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Sette 24.

Morgen-Ausgabe, 3, Matt.

Wiesdadsrrer Tagblatt.

Tonntag, 25. Januar 1914.

Nr. 41.

Wiesbadener Kur leben,

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' Die Kursaison 191Z.

Der in ununterbrochener Folge in Wiesbaden sicii ab- spielende Fremdenverkehr läßt den Begriff einer Kursaison, die an anderen Orten stets begrenzt ist und sich auf eine nach kurzen Monaten zu berechnende Zeitspanne zusammen­drängt, an Ausdehnung gewinnen. Man spricht wohl auch in der Weltkurstadt von einer Frühjahrssaison, welche mit der Anwesenheit des Kaisers ihren Anfang zu nehmen pflegt, um dann mit einer größeren Reihe fest­licher Wochen, die sich in einem durch Lage und Auf­machung besonders bevorzugten Rahmen abspielen, den Höhepunkt des Jahres zu bilden. Man bezeichnet den hierauf folgenden Zeitraum, in dem das große Reisen nach der See und dem Gebirge vor sich geht: die Monate Juli und August, in denen es in Wiesbaden ganz besonders heiß sein soll eine, unberechtigte Behauptung, die schon oft widerlegt worden ist als Sommersaison.

Daneben gibt es aber in Wiesbaden noch eine Herbst- laison und eine Wintersaison. Der Herbst am Rhein, den zu preisen sich berufene Poeten zu allen Zeiten angelegen sein ließen, gibt auch der Weltkurstadt eigenartige Reize, die ob ihrer Buntheit und Vielheit das Entzücken aller Besucher der Bädermetropole bilden und darum das Ziel eines zahlreichen Fremdenpublikums sind, das die Annehm­lichkeiten Wiesbadens aus Erfahrung zu schätzen weiß. Und endlich der Winter, der ebenfalls dem Wies­badener Kurleben keine Unterbrechung gibt, vielmehr infolge der geschützten Lage des Ortes inmitten einer auch in der weniger angenehmen Jahreszeit entzückenden Umgebung, der Gleichwertigkeit der Heilfaktoren und der zahlreichen ge­selligen und künstlerischen Veranstaltungen, die den Aufent­halt besonders anregend und unterhaltend gestalten, seine Anziehungskraft von Jahr zu Jahr deutlicher zum Aus­druck bringt.

So ist das Kurjahr in Wiesbaden nur als ganzes zu werten, als eine ununterbrochene Kette von Tagen, deren einzelne Glieder eine Erinnerung an Ereignisse bilden, die in ihrer Vielseitigkeit und ihrem angenehmen Verlauf den juten Klang, den der Name Wiesbaden in aller Welt aus­löst, festigen und verbreiten. Es verlohnt sich schon, noch einmal auf die mannigfaltigen Gelegenheiten zurückzu­kommen, die den jeweiligen Kurgästen Abwechslung und Unterhaltung boten. Auch dann, wenn die Theater und sonstigen Kurinstitute unberücksichtigt bleiben, ist die Zahl der Veranstaltungen, welche die Kurverwaltung ihren Gästen bot, so groß, daß allein die Wiedergabe der Namen, deren Träger ihre Kunst und ihr Können einem anspruchsvollen Publikum hören oder sehen ließ, einen breiten Raum in Anspruch nimmt.

Trotz wiederholter Bremsmaßnahmen, als welche die Erhöhung der Abonnementssätze, die Einführung der Kur- !axe, die Zuschläge usw. hin und Wieder angesprochen werden, war der Besuch des Kurhauses im vorigen Jahre ;her stärker zu nennen, und die zur Verfügung stehenden Räume reichten häufig nicht aus, die Fülle der Besucher aufzunehmen. Diese erhöhte Teilnahme an den Dar­bietungen der Kurverwaltung ist gleichzeitig ein Beweis dafür, daß die Auswahl mit großer Sorgfalt getroffen war und dem Geschmacke des differenzierten Publikums eines internationalen Weltbades entsprach.

Wenn bei einem so unpersönlichen Institut, wie einer städtischen Kurverwaltung, die Nennung von Namen im all­gemeinen auch nicht angebracht ist, so läßt sich ooch der Hinweis auf Personen, die für den Betrieb eines so kompli­zierten Apparates verantwortlich sind, nicht ganz umgehen. In erster Linie sei dabei des langjährigen Kurdirektors von Ebmeyer gedacht, der mit seiner reichen Erfahrung, seinem konzilianten Wesen und dem taktvollen Eingehen auf die Spezialwünsche der Gäste, den Vorstand der Kur­gemeinde in würdigster Weise repräsentierte. Dann aber hat sich der Kurinspektor Freiherr von Türcke, in seiner Eigenschaft als Vertreter des zuerst Genannten, verdient

Zur Geschichte der älteren Bad­häuser Wiesbadens, von Th. schwer.

Der Rindsfuss, jetzt der Englische Hof.

(Fortsetzung.)

In der Folgezeit gehörte der Rindsfußplatz als Garten rum BadhausSpiegel und beide Grundstücke waren Dereits durch mehrere Hände gegangen, als sie 1686 dem Pfarrer Philipp Friedrich Gramer aus der Nassauersdien sder Spiegelsehen Konkursmasse zufielen. An ihn wendete rieh am 25. September 1702 die Abtei Eberbach und führte ius durch die Nachlässigkeit der vormaligen Besitzer sei amdas Jahr 1630 derRindsfuß verfallen. Vor ungefähr >0 Jahren habe sie sich wegen der aufgelaufenen Zinsen und ihrer Freibadrechte an die beiden Hauserben Dr. Ernesti und Clemens mahnend gewendet, auch die Versicherung der Schadloshaltung mit dem Anheimstellen bekommen, sich des Bades imSpiegel bis zum Wiederaufbau des Rindsfußes zu bedienen. Allein, dieses Versprechen hätten sie nicht gehalten, so daß der Zins auf 136 Ouiaen angewachsen sei. Die den Geistlichen entgangene Bad­benutzung könne bis zur Interimsverordnung des Jahres los 1 jährlich zu 5 Gulden, also in 51 Jahren auf 255 Gulden, angenommen werden, mithin habe sie nunmehr mindestens 391 Gulden zu fordern. Sie hoffe, daß jetzt er, auf den mit dem Platze die Verpflichtungen übergegangen seien die Abtei befriedige, damit sie nicht nötig habe, unliebsame Zwangsmittel zur Erlangung des Ihrigen anzuwenden.

Darauf erwiderte Gramer, er sei zwar Miterbe gewesen, habe aber den Rindsfußplatz als Garten mit dem Badhaus zum Spiegel vor sechs Jahren für 600 Gulden von den beiden Spiegelsehen Erben zu Speyer, denen im französischen Krieg

das Ihre mit der Stadt verbrannt worden sei, käuflich erworoen. Er könne für rückständige Forderungen nicht au,kommen, wolle aber in Zukunft den Jahreszins abtragen, seine Bad­gerechtigkeit möge das Kloster imSpiegel exercieren.

Nach mehrfachem Hm- und Wiederschreiben kam am

26. Juni 1703 zwischen den Parteien ein Vergleich zustande, in dem sich der Pralat Michael bereit erklärte, des Klosters Anforderungen schwinden zu lassen, wenn Gramer innerhalb dreier Jahre 20 Gulden, in den Jahren 1703 und 1704 je 7, 1705 6 Gulden an das Kloster zahle. Das geschah auch; denn am 16. Juli 1706 bescheinigt das Kloster, den Betrag

gemacht. Ihm liegt das schwere Amt ob, für die Unter­haltung des Kurpublikums Sorge zu tragen, rastlos bemüht zu sein, im Erfinden und Arrangement neuer und ab­wechslungsreicher Veranstaltungen, in der Heranziehung zugkräftiger Persönlichkeiten. Daß seinen Bemühungen der Erfolg nicht gefehlt hat, zeigt der Verlauf des Jahres.

Den breitesten Raum im Jahresprogramm des Kur­hauses nahmen die musikalischen Veranstaltungen in An­spruch. Das Kurorchester, dessen künstlerische Be­deutung weit über den Wirkungsort hinaus bekannt ist, be­ging zu Anfang des Jahres sein 40 jähriges Jubiläum, aus welchem Anlaß ihm zahlreiche Sympathiekundgebungen zu­teil wurden. Der Leiter des Orchesters, Musikdirektor Schuricht, ist nach erfolgreichem Probejahr auf drei Jahre für Wiesbaden verpflichtet worden. Die allgemeine Beliebtheit des Dirigenten, der sich die Gunst der Zu­hörerschaft rasch eroberte, kommt zum Ausdruck in dem zahlreichen Besuche, welchen die von ihm dirigierten Konzerte stets veranlassen.

Die Konzertveranstaltungen, die klassischen sowohl als auch die populären, waren während des ganzen Jahres außerordentlich gut besucht. Aus der Fülle der erstklassischen Sonderdarbietungen ragt zunächst ein Extra­konzert mit Leo Slezak hervor. Weiter wäre zu erwähnen ein Nikisch-Konzert mit Marcelle Demougeot als Gast. Den Clou der musikalischen Extraveranstaltungen aber bildete die Aufführung von Gustav Mahlers 8. Symphonie unter der Direktion Carl Schurichts. Nicht weniger als 8 Solisten, 3 Chöre, das auf 100 Mann verstärkte Orchester und die Orgel, insgesamt 600 Personen, wirkten dabei mit. Der Verlauf der vor ausverkauftem Hause vor sich gehenden Ver­anstaltung bedeutete einen großen künstlerischen Erfolg.

In den Zykluskonzerten, die fast ausschließlich unter der bewährten und zugkräftigen Leitung des städtischen Musikdirektors vor sich gingen, waren als Gäste vertreten: Eva Plaschke von der Osten, Eugen dAlbert, Lula Mysz Gmeiner, Carl Friedberg, Arrigo Serato. Bertha Morena, Edith Walker, Carl Flesch, Noordewier Reddingius, Adrienne von Kraus-Osbome, Dr. Matthäus Römer, Dr. Felix Kraus, Artur Schnabel, Otto Voß, Alfred Höhn, Otto Wolf, Mad. Cahier, Siegmund Hausegger, Anna Hegner. In kleineren Sinfoniekonzerten wirkten mit: Willy Reich, Werner Luckow, Enrico Bossi, Friedrich Grützmacher, Wynne Pyle, Robert Hutt, Anny Eisele, Otto Voß, Wera Schapira, Irma Seydel und Charlotte Uhr.

Der Cäcilienverein führte unter Direktor O. Kogel mehrfach größere Orchesterwerke im Kurhause auf. So HaydnsSchöpfung, BachsMagnifikat und zwei Kantaten, und MendelssohnsPaulus mit so hervorragenden Solisten wie Paul Schmedes, A. Stephani, Adolf Knotte, Fräulein van Dresser, Lilly Haas, P. Bender, Frau Boesneck- Wilhelmy, Alice Aschaffenburg und Aug. Globerger.

Die allmonatlich stattfindenden Orgelmatineen ver­mittelten die zum Teil wiederholte Bekanntschaft der Organisten Hugo Herold, Friedr. Petersen, Quentin Morvaren, Adelaide Parker und Gustav Knak, sowie der Konzertsänger bezw. Konzertsängerinnen Doris Ostberg, Melitta Heine, Elsa Rehkopf-Westendorf, Max Hegemann, Frieda Cornelius, Elsa Gensmer, Elisabeth Riebe und Frederik Nöreaard. Bei der Aufzählung der musikalischen Extraveranstaltungen dürfen auch die mehrfachen Kammermusikabende, ausgeführt von den Orchester­mitgliedern Schiering, Schotte, Sädony und Schildbach nicht vergessen werden.

Im kleinen Saal fanden wiederholt Vorträge von Liedern zur Laute statt, die Elsa Colsmann, Käthe Pirschei, Robert Kothe und Else Laura von Wolzogen ver­anstaltet hatten. Direktor Max Behrend gab unter Assistenz von Max Weinschenk einen melodramatischen Abend.

Besonders zahlreich waren auch im vorigen Jahre die Vortragsveranstaltungen unterhaltenden oder belehrenden Inhalts. Zu erwähnen sind hier: Kpt. A. Spring, H H. Ewers, Marie Briesemeister, Victor de Beauclair, Abdul Hamid und Sanoba, Hugo Waldeck, Roda Roda, Dr. Hans

Paasche, Marcel Salzer, Oscar Meyer-Elbing, Marco Malhm, Conrad Dreher, Rudolf Presber, Dr. W. Waldschmidt, Carl Schuricht, Dr. Hildebrandt, Gussy Holl, Wilhelm Clobes, Rosel van Born, Fritz Schlotthauer, Woldemar Sachs, Robert und Margarete Koppel. Aus Anlaß mehrerer von der Kur­verwaltung veranstalteter Operettenabende und bunter Faschingsabende, erfreuten namhafte Mitglieder der Hanauer, Darmstädter, Mainzer, Frankfurter, Leipziger und Berliner Bühnen die Gäste, welche solchen Veranstaltungen bei­wohnten. . . , ,

Auch der Kurhausgarten fand wiederholt als Schaubühne Verwendung. Der verzauberte Prinz, Otto Hösers Märchenpantomime, erlebte unter allgemeiner An­teilnahme des gesamten Fremdenpublikums seine Erst­aufführung, der . mehrere Wiederholungen folgten. Als weiteres Fr.eilichtspiel wurde ShakespearesWas ihr wollt aufgeführt. Diese Versuche der Aufführung von Schauspielen im Kurhausgarten sollen übrigens in diesem Jahre unter Mitwirkung des Residenztheater-Ensembles fort­gesetzt werden.

Bei größeren offiziellen Veranstaltungen war das Kurhaus mehrfach der Mittelpunkt des Festes. Wir erinnern dabei an den Geburtstag des Kaisers, an das Festmahl zur Erinnerung an die Gründung der preußischen Landwehr. Im April fand, wie alljährlich, der Kongreß für innere Medizin in Wiesbaden statt. An den Verhandlungen im Kurhause nahmen Ärzte aus allen Teilen Deutschlands und des Auslandes teil. Die Eröffnung des Kaiser-Friedrich- Bades wurde ebenfalls durch ein Festmahl im Kurhause gefeiert.

Von sportlichen Veranstaltungen, die von der Kurverwaltung arrangiert oder unter ihrer Mitwirkung und Anteilnahme zustande gekommen waren, sind zu erwähnen: Das internationale Lawn-Tennis-Tumier, der Lawn-Tennis- Länderwettkampf DeutschlandFrankreich in der Vorrunde um den Davis-Cup, eine Simultanveranstaltung des Schach­weltmeisters Emanuel Lasker. Während der Rennen und des Prmz-Heinrich-Fluges fanden besondere Gartenfeste im Kurhause statt. Gelegentlich der Wettfahrt des Motorjacht­klubs auf dem Rheine, hatte die Kurverwaltung einen Blumenkorso zwischen Biebrich und Schierstein arrangiert.

Eine Aufführung aller Gartenfeste und Ballver­anstaltungen würde Spalten füllen. Das Wetter war der Mehrzahl der im Freien vor sich gehenden Veranstal­tungen, die mit Feuerwerk, Illumination, Ballonaufstiegen usw. verbunden waren, zumeist günstig. Die Nachtfeste und die Blumenfeste, sowie die großen Bälle im Kur- haüse, hatten stets die Gunst des Publikums für sich und nahmen einen die Teilnehmer zufriedenstellenden Verlauf. Die neben den Abonnementsbällen eingeführten Reunions, sind jetzt ebenfalls zu einer ständigen Einrichtung geworden. Der Tanzkultur, welche im vorigen Jahre durch den Tango seine komplizierteste Ausdrucksform fand, wurde durch die Veranstaltung mehrerer Tanzvorführungen und einer Reihe von Tango-Tees Rechnung getragen, bei welchen Gelegen­heiten namhafte Berufstänzer ihre Kunst vorführten.

Zu den Ausflügen, welche von der Kurverwaltung mit Mailcoach, Wagen, Automobilen und Dampfern in den Sommermonaten täglich veranstaltet wurden, gesellten sich im vorigen Jahre die gemeinsamen Zeppelinfahrten, welche die Bekanntschaft der reizvollen Umgebung aus der Vogel­perspektive vermittelten, und die regelmäßigen Automobil- Rundfahrten mit den geräumigen Wagen der Verkehrs­gesellschaft.

Wenn mit den vorstehenden Zeilen eine flüchtige Auf­zählung der mannigfachen Veranstaltungen und die Kon­statierung des erfolgreichen Verlaufes gegeben ist, so ist das gleichzeitig der beste Beweis dafür, daß die maß­gebenden Faktoren für die Unterhaltung des Fremden­publikums nach besten Kräften bemüht waren. Damit ist aber auch die Gewähr gegeben, daß für die Folge ein Programm zur Erledigung kommt, das der führenden Stellung, welche Wiesbaden unter den nationalen und internationalen Badeorten einnimmt, entspricht. g.

von 20 Gulden namens des Schuldners von dem derzeitigen Badwirt imSpiegel Johann Maurer richtig erhalten zu

haben. , ,.. , _

In jener Zeit wendete kurst Georg August Samuel dem Wiederaufbau verfallener Häuser und der Straßenregulierung in Wiesbaden sein besonderes Augenmerk zu. Schon bei seinem Regierungsantritt im Jahr 1685 hatte er den Befehl an den Oberamtmann ergehen lassen, darauf zu halten, daß Wege und Stege innerhalb und außerhalb der Stadt, nament­lich vor den Stadttoren, ausgebessert würden, damit er von Badgästen keine üblen Nachreden zu hören brauche. Am 18. Oktober 1690 hatte er Einheimischen und Zuziehenden die weitgehendsten Bauunterstutzungen zugesichert, und als die private Bautätigkeit hinter seinen Erwartungen zurück­geblieben war, am 16. März 1703 die Säumigen mit Ent­ziehung ihrer wüstliegenden Hofreitepiätze bedroht. Im Jahre 1709 ließ er sich letztere bezeichnen, und als sich in der Langgasse mit ihren Nebenstraßen deren 18 fanden, nämlich die der Einwohner I hil. Schmidt, Friedrich Ruh- wedel, (oh. Motz, Job. Val. Matt, Job. Jonas Becker, Job. Tobias Spielmann, Job. Dillmanu Scherer, Job. Daniel Hoff- mann, Peter Knefeli, Joh. Müller, Lorenz Schweißgut, Hans Georg Frantzheim (Frainsheim), Hans Peter Sauer, Georg Krato Kraft, Sebastian Burk neben demWeißen Roß, Nikol. Gießius neben d em >>y o gelgesang und die Bäder Zum Saimen undZum Rindsfuß, drang er energisch auf den Wiederaufbau dieser Hauser.

Den Verlust des Rindsfußplatzes befürchtend, erklärte sich nun Kramers Schwiegersohn, der Pfarrer Johann Franziskus Winck zu Kloppenheim zum Neubau des Bad­hauses bereit. Seine Pfarrgemeinden schenkten ihm dazu das nötige Bauholz, das behauen und angefahren war, ajs Winck sein Vorhaben wieder aufgab und das Bauholz teils zu Reparaturen im ,,Spieg' e l benutzte, teils verkaufte.

Doch er sollte nur zu bald erfahren, daß der Landesfürst darin keinen Spaß verstand. Dieser verfügte zu Biebrich am 20. Mai 1713: Da der i fairer zu Kloppenheim das zur Verbauung des Platzes d^i dem Spiegel, zum Rindsfuß, von Gemeinden geschenkte und beigebrachte Bauholz aller Ver­ordnung und Gewohnheit entgegen verkauft und seinem Ver­sprechen zuwider den Piatz nicht verbaut habe, so habe er das Holz sofort wieder zurückbringen zu lassen und inner­halb Jahresfrist den Bau auszuführen, oder Platz und Bau­holz einem anderen Baulustigen zu überlassen, auch wegen seines strafwürdigen Verfahrens 20 Gulden Strafe zu zahlen.

Nicht weniger seien Ober- und Unterschultheiß, weil sie solches zugelassen, in 10 Gulden Strafe zu nehmen.

In einem umfangreichen de- und wehmütigen Schreiben bittet nachher der Geistliche seinen Landesfürsten um Ver­zeihung und Erlaß der Strafe. Von den 18 Stämmen habe er seihst 8 bezahlt gehabt, und nur 10 seien ihm von seinen Pfarrgemeinden verehrt gewesen. Er sei reuig geworden, weil seine Hoffnung, die beschwerliche Last des Klosters Eberbach werde durch richterlichen Spruch vom Platz ge­nommen werden, nicht in Erfüllung gegangen sei. Ferner habe er geglaubt, wenn er baue, werde das dem Bockwirt vom Rindsfußplatz zugemessene Stück wieder an letzteren zurückfallen, doch habe ihm nachgehends Werkmeister Bager erklärt, das Abgemessene werde an der Gasse in der Länge zugemessen und der Nachbar werde offene Fenster in den neuen Hof haben. Er glaube auch nicht, daß sein geplanter Bau von 40 Fuß Länge die Genehmigung Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht finde, weil dieser einen solchen von 70 Schuh Länge wünsche. Zu einem solchen hätten ihm aber die Mittel gefehlt, ganz abgesehen davon, daß für einen so großen Bau die Stämme vom Zimmermann zu schwach behauen gewesen wären. Als dann bei ihm noch eine Krankheit hinzugekommen und sein Schwiegervater wegen Alters, Podagra und Schwerhörigkeit sich der Sache nicht hätte annehmen können, habe er das Bauholz für "7 Gulden verkauft. Daß dies ein Unrecht sei, habe er nicht bedacht, weil der Amtsschreiber selbst einige Stämme von hm zu erhandeln gesucht habe, und das Holz vor dem Gesicht des Unterschultheißen (Scherer in derRose) nicht als Brennholz, sondern als Bauholz teils abgefahren, teils im Spiegel zu Reparaturen verwendet worden sei. Er hätte auch das von Au ringen gelieferte Holz bezahlen wollen, doch habe der dortige Schultheiß eine Bezahlung abgelehnt.

Ob der Bittsteller Straferlaß erlangte, lassen die Akten nicht erkennen, doch zeigen sie, daß er seinen Hausplatz zu gunsten eines Barbiers Ulrici abtreten mußte. Dieser Ulrici hatte den Aufbau des Badhauses unter der Bedingung zugesagt, daß die Berechtigungen des Klosters Eberbach beschränkt oder ganz abgetreten würden, und schließlich mit Unterstützung des Landesherrn auch durchgesetzt, daß dieses gegen Empfang von 100 Gulden ein- mr allemal auf seine Geldzinsen und Badfreiheiten verzichtete.

_(Fortsetzung folgt.)

.Der N aobdruck der mit einem * versehenen Original- Artikel ist nicht gestattet. Di» Bohnftiaitamy.

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