Nr. 42. Montag, 26. Januar 1914.
klusland.
Frankreich.
Eine Rede Barthous. Bordeaux, 25. Jan. Bei einem Frühstück im Kreise von politischen Persönlichkeiten hielt der frühere Ministerpräsident B a r t h o u eine Rede, in der er unter anderem seine Finanzpolitik der C a i l l a u x' gegenüberstellte, welche die höheren, dauernden Interessen des Landes außer acht lasse. Er betonte van neuem die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Drei- j ah res-Ge setze s, das auch der Kriegsminister Noulens anerkannt habe, meinte aber, wenn die Regierung bei den Wahlen die geeinigten Gegner dieses Gesetzes, das eine Lebensfrage für das Land sei, begünstige, so sei das eine Schmach und würde eine Gefahr schaffen, deren Ernst der unsichere und drohende Zustand Europas noch erhöhe. Er wolle die äußeren Gefahren nicht übertreiben, aber, fuhr er fort, darf man, abgesehen von den jüngsten durch die Balkanlage geschaffenen Schwierigkeiten, nicht die Symptome hervorheben, die, obgleich nicht unmittelbar beun. ruhigend, doch zu ernsten Betrachtungen Anlaß geben müssen? Barthou schloß seine Rede mit einem Appell an die nationale Eintracht. Er erntete lebhaften Beifall.
Prinz Georg von Griechenland in Paris. Paris,
24. Jan. Prinz Georg von Griechenland, der Bruder des Königs der Hellenen, wurde heute nachmittag vom P r ä s i - d e n t e n der Republik mit dem üblichen Zeremoniell empfangen.
England.
Fürst Lichnowsky Gast des englischen Königs. London,
25. Jan. Der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky und seine Gattin sowie der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Mensdorf werden am Montag nach Schloß Windsor fahren, um dort einige Tage Gäste des Königs zu sein.
Der Streik in London. London, 25. Jan. Der 'Streik in London droht einen derartigen Umfang anzunehmen, daß etwa 20V 000 Arbeiter sich binnen kurzem im Ausstande befinden werden. Gestern haben die Maurer aus Sympathie für die streikenden Kohlenaribeiter sich geweigert, neue Verträge zu unterschreiben, nach denen sie verpflichtet gewesen wären, mit nicht syndizierten Maurern züsammcn- zuarbeiten. Die Arbeitgeber haben infolgedessen die Aus. sperrung beschlossen. Bereits 45 000 Mann sind beschäftigungslos.
Der neue Botschafter für Wien. Madrid, 25. Jan. Der frühere spanische Botschafter in Rom und jetzige Senator Castro Casaleiz wurde zum Botschafter in Wien ernannt.
vortu om!.
Beendigung aller Streiks in Lissabon. Alle Streiks sind endgültig erledigt. Die Eisenbahnarbeiter haben die Arbeit wieder ausgenommen, ohne daß ihre Forderungen bewilligt wurden.
Ein sozialistischer Wahlsieg. Ma i l a n d, 26. Jan. Bei der Nachwahl im 6. Wahlbezirk wurde der Sozialist Amilcare Cipriani mit 10 855 Stimmen gegen den Konstitutionalisten Presst, der 6118 Stimmen erhielt, gewählt.
Eine Orbensauszeichnung DelcassSs. Petersburg, >5 Jan. Der Kaiser verlieh dem französischen Botschafter ^elcasss in Anerkennung seiner fortgesetzten energischen Bemühungen, die französisch-russischen Beziehungen enger zu gestalten, den Andreasordcn, dessen Insignien der Minister des Äußern S s a s o n o w dem Botschafter persönlich in der französischen Botschaft überreichte.
Serbische Gäste. Petersburg, 25. Jan. Der Kronprinz von Serbien und Ministerpräsident Paschitsch sind hier eingetrofsen.
Die Kiewer Mili,t8"bcfreiungsaffäre. Petersburg, 24. Jan. Die Untersuchung gegen die Militärbefreiungs- Gesellschaft hat überraschende Resultate ergeben. Es ist festgestellt worden, daß die Gesellschaft im ganzen Reiche operierte und viele Tausende der Militärdienst- pslicht entzogen. In zahlreichen Städten des ganzen Reiches werden täglich Personen' verhaftet, die von der Gesellschaft vom Dienste befreit worden sind.
NumäniKn
Auflösung des Parlaments. Bukarest, 24. Jan. Der Ministerpräsident verlas im Senat einen Erlaß, durch den das Barlament aufgelöst und die Neuwahlen für den 28. Februar anberaumt werden. Das neugewählte Parla- ini'”* ^'tt am 6 März zusammen.
Rrssbadenee TagblaLt.
Serbien.
Bsrbereitungcn zum Abschluß eineS Balkanbundes ohne Bulgarien! Belgrad, 26. Jan. Die Reise des Ministerpräsidenten Paschitsch nach Petersburg wird hier vielfach in Zusammenhang gebracht mit dem dort erwarteten Eintreffen des griechischen Ministerpräsidenten Benizelos, der die Bildung eines neuen, Serbien, Montenegro, Griechenland und Rumänien umfassenden Balkanbundes anstreben soll. — Nach einer anderen Meldung werden sich die Ministerpräsidenten der Balkanstaaten mit Ausnahme Bulgariens in kürzester Zeit treffen. Paschitsch, Benizelos, Bratianu und Wukotitsch werden Mitte Februar eine gemeinsame Beratung ab- halten. Als Ort der Zusammenkunft ist Bukarest auser» fehen.
Große Gcwchrbestellungen in Frankreich. Belgrad, 24. Jan. Die serbische Regierung hat bei französischen Gewehrfabriken 100 000 Gewehre bestellt, die bereits unterwegs sind und in der nächsten Woche in Belgrad eintreffen sollen.
Griechenland«
Der Anschluß Athens an bas europäische Bahnnctz. Paris, 26. Jan. Zwischen der griechischen Regierung und einer französischen Eisenbahngesellschaft ist ein Vertrag über den Bau einer Bahnlinie Piräus-Athen-Larissa abgeschlossen worden, durch die Athen eine direkte Verbindung mit Westeuropa erhält.
Albanien.
Militärische Maßnahmen Österreichs und Italiens.
Paris, 26. Jan. Aus Rom wird gemeldet: Die italienische Regierung hat sich infolge der Verhältnisse in Albanien eni- schlossen, im Einverständnis mit der österreichisch-ungarischen Regierung an die eventuelle Durchführung militärischer Maßnahmen zu gehen. Die Kabinette von Wien und Rom haben sich in den letzten Tagen an die Regierungen der übrigen Großmächte mit dem Ersuchen gewandt, für militärische Maßnahmen in Albanien zu sorgen. Da bisher die Großmächte den Kabinetten von Wien und Rom keine diesbezügliche Zusage gemacht haben, haben sich die italienische und österreichische Regierung entschlossen, zunächst s e i b st alle militärischen Vorbereitungen zu treffen, die notwendig sind, um Ruhe und Sicherheit in Albanien in vollstem Umfange aufrechtzuerhalten. Von der italienischen Heeresverwaltung sind mehrere Bataillone Gebirgs- truppen mit Geschützen für Albanien bereit gestellt. Auch die österreichisch-ungarische Heeresverwaltung hat bereits ähnliche Vorkehrungen getroffen.
Durazzo Residenz des Prinzen zu Wied. Wien, 24. Jan. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" meldet offiziös: Der
Prinz zu Wied gedenkt vorläufig in Durazzo zu residieren, infolgedessen wird auch die internationale Kontrollkommission nach Eintreffen des Prinzen ihre Residenz in Valona sofort aufgeben und diese vorläufig in Durazzo auf- schlagen.
Türkei
Die Regelung der Jnselfrage. K o n st a n t i n o p e l,
26. Jan. Auf der Pforte werden alle Gerüchte von direkten Verhandlungen mit Griechenland wegen der Jnselfrage, und daß Rumänien seine Intervention angeboten habe, auf das entschiedenste dementiert.
Die Kriegsvorbereitungen der Türkei. Konstanti- n o p e l, 26. Jan. Die Regierung trifft umfangreiche Kriegsvorbereitungen, die auf eine ernsthafte Aktion der Türkei schließen lassen. Das Kriegsministerium hat nunmehr auch den Reserveoffizieren der türkischen Armee, die sich in Snddcutschland, besonders in München, zu Studienzwecken aufhalten, die Einberufungsorder zustellen lassen.
Asien.
Aufschiebung der russischen Postmaßnahmen in Persien.
R. Teheran, 26. Jan. Hier ist mitgeteilt worden, daß Rußland sich entschlossen habe, die Aufhebung des Postpaket- Verkehrs via Dschulfa-Aschabad auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Mittelamerika.
Die Maßnahmen der Union gegen Haiti. New Dort, 24. Jan. Der Washingtoner Korrespondent der „New York Tribüne" meldet, daß die Vereinigten Staaten schnell Maßregeln zur Unterdrückung des Aufstandes auf Haiti ergreifen werden. Der Panzerkreuzer „Montana" erhielt den Befehl, nach Haiti abzugehcn. Wenn der Aufstand andauere, werde Haiti gezwungen sein, die Bezahlung der am 1. Febr. für geivisse Eisenbahnobligationen fälligen Zinsen einzu- stellen. Unter diesen Umständen werde die Regierung der Bereinigten Staaten sich weigern, die . Aufständischen anzuerkennen, selbst wenn sie die gegenwärtige Regierung stürzen sollten. In diesem Falle werde eine amerikanische Kommission
Abend-Ausgabe, 1. Blatt« Seite 8.
entsandt werden, um die Angelegenheiten Haitis zu regeln und Vorbereitungen für gesetzmäßige Wahlen zu treffen.
Der Schutz der Deutschen in Haiti. St. Thomas (Dänisch-Westindien), 25. Jan. Der Kreuzer „Vineta" ist nach Haiti zum Schutze der deutschen Interessen abgegangen.
Ku§ Ltaöt und tanh .
IViesbrrÄener Nachrichten.
Der städtische Haushalt km Jahre 1914.
Nun liegen auch die „Haushaltspläne der R e s i d e n z st a d t W i e s b a d e n" für die Zeit vom 1. April 1914 bis 31. März 1915 im Druck vor, so weit die Hauptverwaltung dabei in Frage kommt. Über die Voranschläge der Zweigverioaltungen konnten wir vor einiger Zeit bereits berichten. Die „Ordentliche Verwaltung" schließt in Einnahme u n d A u s g a b e mit 13 052 683 M. ab, die „Außerordentliche Verwaltung" verzeichnet in Einnahme und Ausgabe je 3 895 825 M. Um diese toten Zahlen etwas zu beleben, ist es notwendig, einige weitere Zahlen mitzuteilen.
Die vorgesehenen Einnahmen der „Ordentlichen Berwal- tung" gehen mit 556 935 M. über die des Voranschlags für das lausende Rechnungsjahr hinaus; auf der anderen Seite wird mit einer vermehrten Ausgabe von 388 978 M. gegenüber dem Rechnungsjahr 1913 gerechnet. An der Mehreinnahme sind beteiligt: die direkte Gemeindesteuer
mit 130 000 M., das Wasserwerk mit 87 792 M. und das Elek- trizitütswerk mit 220 628 M. Auch bei den städtischen Straßenbahnen ist eine Mehreinnahme vorgesehen, die mit 13 008 Mark in den Etat eingesetzt ist. Bezüglich der Einkommensteuer soll es, wie wir bereits mitteilen konnten, bei dem bewährten System des 100prozentigen Zuschlags bleiben. Man rechnet damit, daß das Erträgnis der Einkommensteuer rund 50 000 M. mehr betragen wird als die in den Voranschlag für 1913 mit 2 900 000 M. eingesetzte Summe. Die wirkliche Einnahme aus dem Einkommensteuerzuschlag des Rechnungsjahres 1912 betrugs 2 750 629 M.; die (angenommene) Steigung des Erträgnisses von 1912 auf 1913 war also wesentlich höher als die (mutmaßliche) Steigung von 1913 auf 1914. Das ist immerhin bemerkenswert.
Der Ertrag der besonderen Gemeindegrundsteuer (2 Prozent des gemeinen Werts) ist mit 1 500 000 M., d. i. 20 000 M. mehr als im Vorjahr, in den Etat eingesetzt. Der Gewerbesteuerertrag ist mit 310 000 M. derselbe wie im Vorjahr. Zum erstenmal erscheint die Filialsteuer im Haushaltsplan, und zwar mit 60 000 M.
Auch der Ertrag der Umsatzsteuer (180 000 M.) und der W e r t z u w a ch s st « u e r (80 000 M.) hat keine Veränderung erfahren, während die Hundesteuer mit 80 000 M. um 2000 M. über den Voranschlag für 1913 hinausgeht und die Schankkonzessionssteuer mit 20 000 M. nur halb so viel abwirst als im Voranschlag des laufenden Rechnungsjahres angenommen wurde.
Wesentlich geringer; als im Jahre 1913 stellt sich nach dem Voranschlag der Überschuß des Gaswerks und das Erträgnis der A k z i s e. Der vorgesehene Überschuß des Gaswerks von 636 630 M. bleibt um 31 679 M. hinter dem des diesjährigen Voranschlags zurück und bei der Akzise ist mit 280 825 M. eine Mindereinnahme von 32 875 M. gegenüber dem Voranschlag des laufenden Jahres verzeichnet.
An den Mehrausgaben nehmen in der Hauptsache teil: di« sachlichen und allgemeinen Verwalt >>ngs- kosten (172730 M.) mit 17 730 M„ die Grundbesitz- Verwaltung (188 916 M.) mit 11 725 M., das R e ch - nungs - und Kassenwesen mit 13887 M., die Bauverwaltung mit rund 56 000 M., die Ärmenverwal- tung mit rund 17 000 M., die Zuschüsse für Anstalten und Vereine mit 12 283 M., dir allgemeine Schulverwaltung mit 20 593 M., die verschiedenen Schulen mit etwa 90 000 M., das Gewerbe- und Kaufmannsgericht mit 14 500 M. und die „durchlaufenden Posten und verschiedenen Beträge" mit 82 806 M.
Die Schulverwaltung erfordert nach dem Voranschlag einen Gesamtaufwand von 2 627 728 M. Diese Summe ist etwa 110 000 M. höher als die in den Etat des laufenden Jahres eingestellte und übertrifft die wirkliche Ausgabe de? Jahres 1912 um rund 250000 M.! Die Armenverwaltung sieht eine Gesamtausgabe von 669 009 M. vor; den erwähnten Mehrausgaben stehen hier rund 11 000 M. Minder- ausgabrn gegenüber, so daß gegenüber dem laufenden Rechnungsjahr rund 6000 M. mehr für Zwecke der Armenpflege aufgewendet werden.
Unter den Ausgaben der „Außerordentlichen Verwaltung" steht das Hochbau amt mit 2 673 000 M. obenan. DaS sind
Die Novität hatte eine bis ins kleinste liebevoll ausge- tüftelte Wiedergabe gefunden. Allein schon die polnischen Nationalkostüme sind eine Sehenswürdigkeit: Kleider machen
Leute! Und die Leute waren mit Hingabe bei der Sache. In erster Linie Herr L i ch t e n st e i n als ein „Graf Bolo", der sich mit dem Tenorschlüffel alle Herzen erschloß. Wo er eingrifs — singend, tanzend, parlierend — stets wuhte^ er mit seiner angenehmen, diesmal nicht weiter forcierten Stimme, mit seiner Spielgewandtheit und seinem liebenswürdigen Hum« zu siegen. Für das frischatmige, derbere Wesen der „Helena" besitzt Frl. B o m m e r ganz den richtigen tempe- eamentvollen Ton und Ausdruck, ganz die richtige Haltung. Verve und Schneidigkeit. Sie gefiel allgemein. Frau Krämer als „Tänzerin Wanda": zw« nicht sehr polenblütig, abe- dach sehr nett: zierlich und manierlich; und bei alledem durch ihre herzhaften frischen Stimmittel sympathisch berührend.
Eine größere oder wenigstens längere Rolle, als aus meinem Bericht des Libretto? hervorzugehen scheint, spielt der F-eund „Poviel", und Herr Herrmann gab diesen Freund mit viel Witz "Nd Humor; unerschöpflich an immer neuen Tricks und Treffern im Spiel. Wie man das von ihm gewohnt ist. Als „Zaremba" war Herr Reh köpf durchaus am Platz: er sang und hielte ohne verstimmende Übertreibung und brachte cme der amüsantesten Musiknummern der Partitur, die ..Dip-DlP^DlpIomaten-Szene" zu durchschlagender Wirkung. Frau o tf) r o d e r - A a m i n s k y als komische alte Mutter Wandas und Herr v. Schenck als total besli- vovizter freund Bolos verstanden auch diese kleineren Rollen
lustig zu charakterisieren.
Das letzte nochmalige Austreten der verlotterten Freunde Dolos — ihre erste Spml- und Trinkszene im zweiten Akt geriet vortrefflich — sollte besser ganz gestrichen werden: sic interessiert nicht im Minderten. Gern wüßte ich auch das Gebet-Ensemble im letzten Akt gestrichen: selbst in dieser
.besseren" Operette mutz man doch immer noch soviel Ulk und ünsinn mit in Kauf nehmen — und man tut's ja auch 'mal ganz gern —, daß dies plötzlich vollkommen ernst gemeinte Beten „Herr, der du Oben thronest" mit „Amen, Amen, Amen" allznleicht verletzen muß.
Neben den Darstellern, dem Chor und dem Orchester, das sich unter Herrn R o t h e r s reich-nuancierender Hand wl'bstredend musterhaft bewährte, nächst der glänzenden Regie des Herrn Mebus — nur den mancherlei Pausen im Spiel wäre wohl noch abzuhelfen , war cs diesmal besonders die Ballettmeisterin Frl. v. Kochanowska, deren graziöses Walten sich allenthalben sehr erfreulich bemerkbar machte. Das Publikum quiülerte für alle diese hostheatra- lischen Genüsse durch reichen Beifall. q. D 1 -
Au« üuult und Leben.
Theater und Literatur. Die Kronprinzessin Marie von Rumänien wird demnächst ihr schriftstellerisches Talent durch Herausgabe eines farbenreichen Märchens „D i e Lilie des Lebens" beweisen. Das Buch erscheint bei Georg W. Dietrich, Hofverleger in München. Die Bilder sind von dem bekannten Münchener Maler Hans Stubenrauch.
Maxim Gorki, so meldet^ man uns aus Petersburg, wird während seines Aufenthaltes in Finnland ständig van Geheimagenten der Ochraria beobachtet. Sofort bei überschreiten der Grenze wurde die politische Polizei von der Grenzgendarmcrie vom Erscheinen des Dichters in Rußland in Kenntnis gesetzt. Mehrere Polizeiagenten folgten ihm auch ständig auf der Reise van der Grenze nach Finnland, die der Schriftsteller in Begleitung zweier Ärzte zurücklegte.
Im Hostheater in Hannover wurde „Die Pelzmütze", eine Komödie in drei Akten von Hermann Anders Krüger, dem bekannten Dichter des Herrenhutcr Romans ' Gottfried Kämpfer, bei ihrer Uraufführung mit großem Bei«
tall ausgenommen, der mitunter bei offener Bühne losbrach. Der Autor zeigte sich nach dem zweiten Akte und wurde zum Schluffe zu wiederholten Malen Herborgerufen.
Das Neue Theater in Frankfurt a. M. veranstaltet zu Ehren Ernst Häckels gelegentlich dessen 80. Geburtstags am 16. Februar auf Veranlassung des Kartells frei, geistiger Vereine eine Festvorstellung. Gegeben wird Herbert Eulenibergs Oratorium „Ikarus und Dädalus".
Bildende Kunst und Musik. „Der blaue Reiter". Operette von Friedrich Bermann, hatte im Gärtnerplatz- Theater in München einen sehr lebhaften Erfolg.
Aus New Uork wird uns gemeldet: Eine nachträgliche Untersuchung durch Sachverständige hat ergeben, daß das von Emermh der Stadt Cincinnati geschenkte Tizian-Bild- n is, das König Philipp II. darstellt, einen Wert von 1 % Millionen Franken besitzt.
Eine Paris-Wiener Operette, an welcher der selige Sarbou, Paul Ferrier, de Flers und de Caillavet sowie der Wiener Komponist Hugo Felix mitarbeiteten, „Les Merveilleuses", hatte in dem TMatre des Varietes in P a r i § einen bedeutenden Ausstattung?- und auch einen hübschen musikalischen Erfolg.
Im Hamburger Stadttheater fand am Freitag die erste Aufführung des „Parsifal" statt, dem das Publikum tief ergriffen in lautloser Andacht folgte.
Die Krankheit des bekannten Bildhauers Rgbin hat sich etwas gebessert, doch ist sein Zustand nach wie bor sehr ernst. Rodin ist von seiner Pariser Wohnung nach seinem Landhause in Meudon transportiert worden.
Leoncavallo arbeitet gegenwärtig, wie uns aus Neapel berichtet wird, an einer neuen Oper, deren Schauplatz Neapel sein wird. Der Titel des Werkes wird „Ave Maria" lauten, und cs wird «uL in Neapel seine erste Ausführung erleben.
