Verlag Langgasse 21
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Donnerstag. 15. Ianuar 1914.
Die Kraftprobe in Lüöafrika.
XX London. 13. Januar.
Die Lage in Südafrika bleibt ernst, auch nach Abzug der unausbleiblichen Wertreibungen. Sie wäre üielleicht noch ernster, wenn es sich wirklich um einen Ausstand handelte, in dem sich die Arbeiter zur Abhilfe unerträglicher Zustände zusammengefunden. Doch General Bot.ha stellt es klarer dar: „In Südafrika ist kein Platz für zwei Regierungen." Darum handelt es sich. Wer soll herrschen, die Regierung oder die „Föderation der Arb eit". Dieser Bund der Gewerkschaften versuchte seine Macht im Juli anläßlich des Ausstands der weißen Bergwerksarbeiter und brachte es wohl zu blutigen Austritten in Johannesburg, aber zu keinem nennenswerten Erfolg. Jetzt soll der Eisenbahner-Streik die Kraftprobe abgeben, und das Ende kann schließlich wieder nur eine Niederlage sein. Die Regierung hat nicht nur den gesamten Kapitalismus — wahrlich keine geringe Macht in Südafrika —, sondern auch augenscheinlich die öffentliche Meinung hinter sich. Mit der Verhaftung von zwölf Arbeiterführern und der Mobilmachung von 60 000 Mann der Burenmiliz hat sie der Föderation bewiesen, daß sie „keinen Spaß versteht". Und gegen diese Machtentfaltung hat der Bund keine andere Waffe als den M äffe n st reif auszuschreiben. Doch wie der ausgeht, das wird man bald sehen.
Die Föderation der Arbeit strebt tatsächlich nach etwas U n erreichbar c m in Südafrika. Ihr schwebt das Beispiel Australiens vor, von wo sie ja auch ihren Namen entlehnt hat. Dort haben die Arbeiter durch ihre Gewerkschaften die Herrschaft errungen im Erwerbsleben wie im Parlament, aber nur, weil sie den Ar beits markt beherrschen und durch E i n w a n d e r u n g s v e r b o t e gegen jeden billigeren Mitbewerb absperren. Dieser Weg. zur Macht ist aber in Südafrika für den „weißen" Arbeiter unmöglich. Hier ist der Schwarze in seiner Heimat und in erdrückender Mehrheit. Stehen doch selbst im Eisen b a hndienst 30 000 Farbige den 5000 Weißen gegenüber. Die weißen Arbeiter sind fast überall nur in höheren Stellungen beschäftigt, wo besonders Kenntnisse oder Zuverlässigkeit nötig sind, und können bei den allgemein herrschenden Rassen- anschauungen keine andere Stellung einnehmen. Sie müssen immer die dünne, oberste Schicht des Arbeiter- Heeres bilden, die „Unteroffiziere", die, notwendig wie sie -sein mögen, doch nicht in dauernder Feindschaft mrt ihren Arbeitgeber-Offizieren leben können. Zwischen dem in Südafrika so fest konsolidierten Kapitalismus und dem Massenangobot eingeborener Arbeitskräfte sind den Machtbestrebungen des weißen Arbeiterbundes recht enge Schranken gesetzt. > Für ihre zahlreichen, oft nur zu gerechtfertigten Beschwerden sind wilde Drohun- gen und Ausstände der falsche Weg., Die schwarzen lernen zu viel davon, wie sie bereits beweisen, letzter Reihe handelt es sich um die Machtstellung der weiße Rasse überhaupt. Deshalb will die Regierung mit der „Föderation" den Kamps aussechten und — aufräumen. ^
Botha an die Eingeborenen.
B. Johannesburg, 14. Januar. General Botha hat als Minister für Eingeborenenangelegenheiten an alle Cnige- borenen Compounds am Rand, ein Rundschreiben gesandt, tn
New Vorker Brief.
(D r e - N e io Vorker Oper.)
Von Hermann C. Morel (New' Zork).
Wenn im Spätherbst das Metropolitan-Opernhaus seine Wintersaison eröffnet, so ist das trotz der allgemeinen Ma- siertheit der amerikanischen-Metropole ein Ereignis von weitgehendstem Interesse. Wochen vorher schon rührt GaM- Casazza, der Generalmanager, gewaltig die Reklametrommel, und die' Zeitungen orientieren ihre Leser aufs genaue,te sowohl über die zu erwartenden „stars" • und deren ä ttrutt= liegende Karriere als auch über das Programm und^die Opern der kommenden Spielzeit. — Mit großem Tam-Tam geht die Eröffnungsvorstellung vor sich, und der „llorss- sW, das berühmte Diamanten-Hufeisen, wie der erste Rang hier genannt wird, strahlt im Glanze der Millionen, dic. nn den Namen Vanderbilt, Morgan, Astor usw. nun einmal ^unzertrennlich verknüpft sind. — Nur waren es dieses Hayr weniger die Diamanten, sondern, der neuesten französischen Mode entsprechend, die hsir so exaltiert wie nur, möglich nachgeahmt wird rosiges frisches Menschenslesich, das
leuchtete. Dank der weitverbreiteten T-Strahlen-Gewander konnte die New Uorker - jsuussss «lorss beweisen, daß man keineswegs nach Paris zu gehen braucht, um die Schönheit des weiblichen Körpers in allen Einzelheiten zu studieren.
-Für die Eröffnung war ursvrünalick, Mayeners
Morgen ° Ausgabe.
Nr. 23. ♦ 62. IshrgLMg«
dem er die Lage erklärt und die Eingeborenen zur Ruhe mahnt. Das Rundschreiben hat anscheinend eine ausgezeichnete Wirkung ausgeübt.
Ein mitstreikender Stationsvorsteher.
B-. Johannesburg, 14. Januar. Der Stationsvorsteher in Geduld am Ostrand ist verhaftet worden. Er und seine Untergebenen hatten sich dem Streik angeschlossen und er soll sich geweigert haben, seine Papiere seinem Nachfolger auszuhändigen. Es ist dies der einzige Fall, wo ein Beamter von seiner Stelluiig sich dem Streik angeschlosscn hat.
DeutscheZ Reich.
* Aus Anlaß der Investitur zum Schwarzen Adler wird neben dem Herzog zu Braunschweig auch Prinz Heinrich von Bayern, ein Nesse des Königs, sowie Prinz Heinrich von Preußen in Berlin anwesend sein.
* Großjährigkeit des Kronprinzen von Sachsen. Kronprinz Georg von Sachsen, geboren zu Dresden am 15. Januar 1893, vollendet am heutigen Donnerstag sein 21. Lebensjahr und erreicht damit die Großjährigkeit. Er ist Oberleutnant im König!, sächsischen 1. (Leib-) Grenadier- Regiment Nr. 100 in Dresden und wird auch ä la suite des 6. Infanterie-Regiments „Kronprinz" in Chemnitz geführt; außerdem ist er Oberleutnant st la suite des König!, preußischen Garde-Schützen-Bataillons und des König!, bayerischen 15. Infanterie-Regiments König Friedrich August von Sachsen.
— Industrie und Patentgcsetz. Vom Zentralverband Deutscher Industrieller wird uns geschrieben: Die bereits an- gekündigte Versammlung der deutschen Industrie zwecks Stellungnahme zu dem im Sommer v. I. veröffentlichten vorläufigen Entwurf eines Patentgesetzes findet am 16. Jan. 1914, abends 6 Uhr, im Architektenhause zu Berlin statt. Die Veranstalter der Versammlung: der Verein deutscher
Maschinenbau-Anstalten in Düsseldorf,-der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands, der Verein zur Wahrung gemeinsamer Wirtschäftsinteressen der deutschen Elektrotechnik, der Bund der Industriellen und der Zentralverband Deutscher Industrieller haben dafür gesorgt, daß die wichtigsten Fragen der Patentreform von s a ch - verständigen Industriellen eingehend besprochen werden. Die Versammlung, zu welcher auch Vertreter der Behörden, Reichstagsabgeordnete und Vertreter der Presse ihr Erscheinen zugesagt haben, verspricht zu einer einheitlichen Kundgebung der gesamten an'der. Patentreform interessierten industriellen Kreise zu führen.
— Kennzeichnendes von der Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses. Im neuen preußischen Abgeordnetenhause sitzen nicht weniger als 27 aktive Landräte, von denen 17 Mitglieder der konservativen Fraktion und 7 Mitglieder der freikonservativen, Partei sind. Zum Großgrundbesitz gehören nicht weniger als 112 Abgeordnete, d. h. fast genau ein Viertel des gesamten Mitgliederbestandes. Hiervon gehören volle 77 zur konservativen Fraktion. Da diese 148 Mitglieder stark ist, so gehört mehr als die Hälfte derselben dem Großgrundbesitzerstande an. Zum Mittel- und Kleinbesitz in der Landwirtschaft gehören nur 41 Abgeordnete, von denen nur 13 konservativ sind. Diese Zahlen sind wieder einmal ein klassisches Material für den Segen der Dreilt a s s e n w a h l in Preußen!
* Für den Prenßentag des Prcußenbundes, der am Sonntag, den 18. Januar, im Abgeordnetenhause stattfindet, gibt die „Kreuzztg." jetzt das Programm aus. Danach dient die erste Mitgliederversammlung zunachs der Erledigung innerer Bundesangelegenheiten und der Fassung von Beschlüssen für die Tätigkeit und Entwicklung des Bundes in der nächsten Zukunft. Außerdem- werden »von führenden Persönlichkeiten"
„Manon" vorgesehen und in den Hauptrollen Caruso — der stets in der ersten Vorstellung erscheint — und die Farrar, die aber dann plötzlich von einer starken Influenza .befallen wurde und so eine Änderung m Verdis „Maskenball" herbeiführte. Niemand tat das sthr Weh (außer vielleicht Miß Farrar), da „der einzige Caruso ja ^d) sang und btt Destinn an Stelle Farrars nur allzugerne begrüßt wurde. — Caruso war, soweit ihm das noch möglich ist, auf der Höhe. Man ist sich jedoch allgemein darüber -einig — und er selber fühlt die Tatsache wohl am besten daß die göttliche Stiinme- feit geraumer Zeit zu verlieren angefangen hat. Wenigstens hat er sich zu einem Reporter bei Gelegenheit eines Inter» Views recht wehmütig dahin geäußert: Früher sei ihm das
Singen eine Freude gewesen, jetzt sei es Arbeit. — In der letztjährigen „Hugenotten"-Premlere mit der Hempel ist der König der Tenöre sogar schoch einmal haarscharf an einem Fiasco vovbeigestreift. — Nur im „Bajazzo" ist er eigentlich noch der alte Caruso, und wenn er die große Arie am ersten Aktschluß singt, dann klagt und weint die einst so wundervolle Stimme, wie in den besten Tagen, und eine Erschütterung bemächtigt sich des ganzen Hauses, wie ich sie nie wieder erlebt habe. Da kann man verstehen, was den Namen Caruso über die ganze Welt bekannt gemacht hat.
Urlus, der Leipziger Heldentenor, hat niit seiner warmen und ausdrucksvollen Stimme selbstredend berechtigtes Furore gemacht, zumal man sich in seinem Fach hier seit Jahren mit Tenören, wie Burrian, Slezak oder gar Jörn begnügen mußte. — Diese Art Singvögel sind eben rar, aber nichts
verschiedene Ansprachen und Vorträge gehalten, so über: „Preußens Berus", „Die heutige Stellung Preußens im Reiche", „Das preußische Königstum von Gottes Gnaden", „Wirtschaftliche Fragen vom Standpunkte des Preußenbundes", u. a. m. Zu den Verhandlungen haben nur Mitglieder und solche Persönlichkeiten Zutritt, die im Besitze einer Eintrittskarte sind.
* Eine Erweiterung des Stadtkreises Danzig. Dem Ab- geordnetenhause ist ein Gesetzentwurf zugegangen, nach dem die Landgemeinden Brösen, Saspe, Schellmühl, Weichselmünde, Heubude und Krakau sowie der Gutsbezirk Rieselfeld mit der Stadtgemeinde und dem Stadtkreis Danzig vereinigt werden sollen. Die Stadt Danzig wird ihr bisheriges Gebiet von 8667 Hektar um 2758,5 Hektar erweitern, und zu ihren 1 7 0 3 3 7 Einwohnern werden 12 132 hinzukommen.
* Zum Hilfsaufruf für die vom Ostscehochwasser Geschädigten, den wir in der Mittwoch-Morgen-Ausgabe Wiedergaben, teilt das Ständige Komitee, Berlin, Alsenstraße 10, mit, daß es nur Geld und keine Kleidungsstücke annimmt.
— Der Berhandlungsbericht über die letzte Hauptversammlung des Preußischen Städtetages in Breslau ist erschienen und an die Verhandlungsteilnehmer versandt wordern Er umfaßt die Beratungen zum K o m m u n a l a b g a b enge s e tz und die Beratungen zum Wohnungsgesetzentwurf. Als Anlage ist dem Verhandlungsbericht eine Tafel beigegeben, aus der sich ergibt, daß die Bauordnungen von Großstädten mit städtischer Baupolizei (Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M., Königsberg) für die flache Bebauung im Geiste modernen Städtebaues weit mehr geleistet haben als die von Königlichen Polizeiverwaltungen geschaffenen Bauordnungen von Groß-Berlin, Danzig und Kassel. Eine andere Tafel zeigt, wie durch die Festsetzung von rückwärtigen Baulinien, d. h. Linien, über die hinaus ein Grundstück nach der Tiefe hin nicht bebaut werden darf, große zusammenhängende Flächen für Licht und Luft geschaffen werden, ohne daß dadurch der Wert der Baustellen für die Eigentümer herabgesetzt wird; auch diese rückwärtigen Baulinien sind bisher nur von ft ä d t i s ch e n Baupolizeiverwaltungen verwendet. Druckstücke des Verhandlungsberichts können, so weit der Vorrat reicht, von der Geschäftsstelle des Preußischen Städtetags in Berlin C. 2, Molkenmarkt 15, bezogen werden.
* Der Deutsch - Amerikanische Wirtschaftsverband, dem
bereits aus allen beteiligten Branchen führende Firmen an- gchören. hält seine erste Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz von Generaldirektor Ball in am 5 Februar in Berlin. Hotel Esplanade, ab. Der konstituierenden Versammlung folgt am 6. Februar, lOW Uhr, in Berlin im Hotel Esplanade eine allgemeine Versammlung, in der Dr Strese- mann (Dresden) über: „Deutsch - Amerikanische Wirtschafts- bezwhunaen und die Aufgaben eines Deutsch-Amerikanischen WrrtlchattsverbandLs"., Professor Dr A. Osterrieth (Berlin) über: „Die amerikanische Musterschutzgesetzgebung
und ihre Reform". Dr. Stapff (Berlin) über: „Das neue amerikanische Zolltarifgesetz und die deutsche Industrie" sprechen werden. Das Bureau des Verbandes befindet sich in Berlin NW. 7, Unter den Linden 56.
Heer und Slotte.
Schiffsbewcgungen. Eingetroffen: S. M. S. „Goeben" mit dem Chef der Mittelmeerdivision am 12. Jan. in Syracus; S. M. Flußkbt. „Tsingtau" am 12. Jan. in Kanton. — In See gegangen: Der Dampfer „Patricia" mit dein Ablösungstransport für die Besatzungen öes Schutzgebietes Kiautschou und der Flußkanonenboote „Tsingtau", „Otter" und „Vaterland" am 12. Jan. von Cuxhaven.
Deutsche Schutzgebiete.
Ein Erholungsheim in Swakopmnnd. Der bayerische Landesverband des „Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien" errichtet in Swakopmnnd ein Erholungsheim, dessen Eröffnung- nach den letzten Meldungen am 5. Januar d. I.
destoweniger hat auch H'ensel, der im Reklameteil aller musikalischen Zeitschriften Amerikas soviel Genannte, es zu keinem rechten Erfolg zu bringen vermocht. Wenigstens nicht nach außen hin. Für ihn selber war seine kurze New Uorker Tätigkeit immerhin von einem Erfolg gekrönt, der ihm nichts weniger als die Fortsetzung seiner Karriere bedeutete. Denn er fand -den Weg in den Studio des bedeutenden amerikanischen Gesangmeisters Oskar Sänger, — vielleicht ber größte, sicher aber der erfolgreichste Vertreter feister Art heutzutage —, dessen hervorragende Kunst die Stimme Hensels wieder sorgfältig renovierte und rekonstruierte.
Frida Hempel war letztes Jahr'eine Enttäuschung für New Aork, was aber wohl nur darauf zurückzusühren ist, daß sie vorher merkwürdigerweise als ein beinahe beispielloses Wunder angekündigt worden war. Nun ist man hier aber eine Sembrich, Melba und Tettrazini gewöhnt, drei Koloratur-Soprane von höchstem Rang, und selbstverständlich wurden Vergleiche gezogen, die Frida Hempel mit ihrer. mehr nach dem jugendlich-dramatischen Fach hinneigenden Stimme uicht aushalten konnte. Ganz abgesehen von ihrer lang anhaltenden Indisposition und Nervosität. In diesem Jahre ist die Sängerin besser und hat zuletzt einen sehr schönen Erfolg in der mit so großem Pomp herausgebrachten „Rosen- kapalier"-Premiere errungen.
Das „hochdramatische Fach" wird am Metropolitan durch eine Frau Fremstad vertreten, der Presse und Publikum un- begreiflichenweise zu Füßen liegen, und deren Leistungen mich immer an die meisterlichen Schöpfungen der Leffler-
