Nr. A3.
Donnerstag, 13. Jsrmar 1914.
WieSdKÄerreV Gagblatt«
Sanitätskolonne, die sich regelmäßig an den Geländeübungen beteiligen, wesentlich beraten und unterstützt wird. Die bisher erzielten Erfolge ermuntern zu rastloser Weiterarbeit. So rückten denn auch am letzten Sonntag 78 Jünglinge unter ihrem Führer aus. Ein Kriegsspiel im Gelände zwischen Auringen, Heßloch und Naurod verlief bestens. Hierbei wurden die beiden Basaltsteinbrüche vulkanischen Ursprungs besucht und an den Felsen konnten meterlange armstarke Eiszapfen bewundert werden. Das weite Feld war schneebedeckt, Straßen und Wege stark vereist, und trotz des Frostes wan- derte es sich herrlich in klarer, reiner Winterkuft. Nach Schluß der Übung glühten die Höhen des Rheins im stimmungsvollen Abendrot und die Berge des Taunus lagen bei hellem Boll- inonüschein wie eine Märchenlandschaft vor den bewundernden Augen der Stadtjugend. Rüstig ging es nun heimwärts, und zwischen 7 und 8 Uhr abends zog Jungdeutschland frahgemur mit klingendem Spiel in Wiesbaden ein.
— Bäckergehilfenversammlung. Am Montagnachmittag fand im „Gewerkschaftshaus" eine öffentliche Bäckergehilfenversammlung statt, welche sich mit der Tagesordnung: „Arbeitslosigkeit und als deren Folge Not und Elend der Gehilfenschaft rn unserem Gewerbe" beschäftigte. Nach dem Referat sind auch hier in Wiesbaden ständig viele Bäcker- gehikfen ohne.Arbeit. Im April 1613 wurden an einem Tage 76 arbeitslose Bäcker gezählt. Im November waren 38 zu verzeichnen, und am Sonntag, den 28. Dezember v. I., wo eine Zählung in ganz Deutschland vorgenommen wurde, zahlte man 86 Gehilfen ohne Stellung. Von diesen waren 12 verheiratete mit 24 Kindern. Vom Verband der Gehilfen wurden hier 1912 1963 W. SO Pf. Unterstützung ausbezahlt und 1913 2181 M. 9S Pf. Schließlich wurde eins Resolution angenommen, in der die Versammlung von der Gesetzgebung die staatliche Arbeitslosenfürsorge verlangt. Ebenso wird gefordert die Ausrottung der Ursachen dieser Arbeitslosigkeit, die Beschränkung der übergroßen Lehrlingszahl auf ein vernünftiges Maß und die gesetzliche Verkürzung der überlangen Arbeitszeit im Bäckergewerbe,
— Fällige Steuern. Die Erhebung der 4. Rate (Januar, Februar und Mär^) erfolgt vom 15. Januar ab straßenweise nach dem auf dem Steuerzettel angegebenen Hebeplcm, und zwar: An der Hebestelle Zimmer 17 (weiße Zettel) für die Straßen mit dem Anfangsbuchstaben: A am 15. und 16. Januar, 8 am 17., 19. und 20. Januar, C, D am 21. und 22. Januar, E am 23. und 24. Januar, F am 26. und 28, Januar, G am 29. und 30. Januar, H am 31. Januar und 2. Februar, J, K am 3>, 4.. und 5. Februar, L am 6. und 7. Februar. An der Hebestelle Zimmer 16 (grüne Zettel) für die Straßen mit dem Anfangsbuchstaben: N am 15. und 16. Januar, dl am 17. und 16. Januar, O am 20. und 81. Januar, P, Q am 22. und 28. Januar, R am 24., 26. und 28. Januar,
5 am 29., 30. und 31. Januar, 1', II und V am 2. Februar, W am 3., 4. und 5. Februar, Y, Z und außerhalb des Stadt- berings am 6. und 7. Februar. Die auf dem Steuerzettel angegebene Straße ist maßgebend.
— Schaukastendicbstahl. In der Nacht zum Mittwoch wurde wieder ein Schaukasten mit Socken im Wert von 40 M. vor einem Wollwarengeschäft in der Hinteren Bleichstraße ausgeraubt.
— Ein Kellerbrand entstand gestern nachmittag aus unbekannter Ursache in dem Hause Langgasse 80. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand mit einer Schlauchleitung. Kisten und Packmaterial sind verbrannt.
— Tagblatt-Sammlilngrn. Dem Taablalt-Verlag ainaen 5«: von Ph A. für Kohlen für Arme 10 M.: von Ph. A. Air Frühstück für Schulkinder 10 M.; von Frl. S. für die Scb ippenkirche 3 M-: von SB. S. für die überschwemmten
6 M.: von A. K. für die städtische SäuglingSmilcharistalt für Arme 5 M.
— Kleine Notizen. Dis Stenographieschule Gabelsberger" beginnt an: Dienstag, den 3. Februar, abends 8% Uhr, in der Mittelschule. Luisenstraße 86, Zimmer 26 einen neuen Anfängerkursus in Menoflnavtzie. — chhe Mitte November 1913 ins Leben getretene Rersespar- lasse des Gewerbevereins für e:ne Reife zum Besuch der Dresdener Ausstellung ISIS hat bereits einen Barbestand von über 1000 M aufzuweisen. Der Beitritt zur Kasse kann auch setzt noch erfolgen. — Der „Ka t doli sch e Lese verein" beabsichtigt eine Erweiterung seines Heims an he' Luisensti'aße, insbesondere seines Bersammlungsfaases, und hat dazu von befreundeter Seite eine nicht unerhebliche Schenkung »um bereits vorhandenen Bmikavital erhalten.
Vorgerichte über Kunst, Vorträge und verwandtes.
* Königliche Schauspiele. Morgen Freitag kommt Henrik Ibsens Schauspiel „Die Stützen der Gesellschaft" (l877) neu einstudiert zur Aufführung. Den Konsul Bernick spielt Herr Everth. den Lona Hessel Fräulein Eichelsheim. In den übrigen Hauptrollen sind die Damen Batzrhcrmmer, Doppelbauer. Gauby und Schrötter sowie die Herren Herrmann. Legal. Lehrnrann. Radius. Schneeweiß, Schwab und Zollin beschäftigt. Die Regie führt Herr Legal. Die Übersetzung ist die der großen Gesamtausgabe und ist von Emma Klingenfsld besorgt, - I» Samstag gastiert Charlotte Uhr Vom Opernhaus in Frankfurt arir Main als ..Octavian" im „Rosenkavalier" (Abonnement D). — Am Sonntag gelangt „Oberon" in der hiesigen Festspisl- einrjchtuna im Abonnement A zur Aufführung,
* Konzert. Am Montag treten im Saale der „Loge Plato" Anna Hesse, Lieder- und Oratoriensqngerin aus BeÄin (Sopran) auf und Paul Schramim (Pianist).
* Borträge. Der „Verein für v ol ks v e rst ä n d -
liche Gesundheitspflege, E. SB.", hat den Schweizer Arzt Dr Keller Hörschelmann, der aus früheren Vorträgen am hiesigen Platze vorteilhaft bekannt ist gewonnen, um über das Thema: „Der Stoffwechsel, ein wunderbarer Vorgang tn
unserem Körper. Stoffwech-selstürung als die gemeinsame Ursache aller Krankheiten" zu sprechen, und zwar anr Freitag, ibcnds M Uhr, im Saale der „Loge Plato".
über das vielumstrittene Thema die „W under- h ei tun gen von Lourdes". das neuerdings die deutsche Ärzteschaft wiederholt beschäftigt hat, hält heute abend im Saalbau der Lurngesellschaft. Schwalbacher Straße, der praktische Arzt Dr, Aigner aus München einen Bortrag, bei dem zahlreiche, it in Lourdes selbst gefestigte Lichtbilder die Tätigkeit der Arzte bei der Konstatierung der Wunder- Heilungen illustrieren.
Tie nächsten B orks Vorträge werden in Berbnümng mit dem Verein der Arzte smttfinden, und zwnr wird zunächst Professor Dr. Herxheim« an zwei Übenden über das, Mut des gesunden und kanten Menschen sprechen. Diese beiden Vorträge finden am 16. und 23. Januar im Saale des städtischen N'.algvmnasiums stakt
■ Wiesbadener Künstler auswärts. Else Voigt, die., wie e ' innerlich, vor zwei Jahren, ihre Bühnenlaufbahn am, hiesigen König! Hoftheater begonnen .und letzt als erste Altistin am Giadttbeater in Posen engagiert ist, erzielte kürzlich bei der
Voigts . Ortrub": „Daß diese ^schone Stimme eine sorgsame und künstlerisch einwandf eie Schulung erfuhr, ergab sich zweifelsohne schon in ihrem ersten Duett mit Telramund; dazu
kommt die große Tragfähigkeit des Organs bei stets gewahrtem Wohllaut, sowie die seelische Anteilnahme an der Handlung. „Der große Umfang der bestgeschulten Stimme, berechtigt srl. Voigt, große Hoffnungen auf ihre spätere Karriere zu setzen.
Ku§ dem Veremslebsn. vorderichte, Versinsversammlungen.
- Der Stenographenperein „Gabelsberger E. V.", ladet die Mitglieder zu der am Donnerstag, den 82. Mtuuxc, abends 9 Uhr, im „Hotel Vogel". Rheinstraße 27, Itattsinden- den Genemtversamumng ein. Magistratsassistent Tolrssorff wird dabei einen Vortrag, betitelt: „Gabelsberger als Mensch , halten. . ,
* Irl der vorgestrigen Mrsammlmig des „Bererns ehemaliger Schüler deH König l. humanisti s chen Gymnasiums" würde Justrzrat Siebert WM. Vorsitzenden, Dr. Wüller-Gastell in Eltville zum SchMffuhr« und Dr. weä. Akthause zum Kassenwart gewählt.. Der .aahresber- trag ist auf mindestens 1 3)1. festgesetzt; die einmalige Zahlung von 25 W. gilt für die ganze Zeit der Mitgliedschaft. Dre ehemaligen Schüler des Königl. Gymnasiums (Ech Nrcht- Mtunenten) können sich bei einem der genannten Herren oder bei der Gvmnästaldirektion als Mitglied anmelden. Wch für den Verein werben oder Adressen ihrer ehemaligen Mitschüler angeben.
ÄU8 dem LKRökreis WiesdKdLN.
-o- Biebrich, 12. Januar. Bei dem gestrigen Bolksunter Haltungsabend des „BoWbildungsverems gab Lehrer Rudolf Dietz ans Wiesbaden eine Reche seiner mundartlichen Gedichte zum Besten und erntete levhasten. Verfall. Frl. Erna Hertel (Wiesbaden), hier ebenfalls nicht unbekannt, trug die Pagen-Arie aus den „Hugenotten „Waldvögelein" von Lachner und schließlich noch Weyer-Hellmunds Rokoko-Ständchen vor und erntete lebhaften Applaus, Frl. Hedwig Hertel (Cello) bewies in Godards „Wregenlred und „Liebesgruß" von Elgar ihre bekannten Vorzüge.. Von den heimischen Gesangvereinen hatte sich diesmal der Mannergesangverein „Fidelio" mit verschiedenen Chsrvortragen.rn den Dienst der guten Sache gestellt. Auch Meie Vortrage wurden jodesnral mit lang anhaltendem Beifall aufgenommen. — = Die weiteren polizeilichen Ermittelungen Uber den gestern gemeldeten Versuch des Taglöhners Mich. Schießer, seine getrennt von ihm lebende Ehefrau im Rhem zu ertränken und sich ihrer auf diese Weise zu entledigen, haben ergeben, döst die Angaben der Frau zweifellos auf Wahrheit beruhen. Einer Patrouille der Unteroffizierschule die etwa uni halb 10 Uhr den Leinpfad passierte, war em Mann Wlf- gefallen, der sich aus ihrem Sehbereich wegfcÄM. Der Patrouillenführer beabsichtigte erst, den Mann zu stellen, als er plötzlich vom Rhein her lautes Wimmern hörte. Bei näherem Zusehen bemerkten die Soldaten die fast bis an den Hals im Wasser stehende Frau. Sofort wurden, während man der Frau zurief. noch ein Weilchen auszuharren, alle Anstrengungen gemacht, um wertere Hilfe aus der Aaserye sowie Rettungsmaterial herbeizuholen. Inzwischen war auch ern patrouillierender Polizeibeamier erschienen. Die Bemühungen der wackeren Leute waren von Erfolg. Im Krankenhause, wohin die schon nahe am Erstarren getvesene Frau gebracht wurde, erholte sie sich bald wieder. Wie schon mitgeteilt. wurde der Mann verhaftet Er wird sich daher demnächst wegen Mordversuch zu verantworten haben.
Biebrich, 14. Januar. Der Rhein bringt seit gestern Treibeis. Bei dem hohen Wasserstand (die Ufer sind unterhalb Biebrich bereits teilweise überflutet) ein selten schönes Naturschauspiel.
5=s Schierstein, 13. Januar. Der Turngau Süd- Nassau hält sein diesjähriges Gaufest am 4., 6. und 6. Juli hier ab. Man ist schon jetzt eifrig bemüht, dem Fest einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf zu sichern.
Heßloch, 13. Januar. Der Gesangverein „Frohsinn" feiert am 18.. 19. und 20, Jilli d. I. sein Mähriges Jubiläum s f e st. verbunden mit Fahnenweihe.
el. Hochheim, 13. Januar. Die Stadt hat den Leiter des hiesigen Elektrizitätswerkes »usöilden lassen, Blitzab- I e 1 t cra « la g c n z u prüfen. Für die Prüfung ist eine kleine Gebühr zu zahlen, die in die Stadtkasse fließt. Für schriftlich abgegebene Gutachten, unter denen die Bescheinigung der P:üfunq nicht zu verstehen ist und die kostensrei erteilt wird ist eine Gebühr von g M. zu zahlen. — Der Gesangverein Sängerbund", der stärkste hiesige Gesangverein und Inhaber zahlreicher Preise, damnhs mehrerer erster Preise, hielt gestern abend im ..Kaisersaal" sein diesjähriges Stiftungsfest ab. das sich eines sehr starken Besuche? erfreute. Die Chöre: „Der Steuermann", „Wie's. daheim war", „De Hamkehr" und andere fanden außerordentlichen Beifall. Der Humor kam in emiaen Einaktern zur Geltung.
RMmrische Nachrichten.
Die sparende Post.
8. Hachenburg, 13- Januar. Daß wir im Zeitalter des Verkehrs leben, scheint für^das hiesige Postamt nicht zu- zutreffen; denn seit dem 1. Januar hat man für die Landorte die zweite Bestellung aügeschafft. Wie es heißt, soll diese merkwürdige Maßregel für den ganzen Winter gelten. Damit hat man die Landorte m bezug auf den Postverkehr schlechter gestellt als vor 20 Jahren; denn der zweite Bestellgang besteht schon länger als 29 Jahre. Merkwürdige Zustände entstehen dadurch; Briefe z. B.. die am Samstag gegen l0 Uhr morgens in Hachenburg emtreffen. gelangen erst am Montag gegen 11 Uhr in die Hände der Empfänger. Sie lagern also 50 Stunden in den Händen der Post. Das Sonderbarste ist aber, daß auch Altstadt, das mit Hachenburg fast zusammenhängt, nur eine einmalige Bestellung hat. Wie wir hören, wollen die Ortschaften zunächst der Oberpostdirektion vorstellig werden und dann durch b en Reichstagsabgeordneten bei der Reichsregierung sich beschweren.
Tödliche Unfälle.
ln. Haiger, 13. Januar. Beim. vorzeitigen Abspringen von einem Eifenöahnzug geriet der jugendliche Bahnarbeit,er Albert K c m p f e r auS Rodenbach unter die Räder. Er wurde überfahren und starb bereits auf dem Wege nach dem Krankenhaus. ^
nv Langenschwalbach, 13- Januar. In der Versammlung der hiesigen Ortsgruppe ^deS „Nassauischen Altertumsvereins" im „Werdenhof" sprach am letzten Sonntag Herr Lehrer S t ü ck r a t h aus Biebrich über: „Das Volkslied". Er fand lebhaften Beifall. Der „Bürgerver» e i n" hielt gestern seine ordentliche Generalversammlung im Restaurant „Löwenburg" dahier bei reger Beteiligung seiner Mitglieder ab. Zu der Frage der.„03 eitr 8 ge zur Handwerks! a m m e r" wurde nach längerer Debatte eine Resolution gefaßt, in welcher gesagt wird: „Die Versammlung sieht in der Anforderung der Beiträge zur Handwerkskammer eine Belastung des Handwerks, die ganz besonders in den jetzigen ungünstigen Zeitveryältnissen schwer empfunden wird. Wir bitten, es bei den seitherigen Verhältnissen der Stadt den Handwerkern gegenüber zu belassen und die Beiträge auf die Stadtkasse weiter übernehmen zu wollen."
D<1. Höchst n. Bk., 14, Januar. Bei der Einfahrt des Zuges 689 von Frankfurt a. TL um 5 Uhr 47 Min. gestern abend wurde der Arbeiter Schüttler aus Ober-Jossa p p m Zug erfaßt und fiel zwischen Bahnsteigkante und Zug.
Morgen-A usgabe, 1. Blatt. Seite 3.
Er erlitt am Kopf einige Wunden. Der Mann war von hinter ihm stehenden Arbeitern gestoßen und geriet unter den Zug.
-3- Erbach i. Rh., 12. Januar. Der Kommandant der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, Herr Wilhelm Cr aß, wurde von dem Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau zum Branddirektor ernannt und ihm gleichzeitig das Achselstück Nr. 1 mit Flechtwerk zugeteilt.
rr. Caub, 13, Januar, Obersteiger Kern Hierselbst erhielt das Verdienstkreuz in Gold. Derselbe war fast 50 Jahre im Dachschieferbergbau tätig, zuletzt viele Jahre auf der Grube „Wilhelm Erbstollen 1837". Herr Kern ist der frühere Besitzer der „Stadt Mannheim".
o. Obcrlahnstein, 13. Januar. Eine Frau von hier, deren Mann schon seit längerer Zeit in einer Jrrenheilanstalt untergebracht ist, besuchte diesen gestern. Auf der Rückfahrt verfiel die Frau ebenfalls in Irrsinn, so daß sie sofort in dieselbe Anstalt untergebracht werden mußte, in der sich ihr Mann befindet.
-35 Limburg, 13. Januar. Vorgestern verschied im Mer von 70 Jahren ein alter Veteran, der Schuhmacher Heinrich K l ä r n e r. Der Verstorbene machte als Nassauer Jäger 1866 den Feldzug mit und 1870/71 bei der 8. Kompagnie des Hess. Füsilier-Regiments Nr. 80 den Feldzug gegen Frankreich, wobei ihm wegen seiner Tapferkeit in der Schlacht bei Wörth das Eiserne Kreuz verliehen wurde.
X Diez, 12, Januar. Mit der Neujahrsablösun.g im Betrag von 134 M. wurde die „warme Frühstückskasse", die Kleinkinderschule und der Krankenhausverein mit je einem Drittel bedacht) — Die Firma Christian Sommer zu Ems hat die städtischen Anschlagsäulen dahier gepachtet.
In. Herborn, 13. Januar. In der Eisenerzgrube „Rotland" büßte der 18jährige Bergarbeiter T h e i s durch einen unglücklichen Sturz von einem hohen Gerüst sein Leben ein.
£ti!§ der Amyebrmg.
Mitteldeutscher Btehhändler-Berein.
fc. Frankfurt a. M„ 11. Januar. Der Mitteldeutsche Viehhändler-Verein hielt heute im „Löwenhof" in Frankfurt am Main seine diesjährige Hauptversammlung ab. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Forderungen der Frankfurter Kuh- und Rindermetzger an den Viehhandel, Kühe und Rinder auf dem Frankfurter Viehmarkt mit Währschaft zu verkaufen, sowie die Händlervieh-Quarantäne im Grotz- herzogtum Hessen. Es kam zum Ausdruck, auf dem am 9, Novencber 1913 in Frankfurt a. M. in einer außerordentlichen Generalversammlung der Viehhändler gefaßten Beschluß zu verharren. Dieser ging dahin, daß die den Frankfurter Viehmarkt mit Kühen und Rindern befahrenden Händler von jeglichen Unterhandlungen mit dem Konsortium der Kuh- und Rindermetzger so lange absehen, bis ein neues Abkommen seitens der Ochsenhändler und -kommissionäre mit der Viehmarktsbank Frankfurt a. M. getroffen werde. Der Vorsitzende des „Oberhessischen Viehhändler-Vereins" hatte erklären lassen, daß der Verkauf des Viehes auf dem Frankfurter Markte von den Mitgliedern feines Vereins weiter ohne Garantie und ohne jeglichen Abzug geschehe. Die Versammlung nahm gegen eine Stimme obigen Beschluß an, nachdem noch darauf hingewiesen war, daß die in Köln a. Rh. konstituierte „V i e h h a n d e l s b a n k" noch im Laufe dieses Jahres eine Filiale in Frankfurt a. M. errichten werde. Mit dieser Viehhandelsbank werde der Handel der Viehmarktsbank, einer Institution der Metzger, ein Paroli bieten; dann werde die Frage des Verkaufs der Kühe und Rinder mit oder ahne Währschaft am ehesten' gelöst werden. Ein Antrag, der Verein möge die Kälberhändler gegen den Abzug von einem Prozent beim Kälberverkauf durch die Viehmarktsbank schützen, wurde dem Vorstand zur weiteren Behandlung übergeben.
Fortschrittliche Gemeindcvertreterkonferenz.
33- Frankfurt a. M., 13. Januar. Die fortschrittliche Ge- mcindeverireterkonferenz, die am kommenden Samstag und Sonntag hier tagt, begegnet allenthalben lebhaftem Interesse. Wie wir erfahren, ist schon eine stattliche Reihe von Anmeldungen zur Teilnahme daran eingegangen. An dieser Tagung, die am SamKtag, den 17. Fanuar,^ im „Hotel Kaiserhof", Eoetheplatz 5, abends 7 Uhr, beginnt und Sonntagvor- mittag 10 Uhr im „Kaufmännischen Verein", Eschenheimer Anlage 40/41, fortgesetzt wird, haben außer den eingeladenen Gemeindevertreiern und Magistratsmitgliedern auch eingeschriebene Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei Zutritt.
Straßenbahn-Fernsprecher.
Iit. Frankfurt a. M., 11. Januar. Die Stvaßenbahnver- waltung rüstet in Zukunft alle auf freier Strecke fahrenden Motorwagen mit Fernsprechern aus, damit diese bei Unfällen und Betriebsstörungen sofort dem zuständigen Bahnamt Mitteilung machen können. Die Verbindung wird durch eine Bombusstanae. die mit ihren Haken in die Fernsprechleitung ai- den Masten eingczangt wird, hergestellt. Die Straßenbahn von Bockenheim nach Hausen und Prarurheim erhielt bereits die Apparate.
Selbstmord im Gerichtssaal.
wt>. Frankfurt a. M., 14. Januar. Selbstmord durch Vergiftung verübte gestern im Saal der Strafkammer des hiesigen Landgerichts der Malermeister Karl Kurt aus Sternberg. Kuxt loar wegen Sittlichkeitsverbrechens zu 1 Iahe Zuchthaus verurteilt worden. Nachdem das Urteil verkündet war, setzte er sich nieder und leerte vor den Augen der Richter ein Fläschchen mit Gift. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo er bald darauf st a r b.
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bs. Mainz, 13. Januar. Zwischen den beiden feindlichen Gruppen in der Mainzer fortschrittlichen Bolks- Partei sind unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Henrich (Darmstadt) und drei weiteren Mitgliedern des Lan- desausschusses Verhandlungen zur Beilegung der Zwistigkeiten im Gange, die in den nächsten Tagen zum Abschluß gebracht werden sollen. Auf der nächsten Sonntag in Frankfurt a. M. stattfindenden Sitzung des Landesausschusses der Partei soll über die Zwistigkeiten ebenfalls verhandelt werden.
llt. Frankfurt a. M., 13. Januar. Der Magistrat hat eine .Vorlage über die Errichtung eines städtischen Nachrichten b u r c au s in Vorbereitung. Durch das Bureau sollen der Presse alle wichtigen Mitteilungen über städtisch« Angelögenheiten zugestellt werden. Zugleich aber soll es auch als „Dementierstube" für unrichtige Zeitungsmeldungen dieneii, (Die gleiche Absicht besteht in Wiesbaden, wo sie demnächst auch verwirklicht werden soll. Schriftl.) — Gestern verschied im Alter von 77 Jahren der 8- Vorsitzende des hiesigen „TaunusklubS", Herr Gustav Scholl. Er hat nahezu 40 Jahre, und zwar vorzugsweise als 8. Vorsitzender, für den „Taunusklub" gewirkt. — Der frühere zweite Bürgermeister
