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5h. 28.Samstag, 17. Januar 1914.

und die in der Kammer gefallenen Worte von Zulagen und anderen Vorteilen gänzlich grundlose Verdächtigungen sind, welche die Verwunderung des Kriegsministers sehr erklärlich erscheinen lassen.

Frankreich.

Die geplanten Steuern. Paris, 16. Jan. Unter den von Finanzminister Caillaux geplanten Steuern sind hervor­zuheben: Erhöhung der Gewerbesteuer der Kinematographen- theater, Erhöhung der Stempelsteuer beim Verkauf von Ge­schäften und bei Möbelversteigerungen (Erträgnis 15 Millio­nen Franken), Erhöhung des Quittungsstempels (8 Millionen Franken), Erhöhung der Stempelsteuer auf Wertpapiere aus­ländischer Gesellschaften, welche keinen Pauschalbetrag be­zahlen. von 2 auf 3 Prozent (1 OM 060 Franken). Erhöhung der Steuer auf Börsengeschäfte mit Ausnahme der franzö­sischen Rente (5 200 000 Franken), Abänderung der Zollsätze auf Kunstwerke (1800 000 Franken), Verdoppelung der Zu- ichlagstaxen auf Absinth und ähnliche alkoholische Getränke (8 330 000 Franken).

Frankreich und die oll,»wischen Spiele in Berlin. Paris, 16. Jan. Der Ministerpräsident gab einer bei ihm erschienenen Abordnung des französischen Hauptausschusses für die Ber­liner olympischen Spiele bekannt, daß dem Ersuchen um eine Staatsunterstützung von 600 000 M. nicht Folge gegeben werden könnte. Der Minister des Äußern sei bereit, für die allgemeinen Ausgaben 160 000 Franken zu bewilligen. Dem Minister des Innern stehe es zu, einen gewissen Beitrag für zweckdienlich- Ausbildung der Athleten zu bewilligen, die Frankreich in Berlin vertreten.

Die kirchliche Maßregelung des Abbh Lemire. Lille, 16. Jan. Wie „Semaine religieuse" meldet, verhängte der Bischof von Lille über den Abbh Lemire das kuspensio L saari«. Die Strafe wird aufgehoben, sobald der Abbe zu seinen priesterlichen Pflichten zurückkehrt.

Der Mörder Scherif-Paschas. Paris, 16. Jan. Der Urheber des Attentats gegen Scherif-Pascha ist heute nach­mittag in der Morgue identifiziert worden. Er wurde von seiner Vermieterin als ein gewisser Ali Djevad-Bei er­kannt. Inzwischen ist der gestern verhaftete Burhan Eddin von dem Untersuchungsrichter einem Verhör unterworfen worden. Er ist der Bruder des türkischen Gesandten iu Brüssel, Seifeddin-Bei, und war früher Leiter des Thö.Ltrc Frangaise in Konstantinopel. Burhan Eddin protestiert leb­haft gegen die wider ihn erhobenen Anschuldigungen und be­hauptet, nicht das geringste mit der Angelegenheit zu tun zu haben.

England.

Eine neue Ansprache Lichnowskys. Bradford, 16. Jan. Der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky loar heute abend Ehrengast der hiesigen Handelskammer, die ihm zu Ehren ein Bankett gab. In Erwiderung auf die Ansprache des Präsidenten der Handelskammer sagte der Fürst: Je inehr er die englische Handelswelt kennen lerne, desto mehr würde er überzeugt, daß es keine stärkeren Anhänger guter freund­schaftlicher Beziehungen zn allen Nachbarländern gäbe als sie. Der enorme Wert des englisch-deutschen Handels bilde ein wertvolles Bindeglied zwischen beiden Ländern und die fort­schreitende Entwicklung beider Nationen mache die Fortdauer ungestörter freundlicher Beziehungen notwendig. Das Wachstum der deutschen Industrie und des Handels sei kein Hindernis für freundliche Beziehungen zwischen beiden Län­dern. Die deutsche Industrie habe keine solche Konkurrenz und Eifersucht erregt, daß die Beziehungen unter der Handels­rivalität leiden müßten. Am Schluß sprach der Botschafter die Hoffnung aus, daß die nahe Zukunft den Telephondienst zwischen England und Deutschland sehen würde.

Zum Unterseebootsunglück. P l h m o u t h, 16. Jan. Das gesunkene Unterseeboot „A• 7" liegt 17 Faden unter Wasser. Dt- Bemühungen, es zu heben, waren bis 7 Uhr abends er­folglos. Um 0 Uhr abends tourden die Rettungsarbecten eingestellt; sie werden erst morgen früh wieder ausge­nommen tverden. Als Taucher zuerst hinabgestiegen waren, klopften sie an den Rumpf des Unterseebootes und empfingen Antwort van der Besatzung. Als sie aber um 6 Uhr zum zweiten Wale Hinabstiegen, empfingen sie aus ihre Zeichen keine Antwort. Man glaubt, daß die Ursache des Unglücks aus ein Versagen der Pumpen, welch^ldie Wasserbe­hälter hätten leeren sollen, zurückzusühren ist. — Das Unterseeboot „A ■ 7" manövrierte mit anderen Unterseebooten in der Bai von Coawsands, die ungefähr 6 Meilen von Ply­mouth entfernt ist. Nach einigen Manövern merkte man, daß das Unterseeboot „A • 7" fehlte. Es sollen 12 Mann und ein Leutnant an Bord gewesen sein. „A. 7" gehörte einem älteren Typ an. Es ist im Jahre 1905 vom Stapel ge­laufen, hat eine Wasserverdrängung von 180 Tonnen bei Überwasserfahrt und von 207 Tonnen bei Unterwasserfahrt. Es stellt einen vergrößerten Typ der „Holland"-Boote dar und ist mit Otto-Explosions-Motoren ausgerüstet, die dem Schiff -ine Geschwindigkeit von 12 Seemeilen über Waffer und 8 Seemeilen unter Waffer gaben.

Spanien.

Verschärfung der Streiklage im Rio - Tinto - Gebiet.

Madrid. 17. Jan. Die Verhandlungen des gemischten Schiedsgerichts im Rio-Tinto-Gebiet wurden ohne Ergebnis abgebrochen. Das bereits größtenteils von der neuen Streik­bewegung erfaßte Minengebiet geht damit einer abermaligen Lahmlegung entgegen.

Schweden«

Die Thronrede. Stockholm, 16. Jan. Der Reichstag ist durch den K ö n i g feierlich eröffnet worden. Die Thronrede erwähnt in erster Linie den Tod der Königin-Mutter, deren Pflichttreue und Arbeit nn Dienste der leidenden Mitmenschen bervorgehoben wird. Dann bezeichnet die Thronrede die Be­ziehungen Schwedens zu den fremden Mächten als fortdauernd freundschaftlich. Ferner wird mitgeteilt, die Regierung be­absichtige die Einbringung wichtiger Vorlagen zur Berbesse- rniig der Landesverteidigung. ■'» Verbindung damit wird eine besondere Wehrsteuer auf größere Vermögen und größere Einkommen geplant. Unter den Humanitären iind sozialen Gesetzentwürfen hebt die Rede die durchgreifende Veränderung in den Reckst^vestnnmungen über den Verkau' geistiger Getränke sowie die Maßnahmen gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit und die neue Vorlage zur Bekämpfung der Tuberkulose hervor. Die Staatseinnahmen seien fort­gesetzt gut. Es soll eine Anleihe von 321/, Millionen Kronen abgeschlossen, aber ausschließlich für die Förderung produktiver Zwecke verwandt werde,:. Für die Erbauung einer

neuen schwedischen Kirche in Berlin sind 65 000 Kronen im Etat vorgesehen.

RlMand.

Gras Witte zu den Handelsvertragsvorarbeiten mit Deutschland zugezogen? Petersburg, 16. Jan. Man will bestimmt wissen, daß in den hohen Regierungskreisen die Absicht besteht, dem Grafen Witte wieder einen Regierungs­posten anzutragen. Die Vorarbeiten zur Erneuerung des Handelsvertrags init Deutschland erregen hti der Regierung sowohl wie in den Handels- und Jndustrie- kreisen Mißfallen, joeil sie rein theoretisch geführt werden. Man befürchtet, von den Deutschen eine Niederlage zu er­leiden. Dem neuen Handelsvertrag mit Deuffchland wird jedoch angesichts des ständig steigenden Handelsverkehrs eine so hohe wirtschaftliche Bedeutung beigemeffen, daß die besten Kräfte zur Mitarbeit hcrangczogeii tverden müssen: Da Graf Witte mit den russischen und deutschen Wirtschafts- und Han­delsverhältnissen vollkolntnen vertraut ist, wird man nicht um- hin können, ihn mit der Leitung in den Vorbereitungen zur Erneuerung des Handelsvertrags zu betrauen. Graf Witte habe jedoch seinen Freunden erklärt, daß er dem Ruf der Regierung nicht Folge leisten wird.

Ein Setzerstreik in Warschau. Warschau, 16. Jan. Nach dem Beispiel der Krakauer Setzer stellten die Setzer einiger Zeitungen die Arbeit ein. Drei Zeitungen sind nicht erschienen.

Rumänien.

DaS neue Ministerium. Bukarest, 16. Jan. Nach einer ofsiziösen Mitteilung setzt sich das neue Kabinett fol­gendermaßen zusammen: Joan Bratianu, Vorsitz und Krieg; Costinescn, Finanzen; Porumbaru, Äußeres; Morgtruso, Inneres; Autonescu, Justiz; Constantinescu, Ackerbau; Duca, Unterricht; Radovich, Handel; Anghelescu, öffentliche Arbei­ten. Das Kabinett wird morgen den Eid leisten.

Bulgarien.

Der Termin der Neuwahlen. Sofia, 17. Jan. Die Wahlen für die neue Sobranje ioerden am 28. Februar a. St. stattfinden.

Albanien.

Österreich entsendet keine Schiffe. Wien, 16. Jan. Die in Budapest verbreiteten Gerüchte, daß die anläßlich des Stapellaufes des österreichisch - ungarischen Dreadnoughts „Jstwan" in Fiume anwesenden österreichisch-ungarischen Kriegsschiffe Befehl erhalten haben sollen, sich zum Auslaufen nach Albanien bereit zu halten, tverden an hiesigen zustän­digen Stellen mit dem Bemerken dementiert, daß kein derartiger Befehl ergangen sei.

Völlige Ruhe im Lande. Valona, 16. Jan. Entgegen den irn Ausland verbreiteten Gerüchten, nach denen in Aloanien Unruhen herrschen sollen, ist zu konstatieren, daß im ganzen Lande völlige Ruhe herrscht. Die Proklamation der Kontrollkommission und der Aufruf, den der Gendarmerie­oberst Meer an die Bevölkerung erlassen hat, haben eine über­aus beruhigende Wirkung zur Folge gehabt.

Bitte um internationale Truppen. Wien, 16. Jan. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Valona: Die provisorische Regierung hat bei der internationalen Kontrollkommission Schritte unternommen, damit diese von Europa die Absen­dung internationaler Truppen zur Garantie der Ordnung und Sicherheit in der Stadt fordere.

Türkei

Die Flottenpropaganda. Konstantinopel, 16. Jan. Im Theater von Stambul wurde gestern vom Flotten- v er ein unter dem Protektorate des Kriegsministers eine Vorstellung veranstaltet. Der Präsident des Vereins hielt eine Rede, in welcher er durchblicken ließ, daß er demnächst eine wichtige Mitteilung über die Verstärkung 8er türkischen Flotte machen werde. Für den Augenblick könne er nähere Angaben nicht machen. Während der Vorstellung wurde ein­beträchtliche Summe für die Flotte gesammelt.

Norvamerikc»-

Ein weitgehender Antrag znm Trustgesetz. Washing­ton, 16. Jan. Das Mitglied des Kongresses Stanley brachte nach der Konferenz mit dem Präsidenten Wilson einen Abänderungsantrag zum Trnstgesctz ein, der jegliche Monopolisierung und Beschränkung des Handels ver­bietet. Der Abänderungsantrag soll den von dem Obersten Gerichtshof in dem Verfahren gegen die Standard Oil Com­pany wegen Verletzung des Trustgesehes ausgestellten Grund­satz der vernunftgemäßen Beschränkung ausheben.

Südamerika.

Eine eigene Schiffahrtslinie ^ iit Ecuador. Quito, 16. Jan. Die Kammern ^ haben dre Regierung ermächtigt, eine nationale Dampfschiffahrtsgesellschaft za gründen.

5lu§ §ta öt un d Tand.

Wiesbadener Nachrichten.

Wintermanöver.

Unter Beteiligung de; Garnisonen Frankfurt, Homburg, Offenbach, Wiesbaden und Mainz fand an: Donnerstag in dem Hügelgelände zwischen H^aunus und Untermain eine kriegsmäßige Winterfelddienstuoung statt. Die Kriegslage war folgende: Eine von Gießen kommende Armee hatte in Höchst a. M. die Eisenbahn verlassen und den Befehl erhal­ten, die Schwarzbachlinic bei Hofherm gegen eine von Mainz anmarschierende feindlich- Armee zu verteidigen. In der Verteidigungsstellung standen die Infanterie-Regimenter 80 und 81, das 63. Artillerie-Regiment und zwei Schwadronen Dragoner, aus feindlicher «erte di- 87er und 88er, das 23. Artillerie-Regiment und mehrere Schwadronen Ulanen. Nach längeren Vorpostenplänleleien überschritt die Ostarmee den Schwarzbach und schlug den, Feind bei Marxheim und später bei Diedenbergen. —, Di- Übung stellte an die Mann­schaften ganz erhebliche Anforderungen. Trotz der schneiden­den Kälte kamen nirgends ernstere Unfälle vor. Allerdings War für die Mannschaften , in, besonderer Weise gesorgt wor­den. Jeder Soldat war mit Mantel, Handschuhen und Kops­schützer ausgerüstet. Sodann traten, die fahrbaren Feldküchen in ausgiebigster Weise in Tätigkeit. Uns dem Hinmarsch wurde z. B. den 81ern bei Höchst Kaffee verabfolgt. Nach dem Gefecht gab es au der Chaussee zwischen Weilbach und Hatters­heim Erbsen mit Speck, ein Gericht, das allen „Kriegsteil- riehmern" ganz ausgezeichnet mundete und an dem pch auch

Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Seite 3.

die Offiziere gütlich taten. Selbst auf dem Rückmarsch trank man bei Höchst noch einmal Kaffee, so daß die Kälte von den Leuten fast gar nicht empfunden wurde. Zuschauer fand die Übung nur wenig; ihnen war, es doch etwas zu ungemütlich dort draußen. Gegen 5 Uhr kehrten die Truppen in ihre Standorte zurück. Eine zweite für heute Samstag vorge­sehene Felddieustübung wurde gestern abgesagt; sie findet später statt. ^_

— Todesfall. Der Wassermeister bei der Kurverwaltung Friedrich Schulz ist im Alter von 64 Jahren gestorben.,Der Verstorbene war bekannt durch seine Ballonausstiege, die er vom Kurgarten aus unter dem Namen „Monfieur le Maire" auszuführen pflegte. Schulz war geborener Wiesbadener und ist in seinen jüngeren Jahren lange Zeit bei der Handels­marine gewesen.

— Zahlreiche Beilcidskundgebungen zum Tod Georg Rückers sind seiner Gattin und auch dem Direktor des Residenz-Theaters vr. H. Rauch von nah und fern aus allen Kreisen der Bevölkerung, von vielen Kurgästen, Schriftstellern und berühmten Gästen des Theaters zugegangen., Der Fürst und die Fürstin von Schwarzburg haben ihr Beileid ausge­sprochen und unser Oberbürgermeister Geh. Rat Dr. Glässing hat mit einem warmherzigen Schreiben an dem schweren Ver­lust des Residenz-Theaters teilgenommen.

— Fristverlängerung für die Abgabe von Steuer­erklärungen. Von dem Vorsitzenden der Veranlagungs­kommission wird daraus hingewiesen, daß der Finanz­minister die Kommission beauftragt hat, die Frist für die Ab- gäbe der Erklärungen zur Einkommen- und Vcr- mL gen sste u er - sowie zur Wehrfteuerveran- l a g u n g bis zum 31. Januar zu verlängern.

— Kurhaus und Paulinenschlötzchen. Die von anderer Seite gebrachte Nachricht, daß Verhandlungen zwischen dem Nkagistrat der Stadt Wiesbaden und dem Kurhauspächter, dem König!. Hoflieferanten Ruthe, schweben wegen Übernahme des Paulinenschlößchens, in dem Herr Ruthe ein großstädti­sches Vergnügungslokal einrichten wolle, ist unzutreffend. Herr Ruthe hat eine solche Absicht nicht.

— Das geheime Wahlrecht für Kommunalwahlen. Der Verband nassauischer Bürgervereine hat an die beiden Häuser des Landtags erneut eine Eingabe wegen der Herbeiführung des geheimen Wahlrechts bei Kommunalwahlen gerichtet. Die Begründung der Eingabe ist im wesentlichen folgende: „Da sich anläßlich der Beratungen des preußischen Landtagswahl­rechts fast alle Parteien des hohen Hauses für die Ersetzung der öffentlichen Stimmabgabe durch die geheime aussprachen, dürfen !vir uns eine ausgedehnte Begründung unserer An­gabe wohl ersparen, zudem sind wir einer Berücksichtigung der­selben schon um so eher gewiß, als durch sie eine gerade bec Kommunalwahlen leichtmögliche unmoralische Einwirkung un­ter wirtschaftlich voneinander abhängigen Wählern ausgeschal­tet würde. Der gegenwärtige Gebrauch der öffentlichen Stimmabgabe hat schon wiederholt nach dieser Richtung hin bedenkliche Wirkungen gezeitigt. Wir halten ihn auch aus dem Gründe für dringend der Reform bedürftig, weil sich, be­sonders aus den mit Industrie besiedelten Gegenden unserer Provinz, die Anzeichen dafür mehren, daß die Sozialdemo­kratie sich durch rücksichtslose. Boykottmaßnahmen gegenüber bürgerlichen Wählern in den Besitz von Mandaten bringt, die ihr bei einer nicht durch das Schreckmittel der wirtschaftlichen Schädigung beeinflußten Wählerschaft keineswegs zufallen würden." Eine gleiche Eingabe hat der „Provinzialverband der Hannoverschen Bürgevvereine" an den Landtag gerichtet. Zwischen den beiden ge,rannten Verbänden sowie einer Reihe weiterer deutscher Bürgervereinsverbände find eben Verhand­lungen im Gange, die den Zusammenschluß zu einem „.Reichs­verband deutscher Bürgerdereine" bezwecken. Die Anregung hierzu ist von dem nassauischen Verband ausgegangen.

— Zur Besetzung der Stadtschnlratstelle wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt, daß die in der heutigen Morgen- Ausgabe erwähnten Gerüchte sachlich völlig nnzu- tressend, sind; damit entfällt auch jeder Anlaß für die daran geknüpften persönlichen Angriffe gegen den Direktor einer hiesigen höheren Lehranstalt. — Zur Sache selbst ist noch zu bemerken, daß, wie wir erfahren, die ganze Angelegen­heit bereits erledigt gewesen ist, als der erste dieser Artikel erschien, und zwar ganz im Sinne des Herrn Verfaffers, von dem wir übrigens annehmen mußten, daß er bester unterrich­tet sei, als dies zu unserem Bedauern tatsächlich der Fall ge­wesen zu sein scheint.

— Die Käufer des Platter Areals scheinen mit ihrem Brennholzverkauf wenig Glück zu haben. Bis heute waren zwei Versteigerungstermine festgesetzt. Das Holz lagert an recht ungünstiger Absuhrstelle. Die Beteiligung bei den Ver­steigerungen ist daher keine allzu erhebliche, und wenn wir richtig unterrichtet sind, konnten von den vielen Tausend au§- gebotenen Nummern im ersten Versteigernngstermin nur einige hundert abgesetzt werden.

— Königliche Schauspiele. Wie die Intendantur mitteilt, ist es in, letzter Zeit sehr oft vorgekommen, daß Abonnenten des König!. Theaters ihre Wonnementskarten vergeffen hatten. Die Intendantur nimmt daher Veranlassung, auf 8 ,10 der Abonnementsbestimmungen hinznweisen, wonach der Eintritt in das Königl. Theater nur gegen Vorzeigung der Abonnementskarte gestattet ist, und richtet an die Abonnenten die Bitte, Me Bestimmung zukünftig zu beachten. Andern­falls, würde sich die Intendantur genötigt sehen, diese Vor­schrift solchen Abonnenten gegenüber, die hiergegen mehrfach verstoßen, zur Anwendung zu bringen.

^ Ausweisung ? Aufsehen erregt hier in der Gesellschaft das plötzliche Verschwinden des Barons de Meulemeester, der,seit Jahresfrist Schöne Aussicht 6 wohnte und in der Ge­sellschaft, besonders in Rennsportkreisen, eine Rolle spielte. Am 10. Januar verschwand der Baron plötzlich; er soll einem Ausweisungsbefehl als „lästiger Ausländer" zuvorgekommen sein und sich zunächst nach Berlin, von da aber nach Brüssel gewandt haben.

— Feuerbestattung. Im Mainzer Krematorium haben im 4. Quartal 1913 108 Einäscherungen stattgefunden. Bon diesen waren 17 aus Mainz, 22 aus Wiesbaden, je 6 aus Düsseldorf und Köln, 5 aus Bonn, 4 aus Darmstadt, je 8 aus Saarbrücken und Essen, je 2 aus Aachen, Creseld, Ewerseid, Godesberg und Kreuznach, je eine aus Alzey, Beuel, Biebrich, Vloemendaal i. Holl., Bingen, Barmen, Biebel^mm, Bochum, Diedenhofen, Duisburg, Bad Ems, EugerS, Flomborn, Haag i. Holl., Göttingen, Großkönigsdors, Nieder-Jngelheim, Nassau, Neuwied, Neukölln, Nieuport i. Belg., Nierstein, Ober­wesel, Spa i. Belg., Sonnenberg b. Wiesbaden, Singapore, Solingen, Troisdorf, Uerdingen. Utrecht, Wahn und Weilbnrg. Unter den Eingeäscherten waren 67 männlicke und 41 weib-