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Nr. 35. Donnerstag, SS. Januar 1814. WirsKaDeNSr TagblM. _ Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. _ S eite 3.

sind vollbesetzt und die Gewährung von Privattischen wird 1 auch als eine Entlastung der Kasse dankbar begrüßt. Die Kinder stehen unter der Aufsicht des Vereins, so daß den freundlichen Gastgebern keinerlei Mühen verursacht werden. Anmeldungen von Kinderfreitischen bittet man an Fräulein H. Berte, Querstraße 4, zu richten.

— Vom Arbeitsmarkt. Nach dem Bericht über die Lage des Arbcitsmarktes m Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck im Dezember 1913, erstattet vom Mitteldeutschen Arbeitsnach­weisverband in Frankfurt, trat in der Metallindustrie im Berichtsmonat keine Besserung in der Geschäftslage ein. Für Sattler und Tapezierer war wenig Arbeitsgelegenheit vor­handen, meistens wurden die Leute nur zur Aushilfe für Reparatnrarbeiten verlangt. In der Industrie der Holz- und Schnitzstoffe stellten nach dem Bericht der Arbeitsvermittlungs­stelle Frankfurt a. M. größere Möbelfabriken ihren Betrieb wegen Arbeitsmangel ein, auch wurden an manchen Stellen ältere Arbeiter entlassen, die schon jahrelang im Geschäft waren. Der Deutsche Tabakarbeitervcrband in Frankfurt a. M. berichtet, daß es in diesem Jahre in der Tabakindustrie im Berichtsmonat, der sonst der beste Monat im ganzen Jahr ist, Arbeitslose gab, die trotz eifrigen Bemühens keine Arbeit finden konnten. Aus dem Bekleidungsgewerbe liegen wenig Berichte vor. Frankfurt a. M. und Mainz berichten von einer Abnahme der offenen Stellen für Schneider. Im Bauge­werbe war nach dem Bericht der Arbeitsvermittlungsstelle Frankfurt a. M. bie' Arbeitsgelegenheit sehr flau. Viele Bau­anschläger wurden arbeitslos. Für Glaser, Rahmenmacher und Maurer loar noch etwas Arbeitsgelegenheit vorhanden. Im graphischen Gewerbe war die Arbeitsgelegenheit minimal. Für ungelernte Arbeiter war der Berichtsmonat trotz dcS Weihnachtsfestes und des Schneefalls schlecht, da auch viele arbeitslose Handwerker sich um Stellen bewarben, die in normalen Zeiten den ungelernten Arbeitern Vorbehalten bleiben. Notstandsarbeiten wurden in mehreren Orten ein­gerichtet. Im Gastwirtsgewerbe ist nach dem Bericht der Ar­beitsvermittlungsstelle Frankfurt a. M. der Geschäftsgang gegen den Vormonat nicht besser geworden. Die Zahl der offenen festen Stellen und Aushilfsstellen hat Wohl gegen den Vormonat und gegen den gleichen Monat des Vorjahres etwas zugenommen, doch wird sowohl von den Wirten wie von den Kellnern über schlechten Umsatz und über schlechten Verdienst geklagt.

— Ernennung zum Königlichen Hoflieferanten. Im

„Königlich Preußischen Staatsanzeiger" wird die Verleihung des Prädikats Königlicher tzofuhrmacher dem Uhrmacher­meister G erst enb erg in Wiesbaden bekannt gegeben.

— Ein „angeblicher notleidender Architekt" mit Namen Otto Hackelberg in Ellrich am Harz versendet an Bau­techniker usw. ein Schreiben, in dem u. a. gesagt ist: „Not bricht Eisen! Ich bitte um Verzeihung, wenn ich mich in meiner tieftraurigen Notlage, hervorgerufen durch ein schwe­res Nervenleiden und andere harte Schicksalsschläge, ver­trauensvoll an Sie wende. Die Verzweiflung treibt mich dazu, an die Herzen der Verbandsmitglieder zu appellieren. Ein mir bekannter, mitleidiger Fabrikant hat mir auf Kredit gute preiswerte Taschentücher in ein Dutzend-Packungen zur Verfügung gestellt und auch die Mittel zum Versand geliehen. Ich erlaube mir nun, Ihnen anbei ein Dutzend eleganter Taschentücher, mit einem kleinen Nutzen zu dem billigen Preis von 3 M. 60 Pf. franko zuzusenden und bitte um gütige Abnahme. Not bricht Eisen, kein Verdienst, keine helfende Hand. Weisen Sie mich bitte nicht ab. Ich biete Ihnen ein praktisches, gutes und billiges Wäschestück und lassen Sie bitte dafür einem so schwer heimgesuchten Mitglied ein Scherflein zukommen. Schnelle Hilfe tut not! darum bitte ich um um­gehende Einsendung des Betrags." Wie nun ein hiesiger Architekt uns schreibt, sind die von ihm bezogenen Taschen­tücher recht minderwertige Waren und der ganze Trick macht ihm einen verdächtigen Eindruck. Bon Not könne hier keine Rede sein.

— Warnung. Der Vertreter einer auswärtigen Firma bietet hier in ziemlich aufdringlicher Weise gratis Semiknlder an und veranlaßt das Publikum zur Hergabc von Photo­graphien. Dies ist aber nur ein Trick, um nun derartige Bilderrahmen gegen Nachnahme zu liefern, und es hält nach­her schwer, daß die Leute ihre Bilder wieder zurückbekommen, wie das schon häufig der Fall war. Vor solchen Händlern sei immer wieder gewarnt, denn eS ist merkwürdig, daß sich noch immer Leichtgläubige genug finden, die sich auf diesen offen­baren Humbug einlassen.

Norberichte über ttunst» Vorträge und verwandtes.

* Residenz-Theater. Samstag, den 24. Januar: „Manna Zanna". Sonntag den 25.. nachmittags 144 Uhr: „Exzellenz Rar". Abends 7 Uhr: „Es lebe das Leben". Montag, den 6.. „Bolksvorftelluna: „Die Genevalsecke".

Musik- und Vortragsabend«.

Verflossenen Freitag hielt Professor Or. Herxheimer vom herein der Ärzte den ersten seiner beiden Votksvortrage iber das Blut des gesunden und kranken Menschen. Nach .mein kurzen geschichtlichen Rückblick und einer leicht faßlichen Anstellung des Blutkreislaufes erörterte der gewandte Redner äe Zusammensetzung des Blutes im normalen Zustand, b. h. 'et dem gesunden Menschen. Die durch farbige Tafeln unter- tützten. von eindringender Sachkenntnis zeugenden Aus- i'h unocn zeigten der sehr zahlreich erschienenen Zuhörerschaft ltn unschätzbaren Wert der ärztlichen Wissenschaft, der allein 3 möglich ist, durch immer neues Lernen am Einzelfall in die oundcrbaren Tiefen der schaffenden Natur cinzudringen und >on b>r aus richtige Schlüsse über das Wesen der Krankheits- g-scheinungen zu ziehen Am interessantesten waren ohne Imeifc! die den Vortrag beschließenden Ausführungen über die Wirkung der verschiedenen Fermente auf das »lut und über iie Sch 'tzimpfung. (Ohne Gewähr.)

In der letzten wissenschaftlichen Sitzung des „Ras sau - s ch c n Vereins für Naturkunde" am Donnerstag Prack Or R Fresenius- zunächst über einige Lumineszenz- "sckcinnngen Der Vortrag wurde durch Versuche erläutert. Weile sprach er dann über die Elemente Gallium, Skandium md Germanium sowie^ über das veriadische System der Ele- nenie An beide Vortrage, die beifällig ausgenommen wurden. !n,""'kte sich eine lebhafte Beivrechung. (Ohne Gewähr.)

Vor vollkommen auSverkauftem Saale koirnte Or. Keller- hör-ckclmann sein J-hema: „Der Stoffwechsel, ein i, - nderbarer Vorgang im menschliche n Kor- irr", entwickeln Dre AR und Werse des Stoffwechsels wie sich beim einzelnen bcemchen absvielt, beeinflußt dessen zörver günstig oder ungunitig Viele Menschen leiden an ögenannten Stoffwechselkrankheiten Fast jedes Leiden kann gezählt werden, denn die Ursache ist fast immer schlechtes Stoffwechsel *—. <»,„ s,

in« u;iu i'ti Tz“' .»tcrocit row* urerm-

us vom Stoffwechsel beeinflußt. Es ist deshalb notig, auch t Nerven gesund zu erhalten, was durch körperliche und istige Schonung, Bewamen vor Ausschweifungen abstinentes :bcn zu erreichen ist. Wechselwirkung zwischen den ein­igen Organen wurde den Hörern an zahlreichen Bespielen

erläutert was das Verständnis für die einschneidende Lebens­frage erhöhte. Redner nahm am Schlüsse leines Voarags «i- anlossung, einerseits die im Rathause stattfindende Ausstellung zu empfehlen, andererseits aber auch gegen deren geiucht ein­seitige Tendenz zu polemisieren. Die daselbst der Naturhet^ künde angehängten Mißerfolge seien weder aufgeklärt noch erwiesen und es köline ohne genaue Kenntnis der ganzen Krankheitsgeschichien gar nicht geurteilt werden. GS sei be­kannt, daß viele durch Quecksilber verpfuschte Syphilitiker sich an Naturä.zte wendeten, dann natürlich oft auch keine,Heilung mehr finden konnteii. ivas aber bei frisch Erkrankten fast aus­nahmslos der Fall sei. Dagegen sei der Salvarsannimmel schon bald 8-u toll und die medizinischen Zettichriften wimmelten von Berichten über Todesfälle. E blindungen, Lähmungen und dergleichen. Die Gesellschaft für Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten sei verpflichtet, auch die zahlreichen Mißerfolge mit Salvarsan, Quecksilber und Jod bekannt zu geben, damit die Menschen mehr Furcht vo: deii entsetzlichen Folgen ihres Leichtsinns bekämen und sich vor Ansteckung hütetetl. tiicht aber in Erwartung eines Wunderbalsams darauf los sündigten und sich infizierten. (Ohne Gewähr.)

dem vereinsleben,

vorberichte, Vereinsversammlungsn.

* Samstag, den 24. Januar, abends 814 Uhr. findet die Monatsversammlung des „Wiesbadener Lehrerve.r- e i n s" im „Europäischen Hof" statt. Herr Brvglie hält Vor­trag über das Thema: „Benötigen wir wirklich einer allge­meinen Volksschule?" .

* Der Wiesbadener Karnevalverein „Narrhalla" ver- at.staltct am nächsten Sonntag, den 25. Januar, in der narrisch dekorierten Turnhalle Hellmundstraße 25 seine erste Damen- sitzung mit darauffolgendem Ball. Die Große Mannheimer Karnevalgesellschaft bat dazu rhreMitwirkung zugesagt, tasselve ist auch von Mainzer Humoristen und Büttenrednern geschehen.

* Wie alljährlich huldigt auch in diesem Jahre wieder die Karnevalgesellschaft „Elfer" dom närrischen Gott JokuS, und zwar findet am Mittwoch, den 28. Januar, eine große Gala- Herrensitzung, und am Sonntag, den 8. Februar, eine große Gala Damensitzung im närrisch dekorierten Saale der „Wart­burg" statt. Es kommen neben den Darbietungen ausge­zeichneter Karnevalisten auch Künstler ersten Ranges zu Wort.

* Die „Turngesellschaft" veranstaltete am Sams­tagabend ihre erste diesjährige gesellige Monatsversammlung. Bei dieser Gelegenheit hielt ihr Turnwart Herr Dentist Emil Müller einen mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag über Zahnpflege, der durch etwa 65 Lichtbilder illustriert wurde. Nachmittags fand derselbe Vortrag für Turnschüler und -schülerinnen und deren Angehörige statt. Die Zuhörer wer­den manche wertvolle Belehrung und Anregung aus den leicht- ve stündlichen Ausführungen über das so wichtige und doch vielfach so sehr vernachlässigte Kapitel „Zahn- und Mund­pflege" mit nach Hause genommen haben.

Ku§ dem Landkreis Wiesbaden.

-o- Biebrich. 21. Jan. Heute nachmittag wurde in einem Hotel am Rheinufer eist hiesiger Einwohner f e st g e n o m m e n und in einem Automobil rmch dem E i ch b e r g gebracht. Der Mann zeigte seit einiger Zeit Spuren geistiger Erkrankung; seine Überführung in die Irrenanstalt war notwendig, weil er sich mit Selbstmordgedanken trug. Der Patient setzte seiner Festnahme energischen Widerstand entgegen; sechs Schutzleute waren notwendig, um ihn zu überwältigen. In ,der Stadt verbreitete sich infolge dieser Szene wie ein Lauffeuer das Gerücht der W i eisbad e n ea Raubmörder sei ver­haftet worden. Im Zusammenhang damit ist es von Interesse zu hören, daß die hiesige Polizei erst nach 7 Uhr abends von dem Mord Kenntnis erhielt, während die Land- gendarmerie erst am anderen Vormittag von dem Mord erfuhr.

— Klsppenhcim, 21. Jan. Enttäujcht und hoffnungslos knipsen wir nun schon seit einigen Tagen an den Schaltern unseres elektrischen Lichtes: der Betrieb stockt wie­der einmal. Die Öllampen stehen noch zur Hand, denn jeder­mann ist bereits an die „unvorhergesehenen Ereignisse" in unserem „Elektrizitätswerk" gewöhnt. Von einer Über­raschung kann also keine Rede mehr sein. In unseren Orts­straßen herrscht zurzeit abends eine Dunkelheit, die beim Überschreiten derselben eine große Vorsicht erforderlich machen, speziell mit Rücksicht aus die noch überall vorhan­denen Eisstellen. Allem Anschein nach ist auf eine Beseitigung der derzeitigen Zustände in den nächsten Tagen noch nicht zu rechnen und es wäre daher Pflicht der Gemeinde bezw. der Vertretung, hier Abhilfe zu schaffen, ganz besonders aber für die gerade jetzt erforderliche Ortsbeleuchtung Sorge zu tragen. Bei den immer wieder eintretenden Stockungen in dem Betrieb des Elektrizitätswerks wäre überhaupt eine Änderung in den Lichtverhältnissen für die ganze Gemeinde sehr erwünscht, denn abgeschcn^von dem fortgesetzten Ärger, können momentan eintretende ^Stockungen sehr leicht sonst zu verhütende Unglücksfülle verursachen.

Naffauische Nachrichten.

Stiftung gegen den Alkoholgenus!.

= Grenzhausen, 1V. ^,r vrakt. Arzt Vr. Gerwi

überwies dem hiesigen Kirchc.>.v0i.stcind und ebenso dem z Alsbach für die Gemeinde Hngcri je (U00 M. als „vr. Gerant Stiftung", deren Zinsen.an verjcham.e Arme zu verteile sind. Herr vr. Gerwm, ist bekanntlich einer der hervo: ragenden Führer der Abstmenzbcwegung, um dieser durch sei eigenes Beispiel Bahn zu brechen, und seine Mitbürger vo den Folgen des Alkohouswus zu bewahren. Auch schrifi stellerisch hat er sich“HL a ^’ e SL Gebiete betätigt, Di Stiftung soll nach der Absicht des Spenders als Ergebnis de Sparsamkeit angesehen werden, die jtdj mittelbar oder un mittelbar aus der Enthaltung son Klkohaltschen Getränke: eraibt.

— Montabaur, 21. Jckm Der hiesige Männergesangverein ende lssohn-Bart hol dy plant eine Fahrt nach werika. Die Mitglieder erhalten bereits Unterricht in

Ku§ der Umgebung.

üs. Mainz, 20. Jan. Der neugegründete Verein ehe­maliger h e s s i s ch e r L u d w r g s h a h n L e a m t e n hielt am Sonntagnachmiltag im „Weißen Bierhaus" zu Mainz seine 1. Versammlung ab, die aus allen Teilen des Eisenbahn­direktionsbezirks stark besucht war. Den Vorsitz führte Eisen- bahn-Obersekretär Henrich. Die Beratungen betrafen in der Hauptsache innere Bereinsangelegenhriten, die dem Ausbau des Vereins und der Förderung der Interessen seiner Mit­glieder dienen sollen. Erwähnenswert ist, daß die Eisen- bahndirektion Mainz den beschlopenen Satzungen des Vereins mit kleinen redaktionellen Abänderungen zustimmte. Der Verein, der alle im Dienst befirtbTicfjeit oder auch bereits pen­sionierten Angestellten und Bediensteten der ehemaligen hessi­schen Ludwigsbahn im Bereich der preußisch-hessischen Eisen­bahngemeinschaft, besonders aber der drei Direktionen.Mainz, Frankfurt nnd Saarbrücken ^ umfassen soll, ist für das Gebiet

dieser drei Direktionen in 25 Unterbezirke eingeteilt, an deren Spitze je ein Vertrauensmann steht. her Versammlung

wurden etwa 60 neue Mitglieder ausgenommen, so daß die Gesamtmitgliederzahl sich bis jetzt auf etwa 500 beläuft. Der Verein tagt an jedem dritten Sonntag der ungeraden Monate in Mainz. Demzufolge ist die nächste Versammlung am 15. März.

ö. Mainz, 21. Jan. Der 42jährige Kaufmann und Seiler­meister Simon o n r a d von hier hat sich gestern nachmittag durch einen Revolverschutz in den Kopf getötet. Conrad, der vor Jahresfrist wegen Verbrechens gegen den § 175 man­gels genügender Beweise von der Strafkammer freigesprochen wurde, ist vor einigen Tagen bei der Staatsanwaltschaft wegen schwerer Sittlichkeitsdelikte angezeigt wordem C. ent­zog sich durch seine Tötung jedenfalls schwerer Strafe. — hs. Im großen Saal der „Stadt Mainz" tagte gestern abend eine stark besuchte Versammlung der sämtlichen kauf­männischen Handlungsgehilfenverbände von hier, die gegen etwa 5 Stimmen nachstehende Entschließung annahm: „Die von 12 kaufmännischen Angestellten- uns

Handlungsgehilfenverbänden einberufene und stark be­suchte Versammlung lehnt den von der Reichsregierung dem Reichstag zugegangenen Entwurf eines Gesetzes, betr. die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, ab. Die Versammelten sind über den Inhalt der Vorlage sehr enttäuscht und ver­langen die grundsätzliche Anerkennung der völligen Sonntags­ruhe nach dem Vorbild des Gesetzentwurfs von 1907, Zu­lassung von zwei Ausnahmestunden für das Bedürfnisgewerbe mit Schlußstunde spätestens mittags 12 Uhr, Zulassung von höchstens zwei Ausnahmesonntagen vor Weihnachten, Ent­scheidung über alle Ausnahmebestimmungen durch Abstimmung der selbständigen Kaufleute, ähnlich den Vorschriften über den Achtuhrladenschluß, Beseitigung der Ausnahmebestimmung zugunsten strenggläubiger Juden und zuungunsten der Proku­risten und Angestellten in Gast- und Schankwirtschaften, Ver­schärfung der Vorschriften über Anbieten und Feilhalten von Waren in Gast- und Schankwirtschaften cm Sonntagen und Überwachung des Hausiererwesens". — Der Rhein ist bei Mainz durch das Stellen des Eises im Main und Neckar voll­ständig eisfrei. Die Tragfähigkeit des Eises des Mains ist jedoch noch sehr gering. Trotzdem versuchten einige Wage­hälse schon, über den zugefrorenen Fluß zu gelangen, mutzten aber von ihrem Vorhaben Abstand nehmen. Dagegen hat man aus den überschwemmten Wiesen, auf der Gustavsburg und bei Kostheim, auf der Lache und an anderen Plätzen schöne Sch litt schuhbahne n geschaffen, auf denen sich Hunderte von Menschen tummeln.

Gerichtssaal.

FC. Waldmanns Ende. Der Hundehändler Karl W e h r i ch, aus Camberg gebürtig, wohnhaft in Wiesbaden, hat am 18. November v. I. einen wertvollen Jagdhund, dem Jagdbeständer Schipper gehörig, entwendet, in roher Weise mit einem Beil totgeschlagen, abgezogen und das Fleisch als Hammelfleisch schließlich verkauft. Er wurde heute von devStraf- kammer Wiesbaden wegen Diebstahls und Tierquälerei zu 1 Jahr Gefängnis und 4 Wochen Haft verurteilt. Mit Rück­sicht auf die Höhe der Strafe wurde Weyrich, gegen den da­mals das Amtsgericht, als die Sache ruchbar wurde, zweimal den Erlaß eines Haftbefehls äblehnte, sofort in Haft genom­men. Das Fell wurde bald nach der Tat im Wellritztal ge­funden, das Halsband des gestohlenen Hundes aber an dem Hals eines anderen im Besitz des Weyrich befindlichen Hundes bemerkt.

wc. Das Messer. Der Taglöhner Jakob Klein von Wiesbaden geriet am 2. November v. I. aus unbedeuten­der Veranlassung in der Roonstraße mit einem jungen Burschen aneinander. Als dieser ihm einen Schlag versetzte,, revanchierte sich K. durch einen D o l ch st i ch. Wäre die Ge­walt des Stoßes nicht durch einen Taschenspiegel, den der Ge­stochene in der Westentasche trug, gebrochen worden, so wäre es aller Voraussicht nach um ihn geschehen gewesen. Auch an den gegebenen Verletzungen hatte er 8 Wochen im Kranken­haus zu kurieren. Die Strafkammer verurteilte den Messer­held wegen Körperverletzung zu 6 Monaten, wegen Bedrohung zu 2 Wochen und toegen Beleidigung zu 1 Woche Gefängnis.

wc. Erbrochene GaSautomaten. Der erst 19 Jahre alte Taglöhner Oskar Preis aus Wiesbaden hat zweimal, das einemal bei seiner Mutter, das anderemal in einem Hause in der Eltviller Straße Gasautomaten erbrochen und sich daraus Beträge von 3 M., resp. 1 M. angeeignet. Die Strafkammer verurteilte ihn wegen Diebstahls im Rückfall zu 1 Jahr 1 Tag Gefängnis als Gesamtstrafe. — Der Gärt­ner Jakob K i st i n g e r von Wiesbaden versicherte einem Bekannten, dem Taglöhner August Scheib, dringend Geld zu bedürfen. Um sich solches zu beschaffen, lud er ihn ein, mit ihm den S ü d s r i e d h o f zu besuchen. Man begab sich auch zusammen dorthin, entwendete von einem Grab einen Zink­deckel, hatte jedoch nicht den Mut, den Raub in Sicherheit zu bringen, sondern ließ ihn irgendwo liegen. Kistinger wurde zu 3 Monaten und sein Komplice zu 1 Woche Gefängnis verurteilt.

O. Ein Versichrrungsgründungsschwindcl. Frankfurt a. M., 21. Jan. Das Schwurgericht wird sich in mehr­tägiger Sitzung von heute an mit einem auf großzügiger Basis angelegteu S ch w i n d e I u n t e r n e h m e n befassen, das dem Aufsichtsamt für Privatversicherungen in Berlin außerordentlich viel zu schaffen machte und dessen alleinige Vorstandsmitglieder der 1882 in Athus bei Arlon geborene frühere Versicherungsdirektor Hugo Schölten und sein Bruder, der 1866 in Bochum geborene Kaufmann Kuno Schölten waren. Es wird ihnen zum Vorwurf gemacht,

. ' 1C ’^ rer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder der S u d w e 1 t d e u t) ch e n V e r s i ch e r ri n g s g e s e l l s ch a f t, Vereins auf Gegenseitigkeit, über dessen Vermögen am rl 913 ber Konkurs eröffnet war, am 5. September 1912 Schulden ausgestellt hätten, die erdichtet seien, und Mitte georuar d. I. Vermögensstücke des Vereins beseitigt hätten. Zu der Verhandlung sind u. a. als Zeugen Bücherrevisor patzen (Koblenz), Regierungsrat v. Werner (Berlin) vom karjerlichen Aussichtsamt für Privatversicherung, Bersichc- rungsrevisor vr. Blank (Berlin), Regierungsrat Or. Avelis (Berlin) und Bücherrevisor Wilhelm Schmidt (Frankfurt) ge- laoen. Die Angelegenheit spielte auch insofern nach W i e s - oaden hinüber, als die beiden Angeklagten auch „Dorstands- Nttiglieder" der „Mittelrheinischen Versicherung" in Wies­baden waren. Der Dlitgliederbestand wurde auf der durch und durch unwahren Reklame der Angeklagten mit 14 131 am 1. Januar 1912 angegeben, das mündelsichere Vermögen sollte 153 061 M. betragen, dabei waren nur 22 313 M- Vermögen und 741 M. Schulden vorhanden. Von 1909 bis 1911 wurden an Mitgliederbeiträgen tatsächlich 112 426 M- eingenommen und an Mitglieder 16 203 M. abgeführt. Die Verwaltungs­kosten — oder wahrscheinlich das, was die Angeklagten in die Tasche steckten — betrugen 81 217 M. Im Jahre 1911 allein betrugen die Prämieneinnahmen 69 000 M„ die Verwaltungs­kosten 83 000 M-, und was an Versicherungen gezahlt wurde 7826 M. Der Revisor C ah c n (Koblenz), der die Bücher revidierte, bezeichnete in der Voruntersuchung die Buch.