Nr. 21. _ Mittwoch. 11. J«mar 191a. WiesKsdeNek Tttgblalt. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. _Seite 3.
üon ihm abgeschlossenen Vertrags nicht durch den Vorwurf einer Täuschung begründet hat, und daß der Wortlaut des Vertrags teinen Irrtum über den Inhalt Raum gibt; es spricht auch zugunsten des französischen Hauses, daß in den gesamten Papieren nirgends eine Bemängelung der von ihm gelieferten Waren erhoben ist. — Allerdings steht demgegenüber eine vom 22. Nov. v. I. datierte Äußerung des Kaiserlich deutschen Generalkonsulats in Paris folgenden Inhalts; ..Gegen die fragliche Firma (also Nardon), bezw. ihre Reisenden sind zurzeit bei der Staatsanwaltschaft in Freiburg, Karlsruhe, Meiningen und Weimar Strafverfahren wegen Betrugs anhängig. Es handelt sich hierbei, so viel mir bekannt, um ähnliche Fälle wie der dortseits zur Anzeige gebrachte. Da Rardon Franzose ist, haben die bezeichneten Staatsanwaltschaften gleichzeitig auf diplomatischem Wege die Übernahme der Strafverfolgung durch die zuständigen französischen Behörden beantragt. Eine Antwort der französischen Regierung ist darauf noch nicht erfolgt. Wegen Weiterem stelle ich ergebenst anheim, sich an die Staatsanwaltschaften in Freibuxg, Karlsruhe, Meiningen, Weimar und Wiesbaden zu wenden." Hiernach wird mit einem Endurteil zunächst das Ergebnis dieser gerichtlichen Angelegenheit abzuwarten se;n.
— Abgeschlossene Untersuchung. In der Strafsache gegen den jungen Seck von E i s e n b a ch ist die Untersuchung abgeschlossen und die Akten sind zur Erhebung der Anklage der Staatsanwaltschaft übergeben worden.
_— Festgcnvmmcn wurde in Würzburg der Geschäftsreisende Konrad Senkel von hier, welcher seit längerer Zeit schon wegen fortgesetzter Betrügereien von Wiesbaden aus steckbrieflich verfolgt wird.
— Jmmobilicn-Vcrstcigerungen. Vom Amtsgericht wurde vorgestern nachträglich der Zuschlag erteilt für ein Bargebot von 28 OOO M., welches bei Übernahme von 32 000 M. Hypo- thekenlasten gelegentlich der gerichtlichen Versteigerung des Hauses Roonstraße 17 am 5. d. M. eingelegt worden war. Dagegen ivurde der Zuschlag dem Höchstgebot bei der Versteigerung des Hauses Blücherstraße 22 dahier verweigert.
— Konkursverfahren. Über den Nachlaß der zu Dotzheim verstorbenen Witwe Henriette Klee, geb. Schmidt, wurde am 12. Januar 1914 das Konkursverfahren eröffnet. Zum Konkursverwalter wurde Rechtsanwalt Wolfs Hierselbst ernannt. Forderungen sind bis zum 10. Februar beim Amtsgericht Wiesbaden anzumelden. Die erste Gläubigerversammlung ist auf den 7. Februar, vormittags 11 Uhr, und der Prüfungstermin auf den 28. Februar, vormittags 10y 2 Uhr, anberaumt worden. — Im Jahre 1013 wurden beim Amtsgericht Wiesbaden 37 Konkursverfahren eröffnet, in 1912 dagegen nur 18.
— Preußisch-Süddeutsche Klaffenlotterie. In der heutigen Nachmittagsziehung sielen 10 000 M. auf die Rr. 95 673; 3000 M. auf die Nr. 44 418. (Ohne Gewähr.)
— Kleine Notizen. In der Stenographieschule Stolze-Schrey wird Mittwoch, den 14. Januar, abends 'S Uhr. im Gewerbeschulgebäude. Zimmer 14. ein Fortbildungskursus eröffnet. — Die „W äfchbitt", die bekannte ^ Wies- ixtfcener humoristische Zeitschrift, soll auch zur diesjährigen Fastnachtzeit wieder erscheinen, und zwar am Anfang Februar und Fastnachtsamstag.
vorberichte über Kunst, Vorträge und verwandtes.
' Vorträge. Zugunsten des Allgemeinen evangelisch- protestantischen M i s ston s ver e ins , der in Japan und China arbeitet, und in der Heimat wesentlich von den freier ' unntcn Kreisen des Protestantismus getragen wird, hielten schon im vorigen Jahr die Pfarrer Lieber und Beckmann zwei Vorträge über die Religionen in Japan und China. In diesem Jahr wollen sie über Land und Leute in den beiden Ländern sprechen, inrd zwar Pfarrer Beckmann am Montag, abends 8% Uhr. über Land und Leute in Japan, und Pfarrer Lieber Montag, den 26. Januar, über Land und Leute tu China. Die Vorträge finden im kleinen Saal der Luther- kirche statt. Sie werden durch besonders zusammengestellte Lichtbilder aus Japan und China erläutert. .
' Der Verein Frauenbildung—- Frauen st udlurn
Im Auftrag des „Kau f m ä nn tscheu ß eretns" hält Mittwoch, abends 148 Uhr. Dr. med Mühlstadt (Leipzig) im Saale der Turngesellschaft einen Vortrag über das Thema: „Aus dem Wunderland der Dolomiten", mit Lichtbildern. Dr. med Mühlstadt ist in Wiesbaden nicht unbekannt und bietet besonders in der Vorführung seiner Lichtbilder ganz Hervorragendes.
Im Aufträge des Deutschen Monistenbundos, Ortsg.uvve Mainz Wiesbaden, spricht nächsten Donnerstag, abends 814 Uhr, im Saatbau der Turugesellschaft Dr. med, Aigner aus München über „Die Wunderheilungen ,von Lonrdes". Dr. Aigner wird seine Erlebnisse während eines meh wöchigen Aufenthaltes in Louvdes schildern.
Die nächste wissenschaftliche Abendunterhaltung des „R a s s a u i s ch e n V e r c i n L für N a i u r k u n d e" findet Donnerstag, abends 814 Uhr, im Zivilkasino statt, Dr. R. Fresenius wird einen Vortrag halten über „Eine neue analytisch wichtige Lumstiescenzerscheinung". Gäste sind will- kommen.
Musik- und Vortragsabende.
In der ersten wissenschaftlichen Abeiidunterhaltung des „N a s s a u i s ch e n B e r e i n s für Rat u r i und e" am 8. d M. hielt zunächst Dr. W. BergiNann einen sich vielfach aus eigene Forschungen gründenden Vortrag über die Eibildung bei einigen Meeresanneliden. Dann sprach Dr. L. Grunhut über die Untersuchung von Mineralquellen. Er beleuchtete zunächst die heutigen Anforderungen, welche man an me physikalische phvsikalisch-chemische und chemische Untersuchung der Mineralquellen stellt und gab interessante Ausführungen auch über die vharmakologische Bewertung der Mineralquellen auf Grund der wissenschaftlichen Untersuchungen. Zum Schluß füh'te er einen von Dr. R Fresenius und ihm verbesserten Apparat zur raschen Bestimrnung der Kohlensäure im Mnieral- vxisser vor. Beiden Vortragenden dankte der Vorsitzende im Namen der Zuhorcstckaft. Besonders lebhaften Beifall fanden die Ausfübrunaen Dr Grünhuts über Minevalwasserunter- sucknnqen. (Ohne Gewähr.)
Letzten Freitagabend zeigte bei dem B o l k s v o r t r a g schon die Zilsammensetzung der zahlreichen Zuhörerschaft, daß nanz besonders die ;mgend ihre Rechnung z» finden honte, und in der Tat waren die „Schwedischen Märchen", die Bildhauer Köper erzäMe nach Inhalt und Form durchaus geeignet, die qesvannte Aufmerksanikeit andauernd wachzuhalten. Denn die beiden schönen E"zahmnaen von dem wackeren Knaben, der kein vom Ostwind ge-aubtes Schwesterchen unter Besiegung unsäglicher Schwierigkeiten und Gefahren endlich wieder nach Hanse znrückbringi. und dann von dem armen Knecht, dem es durch, zähes Ansbalten aegem allerhand Spuk und Geiste- gelingt den Sack mit dem Schatz den Zwergen zu entreißen, waren so recht geeignet. Phantasie und Gemüt gleicherweise zii bewegen So erntete denn auch Herr Köper für seine durch Lichtbilder aut unterstützten Darbietungen reichen Beifall. (Ohne Gewähr.)
Bus dem Landkreis Wiesbaden.
3,i der Mordsache Schiester.
-o- Biebrich. 13. Januar. Heute vormittag fand in Gegenwart der Staatsanwaltschaft und des Untersuchungsrichters in
der Sache des wegen versuchten ' Gatten mordeS itt Untersuchungshaft sitzenden Taglühners Schießer eine Orts- besichtigung mit gleichzeitiger Feststellung des Wasserstandes statt. Die Anklage soll so gefördert werden, daß sie möglichst noch in der gegenwärtigen Schwurgerichtstagung erledigt werden kann.
z. Bierstadt, 12. Januar, Die Priva tkranken - lasse hielt im Gasthausc „Zur Krone" eine sehr gut beMchte Generalversamnrlung ab. Zum 1. Vorsitzenden ist Adolf Grotz, zum 2. Ludwig Wink, zum Kassierer Ludwig Stern gewählt. Außerdem gehören -6 weitere Mitglieder dem Vorstande an. Die Versammlung wählte zivei Krankenbesucher und drei Rechnungsprüfer. Das Schiedsrichteramt übernahmen August Mertens. Heinrich Maus, Karl Vogel, Fritz Bank, Wilhelm Braun und Heinrich Weher. Kassenärzte wurden unsere beiden hiesigen Ärzte sowie Zahnarzt Moureau und Dentist Darowski, beide zu Wiesbaden. Der Kasse gehören 110 Mitglieder an. Es ist in. Aussicht genommen, falls sich Bedürfnis hierfür zeigt, die Kasse auf die Orte des hiesigen Arztbezirks: Kloppenhcim, Igstadt und Auringen auszudehnen. — Die heutige Holz- v. erste i ge ru n g im hiesigen Gemeindetvald erzielte ziemlich hohe Preise. Prügelholz (Buchen) kam auf 20 bis 23 M. per Klafter, während Scheitholz mit 28 bis 32 M. bezahlt wurde. Es waren viele Kauflustige aus benachbarten Gemeinden erschienen. — Eine wohlgelungene Weibnackts- s e i e r veranstaltete am gestrigen Abend der „Katholische Männcrverein" im Saale „Zum Bären". Der Saal vermochte die Besucher nicht alle zu fassen. Zu Anfang hielt Pfarrer Urban eine herzliche, mit größtem Beifall aufgenommene Ansprache und eine 8jährige Schülerin trug zwei Gedichte mit besonderem Geschick vor. Der Mannergesangverein „Frohsinn" und ein Doppelquartett des Gesangvereins ..Eintracht" verherrlichten durch Liedervorträge den Abend. Die Wejb- nachtsstücke . „Heimgefundcn" und „Des fremden Kindes heil'ger Christ" waren von rührender Wirkung und die beiden Schiränke: „Ein Aprilscherz" und „So ein Esel — oder zwei Naturbeilschwindler" ließen die Zuhörer nicht aus dem Lachen herauskommen. Die Rollen ivareii aufs beste verteilt und alle Darbietungen ernteten lebhafteil Beifall. Tombola und Tanz beschlossen die schöne Feier.
, w. c. Erbenheim, 12. Januar. Vor dem König!. Amtsgericht in Wiesbaden stand heute Moutagvormittag Termin an zur Versteigerung des Wohnhauses mit Hofraum und zwei Pferdeställen, Frankfurter Straße 62 dahier. Die Taxe des Ortsgerichts beträgt 42 000 M.. diejenige der Steuerbehörde 41840 M. Das Höchstgebot mit 1586.64 M. legten ein; die Eheleute Landwirt Wilhelm Giebermann und Ehefrau Margarete, geb. Becker, dahier. Es bleiben Hypotheken von insgesamt 51000 M. bestehen. Die Zuschlagserteilung erfolgte im Termin.
NassÄUische Nachrichten.
Winzer-Notstandsversammlung, m. Lorch a. Rh., 12. Januar. In der gestrigen dritten N o t st a n d s v e r s a m in l u n g für den unteren Rheitigau, in der Vortrüge über den „Notstand im Rheingau" und über „Handelspolitik und Weinbau" gehalten wurden, führte Bürgermeister Dravers von hier aus, daß die durch die Reblaus dem Weinbau entzogene Bodenfläche den zehnten Teil der Gemarkung Lorchs ausmache. Davon sei ein Teil zwar bereits' der Bebauung freigegeben, doch fehle es den Winzern an den zu diesen Arbeiten erforderlichen Mitteln. Gang entschieden sprach er sich gegen eine obligatorische Rebschädlingsbe- kämpfung aus, die leicht die gleichen Ilnzuträglichkeiten bringen könnte, wie sie bei der Reblausbekämpfung zutage getreten seien. An den Magistrat und an die Stadtverordneten- Versammkung von Lorch sei man bereits mit dem Ansinnen herangetreten, ein Ortsstatut für die Bekämpfung des Heu- und Sauerwnrms zu erlassen, beide Körperschaften hätten dies aber einstimmig abgelebnt. Die Winzer möchten es sich gründlich überlegen, bevor sie eine solche Forderung stellten. Wenn die Regierung der Gemeinde. Lorch helfen wolle, so müsse sie vor allem für eine Verminderung des Schwarzwildes sorgen. Der durch das Schwarzwild im Jahre 1013 ungerichtete Schaden habe rund 6700 M. betragen, während die Gemeinde an, Jagdpacht nur 3600 M. erhalte. Es sei für die Gemeinde unmöglich, das Schwarzwild mit eigenen Mitteln zu bewältigen, und müßten daher Polizeijagden abgehalten werden. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, ähnlich wie in Eltville, in der die Winzer Geld 'zur Ausführung der Rebschädlingsbekämpfung forderten.
ht Neuenhain i T.. 12. Januar Zum größten Leidwese, aller Avselwcmgcschwsrenen bestätigt sich We Mitteilung vm de." Ans Hebung der A » f e l w e i n st e u e r nicht. Nack wie vo wird für das Hektoliter 1 M. erhoben. ’ Wtc Bo
# Griesheim. 12. Januar. Rektor Karl K r e ck von de hiesigen Mädchenschule tritt demnächst in den R u h e st a n t — Die durch den Tod des Lehrers S ch u a erledigte Orga nistenstelIe an der evangelischen Kirche ist dem Lehre Jakob Dahl übertragen worden. — Die Gemeinde hat zwc Wirtshaus säle für S ch u l z w e ck e gemietet, da di geplante fünfte Schule noch nicht zur Ausführung komme' konnte.
ln. Weißkrrchcn i. T.. 12. Januar. Der 75jährige Feld Kater Adam Martin zog sich durch einen unglückliche: ^turz schwere Verletzungen zu, die seinen Tod nac kurzer Zeit herbeisirhrten.
-. Limburg, 18. Januar. Beigeordneter Kaufmann Josep S ch m i d t ist gestern an den folgen eines Schlaganfalls ot starben, den er vor einiger iZeir erlitt. $iit ihm ist einer de angesehensten Bürger Limburgs/ dem das Vertrauen seine Mitbürger viele, Ehrenämter übertragen hat, aus dem Lebe, geschieden.
In. Herborn, 12. Januar In der Grube „Rotland" stürzt der ingenÄiiche Bergmann Dyeis aus Osfenback» von einen Gerüst ab. wobei er sehr ickw-re i,tn (rt Verletzungei und Brüche erlitt.
Gerichtssaal.
Wiesbadener Schwurgericht.
wc. Fälschung einer öffentlichen Urkunde. Vor dem
Schwurgericht wird heute widtt die Ehefrau des Färbers Julius Müller und _ j ei!le Tochter Auguste M. wegen Fälschung einer ö f f c 11 J- * ' ch cn 11 rkunde und Betrugs verhandelt. Die den Angeklagten zum Vorwurf gemachten Straftaten entfallen in den Februar und März vorigen Jahres. Der Geschädigte ist ein Kaufmann in Meran. Drei Zeugen und als Sachverständiger der Gerichtschemiker Dr. Popp aus Frankfurt sind vorgelatzen. Die Ehefrau M- ist im Jahre 1858 in Oberursel, ihr- Tochter 1583 in Camberg geboren. Die Leute betrieben neben einer Färberei einen Laden, in welchem Manufakturwaren, insbesondere vom Manne gefärbte Stoffe,_ feilgehalten werden. Das Geschäft ging im ganzen nicht schlecht, im Vorjahre aber stürmten, angeblich infolge eines in Umlauf gesetzten ungünstigen Gerücktes über ihre Bcnnögcnsverhältniffc, plötzlich die Gläubiger aus sie ein und verlangte» Befriedigung. Darunter war auch der Kaufmann Petzeld aus Meran. Dieser hatte
eine Forderung in Höhe von 98 M. 15 Pf., Erwirkte auch in dieser Höhe einen vollstreckbaren Titel, und es wurde zum Zwecke der Beitreibung dieses Betrages ein Stück Nessel gepfändet, für welches ans den 16. April Versteigerungstermin angesetzt war. Den Leuten war es natürlich darum zu tun, der Zwangsversteigerung aus dem Wege zu gehen, und sie sollen allerlei Manipulationen zu diesem Zwecke vorgenorn- men haben. II. a. wird ihnen Schuld gegeben, verschiedene Depeschen gefälscht zu haben. Deshalb werden sie demnächst vor der Strafkammer zur Verantwortung gezogen. Am Tage vor der Versteigerung ferner sandten die Leute einen Betrag von 5 M. per P o st anweis u n g an Petzeld ab. Auf dem Einlieferungsschein aber wurde nachträglich aus der „5" eine „50" gemacht, dieser Schein dem Gerichtsvollzieher vorgelegt und dadurch die Aufhebung des Versteigerungstermins ei> wirkt. Einer ähnlichen Tat sollen die beiden Angeklagten sich einige Zeit vorher, im Januar des vorigen Jahres, schuldig gemacht haben. Damals schuldeten sie 73 M. an denselben Kaufmann Petzeld. Auch für diesen Betrag war gepfändet, ein Versteigerungstermin angesetzt, und auch damals soll die Versteigerung verhindert worden sein durch die Fälschung einer Postquittung. Aus einer „6" war darin eine „80" gemacht. Das Hauptbelastungsmaterial gegen sich hat Müller selbst geliefert, indem er zur Begleichung der Rechnung 54 M. noch nachträglich einschickte. Die Angeklagten stellen die ihnen vorgeworfenen Straftaten in Abrede. Die angeklagte Ehefrau M. wurde wegen Gebrauchs einer öffentlichen gefälschten Urkunde unter Zubilligung mildernder Umständen zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, während bezüglich des Mädchens ein Freispruch erging.
Gistmordprozetz Hopf.
8. u. bl. Frankfurt a. M., 12. Januar.
Die Vernehmung des Angeklagten wird fortgesetzt.
Vorsitzender: Weshalb kamen Sie aber erst.so spät damit heraus, daß Sie Ihrer Mutter Arsen für Stoffwechsel gegeben haben? — Angeklagter: Wegen der Aufregung infolge der Verhaftung.
Nach einer kurzen Pause wird der Fall des Mordversuchs an der dritten Frau,
Wally, geb. Siwiec, besprochen. Er hatte die Frau auf Grund einer Heiratsannonce kennen gelernt und am 9. April 1912 geheiratet. Er versicherte sie sehr hoch, mit 80000 Mark, seiner Frau sagte er nur, es handle sich um 40000 Mark. Die jährliche Prämie betrug 4170 M. Der Vertrauensarzt fand beide Eheleute am 80. Mai 1912 völlig gesund. In den Anträgen auf Versicherung sagte Hopf fälsch- l i ch, er lebe in zweiter Ehe, verschwieg auch, daß er bezüglich der beiden früheren Frauen bei anderen Gesellschaften einen gleichartigen Versicherungsvertrag abgeschlossen. Bei den Versicherungsverhandlungen war Frau Hopf nicht zugezogen, die Unterschrift für den Antrag besorgte er sich von seiner Frau gelegentlich bei Tisch, er hielt ihr gleich den Füllfederhalter hin. Hopf legte seiner Frau bald darauf den Revers vor, nach dem sie mit der „L e i ch e n v e r- b r e n n u n g einverstanden sein sollte. Sie tn! dies nicht, auch dann nicht, als Hopf wahrheitswidrig sagte, in seiner Familie je: die Einäscherung üblich. Die Ehe war anfangs glücklich, Hopf gab seiner Frau ausreichend Geld und erfüllte ihr jeden Wunsch. Im Juli 1912 verreiste Frau Hopf einige Tage zu Bekannten, bei der Rückkehr bemerkte sie aus verschiedenen Spuren, daß ihr Mann Frauenzimmer bei sich gehabt habe. Bei einer Abwesenheit durchsuchte sie die Korrespondenzen ibres Mannes und fand nicht nur Briefe von anderen Frauenspersonen, sondern entdeckte auch, daß ihr Mann nicht mn; Witwer, sondern auch von einer zweiten Frau geschieden war. Als sie ihrem Mann Vorwürfe machte, gab er alles zu uird bat um Verzeihung. Frau Hopf verließ, um ihre Aufregung zu verbergen, einige Augenblicke das Zimmer. Man war gerade beim Frühstück. Als sie wieder zurückkam und den Tee weiter trank, w u r d e i h r p l ö tz l i ch ü b e l, der Mund stellte ;ick schief, die Finger waren steif und blutleer. Hopf gab ihr Kognak, weigerte sich aber, den Arzt holen zu lassen Damals hatte- Frau Hopf schon Verdacht, Hovf hätte Gift in den Tee getan, sagte ihm das auch ins Gesicht. Er sagte, sie habe sich Wahrscheinlich selbst Gift aus den Giftschränken geholt. Während Frau Hopf bisher stets gesund gewesen ivar, begann sie jetzt zu kränkeln, die Krankbeit nahm bis zur Trennung ständig zu. Am Sonntaa, den 16. Februar 1913 trank das Ehepaar mittags eine halbe Flasche Sekt. Frau Hopf fiel auf,
daß ihr Sekt parfümiert schmeckte
und roch, gab ihrem Mann auch davon zu trinken, der auch einen kleinen Schluck nahm. Gleich nach Tisch legte sich Hopf auf. die Chaiselongue, weil ihm schlecht sei, und öffnete^ die Weste. Frau Hopf sah, daß ^ er in der Tasche ein kleines Fläschchen mit einem Rest wasserheller Flüssigkeit hatte. Auf dem Stopfen des Fläschchens war mit Tinte ein „A" geschrieben. Fräu Hopf roch daran, es war derselbe Geruch, den vorher der Sekt gehabt hatte. Hops sagte, es sei Bromkali. Am selben Tage erkrankte Frau Hops wieder schwer und mußte bis zum 21. Februar das Bett hüten. Sie hatte heutiges Erbrechen und Kopfschmerzen, so daß der Arzt geholt werden mutzte. Am 16. März kam Frau Hopf auf Beran- lasiung ihres Arztes Dr. K r ä m e r ins Diakonissenhnus, wo sie 8 Tage in ständiger Lebensgefahr schwebte und sich allmählich erholte. ^ Bis zu seiner Verhaftung besuchte Hopf seine Frau regelmäßig tut Krankenhaus. Er drängte bald darauf, lie nwchte nach Hause kommen und einen anderen Arzt wie Dr. Krämer nehmen. Er hob auch die Möglichkeit von Rückfällen hervor.
Der Angeklqgle erklärt hierzu, er habe seiner Frau zu
Versuchszwecken Arsen, Digitalis, Typhus- und Cholera- bazillcn gegeben.
Er habe solche 'Versuche auch an sich selbst gemacht. Es sei ch ö g l: ch daß ec die Ä b s i ch t gehabt habe, seine Frau b e i- 1 e i t e z u b r i n g e n, als er nach ihrer Rückkehr von Schlan- genbad die Streitigkeiten mit ihr gehabt. Es sei auch w ö g l i ch, daß er dabei an die Versicherungssu nt m e gedacht habe. Jedenfalls sei er damals so deprimiert ge- wesen, daß er nicht gewußt hätte, was er tat. — Bor s i tz e n- d e r : Sie haben nach Ihrer Verhaftung dem Kriminal
inspektor v. Salomo n gegenüber eingeräumt, daß Sie Ihrer Frau Gifte beigebracht Bähen, um sie zu ermorden. Ja, sie erklärten, Sir hätten Ihre Frau nur zu dem Zweck geheiratet, um sie hoch zu versichern und dann zu vergiften, damit Sie sich in den Besitz der Versicherungssumme setzen konnten. — Angeklagter: Ich war so niedergeschlagen durch die plötzliche Verhaftung, daß ich noch viel mehr zugegeben hätte, wenn mau cs verlangt hätte. — Vorsitzender: Sie hielten die Aussage aber am nächsten Tage vor dem Un-
