@rtte L. Morgen-B«sFaSx, 4. Blatt. TKgblM» Freitag, 23. Januar 1914. Skr. 37.
machen oder gar deren Existenz ruinieren. 2. Die preußischen Handwerkskammern bitten den Herrn Minister, auf dem Gebete der gemeindlichen Regiebetriebe die Aufsichtsbehörden der Gememden erneut zur Nachprüfung anzuregen, ob und in- meweit die Ausdehnung der Gemeindebetriebe auf die Pro- Suktioi: und Jnstallationsgewcrbe sowie den Handel mit Be- leuchi.ungskorpern den Aufgaben der Gemeinde gegenüber ihren uaenen Burgern entspricht und inwieweit die Gewerbefreiheit mrch Abfo derung hoher Geldleistungen vor der Zulassung der unstallationsarbeit bericht wird." Die Resolution wurde angenommen. — Hierauf referierte der Vorsitzende der Handels- kammer ,Koln. St gge . über „G e f ä n g n i s arL e i t", wobei er mne Resolution borlegte, in welcher u a. ersucht wird, das freie Handwerk bei den Lieferungen für Heer und Marine mehr als oisher zu berücksichtigen. Die Resolution wurde angenommen. -—. Generalsekretär Dr. Mensch brachte Nach einige Wunsche der Handwerker zum Kommunalabgabengesetz der Vorsitzende der Handwerkskammer Arnsberg, Ji o c £• IIserlohn), über den Entwurf zum p> eutzischen W o h- ^u"k!sgesetz sprach. Hierauf wurde die Konferenz geschlossen. . ° u
Neck»tspfle<re rm- Nsvwoltung.
LO. Die Prüfungskommission 1913. Über die Ergebnisse ihrer Tätigkeit im Jahre 1913 berichtet die Königliche Prüfungskommission für höhere Verwaltungs,beamte: Bei Be« Zinn des Jahres 1913 hatten drei von den der Prüfungskommission überwiesenen Referendare die Prüfung noch nicht abgelegt. Unter Hinzurechnung der im Jahre 1918 neu überwiesenen 04 Referendare waren zusammen 67 Examinanden ver Prüfung zu unterziehen. Die Zahl der Referendare, welche zur Prüfung gelangt sind, betrug im Jahre 1904 64, 1906 111, 1 909 T6, 1912 62 und 1913 68. Von den int letzten Jahr der Prüfung unterzogenen 63 Kandidaten haben 6 nicht bestanden. Von diesen mutzte ein Referendar wegen wiederholt^ nicht bestandener Prüfung vom höheren Verwaltungsdienst ausgeschlossen werden; die anderen fünf wurden zur besseren Vorbereitung zurückgewiesen. Die übrigen 87 Kandidaten haben die Prüfung beim ersten Versuche bestanden. Von ihnen haben 7 Referendare das Prädikat „gut", 12 Referendare das Prädikat „vollkommen befriedigend" und 38 Referendare das^ Prädikat „ausreichend" erhalten. Der Prozentsatz derer, die die Prüfung nicht bestanden, war: 1904 13,24 1906 14,91, 1909 14,47, 1912 14,52 und 1913 9,82. Am
Schlüsse des Jahres 1913 waren vier' der Kommission überwiesene Referendare, deren Prüfung noch nicht stattfinden konnte, vorhanden.
Keer und KWts,
Nach Berlin kommandierte Offiziere. Zurzeit sind in Berlin kommandiert: zum Großen Generalstab 179, zur
Kriegsakademie 479, zur Militärtechnischen Akademie 254, zur Militärturnanstalt 117 Offiziere. Unter beit kommandierten Offtgieren der Militärtechnischen Akademie befinden sich der Hauptmann Aner vom schwedischen Heere und die Hauptleute Boiangin, Catoin und Geormawann des rumänischen Heeres.
Die Atlantikreise der deutschen Kriegsschiffe. Die beiden Großkampfschiffe „Kaiser" und „König Albert" unter dem Befehl des Konteradmirals v. Rebeur-Paschwitz haben, wie gemeldet, in Viktoria vor der Mündung des Kamerunflusses einen Aufenthalt von ungefähr 14 Tagen gehabt. Jetzt hat der Divisionschef den Begleitkreuzrr „Straßburg" zu einer weiteren Küstenfahrt auf der westafrikanischen Station vorausgeschickt, um nach der Küste von Angola in See zu gehen. Von den drei Schiffen der detachierten Division hat der Kreuzer „Stratzburg" als erstes nunmehr den Äquator passiert und naht sich damit den Küstengewässern des Kolonialbesitzes von Deutsch-Südwest.
Deutsche Schutzgshiete.
Fürstliche Mitglieder des Kokonial-Wirtschastlichen Komitees. Seine Majestät der König Ludwig in. von Bayern hat die Mitgliedschaft des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees, wirtschaftlichen Ausschusses der Deutschen Kolonialgesellschaft, übernommen, die der König bereits als Prinzregent innege- habt hat. Bon regierenden Fürsten sind außerdem ständige Mitglieder des Komitees: die Könige von Sachsen und Württemberg. die Graßherzöge von Baden, Hessen. Sachsen-Wci- mar-Eisenach und Oldenburg sowie der Herzog von Anhalt.
Ausland»
Krankreich-
Tic Kammerwahlen. Paris, 22. Jan. Es heißt, saß die Regierung die Absicht habe, die allgemeinen Kammerwahlen möglichst bald, wahrscheinlich schon im Monat April, zu veranstalten. Der Kriegsminister hat bereits verfügt, daß die Reservisten wegen der Kammerwahlen in der Zeit vom 12. April bis 22. Mai zu keinen Waffenübungen einberufen werden fallen,
England.
Das Flottrnprogramm Churchills. London, 22. Januar. Mit großer Spannung erwartet man hier
verlor sich die dekorierte, bebänderte, chamarrierte Gesellschaft in den Sälen. Jeder hatte seinen Grandcordon, jede Frau irgendwelches Diadem. General Liantey, Paul Hervieu, Advokat Henri-Robert. Aber der Präsident geht fort, und Frau v. Schoen will nicht, daß die Präsidentin ihre Orchideen Vergißt. Präs dien, tres dien!", ruft der Botschafter in bester Laune, rosig und lächelnd. Verbeugungen, Danksagung. Dann der Besuch der Botschaft in allen Teilen. „Ich weiß nicht, wie sie es machte", sagte der Gastgeber vor der unbequemen Badewanne der Königin Hortense, „das Ding braucht 6 Stunden, um auszulaufen." Aber man bewunderte nicht minder das Mosaik." Karl Lahm.
Der neue Sudermann.
Aus Hamburg, 20. Jan., schreibt unser Korrespondent: Es war das erstemal, daß sich eine Suüermann-
Premisre nicht in der Reichshauptstadt begab. Wollte Hermann Sudermann, . der viel und oft zu Unrecht Gelästerte, sein neues Werk einmal einem anderen, unbefangenerem Publikum und einer anderen, weniger bissigen Kritik versetzen? Es mochte so scheinen. Ilber nun man das neue Stück kennt, diese fünfaktigen „Lobgesänge des Claudian", die das duldsame Hamburger Publikum im Deutschen Schauspielhause von acht bis Mitternacht erleben durfte, wird man wohl annehmen müssen, daß sich tn Berlin keine Bühne von Rang gefunden hat, die bereit gewesen wäre, das Wagnis einer Uraufführung dieser weitschweifigen, redseligen und monoton dramatisierten Historie aus dem verfallenden römischen Reich zu unternehmen.
Hermann Sudermann hat mit diesem historischen Trauer-
den Ausgang des heutigen Ministerrats, der sich mit dem neuen Flottenbauprogramm Churchills beschäftigen wird. . In informierten Kreisen erklärt man, daß der M a r i n e m i n i st e r unbedingt aus die Mehrheit tm Kabinett zählen kann, da der Minister des Äußern Sir Edward Grey, der Kriegsminister, Oberst Seely, Mac Kenna und Lord Haldane seine Forderungen unterstützen, während Lloyd George nur aus den Premierminister Asquith zählen kann. Das Programm Churchills sieht unter anderem die Kiellegung von vier D r e a d n o u g t h s vor, die mit größter Beschleunigung sertiggestellt werden sollen, um den Ausfall der kanadischen Dreadnoughts wettzumachen.
Spanien.
Noch keine Einigung im Streik in den Rio Tinto Minen. Madrid, 22. Jan. Die Delegierten der Ausständigen in Rio Tinto, die sich nach Madrid begeben hatten, um mit Mitgliedern der Verwaltungsbehörde zu unterhandeln, beschlossen, morgen nach Rio Tinto zurückzukehren, da die Verwaltung es ablehnte, ihre Forderungen zu beantworten.
Portugal.
Differenzen zwischen Senat und Regierung. Lissabon, 22. Jan. Der Senat hat in der gestrigen Sitzung einen Antrag angenommen, durch den das Präsidium beauftragt wird, heute bei dem Präsidenten der Republik Protest zu erheben gegen das systematische Fernbleiben der Regierung von den Senats- s i tz u n g e n.
Schweben,
Eine Preßkampagne gegen Rußland. Stockholm, 22. Jan. EEine äußerst heftige Kampagne wird augenblicklich von der schwedischen Presse gegen Rußland geführt. Die Blätter weisen auf die militärischen Maßnahmen Rußlands in Finnland hin und fügen hinzu, daß sich Schweden durch diese Maßnahmen schwer bedroht fühle. Das liberale „Asdenblad" bezeichnet sie als gleichbedeutend mit den Vorboten einer Kriegserklärung Rußlands an Schweden.
CLekei
Neue Veränderungen in den Komrnandostellen? Konstantinopel, 22. Jan. Hier läuft das Gerücht, daß General Bronsart v. Schellendorff, der augenblicklich die dritte Division des 1. Armeekorps in Konstantinopel befehligt, zuni zweiten Chef des Großen Generalstabes ernannt werden solle. In der hiesigen Presse will man ferner wissen, daß in Kürze neue Verabschiedungen von Offizieren der Armee und Marine stattfinden werden.
Norsanierika.
15 Millionen Dollar für Radium. Washington, 22. Jan. Einer der Direktoren der Standard Chemical Company, Flannery, machte gestern abend in der vom Kongreß eingesetzten Kommission, die über das von der Regierung geplante Radium-Monopol beriet, interessante Ausführungen. Er wendete sich scharf gegen die Absichten der Regierung, die er als schädigend für die schnelle Verbreitung des Heilmittels anfieht. Ihm sei bekannt, daß einer der reichsten Leute des Landes, ein hochbetagter Industrieller, den Plan habe, im ganzen Lande 20 Hospitäler zur unentgeltlichen Behandlung Krebskranker mit Radium zu bauen. Der Millionär habe zu diesem Zweck die Summe von 16 Millionen Dollar ausgeworfen.
Ku§ ItaLL unö tanh.
Wiesbadener Nachrichten.
Abänderung der Baubestimmungen des Stadtkreises Wiesbaden.
In einer anfangs Dezember v. I. stattgefundenen Stadt- verordnetensitzung beschäftigte sich Herr Oberbürgermeister G l ä s s l n g bekanntlich ausführlich mit der Frage der Förderung des Zuzugs; im Zusammenhang damit kam er auf die Ausschließung billigeren, sich für den Anbau kleinerer Billen eignenden Baugeländes zu sprechen. Die Anregungen des Herrn Oberbürgermeisters haben einen bemerkenswerten Nachklang in der letzten Hauptversammlung des „Architekten- und Jngenieurvereins Wiesbaden" gefunden, wie aus dem Bericht hervorgeht, den der Verein in seinem Organ, den von Herrn Rezierungs- und Baurat Dr.-Jng. Hercher redigierten und in erweitertem Umfang in neuem Gewand erscheinenden „Technischen Mitteilungen aus Nassau und Hessen" veröffentlicht. Herr Regierungsbaumeister Heß wies in seinen „Anregungen zur Abänderung der Bau- posizeibestimmungen des Stadtkreises Wiesbaden" nach, daß bei einem Gebäude von etwa 30 000 M. B a u s u m m e die höhere Aufwendung im Stadtbezirk durch stärkere Mauern, größere Mindesthöhen für Räume zum dauernden Aufenthalt uiid für Nebenräume etwa 1000 bis 1500 M. mehr beträgt als in den Vororten. Darin, daß im Stadtbezirk die Landhäuser untereinander einen größeren Abstand cin- halten müßten als in den Außenbezirken, erblickt Herr Heß mnen Vorteil; seine Anregungen gingen lediglich darauf hin, daß die konstruktiven Vorschriften rechts und links ein- und derselben Grenzstraße die gleichen sein müßten. Die Polizeiverwaltung sei in Wiesbaden-Stadt und in den Vororten eine staatliche, es könne daher nicht eingesehen werden, warum der Bauherr auf städtischem Gebiet für Konstruktionen mehr aufwenden müsse wie derjenige auf ländlichem Gebiet. Wenn auch nach den Paragraphen der Bauordnung für den Stadtbezirk Ausnahmen gewährt werden könnten, so sei es doch nicht jedermanns Sache, auf dem Wege der Erwirkung einer Ausnahme diejenigen günstigeren Bau- verhältniffe zu erzielen, die in den Vororten an und für sich gegeben seien.
Mit anderen Worten gesagt, heißt das: die Wiesbadener Baupolizeiverordnung erschwert die Errichtung von Wohngebäuden ganz unnötig; wenn eine unterschiedliche Behandlung der Bauvorschriften in der Stadt und in den Vororten bis zu einem gewissen Grad sachlich gerechtfertigt erscheint, so liegt doch kein Grund vor, diesen Unterschied bis auf die Vorschriften über Mauerstärke, Stubenhöhe und dergleichen ouszudehnen.
In der Stadt ist nur eine gewisse Stockwerkzahl zulässig, die sich nach der Art des Bauquartiers richtet. Für di« Vororte liegen vielleicht nicht dieselben Gründe zur Beschränkung der Stockwerkzahl vor, die in der Stadt zu den Bestimmungen über die Maximalhöhe geführt haben. Dafür aber erfordert dort ein sehr wichtiger Grund eine Beschränkung der Stockwerkzahl. Herr Stadtverordneter Schwank machte in der Versammlung der Architekten und Ingenieure darauf aufmerksam: „damit der ländliche Charakter der
Vororte mehr beibehalken und ihre übermäßige Ausdehnung eingeschränkt werde". Es ist in der Tat nichts greulicher, als Ivenn die städtische Bauweise mir nichts, dir nichts auf die Vororte einer Stadt verpflanzt wird. Dadurch entstehen nur zu oft wahrhaft abschreckende Ortsbilder.
Der „Architekten- und Jngenieurverein" beschloß zuletzt, einen Ausschuß (unter dem Vorsitz des Herrn Schwank) zu wählen und zu beauftragen, Vorschläge zur Neu- sassung der Bauordnung auszuarbeiten. ~ir.
Luftfahrt.
Wasserflugplatz Warnemünde. Die Sturmfluten, die in deii letzten Wochen an der deutschen Küste der Ostsee verheerend gewütet haben, führten zu der Befürchtung, daß die vom Reichsmarineamt und von der Nationalslugspende unterstützte Anlegung eines Flugplatzes bei Warnemünde in Frage gestellt werde. Wie sich nunmehr übersehen läßt, hat bei dem Unwetter infolge ihrer Lage zum barometrischen Tief die mecklenburgische Küste unter dem Unwetter verhältnismäßig wenig gelitten; insbesondere hat sich an der Küste von Warnemünde, dank des systematischen Ausbaues der Küstsnschutzanlagen, die Düne vor dem zukünftigen Flugplatz als absolut sicherer Schutz für diesen gegen Angriffe von See aus erwiesen. Trotz des Verlustes an Arbeitszeit durch die Sturmfluten kann nnt einer rechtzeitigen Fertigstellung des Platzes Mit Sicherheit gerechnet werden.
spiel gewiß seine besonderen künstlerischen und literarischen Absichten gehabt. Ihm mag als Ziel seines Ehrgeizes eine von modernem Geist erfüllte geschichtliche Tragödie vorgeschwebt halben. Unser modernes Drama seit Hebbel, Ibsen und Haupimann begnügt sich nicht mehr mit dem Gegenständlichen, es zerlegt die Dinge und Geschehnisse in ihre feinsten, inneren Bestandteile, es ist ganz und gar Analyse geworden, mag cs sich nun um materielle, geistige oder seelische Vorgänge handeln. Hermann Sudermann wird nun vielleicht ge- glaubt haben, das historische Drama von allen materiellen Geschehnissen befreien und an ihre Stelle die detaillierte Analyse von Seelenstimmungen historischer Persönlichkeiten setzen zu müssen, um modern im feinsten Sinne zu sein. So kommt er fünf Akte lang psychologisch , immer nur psychologisch- Und da durchaus keine Taten geschehen, so müssen die Personen reden, immer nur reden. Und sie hören nicht eher auf, bis sie mehr oder minder plötzlich in ein besseres Jenseits befördert werden. In diesem Drama wird keine Historie dargestellt, sondern Historie erklärt. Es ist alfo gar kein ©rcntw, sondern ein in fünf Kapitel zerlegtes Kompendium der Meinungen Hermann Sudermanns über die unterschied» lichen Seelenstimmungen der Herren Stilicho, Verweser des weströmischen Reiches, Alarich, König der Westgoten, und des Dichters Claudius ClaudianuS, nach dessen Lobgesängen auf Seine Majestät den dekadenten und verrückten Kaiser Hono- rius das Stück unberechtigterweise seinen Namen hat. 'Was sich zwischen diesen Personen und einer großen Fülle anderer Römlinge vollzieht, bleibt so ziemlich das Geheimnis des Dichters. Wir hören allerlei von den Heldentaten des großen Vandalenabkömmlings Stilicho, der das in allen Fugen krachende weströmische Reich (fünftes Jahrhundert n. Chr.)
— Todesfall. Gestern morgen entschlief nach längerem schwerem Leiden Herr vr. Arno Koste r, der Inhaber der Molkerei vr. Köster u. Reimund in der Bleichstratze.
— Der Raubmord in der Jahnstraße. Das Opfer des grauenvollen Verbrechens, das am letzten Montag die ganze Stadt in Aufregung versetzt hat, wurde gestern nachmittag unter starker Beteiligung zur l e tz t e n R u h e gebettet. Pfarrer Gruber hielt in der Trauerhalle des Südfriedhofs, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, eine längere Rede, in der er zunächst das Entsetzliche des Verbrechens schilderte, das die Tote jäh aus dem Leben gerissen hat. In der Ermordeten handle es sich um eine Person, die ein treues Kind ihrer Kirche gewesen sei und die m der letzten Weihnachtszeit noch in frommer Gesinnung die heiligen Sakramente empfangen habe. Lautes Schluchzen ubertonte dann und wann die Worte des Redners. Pfarrer Gruber nahm auch die Einsegnung der Leiche am Grabe vor. — Leider ist auch bei dieser Gelegenheit wieder Klage zu führen über das wenig angemessene Benehmen zahlreicher, meist dem weiblichen Geschlecht angehörig«: Personen. Die Leidtragenden verrnochten bei dem Andrang
durch die suggestive Macht seiner Persönlichkeit zusammen- hält, und feinen freundschaftlichen Beziehungen zu dem temperamentvollen Dichter Claudius Claudianus, der alle Tugenden Homers und Virgils in seiner Person vereint. Diese Beziehungen erhalten durch einen Gewaltstreich des Dichters, der seinem erhabenen Gönner den wackeren Westgotenkönig Alarich m die Hand spielt, eine schwere Erschütte- rung, die in ihrer Konsequenz mit dem tödlichen Exitus der beiden Hauptpersonen endet. Mehr Materielles läßt sich beim besten W-llen nicht aus der Verworrenheit des Stückes herausfinden. Alles andere ist Gerede oder nach des Dichters Meinung Psychologie. Aber da die redenden Personen niemals menschliche Töne anschlagen, sondern immer nur vom Dichter am Schreibtisch klüglich und ohne Wärme ersonnene Aussprachen über sich selbst halten, so wirkt das Ganze in seiner harrenden Monotonie grenzenlos langweilig, und nur ein par schöne Bühnenbilder und eine sehr hübsch vorbereitete Szene des zweiten Aktes, die in der Sensation der hei- ligcn Erscheinung dx§ gehirnkranken Kaisers Honorius gipfelt, werfen spärliche Farben in die trostlose Ode dieses grausamen Spieles.
Das Publikum, unter dem sich zahlreiche Berliner befanden, war von rührender Geduld. Obwohl man durchweg der Ansicht war, eine herzlich wenig aufregende Sache zu erleben, harrte man treu aus, um am Schlüsse des Stückes den Dichter auf der Bühne zu sehen, der sich dann auch etliche Male verneigen Konnte. Aber diese Tatsache wird ihn nicht darüber hinwegtäuschen können, daß die deutsche Bühne mit diesem kalten und blutleeren Römerstück nichts gewonnen hat. Daran konnte auch die wackere Arbeit des Schauspieles unter der Reaie von Alex Otto nichts ändern. Kurt Küchler.
