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Seite Ä, Morgen-Nusgabe, 1. Matt.

Lebenseinflüsse heute vielfach der kriegerischen Tüchtigkeit geradezu entgegen, und nur Übung von früh an kann diese Schäden wieder gutmachen. So wird z. B. die Marschfähig­keit durch die modernen Berkehrsverhältnisse zweifellos beein­trächtigt, da man heute längere Wege selten noch zu Fuß macht. Nach einem Ausspruch Napoleons aber „schlägt man den Feind mit den Stiefeln, nicht mit der Waffe"; es mutz daher schon in der Jugend das Verständnis für die richtige Art des Gehens und Laufens erweckt werden. „Richtiges Atmen, Körperhaltung, Kräfteschonung, Berücksichtigung von Wegen und Wetter, das Achten auf die Windseite, rechtzeitiges Lüften von Kopfbedeckung und Anzug, Regelung des Tempos, je nach den Umständen, müssen wohlüberlegt sein." Auch das Z u - rechtfinden muh geübt werden. Vom japanischen Heere wird berichtet, daß während des mandschurischen Krieges jeder gemeine Soldat imstande gewesen ist, seine Karte mit Sicherheit zu lesen. Dies ist nur durch fortgesetzten Gebrauch der Karte im Gelände zu erreichen. Auf den Wanderungen wird die Jugend auch gleichsam spielend das Entfernungs- schätzen lernen, das heute die Grundlage für den wirksamen Gebrauch unserer Präzisiomswaffen bildet. Der förmliche Unterricht, der in der Armee dafür erteilt wird, kann durch rechtzeitige Vorbereitung außerordentlich gefördert werden. „Wichtig ist es, die Jugend zum S ch r i t t m e s s e n , zum fortdauernden Abschätzen mit dem Auge an Häuserfronten, Mauern, Gartenzäunen usw. anzuhalten." Ebenso will das Destinrmen der Himmelsgegend ohne Kompaß nach der Uhr, nach dem Sonnen- oder Mondstand, nach dem Polarstern und anderen Merkzeichen gelernt sein. Die Knaben müssen ange­halten werden, die Umgebung, durch die sie wandern, regel­recht zu beobachten und die Beobachtungen richtig wiöderzu- geben. Außerordentlich erhöht werden kann die Sehkraft. Werden doch alljährlich etwa 3000 junge Leute — meist Schüler der höheren Lehranstalten — nur wegen Kurzsichtig­keit vom Heeresdienst zurückgestellt, und so geht gerade der ge­bildete Teil des Ersatzes der Armee vielfach verloren. Für das Sehen bedeutet aber Übung und Aufmerksamkeit unend­lich ' viel. Der Febdmarschall erinnert dabei an eine Erfah­rung, die er vor 30 Jahren machte, als er an die Spitze des türkischen Militärunterrichtswefens berufen wurde. Ihm fiel das äußerst scharfe Sehen der jungen Türken bei jeder Ge­legenheit auf. Als aber dann ein deutscher Augenarzt die Sehschärfe der Leute genau untersuchte, kam er zu dem merk­würdigen Resultat, daß die Sehschärfe der türkischen Militär­schüler im Durchschnitt keineswegs größer war als die unserer Jugend. Sie waren im Sehen nur weit besser geübt. Des­halb ist „das genaue Zielerkennen zu pflegen, das schnelle Abzählen von Zielgruppen, das Herausfinden der Flügel von im Gelände liegenden Linien von Kopfscheiben. Die Übung des Auges im Durchzählen gleichartiger Gegenstände in immer größerer Entfernung ivird in kurzem die Sehkraft merklich heben". Sodann mutz das Gehör systematisch ausgebildet werden. In der japanischen Armee, wo diese Übungen schon seit langem betrieben werden, lernt der Soldat durch das Ohr allein unterscheiden, ob ein im Dunkel Vorübergehender, dessen Schritte er vernimmt, in Waffen ist oder nicht, ob er eine Last trägt oder keine. Damit die Jugend aus ihren Be­obachtungen richtige Schlüsse zieht, muß das Spuren- lesen betrieben werden, in dem der primitive Mensch dem Kulturmenschen so sehr überlegen ist. Die Pflege der Aus- dauer und Abhärtung des Körpers darf natürlich ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Durch Erlernung einfacher Be­helfarbeiten wird der Knabe auf den Soldatenberuf wirksanr vorbereitet. „Dazu gehört das Knotenbinden, das Herstellen von kleinen Flößen, eines primitiven Bootes, von Trag­bahren usw., das Errichten von Übergängen aus Stäben, das überwinden aller Arten von Hindernissen mit den einfachsten Mitteln, das Erbauen von Beobachtungswarten aus den be­kannten Pfadfinderstäben." Auch die Anfangsgründe des Sanitätsdienstes und die praktischen Handgriffe beim Biwakieren kommen dafür in Betracht. Solche Erziehung der Jugend zur Wehrtüchtigkeit ist heute vielleicht die wichtigste nationale Aufgabe, denn: „Die Stärke eines jeden Volkes liegt in seiner Jugend, und für seine Größe und Sicherheit geschieht alles, was man für diese tut."

was in der Zeitung steht." Damit hatte seine Leidenschaft für die schwebenden Probleme ein Äußerstes getan.

Und nun? O: O! Ci! Ei! Der Herr Rat vermißte

b ‘ e "Zwar beim Frühschoppen liefe er sich den Gram nicht am merken. Er zwang sich sogar zu der humorvollen Bemerkung: „Es ist nicht Schad' um die Zeitungsenten." Doch erhob er sich um ein Viertelstündchen vor der gewohnten Zeit und be­gab sich zu der Buchhandlung, wo nach Eintreffen der Mit­tagszüge die auswärtigen Tageszeitungen zum Verkaufe ausliegen. Vielleicht, so hoffte der Herr Rat, wurde er doch wenigstens erfahren, was der Prinz zu Wied zu tun und zu unterlassen gedenkt . . . Das war nun freilich em kleiner Schrecken, als man dem Herrn Florian Breitenhuber den Bescheid gab: Alle inländischen Zeitungen sind ausgeblieben, der Buchdruckerstreik ist allgemein in ganz Österreich.

Dieser erste Tag war der schlimmste noch lange nicht. Das Schicksal machte es mit dem Herrn Rat Breitenhuber wie die strengen moralischen Zauberer in den Märchen, die böse Kinder durch traurige Erfahrungen bessern lassen. Es sorgte dafür, daß der Herr Rat sich in den nächsten Wochen an den zeitungslosen Zustand durchaus nicht gewöhnen konnte, während er doch seiner Natur nach so gerne zu jeder passiven Angewöhnung bereit gewesen wäre.

Ein täglicher Stachel war der Kurszettel, den er nicht mehr mit dem Abendblatt i!is Haus bekam. Ängstlich wie die Besitzer glücklicher und unglücklicher Lose und Aktien einmal sind, mutzte sich der Herr Rat entschließen, in feinen Tages­lauf einen Gang zum Bankier einzuschalten. Damit nicht genug, lernte er einsehen, von wie vielen Lasten ihn das Zei- tungsblatt befreit hatte. Seine Beine mutzte er in Kontri­bution setzen, um zu erfahren, wo bei einem Ausverkauf die unaufschiebbare Anschaffung eines Paares neuer Strümpfe am billigsten zu vollziehen wäre; an welchem Tage frischer Stockfisch' den er für sein Leben gern atz, beim Kaufmann eingetroffen sei; in welchem Wirtshaus die Wiener Volks­sänger sich produzierten. Und so — und überhaupt! Ist cs nicht ein Jammer, nicht einmal zu wissen, welcher gute Freund etwa gerade gestorben ist oder sich verheiratet hat?

Aber das Schicksal meinte es noch herber mit dem k. k. Rat Florian Breitenhuber. Am dritten Tag der Zeitungs­finsternis geschah es, daß ihm der Lord die Treue kündigte. Der liebe, perfide Lord dem treuesten Herrn! Beim Frühstück schon hatte sich der Lord entschuldigen lassen. Der Herr opferte den Spaziergang, er opferte den Frühschoppen und wartete. Der Lord kam nicht. Da packte ein unmutvoller Schmerz den

Wiesbadener

OsAtscheZ Reich.

L. Der Sozialsekretär. Ein neuer Beruf ist innerhalb der westdeutschen Großindustrie entstanden: der des „Sozial­sekretärs". Er soll die Arbeiter eines Werkes kostenlos über ihre sozialpolitischen Rechte und Pflichten (richtiger wäre viel­leicht die umgekehrte Reihenfolge) belehren und sie zur Staats­treue erziehen. Ein halbes Dutzend solcher Sozialsekretäre ist bereits angestellt. Eine unmittelbare Verbindung zwischen ihnen und den „gelben" Werkvereinen soll nicht bestehen. Das Angebot für diese Stellen scheint ziemlich groß zu sein. Es rekrutiert sich zum Teil aus dem Privatbeamtenstande, zum Teil aus Berufslosen; der bekannte Professor der Natio­nalökonomie Ehrenberg unterhält ebenfalls einen „Stellen­nachweis" für Sozialsekretäre.

ep. Von der Bekämpfung der Tuberkulose. An der Spitze der Kulturstaaten, die den Kampf gegen die Tuberkulose aus­genommen haben, steht Deutschland, das den Angriff gegen den heimtückischen Volksfeind in einer für die anderen Staaten vorbildlichen Weise planmäßig und zielbewutzt durchführt. Alan zählt gegenwärtig im Reich 147 Volksheilstätten für Lungenkranke mit 15 278 Betten, 103 Anstalten mit 91o7 Betten für tuberkulöse Kinder, 114 Walderholungsftätten, 17 Waldschulen, 222 Abteilungen für schwere Lungenkranke in den allgemeinen Krankenhäusern und 1500 Auskunfts- und Fürsorgestellen. Der Erfolg ist der, daß in den letzten 15 Jahren die Sterblichkeit an Tuberkulose um ein Drittel zurückgegangen ist. Hören wir aber, daß trotzdem noch jeder 10., im erwerbsfähigen Alter jeder 4. und bei gewissen Arbei­tern bis zum 35. Lebensjahr sogar jeder andere Todesfall auf Tuberkulose zurückzuführen ist, so begreift sich, daß namentlich die Kleinarbeit auf dem Gebiete der Volksgesundhertspflege eifrig weiter git entwickeln ist. Namentlich sollte man nach dem Rat eines erfahrenen. Fachmanns, Hofrat Dt-. F. May (München), die privaten Fürsorgestellen, deren es bei uns erst 355 gibt, weiter ausbauen. Ihre Träger können je nach den örtlichen Verhältnissen die Gemeindeverwaltungen oder eigene Tuberkulosevereine sein. Die Hauptsache bei ihrer Ausgestaltung ist, daß sie imstande sind, schließlich jeden ein­zelnen Tuberkulöses«!! aufzusuchen und sozusagen unschädlich zu machen. Was eine gute Fürsorgestelle leistet, zeigt die Organisation von Berlin, die im Jahre 1912 ihre Tätigkeit auf 30 000 Lungenkranke, 1300 Alkoholkranke und 400 Krebs­verdächtige erstreckte und 11 000 Kinder ärztlich untersuchte. Die Stadt Berlin unterstützt diese Fürsorge mit jährlich 50 000 M. und erspart — 60 000 M. an Armenlasten allein durch die Fürsorge der Ientralleitung für Alkoholkranke!

* Eine Krankenkassen-Jnteressengemeinschaft im Regie­rungsbezirk Trier. Die Vertreter der Krankenkassen des Regierungsbezirks Trier beschlossen in einer Versammlung den Zusammenschluß sämtlicher Kassen des Regierungs­bezirks zu einer Interessengemeinschaft, besonders zum Zweck der Regelung der Ärztefrage aus Grund des Berliner Ab­kommens.

* über 40 000 Ladeninhaber für völlige Sonntagsruhe.

Dem Reichstag ist anläßlich seiner Beratungen über den Sonn­tagsruhegesetzentwurf u. a. eine vom Deutschnationalen Handlungsgehilfen - Verband veranlatzte Massenpetition zu­gunsten völliger Sonntagsruhe zugegangen. Die Petition hat die Unterschrift von 41223 Ladeninhabern gefunden, und zwar stammen davon 2592 Unterschriften aus 142 Orten mit bis zu 10 000 Einwohnern, 8789 Unterschriften aus 116 Orten mit 10- bis 25 000 Einwohnern, 5461 Zustimmungserklärungen kommen aus 68 Orten mit 25- bis 50 000 Einwohnern, 5312 aus 32 Orten mit 60- bis 100 000 Einwohnern und 24 059 aus Orten mit über 100 000 Einwohnern. Der Statistik ist weiter zu entnehmen, daß mit Ausnahme der Fürstentümer Waldeck und Schyumburg-Lippe alle Bundesstaaten, auch deren rein ländliche Bezirke, an dem Ergebnis der Unter­schriftensammlung in gleichem Maße, wie deren mehr In­dustrie und Handel treibenden Gebiete beteiligt sind. Eine nach Geschäftszweigen geordnete Übersicht ergibt 12 822 Unter­schriften aus der Lebensmittelbranche, 8619 Unterschriften von Ladeninhabern der Kleidungsbranche und sonstiger Artikel für den persönlichen Bedarf, die Ladengeschäfte für Gebrauchs-

sonst so ruhigen Busen des Herrn Rat. „Hundsvermaledeites

Sauviech", raunte er düster, „mußt du mir grad' davon- laufen, wann's nit einmal eine Zeitung gibt?!" Er dachte mit Grimm an die jetzt verschlossene Ecke „Verlorenes" im Inseratenteil. Die Forschungen im Revieramt der Polizei blieben hoffnungslos, sintemalen die hohe Behörde nur aus- spüri, was ihr zuläuft.

Am sechsten Tage aber erkältete sich der Herr Rat Breitenhuber, und am siebenten war er krank. Er hatte einen Eselshusten und fieberte ein wenig. In der Nacht drehten sich ihm die sogenannten Gedanken in merkwürdigen Kurven, Er hörte Glockengeläute und roch Kerzenrauch. „Um Gottes- Willen", stöhnte er, „ich werde doch nicht am Ende sterben?! Jetzt sterben . . , jetzt, wo kein Bericht übers Leichenbegäng­nis in der Zeitung erscheint?!'' " Die Haare sträubten sich ihm. So mancher brave Dienstbot' kargt, sich die Heller von der mageren Lebensfreude ab, nur um dereinst eine „schöne Leich'" zu haben. Und was ist's? Ein besseres Sargtuch, ein_paar Lichter mehr! Der Ehrgeiz eines k. k. Rates durfte Besseres hoffen. Er wußte: ging es mit ihm einmal zu Ende, so wird zwei Tage später eine halbe Spalte mit Namen des Adreßbuches gefüllt sein. So will es die ehrwürdige Sitte feiner Stadt. Da werden sie alle mit vollem Titel aufgezählt sein, die ihm die letzte Ehre gaben: jbie Amtspersonen, die ihm vorgesetzt oder untergeben gewesen, die Körperschaften und Vereine, denen er Jahresbeiträge gezahlt hat, die Haus­besitzer, Rentner und alle anderep Honoratioren, die bei der Einsegnung seiner Leiche zugegen waren. Die Leiche freilich wird Nicht viel davon merken, aber das ehrende Vorgefühl ist beinahe einen sanften Tod wert . - - And nun, a Elend! sollte er sterben müssen während des Setzerstreiks?!

Als der Herr Rat Florian Breitenhuber diese Möglichkeit bedachte, da weinte er um — seine Zeitung.

Der Herr Rat hustete noch lange und die Zeitung blieb noch lange ungedruckt. Eines Morgens ober — der Arzt hatte es erlaubt — durfte der Patient das Bett verlassen. Pünktlich um 8 Uhr früh schlug er in eherner Gewohnheits- treue tue Augen auf — und da lag, ein freudiger Schreck! die Zeitung auf seinem Nachttisch. Der Herr Rat griff nicht ohne Rührung nach dem lang entbehrten Papier. Er ent­faltete das Blatt und las:

„Auszeichnung. Dem Herrn k. k. Rat Florian Breiten­huber wurde in Ansehung seiner vielfachen patriotischen Ver­dienste das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen?

Lange hielt der Ausgezeichnete das Blatt in zitternder Hand. Dann richtete er einen Mick zum Himmel und sagte

Mittwoch, 88. Januar 191*. Nr. 4L.

gegenstände jeglicher Art sind mit 16 731, die Tabak- und

Zigarrenhändler mit 1738 Unterschriften vertreten, während 1313 Zustimmungserklärungen ohne nähere Angabe des Ge­schäftszweiges einliefen.

* Die Eingemeindung Mülheims nach Köln. Der Pro- vinzialausschutz der Rheinprovinz hat ein Gutachten abge- gehen über die geplante Eingemeindung der Stadt Mülheim (Rhein) und der Landgemeinde Merheim in die Stadt Köln. Er kommt zu dem Schluß, daß die Eingemeindung zu empfehlen sei, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen sich als notwendig erweise. Die beiden Gemeinden haben zusammen etwa 75 000 Einwohner.

— Charakteristisch für die antisemitische Gewissenhaftig­keit ist, daß jetzt der Herausgeber des Semikürschner, eines Buches, in dem angesehene Personen daraufhin untersucht werden, ob sie jüdisches Blut in den Adern haben, sich genötigt sieht, in den „Deutschsozialen Blättern" eine große Menge von Persönlichkeiten als nichts üdisch aufzuführen, die früher als jüdisch bezeichnet loaren. Bei fast allen dieien Personen ist lediglich der jüdischklingende Name die Ursache dafür gewesen, daß die Betreffenden auf die „schwarze Liste" kamen.

* Ein deutscher Hilfsverein für die politischen Gefangenen und Verbannten Rußlands hat sich gegründet. Den Ehren- vcrsitz dieses Vereins, der lediglich humanitäre Zwecke ver­folgt ° und sich von jeglicher Politik fernhält, hat Geheimrat Professor Wilhelm Förster übernommen. Vereine mit gleichen Zielen bestehen bereits in England, Frankreich, Öster­reich, Holland un!d den Vereinigten Staaten. In anderen Ländern werden solche vorbereitet, und eine dauernde Zu­sammenarbeit mit allen diesen Vereinen wird beabsichtigt. An­meldungen nimmt entgegen N. H. Witt, Wannsee, Bis- marckstratze 36.

* Die Maul- und Klauenseuche in Pommern. In Anbe­tracht des Verbreitens der Maul- und Klauenseuche in Pommern und auch in den Nachbarprovinzen soll die für Juni d. I. geplante große landwirtschaftliche Ausstellung verschoben werden, und zwar mindestens auf ein Jahr.

— Der Zentralausschuß der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung wählte an Stelle des verstorbenen Abgeord­neten Schräder den Reichstags- und Landtagsabgeordneten Da-. Pachnicke zum zweiten Vorsitzenden. Erster Vorsitzen­der ist der bekannte nationalliberale Prinz zu Schönaich- Car o l a t h. Die Gesellschaft umfaßt mehr als 8000 Körper­schaften in Deutschland und arbeitet mit einem Jahresetat von über 600000 M. Sie ist ein wichtiger Faktor unserer Volkserziehung.

pcrlameirlarttGe«.

Die Frage der Bewilligung der Ostmarkenzulage«. Wäh­rend das Zentrum den Ostmarkenzulagen in jeder Form grundsätzlich abgeneigt ist, wird von der konservativen, der nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei ei» Antrag auf Bewilligung der Ostmarkenzulagen vorbereitet zu dem Zweck, der Regierung Gelegenheit zur Verteilung dieser Zulagen zu geben.

Heer und fflotfc.

Schiffsbewegungen. Eingetroffen: S. M. S. „Kaiser" mit dem Chef der detachierten Division am 24. Jan. in Lüderitzbucht; S. M. S. „Lorelei" am 24. Jan. in Alexan- drette; S. M. S. „Goeben" mit dem Chef der Mittelmeer­division am 25. Jan. in Genua; S. M. S. „Hansa" am 25. Jan. in Spezia; S. M. S. „Viktoria Luise" am 25. Jan. in Cartagena (Spanien); S. M. S. „Emden" am 25. Jan. in Schanghai; S. M. Flutzkbt. „Vaterland" am 26. Jan. in Nanking; S. M. S. „Straßburg" am 25. Jan. sn Kapstadt; Dampfer „Patricia" mit dem Ablösungstransport für das Kiauffchougebiet auf der Ausreise am 24. Jan. in Port Said und an: 25. Jan. in Suez. — Der Kreuzer „Bineta" ist zum Schutz der deutschen Interessen von St. Thomas nach Haiti abgegangen.

post und Eisenbahn.

Der Kampf gegen die ungeschützten Hutnadeln wird jetzt auch von den Eisenbahnbehörden ausgenommen. Im Bezirk

tiefergriffen: „O Gott! Wenn die Zeitung heute nicht er­

schienen wäre, würden es die Leute gar nicht erfahren . .

So lernte Herr Florian Breitenhuber den Kulturwert der Presse schätzen.

Aus Kunst und Leben.

* Parsifal und Karneval in Mainz. Wagners „Parsi­fal" hat es trotz der wesentlich erhöhten Eintrittspreise seit dem 2. Januar auf sieben Wiederholungen bei ausverkauften Häusern gebracht. _ Da das Mainzer Stadttheater 1500 Sitz­plätze hat, so dürften sich die Einnahmen auf 60 000 M. be­laufen, und noch stehen zahlreiche Aufführungen in Aussicht. Das ist ein Erfolg, wie ihn bis jetzt noch kein Bühnenwerk in Mainz errungen! Erfolg ohne Beifall! Das Publikum dul­det keine Ovationen! Alle Beifallsbezeichnungen, di« sich bis jetzt nach den Aktschlüssen hervorwagten, wurden stets von einer energisch einsetzenden Opposition zurückgewiesen. Dennoch ist die „Parsifal"-Begeisterung nur ein kaltes Fieber. Sobald die Herren und Damen den Theatersaal ver­lassen, ist die „Weihe" vorüber und sie nehmen an den zahl­reichen gedeckten Tischen im Foyer ihre Abendmahlzeiten mit ungeschmälertem Appetit., Auch der Theaterrestaurateur hat alle Ursache, den Bayreuther Meister zu segnen. Und da geht man neugestärkt auf seinen Platz zurück, lauscht dem Karfrei- tagszaubcr! Dann, nachdem das letzte GralZmotiv ver­klungen, eilen die Gralsritter, Blumen- und Zaubermädchen nach der „Stadihalle", wo der Karneval seine Zelte aufge­schlagen, um dort den in Berlin und München verpönten „Tango" zu tanzen — oder wenigstens den Tangotänzern zu­zuschauen. . Parsifal, Karneval und Tango beherrschen zur­zeit die Saison im „goldenen" und so lustigen Mainz!

Kleine Chronik.

Theater und Literatur. Im A l t o n a e r Stadttheater fand das dreiaktige Schauspiel „Oberst Felt" von Henry Kistemaeckers (Deutsch von Erichs Motz) bei der deutschen Uraufführung am Samstag starken äußeren Erfolg.

Aus Graz smirb den „Leipz. N. N." u. a. geschrieben: Mit seiner komischen Oper „Litumlei" hat De. Sepp Rosegger, Arzt in Langenwang und ein Sohn des Dich­ters Rosegger, einen musikalischen Schwank geschaffen, in dem er die humorvollen Seiten seines Wesens entwickelte. Die Uraufführung fand am 24. d. im Opernhause mit recht freundlichem Erfolge statt. Der Aufführung wohnte auch Dichter (Dt. Peter Rosegger mit der ganzen Familie bei.