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Nr. 45. MNtttvoch, 28. Januar 1914. ^MußbahttlCV _Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 3.

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der König!. Eisenbahndirektion Breslau ist auf den Bahn­höfen und in den Wartesälen folgende Bekanntmachung er­lassen worden:Das Tragen ungeschützter Hutnadeln inner­halb des Bahngebiets auf den Stationen und in den Zügen ist verboten und wird bestraft. Nichtachtung dieser Anordnung kann nach den §8 77 und 82 der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung mit G e l d st r a f e bis zu 100 M. be­legt iverden. Auch können derartige Personen von der M i t - fahrt ausgeschlossen werden." Es ist anzunehmen, das; bald auch die übrigen Eisenbahndirektionen dem in der Tat nachahmenswerten Beispiel der Direktion Breslau folgen werden.

BenachrichtigungSzcttcl im Postauftragsdienste. Bei Postaufträgen mit dem VermerkeSofort zurück" oderSofort an N. in N." oderSofort zum Protest" sowie bei Postprotest­aufträgen, die schon nach dem ersten Versuch der Vorzeigung zu protestieren sind, lassen die Briefträger künftig einen ge­druckten Benachrichtigungszettel zurück, wenn sie weder den Empfänger des Postauftrags oder dessen Bevollmächtigten an­treffen, noch eine der sonstigen, zur Bareinlösung von Post- aufträgcn berechtigten Personen über das Vorliegen des Auf­trags mündlich verständigen können. In dem Benachrich­tigungszettel sind die Postaufträge näher bezeichnet mit dem Zusatz, daß ihre Anlagen bis zum Abend am Postschalter unter Vorlegung des Benachrichtigungszettels noch eingelöst oder an­genommen werden können. . (.

Husland.

Gsterreich-Ungarn.

Tschechische Wirtschaftspläne und Träume. Das Tschechentum zeigt sich bekanntlich als die wirtschaftlich tüchtigste und unternehmendste der kleinen slawischen Nationen. Ihr ganz unter nationalen Gesichtspunkten arbeitendes Bankwesen ist reich entwickelt und dehnt sich immer mehr über alle österreichischen Kron- länder mit slawischem Einschlag aus. Hat doch die Zivnostenka Banka allein in Wien 14 Filialen! Tschechi­sche Banken haben in Kroatien und Bosnien, in Slawonien wie unter den Slowaken Nordungarns, in Krain und den Küstenlanden erfolgreich Fuß gefaßt. Auch in Handel und Industrie drängt die tschechische Unternehmung über die engeren Volksgrenzen hinaus. So wurde letzthin in Spalato in Dalmatien eine tschechisch-dalmatinische Handelsgesellschaft gegründet, die in erster Linie Getretdehandel treiben will. Die tschechi­schen Blätter haben in letzter Zeit mit Vorliebe von der tschechischen Zukunft auf dem Meere fabuliert. Während hierbei zunächst nur an die wirtschaftliche Er­oberung der adriatischen Küsten gedacht wurde, ver­tritt das angesehene TschechenblattCeske slovo" den Standpunkt, ' daß die tschechische Unternehmung ihr Augenmerk auch aus die nordischen Meere richten müsse und empfiehlt die Begründung tschechischer Han­delshäuser in Hamburg. Wir fürchten, der wagemutige Tschechenleu wird sich ein wenig den Schwanz klemmen, wenn er es versucht, durch das Gatter der Hamburgischen drei Türme zu schlüpfen.

Verhandlungen zum Buchdruckgewerbestreik. Wien, 27. Jan. Um die seit einiger Zeit herrschenden Streitigkeiten im Buchdruckgewerbe beizutegen, finden am 28. Januar im .Handelsministerium unter Leitung des Sektionschefs Mataja Besprechungen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Gehilfenschaft statt. Gleichzeitig hat das Hcmdelsimn:fte- rium das Tarifamt der deutschen Buchdrucker in Berlin eingeladen, einige Mitglieder als Sachverständige zu den Be­sprechungen zu entsenden.

Frankreich.

Pariser Kombinationen zum Aufenthalt Venizelos' in Berlin. P a r i s. 27. Jan. Die hiesige Presse beschäftigt »ich sehr lebhaft mit dem Aufenthalt des Ministerpräsidenten Venizelos in Berlin und seinen Konferenzen, die er mit ver­schiedenen politischen Persönlichkeiten hat. Man mißt diesen Konferenzen hier große Bedeutung bei und glaubt sich mit dem Gedanken der Gründung eines neuen großen Balkanbundes vertraut machen zu müssen. So kann nach einer Depesche desEcho de Paris" die griechisch-rumänische Verständigung als vollendete Tatsache angesehen werden. Die Großmächte sollen Griechenland verpflichtet haben, die Kan­didatur des Prinzen zu Wied in Albanien zu unterstützen. Sollte Griechenland hierbei von Bulgarien oder der Türkei angegriffen werden, so wird Rumänien offen an die Seite Griechenlands treten.

Italien. .

Ausbau der Luftflotte. R o m, 26. Jan. Die italie­nische Heeresverwaltung ist zurzeit eifrig mit wer Schaffung einer Luftflotte für die Armee beschas- tiat Es ist bereits mit dem Bau von vier Lenk- b a l l o n s st a r r e n Systems von je 30 000 Kubik- nretern begonnen worden. Der Ausbau der Lustftotte soll systematisch in der Meise fortgesetzt werden, daß sich Italien gegen Ende des Jahres im Besitz von sieben lenkbaren Luftschiffen befinden wird.

Schweden.

Das Küstcnschutzprvgramm. Stockholm, 27. Jan. In beiden Kammern wurde gestern von den Mitgliedern derselben e-ne Vorlage zu dem neuen Bauprogramm für die Küsten- iwttc -ingebracht. Von 1915 bis 1919 sieht die Vorlage den dreier Panzerschiffe vomSverig"-Tvp, dreier Unter­seeboote' und zweier Torpedojäger vor. Die Kosten betragen außer den früher berertgestellten 7 430 000 Kronen noch . 1 / 2 Millionen jährlich-

Türkei

wrpr Palästinafahrt des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel. K o n st a n t i n ° p e l 27. Jan. Der neue Botschafter d-r Vereinigten L-taaten IN Konstantinopel, Mr. Henry Morgen thau, der sich als Jude lebhaft für die Entwicklung Palästinas und das dortige jüdische Kolomfations- werk interessiert, wird Ende Marz d. I. eine für mehrere Wochen berechnete Reise nach Palästina antreten.

Ksien.

Rücktritt bcS Fiiranzministers. Peking. L6. Jan. öfiung-Hsi-Ling ist als Finanzminister zurückgetreten, bleibt aber Ministerpräsident bis zur Einführung des vom Präsi­denten befürworteten neuen Regierungssystems.

Kus Stabt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

allgemeine Volksschule.

Benötigen wir wirklich einer allgemeinen Volksschule? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmer der letzten Monatsversammlung desW i e s b « d e n e r 2 e h r e r v e r - e i n s". Die Ausführungen des Referenten (Herr B r o g l i e) bewegten sich im wesentlichen um folgende Leitgedanken: Un­ter einer allgemeinen Volksschule ist eine Schülergruppierung zu verstehen, die alle nur denkbaren gesellschaftlichen K o n - t r a st e in sich vereinigt, also die Schüler ohne Rücksicht aus Geschlecht, Konfession, Stand der Eltern, Talent usw. zu einer lebendigen Arbeitsgemeinschaft zusammenfügt. Gehen wir nun, um die Notwendigkeit einer solchen allgemeinen Arbeitsgemeinschaft nachzuweisen, zunächst auf die h i st o - rische Entwicklung der Volksschule ein, so müssen wir zugeben, daß die sog. Volksschule der Reformations- und späteren Aufklärungszeit sehr wohl eine Gliederung des Ge- iamtschulsystems in Konfesstons- und Standesschulen, sowie eine Differenzierung des Schulwesens nach dem Geschlecht der Kinder oder nach ihren intellektuellen Fähigkeiten zuließ. Ja, man kann ganz allgemein sagen, daß jede Schulgattung, die nur Wissenskultur pflegt oder nur durch den Unterricht er­ziehen will, jede vernünftige Breitengliederung vertragen kann. Anders aber ist es bei der Volksschule, die sich ganz in den Dienst des modernen Persönlichkeitsideals stellt und ihre Zöglinge für ihren allgemeinen Beruf als Bürger und Mensch tüchtig machen will. Die Erziehung zum Menschen verlangt nun nach P e st a l o z z iDie Entfaltung der mensch­lichen Kräfte nach dem ganzen Umfang ihrer Natur". Dieses kann niemals durch bloßen Unterricht erreicht werden. All­seitig und eindringlich bildet nur das vielgestaltige, reizge­sättigte Leben selbst. Daraus ergibt sich die große Bedeutung des Familien- und öffentlichen Gemeindelebens für die allge­meine Menschenerziehung. Daraus ergibt sich aber auch die Notwendigkeit der allgemeinen Volksschule, sobald nachgewiesen werden kann, daß in dem natürlichen Familien- und Gemeindeleben unserer Großstädte nicht mehr voll und ganz jene pädagogischen Voraussetzungen vorhanden sind, welche das Kind benötigt, um die in ihm latent liegenden sozialen Grundkräfte zu entbinden. Das ist in der Tat der Fall.

Die Bewohner eines Dorfes stellen gleichsam eine Familie im großen dar. Hier sind die Bewohner durch die Bande des Blutes und die Gleichheit der Interessen mannig­fach miteinander verbunden. Dieses Zusammengehörigkeits­gefühl wird noch dadurch verstärkt, daß bei der Kleinheit des Gesellschaftsverbands jede im Dorf sich erhebende Lebens­schnelle sofort die Gesamtheit überflutet. Dazu kommt, daß sich alle Vorgänge vor der breitesten Öffentlichkeit abspielen, daß überall noch das ursprüngliche elementare Leben empor­schäumt. So stellt das Seelenleben und Gesellschaftsleben eines solchen Dorfes eine Atmosphäre dar, der sich niemand, auch das Kind nicht, entziehen kann. Unter solchen Umständen ist wohl das frisch dahinrauschende Leben die beste und billigste allgemeine Volksschule, neben welcher besondere künstliche Er­ziehungsanstalten nur als ergänzende Faktoren Wert und Bedeutung erlangen können. Ganz anders in der Gr o ß - st a d t. Das differenzierte Gesellschaftsleben, die Vielheit der Berufe, die innere Fremdheit der Menschen stört hier jede Gemeinsamkeit des Denkens und Handelns. Durch die außerordentlichen Bildungsunterschiede, die Selbständigkeit der modernen Menschen im Denken und Fühlen, die zersetzen­den Wirkungen einer einseitigen, intellektuellen Kul­tur werden diese Differenzen nicht gemildert, sondern noch verschärft. Das schlimmste aber ist, daß die sozialen Ver­hältnisse der Großstadt oft auch störend und zersetzend in das Familienleben eingreifen. Der Gelderwerb hält Vater und Mutter außerhalb des Hauses. Das Kind bleibt sich selbst überlassen. So ist es unmöglich, daß sich sein Trieb-, Gemüts- und Willensleben allseitig entfalten kann, daß in ihm starke soziale Interessen und warme altruistische Gefühle mächtig iverden. Und doch beruht gerade auf solchen seelischen Potenzen die Macht und innere Einheit der Gemeinde wie des Staates.

Durch umfassende Maßnahmen der Politik lassen sich die bestehenden ungesunden sozialen Verhältnisse wohl mildern, aber nicht heben. Eine radikale Besserung läßt sich nur von der Pädagogik erwarten, die uns wieder an die all­gemeine Volksschule weist. Dabei ist es selbstverständlich, daß unsere heutige allgemeine Volksschule in Geist, Ziel, Methode und Organisation einer grundsätzlichen Reform zu unter­ziehen ist. Die moder n e Volks sch u I e hat die sozialen Kräfte des Schülers allseitig zu entfalten und zu kultivieren. Allgemeine Kräfte wecken kann aber nur das vielseitige soziale und kulturliche Leben. Darum muß die Schule selbst eine soziale Lebens- und Arbeitsgemeinschaft im kleinen dar- stcllen. In der Familie, in der primitiven Gemeinde, muß sie wie die Erziehungsschuft Pestalozzi-Glüphis ihr Muster und Vorbild erkennen. Alle gesellschaftlichen Kontraste alle Stände, Geschlechter und Konfessionen muß sie in ihrem Rahmen vereinigen. Die allgemeine Volksschule sei Staat und Volk en miniature. So wird die Volksschule, indem wir ihre Notwendigkeit Nachweisen, jelbst zu einem offenen Problem, das der endgültigen Losung harrt.

Die Schulden der Stadt Wiesbaden. Bei Beginn des Rechnungsjahres 1914 werden die schulden der Stadt Wies­baden insgesamt 68 006 918 M. betragen. Im Jahre 1949 müssen diese Schulden getilgt iem: selbstverständlich werden d'e nach und nach zu tilgenden Schulden ebenso nach und nach durch andere ersetzt. Die Stcut kann zufrieden sein, wenn sich ihre Schuldenlast wenigstens nicht erheblich vermehrt. Da­mit braucht allerdings nicht gerechnet zu werden, wenn wir voraussetzen, daß sich Wiesbaden normal weiter entwickelt. Ein ziemlich beträchtlicher ACtl der Schulden, nämlich 23 638 643 M-, wurden im Interesse der städtischen Zweigver­waltungen ausgenommen. Da, abgesehen von Schulbauten, der schon lange in Aussicht genommenen und tatsächlich zu einer dringlichen Notwendigkeit gewordenen Errichtung eines zwei­ten Rathausbaues auf dem Dernschen Terrain und eines Schwimmbads, kostspielige städtische Bauten in absehbarer Zeit kaum errichtet werden müssen, kann man damit rechnen, daß die Schulden der Stadt im Lauf der nächsten Jahrzehnte, eher eine Verringerung als eine Vermehrung erfahren wer­den. Eine abnehmende Tendenz ist jetzt schon zu konstatieren; gegenüber dem Vorjahr haben sie sich bereits um rund 1 700 000 M. Vermindert. Die Schulden der Stadt erfordern im kommenden Rechnungsjahr 2 178 758 M. Zinsen und einen TilgungSbetrag von 1902 988 M. Den Schulden steht, nach

der Feststellung vom 31. März 1913, ein Vermögen von 102 273 426 M. gegenüber. In dieser Summe sind enthal­ten 10 20t 567 M. Kapitalvermögen, 6 453 681 M. Mobiliar­vermögen und für 69 822 624 M. Grundbesitz. Der Rest ent­fällt auf Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, auf die Straßenbahnen usw. Die Vermögensverhältnisse der Stahl sind darnach durchaus gesunde.

Allgemeine Ortskrankenkasse Wiesbaden. In einer am Montagabend abgehaltenen Vorstandssitzung derAllge­meinen Ortskrankenkasse" stand die Wahl des ersten Vor­sitzenden aus der Tagesordnung; sie kam aber nicht zustande. Von den bürgerlichen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vor­standsmitgliedern war der seitherige langjährige Vorsitzende, Buchbindermeister Karl Gerich, als erster Vorsitzender vor- geschlogen worden. Die sozialdemokratischen Arbeitnehmer- Vorstandsmitglieder erklärten jedoch, Herrn Gerich nur dann wählen zu wollen, wenn auch der seitherige zweite Vorsitzende, Redakteur Lieser, wiedergewählt würde. Die bürgerliche Majorität lehnte die Wahl dieses oder eines anderen sozial­demokratischen Arbeitnehmers ab, und so ergab die getrennte Abstimmung der Arbeitgeber sämtliche 6 Stimmen für Gerich, die Abstimmung der Arbeitnehmer 5 bürgerliche Stimmen für Gerich, 7 sozialdemokratische Stimmen für Karl Gerhardt. Da nach dem Gesetz die Abstimmung in beiden Gruppen eine Mehrheit für den zu Wählenden vorschreibt, ist die Wahl zu­nächst ergebnislos verlaufen. Am nächsten Donnerstagabend wird der Vorstand zu einer neuen Abstimmung zusammen­treten. Sollte inzwischen eine Einigung der Parteien nicht erfolgen, dann wird die Aufsichtsbehörde einen ersten Vor­sitzenden auf so lange einsetzen, bis sich die Parteien geeinigt haben. Die Wahl des zweiten Vorsitzenden und der Aus­schüsse wurde unter diesen Umständen auf morgen Donners­tagabend verschoben.

Viktoriastift. Der seit Jahren hier bestehende Wies­badener Hilfsverein desViktoriastifts Kreuznach", welcher sich bekanntlich die Aufgabe stellt, skrofulösen und blutarmen Kindern minderbemittelter Familien jeder Konfession und Herkunft eine Solbadkur durch Aufnahme in die Kinderheil­anstalt desViktoriastifts Kreuznach" zuzuweifen, hielt seine diesjährige Hauptversammlung am 26. d. M. im Rathaus ab. Nach deni vorliegenden Jahresbericht sind durch Vermittlung des Vereins im Jahre 1913 168 skrofulöse Kinder in die Kin­derheilanstalt zu Kreuznach ausgenommen worden. Hiervon waren 57 aus der Stadt Wiesbaden und 111 aus dem übri­gen Regierungsbezirk Wiesbaden (70 Knaben und 98 Mäd­chen). Die Erfolge der Kuren waren erfreuliche und oft höchst überraschende.. So gingen auch die Anmeldungen zum Kur­gebrauch weit über die verfügbaren Mittel hinaus. In die­sem Jahr bec-Kstchtigt der Verein 170 Kinder zum Kurge­brauch in dasViktoriastift Kreuznach" zu entsenden. Im Voranschlag sind hierfür 11650 M. Kosten vorgesehen. Der Verein kann diesen Betrag nur aufbringen, wenn er durch Geldbeträge von wohltätigen Menschenherzen tatkräftig un­terstützt wird. Gilt es doch die gefährlichste und verbreitetste Volkskrankheit, die Tuberkulose, schon im Kindesalter zu be­kämpfen, . die mit häufig wiederkehrenden Augenentzündun­gen, mit Drüsenschwellungen, mit eitrigen Knochen- und Ge­lenkfisteln behafteten Kinder vor der Gefahr der Erblindung, der Verkrüppelung und ihre Umgebung vor Verbreitung und Verschleppung der Krankheit zu behüten. Der Verein ist im abgelaufenen Jahr in das Vereinsregister auf Grund der Bestimmungen des BGB. eingetragen worden. An Stelle der verstorbenen Vorstandsmitglieder Geh. Sanitätsrat Dr. Arnold Pagenstecher und Sanitätsrat Dr. Ernst Pagenstecher wurde Stadtrat Arntz als stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer und Geh. Oberfinanzrat Oberbürgermeister Glässing und Kinderarzt Dr. Georg Koch, Langgasse 11, als Beisitzer gewählt, so daß sich der Vorstand aus folgenden Per­sonen zusammensetzt: Sanitätsrat Dr. Proebsting, 1. Vor­sitzender; Stadtrat Arntz, Stellvertreter desselben und Schrift­führer; Diplomingenieur Dhckerhoff in Biebrich, Stellver­treter des Schriftführers; Magistratssekretär Emil Stall, Schatzmeister', Dr. jur. Gessert, Stellvertreter desselben; Geh. Oberfinanzrat Oberbürgermeister Glässing, Dr. Fr. Berg­mann, Dekan Bickel, Pfarrer Theod. Dich in St. Goars­hausen, Oberbürgermeister v. Jbell, Geh. Reg.-Rat Professor Fr. Kalle, Kinderarzt Dr. Georg Koch hier, Dekan Wilhelm: in Diez, Dekan Boell in Langenschwalbach, Beisitzer.

Ausstellung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Nach dreiwöchiger Dauer haben mehr als 12 000 Personen die Ausstellung im Festsaal des Rathauses besucht, was als ein sehr günstiges Resultat bezeich­net werden mutz. Durch diesen Massenbesuch ist eine Unmenge von Belehrung in. alle Schichten der Bevölkerung getragen worden, von der eine günstige Beeinflussung der Volksgesund- heit zu erwarten ist. Besonders erfreulich ist es, daß auch mit Genehmigung der Herren Schuldirektoren die Oberklassen einiger Wiesbadener und Viebricher höheren Lehranstalten die Ausstellung besucht haben oder noch besuchen werden; denn gerade bei der Heranwachsenden Jugend ist mit der Be­kämpfung der Geschlechtskrankheiten zu beginnen; hier ist Ge­legenheit, auf noch unverdorbenes Menschenmaterial einzu­wirken und allem Unheil, das sich aus geschlechtlichen Er­krankungen entwickeln kann, vorzubeugen. Und Erkrankungen vorzubeugen, ist noch stets besser gewesen, als solche erst ent- stehen zulasen und dann zu heilen. Es darf daher als ein großes Verdienst der betreffenden Schulleitungen betrachtet werden, ihren Schülern auch auf dem Gebiet der Hygiene eine Belehrung zuteil werden zu lassen, die für hoffentlich recht viele von großem Wert ist. Die Ausstellung nähert sich nun Ende; sie wird Sonntag, den 1. Februar, abends 7 Uhr, 06 j Verlängerung ist unmöglich, da sie von hier

n< T?. Magdeburg geht, wo die Zeit ihrer Eröffnung und Dauer a-ürt' ^ Dn festgesetzt ist. Es wird also gut sein, den be- adsschtlgten Besuch nicht weiter hinauszuschieben, da nach den Erfahrungen in anderen Städten der Andrang in den letzten >'.agen meist recht groß ist. Auf den letzten Frauentag, näch­sten Donnerstag von 4 Uhr nachmittags an, sei noch besonders aufmerksam gemacht, wenn auch, wie hier schon öfter erwähnt, dw Ausstellung jederzeit von Frauen besucht werden kann. Besonders eindringlich seien auch die Krankenkassen und deren Mitglieder, d'e noch im Besitz von Karten sind, auf den be­vorstehenden Schluß der Ausstellung hingewiesen mit der Aufforderung, diese Karten möglichst bald aufzubrauchen.

Zur künstlichen Winterfütterung der Vögel ist die Her­stellung fester Futterküchen sehr zu einpfehlen. Drei Teile Sämereien «Mohn. Hanf, Hafer, Sonnenblumenkerne Usw.), ferner geriebene Semmel, FIcischstücke, getrocknete Holunder­beeren usw., werden mit zwei Teilen zerlassenen Rindertalgs zusammengeschmolzen. Die heiße, flüssige Masse gießt man in Formen von nicht allzu dicken, länglichen Futtersteinen, die dann in die Futterkästen gelegt werden. Wind und Wetter können dieses Futter nicht zum Verderben bringen, und das Feit ist als wärmeerzeugenü den Vögeln willkommen. Bis

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