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Samstag, 17. 3an»ar 1914. KdeNd-KUSgabS. «r. 28. > 02. Jahrgang.

Oer Antrittsbesuch des Herzogs Ernst Kugust.

wb. Berlin, 16. Jan. Zu Ehren des Herzogs Ernst August von Braunschweig fand. heute abend im Schlosse Galatafel statt.

Der Trinkspruch des Kaisers.

Der Kaiser brachte folgenden Trinksprnch aus: Eure

Königliche Hoheit in meiner Residenz Berlin als Herzog von Braunschweig willkommen zu heißen, ist mir und der Karserrn eine-herzliche Freude. Dankbar empfinden wir es, daß Eure Königliche Hoheit so bald nach Ihrer Thronbesteigung ünS die Ehre Jhrxs Besuches schenken. Seit im Schloß. der preußischen Könige ein Herzog von Braunschweig als gern geehrter Gast begrüßt werden konnte, sowie seit der Zeit, wo Braunschweiger Fürsten preußische Truppen führten und preußische Feldmar- schälle wurden, sind lange Jahre dahingegangen. ' Die Be­ziehungen Preußens zu Braunschweig aber zu pflegen, war mir wie meinen Vorfahren an der Krone ein lieb gewordenes geschichtliches Vermächtnis. Diese Beziehungen getreuer Nachbarschaft sind auch bei den weisen Fürsten, die als Regenten Braunschweigs Thronrechte zu verwalten hatten, in guter Hut gewesen. Ich vertraue, daß in aller Zu­kunft zwischen Preußen und Braunschweig der Geist eines engen bundesfreundlichen Einvernehmens leben wird, daß beide Staaten sich in ihrem Besitzstand und in ihrer Eigenart als unantastbare Glieder der nationalen Einheit achten und schützen werden. Eurer Königlichen Hoheit bringe ich freudig die Zuversicht entgegen, daß mit Ihrer Übernahme der Regierung Braunschweigs in den Kreis der deutschen Fürsten ein Landesherr emgetreten ist, der sein Gelöbnis für Kaiser und Reich mit deutscher Treue erfüllen wird. Ein gütiges Geschick hat es gefügt, daß ich Eure Königliche Hoheit nicht nur als einen meiner hohen Verbündeten tm Reich, sondern mit Liebe und mit Stolz auch als den Eid am betrachten darf, der mir im Herzen nahesteht. In der Stunde dieses festlichen Beisammenseins, au dem die geliebte einzige Tochter im Geiste teilnimmt, erflehe ich von neuem. Gottes Segen für den schönen Bund, durch den Eure Königliche Hoheit mir und der Kaiserin ein Sohn geworden sind. Mögen fort und fort beglückende Wirkungen davon ausgehen für untere Häuser, für Braunschweig und für Preußen. Meine inniaen Wünsche fasse ich zusammen in den Ruf: ^hre

WnPlichen Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Braunschweig, Sre leben hoch, hoch, hoch.

Auf den Trinkspruch des Kaisers antwortete

Herzog Ernst August:

„Eurer Majestät darf ich meinen ebenso.ehrfurchtsvollen wie herzlichsten Dank sagen fnr die überaus gutM, mich hoch- erfreuende Aufnahme, die ich bei dem ersten Beinche nach meinem Regierungsantritt am Hofe Eurer Mawstat f > insbesondere aber sage ich meinen Dank für bie ßnabtßfte Worte, die Eure Majestät geruhten, soeben an mich Sbrrchten. die lebhaften Widerhall in mir fanden. Als eine oer wesentlichsten Aufgaben meiner Regierung be­trachte auch ich cs, zum Reiche, zu Preußen und v allem zu Eurer Majestät gntestaatllch e und p c r | on > liehe Beziehungen zu pflegen. Ohne solche können die braunschweigischen Lande nicht ge­deihen. Gleich Eurer Majestät vertraue ich hierbei auf Gottes Beistand und ich wünsche nichts sehnlicher, als daß jene Beziehungen allezeit, die denkbar beste» seien. Möge dazu vor allem auch das enge verwandtschaftliche Band bei'traaen, das mich mit Eurer Mazeftat und Eurer Maffstat Hause beglückend verknüpft. Die Herzogin, meine geliebte Gemahlin, weilt, tmeZchon Eure Majestät betonten, mit allen Gedanken in dieser. Stunde unter unS. Auch ihr Herzwid

Feuilleton.

Konzert.

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Gchör gebracht: Strauß und Reger, die beiden vwlge-

'Uten „Modernen", hatten das Wort- .

Der schwerblütige, sonst nie aus den Fugen geratende ürapunktiker Max Reger als eleganter Suitier auf dem irbodel! — gewiß eine feltene Erscheinung! CUIC1 -

illett-Su-ite". einer Reche von kürzeren Ton'bildern, hat eittiac Charaktermasken des Karnevals mstsikalifch hzuzeichnen versucht- Es geht zum Tanz. Zwar ist ^ enr H ans einem Vulkan; denn versteckte polyphomjche, rhh h- che oder chromatische Schrecknisse lauern genug; doch ,m

lzen befleißigt sich der Komponist in diesen Charakter­en einer für Regersch- Verhältnisse möglichst e'ngang. en, melodischen Fassung und einer vermehrten Grazre und chtigkeit in der Gestaltung. Auffallend ist nur, daß Jte.e nzfiguren fast alle gar so traurig den Kops hangen lassen t, arämlicki dreinschauen, .^m „Entree" mmmt zwar die che einen ganz fröhlichen festlichen Anlauf; aber schon olombine" schleicht mit melancholycheni Ausdruck umher; ierroi und Pierrette", durch ein trrMmmges Cello-«olo ein.-

hoher schlagen in der Empfindung dessen, daß es mir ver­gönnt ist, die mich beseelenden Gefühle in den Ruf auskimgcn ;u lassen: Seine Majestät der Kaiser und König und ^jhre

Majestät die Kaiserin und Königin, Sie leben hoch, hoch, hoch.

Nach der Tafel war Cercle im JoachimSsaale.

Auszeichnungen des Kaisers.

vH. Berlin, 16. Jan. Der Kaiser Hai dem Gefolge des Herzogs von Braunschweig Ordensauszeichnungen verliehen und Geschenke überreicht, Siaatsminister Wolfs erhielt den Kronenorden erster Klasse, Hofmarschall v. Klencke den Stern zum Königlichen Kronenorden zweiter Klasse. Dem braun­schweigischen Bundesratsbevollmüchtigten, Wirkjl. Geh. Legationsrat Boden überreichte der Kaiser sein Bild mit seiner Unterschrift.

Oie Verhältnisse in Indern 1903.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht, wie wir in der Morgen-Ausgabe bereits er­wähnten, um die Behauptung zu kennzeichnen, daß die Zu­spitzung der Verhältnisse in Zabern lediglich bestimmten, bis­her dort in Garnison befindlich gewesenen militärischen Per­sönlichkeiten zur Last zu legen sei, einen Bericht des Garnison- kommandos Zabern aus dem Jahre 1903. Dieser Bericht schildert mit großer Ausführlichkeit, daß es bereits im Jahre 1901 in Zabern gelegentlich der Verhaftung eines Matrosen­artilleristen durch einen Unteroffizier zu Ausschreitungen von Zivilisten, halbwüchsigen Burschen, gegen den Unter­offizier kam. Der „Zaberner Anzeiger" gab diesen Vorfall im Sachverhalt in völlig entstellter Weise wieder und begann eine u u n t e r b r o ch e n e H e tz e gegen den betreffen­den Unteroffizier und die Militärbehörde. Der Unteroffizier wurde als Friedensstörer zwischen Militär und Zivil hinge­stellt und seine Entfernung aus Zabern gefordert. „In Rück­sicht aus die Wahrung der vollkommenen Selbständigkeit der Militärbehörde", heißt es in dem Bericht, „und der unbe­dingten Betonung des RechtsstandpnnkteS so­wie des Schutzes der Autorität der Vorgesetzten gegenüber den verhetzenden, die öffentliche Meinung irre­führenden Artikeln des „Zaberner Anzeigers" konnte das Infanterie-Regiment Nr. »9 die a u f g e d r ä n g t e Ver­setzung des Unteroffiziers nicht ins Auge fassen." Die Hetzartikel des „Zaberner Anzeigers" führten zu einer voll­kommenen Verwirrung der rechtlichen Auffassung. Die Folge war, daß halbwüchsige Burschen beständig Reibereien mit den Unteroffizieren suchten und vor grundlosen Angriffen gegen diese nicht zurückschreckten. Im August 1903 provo­zierten wiederum Z i v i l i st e n vor einem Gasthause eine Schlägerei, bei der zwei Unteroffiziere mißhandelt wurden. In einem Artikel über den Vorfall forderte der „Zaberner Anzeiger" die Versetzung des obengenannten Unteroffiziers, der mit der Angelegenheit nichts zu tun hatte. Zum Schluß weist der Bericht darauf hin, daß

1 . die seit Herbst 1901 zwischen Unteroffizieren und einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung Zaberns, und zwar einer bestimmten Sorte halbwüchsiger Burschen mit nicht ganz einwandfreiem Vorleben, vor­gekommenen Reibungeil ausnahmslos »gu den Zivilisten provoziert, ja zum Teil sogar durch direkte Verabredung herbeige- führt sin d;

2. die angeführten Vorsahle von Tätlich­keiten zwischen Zivilisten und Unter- offizieren ans die, Hetzartikel des

Zaberner Anzeigers gegen den Unter­offizier E. zurückzusuhr cn sind;

geführt, könnte man fast st» unglückseliges Liebespaar halten; und auch „Harlequw kenn nur G«Igenhumor: ohne Mühe wird man die alte Schelmenweise Till EulenM-ge s darin wiedersinden. Erkennen wir^ indes bei all diesen Stücken die geschickte Arbeit, diese fo interessante „Mache ohne weiteres an. Den freundlichsten Eindruck gewähr^ ,Valse d’amour" mit den reizvollen Anklängen an liebe Wiener Walzerweisen. Im »banale geht cs dann heiterer und ausgelassener zu: buntbewegte Tanzgruppen scheinen sich munter zu verwirren und zu entwirren; manche Einzelheiten in der musikalischen Konzeption schein schon beim fluchtigen Vorüberziehen. So dürfte denn die Hartitur bei näherer Kenntnisnahme gewiß noch manche verborgenen Vorzüge ent­hüllen. -Erfreulich zu bemerken, daß Reger sich jetzt durch die nahe praktische Berührung mit. dem Orchester eine leichtere und gefälligere Hand in der Instrumentierung erwarb u»o mehr Durchsichtigkeit im Satz verrat als in seinen früheren 3Ker'£cn. Dirigent und Kurkapelle widmeten der „Ballett- Suite" .rückhaltlose Hingabe. Die Aufnahme beim Publikum blieb trotzdem etwas frostig.. ^

Mit dem vollen Aplomo .moderner Orchesterkunst stritt Rich. Strauß ans den Plan, tocht „Festliches Präludium setzt einen unerhörten, d. h- sehr, sehr deutlich gehörten in­strumentalen Apparat in Bewegung: neben dem doppelten

Srreicherchor die Orgel; die vierfach besetzten Holzbla,er (auch das berühmte Biebricher „Heckelphon" ist vorgeschrie­be»); dazu ungezählte Blechbläser — ein besonderer ström- pcterchor aus dem Orselvodium — und alles erdenkliche

3. von einer Mißstimmung zwischen Militär _ und der eigentlichen Bürgerschaft aber absolut keine Rede sein kann.

Die „Nordd. Allg. Ztg." knüpft an den Bericht folgende Bemerkung: „Aus vorstehendem ergibt sich unwiderleglich, daß sich in Zabern seit dem Jahre 1903 zum mindesten an dem System nichts geändert hat, das bei der Erregung solcher Un­ruhen befolgt wird."

So die offiziöse Veröffentlichung. Wir haben d,e drei Schlußpunkte genau in dem auffälligen Druckdurchschuß des offiziösen Blattes wiedergegeben. Was uns allerdings an dieser redaktionellen Bearbeitung auffällt, das ist, daß, wenn das Wesentliche herausgehoben werden sollte, gercch- terweise auch gesperrt werden mußte:

In Punkt 1, daß es sich um eineir „verschwindend kleinen. Teil der Bevölkerung Zaberns" handelte, nach dem offiziellen Bericht, und

in Punkt 3, der ganze Satz: „Von einer Mißstim­mung zwischen Militär und der eigentlichen Bürgerschaft kann aber absolut keine Rede s c i n." Im übrigen ist uns — abgesehen von der erneuten Feststellung der nicht genug zu verurteilenden verhetzen­den Tätigkeit des „Zaberner Anzeigers" (auch damals schon gehörte die Zeitung Herrn W i e b i ck e, heißt es in einem Zusatz der offiziösen Veröffentlichung) — nicht klar, was die Veröffentlichung , des umfänglichen Berichtes über die zehn Jahre zurückliegenden Vorgänge mit den jüngsten Ereignissen zu tun hat, von denen man nun machgerade wirklich nichts mehr hören mag.

-i-

Die Lage in Straßburg.

* Berlin, 17. Jan. Die Stellung der elsaß-lothringischen Regibrung muß noch immer als sehr ungeklärt bezeichnet werden. Eine Klärung erwartet man erst von der Unter­redung des Statthalters mit dem Reichskanzler und dem Kaiser, so daß vor der Rückkehr des Statthalters am nächsten Montag Sicheres .nicht erwartet werden kann. Die „Freie Presse" gibt von einem Gerücht Kenntnis, wonach mit dem Statthalter der Staatssekretär Zorn v. Bulach' und alle anderen Unterstaatssekretäre zurücktreten und daß der BezirkSpräsrdent von Oberelsaß, Herr v. Puttkamer, Staatssekretär werden soll. Nach Informationen des Korre­spondenten des „B. T." besteht eine Statthalterkrise zur­zeit nicht. Dagegen tritt der Statthalter, wie schon seit langem feststeht, in io e n i g e n Monaten zurück und mit ihm oder kurz nach ihm der Staatssekretär. Für heute und morgen sind große Protestversammlungen, besonders der Sozialdemokraten, aber auch der Fortschrittlichen Volkspartei und des Zentrums, in einer ganzen Reihe von elsaß-loth­ringischen Städten angekündigt. Die elsaß-lothringische Regie­rung verbot den Verkauf des Buches des jetzt in Paris leben­den Journalisten Emil Hinzelin, „Das Herz von Elsaß- Lothringen".

Oie Ztreiklage in Südafrika.

Wiederaufnahme der Arbeit.

wb. Johannesburg, 16. Jan. Meldungen aus dem Umkreis von 40 Meilen lassen erkennen, daß die Ar- b e i t im Minengebiet nur wenig nachgelassen hat. In den meisten Bergwerken wird gearbeitet wie ge- wohnlich. Amtliche Telegramme ans den Haupt- zentren der Bahnlinien besagen, daß die Angestellten in großer Anzahl sich Zum Dienst melden.

Ausgedehnte Verhaftungen, wb. Johannesburg, 16. Jan. Die Polizei hielt im Hauptquartier der Arbeiterpartei während einer Sitzung

Schlagzeug: man sicht schon, daß das Werk in der Haupt­sache auf starken äußerlichen Effekt berechnet ist; es handelt sich um eine Gelegenheits-Komposition: zur Eröffnung des neuen Wiener Konzerthauses. Rauschendes Festgepränge scheint sich in den pathetisch. und majestätisch einherschreiten­den Marsch- und Hymnen-Weisen widerzuspiegeln. Trotz der reichen Polyphonie bewahrt die Musik fast volkstümlichen Zug; der triumphierende Schluß ist allerdings von nieder­schmetternder Wucht. Auch dies Werk wurde in plastischer Ausarbeitung und mit aller nötigen orchestralen Bravour vorgeführt.

Die Solistin des Abends war die Dresdener Opern­sängerin Frl. Margarete Siems, die im letzten Moment für die angekündigte, aber verhinderte Hermine Bosetti her- berufen >var. Frl. Siems sang djp nicht mehr ganz unbe­kannte Koloratur-Arie der Verdischcn „Traviata" mit großer artistischer Gewandtheit, so daß alle noch so getvagten Schwie­rigkeiten in Passagen und Fiorituren glatt und sib^uk über­wunden wurden; namentlich ist der Triller bis in die höchsten Tonregionen hinein von oft überraschender Rundung, Glerch- mäßigkett und Dauer. Diese virtuosen Vorzüge brachte grl. SiemS hernach in den berühmten „Nachtigall'-Variationen von Alabieff und der „Vilanelle" von del'Aqua zu fast noch glänzenderer Entfaltung. Schade nur, daß die Strmme selbst — gerade in der Höhe — die rechte Süßigkeit unh Weichheit, die 'innerliche Reinheit des Tones, vermisse» laßt: das Organ klang wenigstens gestern etwas angestrengt. Für lebhaften dramatischen Ausdruck scheint die Sängerin kaum weniger