Seite 2. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.
stattfinden sollte. Es ist nach dem Namen der vor einem Jahre verstorbenen Gemahlin des - bayerischen Kronprinzen „Marie - Gabriele - Prinzessin - Rupprecht- H e i jrt" benannt und im großen alten Staatslazarett im Süden der Stadt, ganz nahe am Promenadenstrand der Stadt, belegen.
AUZlKRö.
Gsterveich-AngLnm.
Tschechische Obstruktion im Budgetausschuß. Wien, 14. Januar. Gemäß dem seinerzeit gefaßten Beschluß setzten die tschechischen Agrarier und die tschechischen Radikalen nt der gestrigen Sitzung des Budgetausschusses bet der Verharrd- lung des Budgetprovisoriums mit Obstruktion ein. Der tschechische Radikale Stanek sprach, zumeist in tschechischer Sprache, Von 7 Uhr abends bis 4 Uhr früh, worauf die Sitzung aus eine Stunde unterbrochen wurde.
Niederlande.
Eine sozialistische Interpellation zum Krupp-Prozess. Haag, 13. Januar. Bei der Beratung Äes^Kriegs- etats in der Zweiten Kammer fragte der Sozialist T e r l a a n die Regierung, ob sie versichern könne, daß die niederländischen Offiziere keine Schmror- g e l L e r erhalten bezw. erhalten werden . seitens Krupps. Er wies darauf hin, -daß die Offiziere, d:e bei Krupp die Kanonen prüften, auf Kosten der Firma logrörten. Der K r i e g s m i n i st e r erwiderte, er Jet über die Anfrage höchst erstaunt. Er könne unmöglich dafür einstehen, daß niemals ein Offizier unehrlich gewesen sei, er wolle aber Wohl erwägen, der Firma Krupp sagen zu lassen, daß die niederländischen Offi- uete fortan in Essen ihr Logis für Rechnung der Regierung beziehen sollten.
Krankreich.
Der neue Kapitalftener-Gesetzentwurf. Pari s, 13 Januar. Der Gesetzentwurf über die Kapitalfteuer führt eine jährliche Abgabe ein. die berechnet wird nach dem Nettobetrags der 30 000 Franken übersteigenden Vermögen. Für jedes Kind werden von dem steuerpflichtigen Vermögen 8000 Franken abgezogen. Die Abgabe steigt in geringen Abstufungen bis zu einem Steuersätze von 2,50 pro Mille, ^re Steuererklärung und die Steuereinschätzung wtrd nur alle fünf Jahre neu berechnet, außer, wenn eine Steigerung des Vermögens über 10 Prozent vorliegt. Tie Geheimhaltung der Vermögen wtrd in dem Gesetzentwurf aufrechterhalten. Die Kapital- steuer soll mindestens 190 Millionen ergeben.
Die Kampagne des „Figaro" gegen Caillaux. Parts, 14. Januar. In einem an den „Figaro" gerichteten Schreiben erklärt der Präsident des Comptoirs d'Escompte, Alexrs R o st a n d, im Namen des ganzen Verwaltungsrats, daß die gegen den Direktor der Bank, Ullmann, erhobene Beschuldigung, er habe dem Finanzminister Caillaux für Partet- zwecke Gelder zur Verfügung gestellt, vollständig unbegründet kei ^er ..Figaro" bemerkt hierzu, daß er nunmehr das Kapitel der unbeweisbaren Dinge verlassen und den Ftnanz- minister auf einem anderen ernsteren Gebiete angreifen werde. . .
Das Parteiprogramm der neuen „Vereinigung der Linken". Paris, 14. Januar. Die Vereinigung der Linken hielt gestern abend eine Plenarversammlung ab, an der u. a. Briand, Millerand, Barthon, Etienne, Pichon und Dupuy teilnahmen. Die Versammlung nahm eine an die Zähler gerichtete Erklärung an, welche als Parteiprogramm folgende Punkte aufzählt: Laicnschule, Gewissensfreiheit,
Schuh des Rechtes und der Sicherheit aller Bürger, Garantie der nationalen llnabhängigkeit und Würde, eine Wahlreform ohne für die Republik gefährliche Gruppenbildungen, die Entwicklung des seit 20 Jahren in Angriff genommenen Werkes der Demokratie sowie eine Steuerreform, die den Grundbesitz entlastet, ohne die produzierenden Stände des Landes zu be- m-mrfiirrtn — Die Statuten der Vereinigung legen den Anhängern die Verpflichtung auf, an die erste Stelle alle Fragen weiche die Verteidigung des Landes, dre Zukunft der Nation'und die Ausdehnung des französischen Einflusses in der Welt betreffen, zu stellen, die Laienschule zu verteidigen und alle Kräfte anznwenden, die Schäden des parlamentarischen Regimes auszumerzen.
England.
Professor Bonn über die deutsche Kolonialpolitik. London, 14. Januar. Gestern abend hielt in dem Rohal- Kolonialinstitut Professor I>r. Moritz I. I. Bonn aus München einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über deutsche Kolonialpolitik. Der Vortragende charakterisierte in
B u r ck a r d t erinnern. Aber nicht etwa aus künstlerischer Verwandtschaft, sondern weil sie so grundverschieden sind voneinander. Eine zum Sopran geschraubte Mezzostimme, der alle hohen Töne schon in den dramatischen Partien ein» fach äbbrcchen, die aber trotzdem eine Elisabeth, eine Elsa, ja sogar eine Tosca zu fingen nicht verhindert wird. Und das in einem Theater, wo der billigste Platz 4 M. und 25 Pf. kostet. (Die Münchener Presse hat bei einem Gastspiel als Isolde letzten Sommer die Gelegenheit wahrgenommen, der Dame die ungeschminkte Wahrheit zu sagen.) . Und in ihrer Vertretung, durch den Mangel an hochdramatischen Sopranen verursacht, sang Frau Matzenauer letzthin die Brünhilde in der „Walküre", eine Leistung, die, wenn man in Betracht zieht, daß die Sängerin Ende Januar schon Mutterfreuden entgegensehen soll, nicht gerade dazu angetan war, die höchsten ästhetischen Anforderungen zu befriedigen. In Haufen verließ denn auch das Publikum den Zuschauerraum, und die Vorstellung litt sehr unter diesen „Umständen".
Dies sind Mängel — und es sind nicht die einzigen — die das sogenannte erste Operntheater der Welt, das keineswegs das ist. was es scheint, in seinem Renommee gar bald beträchtlich herabsetzen werden und es zu einem Institut degradieren, für das der deutsche Bühnenjargon eine so treffende Bezeichnung hat.
Frau Ober-Arndt, die Berliner Altistin, hat ihr sehr erfolgreiches Debüt hier als Ortrud gemacht und erfreut sich einer allgemeinen Beliebtheit. — Auch ein neuer lyrischer Bariton, 'Karl Schlegel, singt in diesem Jahre zum ersten Male in New Dork und hat sich als Heerrufer recht gut eingeführt. Ich wünschte dem New Dorker Publikum von Her-
WissbKÄsZrsr Tagblatt» _____
gedrängter Form die Verschiedenheiten unserer »erschienen Koloniätbesttzungen, erklärte ihre verhältnismäßig späte Entwicklung aus den Bedingungen der deutschen Volkswirtschaft und bezeichnete die künftige Aufgabe der deutschen Kolonialpolitik, indem er auf die Gemeinsamkeit der Aufgaben der verschiedenen Kolonialmächte, namentlich in Afrika, hinwies. Mehrere Redner betonten, daß die kolonisierenden Rationen viel von einander zu lernen hätten. Lord M i l I n e r beantwortete, indem er Professor Bonn den Dank der Versammlung aussprach, die Frage, ob größere Gebiete Mittel- und Südafrikas als Siedelungspunkte für die ioeitze Rasse betrachtet werden könnten, in optimistischem Sinne.
Norwegen.
Eröffnung des Stortlftngs. Christiania, 13. Januar. Der König eröffnete die Storthing- tagung mit einer Thronrede, in der zunächst auf die reichen Erinnerungen hingewiesen wird, die das Jahr 1914 für Norwegen bringt. Jetzt seien hundert Jahre verflossen, seit das norwegische Volk seine freie Verfassung erkämpft habe, in deren Gefolge es auf allen kulturellen und materiellen Gebieten größere Fortschritte zu verzeichnen hatte, als je vorher in einem entsprechenden Zeitraum. Es hatte in diesen hundert Jahren ununterbrochen Frieden, und die Beziehun- gen des Landes zu den fremden Mächten seien andauernd freundschaftlich. Die Verhältnisse auf Spitzbergen seien beständig Gegenstand von Erörterungen mit den übrigen interessierten Mächten. Die Thronrede kündigt dann eine Reihe neuer Gesetzentwürfe an. Die Kredite für Heer und Flotte sollen e r h ö h t werden. Es wird vorgeschlagen, die D i e n st zeit der Wehrpflichtigen zur See von sechs auf zwölf Monate zu erhöhen, während die Frage der Verlängerung der Übungszeit der Armee zurückgestellt wird, damit sie zunächst mit anderen wichtigen Verteidigungsfragen von einer zivilen Verteidigungskommission erörtert werde. Die Beratungen über die Invaliden- und Altersversicherung seien dem Abschluß nahe.
Bulgarien.
Die Bevölkerung des neuen thrazischen Gebietes. Sofia, 13. Januar. Die von den Militärbehörden in den neu erworbenen Gebieten borgenommene Zählung ergab für das bulgarische Thrazien eine Bevölkerung von insgesamt 494160, davon sind 228 000 männlich, für das bulgarische Mazedonien von insgesamt 178 000, davon sind 42 500 männlich. Im Bezirk Mustafa-Pascha beträgt die männliche Bevölkerung 4000 bei einer Gesamtbevölkerung von 33 180.
Albanien.
Ein Engländer als provisorischer Gouverneur von Skutarr. Wien, 13. Januar. Die „Albanische Korrespondenz" meldet aus Alessio: Nach der Beilegung der Zwistigkeiten zwischen der provisorischen Regierung in Alessio und einem Teil der Malissoren durch den Gouverneur von Skutari, den englischen Obersten Philipps, wurde eine aus zwölf Stammeshänptern bestehende Regierungskominission gebildet. Der englische Hauptmann Francis wurde zum provisorischen Gouverneur eingesetzt.
Zurück nach Konstantinopel! Triest, 13. Januar. Die aus Valona eingetroffenen, bei dem mißglückten Putschversuch beteiligt gewesenen türkischen Soldaten sind heute nach beendigter viertägiger Quarantäne im Hafenlazarett San Bartholomäus mit dem fälligen Lloyddampfer nach Konstantinopel abgefahren. Drei leicht erkrankte Türken sind noch in dem Lazarett zurückgeblieben.
ktsien.
Der japanische Budgetentwurf. Tokio, 14. Januar. Der Budgetentwurf weist an ordentlichen Einnahmen 834 328 648 Den, an außerordentlichen 106 901 911 Den, an ordentlichen Ausgaben 425 292 026 Den und an außerordentlichen 213 938 630 Den auf. Die ordentlichen Ausgaben des Kriegsbudgets betragen 79 873 604 Den, die außerordentlichen 12 087 288 Den, die ordentlichen Ausgaben der Marine 40 909 574 Den, die außerordentlichen 69 790 846 Den.
Luftfahrt.
Eine militärische tibungsfahrt der „Sachsen" über See. Hamburg, 13. Januar. Das Luftschiff „Sachsen" unternahm heute vormittag 9 Uhr eine militärische Übungsfahrt unter Führung des Professors Sticker nach der Nordspitze der Insel Fehmarn. Später wurde das Luftschiff über Kiel ge- jichtet und kehrte gegen 3 Uhr wohlbehalten nach der Fuhls- bütteler Flughalle zttrück.
zen, einmal G e i s s e - W i n k e l s strahlende Stimme in dieser Partie zu hören.
Und nun zuletzt, „doch nicht der letzte meinem Herzen", Karl Braun, der Bassist des Metropolitan, der durch seine überragende Größe — körperlich als künstlerisch sowohl — nur allzu oft einen tiefen Schatten um sich verbreitet. Brauns Leistungen, in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens hier, haben das größte Aufsehen erregt, und besonders der „Hagen" entfesselte einen Sturm von Begeisterung bei Presse und Publikum. Diese eminente Schöpfung des jungen Künstlers eröffnet meines Erachtens direkt eine Perspektive auf die Wagner-Darstellung der Zukunft, und ihrer Zeit weit vorausgeeilt, läßt sie uns ahnen, was wir von den Tondramen . des großen Meisters einmal zu erwarten haben. Vorläufig fällt Brauns Darstellung noch zu sehr aus dem Rahmen, zeigt noch zu sehr die Unvollkommenheit der Umgebung. Denn während der Sänger von heutzutage sich erst langsam dem Erfassen des Wagnerschen Ideals nähert, geistig und stimmlich, während er erst nach und nach ja die Fähigkeit hineinwächst zur völligen Ausfüllung dieser gewaltigen Partien, schafft Braun eine Figur von höchster, letzter Vollendung, schafft eine der ausgeglichensten, restlos erschöpften Gestalten Wagnerscher Phantasie, die je auf den Brettern standen.-
Das Repertoire des Metropolitan ist jo ungefähr das eines guten deutschen Hofiheaters, bewegt sich jedoch in künstlerischer Hinsicht nicht auf demselben Niveau. Denn daß durch das „star"-Wesen ein ineinander greifendes Zusammenspiel, eine völlige Hingabe an das Kunstwerk und seine Forderungen nicht erzielt werden kann, ist leicht verständlich. Wie
Donnerstag, 18. Januar 1914. Nr. 23*
Bus Stabt und tanh.
tDiesbabener Nachrichten.
Zur Wahl des neuen Stadtschulrats.
Aus Lehrerkreisen wird uns geschrieben: Wie bekannt, ist unter den mehr als 200 Bewerbern um die am 1. April d. I. frsiwerdende städtische Schulratsftelle Herr Lyzeumsdirektor Dr. Müller in Duisburg gewählt worden. Diese Wahl wurde seitens der hiesigen Lehrerschaft allgemein freudig begrüßt; denn Herr Dr. Müller erscheint sowohl hinsichtlich seines Bildungsgangs als auch seiner Persönlichkeit als der rechte Mann für dreien ebenso schwierigen als verantwortungsvollen Posten. Besonders fällt für ihn ins Gewicht, daß er unser Volksschulwesen nicht nur aus der Ferne, vom grünen Tisch, her kennt, wie das sonst bei den Akademikern so häufig der Fall ist, sondern daß ihn sein Bildungsweg zuerst durch das Lehrerseminar und dann durch die Universität führte, und daß er vor Beginn seiner akademischen Studien verschiedene Jahre hindurch praktisch im Volksschulunterricht tätig war. Es ist aber ein anderes, ob ein Schulaufsichtsbeamter vorwiegend nur mit der Kenntnis der behördlichen Anforderungen in eine Schule kommt, oder ob er durch persönliche praktische Erfahrung auch mit den äußeren und inneren Hemmnissen und Schwierigkeiten, die dort zu bekämpfen und zu überwinden sind, einmal näher vertraut geworden ist. Für Herrn Dr. Müller spricht ferner der Umstand, daß ihm während seiner Wirksamkeit als Leiter der höheren Mädchenschule im benachbarten Biebrich auch unsere nassauischen und Wiesbadener Verhältnisse nicht fremd geblieben sind, und endlich, daß er von dort her vielen als eine Persönlichkeit bekannt ist, der man mit guter Zuversicht die Leitung unseres städtischen Volks- und Mittelschulwesens in die Hände geben darf. AuS allen diesen Gründen würde man es in der Wiesbadener Lehrerschaft lebhaft bedauern, wenn die mit augenscheinlich glücklichem Griff bereits vollzogene Wahl nun nachträglich doch noch, wie man zu befürchten Ursache haben soll, an gewissen finanziellen Bedenken seitens, des Magistrats in die Brüche gehen sollte. Wie man hört, übersteigt das jetzige Gehalt Herrn Dr. Müllers in Duisburg dasjenige, welches er nach den bisherigen Sätzen hier zu erwarten hätte, um etliche hundert Mark. Es ist wohl selbstverständlich, daß er sich durch seine Übersiedlung nach hier gehaltlich wenigstens nicht verschlechtern möchte, und auch zu verstehen, wenn er eine dahingehende Bedingung geltend machte. Was die Stadt Duisburg dem Direktor ihres Lyzeums gehaltlich ztrsprach, das sollte doch wohl auch unsere Stadt demselben Herrn als Leiter ihres gesamten Volks- und Mittelschulwesens gewähren können. Die Gehaltsstafsel der Direktoren unserer höheren Schulen kann unmöglich nach dieser Seite hin sklavisch bindend sein; denn die Stellung eines städtischen Schulrats, der über etwa 800 Lehrkräfte und die unterrichtliche und erziehliche Beeinflussung von vielen Tausenden von Schülern gesetzt ist, ist eine wesentlich andersartige und eigenartige.
— Stellcnsuchende Pfarrer. Man schreibt uns: „Im
Regierungsbezirk Wiesbaden verfügt das Konsistorium über 28 Pfarramtskandidaten und 5 Hilfsprediger, von denen 14 bereits ordiniert, aber noch nicht fest angestellt sind. Das hiesige Konsistorium könnte in der Angelegenheit besser Wandel schaffen, wenn mancher Geistliche nicht zu lange im Dienst verbliebe. Im Reichs- und Staatsdienst müssen die Beamten meist mit dem 66. Jahre in den Ruhestand treten; nur die Diener der Kirche machen darin eine Ausnahme. Wir kennen Fälle, daß Geistliche im hohen Alter von 70, ja, 80 Jahren noch amtierten und amtieren und halten das nicht für ganz zweckmäßig, so anerkennenswert der Amtseifer dieser geistlichen Würdenträger ist. Männer in solch hohem Alter können doch nicht mehr so ihres Amtes walten, wie es erwünscht wäre. Sie sollten daher der Jugend Platz machen, die auf Anstellung wartet."
'— Zählung der Kirchenbesucher. Das hiesige Konsistorium hat die Zählung der Kirchenbesucher neu geordnet, und zwar soll sie in Zukunft am Sonntag Jnvokavit, zu Ostern, am 12. Sonntag nach Trinitatis und am 3. Advent stattfinden. Anstaltsangehörige und Mannschaften des stehenden Heeres sollen bei der Zählung unberücksichtigt bleiben.
— Die Jungdeutschland-Jugendwchr, die an den Werk- tagaüenden ihre jugendlichen Mitglieder durch Körperübungen, Unterricht und Vorträge weiterbildet und tüchtig macht, ergänzt diese Ausbildung durch regelmäßige Sonntagsübungen; hierbei spielt das Wetter keine Rolle. Diesem wird lediglich durch geeignete Kleidung Rechnung getragen. Die Jugendlichen sollen ihren Körper abhärten und stählen. Durch ängstliche Rücksichtnahme auf die Witterung würde dies nicht erreicht werden. Einem „Zuviel" oder übermäßigen Anforderungen wird vorgebeugt durch rechtzeitige Anordnungen des auf dem Gebiet der Jugendpflege erfahrenen Übungsleiters, der durch einen praktischen Arzt und durch Mannschaften der
denn auch nicht selten die Gesamtdarstellung unter den hervorragenden Einzelleistungen eher leidet, als gewinnt.
In den Ruhm ^des Kapellmeisters teilen sich neben einer Anzahl zweiter Kräfte Alfred Hertz — ein tüchtiger Musiker — für die deutsche und Aturo Toscanini für die italienische Oper. Toscanini ist ein Vollblutitaliener, was ihn aber nicht hindert, ab und zu einen von tiefem Verständnis für deutsche Kunst getragenen „Tristan" aus dem hervorragenden Orchester herauszuholen.-
Aus Kunst und Leben.
* Ein Autograph Ludwigs XVII. Es gibt wohl keine selteneren Schriftzüge einer modernen historischen Persönlichkeit als die Autogramme des kleinen Ludwig XVII-, des unglücklichen Sohnes Ludwig XVI. und der Marie-Antoinette, In der Sammlung Bovet, die 1836 in alle Winde zerstreut wurde, war rin Autograph des Knaben gewesen, aber seitdem war es deist eifrigsten Sammlern nicht gelungen, solch ein kostbares Schriftstück aufzutreiben. Nun ist, wie der „Figaro" mitteilt, ein Autogramm des königlichen Prinzen aufgetaucht, das nach authentischen Angaben aus dem Besitz des Schreiblehrers des Dauphin Jourdan-Dumesnil stammt. Die Reliquie stellt augenscheinlich eine Schreibübung des kleinen Prinzen dar; es ist ein liniiertes Blatt, auf dem er fünfmal seinen Namen Louis-Charles geschrieben^ hat. Es wäre von Interesse, diese zweifellos. echten Schriftzüge mit denen des angeblichen Dauphin zu vergleichen, und vielleicht könnte die Graphologie dann Licht bringen in eine Frage, die noch immer nicht ganz geklärt ist und erst jüngst wieder aufgetaucht ist.
