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Seite L. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.

gemeine Rückgang hält nun schon vier Jahre an; es ist daher Wohl anzunehmen, daß es sich dabei nicht um eine bloß vor­übergehende Erscheinung handelt.

Heer und Zlotte.

Schiffsnachrichten. Eingetroffen: S. M. S. „Goeben" mit dem Chef der Mittelmeerdivision am 16. Januar in Maddalena lSardinien), S. M. S. „Luchs" am 17. Januar in Macao.

Buslctnd.

Österreich-Ungarn.

Beilegung des Tarifkampfes der Setzer in Steier­mark. Graz, 17. Jan. Die Mehrzahl der Buch­drucker Steiermarks hat den erhöhten Setzer- taris angenommen, womit der Tariskampf in Steiermark für beendet anzusehen ist.

Frankreich.

Ein neues Komplott gegen Scherif-Pascha. Paris,

18. Jan. Im Verlaufe der Verhandlungen über das Attentat im Hause Scherif-Paschas hat die Polizei er­mittelt, daß eine Schar Jungtürken, die sich sämtlich gegen das Leben von Scherif-Pascha ver­schworen hatten, in einem Hause des lateinischen Vier­tels .eine Versammlung abhielt, in der ein neuer Plan zur Ermordung Scherifs beschlossen wurde. Sie Dollten Scherif-Pascha auflauern und bei seiner Ausfahrt ein Feuer aus einem gemieteten Automobil eröffnen. Die Polizei ist bemüht, die Urheber und Teilnehmer dieses Komplottes ausfindig ru machen.

Des „Figaro" Hetze gegen Caillanx. w. Paris,

19. Januar. Der „Figaro" kündigt an, daß er morgen mit der Veröffentlichung von Mitteilungen be­ginnen werde, in welchen die „unheilvolle Rolle" Caillaux' bei den Ereignissen gekennzeichnet werden solle, die der Ent­sendung des Kanonenbootes „Panthe r" nach A g a d i r dorangegangen seien.

Portugal.

Ernste Lage infolge des Eisenbahnerstreiks. Madrid, i9. Januar. Hier angekommene Reisende aus Portugal erklären, daß in Lissabon und anderen Teilen des Reiches ernste Unruhen ausgebrochen sind, da die Eisen­bahngesellschaften sich weigern, den Streikenden die geringsten Zugeständnisse zu machen. Unter den Streikenden selbst be­finden sich zahlreiche Anarchisten, die bemüht sind, die Er­bitterung weiter zu schüren. In zahlreichen kleinen Orten Portugals ist man von der Außenwelt vollkommen abge­schnitten. Auch die Administrationsbeamten der Gesellschaften haben sich jetzt dem Streik angeschloffen. Der gesamte postalische Verkehr ist unterbunden. Zahlreiche Telegraphenbeamte haben die Apparate zerstört. In der Um­gebung von Lissabon sind sämtliche Telephon- undTelegraphen- leitnngen durchschnitten worden. Gestern wurden drei An­schläge auf die sogenannten Kundschafterzüge ausgesührt, bei denen jedesmal erheblicher Materialschaden angerichtet wurde. Bei Dafra ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei gekommen. In Oporto wurden 34 Streikende, die die Schienen kilometerweit aufgerissen hatten, verhaftet.

Türkei

Der Rückkauf des „Dramo". Konstanti nopel, 18. Jan. Die Verhandlungen zwischen der türkischen und italienischen Regierung über den Ankauf eines Panzerkreuzers sind zum Abschluß geführt worden. Die italienische Regierung hat sich einverstanden er­klärt, den Panzerkreuzer „D r a m o" an die Türkei Herauszug eben. Er war bei einer italienischen Werft vor Ausbruch des türkisch-italienischen Krieges bestellt worden, wurde jedoch von der italienischen Re- gierung beschlagnahmt und auf den Namen „L y d i a" umaetauft.

Mittelamerika.

Englische Differenzen mit Nicaragua. London, 17. Jan. Wie das „Reutersche Bureau" amtlich er­fährt, hat die englische Regierung Nicaragua mehrmals aufgefordert, die finanziellen Ansprüche des englischen Publikums zu befriedigen, jedoch hat sie letzthin keine besonderen Schritte unternommen. Der englische Ge­sandte befindet sich gegenwärtig i n Guatemala.

kann sie auch die Heimat nicht ersetzen, hilft doch hinweg über trübe Gedanken, sie stärkt und erhält Mut und Hoff- nung. ^

Vorüber ist das Fest, hinein geht's in die heiße Zone, dem Besuche unserer Kolonien in Mittelafrika entgegen. Als letzter Meilenstein am Wege nach Togo grüßt uns erhaben von fremd gewordener Küste die Ruine Grotz-Friedrichsburg beim Kap der drei Spitzen, die feste Burg, die einst branden- burgischer Unternehmungsgeist dem fremden Erdteil mit seinen feindlichen Völkerstämmen und tückischen Krankheiten aufzwang zum Schutze deutscher Kauffahrer, — ein erheben­des Zeichen vor dem Besuch unserer Kolonien.

Wäre der brandenburgische Aar nicht vorzeitig von dem Ozean verschwunden, so möchte wohl Groß-Friedrichsburg heute eine deutsche Feste sein. Was hat Deutschland unter dem Zwange seiner inneren und seiner kontinental-euro­päischen Entwicklung nicht alles versäumt, versäumen müssen an kostbaren Gelegenheiten, Seegeltung zu erringen, durch Seegeltung Weltstellung und Weltanteil! Aber heute sind wir eine Weltmacht, dank dem Weitblick und der unermüd­lichen Ausdauer unseres Kaisers, der uns wieder auf das völkerverbindende Meer hinauswies. _ Heute weht der Preußen-Adler wieder an westafrikanischer Küste in des Deutschen Reiches Flagge — Brandenburg-Preußen-Deutsch- lands stolzes^Wappentier: nec soli cedit. Wir aber sind be­rufen, diese Flagge hinauszutragen, hinaus zu unseren deut­schen Brüdern über See, kraftvollen Gruß der^ Heimat ihnen zu bringen: zu fremden Völkern, daß sie Deutschlands Macht, die in ehrlicher Arbeit langer Jahrzehnte nur dem Frieden gedient, vor Augen haben und würdigen können. Eine herr­liche Aufgabe für uns, Deutschlands Seeleute, und sie erfüllt uns mit Stolz und Ernst. Denn sie macht einen jeden zum Vertreter unserer geliebten Heimat, unseres stolzen Vater­landes, wenn es begeistert uns entgegcnschallt: „Deutsche

Flagge, sei gegrüßt!" W. T. B.

Wiesbadener TagN-M

Das Kröinmgss tin6 Grdensfeft.

Ordensverleihungen im Reg.-BsZirk Wiesbaden.

Es erhielten ferner: Das VeeidiensÄreuz in Silber:

Vach. Philipp, Königlicher Obergarderobier und Magazin- Verwalter in Wiesbaden. Deisemann, Eisenbahn!oiomotrv- führer in Frankfurt a. M., Felmeden. Kanzlersekretar, Kanzleiinspektor beim Amtsgericht in Frankfurt a. M., Hasselmann. Kanzleisekretar bei der Landesdirektwn m Wiesbaden, Heimke, Eisenbahnlokomotivführer in Frank­furt a. M.. Kothe. Eiseirbahnlokomotivführer in Frank­furt a. M., Lange, Ehrenbrandmeister. Hosspenglermesiter in Biebrich L o t t. Eisenlahnzugführer in Frankfurt a. M.„ Nonnenmacher, St-raßenbahnobevkontrolleur in Frank­furt a. M.. Sartor, Eisenbahnkanzleiinspektor in Mainz, S c e l i g e r . Oberwallmeister bei der Fortifikation in Mainz. V i c r o w, Königlicher Kastellan in Wiesbaden Das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens: Klein. Philipp. Bauunter­nehmer in Bad Ems. Klemm, Gendarmerieoberwachtmerster in Westerburg. Das Allgemeine Ehrenzeichen: Ber der Becke, Eisenbahnwerksührer in Frankfurt a. M-, Becker, Franz, Oberpostschaffner in Frankfurt a M.. B e st, Karl. Bruchmeister in Altendiez, Unter­lahnkreis, Born. Eisenbahnlademeister in Oberlahnstein, Bouschong, Fleischbeschauer in Niederselters, Kreis Lim­burg Braun. Römerwächter in Frankfurt a. M., Braune, Zollaufseher in Frankfurt a. M., Brühl, Bürgermeister m Dexbach, Kreis Biedenkopf. Dobitsch. Oberpostschassner in Frankfurt a. M.. Elzenheimer. Bürgermeister in Atten­ham. Obertaunuskreis, Freiberg, Polizeibote .n Frank­furt a M. Gehr mann, charakterisierter Polizeiwacht - meister in Frankfurt a. M.. Gotthardt. Schutzmann m Frankfurt a. M. Griebel. Zollaufseher in Frankfurt a. M. Grün. Magazinaufseher beim Proviantamt in Frankfurt am Main. Haas. Straßenbahnschaffner in Frankfurt a M., Heinrich. Schutzmann in Frankfurt a. M., Heutz, Bürgermeister in Breckenheim. Landkreis Wiesbaden. Klein, Bürgermeister in Biebrich. Untevlahnkreis. Koch. Feldwebel in der Halbinvalidenabteilung des 18. Armeekorps, zugeteilt dem Bezirkskommando II Frankfurt a. M., Krolikowski, Strommeister in Frankfurt a. M.. M e n z . Amtsdiener in Frankfurt a. M.. N o d i Kanzleigehilfe beim Amtsgericht in St. Goar, Pabst. Eisenbahnunievassistent in St Goar, R e b m Straßenbabnschafsner in Frankfurt a. M.. Scholl, Ki chenrechner. Landmann in Miehlen Kreis St Goarshausen. T h e i s . Oberbsiefträger in Frankfurt a. M. Vorländer, Portier in Nievern. Kreis St. Goarshausen Wächter, Adam Maschinenmeister in Frankfurt a M. Wünscher, Gerichtsdiener in Biedenkopf. Ziegler, Schuldiener am Gymnasium in Dillenburg. Das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze- Wolf. Philipp. Kalksteinbrenner in Niederneisen, Unterlahnkreis.

Kus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Der Raubmord in der Iahnstratze.

Wie bereits in der gestrigen Abend-Ausgabe mitgeteilt werden konnte, war die stille, abseits dem Verkehr liegende Jahnstraße gestern vormittag der Schauplatz eines fürchter­lichen Verbrechens. Nähere Erkundigungen ergaben die fol­genden Einzelheiten:

Das Ehepaar Wendelin Schweitzer, das seit einigen Jahren in dem Erdgeschoß des Hauses Jahnstraße 5 wohnt, betreibt ein Milchgeschäft, das hauptsächlich von der etwa 50 Jahre alten Frau bedient wurde, während der seit längerer Zeit kränkelnde Mann seine Frau lediglich beim Austragen der Milch unterstützte. Die Milch bezogen die Leute von einem auswärtigen Lieferanten. Wie jeden Tag, so trugen die Eheleute auch gestern vormittag Milch aus. In der Regel kehrte die Frau eher in die Wohnung zurück als der Mann; so geschah es auch gestern. Seit etwa einer Woche wohnte ein ungefähr 25 Jahre alter Mann bei dem Ehepaar als Schlafbursche; er stammte angeblich aus Köln und gab an, er sei von Beruf Dreher. Wahrscheinlich hat Frau Schweitzer, als sie gestern morgen von ihrem ersten Geschäfts­gang zurückkehrte, dem Schlafburschen den Kaffee ans Bett gebracht; als sie sich zurückziehen wollte, hat sie der Bursche von hinten am Halse gepackt, gewürgt und sie dann mit einer Schnur erdrosselt und an einem Bettpfosten aufgehängt. Für diese Annahme spricht der Befund der Leiche, die verschiedene blaue Flecke im Gesicht und blutige Schrammen am Hals und an den Händen zeigt. Die Tat ist nach größter Wahr­scheinlichkeit zwischen 7 und 8 Uhr morgens ausgeführt wor­den. Die Leiche war bereits vollständig kalt, als der Mord

Nus Kunst und Leben.

* Aus den 'Frankfurter Theatern. Der Verfasser von „Tantrrs der Narr", der Beherrscher des klassischen Vers­dramas, kam uns am Samstag im S ch a u s p i e l h a u s mit einem vieraktigen Scherzspiel: „Schirin und Gertraude".

Flüssig, wie der Rhythmus der lustigen Trochäen, in denen sich der größte Teil der Handlung abrollt, ist ihr Gang: das Graf v. Gleichen-Motiv, ausgebeutet auf seinen Gehalt an Humor und Groteske. Anders wie Schmidtbonn und seine Vorgänger, bei denen der Konflikt zwischen den beiden recht­mäßig und ehelich durch päpstlichen Konsens dem Grafen Bernhard angetrauten Gattinnen, schafft Hardt einen Gegen­satz zwischen dem Grafen, dem Manne, einerseits, und den beiden sich allzu gut verstehenden und vertragenden Frauen, der lieblichen Türkin Schirin und der^ gretchenhaften Ger­traude, andererseits. Sehr lebendig fließt die Handlung, die mit dem heimlichen Einbruch des heimkehrenden Grafen und seiner türkischen Begleiter, Schirin und Hussein, in der Burg beginnt, die uns an dem Bangen des Grafen vor der Be­kanntgabe seiner zweiten Ehe teilnehmen läßt und in einer ziemlich plötzlichen, ober geschickt motivierten Versöhnung der beiden Frauen gipfelt. Rach der ersten Freude über diese .unerhoffte Tatsache dämmert dem Grafen die Erkenntnis, daß ihm zu dem vollkommenen Glück eines „Korbhähnchens" eigentlich die Feindschaft der beiden zuträglicher gewesen wäre. Diese herbeizuführen, müht sich der Graf nun im letz­ten Akt durch Simulieren eines tödlichen Unfalls, muß aber, nachdem sich die Frauen an seiner vermeintlichen Leiche plötz­lich in die Haare geraten sind, wahrnehmen, daß sich Schirin und Gertraude ebenso plötzlich versöhnen und nun ihren Zorn und die Eifersucht auf eine dritte, seine hübsche Base Ursula, gemeinsam über ihn ergießen. Ein artiges Stücklein, das von Künstlerhand über den vielleicht ein wenig seichten Inhalt hinausgehoben, von den Darstellern mit Bühnenleben erfüllt wurde. Herr O d e m a r als der in der türkischen Ge-

Dienstag, 30. Januar 1914. _ Nr. 81.

von dem heimkehrenden Ehemann entdeckt wurde. Nach einer anderen Version soll Frau Schweitzer, als sie von ihrem Morgengang zurückkehrte, den Schlafburschen beim Aus­räumen ihrer Möbel überrascht haben und dabei ermordet worden sein. Wie dem auch sei, das unterliegt kaum noch einem Zweifel, daß nur der Schlafbursche als Mörder in Be­tracht kommt. Er ist seit gestern früh verschwunden. Daß er es außerordentlich eilig hatte, fortzukommen, geht aus oem Zustand hervor, in dem sich die Wohnung befand. Alle Behälter waren durchwühlt. Eine Kommode hat der Täter mit einem Stemmeisen zu erbrechen versucht; er wußte ge­nau, daß sich in dem Möbelstück ein größerer Geldbetrag be­fand, der demnächst an den Milchlieferanten abgeführt wer­den sollte. Der Kaffee war unberührt, die Lampe nieder- gebrannt; einige seiner ziemlich wertlosenKleidungsstücke lagen in seinem Zimmer zerstreut umher. Dem Raubmörder fiel nur ein Barbetrag von 200 M. in die Hände; Sparkassen­bücher und andere Sachen von Wert ließ er absichtlich liegen; möglich ist auch, daß er sie in der Eile übersehen hat. Sämt­liche Schlüssel hat der Mörder, der beim Fortgehen die Woh­nung verschloß, an sich genommen.

Die Mordkommission der Polizei sowie der Erste Staatsanwalt Hagen und sämtliche Polizeikommissare weil­ten alsbald nach der Entdeckung des Mordes längere Zeit an dem Tatort. Die Ermittlung des flüchtigen Schlaf­burschen gestaltet sich außer ge wöhnlrch schwierig, da er nicht polizeilich angemeldet und auch im Hause noch so gut wie unbekannt gewesen ist. Nur die Ermordete soll, wie der Ehemann Schweitzer behauptet, den Namen des Burschen gewußt haben. Das Signalement des mutmaß­lichen Mörders wurde, so weit es durch Befragen der wenigen Leute, die ihn gesehen haben, festgestellt werden konnte, von der Kriminalpolizei sofort in alle Richtungen telegraphiert, so daß immerhin die Hoffnung besteht, daß die Festnahme des Unbekannten gelingt, der übrigens schwerlich aus Köln stammi und Dreher ist. Die Kriminalpolizei nimmt vielmehr an, daß man es hier mit einem Verbrecher zu tun hat, der nicht zum erstenmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist und daher seine Umgebung über seine Person im unklaren ge­lassen hat. Bemerkenswert ist auch, daß er sich fast den ganzen Tag über im Bett aufgehalten hat; den Hausbewohnern soll das merkwürdige Benehmen des Burschen bereits ausgefallen sein. Die Vermutung liegt nahe, daß er sich schon mit bösen Absichten trug, als er sich bei den Eheleuten Schweitzer ein­mietete.

Nachträgliches zum §all Hopf.

Es ist nicht unsere Absicht, noch einmal eine Darstellung des Frankfurter Giftmordprozesses zu geben, über den in den letzten Tagen mit ziemlich ausführlicher Weise berichtet wor­den ist. Der Staatsanwalt hat den Prozeß den sensationell­sten genannt, der je in Deutschland geführt worden sei. Das ist er, denn die Art, wie der Angeklagte Hopf seinen Opfern nach dem Leben trachtete, steht in der gerichtlichen Medizin bis jetzt einzig da. Giftmörder hat es immer gegeben, aber der Giftmörder, der lediglich des Geldes wegen seine nächsten An­gehörigen nacheinander hinmordet oder hinzumorden versucht, ist glücklicherweise eine sehr seltene Erscheinung, und der mit Bazillen arbeiteside Mörder ist überhaupt ein Novum. Hops wurde, abgesehen von dem Fall seiner dritten noch lebenden Frau, in dem er unter dem Zwang der Verhältnisse ein Ge­ständnis ablegte, auf Indizien hin verurteilt. Die Indizien sind allerdings so überzeugende, daß man nicht' berechtigt ist, an der Richtigkeit des Spruches der Geschworenen, die dem Angeklagten das Recht zum Leben absprachen, zu zweifeln. Auf Mord ruht die Todesstrafe; macht der Landesherr nicht von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch, so wird das Leben des Giftmörders Hopf auf dem Richtblock enden. Als prinzipielle Gegner der Todesstrafe haben wir den Wunsch, daß der Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt werden möchte; wir gestehen aber, daß es in diesem Falle schwer hält, in der Person des Missetäters selbst etwas zu finden, was sich gegen die Vollziehung der Todesstrafe ver­wenden läßt.

Wer den Prozeß Hops verfolgte, dem ist sicher dreierlei ausgefallen: erstens die verhältnismäßige Leichtigkeit, mit der

fangenschaft angemästete Graf spielte mit seinem köstlichen und.fein nuancierten Humor, Gertraude (Frl. Wulff) war voll Temperament und lieblicher Schalkheit, Frl. Fuchs (Schirin) hätte nach unserem Empfinden der Türkin etwas weniger kindliche Naivität und etwas mehr orientalisches Temperament leihen dürfen, Herr Kallenberger als alter Hofvogt _ Gottlieb übertrieb die Trottelhaftigkeit der Rolle ein wenig, Herr Ebelsbacher als Diener Hussein war jeder Zoll ein Sarazene. -Die Regie lag zum erstenmal in Händen des Dramaturgen vr. W e i ch a r d t und sorgte für eine abgerundete milieuechte Darstellung. — In der Oper macht „P a r s i f g öer am Sonntag zum vierten- mal in Szene ging, andauernd volle Häuser; die Frankfurter Aufführung, die sich in bezug auf Inszenierung frei von der Bahreuther Schablone hält und in mustergültiger Besetzung gegeben wird, darf als eine der besten im ganzen Reich ange­sprochen werden. _j.

Kleine Chronik.

Bildende Kunst und Musik. Aus Berlin wird uns be­richtet: In der vierten „Parsifal"-Aufführung des Königl. Hoftheaters hatte Herr Michael Bohnen, der erste Bassist der Wiesbadener Hofoper, die Partie des „Gurnemanz" über­nommen. Die vornehm geschulten, prächtigen Stimmittel dieses Künstlers und seine feinempfundene Auffassung und Durchführung der Partie erregten berechtigtes Aufsehen. Der Generalintendant Exzellenz Graf v. Hülsen hat denn auch den Künstler sofort unter den glänzendsten Bedingungen für Berlin engagiert, sobald sein Wiesbadener Vertrag abge­laufen sein wird. Gleichzeitig erhielt Herr Bohnen, der auch in den - nächsten Bahreuther Festspielen Mitwirken wird, ver­lockende Anträge nach London und New Dork, denen er eben­falls Folge leisten wird, da das Berliner Engagement ihm all­jährlich einige Monate Urlaub gewährt. Noch im Lauf dieser Saison svll Herr Bohnen in Berlin in einigen seiner Haupt­partien gastieren.