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«eae 4, 1 Matt. Wiesbadener TagblM»

Sport NNö Spiel.

Wintersport.

sr. Internationales Eiswettlanfrn in Davss. Der

Norweger Mathiesen (Christiania), der schon tags zuvor den 600-Meter- und den 5000-Meter-Weltrekord verbessert hatte, schuf auch im 1SOO-Meter-Schnellaufen einen neuen Welt­rekord, in dem er seinen eigenen Rekord von 2 Min. 20% Sek. auf 2:17,2 herabdrückte. Zweiter wurde Franz (Christiania) in 2:24,2, vor Bohrer (Klagenfurt). Das 10- Kilometer-Rennen sah ebenfalls Mathiesen in Front, der die Strecke in 17 Min. 68 Sek. zurücklegte. Im Klassement siegte Mathiesen vor Franz (Christiania), Bohrer (Klagenfurt). Im internationalen Herren-Juniorenkunstlaufen erzielte Vogel (Berlin) einen Erfolg. Das Damenkunstlaufen holte sich die deutsche Meisterin Frl. Frenssen (Berlin) knapp gegen Frl. Rolle (Berlin). Mit Herrn Vogel als Partner wurde aber Frl. Frenssen dann rn der Paarlauf-Konkurrenz von der öster­reichischen Mannschaft Frl. Szabo-Herr Horwitz geschlagen. Im internationalen Walzerwettbewevb starteten 7 Paare. Das englische Ehepaar Linnet (Davos) siegte vor Frau Dr. Frantzen-Georget.

st. Die Skimeisterschaft der Schweiz wurde zum sechsten- mal in Pontresina ausgetragen. In der Meisterschaft, die über 16 Kilometer führte, siegte unter 26 Konkurrenten der Norweger Udbye in 1:14:11 vor Simonsen (St. Moritz).

st. Der Teufeldpokal in Oberhof, ein Bobsleighrennen über 4000 Meter mit zwei Abfahrten, wurde von dem bekann­ten BobSturmvogel" mit dem Führer Paul Gebhardt und dem Bremser SteWrink (Berlin) dem bekannten Renn­fahrer mit der Gesamtzeit von 4 M. 32,3 Sek. gewonnen.

st. Die Skrmeisterschaft von Sachsen führte über eine schwierige Strecke von 16 Kilometer und wurde in der brillan­ten Zeit von 1 Stunde 1 Min. von dem Amerikaner Smith (Dresdener Skiklub) gewonnen.

sr. Die Rodelmeisterschaft von Thüringen für Ein- und Zweisitzerrodel wurde auf der 1000 Meter langen Rodelbahn in Brotterode i. Th. entschieden. Sieger blieb Bischofs (Gotha) in 1 Min. 49% Sek. vor Oskar Böhme (Brotterode).

sr. Beim Wintersportfest in Schierke siegte im Einsitzer- Rodelrennen für Herren O. Aßmann (Fahrenberg) in 49 Sek. vor Hauptmann Pfingst (Minden) Das Damen-Rodelrennen gewann Frl. A. Wenkler (Schierke) mit 49% Sek. vor Frau v. Glebe (Hamburg). Im Bobsleigh-Rennen für Senioren über zwei Bahnen siegte BobMeteor" (Lenker: Braun-Ham­burg) in der Gesamtzeit von 4 Min. 21,4 Sek. vor Bob Faust". Der Militärdauerlanf über 10 Kilometer fiel an A. Väterle (Schierke) mit 63 Min. 34% Sek. Im internatio­nalen Sprunglauf erzielte Müßig (Braunlage) mit einem ge­standenen Sprung von 22,5 Meter die beste Leistung.

*

sr. Die Hallen-Lawntennismeisterschaften von Deutsch­land erreichten am Sonntag in Bremen ihren Abschluß. Die Meisterschaft im Herren-Einzelspiel errang Bergmann (Dresden) durch seinen Sieg von 6:1, 2:6, 6:1 über den vor­züglichen dänischen Spieler Waagepetersen. Die Damen- Meisterschaft von Deutschland fiel erwartungsgemäß an die vorjährige Siegerin Frl. M. R i e ck (Hamburg), die Frl. Koch leicht 6:3, 6:1 abfertigte. In der Meisterschaft im gemischten Doppelspiel blieben Frl. M. Rieck-William mit 7:5, 7:5 über Frl. Koch-Kleinschmidt siegreich.

Oie Wetterlage.

Im Schneesturm gescheitert.

* Paris, 18. Jan. Wie aus Cette gemeldet wird, hat sich dort gestern abend ein schweres Schiffsunglück ereignet. Die kleine DagtpferschaluppeMarguerite-Marie", auf der sich 15 Mann Besatzung befanden, scheiterte in einem furchtbaren Schneesturm. Die Rettungsboote wurden über Bord gespült. Die drahtlosen Hilferufe des Dampfers wurden von keinem Schiffe ausgenommen. Der Kapitän besckloß im Augenblick der höchsten Not, die ganze Besatzung rn das noch übrigge- bliebene Rettungsboot steigen zu lasten und auf diese Weise zu versuchen, die Küste zu erreichen. Infolge des hohen Wellenganges schlug das Boot um. Neun Personen er­tranken; die übrigen sechs mutzten sich mehrere Stunden lang in dem eisigen Wasser an dem Rettungsboot festklammern, bis zufällig ein schwedischer Dampfer vorüberkam, der die Schiffbrüchigen aufnahm.

Der strenge Winter in Spanien.

* Madrid, 18. Jan. Die Kälte dauert mit solcher Heftig­keit fort und die Schneefälle sind derart stark, daß der Ver­kehr im ganzen Land außerordentlich leidet. Aus den ver­schiedensten Provinzen laufen beunruhigende Nachrichten ein. Eine Anzahl Dörfer sind durch einen Schneewall von der Außenwelt abgeschnitten. Über das Schicksal der Bewohner, ist man sehr besorgt. Auf Feldern fand man die Leichen er. fror euer Arbeiter. Während in Madrid die Tempe­ratur 10 Grad unter Null betrug, war sie in Saragossa sogar auf 19 Grad gesunken. Seit langem hat man eine derartige Kälte nicht erlebt. In Madrid sind die Wege nach den Fried­höfen durch den Schneefall so unwegsam geworden, daß der normale Bestattungsdienst vollständig versagte und Auto­mobile zur Hilfe genommen wurden. Durch Ausgleiten in­folge des Glatteises erlitten 36 Menschen schwere Ver­letzungen, ferner ist eine Frau erfroren,

Sturmschäden an der Schwarzen Meer Küste.

wb. Odessa, 18. Jan. Ein seit zwei Tagen wütender Sturm hat in den Häfen ernsten Schaden angerichtet. Der Schutzdamm des im Bau befindlichen Getreidehafens ist zer­stört, so daß der Hafenbau eine Verzögerung erleiden wird. Die Dampfer konnten nicht in See stechen. Mehrere Schiffe stießen zusammen, da die Verauungen rissen. Die Eisen­bahnzüge treffen mit großen Verspätungen ein.

Neues aus aller Welt.

Die rodelfreundliche Polizei. Jena.>9. Jan. Daß es lick in der INusenstadt Jena an der Saale immer, nochbene" lebt zeigt eine anläßlich der jüngsten Schneefalle erlassene Bekanntmachuna der Polizeiverwaltung, wonach eine frühere Verordnung über das Verbot des Rodelns auf den Straßen, Weaen und Plätzen der Stadt aufgehoben wird.. Nur für vier Straßen die besonders, stell und belebt sind, wird das Verbot auftechterhalten undübermäßiges Lärmen" mrtersagt. Auch wird das Tragen der Rodelschlitten auf Fußwegen und Bürgersteigen gestattet, soweit nicht der Verkehr erheblich be­einträchtigt wird. ., _ .... _

117 Jahre alt. Breslau. 19. Jan. Die älteste Per­son in ganz Deutschland durfte eine Frau Johanna Schtzdlo sein, tue seit langen Jahren bei dem Häusler Kalla in Schimisckow, Bezirk Groß-Strehlitz Oöerschßesien. wohnt und

' von Gnademmterstützungen ihr Leben fristet. Die Grersm ist im Jahre 1797 in Oberwitz geboren und nach Ausweis der Kirchenbücher im gleichen Jahre in Jlschona getauft worden, mithin 117 Jahre alt. Immer noch körperlich und geistig ge­sund, weiß sie von den Kriegszeiien und ihren eigenen Lebens- schicksalen recht anschaulich zu erzählen und besindet sich in ihrer Umgebung recht wohl. Obwohl man wußte, daß man es mit einer recht alten Frau zu tun hat, ist es doch erst setzt ge­lungen. ihren Geburts- und Taufort an der Hand der Kirchen­bücher, zweifelsfrei festzustellen.

Eine Riesenschlange als Hilfsmittel zum Diebstahl? München. 18. Jan. Ein sensationeller Juwelendiebstahl ist m einem hiesigen vornehmen Hotel durch die Wachsamkeit des. Bedrohten verhindert worden. In dem Hotel wohnte seit einigen Wochen ein reisendes englisches Ehepaar, das Juwelen mt Werte von einer halben Million Mark mit sich führte. Der Engländer schöpfte Verdacht auf einen in demselben Hotel wohnenden Skandinavier und dessen in einem benachbarten Hotel abgestiegenen russischen Freund; er glaubte aus ihrem Benehmen schließen zu müssen, daß sie. etwas gegen ihn im Schllde führten. Er benachrichtigte daher die Polizei, die die beiden fremden verhaftete. In dem Badezimmer des Russen fand man eine Riesenschlange, deren sich die beiden Hoch- unzweifelhaft bei dem geplanten großen Juwelen- drebstahl bedienen wollten. Wächter des Tierparkes Hellabronn fmgen dm Schlange mühelos ein. Jedenfalls wollten die beiden w Opfer mit der Schlange in Schrecken versetzen, um dann ungestört ihren Diebstahl auszuführen. Das englische Ehe­paar gab an, daß es schon seit längerer Zeit aus seinen Reisen von dem Russen verfolgt worden sei.

_. Ach besteuerte Antrittskneipe. München. 19. Jan. Ein Münchener Korps war, wie die Zeitschrift des A. T. B. meldet, für seine Semesterantrittskneipe zur Lustbarkeitssteuer herangezogen worden. Das Korps rief die Entscheidung der Regierung an. Darauf hat es die merkwürdige Antwort er- halten, daß studentische Semesterantritts- und -schlußkneipen der Steuer unterliegen, und daß deshalb die Veranlagung des Magistrats zu Recht bestehe. Das Blatt knüpft an den Be­richt über diese eigenartige Besteuerung die resignierte Be- merning: ,,So weit sind sie in Preußen noch nicht einmal."

Die enigesperrte Obrigkeit. Mergentheim. 19. Jan. Euse lustiae Geschichte wird aus Mergentheim in Württemberg Aftchtet. Ans der Durchreise nach der dottigen Wanderavbeits- statte,kamwor einigen Tagen ein Handwerksbursche durch einen

rm, Hohenloheschen und wurde wegen Bettelns vom Polizeidiener in den Ortsarrest gesteckt. An demTransport" beteiligte sich auch der Ortsvorsteher, der das Arrestlokal be­sichtigen wollte ,, Als die drei Männer den Raum betreten batten, warf plötzlich der Wind die Tür zu; Schultheiß und Polizeidiener sahen ,ich nun mitsamt dem Handwerksburschen eingesperrt. Es dauerte geraume Zeit, bis ein Nachbar ihre §?iftnife beachtete und die hohe Obrigkeit ans ihrem unfrei­willigen Gewahrsam befreite.

Cisenbahnanschläge. Brüssel. 19. Jan. In Belgisch- Limbnng ist,m der vergangenen Nacht ein Attentat ans der Eisenbahnlinie von Brec nach Grand-Brogel verübt worden. Em, Personenzug entgleiste, weil man riesige Steine auf die Schienen gewalzt hatte. Mehrere Personen wurden dabei fjjf $ x l 1 cb beriefet. Auf einer anderen Strecke waren die Schienen ausgerrssen. Der Lokomotivführer des die Strecke passierenden Zuges konnte noch im letzten Augenblick bremsen, wodurch großes Unheil vermieden wurde.

Deutscher Reichstag«

Der Etat des Herrn OelbrüÄ.

8 Berlin, 19. Jan. (Erg. Dvahlbericht) Der Reichs- tag . begann haute seine Arbeit damit, daß er die Be­schlüssen der vorigen Sitzung, wonach die Debatte über dEN. EWt des Reichsamts des Innern in eine sozial- polltrsche und eine wirtschaftliche geteilt werden sollte, wreder aufhob. Der Grund ist, daß die einzelnen Redner auf die Zweiteiligkeit nicht vorbereitet waren. So wird die Diskussion noch einmal kunter­bunt durcheinandergehen, wie Herr Scheidemann be­merkte, auf dem Wege von der Maul- und Klauenseuche bis zu dem Berliner Polizeipräsidenten! In der fortgesetzten Beratung des Delbrückschen Etats hagelte es Zahlen, Anregungen, Beschwerden, Wünsche und For- üerunaen. Was der behäbige Nation-alökonom des Zentrums, Dr. Mayer- Kaufbeuren, sagte, war nicht neu, aber vielerlei und akademisch trocken. Die Ehe des Fiskus mit dem schwarzen Kohlensyndikat gefällt ihm nicht, ober das Petroleummonopol wäre erst recht eineKonzession an LenStaatssozialismus. Also verwarf Herr Mayer diese Uvgreuel in die Wolfs- schlucht. Der Pferdefuß seiner Beredsamkeit aber war: Das Lued des Schutzzolls. Dann mußten die natio- nallrberalen Parteifreunde des Herrn Peinath eine Rede Haren, während der sogar Herr Groeber, der vor­her mit wenigen Kollegen den Offenbarungen des Er­korenen von. Kaufbeuren lauschte) aus dem Saale ver­schwand. Herr Peinath hat noch mehr Wünsche als sein Vorredner, aber er ist ein Optimist des goldenen Mittel- Weges und freut sich herzlich darüber, daß Deutschland immer starker wird und unser Außenhandel denseniqen Englands erreicht hat. Herr v. Gräfe, der Konser­vative, hat andere Ansichten und andere Wünsche; was er verlangt, gipfelt in dem einen Satz:Schluß mit der SozmlpRitrk!" und seine Rede ist eine Rede über das Themader vollen Kompottschüssel". Besonders hübsch nimmt sich Herr n. Gräfe als Fürsprecher der Freiheit aus: Weil die Sozialdemokraten das Recht auf freie

Organisation verlangen, so sagt er, müsse sie für den konservativen Antrag auf Schutz der Arbeitswilligen stimmen, -so sorgte er in der recht trockenen und lang­weiligen Debatte für einige Minuten der Heiterkeit. Herr v. Gräfe hielt die längste Rede des Tages. Für den Polen Pospiech, der über die schlechte Behandlung der. Polnisch sprechenden Arbeiter in Oberschlesien Klage führte, blieb nur noch ein knappes Vrertelstündchen.

Sitzungsbericht.

Eiaencr Drahtbericht desWiesbadener Tagblatts".

» Berlin, 19. Januar.

Am Bundesratstisch: De. Delbrück, Unterstaatssekretär Richter, Ministerialdirektor Dr. Caspar.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2,18 Uhr.

Die zweite Lesung zum

Etat des Reichsamts des Innern

wird fortgesetzt.

Es liegen hierzu bis jetzt vier Resolutionen vor.

Zur Geschäftsordnung bantragt Abg- Bassermann (natl.), die Beschlußfassung vom Samstag wieder aufzuheben, wonach die Debatte in eine sozialpolitische und eine wirtschaftliche Materie getrennt werden soll. Es wäre nötig gewesen, daß sich zunächst der Seniorenkonvent mit dieser Frage befaßt hätte,

Dienstaz, 20. Januar 1914. Nr. 81.

Abg. Gröber (Zentr.): Der Grundgedanke des Antrags Gothein war zweifellos richtig. Andererseits kam er etwas unvorbereitet und zeitigte bei den Rednern erhebliche Schwie­rigkeiten. Für diesmal bitte ich, von diesem Beschluß abzu- gehen und für das nächste Jahr von vornherein eine der­artige Scheidung der Materie borzunehmen.

Abg. Scheidcmann (Soz.): Der Vorschlag Gotherns war zweifellos gut gemeint; der beste Beweis hierfür, war seine einstimmige Annahme. Differenzen stellten sich erst später heraus. Für diesmal stimme ich dem Vorschlag Bassermanns bei, bitte aber, für die Folge einen Beschluß zu fassen, daß nicht der eine über die Reblaus, der andere über Sozialpolitik spricht, und ein dritter auf dem Umweg über die Maul- und Klauenseuche zum Polizeipräsidenten von Berlin kommt. (Heiterkeit.)

Abg. Dr- Müller-Meiningen lVpt.): Auch wir sind mit dem Vorschlag Baffermanns einverstanden.

Ohne besondere Abstimmung wird hierauf gemäß dem heutigen Vorschlag die Debatte fortgesetzt.

Abg. Maher-Kaufbeuren (Zentr.): Der Rückgang der

Konjunktur zeigt sich am deutlichsten in dem erschreckenden Rückgang unseres Eisenexports und dem Rückgang des Exports von ungemünztem Golde, der im vorigen Jahre einen Höhen­rekord darstellte.

Diese Depression ist eine internationale Erscheinung und dürfte mit den Balkanereigniffen in Verbindung stehen. Neben diesem Tiefftand der Konjunktur sehen wir auch noch einen Tiefstand des Geldmarktes, und zwar nicht nur bei uns, sondern auch in England und Frankreich. Die Ausgabe der neuen preußischen Anleihe ist dabei erfreulich insofern, als sie eine Verhinderung gegen Kursverlust in sich trägt, da sie zu 97 Prozent ausgegeben und in zehn Jahren zu pari eingelöst werden soll. Eine wahre Sintflut an Kommunalanleihen ist an den Kapitalmarkt gekommen und eine weitere Steige­rung von einer Milliarde ist noch zu erwarten. Der deutsche Städtetag hätte sich mit der Frage beschäftigen sollen, wie man ohne Obligationen auskommen könnte. Der jetzige Zu­stand ist durchaus ungesund und verlangt die größte Aufmerk­samkeit der Regierung, die für die nötige Liquidität des deut­schen Marktes sorgen muß. Die Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln ist in der letzten Zeit nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar noch etwas zurückgegangen. In Fertigfabri­katen aber haben wir mehr ausgeführt als eingeführt. Unsere Wirtschaftslage hat sich bedeutend gefestigt.

Zum erstenmal war im Vorjahr unsere Handelsbilanz im Inland dem Ausland gegenüber aktiv.

Die Hauptursache liegt in der guten Ernte und der erhöhten Viehzucht. Die Theorien des Kollegen Hoff über den Rückgang unseres Viehbestandes infolge unserer Zollpolitik waren schon zwölf Tage vorher widerlegt, ehe sie ausgesprochen waren. Wenn in den Großstädten die Fleischpreise hoch find, so hat das ganz andere Ursachen und hat mit unserer Zollpolitik nichts zu tun. Viele erwarten von dem neuen amerikani­schen Zolltarif eine Erleichterung für unseren Export. Der Staatssekretär hat Anlaß, dafür zu sorgen, daß die Zoll­schikanen dort wie auch in Frankreich und Rußland verschwin­den. Eine durchgreifende Aktion der Regierung gegenüber den Vorgängen in Mexiko, die zahlreichen deutschen Geldgebern Verluste zu bringen drohen, ist nötig. Hoffentlich wird es der Regierung gelingen, allenthalben die deutschen Interessen mit Erfolg zu wahren. (Beifall.)

Abg. Keinath (natl.): Der Rückgang der Konjunktur im Vorjahr ist keineswegs katastrophal eingetreten. Er war schon längere Zeit vorauszusehen. Zu begrüßen ist es, daß das Publikum sich immer mehr an das Papiergeld gewöhnt. Da­durch wird unsere Volkswirtschaft elastischer und die zwei Milliarden in den Taschen des Publikums würden für die Allgemeinheit nutzbringender verwertet. Ein Hemmnis ist immer noch der Scheckstempel. Die Novelle zum Kaligesetz erwarten wir begierig.

Das Kaligesetz soll einer Verschleuderung der deutschen Bodenschätze an das Ausland Vorbeugen. Andererseits bedingt es aber eine gewaltige Überproduktion. Auch wir bedauern die Auswüchse der Kartelle, halten diese größten Organisationen unserer Zeit aber für notwendig, da durch sie unserer ganzen Volkswirtschaft eine größere Be­ständigkeit, die auch für alle Volkskreise und insbesondere für die Arbeiter von größter Bedeutung ist, verliehen wird. Die Behauptung, daß unsere Sozialpolitik zu einer gewissen Entnervung und Verweichlichung geführt hat, kann ich als richtig nicht anerkennen^ Unsere Sozialpolitik ist vorbildlich geworden für andere Länder, und deshalb kann sie nicht so schlecht sein. Sie hat auch große Vorteile für unsere gesamten volkswirtschaftlichen Fragen. Ich erinnere cm die Armen­pflege, an die Bekämpfung der schweren Volkskrankheiteu usw. Es muß aber größere Rücksicht genommen Weichen auf die Leistungsfähigkeit des Gewerbes und der Industrie, wenn man die Sozialpolitik noch weiter ausdehnen will. Wünsche bestehen freilich noch, die erfüllt werden können und müssen, so eine bessere Fürsorge für Wöchnerinnen, Herabsetzang der Altersgrenze bei der Altersversicherung, bessere Fürsorge für das Theaterpersonal nfw.

Die ganze Jugendpflege muß energisch gchandhcckt tverden und das Reichsamt des Innern sollte sich diese Frage sehr angelegen sein lassen. Lebhaft bedauern wir deshalb, daß die Budgetkommission den Beitrag für die olympischen Spiele abgelehnt hat. (Zustimmung.) Die Wandererfürsorge erfordert gleichfalls erhöhte Aufmerksamkeit. Wir sollten im ganzen Reiche Wanderarbeitsstätten errichten. Eine einheit­liche Bekämpfung der Tuberkulose von Reichs wegen mutz eintreten, wie wir auch hoffen, daß das Reichs- wohnungsgesetz bald zustande kommt. Zunächst wird es nötig sein, die Kreditnot des städtischen Grundbesitzes zu beseitigen. Die neuerlich erstarkten Handwerkerorganisationen begrüßen wir- ; Ohne starkes Solidaritätsgefühl müssen die staatlichen Hilfsmaßnahmen ohne Nutzen bleiben. Das Sub­missionswesen kann nur durch diese Organisation. gebessert werden. Die Landwirtschaft ist erfreulicherweise in eine etwas bessere Lage gekommen. Der Viehbestand heischt einen nicht unerheblichen Aufschwung, dagegen befindet sich der Weinbau in einem trostlosen Zustand.

Der Kalkpropagandafonds sollte auch der Förderung deS Gemüsebaues nutzbar gemacht werden.

An den Richtlinien unserer gegenwärtigen Wirtschaftspolitik halten wir fest. (Bravo!) Dann müssen wir eine möglichste Stärkung des Jnlandsmarktes herbeizuführen suchen. Die Industrie hat das größte Interesse an langfristigen Handelsverträgen und wünscht rechtzeitig zu den Ver­handlungen hinzugezogen zu werden. Der vielfache Word des