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Nr. 32. Dienstag, 20. Januar 1914.

Ein Besuch englischer Geschwader. Paris, 19. Jan. Der Marineminister teilte dem Seepräfekten mit, daß das erste Kreuzergeschwader der englischen Flotte vom 11. bis 17. Februar, und das zweite Geschwader vom 21. bis 27. Febr. in Brest vor Anker gehen werde. Irgendwelche Festlichkeiten sollten anläßlich des Besuches der englischen Kriegsschiffe nicht stattfinden.

Englanv.

Zum Untergang des UnterseebootesA 7". London, 20. Jan. Die Versuche, das gesunkene UnterseebootA 7" aufzufinden, wurden fortgesetzt, bisher jedoch erfolglos. An­läßlich des Unglücks richtete der Staatssekretär des Rcichs- marineamts, Großadmiral v. T i r p i tz, an den ersten Lord der Admiralität folgendes Beileidstelegramm:Der Admira­lität der britischen Marine übermittele ich namens ihrer deut­schen Kameraden den Ausdruck der aufrichtigsten und wärmsten Teilnahme an dem Untergang desA 7". Mit der englischen Flotte trauert die deutsche um die tapfere Besatzung, die in treuer Pflichterfüllung ihren Tod fand." Der erste Lord der Admiralität, Winston Spencer-Churchill, sandte folgendes Danktelegramm:Meine Kollegen von der Admiralität vereinigen sich mit mir in dem Dank für den Ausdruck Ihres Beileids. Die gütigen ernsten Worte, die Sie namens der deutschen Flotte aussprechen, werden von der brinschen Marine hoch gewürdigt." Die englische Presse, die sich bisher in bezug auf die Katastrophe des UnterseebootesA 7" eine gewisse Zurückhaltung auferlegt hat, beginnt sich jetzt eingehender mit dem Unglück zu beschäftigen. Sie macht der britischen Admiralität heftige Vorwürfe, weil sie noch immer diese Serie von Unterseebooten im Dienst behalte. Man erinnert an die Ausführungen eines deutschen Blattes, das diese Unterseeboote mit schwimmenden Särgen verglichen habe, ein Ausdruck, der vollauf gerechtfertigt sei. Man fordert dringend, daß diese Klasse von Untersee­booten, van denen fünf bei Unfällen gesunken sind, endgültig aus der englischen Marine entfernt wird.

Plötzliche Rückreise Asquiths nach London. London,

19. Jan. Nach einer Depesche aus Nizza ist der englische Premierminister A s q u i t h bereits wieder nach London ab- gereist. Diese plötzliche Rückkehr gibt Veranlassung zu allerlei Vermutungen politischer Art.

Die Geschmacklosigkeiten der Stimmrechtswribcr. London,

20. Jan. Aus Edinburg wird gemeldet: Als der Staats­sekretär für Schottland, R o o t, bei der Eröffnung einer Schule eine Rede hielt, wurde er von einer Suffragette mit einem Beutel Mehl beworfen, wobei sie schrie:Das ist für die Folterung von Frauen!" Der Beutel zerriß und der Staatssekretär wurde vom Kopf bis zu den Füßen mit Mehl bedeckt.

Nnkrinnd.

Die mongolische Mission ergebnislos. Petersburg, 19. Jan. Die mongolische Mission ist gestern ab gereist, ohne die Frage einer Anleihe und der Lieferung von Waffen gelöst zu haben. Die mongolischen Vorschläge auf Aus­dehnung der Befugnisse in handelspolitischer Beziehung der inneren Mongolei und der Errichtung einer Gesandtschaft wurden auf das entschiedenste abgelchnt.

Albanien.

Eine Verschlimmerung der Lage. Italienische und österreichische Maßnahmen. Wien, 20. Jan. DieReichs­post" schreibt: In den letzten 48 Stunden sind ernste Nach­richten aus Albanien eingetroffen, die Überraschungen mög­lich erscheinen lassen. Das römische und das Wiener Kabinett haben im gegenseitigen Einvernehmen ent­sprechende M a ß n a h m e n getroffen, um allen Möglichkeiten sofort und nachdrücklich entgegentreten zu können. Es sind von beiden Regierungen auch die entsprechenden militärischen Bereitstellungen veranlaßt worden. An maßgebender Stelle wird dazu hervorgehoben, daß es sich bei einer etwaigen not­wendig erscheinenden militärischen Aktion nicht um ein öster­reichisch-italienisches Monopol handle, sondern es bleibe dem Ermessen jeder einzelnen Macht überlassen, ob sie sich an einer Polizeiaktion beteiligen wolle oder nicht. (Vergl. Letzte Drahtberichte".)

Tünstni

Ankauf eines weiteren Dreadnoughts. Konstanti­nopel, 18. Jan. Die Türkei sicherte sich einen weiteren, auf

scheu Schrifttum lebt. Mit Marie Sauer begann dann das Programm, das in reichem Wechsel die dichterischen Erlebnisse von Max Bohrhammer, Wilhelm Clobes, Heinrich Diefenbach, Rudolf Dietz, I. Chr. Glücklich, Bernhard GrothuS, Karl Heinz Hill, Karl v. Jbell, Kaspar Kögler, Minna v. Konarski, Georg Knauer, Joseph v. Laufs, Fritz Philipp!, Thea Rabe- Staadt, Karl Rapp, Wilhelmine Reiche, Jda Schneider, Walther Schulte vom Brühl. C. Spielmann, Johanne Weis- kirch und Friederike Rohrbeck zu Gehör brachte. Bunt durch­einander folgten sich Scherzgedichte, lyrische Verse, Skizzen, Balladen, Romanzen und Sinnsprüche, wobei Herr Hill zuletzt die Leistung und dann nach dem als kritische Beurteilung zu betrachtenden, mehr oder weniger starken Beifall den Namen des Autors mitteilte. Auf diese Weise sollte wohl eine Beeinflussung im voraus ausgeschlossen sein. Herr Hill war übrigens bestrebt, durch einen frischen Vortrags die Leistungen seiner Kollegen recht wirkungsvoll zu Gehör zu bringen. Ein lief^res Eindringen in die ^ichier,

die gestern abend zu Gehör kamen, war bei dem Wechsel der Ereianisse, natürlich weder dem Vortragenden noch dem Pub^kum möglich. Das sollte aber wohl auch nicht der Zweck der Veranstaltung sein. Die dankbaren Zuhörer zeigten sich sehr aufmerksam, sowohl dem Vortrag als auch dem Vortragen­den geaenüber, dem neben zahlreichen Blumenspenden auch ein prächtiger Lorbeerkranz überreicht wurde. 8-

* RveßlersRösselsprung". Aus München wird uns ge- chrieben: Karl Roetzler, der erfolgreiche Autor derFünf

Frankiurter", brachte im Münchener Schauspielhaus ein neues Stück zur Uraufführung, dem wohl nicht der Erfolg seines Vorgängers beschieden sein wird, das aber doch eine leidlich amüsante Unterhaltung ohne Prätension bietet. .Rösselsprung" heißt dieses Lustspiel, und natürlich sind es die Kreuz- und Ouergänge bunter Liebesabenteuer, die das Svmbol aus dem Schachspiel Heraufrufen. Margarete von Muggcnhoff. ein Typus L laLustige Witwe", erhält aus ein­mal drei Anträge, und zwar von einem harmlosen GemüiZ- Menschen und Bildhauer Robert von Wiedcnmayer, von Pro. fcffor Friese, demLeib- und Magenkünstler" eines gewissen hohen Herrn in Berlin und von ihrem Bankier Tesold, der ein tüchtiger Kaufmann und scharfer Ironiker ist und in diesem Kreis der Anbeter unter Larven als einzig fühlende Brust

Wiesbadener Taglüait.

einer amerikanischen Werst für Rechnung Argentiniens als­bald fertiggestellten Dreadnought. Das Schiff wird de» NamenMahmud Fathi" (der Eroberer) erhalten.

LWen.

Ein neues Bombenattentat in Indien. Bombay, 20. Jan. Nach längerer Pause ist es wieder zu einem Attentat gekommen. Ein eingeborener Inspektor der Geheimpolizei wurde gestern auf einem Straßenbahnwagen von einem Ein­geborenen erschossen. Der Mörder, der sofort verhaftet iverdeu konnte, iveigert sich, irgend etwas über seine Person anzugeben. Man glaubt jedoch, daß man es mit einem ge­fährlichen Anarchisten zu tun hat.

Mexiko.

Ein Protest der deutschen Negierung. Huerta krankhaft nervös. N e w U o r k, 20. Jan. Wie aus Mexiko hierher ge­meldet wird, soll der deutsche Geschäftsträger Herr v. H i n tz e von seiner Regierung Anweisung erhalten haben, bei der mexikanischen Regierung gegen die Beschlagnahme der Summen zu protestieren, die von Ausländern bei der Nationalbank von Mexiko deponiert worden sind. Weitere Meldungen aus Mexiko besagen, daß sich General Huerta augenblicklich in einem an Wahnsinn grenzenden Stadium von Nervosität befindet. Die hauptsächlichste Ursache liegt in dem unausgesetzten Eintreffen von Nachrichten über Siege der Rebellen. Er soll sich in äußerst heftiger Weise gegen die Regierung der Vereinigten Staaten ausge­sprochen haben, weil diese für den Tag 1500 Dollar für den Unterhalt der auf amerikanischem Boden entwaffneten Bundeslruppen verlangt.

Luftfahrt.

wb. Eine Ballon-Zielfahrt. Berlin, 20. Jan. Die Zielfahrt desVereins für Luftschiffahrt", die am Samstag stattfand, nahm einen glatten Verlauf. Das Ziel war der 92 Kilometer entfernte Ort Milten an der Bahnlinie Tanger- müude-Stendal. Den ersten Preis gewann der Ballon Berlin", der 40 Kilometer vom Ziel entfernt niederging.

wc. Eine schwierige Flugzctzglandung. Johannis­thal, 20. Jan. Auf dem Flugplatz hatte gestern der Flieger Ballod mit seiner Jeannier-Stahltaube mehrere Aufstiege gemacht. Bei einbrechendcr Dunkelheit landete er, drosselte jedoch den Motor so stark ab, daß er stehen blieb. Um nicht den schweren Eindecker über das Feld schieben zu müssen, stieg Ballod aus und warf den Motor wieder an. Da jedoch der Gashebel auf Halbgas stand, setzte sich der Apparat mit großer Schnelligkeit in Bewegung. Der Flieger hatte gerade noch Zeit, sich auf die Seite zu werfen, um nicht von dem Schlitten getroffen zu werden, als das Flugzeug mit großer Geschwindigkeit davonsauste. Nach 10 Minuten geriet der Eindecker in eine Vertiefung; Ballod schwang sich jetzt auf den Führersitz und konnte sein Flugzeug unversehrt in den Schuppen bringen.

. Eine gefahrvolle Ballonlandung. Jena, 20. Jan. Unter gefährlichen Umständen ist gestern nachmittag der mit drei Herren besetzte FreiballonLimburg" in der Nähe von Eckalstedt gelandet. Das Schleppseil des Ballons verfing sich in der elektrischen Hochspannung und es entstand Kurzschluß. Während die llberlandzentrale telephonisch ersucht wurde, den Strom auszuschalien, ließen die Luftschiffer das Gas langsam aus dem Ballon entweichen. Schließlich gelangte die Gondel glücklich zur Erde, während die Ballonhülle auf den Drähten hängen blieb.

Ku§ btadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Der Raubmord in der Iahnstratze.

Der Raubmord in der Jahnstratze, der in den letzten 50 Jahren Wiesbadener Geschichte ohne Beispiel ist, hat begreif­licherweise die Einwohnerschaft in große Aufregung versetzt. Das Verbrechen scheint mit großer Sorgfalt inszeniert und seit Tagen vorbereitet gewesen zu sein. Es steht zweifellos fest, daß der schon erwähnte stellungslose Mensch, der seit einer

erscheint. Margarete vertröstet alle drei und reist plötzlich nach Monte Carlo ab, teils um sich zu zerstreuen, teils um einen Vetter ihres verstorbenen Gatten vom Spielteufel zu befreien. An der schönen Riviera erlebt sie ein diskretes Abenteuer mit einem Unbekannten, wobei Mondschein und andere passende Requisiten der Liebe aufgeboten werden. Dann kehrt sie zurück und erhält nun den vierten Antrag von einem ibessarabischen Fürsten, der unter dem Motto auftritt: Seht, wir Wilden sind doch bessere Menschen." Der Knall­effekt in diesemRösselsprung einer vielbegehrten Frau ist aber nun die Enthüllung, wer der Unbekannte in Monte Carlo war. Sie erfährt, daß dieser galante Freund ein Kellner war, und nach dieser Erfahrung sucht sie nun schnell das Heil in der Ehe und ste entscheidet sich für Tesold, den Bankier. Diese Hinneigung zur Finanzwelt ist die einzige Erinnerung an den Autor der .Fünf Frankfurter" in dem neuen Stück. Die recht dünne und wenig originelle Hand- lung erhält durch einen fliftngen Dialog und einige nette Bemerkungen immerhin manche Reize, wenn auch sehr harm­loser Natur. Die Darstellung war tüchtig und fand ihren Höhepunkt in der Verkörperung ^der Margarete durch Lina Woiwodes. Die Aufnahme war sympathisch, doch lag für das Erscheinen des Autors kein dringendes Verlangen vor. F- E-

Kleine Chronik.

Theater und Literatur. In Kopenhagen ist die älteste Schauspielerin Dänemarks und ganz Europas ge­storben, Frau Luise P h i st c r, die am 21. Januar 1816 ge­boren wurde und somit das Alter von 98 Jahren erreicht hat. Die Künstlerin war bis zum letzten Lebenstage frisch urid rege; oft konnte man ih^en klugen, weißhaarigen Kopf >m Parkett des Königlichen Theaters sehen, auf dessen Bühne sie 00 Jahre lang darstellerisch tätig war.

Gestern nachmittag ist in Berlin im 90. Lebensjahre der Senior der dramaturgischen Schriftsteller und Shake» spearc-Forscher Rudolf G c n L e gestorben. Der Verstorbene war der Bruder des Komponisten GenLe, entstammte einer bekannten Schauspiclerfamilie. Sein Vater, vor allem aber seine Schwester, waren Jahre hindurch Zierden der Bühne. Rudolf Genöe war 1824 in Berlin geboren. Er sollte sich der Holzschneidekunst widmen, ging aber dann seinen literarischen

Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Veite 3.

Woche ein Zimmer'in der Schweitzerschen Wohnung inne­

hatte, allein als Täter in Betracht kommt. Die angestellten Untersuchungen bewegen sich denn auch in der Hauptsache in dieser Richtung. Die Besichtigung der Mordstelle und die Untersuchung des Falles durch die Staatsanwaltschaft, den Untersuchungsrichter, die hiesige Kriminalpolizei und die in Frankfurt a. M. für solche Kapitalverbrechen vorhandene Mordkommission dauerten gestern während des ganzen Tages bis nachts gegen 1 Uhr an. Der Tatort und die Leiche wur­den photographiert, ferner wurden durch den Vertreter des bekannten Gerichtschemikers Dr. Popp aus Frankfurt a. M. mikroskopische und chemische Untersuchungen an den Vorge­fundenen Blutspuren, Fingerabdrücken und Kleidungsstücken oorgenommen. Der Täter ist am Sonntag, den 11. Januar, in die Schweitzersche Wohnung gekommen und hat das Zim­mer gemietet, nachdem er vorher in einem anderen Haus sich ein Zimmer angesehen hatte. Den als Wochenmiete gefor­derten Betrag von 5 M. hat er im voraus bezahlt. Der neue Mieter hat sich im Lauf seiner Anwesenheit im Haus nur wenrg bemerkbar gemacht. Er war stellungslos, schlief meistens bis in den Nachmittag hinein, ging dann abends fort ' und kam spät in der Nacht wieder. Den Wirtsleuten gegen­über gab er an, Drechsler oder Holzarbeiter zu sein und Karl Müller zu heißen. Wahrscheinlich ist dieser Name aber nicht der richtige. Der Mörder wird von Leuten, die ihn zu Gesicht bekommen haben, geschildert als ein Mann im Mer von etwa 22 bis 25 Jahren, 1,67 bis 1,70 Meter groß, von gesetzter Statur und guter Kleidung. Er spricht rheinischen Dialekt, hat blondes Haar, dunkelblonden Anflug von Schnurrbart und ein schmales, knochiges Gesicht. Bekleidet war er nach der Tat vermutlich mit einem graubraunen Ulster, dunklem Filzhut und Stehumlegkragen mit brauner Krawatte. In seiner Begleitung befindet sich vermutlich eine Frauensperson im Alter von 22 bis 23 Jahren. Das Mädchen hat etwa die gleiche Größe und schmales, blasses Ge­sicht. Die Zähne des Oberkiefers sind vorstehend, ein Fehler, der hauptsächlich beim Sprechen sichtbar wird. Sie trägt ein braunes oder graubraunes Jackettkostüm und vielleicht einen Mantel von derselben Farbe. Ferner einen braunen Toque- hut mit Bandverzierung an der Vorderseite. Sie hat ziemlich große Füße und abgetragene schwarze Schuhe und macht den Eindruck einer unsoliden Person. Das Mädchen soll in der Schulgasse gewohnt haben, ist aber dort nicht mehr aufzufin­den. Nach Äußerungen des Mörders seinen Wirtsleuten gegenüber Ivar es seine Schwester, eine Näherin, die angeb­lich vorher in Mannheim gewohnt haben soll. In der Nacht vom 13. bis 14. d. M. ist der angebliche Müller nicht in sein Logis zurückgekehrt, er hat vermutlich mit der oben bezeich- neten Frauensperson in einem hiesigen Gasthof genächtigt. Über die Tat selbst haben die angestellten Untersuchungen jetzt ein etwas deutlicheres Bild ergeben. Frau Schweitzer hat, wie täglich. Milch ausgetragen und ist, wie bestimmt fest- fteht, um 1 / 2 IO Uhr aus dem Weg nach ihrer Wohnung ge­wesen, nachdem sie kurze Zeit vorher noch mit einer ihrer Kundinnen sich über ihren merkwürdigen Zimmerherrn unter­halten hatte. Müller hat, seiner Gewohnheit gemäß, bei der Rückkehr noch im Bett gelegen. Frau Schweitzer hat ihm den Kaffee gebracht und ist bei dieser Gelegenheit dann über­fallen und erwürgt worden. Kratzwunden an der Leiche, die im Gesicht, und an den Händen bemerkbar waren» lassen dar­auf schließen, daß der Ermordung ein längerer Kampf vor­ausgegangen ist, bei dem der Mörder jedenfalls, wenn er nicht selbst verletzt worden ist, erhebliche Blutflecke von den Ver­letzungen der Frau erhalten hat. Nach der Tat hat sich dann der Mörder die Hände gewaschen, die Brötchen in die Tasche gesteckt und der Frau das Geld, das sie bei sich trug, entrissen. Der fehlende Betrag hat sich noch nicht genau feststellen lassen.

Neigungen folgend, mit seinem Vater, der damals Theater­direktor in Danzig wurde, dorthin, wo er zuerst für das Theater schrieb und daun mit Heinrich Rückert die Redaktion einer Zeitung übernahm. Später war er dramatischer Schrift­steller und als Rapsode tätig, schrieb die Bücher zu den be» kannten OperettenNanon" undDer Seekadett" und wurde allmählich einer der glänzendsten Kenner und Schildere! des deutschen Theaterivcsens. Die Shakespeare-Forschung ver­liert in Rudolf GenHe einen Mann, der mit begeisterter Hin­gabe für die Popularisierung des Dichters in Deutschland sich einsetzte.

In G r o ß - F l o t t b e k bei Hamburg ist gestern der Nestor der deutschen Dichter, Heinrich Zeise, im 92. Lebens­jahre gestorben. Zeise sehnte bereits seit längerer Zeit den Tod herbei, da er in den letzten Jahren taubstumm geworden war, zu dem zuletzt noch Erblindung getreten war.

Bildende Kunst und Musik.Die Liebe der drei Könige", eine dreiaktige Oper von San Benelli mit der Musik von I. Montazzi, erlebte gelegentlich ihrer Erstauf­führung an der New D o r k e rMetropolitan-Oper" einen durchschlagenden Erfolg.

Bei dem ersten seit der Thronbesteigung der Groß- herzogin Maria Adelheid befohlenen Hofkonzerte in Luxe m- b u r g wurde Dr. Karl Ludwig Lauen st ein (München), dem bekannten Konzertsänger, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Adolfs von Nassau verliehen.

Die Pariser Große Oper hat für die ersten P a r s i f a l"-Ausführungen nicht weniger als 222 87g Franken eingenommen. Damit hatParsifal" den. Rekord für alle Einnahmeziffern bei Opern in Paris bei weitem ge­schlagen.

Wissenschaft und Technik. In Paris wählte die Aku- demic der Wissenschaften dev Träger des Nobeipreiies für Physiologie, Professor R ich et, zum Mitglied.

Professor Dt- Zeller in Stuttgart hat aus Anlaß des am 22. Januar bevorstehenden 100 . Geburtstages seines Vaters, des vor vier Jahren verstorbenen Philosophen Eduard Zeller, der Berliner Universität eine M a r m o r b ü st e des Verewigten gestiftet, eine Nachbildung, der von Schatcr geschaffenen Zellerbüste am Denkmal Kaiser Friedrichs in Berlin.