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Mr. SS» _ Mittwoch, 14. Januar 1914,

Eröffnung der Plenarüerhandlungen zu einer Sitzung zu- sammen und unterzog hierbei die Zaberner Angelegenheit einer längeren Erörterung. Definitive Beschlüsse über das weitere Vorgehen der Fraktion sind einer zweiten Fraktions- sihnng Vorbehalten.

Ein Antrag der badischen Fortschrittlichen Bolkspartei. Die Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei Badens hat in •v der badischen Zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: Die Regierung wird ersucht, beim Bunües- r a t die alsbaldige Vorlage eines Gesetzentwurfes zu betrei­ben, durch den die Militärgerichtsbarkeit auf rein militärische \ Delikte beschränkt wird.

Der sozialdemokratische Antrag, betr. Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen. Die sozialdemokratische Fraktion stellt erneut den Antrag auf Einführung des Reichs­tagswahlrechtes in Preußen, fordert ferner: daß die Bestim­mung über die Ausschließung von Abgeordneten beseitigt und i zu diesem Zwecke diejenige Fassung wiederhergestellt wird, welche bis zum Beschluß des Abgeordnetenhauses vom 6. Mai 1910 gegolten hat, und empfiehlt schließlich den Entwurf eines Gesetzes über die Einführung der geheimen Abstimmung bei den Gemeindewählen zur Annahme.

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Frankreich.

Die Eröffnung der Kammcrsitzung. Paris, 13. Januar. Das Parlament ist heute zu seiner ordent- lichen Tagung zusammengetreten. Der Präsident der Deputiertenkammer Deschanel ist mit 379 von 403 Stimmen wiedergewählt worden. Die Wahl der Vizepräsidenten der Kammer gab zu einer bemerkenswerten K u n d g e b u n g der radikalen Par­tei Anlatz. Der katholisch-demokratische Deputierte Abbä L e m i r e, welcher gegenwärtig von dem Bischof von Lille mit der Exkommunikation bedroht wird, wurde trotz des lebhaften Widerspruchs der Konser­vativen und Nationalisten von den Radikalen als Kandidat für das Amt eines der vier Vizepräsiden­ten aufgestellt und nach zwei Wahlgängen mit 275 Stimmen gewählt. Das Wahlresultat wurde von der Linken mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Auch y die Wahl Auga g n e u r s zun: Vizepräsidenten, der mit einer Mehrheit von 19 Stimmen gegen Andr6 Lesevre durchdrang, wurde von den Radikalen mit leb­haftem Beifall begrüßt, da sie in dem Abstimmungs­resultat eine Schlappe der neugegründeten Partei B r i a n d s erblickten.

England.

! Zur deutsch-englischen Verständigung. Newcastle, 13. Januar. Der deutsche Botschafter Fürst Lich- nowsky, der sich heute früh hierher begeben hat, präsi­dierte heute abend einem Wohltätigkeitsbankett fair die deutsche Seemannsmission und das deutsche Seemannsheim in Southchields. Unter den Anwesen­den befanden sich der Lordleutnant von Durham, Lord 1 Durham, der Lordmayor von Newcastle, die Bischöfe von Newcastle und die Mitglieder der Mission und der deutschen Kolonie. Nach den Toasten auf König Georg und Kaiser Wilhelm sprach der deutsche Botschafter über die deutsche Seemannsmission. In Erwiderung auf eine Rede des Lord Durham, der die Gesundheit des Fürsten ausbrachte, sagte dieser: Es ist stets mein * Bestreben gewesen, gleich meinen Vorgängern den freundschaftlichen Geist zu pflegen, der es unseren .beiden mächtigen Nationen ermöglicht hat, auf Jahr­hunderte des'Friedens und freundschaftlichen Strebens zurückzublicken und ich habe das . sichere Gefühl, _ daß diese guten Beziehungen durch ein vollständige- , res gegenseitiges Verstehen und durch eine immer fortschreitende Erkenntnis der Möglichkeit einer friedlichen Entwickelung erhalten bleiben werden.

Verzögernng der Antwort des Dreibundes auf die Rote Greys. London, 13. Januar. Das „Reuter- sche Bureau" erfährt, daß bei der Prüfung durch die Botschafter der D reib u n dmä chte ein neuer Punkt in dem Entwurf der Antwort auf die britischen Vor­schläge als der Änderung bedürftig festgestem wurde. Die Frage ist n i ch t b e d e u t e rt ö, doch wurde es notwendig, daß bei den drei Hauptstädten v telegraphisch Auskunft eingeholt wurde. Die Antwort wird daher heute noch nicht überreicht.

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Nirtzlanv.

Anwachsen der revolutionären Bewegung in Polen.

Warschau, 13. Januar. Ein starkes Anwachsen der revolutionären Propaganda besonders in iden Grenz­gebieten Russisch-Polens ist nach Feststellung der „Ochrana" zu verzeichnen. In großen Mengen werden revolutionäre Flugschriften und Zeitungen aus dem Ausland eingeschmuggelt und unter, den Ar­beitern des polnischen Jndustriereviers verbreitet. Bialystok haben M a s s e n v e r h a ftu n g e n stattge­sunden, bei denen von der Polizei ganze Stöße revotu- tionärer Schriften gefunden wurden.

Einberufung des finnischen Landtags. Peters­burg 13. Januar. Der finnische Landtag ist auf den 2. Februar einberufen worden.

Rumänien.

Demission des Kabinetts Majorescu. Bukarest, 13. Januar. Ministerpräsident Majorescu hat heute abend dem König die Demission de« Kabi­netts überreicht.

Albanien.

Vorsichtsmaßregeln in Italien. R o m, 13. Januar. Die „Tribuna" schreibt: Hinsichtlich der olbanesischen

Frage herrscht in diplomatischen Kreisen Optimis- m u s. Man nimmt an,, daß sie sich b on selbst ohne Interventionen regeln wird. Um jeder Eventuali­tät entgegentreten zu können, erhielt das Krieg s-

schiss „Francesco-Ferruccro . das in Augusta liegt,

den Befehl, sich nach Brindisi zu begeben, wo sich be­reits mehrere Torp e d,o b o ot s zerst ör er auchal- ten. zwei kleine Kriegsschiffe, das Kanonenboot „Fride" und die Jacht „Misurata" befinden sich bereits an der

albancsischen Küste.

MresvaVMsr Gsgormr.

Kus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Das neue Wiesbadener MüllverWertungsprojellt vor der heMchen Kammer.

Wie uns aus D arm stad t telegraphiert wird, beschäf­tigte sich die 2. hessische Kammer in ihrer heutigen Sitzung mit dem bekannten Antrag des Abgeordneten Dr. Schmidt und Genossen ivegen der Schaffung einer Müllablagerungsstelle der Stadt Wiesbaden aus dem Heidesheimer Domanialgelänüe bei Mainz. Finanzmimfter Dr. Braun erklärte, die hessische ObersorstbeHörde habe mit dem Magistrat der Residenzstadt Wiesbaden wegen Verpachtung des etwa 80 Morgen großen Geländes verhandelt. Nach der An­sicht der Obersorstbehörde und der Regierungsabteilung für Gesundheitspflege sind die von Mainz geltend gemachten ästhetischen und hygienischen Bedenken unbe­rechtigt. Die Verpachtung des Geländes an Wies­baden ist nur unter der Voraussetzung der Un­interessiertheit der Stadt Mainz in Aussicht genommen wor­den; auch soll sie nur daun erfolgen, wenn sich die Stadl Mainz selbst überzeugt hat, daß ihr aus der Verpachtung keine Nachteile entstehen. Das Gelände ist 5 Meter tief von der Militärbehörde ausgeschachtet und unbebaubar. Die Aus­füllung kann ihm nur zum Nutzen gereichen. Für land- und forstwirtschaftliche Zwecke ist es gegenwärtig unbrauchbar. Das Gelände liegt so weit abseits, daß man es von der Bahn aus nicht sieht; sobald die Mülleinschüttung das Niveau des Nach­barlandes erreicht, wird das Grundstück mit einem Bretter- zaün umgeben. Später läßt sich dort leicht ein Ausflugsort schaffen, was auch andere Städte in ähnlichen Fällen getan haben. Es soll nur im E in Verständnis mit Mainz gehandelt werden. Die Forderung, sür alle Zukunft festzulegen, daß der Platz nicht sür Ablagerungen verpachtet werden soll, müsse die Regierung ablehnen, erklärte der Minister. Die Anfrage Schmidt und Genossen soll später be­sprochen werden. Die Abgeordneten Dr. Brauer und Dr. Weber (Bauernbund) beantragten zum Schluß, die Regierung möge noch einmal mit Mainz wegen der Übernahme des Ge­ländes verhandeln._

— Das Kaiser-Wilhelm-Heim der „Deutschen Gesellschaft sür Kaufmanns-Erholungsheime" am Chauffeehaus bei Wies­baden wurde bis 1. Dezember 1913 von 1518 Personen be­sucht mit 18 564 Verpflegungstagen, das Ernst-Ludwig-Heim in Bad Salzhausen von 639 Personen mit 8667 Verpflegungs- tagen. Bon den Gästen waren 60 Prozent männlichen, 40 Prozent tveiblichen Geschlechts.

— • Die Wiesbadener Handelsgärtner kommen am Donnerstag, den 15. d. M., abends 8 Uhr, in der „Wartburg" zusammen, um Referate des Herrn F. W i t t m a n n von hier über die Frage „Warum brauchen wir Gärtner Schutzzölle auf Gemüse?" und des Herrn C. Schwebig aus Schier­stein über „Die Produktion der Gemüsegärtnerei im Regie­rungsbezirk Wiesbaden und deren Hebung" entgegenzunehmen.

— Berufsjubiläum. Heute sind 25 Jahre verflossen, seit­dem Herr Fritz G i e g e r i ch als Buchhalter bei dem „Vorschuß- Verein zu Wiesbaden, E. G. m. b. H?' eingetreten ist. Vor­stand und Aufsichtsrat haben im Namen des Vereins dem Jubilar in Anerkennung seiner Verdienste und zur Erinne­rung an den Tag eine Ehrengabe, die Beamten ein Blumen­arrangement überreicht.

—- Verhafteter Schwindler. Der etwa 46 Jahre alte Reisende Konrad S u n k e l aus Wiesbaden wurde in Würz­burg verhaftet. Sunkel, der in Wiesbaden seinen Wohnsitz hatte, wurde seit längerer Zeit von den süddeutschen Polizei­behörden gesucht, weil er in über 50 Fällen in Bäckereien und Konditoreien in Süddeutschland Betrügereien verübt hatte. Er verkaufte Körbe und andere Gegenstände und bemerkte stets beim Abschluß des Geschäfts, daß bei Vorausbezahlung das Porto erlassen würde. In den meisten Fällen wurde dann die Vorausbezahlung geleistet; die Lieferung selbst wurde nie­mals ausgeführt.

— Raddicbstahl. Am Samstag ließ ein hiesiger Haus­bursche in der oberen Kaiserstraße zu Biebrich sein Fahrrad vor einer Haustür stehen. Während er in dem Hause eine Bestellung machte, wurde das Rad gestohlen. Es befand sich an demselben ein Schild mit der Firma „Frank u. Marx".

—■ Kleine Notizen. Nastauische Landesbank und Nassau- ische Sparkasse erinnern an die Baymng der am 31. Dezember vorigen Jahres fällig ^gewesenen V in se n „^d Annui­tät e n, da in aller Kürze mit der Vertreibung begonnen wird. — Das seit 1879 bestehende, bekannte Wasche, und Aus- st« t tn n gs g eschäft von Julius Hehnt« n n bat sein Geschäftslokal nach Langgassc 28. Ecke Romertor. verlegt. Die neuen Geschäftsräume machen cmen durchweg modernen Ein­druck. besonders die reichen Erkeransstellungen erregen Auf­merksamkeit.

vorberichte über Kun?t, Vorträge und Verwandtes.

* Königliche Schauspiele, rtür morgen ist eine Wieder­holung der „Fledermaus" festgeletzt, m welcher diesmal die. kldele" von Frau Hans-Zoepftel, der „Orlofsky" van Frau Doppelbauer und der „Eisenstein von Herrn Lichtenstein ge­sungen wird (Abonnement B).

„ * Kurhaus. Die Solistin des 8. Kurhaus-Zyklus-KoNzertes

Hermine Bosetti von der Münchener Hosopue wird am Freitag dre Arie aus „II Carioso indiscreto von Mozart sowie drei Lieder mit Klavierbegleitung von Hugo Wolf singen, während Musikdirektor Karl Schuricht Wer Novitäten zur Aufführung bringt, und zwar: Ballett-Smte von Max Reger und Fest­liches Präludium für «rohes Orcyeircr und Orgel von Richard Strauß.

Hus dem Landkreis Wiesbaden.

Aus dem Bicbricher Stadtparlamcnt.

-o- Biebrich» 13. Januar. In der heutigen ersten Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung im neuen Jahre begrüßte der Vorsitzende Professor Dr. B e ck die Ver­sammlung, indem er den Beratungen auch im neuen Jahre ersprießlichen Erfolg zum Besten der Stadt wünschte. Der Vorsitzende führte dann die neuen Mitglieder der Versamm­lung, die Stadtverordneten Drics, Sanier und Storck, ein, indem er sie nach kurzer Begrüßungsansprache durch Hand­schlag verpflichtete. In der anschließenden Wahl des Vor­sitzenden, seines Stellvertreters und des. Schriftführers der Versammlung wurden die Herren Professor Dr. Beck als Vor­sitzender Dr. W. F. Kalle als Stellvertreter und Domanial- kellermeister Bohrmann als Schriftführer wiedergewählt. Hierauf erfolgte die Neuwahl der Mitglieder zu den ver­schiedenen Kommissionen, welche durch bi c Wiederwahl des seitherigen Wahlausschusses ihre Erledigung fand. Zur oür- gelegten Jahresrechnung erstattete Herr Stadtverord­neten K r u st das Referat der Prüfungskommission. Der Referent beantragte nach verschiedenen Erinnerungen die Er-

Abenb-Ausgabe, 1. Blatt. Sette 3.

teilung der Entlastung, die dann auch gegeben wurde Zur Deckung der durch die Jahrhundertfeier de, Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1913 entstandenen Unkosten, die zum Teil von den v-eranstaltenden Vereinen ge­tragen wurden, war die Stadt um Übernahme eines Kosten- bertrags von 375 M. gebeten worden. Die Versaminlung sprach sich sür diese Bewilligung aus. ‘2)et Herr Kultus­minister hat die Gewährung eines Staatszuschusses für das hiesige Lyzeum unter der Bedingung ausnahmsweise, ab­weichend yon den sonstigen Vorschriften, in Aussicht gestellt, wenn folgende Schulgeldsätze eingeführt werden: Für die Un­terstufe 90 M., Mittelstufe 120 M. und Oberstufe 140 M. Diese Forderung schließt die Erhöhung der seitherigen Sätze lediglich in der Unterstufe, die seither nur 80 M. betrugen, um 10 M. in sich. Die Versammlung schloß sich dem Beschluß des Magistrats auf Annahme dieser Bedingungen an, so daß damit der Stadt der Staatszuschutz gesichert erscheint. Die Regelung der Besoldungsverhältnisse der städti­schen Bureaugehilfen hat nach eingehender Beratung in den zuständigen Kommissionen zur Ausarbeitung einer neuen Be­soldungsordnung geführt. Hiernach sind diese städtischen An­gestellten in zwei Klassen (Bureaugehilfen 1. und 2. Klasse) eingeteilt worden, sür welche folgend? Gehaltssätze sestgelegt werden: in der 2. Klasse von 720 bis 1200 M., in der 1. Klgsse von 900 bis 1800 M. Die Ordnung wurde nach kurzer Aus­sprache angenommen. Die Vorlage über die Einteilung der Exekutivbeamten des Polizeidienstes löste wieder eine kleinere Auflage der vorjährigen Polizeidebatten aus. Nach Mitteilung pes Herrn Oberbürgermeisters ist die Stelle des Kriminalpolizeisergeanten durch einen für diesen Dienst vor­gebildeten auswärtigen Beamten neu zu besetzen. Aus der Versanimlung wurde allerdings das Befremden darüber aus­gesprochen, daß angeblich aus den hiesigen Polizeibeamten kein geeigneter Ersatz für die Stelle des Kriminalbeamten ge- nommen werden konnte. Der angeregten Einziehung der be­rittenen Schutzleute (2) glaubte nach den Ausführungen des Stadtoberhauptes der Magistrat ivegen des Widerspruchs aus den Kreisen der Landwirte nicht zustimmen zu können. Die verschiedenen Kritiken aus der Mitte der Versammlung an der Organisation der Steuererhebung haben nach ein­gehender Beratung zu dem Antrag geführt, die Steuerhebe- stelle 2 aufzuheben und hierdurch die Steuererhebung zu ver­einfachen. Dadurch wird allerdings die Einziehung der Kirchensteuern irneder den Kirchengemeinden überlasten iverden müssen. Die Einsparung einer Beamtenkraft will der Magistrat nun durch die Schaffung einer Revisions­stelle für Kassenangelegenheiteu wieder nutzbringend ver­wenden, die zunächst auf 2 Jahre versuchsweise eingeführt werden soll. In der Debatte gingen die Meinungen über die­sen Gegenstand sehr auseinander, trotzdem wurde schließlich fast einstimmig die Aufhebung der Hebestelle 2 beschlossen. Die Neuwahl der Waisenpflegeriunen rm 3. und 7. Bezirk ergab die Wahl von Frau C. Korb und Frau Lehrer Roth, zum Waisenrat-Stellvertreter wurde im 11. Bezirk Herr Stadtverordneter Storck gewählt. Die Versammlung nahm darauf den , Bericht über die Jahresrechnung der Städtischen Sparkasse für das Rechnungsjahr 1913 entgegen und er­teilte die, erbetene Entlastung, nachdem Herr Direktor S o m m e r den Bericht noch in verschiedenen Punkten er­läutert hatte. Unter Mitteilungen konnte Herr Profestor Dr. Beck berichten, daß dem Krankenhaus von verschiedenen hiesigen Fabrikanten der Betrag von 1200 M. geschenkt wurde, ebenso testamentarisch von Frau Luise Stritter 100 M. Herr Oberbürgermeister Vogt teilte noch mit, daß ihm eine Schenkung von 500 M. für die Armen übergeben worden ser.

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== Sonnenberg, 14. Januar. Die Aibendunterhal- tung des „Evangelischen Kirchcngesangvereins" mit Theater findet am Sonntag, den 18. Januar, abends 7 Uhr, in R a m b a ch im „Saalbau Meister" statt. Der Reinertrag ist zum Besten der Kleinkinderschule in Rambach.

ül. Wicker, 13. Januar. Dekan Schalter aus Kirdorf- Hamburg ivurde an Stelle des verstorbenen Dekans Orth nach hier berufen und tritt sein Amt bereits am 1. Febr. an.

Gerichtssaal.

Giftmordprozetz ^ops.

(Zweiter Verhandlungstag.)

(Fortsetzung und Schluß aus der Morgen-Ausgabe.)

8. ii. H. Frankfurt o. M., 13. Januar.

Landrichter R ü h l, der die ersten richterlichen Verneh­mungen des Angeklagten vorgenommen hat, bekundet, daß der Angeklagte das vor dem Kriminalinspektor Salomon abge­gebene Geständnis m vollem Umfang aufrecht erhalten habe. Als dem Angeklagten mitgeteilt wurde, daß in der Leiche des Kindes Elsa Arsen gefunden wurde, sagte der A n g e k l a g t e : „Da muß jemand, der mir nicht wohl wollte, dem Kind Arsen beigebracht haben. Auch oer diesem Zeugen erkundigte sich der Angeklagte nach der Höhe der Strafe und nach dem Ver­fahren der Begnadigung. Er fragte insbesondere, ob bei Mordversuch auch auf Todesstrafe erkannt werden könne. — Landgerichtsrat Göhring, der die Exhumierung der Leichen der Eltern des Angeklagten, der ersten Frau und des unehe­lichen Kindes des Angeklagten geleitet hat, antwortet auf die Frage des Staatsanwalts, ivas sür verschiedenartige An­gaben der Angeklagte gemacht habe, als er hörte, daß in den Leichen Arsen festgestellt worden sei: Er sagte zuerst, er

habe seiner Mutter Arsen empfohlen, da das für den Stoff­wechsel gut sei. Dann sagte er, seinen beiden Kindern, dem ehelichen wie dem unehelichen, habe er Arseneinspritzungen gemacht, um die Verwesung aufzuhalten. — Vorsitzen­de r: Haben Sie den Angeklagten nicht auf die Widersprüche hingewiesen? — Zeuge: Selbstverständlich. — Vor­sitzender : Was sagte der Angeklagte dann? — Zeuge: Er machte stets neue Angaben und sagte, er hätte die Wahr­heit sagen wollen, hätte aber nicht gewußt, ob er sie sagen solle.

Cs wird dann wiederum eine Zeitlang die Öffentlich­keit ausgeschlossen. Dann tritt die Mittagspause ein.

In der R a ch m i t t a g S s i tz u n g wird die S t i e f - ur u t t e r der e t st e n Fra u des Angeklagten, Frau Laura Henel vernommen. Sie bekundet, ihre Tochter hätte stets eine robuste Gesundheit gehabt, sie sei nie bleichsüchtig ge­wesen. Bei der Heirat war sie 25 Jahre alt gewesen. Ihre Tochter habe über daS Verhältnis in der Ehe ihr gegenüber erklärt, daß es gut sei. Im Oktober 1902 sei ihre Tochter krank geworden. Ihr Aussehen sei aber gar nicht krank ge­wesen, sondern im Gegenteil blühend. Sic hatte glänzende Augen. Zeugin dachte, ihre Tochter hätte Fieber. Doch war das nicht der Fall. Der Angeklagte bat ibre Tochter gepflegt und die Nächte bei ihr gewacht. Ihre Tochter habe ihren