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Nr. 14.

Dienstag, 27. Januar 1914.

Wiesbadener Tagbla^

Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Seite 3.

Mexiko.

Keine Landung amerikanischer Marincsoldaten. Washington, 26. Jan. Präsident Wilson be- zeichnete die Meldung, datz Konteradmiral Fleischer den Befehl erhalten habe, Truppen zu landen, um für den Fall von Huertas Sturz den Eisenbahnverkehr zwischen Mexiko-Stadt und Veracruz aufrechtzuerhalten, als eine interessante Erfindung. Wilson er­klärte, Huertas Herrschaft gehe langsam ihrem natürlichen Verfall entgegen.

klsien.

Eine fremdenfeindliche Bewegung in der Mandschurei.

Petersburg, 26. Jan. Aus Mukden wird gemel­det, datz unter den Chinesen wieder eine fremden­feindliche Bewegung ausgebrochen sÄ. Die Fanatiker zerstörten die Aiguner Eisenbahn auf die Ge­rüchte hin, datz die Bahn an Europäer verkauft fei. Überall in der Mandschurei werden sogenannte Kampforganisationen zur Niedermetzelung der Fremden gebildet.

Luftfahrt.

Fliegerunfälle mit tödlichem Ausgang. London,

27. Jan. Der bekannte englische Aviatiker Dibbs stürzte gestern abend auf dem Flugfelde von Salisbury alb und war sofort tot. —: New Uork, 27. Jan. Eine Depesche aus Guadeloupe meldet, datz der französische Aviatiker Rehbaud am vergangenen Samstag bei einem Schauflug in Baffe- Terre aus 30 Meter Höhe abstürzte und auf das Dach einer Fabrik fiel. Er starb infolge innerer Verblutung wenige Stunden darauf.

klus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Kaisers Geburtstag.

Wie jede Stadt im weiten deutschen Vaterlande heute zu Ehren des Geburtstags des Kaisers, der sein 55. Lebensjahr vollendet, festlich geschmückt ist, so präsentiert sich auch Wies­baden, die Bäderstadt, die den Landesherrn alljährlich auf einige Tage zu Gast sieht, im Schmuck der Flaggen und Embleme, die in den Landes- und Reichsfarben auf die nationale Bedeutung des Tages Hinweisen. Nicht allein die staatlichen und städtischen Gebäude haben geflaggt, auch von den meisten Privathäusern flattern die Fahnen und geben damit dem Gesamtbild der Stadt ein besonders festliches Ge­präge. Wirkungsvoll präsentieren sich auch zahlreiche Schau­fenster durch stimmungsvolle, dem festlichen Charakter des Tages angepatzte Dekorationen. Sehenswert sind dabei namentlich die Auslagen der großen Blumengeschäfte. Überall bemerkt man die Zeichen der Verehrung und Liebe, die dem Friedenskaiser gelten, der sich wie selten ein Monarch in den langen Jahren seiner Regierung eine Popularität gesichert hat, die weit über die Grenzen des Reichs hinausgeht.

Die offizielle Feier in Wiesbaden bewegt sich in einem durch die Gewohnheit nicht weniger eindrucksvoll gewordenen Rahmen. Am Vorabend verkündete Glocken- g e l ä u t e von den Kirchen der Stadt den Beginn der allge­meinen Festlichkeiten. Abends bewegte sich der übliche F a ck e l z u g unter Vorantritt der Spielleute und in Be- aleitung einer größeren Zuschauermenge von den Kasernen an der' Westerwaldstraße durch die Stadt nach der Wohnung des Obersi-n v Hake in der Alwinenstrahe. Nach der Serenade erfolgte der Rückmarsch der Kompagnie in der gleichen Marschordnung. Der Zug ^machte vor der Wohnung des Negierungspräsidenten Halr und marschierte erst nach dem Abspielen einiger Musikstücke weiter. Der Festtag selbst wurde heute morgen um %7 Uhr durch Choralvorträge von der Plattform der Marktnrche ein­geleitet. Bald darauf zogen die Regimentsmusik und die Spielleute des Füsilier-Regiments v. Gersdorff durch die Stadt und weckten mit fröhlichen Märschen die Lang­schläfer. Vormittags fanden Zivil- und Militär gottes- d i e n st e in den Kirchen und in der Synagoge statt, ^n den Schulen und höheren Lehranstalten ivurde durch besondere Feiern auf die Bedeutung des Tages hingewiesen. Vortrage,

schwierigen und nicht immer gleich dankbaren Werkes ebenso­viel Farbenreichtum, als Verve und Exaktheit. Mit welch peinlicher Sorgfalt Herr Mannstaedt solche Werke'einstudrert und mit welch unantastbarer Sicherheit er seine Künstler>char zum Siege führt, bedarf wohl keiner erneuten Berühmung. Es zeigte sich das gestern nicht zum wenigsten auch in der sinfonischen Dichtung „Dg Rouet d’Omphale", darin ^ Orchester seine volle virtuose Bravour entfalten konnte:^oas einer solchen Spinnszene angemessene „feingesponnene Fili­gran dieser Partitur war mit eminenter Kunstfertigkeit her- auSgearbeitet, so daß sich das Ganze zu einem reizvollen Stimmungsbild abrundete.

Vortrefflich bewährte sich die Kapelle in der Begleitung der Solonummern, und es war auch ein vortrefflicher Sonst zur Stelle; ebenfalls ein französischer Meister: der Klatner- virtuose Herr Alfred C o r t o t aus Paris, — hier schon von einem früheren Auftreten her bekannt und beliebt Er brachte ein wertvolles Werk mit: die „Sinfonischen Varia- tionen" von Cäsar Frank. Dieser Komponist, in Wiesbaden visber nur durch Einige Kammermusikwerke und die stnfo- niiche Dichtung „Le Chasseur maudit" bekannt geworden, dlt jenseits der Vogesen als der „Vater" der modernen sran- zöMchen Musik: fast alle jüngeren Pariser Komponisten^ von Bedeutung sind aus ferner Schule her-vorgegangen. Er lelbst w^r wobl eigentlich Vlamländer von Geburt und ist daher auch für deutsche Musikeinflüsse leicht zugänglich gewesen. Solch besondere Mischung gereichte ihm zum Vorteil. Auch in diesen „Variationen" tritt seine persönlich gefärbte Ton­sprache voll ernsten, empfindungsreichcn Pathos, doch auch voll witziger, pikanter Ein-alle greifbar in Erscheinung. Sehr geistreich wird das Thema aus einer längeren, die Erwartung spannenden Introduktion entwickelt, und die Variationen selbst sind von subtiler Arbeit und reich an pianlstischen Effekten aller Art. Herr C o r t o t spielte das Werk mit der 'ein-nervigen Virtuosität, die d-.esen vornehmen Klavierkünst- r er vor vielen auszeichnet. Sein Spiel hat nichts elemen- mrisch Herausforderndes; aber es atmet Poesie, Anmut und Eleganz; der Vortrag ist immer klar gegliedert, die Dynamik -ufS feinste abgetönt, Herr Cortot verhalf den Variationen des französischen Meisters — und damit sich selbst — zu be-

Chorgesänge und Festreden, in welchen die Persönlichkeit unü das Lebenswerk des Kaisers einer Würdigung unterzogen wurden, bildeten im wesentlichen das Programm dieser Kaisergeburtstagsfeiern, die überall einen eindrucksvollen Verlauf nahmen. Die patriotischen Vereine begehen den Tag ebenfalls- durch besondere Veranstaltungen, denen eine sorg­fältig zusammengestellte Vortragsfolge das festliche Gepräge gibt. Die Feiern der Krieger- und Militärvereine sind zum Teil schon in den letzten Tagen vor sich gegangen. Besonders festlich wird der Tag aber in der Kaserne gefeiert, wo der Soldat den Geburtstag des obersten Kriegsherrn als höchsten Festtag des Jahres begeht. Besondere Vergünsti­gungen werden dem Soldaten an diesem Tage zuteil; ja, selbst der weniger Glückliche, der an diesem Tage auf Wache und Posten ziehen mutz, bekommt sein schweres Handwerk durch mancherlei Vorteile erleichtert. Die anderen aber feiern kom- pagnieweise in den verschiedenen Lokalen der Stadt,^ und wer Gelegenheit gehabt hat, einer solchen Kompagniefeier beizuwohnen, der wird die fröhlichen Stunden und das herz­liche kameradschaftliche Verhältnis, das dabei zwischen Vorge­setzten und Untergebenen zum Ausdruck kommt, gewiß zu den angenehmsten Erinnerungen seiner Soldatenzeit rechnen.

Den Höhepunkt pflegt die militärische Feier mit der gro­ßen Parade sämtlicher Truppenteile der Garnison zu er­reichen. Damit war es diesmal allerdings nichts. Das bis gestern beständige Wetter hatte einen wesentlichen Umschwung erfahren. Regenwetter und Glatteis hatten die Straßen rn einen fast unpassierbaren Zustand versetzt. Eine Parade bei Glatteis pflegt kein sehr imposantes Bild zu bieten. Dre Parade siel aus. Um il Uhr 15 Min. fand im An­schluß an den Gottesdienst in der Marktkirche Paroleausgabe statt. Trotz des schlechten Wetters war der Marktplatz dicht besetzt von einer Zuschauermenge, die den Abmarsch der Truppen beobachten wollte. Auch am Kurhaus hatte eine An­zahl Schaulustiger, die von dem Ausfall der Parade noch ohne Kenntnis war, Aufstellung genommen.

Dem Festessen im Kurhaus, an welchem die Mit­glieder der Zivil- und Militärbehörden und zahlreiche Teil­nehmer aus allen Kreisen der Bürgerschaft beiwohnten — insgesamt waren über 500 Gedecke im großen Saal aufgelegt, — präsidierte diesmal der Kommandeur des Landwehrbezirks Oberst z. D. Rot t, der an der Spitze der Tafel faß, rechts und links von ihm hatten der Regierungspräsident und der Oberbürgermeister ihre Plätze. Oberst Rott hielt folgende Ansprache:

Wir haben einen Kaiser! So jauchzt und jubelt uns dieser Tag zu. und so haben es die Glockcit laut hlnaus- gerufen in das Land,

Wir haben einen Kaiser! So bricht e? jubelnd und froh­lockend auch aus unseren Herzen, denn heute ist Kaisers Geburtstag. Unsere Gedanken wenden sich zu dem kaiser­lichen Herrn. Dort in dem altersgrauen Schloß an der Spree in Berlin feiert er heute seinen 55. Geburtstag, um­geben von der kaiserlichen Familie und von den Fürsten Deutschlands. Und das ganze Land feiert mit. Auch wir haben uns hier in diesem prächtigen Saale versammelt, um unseren kaiserlichen Herrn an seinem Geburtstage zu hul­digen als die getreuen Bürger seiner guten alten Residenz Wiesbaden. Wir erinnern uns mit 'Dankbarkeit der ge- ivaltigen Arbeit, die Se. Majestät geleistet hat für das deutsche Volk, und all der Segnungen, die uns durch ihn zu- geslossen sind in seiner mehr als 25jährigen Regierung. Wir schauen besonders dankbar auf das letztverflossene Jahr zu­rück, das ein Jahr des Friedens geblieben ist trotz aller Be­drängnisse und Gefahren, das ein .Jahr des Jubels und der Erinnerungen geworden ist ohnegleichen, das uns das hohe nationale Gut der allgemeinen Wehrpflicht wieder errungen und uns allen, dem ganzen Volk einen sichtlichen Auf­schwung nationaler Begeisterung gebracht bat. Mir stehen in Ehrfurcht vor Sr. Majestät dem Kaiser als dem lebendigen Wahi'zeicken der Einigkert und Macht de? Deutschen Reiches, als dem sichtbaren Ausdruck der höchsten Gewalt und der höchsten Autorität in deutschen Landen, als der Verkörperung von Reckt Gesetz und Ordnung. Wir huldigen Sr. Majestät als unserem Allerhöchsten KjriegÄherrn. Seine Ehre ist unsere Ehre, Seine Wohlfahrt ist unsere Wohlfahrt. Der Aufschwung aber des deutschen Volkes zu Glück, Macht und Ansehen unter den Völkern ist der Zweck und das Ziel seines Lexems.

Mehr noch ist uns der Kaiser. Die deutsche Kaiserkrone wird umwoben und umwittert von einer mehr als tausend­jährigen Geschichte, und der Vergangenheit heilige Schauer fassen uns an bei dem Wort und Begriff Kaiser Da ersteht vor unseren geistigen Augen die Maiestät und Herrlichkeit Kaiser Karls des Großen. Da sehen wir sie dahinscbreiten durch die Jahrundsrte. die gewaltigen Kaiser sächsischen,

Kirche und Herren des Abendlandes, eine lange glorreiche Reihe T« sehen wir aber auch mit Zorn und Schmerz fremde

undeutsche Gewalten Macht gewinnen m deutschen Landen,

und sehen die Kaiserherrlichkeit dahmschwrnden in Uneinig­keit. Hader und blutigen Kämpfen, und mit Scham wenden wrr uns zuletzt ab von dem unrühmlichen Erloschen der alten Kaiserherrlichkeit. Aber der Kaisergedanke war nicht tot Vor 100 Jahren haben unsere Väter m blutigem FrerheitUampfe die Grundlagen gelegt für ein neues Reich, und vor 44 Jahren ist auf diesen Grundlagen durch Kampf und ©u<J hindurch der stolze mächtige Bau des neuen Deutschen Reiches errichtet worden. Vor unserer Erinnerung steht da die hohe ehrwürdige Gestalt Kaiser Wilhelms L, des Großen und Siegreichen. Jii ihm vereinigen sich die heiligen Crliine- rungen der alten Kaiserherrlichkeit und der glorreichen Ge­schichte preußischen Königs- und, Heliwntums. Und neben ifynt ragen wie Säulen feine drei Palvoine. Roon. Mottle, Msmarck. Wem schlüge nicht das Herz hoher bei diesen Namen! Als zweiter Kaiser steht vor unseren Augen die lichte Sieg.friedHg.estalt Kaiser Friedrichs, des Dulders, des Lieblings des deutschen Volkes. Und der dritte rn der neuen Reihe ist unser Kaiser, nach Gottes Ratschluß und durch seine Gnade Deutscher Kaiser und König von Preußen, der verantwortliche Erbe und Hüter der deutschen Kaiser- Herrlichkeit. , „

Ja, was unserer Väter heißestes Sehnen war emen Kaiser zu haben, dem sie zujubeln, für den sie leben und sterben konnten, das haben wir, das halten wir! Gott legne den Kaiser! „ , ... ,

Noch mehr bedeutet uns der, Kaiser,^ Wrr bedürfen feiner aus dem innersten Bedürfnis der Voltsseele heraus für den Staat, für das Vaterland. Bismarck, der die deutsche Volksseele kannte, wie kein anderer, bezeugt es uns, daß der Staat und das Vaterland, wenn sie nicht leere Be­griffe bleiben wollen für den Deutschen, Fleisch und Blut erhalten müssen durch die Person des Fürsten. Der Herrscher gibt durch seine Person dem Begriffe Staat Inhalt und Leben. Weiter bezeugt Bismarck, daß die deutsche Vater­landsliebe, um tätig und wirksam zu werden, m der Stegel als Ziel eines Fürsten bedarf, auf den sie sich richtet. Der Herrscher wird dadurch das Hauptbindemittel zwischen dem einzelnen im Volk und dem Staat, Das monartchische Ge­fühl des Volkes ist der Boden, auf dem hauptsächlich die Siaatsgesinnung und das vaterländische Bewußtsein bei uns erwachsen und blühen. . ...

Wäre der preußische Staat das feste Gefüge geworden ohne seinen Herrscher? Würden die Märker und die Pommern und die Westfalen und Preußen Friedrichs des Groben sich so zusammengehörig gefühlt haben als Preußen ohne ihn, den großen König? Und was hat den preußischen Staat 1806 nach dem erschütternden Zusammenbruch zu­sammengehalten und gerettet? Der König, ja der König. Nickst als ob er ein Herrscher von besonderer Kraft und Be­gabung gewesen wäre. Nein, das war er nicht, aber er war der König, das heilige lebendige Wahrzeichen des Preußentums, um den sich sofort die besten Kräfte sammel­ten. U,id die Märker und die Preußen, die Pommern und die Schlesier, als sie zu versinken drohten in dem grenzen­losen Jammer jener Zeit, streckten unwillkürlich die Arme aus nach ihm, dem König, ihrem letzten Halt, ihrer Hoffnung, ihrer Rettung. Um ihn drängten sie näher aneinander in jenen dunklen Tagen und haben mit ihrem König Liebe um Liebe, Treue um Treue getauscht, wie nie ein anderes Volk. Und an dieser Liebe zum König und mit ihr entflammt die Liebe zum Baterlande zu lohender Flamme und schmolz das ganze Volk zusammen in heiliger Glut. Nie ist das Wort Vaterland mit heißerer Inbrunst von den Lippen geflossen als damals, und als der Sturm 1813 losbrach, da zogen unsere Väter in den Freiheitskampf „Mit Gott für König und Vaterland".

Und wenn wir uns den Zustand denken könnten, — diese Frage wirft Bismarck auf —, daß eines Tags der König und sein Geschlecht plötzlich aus unserer Mitte verschwänden, was würde geschehen? Ist es sicher, datz die Ostpreußen mit den Rheinländern, die Schlesier mit den Westfalen, die Pommern mit den Nassauern und Heffen, Nachen mit Königsberg, Wiesbaden mit Memel, sich so unzerreißbar eins fühlen würden wie bisber auch ohne die Bindung durch den Herrscher? "Und was ist's. was den Augsburger Schwaben, den Mainfranken und den Pfälzer Alemannen so fest an den verhältnismäßig kleinen Stamm der Dahern in Deutschland knüpft, derart, datz sie sich alle mit Stolz Bayern nennen? Ist es nicht einzig und allein die Liebe zum Könige aus Wittelsbacher Geschlecht?

Ja das monarchische Bewußtsein ist eine Tatsache ist eine Macht in Deutschland, mit der der Staatsmann' zu rechnen hat, und ist ein Bedürfnis der deutschen Volksseele, das gebieterisch nach einem Kaiser verlangt, der alles was deutsch ist. fest zusammenfaßt zu einer geschlossenen Einheit, zu einem mächtigen Deutschen Reiche Ohne Kaiser, das fühlen wir und wissen wir und das bezeugt uns die Ge­schickte. schwindet die deutsche Kraft rettungslos dahin. Mit dem Kaiser verdoppelt, ja verzehnfacht sie sich und wird un­überwindlich.

Wir haben einen Kaiser! so dürfen wir heute mit Recht hrnausmbeln in alle Welt. Wir haben ihn und wir halten ihn fest mit dem Herzen. Er gehört uns so wie wir ihm, und wir schütteln alles, was uns die Liebe zu ihm und den Stolz auf ihn und die Freude an ihm und an des Reiches Herrlichkeit nehmen will von uns ab als etwas Feindseliges und als einen Raub an unserem besten deutschen Wesen.

deutendem Erfolg. Nicht wenrger rnterefsterte sein Chopin- Spiel. Wir hörten von ihm die Polonaise op. 22 mit dexn voraufgehenden nokturno-artigen und einfach gehaltenen (daher „Spianato") Andante. Er brachte die Komposition zu eigenartiger Wirkung. Das französische Element, die Grazie Chopins, schien am stärksten betont; und trotz des begleiten­den Orchesters, das allerdings ;a hier nicht viel zu sagen hat, zeigte sein Spiel hier fast den^ Charakter einer angeregten, espritvollen Konversation. Ebenso rn den zum Schluß freund- lichst gespendeten Zugaben: immer wußte er seinem Vortrag einen ganz individuellen Reiz zu geben, And dabei: welch bewundernswerte Austeilung und Abrundung in jedem kleinen und kleinsten Detail! Mit Recht feierte unser Publi­kum enthusiastisch diesen Pariser Künstler, der, nebenbei ge­sagt, mit seinem bartlosen Gejrcht, dem lang über die Ohren niederfallenden schwarzen Haar und der schwarzen Bobßmc- Krawatte fast an die Bilder der Geisteshelden französischer Romantik erinnerte: vielleicht an einen Alfred de Müsset oder an Chopin selbst . . .

Der zweite Teil deS Konzerts gehörte einem deutschen Werke, einem der deutschesten. Schuberts C-Dur-Sinfonie. An ihrer melodischen Tonflut schien sich das Orchester förmlich selbst zu berauschen; Herr Mannstaedt wußte durch flotte Zeitmaße und wechselvolle Nuancierung auch die gern breiter ausströmenden Partien des Werkes angemessen zu beleben. In üvpiger Klangschönheu strahlte das „Allegro ; sehr zartsinnig wurde das ganz in lyrische Empfindungen ge­tauchte „Andante" gegeben und frisch zugreifend das „Scherzo", — gleich dem »Finale?' j- 0 recht wienerisch-gemüt­lich und lustig dahinwirbelnd! . Für die vorzügliche Wieder­gabe dankten die Hörer durch reichen Beifall. 0. D-

Ans Kunst und Leben.

Bildende Kunst und Musik. Der bekannte Portraitmaler Rudolf Swoboda ist in Wien 55 Jahre alt gestorben. Swoboda wurde am 4. Oktober 1859 in Wien geboren und be­suchte die dortige Kunstgewerbeschule und Akademie. Studien­zwecken halber hielt er sich längere Zeit in England auf und

unternahm auch große Reisen nach Ägypten und Nubien. Er war Hofmaler der Königin Viktoria. Seine bekanntesten Bilder sind die des jetzigen Kaisers von Rußland, des Grosi- hcrzogs von Hessen und des Herzogs von Connaught.

Der Kaiser verlieh aus Anlaß der Aufführung de8 „P a r s i f a l" im Berliner Kgl. Opernhause den Roten Adlerorden vierter Klasse dem Regisseur Braunschweig; den Königlichen Kronenorden vierter Klaffe dem Kapellmeister und Korrepetitor l>r. Besl; das Kreuz der Ritter des König­lichen Hausordens von Hohenzollern dem Maschineriedirektor, Geheimen Hofrat Brandt; das Verdienstkreuz in Silber dem Beleuchtungsinspektor Barth; den Charakter als Geheimer Hofrat dem Garderobedirektor, bisherigen Hofrat Rau pp; die beiden letzteren früher in Wiesbaden.

Wissenschaft und Technik. In Wien ist gestern der Pro­fessor Geheimrat Friedrich I o d l gestorben. Er war 1849 in München geboren und wirkte zuerst in München und Prag. Seine Hauptwerke sind eine Geschichte der Ethik und ein Lehr­buch der Psychologie. In den 90er Jahren bat Jodl auch an der starken freisinnigen Bewegung gegen die christlich­soziale Herrschaft in Wien teilgenommen.

In Paris wurde gestern nachmittag das von einer: Ballgesellschaft für die Neue Eduard VH.-Straße gestiftete Reiterstandbild des verstorbenen Königs Eduard

enthüllt.

Zu Ehren Johann Gottlieb F i ch t e s veranstalten die philosophische und die Kantgesellschaft in Berlin am 3. Februar eine Feier, zu der der Rektor der Universität die alte Aula zur Verfügung gestellt hat. — Der Abgeordnete Runze ermittelte, daß Fichte nicht am 27., sondern am 29. Januar 1814 gestorben ist. Der Abgeordnete stellte dem „Berliner Tageblatt" die Beurkundung aus dem Kirchen­register zur Verfügung.

Das neue physiologische Institut der ti erärztlichxn Hochschule, das heute in Anwesenheit ^ des Landwirt- schaftsministers eingeweiht werden soll, ist räumlich verbun­den mit dem chemischen Institut, das den zweiten Stock ein­nimmt. Der Bau mitsamt den Einrichtungen hat eine Mil-« lion Mark gekostet