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Seite 2.Abend-Ausgabe, 1. Matt. Mkesbadener Trrgbiklt. _Montag, 26. Januar 1914. Nr. 42.

Sinn untergelegt; bei einem Gesetzentwurf ist dies, so sollte man wenigstens meinen, ausgeschlossen.

Was juristisch und politisch hierzu gesagt werden mußte, hat Abgeordneter v. Liszt gesagt. Wie wir zum Reichsgedanken stets gestanden haben und noch stehen, hat Naumann in vortrefflicher Weise zum Ausdruck gebracht. Mit ruhigem Gewissen und unbe­rührt von den maßlosen Angriffen der Gegner sehen wir der weiteren Entwicklung der Dinge entgegen, weil wir getan haben, was uns die Stunde zu fordern schien. Andere werden die Verantwortung tragen, wenn die Wunden, die nicht nur die Reichslande, son­dern unser ganzes öffentliches Leben im Reich aus den Ereignissen der letzten Monate davongetragen hat, nicht bald heilen. Und sie werden schwer daran zu tragen haben.

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Ruhige Aufnahme der Rcichstagsdcbatten in Elsaß-Lothringen.

* Straßburg. 24. Jan. Die gestrige Reichstagsdebatte wird in politischen Kreisen zwar lebhaft besprochen, von der großen Masse der Bevölkerung aber mit Ruhe ausgenommen. Die Erregung, die bei früheren Anlässen bemerkt wurde, ist endlich» verschwunden.

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Die offiziöse Stellungnahme zur protest- ve tagung des Re chstags.

DieNordd. Allg. Zig." schreibt in ihrer Sonntagsaus­gabe: In der gestrigen Sitzung des Reichstags, in der die Initiativanträge der verschiedenen Parteien anläßlich der Vorgänge in Zabern zur Verhandlung standen, waren die Verbündeten Regierungen nicht vertreten. Rach den einzelnen Ausführungen der Redner, insbesondere den daran an­schließenden Erörterungen in der Presse, hat es den Anschein, als wenn diesen Vorgängen eine Bedeutung beigelegt würde, die ihnen nicht zukommt. Demgegenüber muß darauf hin­gewiesen werden, daß die Verbündeten Regierungen sich bei Beobachtung des schon von dem Fürsten Bismarck ausge­stellten Grundsatzes bei der Beratung von Initiativan­trägen des Reichstags in der Regel nicht vertreten ließen und daß diese Übung dem Reichstag gegenüber wieder­holt mit dem Hinweis auf die einschlägigen Bestimmungen der Verfassung begründet wurde. Wenn sich danach ein ver­schiedenes Verhalten der Verbündeten Regierungen, bezw. der Chefs der Reichsämter bei der Beratung von Gesetzentwürfen, die von den Verbündeten Regierungen selbst cingebracht sind, und von solchen, die aus der Initiative des Reichstags hervor­gegangen sind, ergibt, hat das seinen Grund darin, daß bei den ersteren Entwürfen die Vertreter der Verbündeten Regie­rungen durch die Beschlüsse des B u n d e s r a t s und den ihnen vorausgehenden Beratungen die erforderliche Vollmacht und die tatsächlichen Unterlagen für die Verhand­lungen mit dem Reichstag erhielten, während diese Voraus­setzungen bei den Initiativanträgen des Reichstags meistens fehlen. So weit es sich bei der gestrigen Tagesordnung nicht um Gesetzentwürfe, sondern um allgemeiner gehaltene Wünsche, die auch ohne ein Eingreifen der Gesetzgebung er­füllt werden konnten, handelte, hatte der Reichskanzler am Freitag bereits sich eingehend geäußert und dabei ausdrücklich betont, daß die P r ü f u n g d e r Frage, ob und in welcher Weise eine Wanderung der Dienstvorschriften über das Ver­halten des Militärs bei Störungen der öffentlichen Ordnung zu erfolgen habe, im Gange sei. Bei dieser Sachlage hätte die Beteiligung von Vertretern der Verbündeten Regierungen die gestrigen Verhandlungen nicht fördern können, ganz abge­sehen davon, daß bei einer Abänderung der militärischen Dien st Vorschriften eine Mitwirkung der gesetz­gebenden Faktoren nach der Verfassung nicht statt- sinden kann. Ob die Bevollmächtigten zum Bundcsrat sich an der Beratung von Initiativanträgen im Reichstag beteiligen sollen oder nicht, ist von den Verbündeten Regierungen bis­her je nach Lage des Falles und aus den Erwägungen der Zweckmäßigkeit entschieden worden, und auch in dem vor- Rgenden Falle richten sie ihre Haltung lediglich nach den Grundsätzen ein, die seit Jahrzehnten in Übung sind.

Deutsches Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser, die Kaiserin, die Königin dar Hellenen und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen besuchten am SmnStag die Aufführung desParsisal" im Königlichen Opernhaus.

Das badische Grotzherzogspaar begibt sich heute abend Uhr zur Kaiser-Geburtstagsfeier nach Berlin.

Geitern starb im Alter von 60 Jahren nach ichwerem Leiden der Vorsitzende der Landesverncherungsanstalt Elsaß-

Lothringen, Geh. Regierunasrat Albert Dieckmann. Derselbe war einer der angesehensten und beliebtesten Be­amten im Reichsland.

* Das hessische Großhcrzogspaar hat die Reise zur Kaiser­geburtstagsfeier nach Berlin wegen Erkrankung seines zweiten Sohnes, des Prinzen Ludwig, absagen müssen.

* Der neue Verkehrsminister in Bayern. In unterrich­teten bayerischen Kreisen glaubt man, daß, wenn der Ver- kehrsminister v. Seidlein geht, der Vortragende Rat von Endres, der früher Eisenbahnprüsident in Regensburg war, sein Nachfolger werden wird.

* Tie Erklärung der Konservativen. DieKonservative Korrespondenz" veröffentlicht, wie schon kurz erwähnt, eine Erklärung, in der sie ablehnt, sich mit dem Preußenbund zu identifizieren. Nach einer Billigung der allgemeinen Ziele des Bundes fährt die Erklärung fort:Es ist sehr zu be­dauern, daß auf deni ersten Preußentag durch mißver­ständliche Ausdrucksweise oder durch falsche Aus­legung der Anschein erweckt worden ist, als ob über ein be­rechtigtes preußisches Selbstgefühl und die gerechtfertigte Be­tonung preußischer Grundsätze hinaus eine Verletzung oder Geringschätzung anderer Stämme beab­sichtigt gewesen wäre. Jedenfalls würde das unserer konser­vativen Auffassung nicht entsprechen."

* Ein scharfes Urteil des Reichstagsabgeordneten Dr. Strescmann über den Preußcnbnnd. Im großen Saale der Lesegesellschaft in Köln, sprach gestern Reichstagsabgeordneier Dr. Stresemann über die gegenwärtigen innerpolitisckien Fragen. Unter dem Beifall der Versammelien erklärte der Redner u. a., der Ausfall des Preußenbundes sei derart, daß überhaupt nicht darüber diskutiert werden könne. Die Vorgänge im Herrenhause zeigten, daß man aus der Vergangenheit nicht gelernt habe. Die von feudaler Seite erhobenen Angriffe gegen den Reichstag müßten auf das energischste zurückgewiesen werden. Der Redner sprach sich schließlich dafür aus, jeden Partikularismus bei Seite zu lasten und alles daran zu setzen, eine Stärkung des deutschen National- und Einheitsgedankens herbeizuführen.

* Ein Entschuldigungsschreiben des Generals v. Kracht an den bayerischen Kriegsminister. Von General v. Kracht liegt, wie dieBayerische Staatsztg." mitteilt, nunmehr ein Schreiben an den bayerischen Kriegsminister vor. in dem der General die mißverständliche Auffassung seiner Ausführungen bei der Gründungsversammlung des Preußenbundes zu ent­kräften sucht und den Leistungen der bayerischen Armee in warmen Worten gedenkt.

Hj: Die Deklarationsfrist für den Wehrbeitrag. Wie wir erfahren, haben die Verbündeten Regierungen zu dem vom Reichstag mit großer Mehrheit angenommenen schleunigen Antrag, die Deklarationssrist für den Wehrbeitrag bis Ende Februar zu verlängern, in der Weise Stellung genommen, daß sie ihn weder annehmen noch äblehnen, sondern daß sie es in das Ermessen der einzelnen Bundesstaaten stellen, eine derartige Verlängerung der Frist vorzunehmen oder nicht. Die Folge wird sein, daß diejenigen Bundesstaaten, in denen die Veranlagung znm Wehrbeitrag mit der Veranlagung zur Einkommensteuer verbunden wird, eine Verlängerung nicht eintreten lassen. Nach den Erklärungen des Reichsschatz- sekretärs im Reichstag urib nach den Ausführungen einiger Finanzminister in der- Zuständigen Landtagen ist das unbe­dingt anzunehmen. Solche Bundesstaaten sind Preußen, Sachsen, Baden. Dagegen werden sich diejenigen Bun­desstaaten, in denen die Einkommensteuer keine oder nur eine unerhebliche Rolle spielt, wahrscheinlich für eine Fristver­längerung entscheiden. Zu diesen Staaten gehört, wie Ham­burg, von dem es schon berichtet wurde, vor allem auch Bayern.

- Keine dritte WehrbeitragSquote? Aus halbamtlichen Kreisen will dieAugsburger Postztg." erfahren haben, daß die bisherigen Feststellungen und Erklärungen über den Wehr­beitrag ein Resultat gezeitigt haben, das über den Rahmen der Schätzungen hinausgeht. Es sei hiernach nicht unwahr­scheinlich, daß die dritte Quote des Wehrbeitrags gar nicht zur Erhebung kommen werde.

* Eine bemerkenswerte Anslassnng des bayerischen Ministerpräsidenten zur Rüstungsfrage. Der bayerische Premierminister Graf v. Hertling sagte dem Spezial­berichterstatter desDaily Chronicle" in einem Gespräche über die Rüstungsfrage:Jeder mutige Staatsmann mutz aner­kennen, daß die wachsenden Rüstungen der europäischen Völker diesen solche Lasten aufbürden, daß in naher Zukunft eine finanzielle Krise droht."

* Amtsrichter Knittels Abschied ans dem Heere. Der aus seinem Prozeß gegen den Hauptmann z. D. Kammler in Rybnik bekannte Amtsrichter Knittel hat nunmehr, wie jetzt

amtlich bekannt gegeben wird, den Abschied als Leutnant der Landwehr-Artillerie 2. Aufgebots bewilligt erhalten. Seine Revision in dem Prozeß mit Hauptmann Kammler wird an diesem Montag das Reichsgericht zum zweitenmal beschäftigen.

* Kein Rcichs-Zigarettcninonopol. Gegenüber Nach­richten, daß die Regierung seit längerer Zeit mit dem Plan umgehe, das Zigarettenmonopol einzuführen, haben dieBer­einigten Tabak-ZeitNngen" in einer Unterredung mit dem Unterstaatssekretär Jahn im Reichsschatzamte erfahren, daß dort von diesen Erwägungen zurzeit nichts bekannt ist. Auch liege ein ausgearbeiteter Entwurf zur Vorbereitung des Zigarettenmonopols nicht vor.

* Eine Kundgebung der cyangelisch-orthodoxen Ver- bandsvcreine im Zirkus Busch. Die evangelischen Verbands­vereine hatten zu gestern eine öffentliche Versammlung nach dem Zirkus Busch in Berlin einberufen, die sich zu einer Kundgebung der positiv kirchlichen Elemente Berlins gegen­über der Austrittsbewegung aus der Landeskirche gestaltete.

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Eine Kundgebung der Justizsekretäre. Etwa 2000 Justiz- sekretäre aus allen Teilen Preußens hatten sich gestern in " Berlin, wie dieFranks. Ztg." berichtet, zu einer außer­ordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes der preußischen Justizsekretäre versammelt, um eine Gleichstellung der Justizsekretäre mit den Verwaltungssekretären in Rang und Besoldungen zu vertreten. Der Versammlung wohnten mehrere Landtagsabgeordnete bei, die sich für die Bestrebun­gen des Verbandes aussprachen. Es wurde eine Erklärung angenonimen, daß die Justizsekretäre Preußens es als eine erneute Zurücksetzung betrachten müßten, wenn vom 1. April 1014 ab die preußischen Assistenten aller Verwaltungen, die zu den mittleren Beamten zweiter Klasse gehören, mit den Amts-, Landgerichts- und Staatsanwaltschaftssekretären, sämtlich mittlere Beamte erster Klasse, in den beiden untersten Gehaltsstufen gleichgestellt werden. Die preußischen Justiz­beamten hoffen im Interesse ihres Standesansehens ganz be­stimmt, daß mit dem Zeitpunkt der Erhöhung der Assistenten­gehälter die endliche vollständige Gleichstellung der preußischen Justizbeamten mit ihren Kollegen von der Verwaltung er­folgen wird.

Ein fortschrittlicher Abänderungsantrag zum sozialdemo­kratischen Initiativantrag. Dem Reichstag ist folgender Abänderungsantrag Dr. Ablaß (Fortschr. Vpt.) und Genossen zum Antrag Albrecht (Soz.) und Genossen zugegangen: Der

Reichstag wolle beschließen, den Antrag Albrecht und Genossen wie folgt zu fassen:Den Reichskanzler zu ersuchen, einen

Gesetzentwurf einzubringen, durch den die Militärpersonen des aktiven Heeres und der aktiven Marine sowie die übrigen in Paragraph 1 der Militärstrafgerichtsordnung für das Deutsche Reich genannten Personen der 'bürgerlichen Strafgerichtsbarkeit wegen derjenigen strafbaren Handlungen unterstellt werden, welche nicht militä­rische Verbrechen oder Vergehen sind."

Eine Petition der Fischer am Jasmundersee. Gemeinsam mit dem Magistrat in Köslin haben die von der jüngsten Sturm­flut an der Ostsee besonders schwer heimgesuchten Orte des Jasmuwdersees eine Petition an das Abgeordnetenhaus gerichtet und darin um die Errichtung eines Fischereihafens durch Ausbau des Jamundersees gebeten.

Ein Antrag, betr. die Bekämpfung des Heu- und Sauer­wurms. Der Zentrumsabgeordnete Baumann (Kitzingen) be- antragt: Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten

Regierungen zu ersuchen, im nächsten Etat eine entsprechend hohe Summe als Prämie einzusetzen für den Erfinder eines zuverlässigen, gut anwendbaren Mittels, mit welchem der unseren deutschen Weinbäu schwer schädigende Heu- und Sauerwurm mit Erfolg bekämpft werden kann.

Äser und fflotte. -

Personal-Veränderungen. Der Charakter als Rechn.-Rat verlieben" Stahl. Obeczahlmeister vom 2. Nass. Inf.-Reg. Nr. 88. » Bothe. Ob.-Mil.-Jnt.-Sekr. von d. Int. d. 8. Div.. zur Int d 18. Armeekorps versetzt. * Prof. Berg (Martin), Oberlehrer am Kad.-Hanse in Oranienstein, auf seinen Antrag mit Pens, in den Ruhestands versetzt. * Krüger, Mil.-Bau- registrotor bei dem Bauamt in Mainz II. zu dem Bauamt in Rendsburg versetzt. * Bergmann. bisher Kr.-Ger.-Rat b. Gen.-Kommando 18. Armeekorps, zum Ob.-Kr.-Ger, ernannt und dem 16. Armeekorps zugeordnet. * Voll. Kr.-Ger.-Rat von der 21.. Div zum Gen.-Kommando 18. Armeekorps versetzt. * Schulz. Ob.-Mil.-Jnt -Sekr. von d. Int. des 18. Armee­korps. zur Int. des 17. Armeekorps versetzt.

SchiffSbewcgungen. Eingetroffen: S. M. S.König

Albert" am 23. Jan. in Lüderitzbucht, S. M. S.Hertha" am 23. Jan. in Las Palmas (Canarische Inseln), S. M. S, Möwe" am 24. Jan. in Daressalam.

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mit dem undankbaren Simson ab und brachte dabei einen finster-brünstigen tierhaften Zug, etwas TroglodytischeS aus den Tiefen der Erde und des Lebens herauf, und zuletzt der Aufschrei der gequälten Kreatur.

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Die Charlottenburger Oper hatte am Freitag mit der M a n d r a g o l a" ihres Kapellmeisters Waghalter einen sehr hübschen und wohlverdienten Erfolg.

Den Text, der auf einem Stoff des Macchiavell beruht, bearbeitete Paul Eger. Bor Jahren, da er noch nicht Inten­dant in Darmstadt war, sahen wir sein Stück mit dem gleichen Thema im Kleinen Theater.

Wir konnten ihm nicht viel Geschmack abgewinnen. Es schien, daß die derbe altitalienische Groteske hier in fataler Weise ins Süßlich-Lüsterne gezogen wäre, in einen klebrig- 'saden Lutsch-Bonbonstil. Nun, da Musik und eine recht an­nehmbare Musik dazu gekommen, ist das Spiel plätschernder und schwebender geworden. Nun gaukelt es karnevalshaft vorbei als MgZkenzug mit dem geprellten Alten, dem Liebes­paar, dem närrischen Hofstaat der Komödie. Es gaukelt vor­über voll Mondschein und Schleierwehen, voll musikalischer Lyrik und Orchesterbuffonerien.

Die Darstellung kam diesmal außerordentlich zu Hilfe. JuliuS Lieban mit seiner witzigen wirkungssicheren und dabei so unübertrefflich sprech- und musikgerechten Charakterisie­rungskunst gab den komischen Helden von der traurigen Ge­stalt, den alten reichen Pandolfo, der die junge Beatrice ge­freit. wenn auch nicht durch eigene Kraft, so doch durch das Wunderkräutlein Mandragola.

Mit diesem zuverlässigen Kräutlein in der Tasche und seinem Saft, der eilig trunken macht, erscheint in der Ver­kleidung eines Zauberers der verliebte Jüngling Florio. Herr Kirchner stattete ihn mit der verheißungsvollen Wärme und der emporsteigenden Leidenschaft seines Tenors aus. Als Sänger glitt er im zweiten Akt ein weniges aus, was man

jedoch nicht als ein trübes Vorzeichen für die im dritten Akt notwendigen Liebhaberqualitäten anzusehen brauchte. Fräulein Paintner als Beatrice, die reine Törin, die an das Wunder und an ihr Glück zuerst nicht glauben will, glitzerte mit Stimmchen und Figürchen voll zaghaft holder Schwäche.

< Aus dem Vollen griff Hertha Stolzenberg als die mun­tere, in Liebesdingen kennerhafte Bianka, in draller Lebens­laune vom Stamm der lustigen Weiber.

Die meiste Qualität zeigt der zweite Akt, der in seiner prickelnden musikalischen Führung, seiner espritvollen Mischung, seinen federleicht gewundenen Melodie-Girlanden an den Meister des musikalischen Kammerspiels, an Wolf- Ferrari, heranreicht. Felix Poppenberg.

Königliche Schauspiele.

Samstag, den 24. Jan.:Polcnblut". Operette in drei Bildern von Oskar Nedbal.

Ein Libretto von dem Wiener Operetten-Textfabrikanten Leo Stein, das sich von den sonst beliebten Ordinärheiten dieses Genres fernhält und sogar so etwas wie eine wirkliche Handlung besitzt! . r

Die fesche Tänzerin Wanda verdreht auf dem Polcnball (im 1. Bild) allen Herren die Köpfe. Zwei edle Polen aus der Polakei: Graf Baranski, genannt Bolo, und sein Freund Herr von Popiel sind schon fast rettungslos verfallen. Da evscheint der reiche Gutsherr Pan Zaremba, der so gern aus alter Freundschaft seine Tochter Helena dem Grafen ver­mählen möchte Dieser verlacht trotzig solchen Heiratsplan. Aber Helena in ihrer forschen Weise sie ist ein cchtes Kind vom Lande hört zufällig, daß der Graf mit Hilfe der Wirt­schafterin seines Freundes Popiel sein verlottertes Gut wie­der in die Höhe bringen will: da beschließt sie selbst, im Ein­verständnis mit Popiel als (bäuerliche Wirtschafterin verklei­

det, in Bolos Dienste zu treten. So geschieht im 2. Bild. Sie gewinnt Bolos Vertrauen und hat bald das Heft in Händen: in das Chaos wird Ordnung geschafft; die ver­lumpten Adelsherren, die den Bolo zum Spielen und Trinken verleiten, werden von Helena cm die Luft gesetzt, und Bolo zeigt sich alsbald in einem abendlichen ssPts-ü-teis als der bezähmte Widerspenstige, der sogar auch vor der plötzlich wie­der austauchenden Tänzerin Wanda tapfer in seiner Wand­lung beharrt. Das 3. Bild überzeugt uns, daß die Polnische Wirtschaft jetzt wieder gut imstande ist. Das Erntefest wird gefeiert. Helena hat sich als Perle bewährt und Bolo jetzt als behaglicher Agrarier mit der DeviseArbeit adelt" ist bereit, seine Wirtschafterin vom Fleck weg zu heiraten. Aber noch einmal tritt die Balletteuse Wanda dazwischen: sie will den Grafen zurückgewinnen. Gesagt getanzt. In einer be­lustigenden Walzerszene suchen beide Liebhaberinnen dev jungen Polen einzufangen. Doch mittlerweile wird Helenas Inkognito gelüftet: ChorWas hören wir, Zarembas Kind? Lieber Bolo, du warst ja blind!" Und sie kriegen sich . ..

Der Komponist Oskar Nedbal sein Name ist aus dem früheren Ensemble desBöhmischen Streichquartetts" bekannt ist mit Glück bestrebt gewesen, sich über das gewöhnliche Niveau der Operette zu erheben. Polnische Nationalmotive von keckem Rhythmus geben seiner Musik ein pikantes Kolo­rit; die Tanzweisen, meist Polkas und Gabeppaden, herrschen vor; es wird so ziemlich jede Nummer nicht nur gesungen, sondern auch getanzt. In die Walzer spielt wohl etwa LchLr hinein, dach sprudelt Nedbals Erfindung frisch genug: er

braucht nicht erst zupumpen". Sehr feine Züge finden sich in der Instrumentation; wie denn überhaupt einzelne Num­mern fast in das Gebiet der Spieloper hinübergreifen. Ge­meine Schlager sind vermieden; doch der melodiöse Walzer Hören Sie, wie es singt und klingt" wird als Hauptstück dieser neuen Operette gewiß bald überall gern gehört werden.

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