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Nr. 4«.

Sette 25*

Drorgen-Ausgave, i. Blatt. WiesbaKsrrer gttflMatf»

Treue gegen sich selber übte, wurde er zugleich fernem Volk ein fester Halt und ein sicherer Fichrer. Er durfte noch die Wendung erleben, aber er gewahrt auch schon manche Schatten, und die Liebe und Sorge für fein Volk begleitete ihn bis an sein Lebensende. Indirekt war auch er ein Opfer der Freiheitskriege, in rüstigem Mannesalter raffte eine tückische Seuche ihn hinweg. Mit frischer Jugend- und Manneskraft aber behält er seinen Platz im Gedenken des deutschen Volkes, seine Lebensarbeit hat reiche Frucht getragen, und die blei­bende Wirkung, die irdische Ewigkeit, welche nach seiner Überzeugung die nationale Gemeinschaft dem Menschen oerheißt, sie ist ihm selbst vollauf zuteil geworden."

politische Übersicht.

Drei paar Gegensätze zur Kuswahl.

Man schreibt unZ vom Rhein: DieKölnische Volksztg.', oas führende Zentrumsorgan, hat nun endlich das rechte Wort gefunden, nämlich die klassische Formel, die die volle Eintracht verstellt zwischen den christlichen Gewerkvereinen und den geistlichen Oberhirten, bezw. der römischen Kurie. Diese Formel lautet: man mutz unterscheiden zwischen formaler Unterwerfung der interkonfessionellen Organisation unter die päpstliche Enzyklika Singulari quadam, und tatsächlicher, die religiösen Pflichten der katholischen Organisationsmitglieder respektierender freiwilliger Erklärung. Die Formel ist lang. Sie ist dadurch lang geworden, datz sie drei Gegensätze zu­sammenwirft und bunt durcheinaniderrüttelt. Diese drei Gegensätze sind: formal und tatsächlich; Unterwerfung nnd freiwillige Pflichterfüllung: Organisation und Einzelmitglied. Nach Belieben kann nun jeder sich das ihm passende Paar herausnehmen. Der Kölner wird erklären:Ich brauche mich also nicht formell zu unterwerfen; es kommt auf das an, was ich freiwillig tue; schön, das werde ich mir überlegen und bin keinem Menschen darüber Rechenschaft schuldig." Der Ber­liner aber kann sagen:Gewiß, alle einzelnen fügen sich; das läuft auf dasselbe hinaus, als wenn die Gesamtheit sich fügte." Wenn nämlich der Kölner Einigungsapostel Glauben findet! Wir fürchten aber, die neueEinigungsformel" im Gewerkvereinsstreit wird noch schneller totgeschlagen werden als die Losung desselben Blattes im politischen Zentrums­streit:Hinaus aus dem Turm!" Sie häuft gar zu sehr die Gegensätze.

Zur Klotlenrustung Englands.

-n. London, 24. Januar.

Die Krisis im englischen Kabinett wegen der Rüstungen zur See ist zwaroffiziell" nicht gelöst, jedoch steht schon so viel feit, datz der Marineminister C h u r ch i l l den Sieg da- vontragen und das Budget für die Flotte vergrößert werden wird. Außerhalb Englands ist allgemein die Ansicht ver­breitet, die britische Regierung habe den Grundsatz aufgestellt, daß rhre Kriegsflotte um 60 Prozent die der deutschen über­steigen müsse und da dieses Verhältnis nunmehr überschritten werden soll, betrachtet man das als ein Novum. Das ist jedoch rächt der Fall. Der Marineminister erklärte ausdrücklich in seiner Rede vom März 1012, datz die 60prozentige Überlegen­heit nur Bezug auf die neubeschlossenen deutschen Schiffs­bauten habe, datz für jedes weitere Kriegsschiff, das dre deutsche Negierung Herstellen würde, zwei in England gebaut werden müssen. Ferner führte er ans. datz dies Mprozeutige Verhältnis sich nur auf die ganz großen Schiffe bezöge und datz das genannte Verhältnis auch nur provisorisch sei und je nach den Umständen verändert werden wiirde. Endlich sagte er noch, datz die Schiffe, die von den britischen Kolonien auf Stapel gelegt werden, nicht als zugehörig zu der eng­lischen Flotte berechnet werden müßten. Datz die oben er­wähnte Ansicht sich im Ausland verbreitet hat, ist erklärlich, denn das erwähnte Programm war ja nur in einer Rede an­gedeutet und in seinen Einzelheiten so kompliziert, datz wohl die Absicht dahinter gesucht werden kann, die Dinge möglichst ins Dunkle zu hüllen. Jedenfalls geht aus der ganzen Sach­lage hervor, daß die Engländer keineswegs beabsichtigen, sich irgend wie zu binden und daß man besonders in Deutschland wohlberaten sein wird, auf die britischen Zusicherungen über die Rüstungen, seien dieselben nun amtlich oder halbamtlich, irgend etwas zu geben.

Deutsches Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Das Grotzherzogs-

uaar von Baden ist gestern vormittag auf dem AnhaUer Bahnhof in Berlin eingetroffen und, wird, im, Königs! chiog m den Königskammern wohnen. Gleichseitig ist Furlt von Hohenzollern im Palasthotel abgestregen. .

LC.Separatistische Umtriebe."Separatistische Umtriebe heißt die neue Wendung, die die sozialdemokratische Bureau- kratie geprägt hat für das Verhalten derjenigen Polen, die nicht in die deutsche Parteiorganisation eintreten wollen. Wegenseparatistischer Umtriebe" ist mehreren polnischen Beamten der freien Gewerkschaften der Stuhl vor die Tür gesetzt worden. Der Ausdruck ist für einedemokratische" Partei recht niedlich; das Hauptwort nicht minder als das Beiwort. ^

*Wir sind doch alle Preußen." DerKöln. Volksztg. wird aus ihrem Leserkreise folgende Episode aus dem Leben Kaiser Wilhelms I. mitgeteili:Ich war 1877 in Krefeld tn Stellung. Damals wurde als noch ziemlich frische Begeben­heit folgendes viel besprochen. In Krefeld bestaub ern Prentzenverein". Als nun Kaiser Wilhelm I ich weiß nrcht aus welcher Veranlassung, Krefeld besuchte, begab sich auch eine Abordnung desPreutzenvereins" zum Bahnhof. Als der Leiter desselben, der übrigens weder v. Wrochem, noch b. Kracht oder so ähnlich, sondern ganz schlicht und einfach Peter Floh hieß, bei der Ankunft des Kaisers sich diesem als Präsident desPreutzenvereins" vorstellte, soll Kaiser Wil­helm I. daraus in verweisendem Tone gesagt haben:Wir sind doch alle Preußen." Damit war die Preußendeputation abgewicsen. DemPrentzenverein" gehörten die wohl- babendsten Leute Krefelds an, die zum großen Teil auf dem Ostwall wohnten. Als der Kaiser nachher durch die Stadt nnd auch über den Ostwall fuhr, batten die grollenden Preußen" auf dem Ostwall die zur Begrüßung des Kaisers ausgehängten Fahnen wieder eingezogenan einzelnen Häusern waren sogar die Läden geschlossen."

* Preußische Kriegerstiftung Wilhelm II. Zur 200-Fahr- fcier des Königreichs Preußen am 18. Januar 1901 hat der Preußische Landes-Kriegerverband aus kleinen Beiträgen seiner Kameraden ein Kapital von 120 090 M. gesammelt, das am Jubiläumstage dem Kaiser als dem Protektor über­reicht wurde. Der Kaiser hat die Stiftung angenommen und bestimmt, datz aus den Zinsen des Kapitals und weiteren etwaigen Beiträgen bedürftigen preußischen Kriegsteil­nehmern, die dem Landesverbände angehören, und Hinter­bliebenen von solchen jährlich am 18. Januar Unterstützungen bewilligt werden sollen. Dieser kaiserlichen Willensmeinung entsprechend, ist das gesammelte Kapital zum Grundstock einer Stiftung unter den: NamenPreußische Kriegerstiftung Wil­helm II." gemacht worden. Das Stiftungskapital ist bis Ende des Jahres 1913 auf 385 790 M. 41 Pf. angewachsen. Am 18. Januar 1914, dem preuhischen Krönungstage, wurden der Kyfshäuser-Korrespondenz" zufolge ans den Zinsen der Stiftung an 752 Kriegsveteranen und Hinterbliebene von Kriegsveteranen im ganzen 18 000 M. verteilt. In dieser Zahl sind 175 Kriegsinvaliden von 1848/51 enthalten, denen eine jährliche Unterstützung von 40 M. zugedacht ist. Gleich­zeitig ist die anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers von dem Verbände der größeren preuhischen Landgemeinden gesammelte und dem Vorstand des Preußischen Landes- Kriegerverbandes zur Verfügung gestellte Spende von 12 000 M. an 395 Kriegsveteranen aus den dem Verbände angeschloffenen Gemeinden in Beträgen von je 30 W. verteilt worden. Anträge auf Bewilligung einer Unterstützung aus der Preußischen Kriegerstiftung Wilhelm H. sind stets an den Vorstand des betreffenden Kriegervereins zu richten, welcher die Gesuche auf dem Instanzenwege weitergibt.

sw Der Verband deutscher Gewerbevereine und Hand­werker-Vereinigungen erstattet soeben durck, den Verbands­vorstand den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Der Geschäftsbericht konstatiert, datz das abgelaufene Berichtsjahr den Verband der Erfüllung seiner Erwartungen und Wünsche näher gebracht zu haben scheint; es haben sich zwischen seinem Vorstand nnd dem Deutschen Handwerks- und Gewerbe- kammertag Beziehungen angebahnt, die nicht nur auf eine zukünftige innigere Arbeitsgemeinschaft hoffen lassen, son­dern auch eine Erfüllung der von den freien Vereinigungen seit Jahren geäußerten Wünsche in Aussicht stellen. Der Deutsche Verband, der gegenwärtig rund 150 000 Mitglieder

so viel' zu sagen Geschichten, die sie schon zehnmal gehört haben und die doch immer wiederholt werden!

Vor nicht langer Zeit weilte der Kaiser in Kurzel-Urville auf seinem schönen Schloß, und da ist er auch ins Strft ge­kommen und hat die Frauen in ihren Stuben beiuqt und sie haben ihre schönsten Hauben aufgesetzt und rhre besten Knickse vor ihm gemacht. . ... ..

Das alles erzählen sie in dem leichten, flüssigen Franzö­sisch, das man in Lothringen hört.

MS er in mein Zimmer kam", sagt Katherine,stand aus dem Ofen ein hoher Krug mit Kamillentee ich wollte ihn schnell wegtragen aber der Kaiser lachte und rief ganz

laut:

Buvez seulement vos camomilles, si vous avez mal au ventre!" (Trinken Sie nur Ihre Kamillen, wenn sie Leibweh haben.)

Ja, das hatte der Kaiser gesagt, und seither mutzte die Katherine immer an ihn denken, wenn sie vor dem Schlafen­

gehen ihre Kamillen trank.

Madame Broux erzählt von ihrem Spiegelschrank, der heute zu Ehren des Tages mit Epheu und Tannen bekränzt ;st. Madame Broux hat früher in Paris gelebt, und von dort hat sie sich den Spiegelschrank und einen Rest von Eitelkeit mit ins Lothringer Dorf gebracht.

DaS hatte der Kaiser anscheinend auch bemerkt und sich im Zimmer umgesehen und die alte Madame Broux geneckt:

' Hi, Madame, on est encore coquette ä votre age!" (Ol), Madame, man ist noch kokett in Ihrem Alter.)

Mir ist so seltsam zu Mut fern vom heißen, pulsieren­den Leben, von allem, was das Menschenherz _in Freude und Sturm bewegt- hineinversetzt in das abgeschiedene Leben der Matronen, das «si Gräbern entlangläuft, und in dem daN Kleinste und Geringfügigste doch zum Ereignis wird.

Letztes Jahr wurde derKaiserkuchen" bei Madame Maure °gegessen, derselben, die vom Kaiser für ihre peinliche Sauberkeit gelobt worden war. Jetzt ruht sie drüben auf dem stillen Kirchhof unter dem Weißen Schnee. Daran denken die alten Frauen, und sie seufzen ein wenig; denn vielleicht wer­

den auch sie bald den letzten Weg durch den Stiftsgarten in den kleinen Friedhof machen müssen.

Aber Katherine will die trüben Gedanken nicht aufkom- men lassen.

Aus des Kaisers Wohl ä sa santel" ruft sie und hebt die Tasse mit dem dampfenden Kaffee.

Dann folgen die Frauen, und die zitternden, tastenden Hände halten die Taffen hoch und die Stimmen, die wie die Glocken aus alten Kirchtürmen klingen, sagen so laut, sie können:A sa sante", und dabei neigen sich die Köpfe ein­mal ums andere wie zum Gruß.

Und draußen vor den Fenstern wiegen die Tannen ihre schweren Häupter. Es schneit, und immer dichter fallen die Flocken auf das stille Land und decken das Altfrauenhaus mit ihrer weißen Hülle zu. Am Giebel die Fahne bewogt sich leise Kaisers Geburtstag!

Nus Kunst und Leben.

* Der Umbau des Palazzetto Venezia, der bekanntlich zum Sitz der österreichisch-ungarischen Botschaft in Rom aus­ersehen war, ist nun vollendet, und die Beamten werden binnen kurzem die neuen, völlig modern hergerichteten Räume beziehen, über die Verstümmeluirg dieses historischen Palastes Pauls II., der eines der herrlichsten Bauwerke Roms war, ist seinerzeit eine allgemeine Klage durch die gebildete Welt gegangen. Nun ist es wenigstens erfreulich, daß das ehr­würdige Denkmal, das nach außen so schwer geschädigt wurde, im Innern nach Möglichkeit erhalten worden ist. Wie im Cicerone" berichtet wird, wurde die häßliche alte Stiege im Hauptpalast umgelegt und im Quattrocentostil neu erbaut. Fragmente, die man bei der Umsetzung des Palazzötto fand, antike Trümmerstücke und andere schöne Bauteile, wurden in der hohen Loggia eingemauert. Bei dem Wiederaufbau kam ein feiner historischer Sinn zur Geltung, und so ist es eine glückliche Überraschung, den neuen Hof mit seinen luftigen Bogenstellungen zu sehen. Das obere Stockwerk der Bogen­halle, das früher vermauert war, ist jetzt geöffnet. Ein

Die nstag, Z7* Januar 1914*

umiatzt, hat im abgelausenen Jahre einen Zuwachs erfahren durch den Beitritt des Landesverbandes von Sachsen-Alten- bürg. Die in Bingen zur Annahme gelangten Grundsätze für das Berechtigungswesen der gewerblichen Unterrichtsan­stalten wurden dem Reichsamt des Innern, sämtlichen Bun­desregierungen, Zentralstellen, Landesgewerbeämtern, Schul­männerverbänden und maßgebenden Persönlichkeiten über­sandt mit der Bite um Förderung der im Interesse des Hand­werks liegenden Bestrebungen des Deutschen Verbandes, daß den Absolventen von Fachschulen, die bei ihren Reife- und Abgangsprüsungen nachweislich böhere Anforderungen an die theoretischen Kenntnisse ihrer Schüler stellen, als dies bei den Meisterprüfungen der Fall ist, die allgemeine Befreiung von dem theoretischen.Teil der Meisterprüfung gewährt wird, wie das seht schon bei einzelnen Schulgattungen in den verschie­denen Bundesstaaten geschieht.

Rechtspflege und Verwaltung.

über eine Durchbrechung des Anwaltszwanges hat die Deutsche Richter-Ztg." eine Umfrage bei 151 Handelsrichtern und 365 Mitgliedern des VereinsRecht und Wirtschaft" ver­anstaltet. Die Frage war, wie folgt, gestellt:Soll kraft Gesetzes ein Angestellter einer eingetragenen Handelsfirma, welcher die Richterprüfung bestanden hat, als Prozetzvertreter seiner Firma vor jedem Landgericht unter Durchbrechung des zurzeit herrschenden Anwaltszivanges zugelassen wer­den?" Von den eingegangenen Antworten lauten, wie die D. R.-Ztg." berichtet, 281 bejahend, 30 verneinend, bei 9 Stimmenthaltungen.

parlamenlarische«.

X L-ndtagsers-tzwahlen. Im preußischen Abgeordneten- hause sind zurzeit, was als große Seltenheit bezeichnet wer­den muß, sämtliche 443 Landtagsmandate besetzt. Die kon­servative Partei zählt 147 Mandate, das Zentrum 103, die Nationalliberalen 73, die freikonservative Partei 54, bte Fort­schrittliche Volkspartei 40, die Polen 13, die Sozialdemokraten 10, die Dänen 2 und dieWilden" 1. Seit den allgemeinen Neuwahlen fanden 6 Ersatzwahlen statt, bei welchen die Kon­servativen, die Nationalliberalen und das Zentrum je 2 Man­date zu verteidigen hatten. In Ost- und Westprignitz wurde für den verstorbenen Abg. v. Saldern-Plattenburg (kons.) der Fideikommißbesitzer Graf Wilamowitz-Moellendorsf (kons.), in Pr.-Holland-Mohruugen für den verstorbenen Grafen v. Kanitz (kons.) der Rittergutsbesitzer Kahle (kons.), in Kreuz- nach-Simmern-Zell für den verstorbenen Weingutsbesitzer Engelsmann (natl.) der Gutsbesitzer Andres (natl.), in Elber- feld-Barmen für den verstorbenen Oberrealschuldirektor Dr. Hintzmann (natl.) der Redakteur Bacnwister (natl.) und nt Warburg-Höxter für den verstorbenen Rentner Albers (Ztr.) der Gutsbesitzer Schönkaes (Ztr.) gewählt. An Stelle des Frhrn. v. Twickel (Ztr.), welcher anläßlich des Regierungs­jubiläums des Kaisers ins Herrenhaus berufen worden war, wählte der Wahlkreis Lüdinghausen-Beckum-Warendorf den Grafen v. Drostc-Vischeriug (Ztr.) in den Landtag. Durch die Ersatzwahlen erfuhr der Fraktionsbestand der einzelnen Parteien also keinerlei Veränderung.

os. Eine Petition an den Deutschen Reichstag. Die deut­schen Turn- und Sportverbände bitten durch ihre Vertretung, den Deutschen Reichsausschutz für Olympische Spiele, den Deutschen Reichstag, bei Beratung des Etats des Reichsamts des Innern in einer Petition die von der Reichsregierung als Zuschuß für die Vorbereitungen der Olympischen Spiele des Jahres 1916 vorgesehenen 200 000, M. zu bewilligen und dem Beschlüsse der Budgetkommission auf Streichung dieser Summe nicht beizutreten. Eine ausführliche Begründung weist darauf hin, daß die von der Reichsregierung in den Etat eingesetzte Summe von 200 000 M. zur organisatorischen Ver­anstaltung der Spiele nicht verwandt werden, sondern sie sollte laut Beschluß des Reichsausschusses ohne Abzug den deutschen Turn- und Sportverbänden je nach Zweckmäßigkeit und Bedürftigkeit in festgelcgten Raten überwiesen werden und unmittelbar der turnerischen und sportlichen Ausbildung der Jugend dienen. Ein Viertel der gesamten Summe war der Deutschen Turnerschaft zugedacht worden. Diese finan­zielle Unterstützung der Turn- und Sportverbände ist nötig, wenn wir bei den Olympischen Spielen in allen Wettkämpfen günstig abschneiden wollen. Die vom Reichstag erbetenen Mittel dienen also durchaus nur der gesunden körperlichen Ausbildung der gesamten Jugend. Hierfür muß aber gemäß der allgemeinen Überzeugung, die auch von seiten des Reichs- tags in einer Resolution ausgesprochen ist, noch mehr getan

Rcnaissancegärtlein mit einem Renaiffancebrnnnen ist in der Mitte angelegt, und in der römischen Sonne sprießen Zy­pressen, Lorbeer und Buchsbaum rasch empor. Auch sonst sorgte der gegenwärtige Botschafter am Vatikan, Prinz Schön- burg-Hartenstein, dafür, daß gerettet wurde, was zu retten war. Er ließ in einem der Prunkgemächer unter Glas die Münzen und Tonscherben sammeln, die man in großer Zahl in den Fundamenten ausgegraben, und stellte die Büste Pauls II. von Bellano in schöner Weise auf. Die Geschichte des Umbaues, bei dem reiche Funde cm Marmorftagmenten, Münzen, Terrakotten usw. zutage traten, wird von Dr. Ludwig Pollak verfaßt, der sich bei diesen Wiederherstellungs- arbeiten mannigfache Verdienste erworben. Hat auch das neue Gebäude viel an Schönheit eingebüßt, so hat es doch einen Vorzug vor dem alten erhalten: es ist bequem und ge­sund, und man darf sagen, daß heute kein Botschafter in Rom glänzender wohnt als der österreichische.

Kleine Chronik.

Bildende Kunst und Musik. Im April ist der 300. Todes­tag des erst jüngst zu so großer Berühmtheit gelangten griechisch-spanischen Malers Theotokopoli, genannt G r e c o, und dieser Erinnernngstag soll, wie demCicerone" aus Toledo berichtet wird, durch eine große internatio­nale Veranstaltung gefeiert werden. Eine Ausstellung der Werke des Greco soll alle nur erreichbaren Bilder versam­meln, und diese werden dann durch photographische Repro­duktionen zu einer Vorführung seiner gesamten Lebensarbeit ergänzt, werden. Auf der Plaza del Conde wird eine Art Festspiel veranstaltet, und zwar soll eins der berühmtesten Gemälde des Meisters, dasBegräbnis des Grafen Orgcy", im lebenden Brld vorgesührt werden, woran sich dann die Zelebrierung einer feierlichen Totenmesse schließt, wie sie Greco in seinem Testament angeordnet hatte. Geleitet wird die Feier von dem bekannten Vorkämpfer des Meisters, dem Marquis von Vega-Jnclan. Der Plan hat im Ausland leb­haftes Interesse erregt.

Der Bildhauer Professor Max ll n g e r in Berlin vollendete am 26. Januar sein 60. Lebensjahr. Dem Künstler gingen zahlreiche Glückwünsche zu.