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Nr. 87. Fr eitag, 23. Januar 1914.

Jer Neugierigen kaum in die Trauerhalle hineinzukom- men; eine der Rohglaszierscheiben an dem Eingang ging dabei in Splitter. Auch am Grab war der Zudrang des sensations­lüsternen Publikums ein äußerst ungestümer; es drängte sich durch Hecken, zertrat die Gräber, und den wirklich Leidtragen­den war es vielfach unmöglich, bis zu der Gruft vorzudringcn.

Feuerbestattung. Mit Zustimmung des Herrn Ministers hat der Regierungspräsident genehmigt, daß der städtische Be­stattungsordner August Stoll die durch das preußische Feuer­bestattungsgesetz geforderte Prüfung der Einsargung, welche seither nur von dem Königl. Kreisarzt vorgenommen wurde, künftig ebenfalls vornehmen kann. Am Donnerstag erfolgte zu diesem Behuf seine Vereidigung durch den Polizeipräsi­denten. Im weiteren hat der Magistrat worauf bei die­ser Gelegenheit nochmals aufmerksam gemacht sei geneh­migt, daß die für Preußen getroffenen letztwilligen Ver­fügungen für Feuerbestattung künftig in dem Bureau der Friedhofsverwaltung (Rathaus, Zimmer 23) in amtlichen Ver­wahr genommen werden. Wer also den Wunsch hat, daß hier seine diesbezügliche Verfügung aufbewahrt werde, kann es dort erklären. Es wird ihm eine entsprechende Bescheinigung darüber ausgestellt.

Die ehemalige vr. Schirmsche Handels- und Gewerbe­schule spielte in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahr­hunderts in Wiesbaden eine Rolle. Sie war die Ergänzung zwischen der Elementarschule und den oberen Lehranstalten, da von diesen nur die Gymnasien bestanden. Nach Einfüh­rung der früheren höheren Bürgerschule, heutigen Oberreal­schule, verlor die Schirmsche Schule allmählich ihre Bedeutung und ging ein. Noch im Anfang der 60er Jahre war die Schirmsche Schule von hiesigen und auswärtigen Schülern, darunter auch Ausländern, lebhaft besucht, und viele ältere Wiesbadener werden sich noch der Schüler der Schirmschen Schule, namentlich als Jugendwehr, in einer kleidsamen Uniform, ähnlich der wohl heute noch bestehenden Frankfurter Jugendwehr, erinnern, vr. Schirm, ein ehemaliger nassaui- scher Elementarlehrer aus Scheuern bei Nassau a. d. L., der späterhin noch ein Universitätsstudium durchmachte und im Ausland, insbesondere in England, sich in den Sprachen aus­bildete, war der Begründer des nach ihm benannten Knaben­instituts, in dessen Verwaltung sich auch seine Frau, eine ge­borene Engländerin, betätigte. Der einzige Sohn vr. Schirms, der 1852 geborene Maler C. C. Schirm, wohnt setzt in Berlin, nachdem lange Zeit hindurch Karlsruhe sein Domizil gewesen ist. 1861 trat vr. Schirm von seiner Schule, die bei ihrer Begründung noch fast vereinzelt rechts am Ein­gang der Elisabethenstraße, heutigen fortgesetzten Taunus­straße, stand, zurück, die dann an deren bisherig: Lehrer vr. Ferdinand Haas- und Lindner überging. Lindner war zu­letzt alleiniger Inhaber der Schule, mutz aber kein Glück ge­habt haben mit dem Institut, denn er verließ plötzlich Wies­baden und entleibte sich. Die Lehranstalt aber ging ein. Sicherlich werden nun besonders die ehemaligen Schüler der Schirmschen Schule gern Kenntnis davon nehmen, daß ein junger Wiesbadener, Herr Walter Paul, Sohn des be­kannten Stenographielehrers Heinrich Paul, die Geschichte der Schirmschen Handels- und Gewerbeschule zum Gegenstand einer historisch-pädagogischen Abhandlung gemacht hat, die, im Druck erschienen, dem Andenken des verstorbenen Gründers per Schule gewidmet ist und ihnen manche liebe Erinnerung in die Jugendzeit auffrischen wird. Der Name Schirm aber rird außer in der Schulgeschichte unserer Stadt auch in der städtischen Verwaltung stets mit Ehren genannt werden iirfen, denn sein Träger ist auch als langjähriger Gemeindc­at und städtisches Schulvorstandsmitglied, sogar eine Zeit- ing als Stellvertreter des Oberbürgermeisters, mit voller nngebung tätig gewesen. Auch die heute noch so segensreich wirkendeAugenheilanstalt für Arme" ist durch vr. Schirm ns Leben gerufen worden. Er war lange Zeit hindurch Vor- chender des Aufsichtsrats derselben.

Der unlautere Wettbewerb. Der vorgestrige Erörte- ungsabend desKaufmännischen Vereins" galt dem unlaute- en' Wettbewerb. Der Syndikus des Vereins, Rechtsanwall vr. B e r e s, gab an der Hand von zahlreichen Beispielen ün vom juristischen Standpunkt aus beleuchtetes, sehr inter- stsantes Bild über die einzelnen möglichen Verstöße. Ins­besondere sei es heute möglich, nach dem dehnbaren 8 1 des Nesetzes, der jede Handlung, die gegen die guten Sitten ver­stoßt. verbietet, manche Unlauterkeit zu unterbinden. Freilich sieht dieser Paragraph keine Strafen vor, sondern es kann nur ans Unterlassung, bei Nachweismöglichkeit des Schadens auch auf Schadenersatz geklagt werden. In gleich verständ­licher Weise besprach der Referent die übrigen Gesetzes­paragraphen, insbesondere den Ausverkauf, die Beamten­bestechung und das Firmenrecht, indem er ebenfalls zahlreiche Beispiele vor Augen führte. Die angeführten gerichtlichen Entscheidungen waren zum Teil nicht recht verständlich inso­fern, als es z. B. nicht gestattet ist, Lebkuchen, die nicht in Nürnberg gefertigt sind, als Nürnberger Lebkuchen anzu­preisen, dagegen ist es z. B. den Thüringer Spielwaren­fabriken erlaubt, ihre Fabrikate als Nürnberger Spielwaren zu bezeichnen. Der Gattungsbegriff ist hier zweifellos in direkt entgegengesetztem Begriff entschieden. Der Korrefe­rent, Kaufmann Ed. M o e ck e l, sprach über das Gesetz in der Praxis. Wenn man bedenke, daß das Gesetz seine Entstehung in der Hauptsache dem Gedanken einer möglichsten Erschwe­rung und Behinderung der Ausverkaufsreklame verdanke und daraufhin den Inhalt der Anzeige prüfe, so sähe man auf den ersten Blick, daß gerade das Gegenteil erreicht worden sei. Trotz erheblicher Verbesserung sei dem Schwindel ein aus­giebiges Feld eingeräumt. Die Findigkeit in der Ausgestal­tung der Sonderangebote sei erstaunenswert, aber auch tief traurig für den Kaufmann selbst, dessen Stand dadurch sicher­lich nicht gehoben würde. Das Publikum benütze die Blind­heit der Kaufleute und warte die Ausverkäufe ab, bei denen die Waren sozusagen verschenkt würden. Um nicht ganz kalt- gestellt zu werden, seien auch die besseren Geschäfte heute ge­zwungen, witzumachen. Das ganze Gebaren sei heute kein Konkurrenzkampf mehr, sondern vielmehr ein Kampf um die Existenz. Der Redner mahnte dringend zur Einsicht und hofft, daß tonangebende Firmen mit gutem Beispiel voran­gehen, damit das Geschäft wieder in solidere Bahnen gelenkt würde. Die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, die seither von demVerein selbständiger Kaufleute" in ausge- zeichneter Weise erfolgte, wird nunmehr von demKauf­männischen Verein" fortgesetzt, und es ist letzterem gelungen, den bewährten Geschäftsführer Herrn Karl Ehrhardt zu ge­winnen. Zu seiner Unterstützung beantragte der Referent die Wahl einer Kommission, um alSdewn noch intensiver den un­lauteren Wettbewerb bekämpfen zu können. Die beiden Refe­rate fanden den lebhaftesten Beifall der Versammlung, die sich an der folgenden Erörterung zahlreich beteiligte. Der 1. Vor­sitzende Herr H. Glücklich, wies in seinen Schlußworten

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 3.

u. a. ganz besonders darauf hin, daß bei gemeldeten unlaute­ren Handlungen seitens der Antragsteller unbedingt die Un­terlagen beschafft werden müssen, um erfolgreich Vorgehen zu können. Er unterstützte ferner den Antrag Moeckel, der als­dann einstimmige Annahme fand.

Der Nassauische Biehhändlerverein hielt gestern hier eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Isaak Kahn (Biebrich) besprach die Quarantänebestimmungen und teilte mit, daß nunmehr nur die aus verseuchten oder seuchenver­dächtigen Gebieten in den Bezirk eingeführten Tiere jeder Art einer Quarantäne zu unterstellen seien. Dies gelte für alles Vieh aus den Provinzen Ost- und Westpreußen. Der Vorsitzende des Bundes der Viehhändler Deutschlands in Ber­lin Hermann Daniel (Dierdorf) hatte ein Schreiben an den Vorsitzenden des Nassauischen Viehhändlervereins gerichtet, in dem er den Wiederanschluß des Nassauischen Viehhändlerver- erns an den Bund empfiehlt. Es wurde der Beschluß gefaßt, den Wiedereintritt nicht zu vollziehen. Die Metzger in Wies­baden und die in Worms sind die einzigen in Westdeutsch­land, die auf ihren Viehmärkten bei einem ausgeführten Kauf nicht sofort dem Viehhändler den Kaufpreis zahlen müssen. Eine Änderung in dieser Hinsicht in Wiesbaden ist von Vor­standsmitgliedern des Nassauischen Viehhändlervereins er­wogen worden, dahingehend, daß bei der Übergabe des Wiege- scheins des verkauften Stück Viehs an den Metzger sofort dem Händler der Kaufpreis zu entrichten sei. Es wurde besonders daraus hingewiesen, daß es dem Viehhändler, der doch zu dem Handels- und Gewerbestand gehöre, nicht gezieme, sich sozusagen als Kollettant, ja, Handwerksbursche oder gar als Bettler behandeln zu lassen, wenn er noch nach Wochen sich bei seinem Schuldner ratenweise das Geld holen müsse. Man einigte sich dahin, eine Kommission zu wählen, die mit dem Vorstand der Fleischerinnung Wiesbaden über diesen Punkt verhandeln und das Ergebnis der demnächst zu berufenden Generalversammlung unterbreiten solle. In diese Kommission wurden gewählt: der 1. Vorsitzende Isaak Kahn (Biebrich), der 2. Vorsitzende Peter Schmidt (Wiesbaden), Hermann Hetz, Gustav Kaufmann, Jean Cratz, sämtlich hier, Isidor Meyer (Holzhausen ü. d. Aar), Jakob Heyman (Rückershausen!, Moritz Marx (Sonnenberg), Joseph Levi (Biebrich), Immanuel Capp (Mainz).

Bewährt hat sich bei uns das neue Gesetz, nach welchem Personen, welche sich der Unterstützungspflicht für Angehörige böswillig entziehen, auf Antrag der Unterstützungsverbände in einem Arbeitshaus untergebracht werden können. Ver­schiedene Personen von hier befinden sich auf Grund dessel­ben bereits im Arbeitshaus. Sie bitten samt und sonders flehentlich um ihre Wiederentlassung und'versprechen, in der Folge nach besten Kräften für die Ihrigen zu sorgen. In der letzten Sitzung des Stadtausschusses lagen nicht weniger als 10 einschlägige Anträge zur Beschlußfassung vor. Es han­delte sich dabei um zwei Ehepaare, einen Möbeltransportcur, einen Zeitungsboten, einen Techniker und Installateur, einen Expedienten, einen Fuhrmann, einen Taglöhner, einen Krankenpfleger und Zeitungsvertäufer sowie ein lediges Mädchen. In einem Fall wurde dem Antrag stattgegeben, in neun Fällen erfolgte die Vertagung zwecks weiterer Auf­klärung der Fälle.

: Konkursverfahren. Über das Vermögen des Bild­hauers Ludwig Schultz, vertreten durch seinen gerichtlich be­stellten Vertreter Rentner Philipp Klarmann, ist das Kon­kursverfahren eröffnet. Kaufmann Karl Brodt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 10. Februar beim hiesigen Amtsgericht anzumelden. Dl« erste Gläubigerversammlung ist auf den 21. Februar, vor­mittags 10 Uhr, anberaumt.

Personal-Nachrichten. Der Ge-ichtsassesso- vr. Michel in Frankfurt «. M. ist dem Amtsgericht in Höchst zur Beschäf­tigung überwiesen.

Kleine Notizen Die hiesigen Kegler beabsichtigen, sich zu einem Verbände zusammenzuschlietzen. Zu diesem Zwecke findet am Samstag, den 24. d. M., abends 9 Uhr. in der Mainzer Bierhalle", eine öffentliche Keglerversamm- l u n g statt.

Israelitischer Gottesdienst. I s r aelttische Kultus.

gemeinde, lShiiagoge: Michelsbcrg.) Gottesdienst in der Hauptsynagoge: Freitag: abends 5 Uhr, Sabbat: morgens 9 Uhr. nachmittags 3 Uhr. Abends 5 55 Uhr. Dienstag, den 27. Januar vormittags 9% Uhr: FestgiotteSdienst anläßlich des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers und Königs. Gottesdienst im Gemeindesaal: Wochentage: morgens 714 Uhr, abends

5 U$r *'T v - - /Ti -.t S. h.T t rtrh? T T1t ft(>f\T1r+y al .

von

Friedrichstratze 33. Fre/t:«'. abends 4 .4 Uhr Sabbat: morgens 814 Uhr. Vortrag 10 V 2 kM. Jngendgottesdienst nachmittags 214 Uhr. nachmittags 8 Uhr, abends 555 hshr. Festgottesdienst mit Predigt zur GebnrtstaKfeier Sr. Man des Kaisers urid Königs Dienstagmorgen uur. Wochentage: morgens

7% Nbr. abends 414 Uhr. .

, Talmud Thora-V eie tn Wiesbaden. Nero­straße 16 Sabbat Eingang 4.45. nwrgens 830, Muffaph 9.30, Mincha 4.45. Ausgang 5.55. Wochentags: morgens 7.30, Mincha und Schrur 4.45. Maarrf 8.15.

vorberkchte über »unst. Vorträge und verwandtes.

* Kurhaus. Das 0 . Zykluskonzert mit Frl. Alice Ripper als Solistin und unter. Leuung bto städtischen Musikdirektors Karl Schnrichb findet nrcht. wie irrtümlich im Inseratenteil rnitaeteilt wunde. Samsbag, oen «4. Janum?, sondern heute Freitag, den 23. Januar, itatr.

* Vortrag. - Versamm­

lungen von Gvansolist B r n o e werden vom 28. Januar brs 3 Februar stattfinden, ^err Binde wird flm 28.. 29., 30, und 31. Januar, abends 814 für jedermann (Männer

und Frauen) in der Marktk,rche halten Am i. 2 . und 3. Febc. finden Vorträge für Männer leden Alters und Standes, im Festsaal der Turngesellschatt Mn Außerdem wird Herr Brnde biblische Vorträge nachmittags 4 /» Uhr fin Saale des Vereins- hauseS. Platter Straße 2. Hanen, mit Ausnahme des 28. und 31. Januar. ,

* Wiesbadener Künstler auswärts. Die bestens bekannte

Klavierkünstlerin Johanna Kkern «ch Q m 16. d. M. einKlavier- kvnzert in Karlsruhe und Wei einen glänzenden Er­folg. DieBadische Prell/ darüber:Eine iunendliche

Klaviertünstlerin. Frl. Johanna »uem. zeigte in einem eigenen Klavierabend ein starkes. S«pfMeS pranistfiches Talent. Jh-? Technik ist schon jetzt jehr entwickelt, fit sauber und sicher, rm Anschlag von großer Zartsten uno doch auch wieder ausdrucks­voll kräftis. wo es der Stoff verlangt, und von einer gewissen musikalischen Farbigkeit. Die, Chaconne ton Bach-Busom trug sie trotz all der Schwierigkeiten überaus gewandt vor, ebenso die H-Moll-Sonate von, Liszt, die sogar einen groß­zügigen Schwung aufwres. Die drei letzten Nummern des Programms:En ruilte" von Godard.Pastorale variee" von Mozart und eine Etüde von Samt-Saäns. spielte sie ganz entzückend. Das Mozartstuck gewahrte einen Genuß für sich" Der /.Badische Landesbote urteilt fotgendermatzen:Frl. Kleins Spiel ist schon erstaunlich sicher flüssig, bis in die Details auSgefeitt. Tabei der Anschlag elastisch, und klangvoll. Aber sie hat nicht nur die Technik gepflegt wie man das oft findet, so daß alle Grazie und Anmut vergoht, und nur eine

leere Glätte zurückbleibt, sondern sie, hat in ihrem Bortrag vor allen Dingen das Kunstwerk mit seinem Gefnhlsgehalt zum Ausdruck zu bringen versucht. Hierbei kommt ihr bei aller Jugend eine echte musikalische Begabung zu Hufe. etwas Ur- inusitalischcs. das sie heute schon, oft noch unbewußt, die rich­tige Farbe und den richtigen Ton treffen laßt. Aber gerade dieses Uvmusikalische, das sich nicht erlernen laßt, sondern An­lage ist. spricht aus der warmblütigen, inneren Anteilnahme, auch aus dem gesunden Sinn für rhythmisches Leben.

Aus dem Landkreis Wiesbaden.

Aus der Sonnenberger Gemeindevertretung.

X. Sonnenberg, 22. Jan. In der letzten Sitzung der Gmeindevertretung stand erneut der Ankauf ^ zweier Wiesen im Goldsteintal zur Beratung und Beschlußfassung. Die Angelegenheit wurde bis zum 1. März vertagt. Von dem Urteil des Königl. Landgerichts in einer Prozetzsache gegen die Gemeinde wegen Zurückzahlung irrtümlich gezahlter Zu­wachssteuer wird Kenntnis genommen. Im Hinblick auf die die Gemeinde verurteilende Entscheidung wurde ein zweiter Antrag auf Rückzahlung von Wassergeld, bei welchem die gleichen Umstände vorliegen sollen, genehmigt und die Zu­rückzahlung nebst Zinsen beschlossen. Von einem Schreiben des Magistrats Wiesbaden über den Zeitpunkt der Kanali­sation der Kaiser-Friedrich-Straße wird Kenntnis genommen. Die Anlieger müssen sich bis zum Jahre 1916, dem vom Kanal- Lauamt festgesetzten Zeitpunkt, gedulden. Die Versammlung wünscht den Abschluß des Fluchtlinienverfahrens und be­schließt demgemäß vorstellig zu werden. Nach einer Mit­teilung des Wiesbadener Kanalbauamts kann mit den Ar­beiten zur Kanalisierung der Rathausstraße und des Kreuz­bergwegs in spätestens 8 Monaten begonnen werden, da die Straßenarbeiten so gefördert werden können, daß noch vor der Ernte deren Freigabe für den öffentlichen Verkehr erfolgen kann, wird die ursprünglich gestellte Frist um einige Wochen verlängert. Die vom Konsistorium beabsichtigte Verbindung der beiden Organistenämter in der evangelischen Kirche mir zwei Lehrerstellen erhält die Genehmigung der Gemeinde­vertretung. Auf den Antrag, betr. Ankauf einer kleinen, in die Wiesbadener Straße fallenden Teilfläche, soll diese Fläche von rund 12 Quadratmeter zu dem Rutenpreis von 500 M. angekauft werden. Das Gehalt der zweiten Hebamme wird auf 220 M. jährlich festgesetzt. Zur besseren Beleuchtung des Kreuzbergwegs hat der Gemeindevorstand die Aufstellung einer Laterne gegenüber dem Diakonissenheim beschlossen. Der Einbau des Kanals in die Jungferngartenstraße wurde vom Kanalbauamt davon abhängig gemacht, daß die Kosten einer etwa notwendig werdenden Kanalverlegung infolge einer Änderung der noch nicht förmlich festgestellten Flucht­linien von der Gemeinde übernommen werden und daß ein Weg von der Jungferngartenstraße nach dem Krcuzbergweg vorgesehen wird, damit sich eine Spülverbindung Herstellen läßt. Die Kosten für eine etwaige Kanalverlegung werden übernommen, weil eine Änderung der Fluchtlinien nicht mehr zu befürchten ist. Die zurzeit offenliegende Wähler­liste zu den im März stattfindenden Ergänzungswahlen zur Gemeindevertretung weist bei 796 Wahlberechtigten eine Ge­samtsteuersumme von 121 624 M. 16 Pf. auf. Hierin ist eine Anzahl steuerkräftiger Ausländer nicht enthalten. Die Wäh­lerabteilungen umfassen in Abteilung 1 32, in Abteilung 2 110 und in Abteilung 3 654 Wähler.

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O Biebrich, 22. Jan. Die Freiwillige Sanitäts- k o l o n n e vom Roten Kreuz, e. B., hielt in der Turnhalle am Kaiserplatz ihre jährliche Mitgliederversammlung ab, di« Kolonnenführer Lange in Verhinderung des 1. Vorsitzen­den leitete. Nach dem Geschäftsbericht verfügte die Kolonne in dem verflossenen 20. Vercinsjahr über 44 diensttuende, 4 nichtdiensttuende, 2 Ehrenmitglieder und 128 außerordent­liche Mitglieder. Es wurden 25 ttbungsstunden abgehalten und 40 Wachen gestellt. Der städtische Krankenwagen wurde 168mal besetzt, hiervon waren 141 Kranke und 27 Verletzte. Die Einnahmen betrugen 1187 M. 84 Pf., die Ausgaben 1026 M. 35 Pf., Kassenbestand am 1. Januar 1914 161 M. 49 Pf. Kassenführer Wallen st ein legte sein Amt wegen Arbeitsübcrhäufung freiwillig nieder, an seiner Stelle wurde Zugführer Lauer gewählt. Der Wert des Inventars betrug am 1. Januar 1913 1637 M. 50 Pf., am 1. Januar 1914 1977 M. 20 Ps., hat somit eine Erhöhung /von 339 M. 50 Pf. erfahren.

/.. Bierstadt, 22. Jan. Der Schulvorstand hatte zur Be­setzung der durch Stevbefall eines Lehrers fteien Lehrer­stelle dem Gemeindevat die Wahl des Lehrers Reh aus Berzhahn empfohlen. Der Gemeinderat wählte indeffen gestern abend den Lehrer Dietrich aus Stratzebersbach im Kreise Biedenkopf.

88 Erbenheim, 21. Jan. DerTurnverein" hielt seine gut besuchte Hauptversammlung im GasthausZum Löwen". Die verschiedenen Jahresberichte zeigten ein rüstiges Vorwärtsschreiten auf allen Gebieten der Leibes­übungen. Die Mitgliederzahl beträgt 246 In 92 Tnrnzeiten turnten 2821 Turner. 48 Knaben nahmen am Schülerturnen teil An 4 Turnfahrten beteiligten sich 103 Erwachsene und 89 Schüler. Zum Geländespiel bei Mopvenheim waren 53 Turner und Schüler sowie zwei Sanitäter ansgerückt. Karl Weiß gehört 46 und Heinrich Dreßler und Heinrich Christ 40 Jahre dem Verein an. Den Turnern Karl Stall. Adolf Schäfer und Heinrich Steiger wurden wegen Wjährigrr Mit­gliedschaft Ehrenurkunden überreicht. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Lehrer Dienstbach 1. Vorsitzender, Hein­rich Wilhelm Lendle 2. Vorsitzender. Georg Koch Kassierer, Wilhelm Sauser 1. Schriftwart. August Dambeck 2. Schnift- wart Karl Krag 1. Turnwart, Emil Krag 2. Turnwart. Peter Schaab mn, Mitgliedwart. Karl Merten 1. Zeugwart, Fritz Schröder 2. Zeugwart und Karl Seel Büch-rwart.

Nssiauische Nachrichten.

Die Weilburger Kaserne.

t>s. Weilburg, 18. Jan. Dieser Tage ist die alte Kaserne der hiesigen Unteroffizier-Vorschule für den Preis ton 60 000 M. endgültig in den Besitz der Stadt übergegangen.

Stadt hat sich schon seit längerer Zeit große Mühe ge­geben, die Gebäulichkeiten nebst den dazu gehörigen ausge­dehnten Ländereien an ein industrielles Unternehmen.zu ver­laufen, jedoch ohne Erfolg. Jetzt ist nun beabsichtigt, die Ländereien in kleinen Parzellen zu verpachten und die Kaserne für Schulzwecke zu verwenden, und zwar sollen die Elementar­schule und die Höhere Mädchenschule dort untergevrachL werden. Dieser Plan hat .große Aussicht, verivirknchi zu werden, besonders, da anoernfalls sich die Stadt zum Neubau eines Elementarvorschulgebäudes entschließen .mutzte, weil das jetzige in baulicher und anderer Hinsicht nicht meyr den heutigen Ansprüchen genügt. Nach dem bestehenden Proickt soll der noch aus.nassauischen Zeiten stammende Mittelbau der Kaserne abaerfisen und neu für Schulzwecke aufgcfuhrt werden, während, die erst in den 70er Jahren errichteten mächtigen Seitenflügel stehen bleiben uxio als Lehrer- Wohniingen Verwendung finden sollen. Negierungsbaumeister Winkelmann und Kreisarzt vr. Schaus haben stm dahin auS- gesprochen, daß die Kaserne sich sehr gut sur den gedachten Zweck eignen würde. Es tollen demnächst Zeichnungen für den geplanten Neubau angefertigt und diese der Königlichen Regierung zur Begutacktuna uttiM&mm werden.