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Kette 4. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Wiesbadener Tsgbistt.

deutend an Größe. — Der Rhern. der, feit gestern schwach . mit Treibeis geht, ist trotz der Kälte noch stark nn stergen be­griffen. Die Wiesen im sogenannten Anbau unterhalb de» Hafens sind überschwemmt.

z. Kloppenden«, 14. Januar. Die. ehemalige H ilfslasse Rr. 179 ist unter Genehmigung des Aegierungsprastdenten aufgelöst worden. Die Kasse mutz aber vorläufig Unter­stützungsansprüchen ihrer Mitglieder, s«ve>t ne nch aus Krankengeld beziehen, Nachkommen. Das Vermögen der Kasse, das zurzeit noch 2800 M beträgt, kann erst ein Jahr nach vorschriftsmäßiger Bekanntgabe des AuflosungSbescklusies unter die 112 Mitglieder verteilt werden. Da aber» von Januar 1914 ab keinerlei Beiträge erhoben werden, wird sich dre genannte Summe noch bedeutend vermindern. Zu Lrquwatlwen der Kasse sind ernannt die Herren Peter Ungeheuer und Wilhelm Schmidt.

Naffauische Nachrichten.

k. Ried a. M., 14. Januar. Die Gemeiiidevertre- r un g stimmte heute dem Ansuchen der evangelischen Kirchen­organe auf eine dauernde Verbindung der Organisten- ft'c Ile mit der ersten evangelischen Lohrerstelle zu. — Da zu Ostern 226 Kinder neu in die Schule ausgenommen werden, sind in der Volksschule 2 zwei neue Lehr er st eilen er­forderlich. Diese wurden genehmigt.

! ! Rüdesheim i. Rhg., 12. Januar. Bei der heutigen Haus- und Güterversteigerung der Erben des Philipp Engel mann gingen folgende Grundstücke i.it ■ anderen Be­sitz über. Weinberg „Ramstein" zu 10 M., Weinberg „Bischofs- bertz zu 46 M., Weinberg „Krönest" zu 70 M, 50 Pf., Wein­berg „stiel" zu 21 M. die Rute; ein Acker auf dem „Alten Ebenial" wurde zu 9 M. die Rute zugeschlagen. ^Fcrner^wur- den zugeschlagen: Weinberg im „Drachenstein" zu. ^ 37 M. 80 Pf., zwei Weinberge im „Stiel" zu 22 M. 60 Pf., bezw. 22 M. 00 Pf. die Rute. Während auf die Weinberge „Platz" und „Spetz" kein Gebot erfolgte, tourden die Weinberge^,,Un­tere Tafel" und „Untere Flacht" zu Geboten ^ mit 1o M. 50 Pf., bezw. 32 M. die Rute zugeschlagen. Auf das Wohn­haus wurde, ein Gebot von 7000 M. abgegeben, der Zuschlag aber ebenfalls nicht erteilt.

i. Limburg, 14. Januar. Am 20. Januar findet hier, eine Versammlung evangelischer Prenarbüiter statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Verhaus- lüNffsgeaenstände: Bericht über dis Arbeit und den stand der Prefsevenresungen. in Itaffau, von dem Schriftführer Pfarrer Merz (Wiesbaden). Die Aufgaben unserer Ärmsstznodal- AuSichüsse für Schriftenwescn auf dem Gebiete, der Presse: Pfarrer Wüst (Rüdesheim), Unser Verhältnis zu den Redak­tionen der Tagespreffe und wie kommen, wir am, besten mit ihnen in Berührung? Der Leiter der Evangelncken Preß- »evtrale in Württemberg: Pfarrer Hin derer aus Stuttgart.

Ku§ der Umgehung.

Einbruch in ein Goldwarengeschäft.

-- Frankfurt a. M.. IS. Januar. In.der letzten.NaK vurde in das Uhren- und. Goldwarengeschäft von Friedrich öl etzsch, Ecke Trierische .Gasse und TöngeSgasseein » mich, verübt, wobei den Dieben Wertsachen fitr, 30.000 M. ut ne Hände fielen. Ein Privatwächter fand ans fernem Rund- mng nachts 8 Uhr die Haustür offen. Er leuchtete den.Häus­ling ab und entdeckte, daß dicht am Fußbodwi die 8 ms l.0 Zentimeter starke, zu dem Laden führende Wand rurch- irocken war. Das Loch war groß genug, um einen Mann ;urchschlü»fen zu lassen. Zwei Schaufenster wurden vollständig insgeräümt. Gestohlen sind goldene Uhren, Ketten, Broschen, 'lrmbänder und Brillantringe.

Gärtnerei-Berufsgenossenschaft.

— Kussel, 14. Januar. Die Gärtnerei-Berufsgenossen- ichaft. die am 1. Januar 1913 mit dem vorläufigen Sitz in stassel begründet wurde, hielt, am . Freitag und Samstag ihre :rste ordentliche Genossenschaftsversammlung in Anwesenheit iller 81 Delegierten in Kassel ab. Als Vertreter des Reichs- rersicherungsamts war Senatspräsident Radtke erschienen. Die Versammlung nahm zunächst den Bericht über die bis­herige Tätigkeit der Genossenschaft im Jahre 1913 entgegen. Der Genossenschaftskataster umfaßt zurzeit etwa 86 000 Be­liebe, doch wird sich diese Zahl im laufenden Jahr wesentlich .wrgrößern, da die Überweisungen aus den anderen Berufs- zenossenschaften noch nicht abgeschlossen sind. Das Gebiet der Närtnerei-Berufsgenoffenschaft erstreckt sich über ganz Deutschland, mit Ausnahme von Bayern, Königreich Sachsen, Elsaß-Lothringen, Großherzogtum Hessen, Braunschweig, Schaumburg-Lippe, Bremen und Hamburg. Neben Gärtnerei- »esitzer Ennl Becker (Wiesbaden) als Vorsitzender wurde zum 2. Vorsitzenden Baumschulenbesitzer Jungclaußen (Frankfurt x. £\.) gewählt. Dem Vorstand gehören ferner Vertreter der verschiedenen gärtnerischen Betriebszweige an. Die Beschluß­fassung über den endgültigen Sitz der Berufsgenossenschaft wurde vertagt. Weiter erledigte die Versammlung die Wahl der Mitglieder zu verschiedenen Ausschüssen, nahm einige Satzungsänderungerl vor, die unter anderem die Festsetzung eines Mindestbeitrags zum Zweck haben, und faßte Beschluß über die Dienstordnung für die Angestellten der Berufsge­nossenschaft. Die Verwaltungskosten sind für das Jahr 1914 mit rund 145 000 M. veranschlagt.

hs. Mainz. 15. Januar. Die Einigungsberhand - rangen in der Mainzer fortschrittlichen Bolks- v a r t e i sind wider alles Erwarten endgültig gescheitert Utrd die Spaltung zwischen dem linken urrd rechten Flügel ist damit perfekt. Der rechte Flügel erläßt bereits einen 'Auf­ruf in der Tagespreise zur Bildung eines neuen Vereins, während der linke auf Donnerstagabend zu einer Mitglieder­versammlung einladet. Der von den Gemäßigten neu zu gründende Verein kann nach den Satzungen der Landespartei keine. Aufnahme in dieselbe finden, ist also vollständig isoliert. — In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde zur Beschäftigung von Arbeitslosen und zur Gewährung von Arbeitslosenunterstützung zu den bereits bewilligten Summen ein weiterer Kredit von 10 000 M. bewilligt. Der Stadtver­ordnete Molthan gab noch die im hessische». Landtag auf die Interpellation der Mainzer Landtagsabgeordneten wegen der projektierten Verpachtung eines Gelandestreifens im DLMQNMlwiild <rm ü $ I c t b o nt an bic ©tobt W t c sbcrben zur Errichtung eines MüllaÄagerunsSplatzes erteilte Regie- rungsantwort bekannt und forderte die Bürgermeisterei Mainz auf sofort noch einmal mit der hessischen Regierung dreserhalb in Verhandlungen zu treten. Die Bürgermeisterei sagte dies zu. —- In der geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde das neue 4proz, -Inlehem der Stadt Mainz in Hohe von 8 Mill M an die Banckgruppo Dresdner.Bank. Mainzer Volks- bank und Lebrecht u. Benfey (Mainz) zum angebotenen Kurse von 93 vergeben.

-- Frankfurt «. M„ 15. Januar. Gelegentlich der vom Provinzialverband der fortschrittlichen Volkspartei für Heffen- Rassau anberaumten Konferenz fortschoittkicher G e m e i n d e v e N t it e t e r und Magistvatsrmtglieder wird um- Samstag, den 17. Januar, abends 7 Uhr, im „Hotel Kaiserhof" Stadtverordneter^ Rechtsanwalt Dr. Hellbrunn (Frankfurt a. M.) über „Einführung in die Kommunalpolitik", und am Sonntag, den 18.. vormittags 10 Mir, im roten Saale >es Kaufmännischen Vereins Bürgermeister vr( Luvpe (Frank­furt. a. M.) über „Kommurrale Finanzpolitik". Stadtverord­nete« gabnkant Pfeiffer (Wetzlar) über „Wichtige Fragen der

Kommune in kleineren und mittleren Städten", und Stadt­verordneter E. ®oE (Frankfurt a. M.) Über „Kommunale Lebensmittelversorgung" referieren. Nach den Referaten findet Diskussion statt.

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Sport Anö Spiel,

pferöemmen.

* Rizza. 15. Januar. Prix de Cannes. 4000 Frauken.

1 . Besetzers Radis Rouge (Mitchell), 2. Oncle Lau. 3. Costlla. 149:10: 58, 21:10. — Prix de ta Turbie. 4000 Franken.

1.. James HennessyS Le Systemier (Carter), 2. Mozette, 3. Octzroe. 83:10: 19 . 87:10. — Prix de Monaco. 15 0M Fr. 1. Eh. LiWartS Scoff 2 (Head). 2. Fvonton BaSque. 8. Mrcke- fice. 25:10: 17, 49:10. — Brix du Pant-Magnan. 4000 Fr. 1. I. D. Cohns Saint Mac (Mitchell), 2. Pyrrhus, 3. Preden- dantc. 108:10: 28, 19:10.

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sr. Wintersport. Die Berliner Eislauf-Schnsllmeister- schüft gelangte am Mittwoch auf der Westeisbahn zur Ent­scheidung. Vier Teilnehmer bewarben sich um den Meister­titel, von denen Zilly sich als der.Beste erivies, da er die 1500 Meter lange Strecke in.2 Minuten 50-% Sek. zurücklegte. Zweiter wurde der Favorit Kretzer in 2 Min. 87% Sek. Im einleitenden 1000-Meter-Lausen siegte Damska in 1:55,2 vor Müller 1:58,8. -Einen überlegenen Sieg errang Molander im 5000-Meter-Laufen in 10 Min. 26,4 Sek. über Müller 10:40. — Das Eishockey-Pokal-Turnier zu St. Moritz nahm einem Priv.-Tel. zufolge am Mittwoch mit dem Treffen des Leipziger Sportklub gegen die englische Mannschaft aus St. Moritz seinen Fortgang. Die deutsche Mannschaft zeigte ein glänzendes Spiel und besiegle die Engländer mit 11:0. — Der Wintersportverein Oberhof bringt am 17. Januar ein Wanderpreis-Böbsleigh-Rennen um den vom Führer der Bckbsleigh-Mannschaft „Teufel" gestifteten „Teufel"-Pokal; und am 18.' Januar ein großes Zfitzer Lenkrodel-Rennen um einen von der Firma Opel u, Kühne (Zeitz) gestifteten Ssttztzr- Lenkrodsl zuur Austrag. — Die Ausschreibung der internat. Eiswettlaufen für Amateure am 24. und 25. Januar 1914 auf dem Bandyrink des Hotel Kulm in S t. M o r i h wird jetzt ebenfalls veröffentlicht. Zum Austrag kommen u. a.: Kunstlaufen um die Damenmeisterschaft; Kunstlaufen um die Paarlaufmeisterschaft und ein internationaler Walzerwett- bewerb.

* Die Sitzung des Wcttkampf-Ausschuffes. Berlin, 14. Januar. In der heutigen Sitzung des Wettkampf-Aus­schusses für die olympischen Spiele nahm das Hautpinteresse die Erörterung über die Teilnahme an den baltischen Spielen in Malmö in Anspruch. Für die Beteiligung an den Spielen herrschte durchweg Stimmung. Nur zwei Sportziveige mußten eine Teilnahme aus praktischen Gründen ablehnen, so der Ruderverband, der angesichts der im August bevorstehenden hiesigen Kämpfe um die europäische Meisterschaft in der Be­schickung der Spiels nur eine Unterbrechung des Trainings erblicken mutz. Desgleichen mußte eine Beteiligung an dem Militärschießen versagt werden, da gerade um die Zeit der Wettkämpfe in Malmö Offiziere wie Mannschaften unab­kömmlich seien. Eine Unterstützung durch das Reichsamt des Innern, das eine Beschickung lebhaft begrüßen würde, sowie von seiten des Vorstandes ist in Aussicht gestellt, ebenso sind ermäßigte Preise für Fahr- und Wohngelegenheiten in Malmö vorgesehen. Die beiden ersten Punkte der Tagesordnung, be­treffend die Grundsätze für die Aufnahme neuer Verbände und die Stiftung von Ehrenpreisen durch den D. R. A., wur­den nach kurzer Debatte, die in der Hauptsache nur redaktio­nelle . Fragen berührten, einstimmig angenommen. In die Zeit der Spiele in Malmö fällt gleichzeitig die baltische Aus­stellung.

Heues aus aller Welt.

100 000 Opfer des Vulkanausbruchs in Japan? New

Vork. 14. Januar. Die „Sun" veröffentlicht ein Lolegrmmn aus Tokw. daß nach den/letzten Nachrichten, die «ms dem UnglückSbezirk von .Kasoschtma eingetroffen sind, die ZaW der durch den Vulkanausbruch ums Leben gekommenen Bewohner beinahe 100000 erreicht. Die Stadt KaMchima ist fast gänzlich durch die Lava sowie, durch eine nachsmgende Flutwelle zer­stört. Aus den japanischen Hafenstädten sind wertere Dampfer mit Lebensmitteln und Zelten sowie Decken für die über­lebende Bevölkerung rrach dem Schauplatz der Katastrophe ab- gegangen. Arzte und Krankenpfleger sind ans den nüchst- »elegenen Mrlitärspitälern gleichfalls an den Schauplatz des Unglücks entsandt worden. — Nach einer Depesche ans Kuma- woto sind rat Evdbcbeugebiet mehrere Kilometer weit die Etsen- babngleise zerstört; 13000 Häuser wurden' zertrümmert. 70000 Memchcn werden vermißt. — Gestern abend begannen die

etzste Flüchtling aus Kagoschima ist gestern abend hier eingL- tronen. Er berichtete: Die unterirdischen Geräusche und Aus­brüche begannen am 10. Januar nachts. Es schlief niemand alle Leute stellten Lebensmittel bereit, um <rm Morgen zu fliehen. Am 12. Januar erfolgte der Ausbruch des Sakura- schimavulkans. Die Bevölkerung stürzte ans Meer und suchte Boote urid andere Beförderungsmittel zur Rettung. Aus drei Spalten des Vulkans wderten die Fla-mmen bis zu einer Höbe von 1000 Metern am. Gleichzeitig drang auch aus dem Berge Rauch hervor und es . folgte ein Regen von glühenden Steinen. Es war unbeschreiblich, wie schrecklich und trotzdem großartig die von Donnerschlagw, begleiteten Ausbruche, waren Der Donner war muter als derjenige des Bombardements bei Bort Arthur. Die Bewohner des Festlandes sandten sämtliche Boote, um Len Unglücklichen Fziy helfen- , Es gab nicht genug Schrsse so daß zahlreiche Flüchtlinge verbuchten, schwimmend das Festland wt erreichen. Die meisten ertmnken. Kagoschima glich einem Schlachtfeld. Die Häuser waren durch die Fel.s- stücke oder das Erdbeben zerstört. Es. fuhren Sonderzüge ab, um die Bewohner von der Unglücksstatte fortzubringen Da nicht <ille,-^ute Platz fanden, klammerten sich bie,h> ’ an die Wagen. I« selbst mußte so bis NitoyoM reifen. Gs ist voll­kommen unmöglich, die Zghl der Taten fsstzusteNE

Diebstähle am Kaiser-Wilhelm-Kanal. Hamburg 14. Januar. den letzten Dtonaten sind große Metalldieb- stäble am Kan er-Wilhelm-Kanal verübt worden, besonders bei den Karurlb-msixmeir. Der Staatsanwalt hat eine Belohnung von 10011 M auf dre Ermittelung der Tater ansgesetzt.

zstkibeis auf der Weser. B r e m e n . 15.' Januar) Aus der Ooeriveser und den Nebenflüssen bat sich jetzt viel Treibeis eingestellt Zo daß bei weiter anbaktender Kälte zu erwarten ist baß bald der ganze Strom mit einer Eisdecke bedeckt sein wird. Die Schiffahrt nach der Oberweser und Aller nt vollständig eingestellt Die städtischen Eisbrecher werden von heute ab ihre Tätigkeit auf der Unterweser wieder

aufnehmen.

Flucht aus dem Garnisonarrest. Frankfurt a. £}., 14. Januar Die in, der tzlarnisonarrestanstalt zu Frankfurt an der Oder wegen Fahnenflucht in. Untersuchungshaft Inter­nierten Musketiere Fickenwürth und Gustav Kus,za von der 7. Kompagnie des Infanterieregiments Rr. 52 in Kottbus sind in der vergangenen Nacht aut bisher unerklärte Weise ent­wichen.. sie waren ohne Mantel und Waffe, nur mit der Litewka bekleidet.

Freitag, 16. Jauuar 1914. _ Nr. 25,

Tie Mielzynski-Traaödic. Po sen, 15. Januar. Das Befinden des Grafen Mielzvnski, der sich noch immer im^Ge- richtsgefängnis in Grätz befindet, hat sich wesentlich gebessert. Der Graf ist jetzt völlig fieberfrei. Inzwischen ist der Gras auch von einem Psychrater untersucht worden.. Dir Verhand­lung gegen den Grafen wird voraussichtlich nicht in Meserrtz, dem Sitz des Landgerichts, sondern in Grätz ftatifinden.

Ein Lsgerspricherbraud. Berlin. 16. Januar. Ein größeres Feuer brach heute morgen in dem Lagerspeicher der Speoitionsfivma Bernhard u. Co. aus, welches den oberen Stock urid einen Teil der Dachkonstruktton vernichtete.

Brand eines historischen Schlosses. Kopenhagen. 14. Januar. Das historische Schloß Aakholm.auf der Insel Laaland ist gestern abend durch Brand zum Teil zerstört wor­den. Das Schloß gilt als das älteste Bauwerk Dänemarks und ist Eigentum des Grafen Raben-Levetzau.

Die furchtbare Kälte in Schweden und Norwegen. S t o ck- b o l m, 14. Januar. Seit einigen Tagen herrscht in Schweden und Norwegen eine furchtbare Kälte In der schwedischen Provinz Herjedalen sank die Temperatur, in. der Mentagnacht aus 34 Grad Celsius unter Rull. Die niedrigste Temperatur, die Amundsen auf seiner Südpolarexpedition ge­messen hat. betrug 60 Grad Celsius.

Deutscher Neichstag«

LonntÄgsruhe.

# Berlin, 15. Januar. (Eig. Drahtbericht.) Man sprach nicht , nur über Sonntagsruhe im Reichs­tag, es herrschte auch Sonntagsruhe, nachdem die Spannung, mit der man die Antwort des Reichskanz­lers über die sozialdemokratische Zabern-Jnterpellation erwartet hatte, gewichen war. Die Novelle zur Rege­lung der Sonntagsruhe, die die heutige Sitzung aus- füllte, fand keine sonderliche Aufnahme. 'Nicht nur der sozialdemokratische Redner, der Abgeordnete Bender, war höchlichst unzufrieden mit der Vorlage, der Abge­ordnete E r z b e r g e r ging fast noch weiter, indem er unter schallender Heiterkeit erklärte, wenn er einmal Staatssekretär wäre, würde er einem Geheim- rat, der eine solche Vorlage, rein nach der Schablone fabriziere, schön aufs Dach steigen. Be­merkenswert waren die Ausführungen des Fortschritt­lers Gunsser, der die Vorlage ini Gegensatz zu den meisten Vorrednern für einen glücklichen Mittel- irre g zwischen den Forderungen der Angestellten und den berechtigten Interessen der Ladeninhaber hielt.

Sitzungsbericht.

Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblatts".

# Berlin, 15. Januar.

Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung nach 1,15 Uhr.

Eingegangen ist die Interpellation v. Payer und Gen., betreffend die Straßburger Urteile. (Wir teilten den Wort­laut in der Abend-Ausgabe bereits mit. Schriftl.)

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Sozialdemokraten, betreffend die kriegsgerichtlichen Ver­handlungen über die Vorgänge in Zabern. Auf die Frage des Präsidenten erklärte der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär Dr. Delbrück (wie ebenfalls schon mitgeteilt): Der Herr Reichskanzler, ist bereit, beide Jntervellationen zu beantworten, sobald das gegen die beteiligten Offiziere schwebende Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. Der Herr Reichskanzler wird sich über den Termin mit dem Herrn Präsidenten verständigen.

Präsident Ikr. Kaempf: Damit scheidet der Gegenstand für heute aus.

Im Hause macht sich eine lebhafte Bewegung be­merkbar, welche auch während der nachfolgenden Verhand­lungen andauert.

Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend dis Sonntagsruhe im Handslsgswerbe.

Ministerialdirektor D!r. Caspar: Seit Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe, bei der man für das Handels- gewerbe, besonders für die Nahrungsmittelbranche, eine beschränkte Arbeit zugelassen hat, ist der Wunsch nach weiteren Beschränkungen, ja nach gänzlichem Verbot der Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe, wiederholt gewünscht worden. Auch hat man in großen Städten eine solche Tus- dehnung der Sonntagsruhe eingesührt. Die Berufsverbände der kaufmännischen Angestellten erklären die bestehenden Zu­stände für unzulänglich und erheben die Forderung der vollen Sonntagsruhe ohne Ausnahme für einzelne Sonntage. Der jetzige Entwurf setzt eine Höchstbeschäftigung für öffentliche Verkaufsstellen von drei Stunden fest. Nur in einzelnen Fällen dürfen Ausnahmen gestattet werden. Zweck­mäßig ist die Regelung dieser Materie durch ein beson­deres Gesetz, wodurch es ermöglicht wird, einzelne Gewerbs- zweige, die der Gewerbeordnung nicht unterliegen, wie Ver- sicherungsunternehrmlngen, Sparkassen usw., den Sonntags- ruhcvorschristen zu unterstellen. Ich bitte um Annahme der Vorlage. ^

Abg. Bender (Soz.): Unsere Hoffnung auf ein gänzliches Verbot der Sonritagsarbeit ist durch diese Vorlage zu­schanden geworden. Der Ausbeutung der Arbeitskraft wird immer noch kein Ziel gesetzt, Namentlich in Bayern wird die Sonntagsruhe wegen jeder Kleinigkeit, Kirmeß, Schützen­fest oder Kriegerveinsfest, ansgehoben. Zehnstündige Sonn-- tagsarbeit ist da an der Tagesordnung.

Die Angestellten müssen der Meinung werden, daß die Gesetze nur für die Besitzenden da sind.

Den. modernen Forderungen wird der Entwurf nicht gerecht. Der Polizei bleibt es unbenommen, Ausnahmen zuzulaffen. Dagegen loenden wir uns entschieden. Wir verlangen eine definitive Regelung der Sonntagsruhe im Gesetz selber. Wes­halb will die Regierung nicht auch für die Kontore die Sonn­tagsruhe einsühren, während sie zum größten Teil schon frei­willig dort durchgeführt ist? Man sollte doch ganze Arbeit machen. Eine L-chädigung der Kauftnannfchaft ist nicht zu befürchten. Wir beantragen Kommissionsberatung.

Abg. Erzberger (Zentr.): Wir sind von jeher aus reli­giösen und^sozialpolitischen Rücksichten fiir möglichst ausgedehnte jsonntagsruhe eingetreten. Wir werden uns rn der Kommission zu fragen haben, ob nicht für unsere I n - d u st r i e durchweg eine Mstündige Sonntagsruhe, von Samstagnachmittag g Uhr ab, eingesührt werden kann. Die Gewerbeordnung darf nicht so auseinandergerisse« werden, wie es die Vorlage tut. Einen ungünstigeren Zeitpunkt zur Einbringung der Vorlage konnte die Regierung gar nicht finden als den jetzigen. Der Inhalt der Vorlage genügt nicht. Er will alles schablonenhaft gleichmachen. Wenn ich der