Seite L.Abendausgabe, L. Vl-rtt.
daß cs den Konflikt vom Reichstag auf Bayern übertragen hieße, wenn die bayerische Regierung sich weigern sollte, die Wünsche der Volksvertretung, wie sie in den Resolutionen zum Heeresetat festgelegt wurden, zu erfüllen, weil eventuell die preußische Regierung derartige Wünsche ihrerseits ablehnen würde. — Der ALg. Beckh skons.) erklärte, erfreulich sei, daß der Polizeipräsident v. Jagow den Mut gehabt habe, sich gegen den Ansturm zu stemmen. Er freue sich, daß eine dem Kaiser nahestehende Persönlichkeit dem Obersten v. Reuter seine Anerkennung ausgesprochen habe. Die frühere französische rücksichtslose Präfektenherrschaft in Elsaß-Lothringen sei viel besser gewesen als das jetzige konziliante Verhallen der Beamten im Reichsland. Die französische Verwaltung habe von Anfang an kurzen Prozeß mit der Bevölkerung gemacht, wenn sic sich nicht fügen wollte.
Die gefährliche Lagern SÄdafrrka.
Proklamation des Generalstreiks.
Kapstadt, 13. Januar. Die Gewerkschaften haben den Generalstreik für das ganze Gebiet der Union proklamiert.
wb. Johannesburg, 13. Januar. Die Minen arbei- c c r haben durch Abstimmung mit Zweidrittel - 33S - h r- b c 1 1 den Streik beschlossen.
Die Beteiligung der Eisenbahner.
K. Bl-emfontein, 14. Januar. So gut wie alle Eisenbahner in Len Werkstätten und im Fahrdienst stehen im Streik, doch verkehren die wichtigsten Züge und werden von Angestellten aus Kapstadt bedient. Die Eisenbahner ui Bethlehem und Kronstadt sind in den Streik getreten.
Auch die Hafenarbeiter streiken.
•wb. Kapstadt, 13. Januar. Hier und in Durban sind die Arbeiter, welche die Krähne auf den Docks bedienen, aus> ständig. Die Schiffe nehmen das Laden und Ausladen mit eigenen Hilfsmitteln vor.
Verhängung des Belagerungszustandes.
Q London, 14. Januar. (Eig. Drahtbericht.) Premierminister Botha hat von hier die Ermächtigung erhalten, im Falle der Not Reichstruppen zur Unterdrückung der Unruhen zu verwenden. Im Randgebiet stehen 20000 Bewaffnete zur Aufrechterhaltung der Ordnung bereit. Dre Randgruücn mußten geschlossen werden, ungefähr 30 0 000 Arbeiter sind dort setzt untätig. Unruhen der eingeborenen Arbeiter aber werden vorläufig nicht befürchtet. Ihre Ansiedelungen tocrden jedoch aufs sorgfältigste bewacht. Die Streikführer wollen alles tun, um die Ordnung aufrechtzu- crhalten und die Ausschreitungen zu vermeiden. Wie sie selbst sagen, können die Arbeiter nur siegen, wenn der Regierung kein Vorwand gegeben wird., Gewalt anzuwenden. Ihre Mahnungen werden aber anscheinend nicht überall von den Streikenden befolgt. Au verschiedenen Stellen längs der Eisenbahn wurde Dynamit gefunden.
Die Lage in Kapstadt.
* Kapstadt, 13. Januar. 0.30 Uhr abends. 50 Mechaniker der Maschinenanlagen im hiesigen Hafen sowie 2 0 Kran- f ü T) r e r sind in den AuSstand getreten. Man erwartet, daß die Dockarbeiter gleichfalls die Arbeit niederlegen werden. Jeder verfügbare Mann der Miliz ist unter Waffen. Aus hctt nördlich gelegenen Kohlenbergwerken gehen ununter- brachen Kohlenzüge, die überladen sind, nach dem Süden öS, um die Häfen mit Kohlen zu versorgen. In den bedrohen Bezirken, wo schwarze Arbeiter verwendet werden, bilden sich Ausschüsse von bewaffneten Bürgern, um für jeden Aufstandsversuch gerüstet zu sein.
wb. Kapstadt, 14. Januar. Die Straßenbahnan- q e st e l I t c n babcn beschlossen, in den Ansstand zu treten.
Die Lage in Johannesburg.
n-b- Johannesburg, 13. Januar. Die Theater sind ge- 'chlossen. Der Straßenbahnverkeyr ist infolge der Unruhen unterbrochen. Die Eisenbahnverwaltung improvisierte. tml bctt treugebliebenen Lokonrotivführern einen frei-
_Wrrslmdeirsr Tagblatt.
willigen Zugdienst. — Bei Bcnoni wurde auf den Bahn
schienen D tz n a m t t entdeckt.
Eine eigene Polizei der Arbeiterpartei.
* Johannesburg, 13. Januar, 7 Uhr abends. Die Führer der Arbeiterpartei erklären, daß sie eine eigene Polrzer zur Aufrechterhaltung der Ordnung während der Dauer des Streiks organisieren werden. Sie wollen auf jeden Fall die Verwendung von Truppen vermeiden. In einer von Tausenden besuchten Versammlung erklärten die Arbeiter- führer. daß sie gewinnen müßten, um die Anwendung von Gewalt zu vermeiden.
* London, 14. Januar. Bei Lloyd wurden gestern sehr viele Anträge auf Versicherung von Minenaktien gegen Kursverluste während des Streiks in Südafrika entgegenge- nommen. Die Prämie zog in den Nachmittagsstunden auf die ungünstigen Nachrichten aus Südafrika ungewöhnlich an.
Deutsches Reich.
' Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser hörte gestern vormittag 10 Uhr im Neuen Palais den Vortrag des Chefs des Admireckstabes der Marine.
Der König von Württemberg rst gestern, nachmittag aus Stuttgart in Mentone in Bsglmtun« der -.ererhMM von Soden und von Bautz eingetroffen. Der König wu-.de ber seiner Ankunft im Namen der französischen Regierung von dem Präfekten des Departements begrüßt. Auch der deutsche Gencrallonsul aus Nizza hatte sich auf dem Bahnhof eingc- fundcn Der König begecki sich rm Automobil nach Kap Martm, wo er sich etwa 5 Wochen aufhalten wird.
* Die Auflösung des Haushalts in der kronprinzllchen Billa in Laugfuhr wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Möbel webden wieder an die Schlösser abgeführt, denen sie seinerzeit entnommen waren. Außerdem wird ein Teil Ver- Wendung finden für die Ausstattung im Fürstenhofe zu Kassel für den Prinzen Joachim von Preußen und zur Herrichtung eines Absteigequartiers für die Kaiserin und Gefolge für den Fall eines Besuches beim Prinzen.
$ Der Reichskanzler und die Jesuiten. Während die Konservativen im preußischen Landtage gegen Herrn von Bethmann-Hollweg Sturm laufen, ein Vorgehen, dem unter den' obwaltenden Umständen der Erfolg in absehbarer Jett so gut wie sicher ist, spricht ' der orthodox-protestantische „Reichsbote" die Befürchtung aus, daß der Reichskanzler in der Jesuitenfrage dem Zentrum nächstens Zugeständnisse machen könnte. Diese Befürchtung ist jedoch, wie wir Mitteilen können, unbegründet. Der Reichskanzler mag früher dazu geneigt getvesen sein, gegenwärtig ist er's nicht! Das ist auf die Haltung zurückzuführen. die das Zentrum in der letzten Zeit gegen ihn beobachtet hat. Das ist aber auch damit zu begründen, daß Herr von Bethmann-Holüveg selbst fühlt, seine Tage als Reichskanzler seien gezählt. Zugeständnisse in der Jefuitenfrage kann sich ein Reichskanzler gestatten, der seine Stellung für geraume Zeit als unerschütterlich halten darf, nicht aber ein scheidender Reichskanzler. ' Das ist Herr von Bethmann-Hollweg und auch aus diesem Grunde wird. er , dem Zentrum in der Jesuitenfrage nicht zu Willen sein.
* Verlobungsgerüchte im Hause Wittelsbach. Die Herzoginwitwe Karl Theodor ist am letzten Samstag nach Wien gereist. Der Kaiser hat ihr einen cinstündigen Besuch abge- stattet. Die Reise wird wieder mit Verlobungsgerüchten im Hause Wittelsbach in Zusammenhang gebracht.
* Hofrat Thieme nunmehr zufriedengestellt. Der Vorsitzende' des deutschen Pqtriotenbundes, Geheimer Hofrat Klemens Thieme, erhielt anstelle des abgelehnten Roten Adlerordens vierter Klaffe den Roten Adlerorden dritter Klaffe mit Krone. Thieme nahm an.
* Ein Glückwunsch des Kaisers an Exzellenz Orterer.
Dem Präsidenten der Kammer der Abgeordneten Dr von Orterer ist von der preußischen Gesandtschaft das fol- gende Schreiben zugegangen: „Se. Majestät der Kaiser und
König haben mich zu beauftragen geruht, Eurer Exzellenz die allerhöchsten Glückwünsche zu der Ihnen von Sr. Majestät
Fe uilleto n.
Aus Kunst und Leben.
* Primadonnen-Kri-ge. In der Pariser Theaterwelt erwartet man mit Spannung den Verlauf einer Klage, du dre Opernsängerin VrLval gegen di- Direktoren der GAen Oper ankündigt und bei den der frergewordene „Parpfal dw Ursache des Streikes bildet. Frau Bröval sang m der Purste „Parsifal"-Premiere die Kundry, tn einer der folgenden Aus- sührungen sollte eine andere Künstlerin die Rolle singen, und darin sieht Frau Brsval, die keiner Rivalin. dre Kundry ube - lassen möchte, eine Beleidigung, eine Schädigung^ und eine Verletzung der getroffenen Abmachungen. Die franzostichc Bühnengeschichtc ist reich an ähnlichen Konflikten, dw sich nicht selben zu wahren Staatsaktionen auswuchj-n, oie die aanre Stadt in zwei Lager spaltete und monatelang die Geister n-ckt zur Ruhe kommen ließ. Mit welchen Mitteln der Intrigen und des Hasses und der Reklame bekämpften sich nicht in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die beiden großen Rivalinnen der ComLdw Franzi,e d:e Vestr s und das Fräulein Saint-Dal d. A.! Sie kannten bereits alle Künste der öffentlichen Reklame. Al^ am 16. Juli 1/ ‘ .
Schauspielerin eine neue Rolle kreiert hat, laßt sich zur zweiten Aufführung das „Journal de Paris wre folgt vernehmen: „Wir werden gebeten, die Logenbesucherrnnen zu
verständigen, daß in den Logen, die am letzten Samstag gestürmt wurden und nur geringe Vorräte Kolnstches Wasser austviesen. bei der heutigen Vorstellung Mit allen Sprrituo;en, Wassern und Salzen ausgerüstet sind, die für dre verschieden Arten von Ohnmächten in Betracht kommen. So werden die Damen auch im übrigen auf alle B quemlichkeAen '-eckinen können, deren man bedarf, um ohnmachng zu wer- t 1 " So kündigte Mme. Vestris ihr Auftreten an; die Rivalin Mlle. Saint-Val entschied sich für tue enstachste und prf-mk Antwort: sie ließ an dem Abend di- Nebenbuhlerin '.4fei?en Der Herzog von Duras mutzte emgresten, ent- stbstd sich für Mme. Vestris, daS Publikum spaltete sich in L Laaer, und die übrigen Schauspieler mochten sich ein, e- König wurde alarmiert, und Ruhe kam erst wieder, ais Mll- Saint-Val auf königlichen Befehl -n die Verbannung >racb Clcrmont geschickt wurde. Es war um diejelbe Zeit, da ?wei Künstlerinnen der Pariser Oper aus ihrer grimmigen Nebenbuhlerschaft sehr geschickt Kapital, schlugen, -«dem sie »ita ntälcziz ma&iai und i.aaar ern rElrechtes
Duell inszenierten. Die beiden unerbittlichen Feindinnen waren die Tänzerin Theodore und die Sängerin BeaumeSnil; eines Tages kam es zu einer hitzigen Auseinandersetzung hinter den Kulissen, und die temperamentvollen Damen beschlossen, die Angelegenheit in einem Zweikampf auszutragen. Das Duell fand an der Porte-Maillot statt, aber man war dabei so vorsichtig, die Pistolen während der Abmessung der Distanz im feuchten Grase liegen zu lassen. Als die Todfeindinnen mit gezückter Mordwaffe einander gegenüber- traten. gab es statt Schüsse nur ein mattes Klicken der Hähne, die Pistolen versagten, und dann versöhnte man sich. Der berühmteste Primadonnen-Krieg von Paris aber fiel doch in die Zeit Napoleons; und die Helden dieses Kampfes, der an bitteren Worten hüben und drüben den homerischen Wortkämpfen kaum nachstand, war die t»n dem Kaiser begünstigte Mlle. Georges und die von der Kaiserin Josephine protegierte Mlle. DucheSnois. Gegenseitig jagten sie sich die Rollen ab, Mlle. Georges war dabei im wesentlichen wohl die Angreiferin: jedenfalls wurde die Comßdie Franqaise infolge dieser erbitterten Nebenbuhlerschaft auf vier Jahre geradezu die Stätte eines Art Bürgerkrieges, die stürmischen Szenen und Zwischenfälle nahmen kein Ende. Die Zeitungen ergriffen Partei, die Theaterbesucher, der Hof und schließlich die ganze Stadt, ja sogar die Politik, spielte herein, und es kam so weit, daß die Regierungspartei für die Georges war, die Opposition aber für die DuchcSnoiS. Einmal stürmte das er- regte Publikum sogar die Bühue, und die Schauspieler mußten sich verbarrikadieren: aber endlich kam es auch hier zu einem Friedensschlüsse, der in einer etwas theatralischen Umarmung der beiden Feindinnen besiegelt ward.
mvhn Chronik.
Theater und Literatur. In Genf starb, der bekannte schweizerische Militärschriftsteller Oberst Camille F a v r e.
Ernst v. Wolzogens neues Trauerspiel „König Karl" erzielte in Worms einen starken Erfolg.
Bildende Kunst und Musik. Bei der Renovierung des Domes von Fritzlar wurden Verschiedene kostbare Wandgemälde entdeckt, d:e vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammen.
Der Florentiner Althändler, dem bekanntlich die Auffindung des Bildes der Mona Lisa zu danken ist, hat beim Seine-Gericht in P a r i s eine Klage gegen den französischen Staat eingereicht, in der er die gerichtliche Wertschätzung des wiedergefundenen Bildes und 10 ,Prozent dieses Wertes für seine Bemühungen für sich beansprucht. Außerdem be-
Mrtttvoch, 14. Januar 1814. Nr. 22.
dem König von Bayern gewordenen Auszeichnung auszu-
sprechen. Es gereicht mir zur besonderen Freude, mich des allerhöchsten Auftrages entledigen zu dürfen. Der Kgl. Gesandte von Treutier."
* Der Stapellauf des dritten Schulschiffes. Auf der Werft von Tecklenborg A.-G. in Geestemünde fand heute der Stapellauf des dritten Schulschiffes des Deutschen Schulschiffvereins, das den Namen des Protektors, des Groß- herzogs Friedrich August von Oldenburg, führt, statt. Bei dem Festessen des Senats, das aus' diesem Anlaß gestern stattfand, hielt der Grotzherzog von Oldenburg eine Rede, in der er die anwesenden deutschen Fürsten und Vertreter des Kaisers und der Seebundesstaaten sowie die Mitglieder des Deutschen Schulschiffvereins begrüßte und die Bestrebungen des Vereins und seine bisherigen Leistungen hervorhob. Im weiteren Verlaufe des Mahles gedachte der Chef der Marinestation der Nordsee, Admiral v. Heeringen als Vertreter des Kaisers, der nahen Beziehungen der Kaiserlichen Marine zu dem Deutschen Schulschiffverein. Die Kriegsmarine habe von Anfang an der Entwicklung des Deutschen Schulschiffvereins das größte Interesse entgegen gebracht und seine Bestrebungen mit den Gefühlen lebhafter Dankbarkeit begleitet. Die Erfolge des Deutschen Schulschiff- Vereins seien ausgezeichnete gewesen. Die Marine könne das am besten beurteilen, da die beim Deutschen Schulschiffverein ausgebrldeten Leute alle durch ihre Hände gingen. Redner betonte, es seien durchweg erstklassige Leute, die die Schuldes Vereins durchgemacht hätten.
* Der Zahnheilkunde-Studentenstreik in Leipzig beigelegt. Tie Studierenden der Zahnheilkunde in Leipzig haben beschlossen, die Vorlesungen und Praktika Mittwoch wieder zu besuchen, nachdem sich die medizinische Fakultät entschlossen hat, in Verhandlungen zur schwebenden Promotionsfrage einzutreten, und da auch der Kultusminister bereit ist, dre Wünsche der Studentenschaft persönlich entgegenzunehmen.
* Der Ausschuß des deutschen Arbciterkongrcsses hielt gestern im Reichstagsgebäude eine Sitzung ab. Beschlossen wurde die Ausgestaltung des Ausschusses. Für die Vorberatung wichtiger Fragen der Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik sowie der sozialen Wahlen zur Versichertenvertretung wurden ständige Ausschüsse gebildet. Zur Förderung der letzten Kongreßbeschlüffe wurde ein Aufruf an die Mitgliedschaften festgestellt. Sodann nahm der Ausschuß Stellung zu der vom Reichskanzler angekündigten Denkschrift über die Auswüchse des Organisationswesens. Schließlich wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der sich mit der sozialen Fürsorge für die Ab- und Zuwandernden beschäftigen soll.
* Zum Bau eines Westhafens von Plötzensec. Die Vorarbeiten der Magistratsvorlagen über den Bau des Westhafens von Plötzensee haben begonnen. Die Ausführung des Projekts ist auf 38,2 Millionen Mark veranschlagt.
Rechtspflege und Verwaltung.
UM. Die Nachfolge des Dr. v. Bitter. In unterrichteten Kreisen nimmt ,nan an, daß der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Wirkl. Geh. Rat Dr. v. Hegel, ausersehen ist, als Nachfolger des verstorbenen Wirkl. Geh. Rats Dl-, v. Bitter Präsident des Oberverwaltungsgerichts zu werben. Herr v. Hegel ist ein Schwager, nämlich der Gatte einer Schloester des Dr- v. Bitter, und es heißt, daß dieser ihn selbst vor seinem Ende, das er nahen fühlte, für seine Nachfolge empfohlen haben soll.
Der Oberpräsident von Brandenburg, Herr v. Conrad, ist nicht amtsmüde. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" hatte mitgeteilt, Herr v. Conrad werde aus Gesundheitsrücksichten aus seinem Amt scheiden, und der Berliner Polizeipräsident Dr. v. Jagow an seine Stelle treten. Herr v. Conrad war allerdings eine Zeitlang leidend, aber sein Befinden hat sich, wie die „Deutsche Tageszeitung" mitteilt, neuerdings so gebessert, daß eine Notwendigkeit des Ausscheidens aus dem Amt nicht mehr vorlregt.
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L- C. Die Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei des Reichstags trat am Dienstag eine Stunde vor der
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ansprucht er noch die sofortige Hinterlegung von 100 000 Franken.
In Darmstadt wird die Erstaufführung des „Par° s i v a l" am 6. September d. I. zur Eröffnung der neuen Spielsaison stattfinden.
Siegfried L a n g g a r d, der bekannte dänische Komponist, der in jüngeren Jahren als Klavierspieler die Aufmerksamkeit Lisgts erregte und auch als Komponist von Liedern und Klavierstücken vollständig unter dem Einflüsse Liszts stand, ist im Alter von 61 Jahren gestorben.
Kurihrater.
Dienstag, den 13. Januar: „Ein kostbares Leben". Schwank in drei Akten von H. B o s b e r g.
Das war wieder ^ einmal ein lustiger Abend! Der Schwank besonders amüsant durch die originelle Art der Aufführung, die als Generalprobe gedacht, das Publikum in die Geheimnisse der Kulissenkunst und Bühnentriks einweihte. So wurde demonstriert, wie man bühnenmäßig küßt, die Arbeiter bauten die Bühne um, der Regisseur krakeelte mit den Schauspielern und der Souffleuse — lauter höchst amüsante Momente.
Der Schwank an und für sich ist nicht besser und schlechter als viele andere Schwänke; er bringt manche neue Situation. Im zweiten Akte wird den Theaterdirektoren recht übel am Zeug geflickt — falls man diesen Theaterdirektor, der nie ein Stück liest, als Typ betrachten will.
Znm Schluß gibt es ein Duell, die übliche Versöhnung der Gegner' die^ Versöhnung eines Ehepaares und das Sich- Kriegen eines Brautpaares.
Die Aüfführung unter Herrn Suchaneks Regie war frisch und flott. Herr Suchanek selbst spielte die Doppelrolle eines gestrengen Regisseurs und eines reichen Amerikaners mit erwünschter Gewandtheit. Frl. Krüger war eine sehr derb-komische Zimmervermieterin, Herr Puschacher in sehr spaßiger Maske ein spaßiger Geldmakler und — er hatte zwei Rollen übernommen — ein drolliger Theaterdirektor. Herr Römer verblüffte diesmal mehr durch den Realismus seiner Maske wie durch sein Spiel. Die Bewegungen waren alle gut, er jubelt besser mit den Händen als mit dem Mund. Lobend Zu erwähnen wären noch. die Herren Wester- mcier, Bronsky, Vogel, Christ und Graetz wwie die Damen van d e r L i ch und Waizenegger. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich. D- v- Iss.
