Einzelbild herunterladen
 

Seite & Abend-Ausgabe, 1 Blatt. Wiesbadener Tagdiatt. Montag, 19. Januar 1914. Ar. sv.

— „Tagblatt"-Sammlungen. Dem „Tagblatt" - Verlag singen zu von Frau M. M. für Kohlen für Arme 20 M.; von A. B. für die Schrrppenkirche 5 TI.

— Ordensverleihung. Dem Eisenbahnweichensteller a. D. Nauheimer zu Flörsheim wurde das Allgemeine Ehren­zeichen, dem Vorarbeiter H o f m a n n daselbst das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze verliehen.

Musik- und Vortragsabende.

* Kurhaus. In der Orgel-Matinee am Sonntag ließ sich der Kölner Organist Herr Ferdinand Schmidt hören, dessen Art der Behandlung des gewaltigen Instru­ments von tüchtigem Studium zeugte. Herr Schmidt besitzt Sinn und Verständnis für die klanglichen Wirkungen und dynamischen Feinheiten der Registrierung und verfügt über eine sehr ansehnliche Manual- und Pedaltechnik. In Bachs „Toccata und Fuge" (C-Dur) bekundete er hinreichendes Stil­gefühl und lebendige Auffassung, ohne sich in moderne Effekt­hascherei zu verlieren. In einer von ihm selbst komponierten „Passacaglia und Fuge" (D-Moll) bezeigte Herr Schmidt gründliche theoretische Kenntnisse und anerkennenswerte Be­herrschung der Form; namentlich machte sich auch in der ab­schließenden Fuge ein nicht alltägliches kontrapunktisches Ge­schick und im Vortrag ein geübter Klangsinn benierkbar. Der Konzertsänger Herr Ferdinand Kolb brachte mit ansprechen­der Tenorstimme, die besonders in der Mittellage durch natür­liche Wärme erfreut, die Arie „Confutatis" aus dem Requiem von Verdi zu Gehör, und des weiteren einige Lieder von Beethoven, Dvorak usw., die im Ausdruck eine lebendige Empfindung verrieten. Das Publikum war nicht sehr zahl­reich erschienen, spendete.aber freundlichen Beifall. — Im nachmittags stattfindenden Sinfoniekonzert wieder­holte das Kurorchester unter Herrn Musikdirektor Schurichts Leitung die neulich zum erstenmal ausge­führte „Ballett-Suite" Op. 130 von M. Reger, ohne indes auch diesmal die Zuhörer nachhaltiger für das Werk erwärmen zu können. Einen glänzenden und berechtigten Erfolg erzielte Herr Konzertmeister Adolf Schiering mit dem Bruchschen Violinkonzert. Sein Spiel sprach durch seelenvollen Ton und natürliches Musikgefühl unmittelbar zu Herzen, und so wurde dem beliebten jungen Künstler, der sich auch in technischer Hinsicht als sehr talentiert bewährte, eine höchst ehrenvolle Aufnahme zuteil. Der Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. . -n.

aus dem Landkreis Wiesbaden.

zur Verhandlung: Schreiben des „Turnvereins" um Über­nahme der Kosten, welche aus der Versetzung des Geräte­häuschens von dem seitherigen Turnplatz auf dem Platz hinter der neuen Schule entstehen. Bekanntlich mutz der Turnverein seinen Turnplatz, den er von dem Beigeordneten Heinrich Fischer gepachtet hatte, räumen, da die Gemeinde dieses Grundstück käuflich erworben hat, um eine Freibank, Gerätehalle usw. darauf zu errichten. Die Gemeinde soll, da der Turnverein die Geräte den Schülern unentgeltlich zur Verfügung stellt, die Versetzung des Gerätehäuschens nach denk neuen Platze übernehmen. Dieser Punkt wird vertagt, da noch Offerten iiber die Höhe der Kosten eingezogen werden sollen. Der 2. Punkt betrifft ein Schreiben des Kgl. Kreisarztes, wonach der E n t w ä s s e rum g s k an a l in der Taunusstraße verlängert werden soll, damit die Abwasser (Badewässer, unseres Krankenhauses abgefuhrt werden können. Aus triftigen Gründen wird die Anlage dieses Kanals abgelehnt und soll der Krankenhausverwaltung auf- aegeben werden, eine genügend große Grube anzulegen, worin diese Art Abwässer ausgenommen und von Zert zu Zech ent­leert werden können. Die Nachprüfung der Gemeinde­rechnung von 1912 sowie die dazu gehörigen Belege nebst den dazu gemachten Bemerkungen werden zur Kenntnis ge­bracht. Die Holzversteigerungen vom 17. Dezember v. Js. tm Distrikt „Vorderer Ärücher" mit einem Erlös von 3691,03 M. und am 10. d. M. mit einem Erlös von 8882,96 M. werden genehmigt. Auf ein Schreiben des Königl. Konsistoriums zu Wiesbaden wegen der dauernden Verbindung des Schul- u n d O r g a n i st e n d i e n st e s mit der ersten und zweiten Lehrerstelle wird beschlossen, die Verbindung des Schul- und Organi-stendienstes mit der ersten Lehrerstelle auf die Amts­dauer des gegenwärtigen Stelleninhabers, und zwar vom 1. April 1914 ab mit 268,70 M. zu genehmigen; bei einer Neubesetzung dieser Stelle soll eine anderweitige Regelung erfolqen. Der 2. Lehrer erhält vom 1. April 1914 ab eine Vergütung von 200 M. Um der Spatzen plage zu steuern, werden für jeden toten Sperling 2 Pf. aus unserer Gemernde- kaffe gezahlt.

Naffauischs NÄchmchten.

Die sparende Post.

Die Kaiserliche Oberpostdirekiion in Frankfurt (Main) schreibt uns: „Die Angaben im Artikel „die sparende Post"

Ihres Blattes Nr. 23 vom 15., daß seit dem 1. Januar die zweite Bestellung der Landorte während des ganzen Winters aufgehoben worden sei, sind nicht zükreffend. Beim Postamt in Hachenburg (Westerwald) wie auch bei anderen Post- «nstalien sind die Landortc vorübergehend nur einmal täglich bestellt worden, weil die Wege wegen starken Schneefalls oder Glatteis schwer zu begehen waren und die Durchführung einer täglich zweimaligen Landbriefbestellung infolgedessen unmög­lich war. Hierbei hat es sich aber nur um vorübergehende, ausschließlich durch die Witterungsverhältniffe bedingte Maß­nahmen gehandelt." Um so besser!

aus der Umgebung.

v. Frankfurt a. M., 17. Jan. Auf Einladung der Han­delskammer Frankfurt a. M. wird der Kaiserlich Russische Hofrat Dr. A. von Marko w, Beamter für besondere Auf­träge des Kais. Ruff. Finanzministeriums, mit Genehmigung des russischen Finanzministeriums einen Vortrag über „Rußlands Finanzen, Geldmarkt und Eisenbahnwesen" am Samstag, den 24. Januar, abends 7 Uhr, im großen Börsen­saal halten. Der Vortrag ist öffentlich und kostenfrei. — Der kürzlich verstorbene frühere Bürgermeister von Frank­furt Dr. Heussenstamm hat der Stadt eine Stiftung von 160 000 M. vermacht für wohltätige Zwecke ~hd. 19. Jan. Im Ostbahnhof entgleisten in der Nacht vom Samstag auf Sonntag zwei Wagen, die u m st ü r z t e n und ein H-aupt- geleise nach Mainkur einige Zeit sperrten. Verletzt wurde niemand.

in. Binnen, 18. Januar. Die Stadtverordnetcn-Ver- sammlung faßte den Beschluß, die 1912 er Weine der Stadt, insgesamt 12 Halbstück, gelegentlich der Weinver- iteiaerung des Brnger Winzervereins am 30. Marz mit zu versteigern. _

Koblenz, 18. Januar. Die durch das unfreiwillige

"i c i ii u, c u » ui u/uu'ui,

des ersten altkatholischen Bischofs Dr. Reiuckens.

v. Neuwied, 19. Jan. Auf dem Romersdorfer Weiher der Gladbach brachen gestern die beiden Sühne des Schniiedc- meisters Fink aus Gladbach im Alter von 12 und 13 Jahren

beim Schlittschuhlaufen im Eis ein und er­tränke n. Bei dem Versuch, sie zu retten, geriet ein 17- jähriger Bursche namens Schlemmer ebenfalls unter das Eis und büßte gleichfalls sein Leben ein.

wb. Gießen, 19. Fon. Im Alter von 83 Jahren ist heute früh der langjährige Lokalredakteur des „Gießener Anzeigers" Ernst Heß gestorben. — In Gegenwart des Vizepräsidenten Or. v. Glasenapp und zahlreicher Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden wurde hier das soeben fertiggestellte Ge­bäude der neuen R e i ch s b a n k st e l l e, das mit einem Kostenaufwand von 250 000 M. erbaut wurde, feierlich einge­weiht.

Sport und Spie?-

* Pferderennen zu Nizza, 18. Jan. Prix du Conseil Cen­tral. 3500 Franken. 1. E. Fischhofs Pane (Powers), 2. Pre- leudante, 3. Va Tout. 1810; 11, 13, 12:10. — Prix du Menton. 4000 Franken. 1. Jam. Hennessys L'Jmpetueux (Hawkins), 2. Mallette, 3. Papagena. 13:10. — Prix du Grande Celle de Ricx. 25 000 Franken. 1. Ch. Lenarts Scoff 2 (W. Head), 2. Montmartre, 3. Tripot 2. 46:10; 22, 29:10. — Prix des Alpes Maritimes. 4000 Franken. 1. Ch. Blanchets Fronton Basque (Roupnel), 2. Halbronnette, 8, Gendarme. 23:10; 15, 24, 22:10.

* Fußball. Die gestrigen Ligaspiele im Nordkreis er­

gaben: Sportv. Franks, g. Sportv. Wiesbaden 4:1, Offenbacher Kickers g. 93 Hanau 4:0, Frankfurter Fv. g. Ger­mania Bieber 1:1; im Westkreis: Verein f. Rasenspiele

Mannheim g. Pfalz Ludwigshaf-en 3:0, Borussia Neunkirchen g. Sportvg. Metz 3:2, Fv. Kaiserslautern g. 1903 Ludwigs­hafen 1:0, vom Schiedsrichter abgebrochen; im Südkreis: Karlsruher Fv. g. Verein f. Rasenspiele Stuttgart 1:1, Union Stuttgart g. Fkl. Freiburg 2:0, Stuttgarter Kickers g. Fkl. Mühlburg 4:0; im Ostkreis: Spvg. Fürth g. Phönix Mannheim 3:2 (Pri-Vatspiel).

* Wintersport im Taunus. Bei dem vom Hamburger

Rodelklub am Sonntag auf der Saalburgbahn veranstalteten Wettrodeln wurden im Damen-Einzelfahren: 1. Frl.

Nordwick (Homburg) 49' Sek., 2. Frl. Hufs (Homburg), 3. Frau Peitmann (Homburg); Herren-Einzelfähren: 1. Fritz Debus (Homburg) 44 Sek., 2. Walter (Frankfurt), 3. Fr. Franz (Frankfurt); Damen- und Herren-Doppelfahren:

1. Frl. Friedlieb (Homburg) und A. Hoeck (Frankfurt) 41 Sek.,

2. Frl. Grieben und O. Kreh (Homburg), Frl. Walter (Frank­furt) und A. Weimer (Usingen). — Zum erstenmal wurde am Sonntag im Taunus auf der vom Bobsleighklub „Taunus" geschaffenen Bobbahn am Feldberg ein Bob f l e i g h-P reis­fahren ausgetragen. Die vom Stockborn bis zur KanvneN- straße zwischen Hohemark und Sandplacken reichende Renn­strecke befand sich in ausgezeichnetem Zustand. Es starteten sieben Bobs, die in Zwischenräumen von 6 Minuten abgelassen wurden. Preise erhielten 1. Bob „Bube" 3 Min. 48% Sek., Lenker Schrimpf, Bremser Or. Neuerburg aus Frankfurt; 2. Bob „Bayerischer Löwe", 3. Bob „Rübezahl".

* Das Pariser Sechstagerennen hat mit dem Sieg der

französischen Mannschaft Hourlier-Comes geendet. Die Plazierung ist folgende: 1. die Fahrer Hourlier-Comes,

2. Goullet-Grende, 3. Perchicot-Egg. An sechster Stelle passier­ten die deutschen Fahrer Rütt-Lorentz. Die Zahl der zurück­gelegten Kilometer. beträgt 4228 und 950 Meter gegen 4467 und 360 Meter im vergangenen Jahre. Die Niederlage des -deutschen Paars Rütt-Lorentz ist nur dadurch zu erklären, daß Lorentz während des Schlußfliegerrennens bereits bei der 7. und 8. Runde in eine derart schlechte Position kam, daß es ihm nicht mehr möglich erschien, aus dieser Stellung herauszukom­men, und in der Entscheidungsrunde überhaupt nicht mehr mitstartete. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, wird das Sechstagerennen eine wesentliche Änderung erfahren. Bisher wird nach amerikanischem Muster dem eigentlichen Sechstagerennen, das nach -der 144. Stunde sein Ende erreicht, ein Fliegerrennen über 2000 Meter angefügt, in dem derjeni­gen Mannschaft der Sieg zufällt, die bei dem Fliegerrennen als erste das Startband passiert. Man hält dies allgemein für eine Ungerechtigkeit. Die deutsche Mannschaft' Rütt- Lorentz befand sich bei dem Pistolenschuß, der das Ende des eigentlichen Sechstagerennens verkündete, mit einer klaren Länge in der Front. Ihr hätte, wenn das Rennen damit zu Ende gewesen wäre, die Ehre des Sieges gebührt. Auch die französischen Zeitungen machen -auf diese Ungerechtigkeit auf­merksam.

Oie Wetterlage.

Tauwetter in Berlin.

wb. Berlin, 19. Jan. Trotz des am Samstag eingesetzten leichten Tauwetters waren die Seen in der Umgebung von Berlin gestern -das Ziel vieler Tausender, die sich aus der spiegelblanken Fläche dem Eissport hmgebcn konnten. Auch auf dem Müggelsee war die Eisbahn eröffnet. Ein Segel­schlitten geriet auf frischem Eise fest. Die Mannschaft mutzte auf -dem Bauche über die gefährliche Stelle rutschen und den Schlitten aus dem Wasser ziehen.

Die Kälte in Belgien.

Brüssel, 18 , Jan. In ganz Belgien herrscht eine außerordentliche Kälte, die Temperatur ist auf —13 Grad Celsius, gesunken. Auf der Maas treiben große Eisblöcke, so daß die Schiffahrt fast vollständig unterbunden ist. Bei Nämur sind bereits weite Strecken des Flusses zugefroren. Auch best Antwerpen ist die Schiffahrt bereits sehr erschwert, da zahlreiche Kanäle zugefroren sind. Im Hafeü von Ant­werpen liegen gegenwärtig 300 Schiffe fest. «

Große Schnccfälle und Verkehrsstörungen in Frankreich, wd. Paris, 17. Jan. Infolge der Schneefälle ist der Bahnverkehr hei Pcrpignan und Cerberc unterbrochen; 1200 aus Spanien kommende Reisende liegen in Cerbere fest.

Letzte Drahtbsrichte.

Zur Ordensverleihung an Oberst v. Reuter.

Keine neue „Demonstration"!

8. Berlin, 19. Jan. ' (Gig. Drahtbericht) Die Ver­leihung des Roten Adlcrordens mit der Schleife- an den Obersten v. Reuter beim gestrigen Ordensfest wird von einem Teile der.heutigen Morgenpresse lebhaft'kommentiert und als eine neue Demonstration verurteilt, die die Zabern-Agitaiion mit neuem und dankbarem Stoff versehen müsse. Von unter- richtetcr Seite wird uns jedoch versichert, daß es sich um eine neue Demonstration hier n i ch t handeln könne, vielmehr ver­sichert, Oberst v. Reuter fei einfach für die Ordensauszeich­nung, die er erhalten, an der Reihe gewesen. Die

Verleihung eines solchen Ordens an einen Regimentskom» mandeur erfolge regelmäßig nach Zurücklegung eines be­stimmten Dienstalters und sei nichts anderes als ein Zeichen der Anerkennung für einwandfreie -geleistete Dienste. Nach­dem Oberst v. Reuter im ordentlichen Militärgerichtsverfahren rechtskräftig freigesprochen worden, könne kein Grund vor­liegen, einen Offizier, dessen persönliche Ehrenhaftigkeit von keiner Seite in Zweifel gezogen werde, von der Ordensans- geichnung auszuschlietzen.

* Paris, 19. Jan. Sämtliche, französischen Blätter ver­merken heute an auffallender Stelle die Tatsache, daß Oberst von Reuter durch Verleihung des Roten Adlerordens dritter Klasse ausgezeichnet loorden ist. Es fehlen infolge der Kürze der Zeit noch Kommentare. Doch ist mit Sicherheit anzu­nehmen, daß die Pariser Presse noch ausführlich daraus zu­rückkommen wird. Bemerkenswert ist, daß die Meldung in fast allen Blättern mit Ausrufungszeiche? glossiert ist.

Eine fortschrittliche Protestversammlung in oabern.

$ Zaber», 19. Jan. (Eig. Drahtbericht) Hier fand gestern eine überaus, zahlreich besuchte Protestversammlung der Fortschrittlichen Volkspartei statt. Landtagsabgeordneter Wolf behandelte die kleinen Vorkommnisse, aus denen sich die großen Vorfälle entwickelten und betonte, daß mit ganz kleinem Entgegenkommen alle Weiterungen hätten vermieden werden können. Dir. Bruno Weil (Straß­burg) unterzog das Urteil des Kriegsgerichts -einer ver­nichtenden Kritik. Reichstagsabgeordneter R ö s-e r, Vertreter des Kreises Zabern, gab -die Schritte bekannt, die die Partei des Reichstags gemeinsam bei der demnächst zur Verhandlung kommenden Interpellation über den Fall Zabern unter­nehmen würden. Es gelangte sodann eine Entschließung zur Annahme, in der zunächst festgestellt wird, -daß die Be­ziehungen zwischen Bürgerschaft und Heer bis zum Ein­treffen des Obersten v. Reuter durchaus ungetrübt: waren. Die Versammlung stellt fest, daß am Abend des 28. November vor dem Eingreifen -des Militärs keine An­sammlungen von Menschen stattgefunden haben und daß nicht der allergeringste Anlaß zum Eingreifen des Militärs vorlag. Die Versammlung protestiert gegen den von reaktionären Elementen unternommenen Versuch, auf Grund unzureichender Feststellung des Kriegs- richts Zabern als aufrührerische Stadt und die Be­völkerung als reichsfeindlich hinzustellen.

Der Reichstag im Zeichen der bevorstehenden Zabern- Jnterpcllation.

S. Berlin, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht) Der Reichstag steht bereits völlig im Zeichen der Interpellation über Zabern. Vor der heutigen Sitzung hielten die Konservativen, das Zentrum, die Fortschrittliche Volkspartei und die National­liberalen lange Fraktionssitzungen ab und die Nationalliberalen haben sogar für heute abend eine zweite Fraktionssihung einberufen. Überall bildet die Zaberner An­gelegenheit und der geplante Initiativantrag zur Regelung ber Militärgesetzgebung den Gegenstand eifriger Verhand­lungen.

Zur Beseitigung der Mitzstände im Handel mit landwird schästlichen Produkten.

8. Berlin, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht) Im Abgeord­netenhause ist heute ein gemeinsamer Antrag des Zentrums, der Konservativen und der Nationalliberalen eingegangen, der entsprechend einer im April 1913 vom Reichstag ange­nommenen Resolution den Reichskanzler ersucht, dem Reichs­tag einen dem Grundgedanken des Nahrungsmittelgesetzes nachgebildeten Gesetzentwurf vorzulegen zur Beseitigung der im Handel mit Futtermitteln, Düngemitteln und Sämereien herrschenden Mißstände.

Die neue Besolduugsnovelle.

S. Berlin, 19. Jan. (Eig. Draytbericht) Die neue Be­soldungsnovelle wird dem preußischen Landtag voraus­sichtlich schon aixfangs Februar zugehen. Zu gleicher Zeit wird auch dem Reichstag die angekündigte Novelle zur Besoldungsordnung vorgelegt werden.

Das Programm des diesjährigen Städtetages.

chtz Berlin, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht) Die diesjährige Hauptversammlung des -deutschen, Städtetages wird am 15. und 16. Juni in Köln stattfinden. Als Haupwerhandlungs- gcgenstände sind festgesetzt: i. Die Organisation des städtischen Realkredits. 2. Die Verbindung von städtischem P r i v a t k a p i t a l für wirtschaftliche Unternehmungen.

Der diesjährige Katholikentag.

wb- Münster (Westfalen), lg. Jan. Im großen Rathaus­saal- fand gestern erne Versammlung zwecks Konstituierung des Lokalkomitees für die diesjährige Generalversammlung der Katholiken Deutschlands statt. Rach der Eröffnungs­ansprache des Vorsitzenden des münsterischen Katholiken­komitees, Geh. Medizinalrats G e r l a ch, und einer Ansprache des Bischofs Dt- P o ggenburg, wurde zum ersten Vor­sitzenden des Lokalkomitees Berlagsbuchhändler Kommerzien- rgt Friedrich H ü f f e r gewählt, zum zweiten Landcsrat Geh.

,Rat Schmeddrng, zum dritten Rechtsanwalt Terrohe. Nach der Vervollständigung des Präsidiums und Besetzung der einzelnen Komitees wurden zu Ehrenpräsidenten des Lokal­komitees gewählt Oberbürgermeister Jungeblodt, der frühere Regierungspräsident Wirkl. Geh. Oberregierungsrat v. G e s ch e r_ (Mitglied der konservativen Landtagsfraktion), ferner die beiden Reichstagsabgeordneten Landesökonomierat Herold und Geh. Rat Gerlach.

Die Folgen des Kölner Backschich-Prozeffes.

Köln, 19, Jan. Wie die „Köln. Ztg." von zuständiger Stelle erfährt, ist von dem Regierungspräsidenten gegen die in Köln angestellten Polizeiinspektoren B o t s ch , Land- s chulz und CH b e n das Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Entfernung aus dem Amt und sofortige Amts-, suspension verfügt worden. Über die gegen den Polizeiinspek- lor Kautz ä lt ^greifenden Maßnahmen hat der Regierungs­präsident von Hannover zu befinden.

Die Thconkandidatur des Prinzen zu Wied.

Q Rom, 19. Ja«. (Eig. Drahtbericht) Wie an maß­gebender Stelle neuerdings versichert wird, hat Prinz zu Wied wissen lassen, daß er bereit ist, den Thron vga Albanien an­zunehmen. sobald die Finanzsrage erledigt sein wird. Der Prinz knüpft nur die eine Bedingung daran, daß von dem garantierten Anleihekapitäl der Betrag von 20 Millionen ihm sogleich ausgezahlt werde, um für Politische und militärische Einrichtnngsausgaben das Notwendigste zur Hand zu haben.