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Wette 4. MbenL-Ausgabe, 1. Blatt.

Wir schwören ihm Treue beute an seinem Geburtstag und fügen den aus innersten Herzen brennenden Wunsch hinzu: Gotl segne, Gott schütze, Gott erbalte unseren Kaiser, Und zum äußeren Zeichen fordere ich Sie. meine Herren, auf, die Gläser zu erheben und mit mir einzustiurmen in den Ruf: Seine Majestät Wilhelm II, Deutscher Kaiser, König von Preußen, unser allergnädigsier Kaiser. König und Herr Hurra!

An den Kaiser wurde ein Glückwunschtelegramm gesandt. Das Mahl, zu dem die Kapelle desWiesbadener Musikvereins" die Tafelmusik stellte, nahm bei den abwechse- lungsreichen Genüssen, die der Kurhausrestaurateur W. Ruthe aus Küche und Keller zur Verfügung stellte, einen außer­ordentlich stimmungsvollen und angeregten Verlauf. Das Menü wollen wir den Liebhabern gastronomischer Kunstwerke nicht vorenthalten. Es verzeichnete:

Mackturtle-Suppe. >

Seezungenschnitte nach Otero.

Milchlammkeule auf bürgerliche Art.

Hamburger Kücken im Topf.

Toska-Salat.

Englischer Sellerie mit Fleischsaft.

Fürst Pückler Halbgefrorenes.

Gebäck.

Käseschnittchen und -Stangen.

Früchte.

*

Aus Anlaß der Feier des Geburtstags des Kaisers geht pente abend im Hoftheater der Aufführung derKönigin von Saba" Karl Maria v. WebersJubelouvertüre" vorauf. Fm Residenz-Theater wird ein von Heinz Gorrenz verfaßter Fest­spruch die Aufführung derMonna Vanna" einleiten. g.

Ortskrankenkasse und Arzneimittel. Vom Vorstand des Vereins der Kassenärzte" wird uns geschrieben: Das Einge­sandt au§ dem Leserkreise vom 24. d. M.Kassenpatienten, wahret euer Recht", darf nicht unwidersprochen bleiben, da es durch seine irrige Darstellung die Kassenmitglieder sonst zum Glauben verleiten könnte, sie seien im Gegensatz zu Privat­patienten nur Patienten zweiter Klasse. Der Kassenarzt hat das Recht, sämtliche als wirksam bekannten Arzneimittel, zu verschreiben, und diese sind in dem Verordnungsbüchlein, von dem in dem Eingesandt die Rede ist, zusammengestellt und werden dauernd durch neue, erprobte Mittel vermehrt. Der Kassenarzt soll aber andererseits keine unerprobten Mittel, wie sie die chemische Industrie täglich auf den Markt wirft, bei seinen Patienten versuchen und auch keine sog. Patent­medizinen verschreiben, die fast immer nur altbewährte Stoffe in neuer Mischung und Aufmachung unter modernem, möglichst fremdklingendem Namen darstellen. Die Kassen sind auf bestimmte Jahreseinnahmeu angewiesen, die zum großen Teil aus den Beiträgen der schwer arbeitenden min­derbemittelten Bevölkerung stammen, und müssen daher ver­langen, daß der Kassenarzt in seinen Verordnungen sparsam ist, d. h. die Rezepte so aüfaßt, daß unnötige Verteuerungen bei der Herstellung in der Apotheke vermieden werden, daß er ferner möglichst die chemische Bezeichnung eines Mittels wählt, nicht den wortgeschützten Namen, deren Gebrauch den Preis des Rezepts wesentlich erhöht, ohne seine Wirksamkeit zu vermehren. Der Kassenkranke kann also ganz beruhigt sein,, er erhält dieselben Mittel wie der Privatpatient, nur daß die Form der Verordnung einer wohlbegründeten Sparsam­keit Rechnung trägt.

Einen Seefischverlauf wird die Stadtgemeinde Bieb­rich morgen vormittag von 9 Uhr ab in der benachbarten Waldstratze veranstalten, und zwar in dem Gebäude, in dem sich das Polizeirevier befindet. Zum Verkauf gelangen Kabeljau, Schellfische und Bratschellfische. Der Preis wird bei Beginn des Verkaufs festgesetzt.

Ein plötzlicher Witterungsumschlag hat unsnin der ver­gangenen Nacht Glatteis gebracht. Das Quecksilber des Thermometers, das sich in den letzten Tagen fortgesetzt unter dem Nullstrich herumtrieb, bewegt sich nun wieder einige Grade über dem Gefrierpunkt. Die Voraussage der Frank­furter Wetterwarte ist prompt in Erfüllung gegangen; die Frostperiode ist durch verhältnismäßig mildes, regnerisches Wetter verdrängt worden, das voraussichtlich einige Zeit an- halten wird. Die Hoffnung, daß sich der Rhein, dem Beispiel seines kleineren Bruders Main folgend, auch ioieder einmal stellen" werde, ist durch den Wetterwechsel zum Leidwesen der großen und kleinen Eissportler gründlich zu Wasser ge­worden.

Wiesbaden im Film. Das demnächst seine Pforten öffnendeThalia-Theater" wird unter anderem im Pro­gramm führenWiesbaden im Film". Auf diesem wird auch die Wiesbadener städtische Feuerwehr und Sanitätswache zu erblicken sein, die zwecks Aufnahme gestern mittag ausgerückt war und auf der Rheinstratzc, Ecke Oranienstraße, von dem Filmoperateur in voller Fahrt auf die Platte gebannt wurde. Auch das Heim der Feuerwehr nahm der Photograph auf.

Ter Bahnhofsdienst der Droschken. Zu diesem Artikel in der letzten Freitag-Abend-Ausgäbe teilt der Vorstand des Wiesbadener Droschkenbesitzervereins" uns mit, daß für den Winterdienst nur 30 Droschken bestimmt seien, und nicht alle 30 Droschken morgens 5 Uhr zu gleicher Zeit anfcihren. Die Anfahrt verteile sich wie folgt: Zu dem ersten Frühzug 4 Uhr 45 Min. fahren die ersten drei Wagen an, und so geht es stufenweise weiter bis zum Mittagszug 11 Uhr 26 Min. Als­dann sind erst sämtliche Bahndroschken verpflichtet, anzufah- ren. Vorteilhafter kann der Bahndienst von seiten der Königl. Polizeidirektion nicht eingeteilt werden. Die einzige Milde­rung der langen Wartepausen liegt in der Hand des fahren­den Publikums selbst, das nicht immer gleich nach den Autos laufen sollte, die die Kälte leichter ertragen können, als die armen Pferde.

®tn Zaunkönigsnest ist seit kurzem in einem hiesigen Schrebergarten im Westen der Stadt zu bemerken. Allabend­lich, etwa i/ 2 6 Uhr, sind etwa 15 Zaunkönige zu beobachten, die, angelockt durch einen der Ihrigen, der sich vorher in meh­reren hundert Meter Entfernung aus einen Baum niedersetzt und mit kräftiger Stimme vernehmen läßt, alsbald in ein- und demselben Nest verschwinden und dort, vor den Unbilden der Kälte geschützt, in traulichem Beisammensein die Nacht verbringen.

Eine Logisschwindlerin, die sich Emilie Müller nennt und aus Köln a. Rh. stammen will, wird gesucht. Die­selbe mietete vor 8 Tagen am Bismarckring ein Zimmer und gab an, ihre Sachen kämen in einigen Tagen nach. Gestern nun verließ sie ihre Wohnung, kehrte aber bisher nicht wieder dahin zurück; auch sonuige^Auzeichen lassen auf ihre Unehr­lichkeit schließen. Die Verdächtige gab an, in einem bekannten hiesigen Damenkonfektionsgeschasr tätig zu sein; auch das ist unwahr. Sie ist von großer Figur, hat rotes Haar, schmales Gesicht, trug einen schwarzen Samthut und Muff und grünen Mantel.

Wresvsosvex Tagblatt. Dienstag, m. Januar 1914. Rr. 44.

Eine tüchtige Tracht Prügel bekam gestern um die Mittagszeit ein Bettler, der in einem Hause in der Nero- straße Vorgesprächen hatte. Er erhielt dort einen Teller Suppe, Brot und Fleisch; statt dies mm aber dankbar anzunehmen und auf der Stelle zu verzehren, steckte er Brot und Fleisch ein und schüttete die Suppe in einen nahehängenden Über­zieher. Als er sich dann schleunigst entfernen wollte,, entdeckte man seine Untat, nahm ihn fest und versohlte ihn derart, daß er ärztliche Hilfe aufsuchen mußte.

Die Brötchenmarder sind wieder an der Arbeit, wie heute vormittag ein Bäckerbursche aus der Altstadt erfahren mußte. Bei seiner ganzen Kundschaft in der Bierstadter Straße und wohl auch noch bei der anderer Bäckereien waren die Brötchen verschwunden und mutzten von dem Meister er­setzt werden. Der Dieb hatte es hauptsächlich auf größere Quantitäten abgesehen, mitKleinigkeiten" gab er sich weni­ger ab.

Unfälle. Infolge des Glatteises stürzte heute morgen Ecke der Philippsberg- und Querfeldstratze ein Mann und brach einen Arm. Er wurde zu einem Arzt gebracht. Gestern nachmittag fiel in der Heiligenbornstratze der öljäh­rige Spengler K. W. Schön infolge Ausglertens zu Boden und erlitt einen Knöchelbruch. Die Sanitätswache brachte ihn in das städtische Krankenhaus. Unter dem heutigen Glatt­eis ^hatten hauptsächlich die auswärtigen Milchleute zu leiden. Aus dem Schulberg lagen Trümmer und Inhalt von ganzen Milchkörben umher, und auch sonst waren die Merkmale ähn­licher Unfälle wahrzunehmen. Die auswärtigen Fuhrleute mit Waren zum täglichen Markt kamen mit mehrstündiger' Verspätung hierher; namentlich die Pferde hatten unter der Unsicherheit der Straßen arg zu leiden. ; Infolge des Glatt­eises kam heute vormittag die 88 Jahre aste Putzfrau Helene Kullmann auf der Rheinstraße zu Fall und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Die Sanitätswache verbrachte sie nach ihrer Wohnung in der Bleichstraße.

vorberichte über Kunst, Vorträge und verwandtes.

, " Residenz-Theater. Am Freitag bringt das Overetten- ensemble vom Stadttheater in H«nau unter Leitung des Direk­tors Adalbert Steffter zum erstennial die OperetteGrigri" von Jules Chance und Bolten-Baeckers. Musik von Mrul Lincke, zur Ausführung. Der Vorverkauf beginnt morgen Mittwoch.

_. . * Konzert. In Schreibers Konservatorium findet Mittwoch, abends 6 Uhr, der erste diesjährige Vor- tragsabend von Schülern aus Mittel- und Oberklassen statt. Stucke für Klavier wechseln mit solchen für Gesang ab. Interessenten haben freien Zutritt.

* Vorträge. Freitag, abends 8% Uhr. findet imWies­badener Hof" ein Vortrag (mit Lichtbildern) in englischer Sprache über Wm. Shakespeare und seine Werke von Richard A. I. Cusden (Direktor von The Linguist School) statt.

Der 6. fremdsprachliche Vortrag ves diesjährigen Zyklus findet am Mittwoch. 5%- Uhr, im Saal der städtischen Oberrealschule ^ (Zietenringss statt. M. Marechal aus Liege wrrd einen Lichtbildervortrag überLa Belgique son activite economique^ et artistique" halten.

Die nächste wissenschaftliche Abendunterhaltung des Na; säuischen Vereins für Naturkunde findet Donnerstag, abends 8% Uhr. im Zivilkasino statt. Dr. A. Czapski wird überZimmeraguarien" sprechen. Gäste will­kommen.

Musi»- und Vortragsabende.

In der letzten wissenschaftlichen Sitzung des Nassau- i scheu Vereins für Naturkund e hielt Dr. L. Grün­hut etrten interessanten Borträg überDie Herausbildung einiger orographischer Momente in den Ostalpen". Zur Er­läuterung benutzte der Vortragende eine vorzügliche Karte der Ostalpen. An den Bortvag knüpfte sich eine lebhafte Be­sprechung. (Ohrie Gewähr.)

Aus dem Landkreis Wiesbaden.

Bierstadt, 24. Jan. Die Gemein bcwählerli st e weist insgesamt 043 eingetragene Namen aus. Dieselben ver­teilen sich aus die drei Wählerklassen wie folgt: 1. Klasse 57, 2. Klasse 165 und 3. Klasse 721. Der Höchstbesteuerte zahlt 1500 M. Steuern. Alle Steuerzahler von 123.66 M. an ab­wärts zählen zur 3. Klasse. Zur diesjährigen Musterung der Rekruten werden aus unserer Gemeinde 69 junge Leute erscheinen, und. zwar 30 aus dem Jahrgang 1894. 13 aus 1893 und 11 aus 1892. Die Jahreshauptversammlung des Männ ergesangvereins" im GasthauseZum Anker" war sehr Mt besucht. Der Vorsitzende. Herr Emil Schmidt, er­stattete eingehenden Jahresbericht und erwähnte besonders die Errungenschaften auf dem Wettstreit zu Bechtheim und den schönen Verlauf des 30jährigen Stiftungsfestes. Der Kassen­bericht wies einen Überschuß von 295 M. auf und ein Bar- »slmögen von etwa 609 M. Ws Rechnungsprüfer für 1914 wurden gewählt: Karl Nehring. Wilhelm Klotz und Karl Kaiser. Der sestherige Vorstand wurde einstimrmg wiedergewählt. An vier Mitglieder konnte das Vereinsabzeuhen für 25jährige Mit­gliedschaft ausgehändigt werden, nämlich an die Herren Stein- bauermerster Wilhelm Frechenhäuser, Milchhändler Wilhelm Frechenhauser. Ferdinand Scherf und Wilhelm Kilian. Schon jetzt wurde beschlossen. 4 Wochen vor Weihnachten einen Famillenabend zu veranstalten. Der 2. Vorsitzende dankte namens des Vereins dem 1. Vorsitzenden für die umsichtige Leitung. Im GasthauseZum Tamms" hielt der Männer- gesaugverernFrohsinn" seine Zahveshauptvevsammlung «ck. Mst großem Böifall wurde der Jahresbericht des Vor­sitzenden ausgenommen. Der Kassenbericht zeigte, daß im letzter. Vereinsjahr e ; n Überschuß von 285 R. verblieb, wo­durch bas Barvermögen des Vereins auf nahezu 1100 M. an- gewachsen rst. Es für das 9$1914 eine

dreigliedrige RechnnnGsprüfungskommrsstsn t gewählt. Der

L Borsttzende Lonüw.r; >-t-»n c wr die Leiden Beisitzer Wilhelm Seulberg,er und Ludwig SchrU, wurden einstimmig wredsrgewcrylL. Ein Dankschreiben des Herrn Pfarrers Ärfat wurde lehr oerfällig nufgenommett, Dss Honornr für den Drrrg'enten wurde einstnmrng u.m 100.erhöht. Das 55jähr. Stiftungsfest soll im Sommer in kleinerem Rahmen gefeiert werden. Der Präsident dankte allen den Mrtgliedern, welche sich um den Verein in drsonderer Weise derdleni gewacht hüben und sum Schlüsse sprach der 2. Voesch ende dem Präsidenten für dre umsichtige Leitung des Verems die verdiente Aner­kennung aus.

Hus der Umgebung.

ö. Mainz, 27. Jan. Gegen den Vizewachtnieisier eines hiesigen Regiments, dessen Frau vor einigen Tagen plötzlich verstorben, ist Untersuchung wegen Mords einge­leitet. Die noch junge Frau, welche. bisher gesund und munter war, ist plötzlich gestorben. Die Leiche wurde seziert und die Kleider, welche die Frau zuletzt getragen, wurden an den Gevichtschemiker Or. Popp nach Frankfurt gesandt.

wb. Bensheim a. d. B., 27. Jan. In der Nacht zum Mon­tag brach in einem Doppelwohnh aus der Baugenossen­schaft Feuer aus. Die Bewohner konnten durch die Fenster gerettet werden. Ein "20 Jahre altes M ä d ch ? n [tiirgte von der Leiter und fiel so unglücklich, daß eS bald starb.

Ladenburg a. N., 27. Jan. Gestern nachmittag ver­gnügte sich der 12 Jahre alte Sohn des Straßenwärters Sauer auf einer Eisscholle auf dem Neckar und fiel dabei in den Fluß. Er verschwand in den Wellen.

Neues aus aller wett.

Der Witterungsumschlag. München, 26. Jan. Die oiberbayerischen Seen sind fast sämtlich zngesroren. Auf dem Starnberger See mußte am Montag die Schiffahrt voll­kommen, auf dem Chiemsee zum Teil eingestellt werden. In München hat die Kälte infolge warmer Föhnwinde abgenom­men. Hirschberg i. Schl., 26. Jan. Nach längerer Kälte trat heute plötzlich eine große Temperatursteigung ein. Es herrscht Tauwetter im Gebirge und Tal. M etz, 27. Jan. Nach einer zweiwöchigen Periode starken Frostes ist heute nacht ziemlich unvermittelt Regenwetter einge­treten. Da auf den Höhen und in den Tälern reichlicher Schnee liegt, dürfte bald mit einer Anschwellung der Mose! zu rechnen sein.

Gasvergiftung. Paris, 27. Jan. Aus Marseille wird gemeldet: In Leuront erstickten infolge einer Gasausströmung drei Bewohner eines Hauses. In den benachbarten Häusern erkrankten aus demselben Grunde acht Personen lebensge­fährlich. Die Untersuchung ergab, daß ein Gasrohr der Straßenleitung geplatzt war.

Große Überschwemmung in Beffarabien. Ismail, (Bcffarabien), 26. Jan. Da die Donau durch Eisblöcke und Schneemaffen verstopft ist, ist eine Überschwemmung einge­treten, die großen Schaden der an den Flüssen ansässigen Be­völkerung zugefügt hat. Viele Häuser stehen unter Wasser. Die Behörden haben eine Hilfsaktion eingeleitet. Viele fremde, mit Getreide beladene Schisse sitzen bei Ismail, Kilis und Breni im Eise fest.

Überschwemmungen bei San Francisco. New Jork, 27. Jan. Wie Depeschen aus San Francisco melden, hat dort eine starke Flutbewegung stattgefunden, die Überschwemmun­gen im Gefolge hatte. Der Ort Santa Barbara ist vollkommen abgeschnitten. Um das Schicksal der mehrere Tausend Köpfe starken Bevölkerung ist nian sehr besorgt.

Ein Schloßbrand. Prag, 26. Jan. In der Nacht auf Sonntag ist in dem Schlosse des Fürsten Zdenko Lobkowitz in Mühlhausen in Böhmen Feuer ansgebrochen. Das Schloß brannte teilweise nieder. Kostbare Einrichtungen, die Bücherei urib wertvolle Gemälde wurden vernichtete Der Schaden über­steigt eine halbe Million Kronen.

Eine Explosiv» auf derMauretania". London, 27. Jan. An Bord derMauretania", die sich augenblicklich in dem Kanadabassin in Liverpool befindet, hat sich gestern abend gegen 10 Uhr ein schwerer Unfall zugetragen. Als zahlreiche Arbeiter im Maschinenraum mit der Prüfung der Maschine beschäftigt waren, explodierte ein unter Hochdruck stehender Sauerstoffzylinder. Drei. Arbeiter wurden sofort getötet und acht andere schwer verletzt. Außerdem geriet Material in Brand, Die Feuerwehr konnte erst nach mehrstündiger an­strengender Arbeit die Flammen löschen. Der Material­schaden ist nicht bedeutend. Das Schiff wird zu bestimmter Zeit und Stunde seine Ausreise nach New Jork antreten können.

Letzte Drahtberichte.

Die Zeier des Uaisergeburtstages.

Berlin, 27. Jan. Die Feier des Geburtstages des Kaijers wurde durch daS große Wecken eingeleitet das um 8 Uhr im inneren Schloßhofe begann. Der Kaiser erschien an einen: Fenster des 'Schlosses nach denr Hofe zu. Gleichzeitig blies Las Trompeterkorps des 2. Gardedragoner-Regiments von der Schloßkapello mehrere Choräle. Während sich die Spielleute nach dem Schloßplatz bewegten, trat der Kaiser an ein an­deres Fenster des Schlosses und wurde vom Publi­kum durch lebhafte Hochrufe, Hut- und Tücherschwen- ken begrüßt, ebenso die Kaiserin, die an einem anderen Fenster sichtbar wurde. Eine große Menschen­menge hatte sich in der Nähe des Schlosses und Unter den Linden versammelt. Das Wetter ist trübe und win- d i g. Alle öffentlichen sowie viele private Gebäude haben geschmückt und in den Schaufenstern sieht man vielfach patriotische Dokoratronen. Der Kaiser nahm zunächst öic Glückwünsche der kaiserlichen Familie entgegen. Um 8% Uhr war Familien- srüh stück. Um 9% Uhr empfing der Kaiser die Gratulationen der Damen und Herren des engeren Hofes und später die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und die fürstlichen Gaste Um 10% Uhr begann der F e st go«ttcsdie n st in der Schloßkapelle, an dem die hier anwesenden Fürstlichkeiten, die Minister und Staatssekretäre, mit dein Reichskanzler an der Spitze, und das diplomatische Korps teilnahmen.

Hohe Ordensauszeichnungen.

Berlin, 27. Jan. Der Kaiser hat u. a. folgende Auszeichnungen verliehen: Den Schwarzen Adlerorden dem Grasen Henckel Fürst von Donnersmarck und Neudeck, das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Krone dem preußischen Gesandten v. Eisen deck, er. Das Großkreuz des Roten Adler­ordens mit Eichenlaub dem Staatsminister v. S v d 0 w. Das Großkreuz des Roten Adlerordens dem Fürsten v. H 0 h e n l 0 h e ° Langenburg. Den Roten Aüler- orden erster Klasse dem Fürsten v. Bentheim- Steinfurt auf Windheim.

Militärpersonalien aus unserem Bezirk.

8. Berlin, 27. Jan. (Eig. Drahtbericht) Oberst­leutnant v. Grimm beim Stabe des Feldartillerie- Regiments Nr. ist zum K 0 m m a n d e u r des Feld- artillerie-Regimcnts Nr. 8 ernannt. Major und M- reilungskommandeur v. Seile vom Feldartillerie- Regiment Nr. 8 ist zum Stabe des Feldartillerie-Regi­ments Nr. 27 versetzt. Major und Abteilungskomman- iieur Gerst e wo erg vom Feldartillerie ° Regiment Nr. 27 wird als Kommandeur zu der reitenden Ab­teilung des Feldartillerie-Regimcnts Nr. 8 versetzt. Oberstleutnant Gros im Infanterie-Regiment -Nr. 57 ist zum Stabe des Infanterie-Regiments Nr. 8*7 ver­letzt. Der Hauptmann Milchling v. S ch ö n st a d t unter Versetzung zum Stabe des Infanterie-Regiments dir. 88 zum Major befördert. Der Oberleutnant G e m 0 l l im Infanterie-Regiment Nr. 88 unter Be­förderung zum Hauptmann zum Adjutanten der 35.