Jeite 1, Abcrrd-Ausgabe, 1 , Blatt.
Fahrt nach Leipzig gelöst worden waren, gegen Auszahlung des Fahrpreises dem Schalterbeamt-en zurückzugeben. Den Aufdruck russisches Konsulat hatten sie entfernt.
kt. Hanau, 12. Januar. Die fortschrittliche BolkSpart'ei stellte in einer gestern abgehaltenen BertraUcnsmännerver- sammlung Professor Hillmann (Frankfurt-Eschersheim) zum K a ndidaten für den R c i ch s tag S m ahlkrc i s Hanau- Gelnhausen-Orb auf.
— Worms, 12. Januar. Van der Rheinstratzenbrücke stürzte sich vorgestern ein 17jahriges Mädchen aus Weinheim n. d. B. in den Rhein. Als Motiv der Tat wird in einem hinterlassenen Brief, F nicht v o r der Hochzeit angegeben, die am gleichen Tage stattfinden sollte.
ni. Bingen, 13. Januar. Die A u S s ch uss w a h l e n für die Krankenkassen des Kreises Bingen ergaben 613 Stimmen für die christlich-nationale und 137 istim- mon für die s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Vorschlagsliste. Demnach stellen die. Lhristlich-Nationalen 2i) und die Sozialdemokraten 11 Vertreter.
— Koblenz, 12. Januar. Im Sommer v. I. hatte die Frau des Lehrers Pertzborn in Kranken bei Sinzig.drei ihrer Kinder in einer Badewanne und ein viertes, das jüngste, in einem Eimer ertränkt. Jetzt ist das Verfahren gegen sie endgültig-eingestellt'worden, da angenommen wird, daß sie in völliger G e i st e s st ö r u n g gehandelt hat.
X Frankenberg, 12. Januar. In R e uastenberg ist ein aus einigen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften bestehendes M ilitärko m m a n d o aus Köln eingetroffen, um das Sch n e e s ch u h l a u f e n zu üben.
* Kassel, 12. Januar. Oberb ü rger m e i st er Ko ch würde heute- vom König ans Präsentation des Magistrats der Stadt Kassel zum Mitglied des Herrenhauses während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister der Stadt Kassel berufen. — wb. 13. Januar. Bei der Renovierung des Doms wurden verschiedene kostbare Wandgemälde entdeckt, die aus dem 14. Jahrhundert stammen.
Schnee, Hochwasser, Sturm.
Hochwasser im Rhein- und Moselgebiet, in. Bingen, 12. Januar. Der R Hein ist in den letzten 24 Stunden nach dem hiesigen Pegelstande um 90 Zentimeter gestiegen. Trotz der über Nacht eingetretenen Kälte steigt auch am Oberrhein das Wasser sehr schnell, so daß das Mittclrhein- gebiet noch weiteres Steigen des Wassers zu erwarten hat. Schon setzt sind am Mittelrhein, so bei Gaulsheim, weite Strecken unter Wasser gesetzt. Bei weiterem Steigen dürften noch größere Strecken überschwemmt werden. — Der M n t n und der N e ck a r sind dagegen infolge des Frostes nicht unbedeutend gefallen. So betrug bei Heilbronn der Rückgang des Wassers in den letzten 24 Stunden etwa 1,30 Meter. — Die N a h e ist in ihrem oberen und mittleren. Lause ebenfalls stark gurückgegangen. Dagegen führt die untere Nahe immer noch Hochwasser. Neben größeren Mengen Treibeis führen die reißenden Fluten Reißig und aufgelöstes Geröll und Schutt mit, so daß das Wasser lehmig und gelb aussieht.
ui. Bon der Mosel und Saar, 12. Januar. Die Mosel dürfte ihren hoch ft e« Sta n d erreicht haben. Bei Metz betrug heute nachmittag der Wasserstand 4,78 Meter/bei Trier 4.62 Meter. Von der französischen Mosel ist die Nachricht ein-- getroffen, daß das Wasser im Fallen begriffen ist. Der durch das letzte Hochwasser angerichtete Schaden ist sehr groß. In der Nähe von Piesport sind mehrere neuangelegte Weinberge in das Wasser gerutscht. In Trier ist ein aroßer Teil der Keller mit Walser gefüllt. Die Moseltalbcchn rnutzte ihren Betrieb vollständig einstellen. Auch an der oberen Mosel ist das Wasser auf weite Strecken über die User getreten und hat alles mirgeriffen. Das Wasser treibt Bäume, Rachen u. a. mit.
-.Die Saar ist noch im Steigen begriffen. Verschiedentlich
ist das Wasser so weit aus den Ufern getreten, daß ganze Flächen einem See gleichen.
Oie Lage an der Ostsee.
Prinz Eitel Friedrich im Überschwemmungsgebiet, wb. Köslin, 12. Januar. Prinz Eitel Friedrich trat im Automobil in Sorenbohm ein und besichtigte dort die Verwüstungen. Die Häuser der unteren Teile des Dorfes sind vollständig vereist; zwei , Gehöfte sind dem Einsturz nahe. Von beiden Häusern sind bereits große Teile abgebröckelt. Die Strandbefestigungen sind teilweise verwüstet. Von dort fuhr der Prinz nach Deep. Mi Nest begegnete ihm eine Hilfs- kolonne des Infanterie-Regiments Nr. 34, von deren Führer er sich über die Arbeiten am Tief berichten ließ. Der Führer teilte mit, daß es nach fünfstündiger Arbeit gelungen sei, das Ties sreizumachen. Prinz Eitel Friedrich besichtigte eingehend die Arbeiten am. Tief und fuhr den Jämundersee entlang nach Grvßmöllen. Sodann fuhr der Prinz zurück nach Köslin, wo er um 3 Uhr anlangte. Die Ortschaften, die der Prinz passierte, waren sämtlich geflaggt. Er wurde überall von der Bevölkerung freudig begrüßt. Der See ist ziemlich ruhig zu- rückgetreteu. Das Wasser des Jamundcr Sees fällt ständig; die Einwohner befinden sich wohl.
wb. Danzig, 12. Januar. Aus dem Ministerium des Innern ist heute früh Geh. Baurat Reitze hier eingetroffen und hat'die schweren Schäden am Strande besichtigt. Bon der Halbinsel >H e I a wird gemeldet, dass mehrere Fischerorte hoch unter Wasser stehen. Biel Vieh ist im Wasser nntergegangen.
Harter Winter in Österreich, wb- Wien, 12. Januar. In ganz Österreich hat harte Kälte eingesetzt. In Wien verzeichnete man heute früh 11, ans der Rar 18 und auf dem Schneeberg sogar 20 Grad Kälte.
Schwere Unglücksfälle in der Schweiz.
- Zürich, 13. Januar. Aus allen Teilen der Schweiz treffen Hiobsposten über Unfälle ein, die das Unwetter verursacht hat. In St. Antonien im Kanton Graubünden fegte eine Lawine einen Knecht und zwei Ställe mit acht Rindern und zwei Pferden hinweg. .Bei Beatenberg im Kanton Bern wurde ein Illjähriges Mädchen von einer Lawine in einen Abgrund gerissen und verschüttet.
Die Überschwemmung in Belgien, wb. Be einer S, 12. Januar. Die Fluten der Basdre gehen langsam zurück. Ju Crepont, Gauffonteine, Reffonvaux und Khaudsontains sind durch die Überschwemmung viele Mauern eingestürzt.
Hochwassergefahr in Frankreich.
* Paris» 13. Januar. Aus ChalonZ an der Saöne und aus. Troyes an der Aube kommen beunruhigende Nachrichten über das Anwachsen der Ströme. Man befürchtet starke Überschwemmungen.
WiesÜKdeurr Taglüatr.
Neues aus aller Welt.
Lustmord au einem Ivjährigeu Kind. Tübingen, 12. Januar. Im Kelle, raum eines Hauses der Ulsiant-strasse wu.de -heute die Leiche der i0jährigen Irma Dessau« aufgefunden. Zweifellos liegt Lustmord vor. Als der Tat verdächtig wurde der 28 Jahre alte Hausknecht Karl Maier „aus Umerjesingen verhaftet. Er wird beschuldigt, an dem Kinde zue.ft ein Sittiichkeitsverbrecheu verübt und es dann erwürgt SU haben. Maie, wurde verhört, leugnet aber die Tat. Das Opfer ist das Töchterchen einer hier lebenden. Witwe. - Die Staatsanwaltschaft war heule kurz nach d Uhr an Ort und Stelle. Maier hat nachmittag» eilt Geständnis abgelegt. Gegen Abend wurde die Sektion der.Leiche tut Pathologischen Institut der Universität boogenommen.
Ein Soldat auf der Berliner Nntergrundbalin zerquetscht. Berlin, 18. Januar. Als gestern abend ein Untergrund- bahnzue sich aus der -Station Kaiserhos in der. Richtung auf die Friedrichstvassc in Bewegung letzte, kam ein Soldat, der noch aus einem Abteil zu sp.ingen versuchte, zwischen die Tuunel- wand und einen Bahnwagen. Er wurde buchstäblich -zerquetscht.
Schweres Bootsunglück auf dem Bodensee. Konstanz. 12. Januar. Heilte früh verunglückte ein mit vier. Personen besetztes Boot auf dem Untcrsce .stoischen Oehningen und Mammern. Bier aus Oehningen stammende junge Leute, die täglich von dort nach dem ichweizerischen Ufer zur Arbeit fahren, gerieten infolge de» heftigen Ostwinoes in den Wellengang, der das Boot sofort mit Wasser füllte lind zum Sinken brachte Zwei der jungen Leute, der 29 Jahre alte August Schmidt und der 17 Jahre alte Anton Ruf. sanken sogleich in die Tiefe, wäWnd die beiden anderen von der Besatzung eines Rachens ausgenommen werden konnten. Der 23 Jahre alte August Düktte starb jedoch seinen Rettern unter den Händen, während, der 16 Jahre alte Heinrich Ruf, kaum ans Land gebracht. verschied.
Eine Automobilfabrik in Amerika gestürmt. New Uork, 12. Januar. Die Fordsche Automobilfabrik wurde, von ihren Arbeitern gestürmt. Tic Arbeiter wollen mit 10 Millionen an dem Ertrag der Fabrik partizipieren. Die Menge wurde durch eine Feuerspritze auseinander getrieben. -
Rangiererlos. Insterburg, 11. Januar. Auf dem Güterbahnhof wurde der 18 Jahre alte Eisenbahnarbeiter Richter von einem Rangierzuge überfahren. Er erlitt so schwere Ve.letznngen, dass er alsbald an ihren Folgen verstarb.
Eine deutsche Touristin vermißt. Rom, 11. Januar. Die 67jährige. aus Stuttgart gebürtige Frau Maria Hill, die in hiesigen Sportkreisen sehr gut bekannt ist. hat am 2. Januar Sa.!'. Rem-o verlassen, um den -schneebedeckten Col Gvamondo zu besteigen. Seither ist sie verschwunden. Man befürchtet, daß sie von einer Lawine verschüttet worden ist.
In Seenot. New Uork, 11. Januar. Der Tank- dampfer „Comet" hat in der Nähe von Nantucket Hilferufe ausgesandt. Seine Hlbehälter find leck. Man befürchtet, dass eine Explosion staitgefunden bat.
Ein vulkanischer Ausbruch in Japan. T ok i o, .12. Januar. Aus der Insel SaLlvaschrma ist ein starker vulkanischer Ausbruch erfolgt. Die Stadt Kagoschina und die umliegenden Dörfer brennen.
Tödlicher Rodelunfall. Oe.denburg. 12. Januar. Auf der hier eröffnetcn Rodelbahn verunglückten drei Fahrer schwer. Der eine, Klempner Meister Paior. war auf der Stelle tot die beiden anderen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. _ ,__
Abgeordnetenhaus.
Die Auseinandersetzung des Reichskanzlers mit den Ronservativen.
A Berlin, 13. Januar. .(Gig. Drahtbericht.) Fast das gesamte preußische Staatsministerium, mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze, war schon am ersten Tage der Etcktsbe- ratung im Abgeordnetenhanse erschienen. Es ist dies eine. Seltenheit in der Geschichte des preußischen Parlament» und kündigte an, das; schon für heute' Debatten erwartet werden, die aus dem Rahmen der sonstigen ruhigen. Sitzungen herausfallen. Haus und Tribünen wären bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Präsidentenwahl, mit der man begann, >var nur eine Formalität. Das alte Präsidium wurde wiedergewählt. Die- erste Etatslesung wurde eingeleitet durch eine Rede des konservativen Abgeordneten Winckler, der zunächst der Sturmflut an der Ostseeküste gedachte, und energische Maßnahmen der Regierung verlangte, um sodann in demselben Fahrwasser, in dem sich die Herrenhaus- debatte bewegte, dem Finanzminister und sodann auch Herrn v. Bethmann-Hollweg die Mißbilligung der konservativen Partei auszusprechen. Mit den Ausführungen des Finanzministers über den Wehrbeitrag, erklärte er sich einverstanden und bat darum, die Frist zur Abgabe der Vermögenserklärung wesentlich zu verlängern, meinte aber, die vom Reichstag beschlossene Besitzsteuer sei der erste Schritt ans einem Wege, der noch schwere Folgen nach sich ziehen müßte. Die direkten Steuern müßten den Bundesstaaten Vorbehalten bleiben; bedauerlich sei die Passivität der Regierung, die ruhig zusehe, wie im Reichstag gewisse Kräfte an der Arbeit seien, um die Rechte des Reichstags zu- erweitern aus Kosten der Regierung und der monarchischen Autorität. Gegen die sozialdemokratische Agitation und die Verhetzung in den gefährdeten Grenzgebieten des Reiches könnte, man keineswegs ein Wirken, der Regierung bemerken. Der Redner ging sodann die einzelnes Etats durch und verlangte, daß der provisorische Charakter der <g|-euerzu-
f ch läge nicht verwischt werde, daß die Versorgung der Alt- pensionäre besser und der Landwirtschaft eine größere Fürsorge zuteil würde.
Nach ihm erhielt sofort das Wort
Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg.
Seine Ausführungen waren, lediglich gegen die. konservative Partei gerichtet, als eine Abwehr der Vorwürfe, die neulich im Herrenhause , und. eben, vom Abg. -Winckler erhoben worden waren. Gegen allgemein gehaltene Vorwürfe, wie Passivität, so'führte'der Kanzler.aus, lege -er Verwahr u n g ein. Solche Vorwürfe müßten im einzelnen begründet sem. Daß dieVermögenszuwachssteuer eine Last sei, die von den E i nz ölst a a t e n nur sehr schwer zu tragen ist, darüber bestehe wohl nirgends ein Zweifel. Die Frage sei nur, ob das Reich auf andere Weise seinen zwingenden Geldbedarf decken konnte. Bei dem außerordentlichen Geldbedarf des Reiches glaubten die Verbündeten Regierungen, auch den Besitz Neffen zu müssen, und zwar auf demselben Gebiet, das bereits logg angeschnitten worden sei- Die von den Verbündeten Regierungen vorgeschlagene Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf'Deszendenten fand keine Annahme tm Reichstag. Ich habe immer, fuhr der Kanzler fort, diesen Wende- p u n k t der Dinge für' einen verhängnisvollen gehalten (Sehr gut! links.). Die Parteien mögen noch so verschieden die-Besteuerung des Kjndcsxrbes beurteilen,
an der Tatsache kommen wir nicht vorbei, haß hie Ablehnung der Erbschaftssteuer den Andrang auf die Reichsbe- fitzsteurr verstärkte und leider viele erbittert hat.
Dienstag, 13. Januar ! in » Nr. A».
Diesen Antrag hat auch der Abgeordnete v. Hehdebrand 1611 zugegeben, und in Könseauenz dreier Anschauung hat die konservative Partei im Reichstag für den Antrag Baffer- mann-Erzberger gestimmt. (Sehr richtig! links.) So !var es die Meinung aller, daß im Reich eine Besttzfteuer eingesühri werden müsse, auch wenn die Ansichten, über die Form der Besitzsteuer weit auseinandergehen. Was für eine Form-dev allgemeinen Befitzsteuce stand überhaupt zur Verfügung? Daß eine, reine Vermögens- oder Reichseiniommenstener un- möglich war, stand von vornherein fest. Am . nächsten, hatte unzweifelhaft eine W i ede rvo rl age der A szenden-- t e n- und .Dcsgende n t-e n st e u e r gelegen. Dann wären wir nicht über den- Rahmen tzinausgegangen, der 1906 bestand. Ich habe mir -alle' erdenkliche Mühe gegeben, die prinzipiellen Gegner von der Erbschaftssteuer abzubringen, leider vergebens. .Ich- wollte bei der -Vorlage der HeeresveÄtärkung nicht -den alten Kampf wieder erneuern, der zum Unheil unser Vaterland und unser'ganzes politisches Leben jahrelang vergiftet. . Deshalb suchten dir Verbündeten Regierungen nach einem Ausweg in 'der' Regierungsvorlage, die eine primäre Landesbesitzsteucr und sekundäre Reichsvermögenszuwachssteuer varsich. So ist letztere in das Gesetz hincingekommen. Wenn Sie die Verhandlung des Reichstags, über die Wehrvorlage durchlesen, dann werden Sie- finden, daß die Nationallibcralc n und auch das Zent r u m die schwersten Bedenken gegen die Regierüntzs, Vorlage erhoben, die Fortschrittliche Bottspartei und die Sozialdemokraten lehnten natürlich die Regierungsvorlage von vornherein glatt ab. Die a b l e h «ende Haltung des Reichstags verschärfte sich im Verlause der weiteren Verhandlungen. Allerdings schwächten die Konservativen ihren Widerstand -ab, knüpften aber immer noch die weitere Bedingung daran, daß man die Bestimmung des Kindes erb es unter- allen Umständen aus dem Gesetz herausnehme. (Hört! Hört! links.) Dann war aber das Gesetz gerade für diejenigen. Bundesstaaten, die cs brauchten, inhaltslos. In dem letzten kritischen - Moment haben noch die Konservativen nicht der Regierung diejenige Unterstützung zuteil werden lassen, welche es jetzt rechtfertigen könnte, der Regierung' g« sagen: Tu hättest - nur sesthalten müssen, dann hättest du die ganze Sache bekommen. Deshalb mußte eine Einigung über dir, Deckung erfolgen. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.)
Es gibt Momente, so schwer sie auch für die Regierung sind, wo Kompromisse geschaffen werden müssen.
Es lag eine Z w a n gslage vor und n i ch t ans Nachgiebigkeit gegen das Parlament, nicht aus der Sucht, zu kapitulieren, nicht aus Passivität haben die Verbündeten Regierungen sich damit einverstanden erklärt, schließlich im letzten Moment die Vermögenssteuer zu nehmen, sondern lediglich in dein Gefühl einer schweren und ernsten Verantwortung gegenüber dem Reiche. (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.)
Ich habe es für ein nobile officium gehalten, auch die schwersten Opfer aus sich zu nehmen, wenn sie nötig sind, um
die Stärke und llnobhängigteit der Ratio» zu verbürgen. (Lebhafter Beifall links.)
Der Kanzler verließ gleich nach seiner. Rede den Saal. Nach ihm erhielt der Abgeordnete..Herold (Zentrum) das Wort,- dessen Ausführungen auf der Tribüne fast unverständlich blieben.
Letzte Orahtberichte.
Neue Interpellationen in der Zabernaffäre.
# Berlin, 13. Januar. >Eig. Drahtbericht.) Wie wir hören, werden von den verschiedenen. Parteien des Reichstags neue Interpellationen in der Zaberner Affäre und wegen des Straßburger Urteils vorbereitet. Vor allen Dingen ist eine fortschrittliche Interpellation geplant, die dem.Sinn nach den Reichskanzler fragen wird, was er zu tun gedenke, um eine m i lsi t ä r i s ch e Die n st a n w e i s u n g schleunigst aus der Welt zu schassen, die im Widerspruch mit den Gesetzen und der Verfassung des Reichs oder der Bundesstaaten stehe. —- Lange vor Beginn der heutigen Reichstagssitzung war das paus außergewöhnlich stark-besetzt und die politische Situation war Gegenstand lebhafter Unterredungen. Die Fortschrittliche Bolkspartei, die Nationalliberalen und die Reichsparte: waren schon um die Mittagsstunde zu Fraktioussitzungen versammelt. - '
Tin bayerisches Echo der preutz. Herrenhaus- debatte.
X. München, 18. Januar. - (Cig. Drahtbericht.) Wie bestimmt verlautet, wird schon :n der nächsten Zeit die zweite bayerische Kammer sich mit dem Preußen-Antrag des Grafen Yorck v. Wartenburg und mit der Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten beschäftigen. In allen Parteien betrachtet man die-Resolution des Herrenhauses als einen ganz unberechtigten Vorstoß gegen den Reichstag und das demokratischer empfindende Süddeutschland. In welcher Form die Sache zur Erörterung gebracht werden soll, steht noch nicht fest. Man darf wohl auch erwarten, daß Graf v- Hertling die.-«lellung her bayerischen Regierung in dieser Frage klarlegen wird.
Verschlimmerung der Lage in Südafrika.
JR. Kapstadt. 12. Januar, 1.0 Uhr 30 Min. abends. Die Lage bot ft» m den letzten 24 Stunden infolge der Agitation -der Gewerkschaften, besonders im Norden, aber auch in anderen Tellen der Union, speziell aus der KaphaMnsel, verschlimmert. — 10 Uhr45Min. abends. Die Hafenarbeiter in Kapstadt sind jetzt offiziell von dem- verbände der Eisenbahnangestellten und der Hafenarbeiter zürn Streik aufgefordert worden. Zu den Stationen winden^ Streikposten nicht zugelassen: auch dürfen fte nicht mit den Arbeitern sprechen.
K. Johanneslmrg, 12 . Januar, 9 Uhr 45 Min. abends. Es wird erklärt, daß am Rand jetzt 2 0 000 Mann unter den Waffen stehen. —. 10 Uhr 5 Min. abends. Die letzten Nachrichten vom Reef lauten b e- u n r u h i g,e n d. Die Abstimmungen fallen größtenteils für einen allgemeinen Streik aus und es wird befürchtet, daß die Bergleute sich der Bewegung anschließen werden. -— ss uhx 5 Min. abends. Eine Anzahl Abstinuttungsresultate unter den ^Bergleuten vom Reef--sind bereits hjex eingegangen. Die sind alle für den allgemeinen Ausstand.
R. Bloemfontriir, 12 . Januar. Die ganze aktive Miliz- und 'die-Bürgerreserve ycüten- das gesamte
