung einer entsprechenden Vor­lage liegt bei dem Umfang der dazu erforderlichen ArbeitLir noch in weitem Feld,

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