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Teile 4. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. ©Jlgblßtt*

tersuchungsrichter Rühl aufrecht. — Angeklagter: Das mag schon sein. — Vorsitzender: Sie haben mehrfach von einer Berliner, Fabrik Bakterien- und Bazillenkulturen, so einmal Spektokokken, zu kaufen gesucht? — Angeklag­ter: Nur zu wissenschaftlichen Zwecken. — Vorsitz e n - der: sie benutzten zu den Bestellungen Briefbogen mit auf­gedruckter Firma: „Bakteriologisches Institut Karl Hopf". — Angeklagter : Jawohl. — Vor f i tzender : Weshalb wollten Sie denn immer ganz frische Kulturen haben? — Angeklagter: Weil nicht frische für wissenschaftliche

Versuche nicht so gut zu gebrauchen sind. — V o r s itzender: Also, ich rekapituliere noch einmal: Ihr Vater hatte viel OsfLnbachcr Wasser getrunken, und daher stammt der Arsen- aehalt in der Leiche, die Leiche des unehelichen Kindes Karl Richter haben Sie mit Arsen behandelt, ebenso die Leiche Ihrer Tochter Elsa, Ihre erste Frau gebrauchte Arsen als Schönheitsmittel, die zweite hat zwei Arsenkuren durchge­macht,-die dritte hat zu Versuchszwecken von Ihnen Arsen er­halten und Ihre Mutter besaß Arsen für ihren Hund, und hat davon auf Ihren Rat zur Beförderung des Stoffwechsels eingenommen.

Ist es denn möglich, Angeklagter, das? in einer Familie so

viele Arsenfällc auf natürliche Weise Vorkommen?

Der A »geklagte schweigt.

Nach längeren Erörterungen über Einzelheiten wird die Öffentlichkeit für den Rest der Sitzung ausge­schlossen. In der nichtöffentlichen Sitzung wird der Ver­kehr des Angeklagten mit verschiedenen Frauenzimmern und besonders seine perverse geschlechtliche Neigung besprochen. Hopf ist einer der alle r s ch l i m m ft e n Sadisten und M a s o ch i st e n. Bei der Haussuchung wurden außer einer ganzen Bibliothek masochistischer und sadistischer Bücher zahl­reiche Photographien gefunden, auf denen er mit verschiedenen Frauenzimmern in meist masochistischen Situationen abgebil­det ist. Hopf gibt dies auch zu und will diesen Verkehr in England kennen gelernt und bis in die letzte Zeit hinein be­trieben haben. In seiner Wohnung fand sich auch ein ganzes Arsenal von zweckdienlichen Instrumenten, wie Ruten, Peit­schen, Bretter zum Schlagen usw.

Die Sitzung wird darauf auf morgen früh 9 Uhr vertagt.

Ä-

8. u. H. Frankfurt a. M., 13. Januar. (Zweiter Verhandlungstag.)

Heute begannen die Zeugend er ne h m u n gen. Zuerst wird das Sexualleben des Angeklagten unter Ausschluß der Öffentlichkeit besprochen und einige Prostituierte werden vernommen. Rach Wiederherstellung der Hsfentlichkeit wird K r.i m i n a l i n s p e k t o r v. Salomen vernommen, der die Verhaftung Hopfs und dessen erste Ver­nehmungen leitete. Damals habe der Angeklagte nach an­fänglichem Leugnen zugegeben, daß er seiner Frau am 26. Februar Arsen in einem, Glas Sekt gereicht habe. Hopf habe sogar gesagt, daß er die Heirat eingegangen sei. weil er !ch«i vorher den Plan hatte, die Frau hoch zu versichern und dann zu vergiften. Das habe Hopf dann aber sofort wider­rufen. Von welch'ch Bedeutung dieses Geständnis für Hopf sein konnte, habe der Angeklagte wohl gewußt, denn er habe sich n a ch der H ö h e d e r S t r a f e erkundigt. — Vor­st tze n d e r: Angeklagter Hopf, ist das alles richtig? — An­geklagter: Mir ist in der Aufregung alles so entfahren. — Vorsitzender (eindringlich): Nun, Angeklagter, wollen Sie denn nicht jetzt Ihre Aufregung fahren lassen und heute, wie damals, Ihr G e wissen .e r l dicht e r n ? — An­geklagter : Ich bin natürlich auch jetzt noch aufgeregt. — Vorsitzende r: Sie haben doch zugegeben, daß Sie Ihrer Frau Arsen gegeben haben? — Angeklagter: Ja, aber nicht wegen der Versicherungssumme. — V o r s i tz e n der: Aus welchem Grund denn sonst? — Angeklagter: Das kann ich so ohne weiteres nicht sagen. Es lagen unglückliche Verhältnisse vor. — Vorsitzender: Kann der Angeklagte nicht in einer momentanen Erregung das Geständnis abge­legt haben?,—. Zeuge Kriminalinspektor v. Salomon: Rein, ausgeschlossen, das Gegenteil ist sogar der Fall. Als ich dem Angeklagten das Schlußprotokoll vorlas, hatte sich ein Irrtum eingeschlichen,. Ich hatte geschrieben,, der Angeklagte hatte gleich nach der Hochzeit den Entschluß gefaßt, seine Frau zu töten. Ter Angeklagte, der alles sehr genau ver­folgte/ unterbrach mich und sagte, das sei nicht richtig, er habe diesen Entschluß schon vor der Hochzeit gefaßt. Ich verbesserte also diesen Irrtum. — Vorsitzender': Run, Hopf? — A »geklagter: Ich muß das Geständnis dahin berichtigen, das? ich zwar die Absicht hatte, meine Frau zu töten, aber nicht schon vor der Hochzeit.

Vorsitzende r: Das würde an der Beurteilung des .Falles nichts ändern.

(Fortsetzung folgt.)

Sport unh Spiel.

Pferderennen.

* Nizza, 13. Januar. Prix de la MchiterranSe. 4000 Fr. I. A. Beil-PiccardS ValSria (Parfrement), 2. Paris, 3. Grand Matin. 80:10; 26. 19:10. —- Prix Mäsfena. 6000 Fr. 1. James Henneffhs Le Mont St. Michel (Carter), 2. Oncle Lou, 3. Siva 2. 21:10; 16, 22:10. — Prix des, Roses. 5000 Fr. 1. A. Veil-Picards Sarbacanne 2 (Powers), 8. Apollo, 3.

Gendarme. 20:10; 36,, 18:10, .- Prix des Deux Golfes'

4000 Fr. 1. T. Dugas' Le Potasche (Hall), . 2., Elegant Jvoire, 3. Prödendante. 40:10; 23, 27:10.

*

Eissport. Das anhaltende Frostwetter der letzten Tage hat die verschiedenen Eisbahnen innerhalb der Stadt wieder in tadellos gebrauchsfertigen Zustand versetzt Den Freunden des Eislaufs ist damit wieder Gelegenheit zur Ausübung des gesunden Sports gegeben. Auf der Südeisbahn an j, er Kaiserstraße findet, wie uns mitgeteilt loird, am Mittwoch­abend Dsilitärkonzert statt.

sr- Das Winterfest des Oberharzer Skitlubs nahm in Clansthal-Zellerfeld seinen Anfang. Die Vorbedingungen waren bei 4 Grad Wärme nicht sehr günstig; eingeleitet wur­den die Wettbewerbe durch einen Dauerlauf von 24 Kilo­meter, für den snh 9 Konkurrenten dein Starter stellten. Sieger blieb D>r- ßuenfeT- (Hannover) mit 2 St. 34 Min. vor Moxig (Akadem. Skiklub Hannover) mit 2:83; Dritter wurde der Student Lühmann • (Akadem. Skiklub Hannover) in 2:43.

■wb. Paris, 13. Januar. Sechstagerennen: Heute

morgen 10 Uhr nach der 12, Runde haben die Konkurrenten mit Deruhter-Wathur an der Spitze 426,873 Kilometer zurück, gelegt. Um 10 Uhr erlitt DuprL einen Sturz, wurde jedoch nur unbedeutend verletzt.

Schnee, Hschwasfer, Sturm.

Der Aufruf des Hochwafferkomitees,

den wir bereits kurz erwähnten und hiermit weitergeben, hat folgeirden Wortlaut: „Weite Gebiete unseres Vaterlandes sind durch Sturmfluten schwer betroffen. An dem größten Teile der Ostseeküste Preußens ist durch Bruch der Dünen, Deiche und sonstigen Schutzanlagen eine große Anzahl von Ortschaften unter Wasser gesetzt worden. An Haus, Land und Vieh sind schwer« Schädigungen verursacht worden. Hilfe, imd Zwar baldige und ausgiebige Hilfe tut dringend rrot, um viele unschuldig ms Unglück geratene Mitbürger vor Rot und wirt­schaftlichem Verfall zu bewahren. Neben der vom Staate und den beteiligten Kommunalverbänden zu erwartenden Hilfe ist ein kraftvolles Eingreifen der freien Liebestätigkeit dringend erforderlich. Unser Volk, das schon bei so mancher Notlage seine Hilfsbereitschaft und Opferwilligkeit gezeigt hat, tvird mit warmem Herzen und offener Hand auch für diese unsere notleidenden Brüder eintreten. Wir bitten demgemäß alle hilfsbereiten Frauen und Männer des Vaterlandes, überall Sammlungen zu veranstalten. Alle Spenden, auch die kleinsten, find entweder durch Vermittlung der zu errichten­den Provinzialkomitees oder direkt nach Berlin abzuführen. Über die eingehenden Gaben wird demnächst öffentlich quittiert. Das^ Bureau des Komitees befindet sich in Berlin XW- 40, Alsenstraße 10. Die Zahlstellen werden noch bekannt gegeben. Der Protektor: Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen. Das Präsidium: von Dallwitz, Minister des Innern; v. Kröcher, Wirkt. Geh. Rat; Frhr. v. Spitzemberg, Kabinettsrat, Kammerherr vom Dienst der Kaiserin und Königin; Emil Sclberg, Kommerzienrat; Schneider, Geh. Oberregierungsrat und Vortragender Rat im Ministerium des Innern, Mitglied der Ständigen Kommi ssion; v. Koch, Kommerzienrat, Direktor der Deutschen Bank, Schatz­meister."

Die Hilfsaktion für die überschwemmten.

wb. Berlin, 13. Januar. Die ersten 10 000 M. aus den bereitftehenden Mitteln des ständigen Komitees für die durch Hochwasser betroffenen Hilfsbedürftigen wurden dem Regie­rungspräsidenten Drews in Köslin überwiesen.

Strenge Kälte i» Spanien.

* Madrid, 13. Januar. Die Kälte, die in den letzten Tagen nachgelassen hatte, hat gestern mit erneuter Heftigkeit wieder eingesetzt. Sie hat unter der ärmeren Bevölkerung im Verein mit Hunger neue Todesopfer gefordert.

Neues aus aller Welt.

Ein sensationeller Konkurs der Brestcr Schießbaumwoll-

fabrik. Paris, 18. Januar. Das plötzliche Verschwinden des Direktors der. Brestcr Schietzbaumwollsäbrit. Eadiou, gestaltet sich zu einer sensationellen Affäre. Die Familie des Ver­schwundenen hält ».ach wie vor an der Version eines Unglücks- falles fesft Der ehemalige Bürgermeister des Ortes, an dem fick die.Schietzbmunwollfabrik befindet, Leblanc. gab dagegen Journalisten gegenüber eine rnteressante Erklärung ab. Er gab seiner Vermutung Ausdruck, daß Cadiou infolge schlechten Geschäftsganges die Flucht ergriffen hatte. Der Bürgermeister erklärte weiter, daß er vor einigen Jabron von dem damaligen Kriegsminister Bertraux die Konzession zur Gründung einer Schießbaumwollfabrik erhielt, der jedoch Eadiou aufs dringendste aufforderte. deutsche Ingenieure zu engagieren, da diese auf dem. Gebiet bedeutend bewanderter seien als die französischen. Die Gesellschaft wurde infolgedessen zu zwei Dritteln mit deutschem Kapital gegründet und zwei deutsche Herren waren die Hauptaktionäre, und zwar die Herren Thiemig aus Bühl und Falkmann aus Mannheim. Ein preußischer Reserveoffizier namens Preist wurde Direktor. Stach den Unglücksfällen auf den Panzerschiffen „Jena" und ...Liberte" und dem Pulverskandal wurde jedoch der Fabrik von dem Nachfolger Berteaux die Lionzession entzogen, obwohl sie keinerlei Lieferung für die von den Katastrophen betroffenen Schiffe ausgeführt hatte. Die deutschen Teilhaber schieden daher aus der Gesellschaft aus und feit der Zeit ging das Ge­schäft so schlecht, daß der Direktor Cadiou unmittelbar vor dem Bankerott stand.

Eine Dvitamitexplosion. Langendreer, 13. Januar. Heute mittag explodierte das Dhnamitlager der Firma Grümer in Querenburg. Drei Personen wurden getötet. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Untersuchung ist ein- goleiiet.

Ein großes Schadenfeuer. Schwarz ach (Amt Bühl), 13. Januar Heute morgen 5 Uhr brach in der Wirtschaft „Zirm Klosterhof" Feuer aus, das das Gebäude und den an­stoßenden Gemerndeschuppen, in dem sich die Spritzen be­fanden. vollständig in Asche legte. Die Schule und das Ge­meindehaus waren längere Zeit stark gefährdet, doch gelang es schließlich das Feuer auf seinen Herd zu beschränken.

Aus unglücklicher Liebe. A scharfen bürg . 12. Jan. Erschossen aufgefunden wurde Leute früh 9 Uhr auf einer Bank in der Fasanerie der ledige Peter Bincenz Becker und seine Geliebte Sabine Schirmer aus Großostherm. Anscheinend hat Becker zuerst seine Geliebte und dann sich selbst erschossen. In einer» hinterlassenen Briefe erklären dre Unglücklichen. da sie sich nicht im Leben angehüren könnten, hatten sie gemeinsam sterben wollen.

Ein Fall von schwarzen Pocke». Neu-Salz .g. d Oder, 13 . Januar. Hier ist ein Fall von schwarze» Pocken vorge- kommen.. Es bandelt sich um einen jungen Kaufmann, der sich diese Infektion auf einer Geschäftsreise Rußland zugezogen ÄÄ. Seitens der Behörde sind alle erdenklichen Vorsichtsmaß­nahmen getroffen worden. • Der Erkrankte wurde nach der Isolierbaracke des Krankenhauses gebrEt.

Ein Liebesdrama. Berlin. 13. Januar. Ztmfchen den Stationen Schonwald und Mühlenbeck der RLmickendorf-Lieben. ivalder AAr wurden gestern abend von emem Zua der 20- jäHrme Wrllr SebönebeM Dienftmäbd>en

Ottilie Kunz lg ilberfahren Das Mädchen erlitt nur geringe Verletzungen wahrend Paslack inztmlchen im Krankenhaus verstorben ist. Es liegt Selbstmordversuch vor.

Ein Lustmord Breslau. 12. Januar. I» der Nähe des Forsthallses Orlinscz im Kreise Schrunm wurde ein 18- jähriges Mädchen ermordet aufgefunden. Es liegt zweifellos Lustmord vor. Rach begangener Tat ist das Mädchen an den Fundort geschleppt worden. .

Zu schwere Arbeit. Zabrze. 13. Janugr. Um dem Mangel an Grubenarbeitern abzuholfen. haben einige Ver­waltungen benachbarter Gruben sich veranlaßt geseben. eine Anzahl Arbeitslose aus Wien kommen zu laßen, die auch ein-, trafen. Dre Arbeiter lohnten es aber ab, nt die Gruben ein* zufäLren. da ihnen die Arbeit zu schwer Ware.

Die Leiche im Reisekort,. Budapest iz. JE-w. Die gl Jahre alte, in der Halbwelt unter dem Namen ..Magnaten- eli'a" bekannte Emilie Turcsantn. verfügte über viel Geld und wertvollen Schmuck Die Polizei verhaftete als Mörder zwei Arbeiter sowie die Haushälterin der'" Ermordeten welche ge­stand. 'daN sie die Turcsanyi im Schlafe überfallen un,b er* würgt bat. Die geraubten Schmuckgegenstande wurden vor- ciefunden. Nach einer weiteren Meldung hat der unter dem Verdarbt des Mordes stehende Stiefbruder cingestanden, der Mörder zu sein. Er gab weiter zu. .dastier de» Mord in Ge- meinschnft mit der Wirtschafterin ansgeführt hat.

Flutwelle und Erdbeben in Peru. New York, 18. Jan. Einem Telegramm aus Lima zufolge ist Callao durch eine Flut­welle unter Wasser gesetzt worden. Nach Mitternacht wurde ein Erdbeben verspürt. Die Erschütterung dauerte,33 Sekunden. Verluste an Menschenleben sind nicht vorgekommen.

Mittwoch, 14; Januar 1914. Nr. 21.

Deutscher Reichstag.

Petitionen.

P: Berlin, 13. Januar. (Eig. Drahtbericht.) Dor einem mäßig besetzten Hause, bas nur mit halbem Ohr auf did Verhandlungen lauscht und im übrigen sich für ganz andere Dinge interessiert, nahm heute nach der Weihnachtspause der Reichstag seine Sitzungen wie­der ans. Man beriet Petitionen, darunter einige von unzweifelhaftem Interesse. Gleich über die erste Petition, einer Eingabe der Nürnberger Handelskam­mer um Bewerbung der B r a n v t w e i n r ü ck v e r- gütung auch für denjenigen Alkohol, der zum Polieren der Bleistifte verwendet wird, war man ver­schiedener Meinung. Man überwies schließlich die Peti­tion zur Erwägung. _ Noch etwas lebhafter wurde der Kampf bei der Petition der deutschen Vereine für Frauenstimmrecht, die bekanntlich für das schöne Geschlecht das aktive un.d passive Wahlrecht zum Reichs­tag fordern. Als unbedingter Gegner des Frauen­stimmrechts bekannte sich eigentlich nur „mutig und offen", wie er selbst sagte, der auch sonst so streitbare konservative Dr. v. Graese, und in der gleichen Weise, wenn auch ein gut Teil vorsichtiger, sprach der kleine dicke Dr. A r end von der Reichspartei. Der Zen- trumsredner Bell erklärte, daß seine Partei nicht für das Frauenstimmrecht, aber doch für eine gewisse Poli­tisierung der Frauen sei. Der Fortschrittler Dr. Haas, der sich persönlich als ein Freund der Stimmrechts- bewegung bekannte, ninßte zugeben, daß bei seiner Par­tei zwar die theoretische Berechtigung der Fvauensorde- rung allgemeien anerkannt würde, ein Teil halte aber die Zeit noch nicht Mr gekommen. Hier und da tauchte in der Debatte sogar das Gespenst der englischen Suffragetten aus und ein Zentvumsmann wies sogar mit beiden Fingern aus dieses Gespenst hin. Man einigte sich schließlich auf den goldenen Mittelweg des Kommissionsantrags: Überweisung zur Kenntnisnahme.

Eine Petition deutscher Männervereine zur Be­kämpf u n g der U n s i t t I i ch k e i t, die eine gewisse Einschränkung der postlagernden Briefe verlangt, wurde zur Berücksichtigung überwiesen.

Über die Petition eines Hoteliers in Burg bei Magdeburg an der schiffbaren Ihle, der gegen die Ver­hängung des Militärboykotts über seine Lokale Klage führt, geht der Reichstag zur Tagesordimng über, uach- denr der Vertreter des Kriegsministers betont hatte, für die Verhängung des Militärboykotts seren niemals politische oder wirtschaftliche Motive maßgebend, son­dern immer nur die Forderungen der militärischen Disziplin.

Den Schluß der Sitzung bildete die Beratung über eine Petition, betreffend das Verbot des Wander- gewerbebetrrebs mit Gsheimmitteln usw. Sie wurde der Regierung als Material überwiesen; auch morgen, stehen lediglich Petitionen aus der Tagesordnung.

*

Sitzungsbericht.

Eigener DrcchtSericht des „WresSckdener^ TagSkatts".

-st- Berlin, 13. Januar.

2lin Bundesratstisch: Kommissare.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2,17 Uhr mrt einigen Worten der Begrüßung und einem herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahre.

Abg. Graf v. Mielzynski hat sein Mandat nieder­gelegt. Damit haben zwei Schreiben des Reichskanzlers, be­treffend die Verhaftung hiekes Abgeordneten, ihre Erledigung gesunden.

Aus der Tagesordnung iieijc..

Petitionen.

Die Handelskammer Nürnberg bittet um Aufnahme der B l e i st i f t i n b u st r i c unter diejenigen Gewerbe, denen auf Grund des Gesetzes für den in ihren Betrieben verwen­deten unvollständig vergällten Branntwein eine Steuer­rückvergütung von 20 M. pro Hektoliter Alkohol gc- ioährt wird. Die Petitionskommission beantragt Überweisung zur Erwägung.

Aba. Nehbel (kons.): Wir beantragen, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Einige Jahre der Ruhe sind auch hinsichtlich dieser Gesetzgebung notwendig.

Abg. Dr- Südeknm (Soz.): Es liegt kein Grund vor, die Bkeistiftfabrikation anders zu behandeln als die im Gesetz vor­gesehenen Industriezweige.

Die Abstimmung ergibt die Annahme des Kom­missionsantrags.

.Es folgt eine Petition, betreffend

Gewährung des aktiven und passiven wakl- rechts für Frauen.

Die Kommission beantragt Überweisung zur Kenntnis­nahme.

Abg. Dr. Cohn-Rordhaufen (Soz.): Wir wünschen, daß diese Petit-.on der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen werde. Auf Grund unseres Parteiprogramms^ wollen wir sogar noch weitergehen als die Petition. Wir wollen allen männlichen und toe,blichen Bürgern vom 20. Lebensjahr ab das unumschränkte Wahlrecht einräumen. Die erwerbs­tätigen Frauen dürfen nicht vom politischen Leben ausge­schlossen rverden.

Abg. Dr- P^^l (Zentr.): Wir begrüßen cs, daß die

Frauen heute ein wesentlich größeres Interesse fitr die öffent­lichen Vorgänge zergen. Eine andere Frage ist es aber, ob es . zweckmäßig ist, drese an sich gesunde Beivegung durch Ver­leihung des Stimmrechts zu stärken. So rückständig ist Deutschland in dieser Hinsicht rächt, als eS die Sozialdemo­kratie immer hrnstellt. Durch gesetzgeberische und ver­fassungswidrige Geivaltakte darf mair aber politische Rechte nicht herbeizufichren suchen. Heute schon einem Antrag auf Frauenstimmrecht zuzustimmen,, ist einfach unmöglich. Was sich für die Männerwelt allmählich entwickelt hat, man nicht von heute auf morgen für die Frauerr einführen.

Heute »ft die Frage noch nicht spruchreif.

Radikalen Strömungen treten mir entgegen, deshalb lehnen wir den sozialdenwkratischen Antrag ab, gehen aber in Hin­sicht auf die vernünftigen Teile der Frauenbewegung nicht zur

Tagesordnung über.

Abg. v. Graese-Güstrow (kons.): Auch ivir wünschen und freuen uns, wenn unsere Frauen politisches Interesse zergen