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Nr. 20. _ Dienstag. 13. Januar 191-1. Miss!mdSK§§ TttgkrlM. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Seite 3.

Montenegro.

Ei» Rcgierungssieg bei de» Wahlen. C e 11 i n j c,

12. Januar. Bei den heute stattfindendcn Generalratswcchlen für die Skupschtina wurden bisher 46 Anhänger der Regie­rung und 4 oppositionelle Abgeordnete gewählt. Die Resul­tate aus 10 Wahlkreisen stehen noch aus. Die Wahlbeteiligung ist überall sehr groß. Die Ruhe wurde nirgends gestört.

Türkei

Boykott griechischer Waren. Konst an tinopel. 12. Januar. Hier macht sich wieder eine heftige Boykottbe- wegung gegen griechische Geschäfte und Waren bemerkbar.

Zum brasilianischen Schiffsankauf. K o n st a n t i - n o p L l, 12. Januar. Die Pforte hat die letzte Rate für den Überdreadnought „Sultan Osman" im Betrage von 10 000 Pfund Sterling hinterlegt. Die Auszahlung an die Firma Armstrong erfolgt am IS. Januar.

klsten.

Mongolische Ankeiheverhandlnngen in Deutschland und England? PTA. Urga. 12. Januar. Nach einer Nachricht aus mongolischer Quelle ist der ehemalige finanzielle Beirat der mongolischen Regierung Moskmitin gegenwärtig von dem mongolischen Finanzministerium nach Deutschland und Eng­land abgesandt worden. Moskwitm soll die Frage einer bei Privatkapitalisten aufzunehmenden Anleihe zu lösen vcr- siichen und deutsche Waffen ankaufen.

Mexiko.

Bormarsch des Generals Billa. New D o r ck, 13. Fan. Der Rebellenführer General Villa beabsichtigt nach seinem iüngsten Erfolge gegen die Regierungstruppen auf Torreon und die Hauptstadt zu marschieren.

Weitere Schutzmaßnahmen der Union. Washington, 12. Januar. Der Marinestaatssekretär Daniels hat den Kreuzer „Des M o i n e s" angewiesen, von Portsmouth und New Hampshire nach der Ostküfte Mexikos zu gehen. Das Fahrzeug wurde gewählt, weil sein geringer Tiefgang es gestattet, Häfen anzulaufen, die für Kriegsschiffe zu seicht sind.

Die auf amerikanisches Gebiet übergetretenen Bundes- truppen. New Uo rk, 12. Januar. Die genaue Anzahl der bei Ojinaga auf amerikanisches Gebiet geflüchteten merikanischen Bundestruppen beträgt 6 Generale und 2800 Soldaten.

Luftfahrt.

Eine Aufmunterung für französische Aviatiker. Paris, 12. Januar. Präsident PoincarK hat, um die französischen Flieger zu ermutigen, einen großen Preis gestiftet, der den Namen „Preis des Präsidenten der Republik" tragen soll. Um diesen Preis sollen sich nur solche Flieger bewerben dürfen, die bisher noch keinen anderen Preis errungen haben.

Der Nilflug Pourpes. Paris, 13. Januar. Der fran­zösische Flieger P o u r p e, der gestern vormittag 9,60 Uhr in Abu Hamed aufgestiegen war, ist um 2,03 Uhr in Khartum, dem Endziel seines Fluges, gelandet. Er hat die 660 Kilometer lange Strecke ohne Zwischenlandung zurückgelegt.

Todessturz eines chilenischen Fliegeroffiziers. San­tiago de Chile, 12. Januar. Der Fliegerleuinant M g r y stürzte, nachdem sich sein Apparat überschlagen hatte, aus einer Höhe von 300 Dieter ab und war sofort tot.

Ku§ §Ladt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Pfarrer Traub über die Aufgaben der protestantischen ttirche in der Gegenwart.

Im Anschluß an die gestern hier tagende Vorftandssitzung des Deurjchen Protestantenbuuds, der alle kirchlich liberalen Organisationen Deutschlands zur kraftvollen Propaganda zu- samiuenfaßt, sprach Pfarrer T raub aus Dortmund, der Direktor dieses Bundes, nn großen Saal der „Turngesell- schaft" über die Aufgaben protestantischer Kirchen in der Gegenwart. Von einer zahlreichen Hörerschaft begeistert begrüßt, begann der berühmte Redner mst einem Hinweis auf die kirchlichen Zustände unserer Tage. Wie viele warten da auf den gänzlichen Einsturz der Kirche, bte durch die täglich sich steigernde Austrittsbewegung von un­ten her untergraben wird, eine Bewegung, die wohl den Leitern ein ernstes Memento mori zurufen könnte. Und doch besitzt Diefe Kirche noch die Macht, auf die Geister zu wirken durch mancherlei Werkzeuge, nur müssen diese im rechten Sinne verwandt werden, damit die ursprünglichen Gedanken der Reformalmn wieder zu ihrem Recht kommen, vor allem jener Luthergedanke von der erlösenden Macht des lebendigen Wortes, das d>e Seele in unmittelbare Verbindung mit Gott bringt; von Menschensatzung und Menschenknechtschaft befreit, den Menschen auf sich allein stellt. Das ist protestantisch, die Gewalt dieses lebendigen Gotteswortes in sich selbst zu er­fahren. Der Katholische hat im Dogma der Kirche die Bürg­schaft der Wahrheit; wir wissen, daß es eine Wahrheit gibt, aber niemand kann behaupten, sie ganz zu besitzen. In man­cherlei Stimmen, oft fremdartig klingend, dringt heutzutage das Gotteswort zu uns, wir müssen ein Ohr haben für alle diese Laute, in denen das Sehnen nach Ewigkeitswerten sich ..sfenbart. Es ist eine große Sache um die rechte Wortver­kündigung. Aber daneben besitzt die Kirche noch in den gro­ßen Festen und den Sakramenten eine große Macht über die Gemüter. Feiern zu halten, ist Bedürfnis der Menschheit. Selbst der Monist Otzwald hat eine eigene sinnvolle Tauffeier nicht entbehren wollen. Aber auch hier gilt e§, diese feier­lichen Handlungen zu erfüllen mit dem Geist der Freiheit und der Kraft. So sollte auch der Seelsorger sein freilich so oft zu kleinlicher Bevormundung oder salbungsvollen Reden miß­brauchtes Recht, dem Mitmenschen zu helfen in seinen Lebens­nöten durch Aussprache über geistig« Dinge, noch mehr als bisher ausnützen.

Dann aber muß die Kirche, wenn sie weiter bestehen will, den Pfarrern gleiches Recht und damit gleiche Verantwort­lichkeit einräumen wie den Laien. Sie sollen lebendige Per­sönlichkeiten sein, nicht Repräsentanten eines bestimmten Systems. Diese Freiheit muß verliehen werden, selbst aus die Gefahr hin. daß Mißbräuche Vorkommen. Alles Wertvolle wird mißbraucht. Wir müßten verzweifeln, wenn die pro­testantische Kirche die völlige Glaubensfreiheit nicht mehr ver­tragen könnte, aber wir glauben an die Möglichkeit des freien und duldsamen Zusammenlebens; die Kirchenbildungen tu Holland und in der Schweiz haben den Weg gewiesen. Manche von denen, die jetzt die Kirche verließen, haben es aus religiö­

sen Interessen getan, solche Naturen können auch außerhalb der Kirche religiös wirken, wie Kierkegaard und Schrempf es zeigten. Jetzt müssen vor allem die Laien selbst Hand an- legen, damit grundsätzlich neue Bahnen eingeschlagen werden. Zur Sammlung aller freiheitlichen Bestrebungen ist der große Protestantenbund zusammengetreten, er will die Kirche im freiheitlichen Sinne neu gestalten, nicht der Kirche als Selbst­zweck dienen, sondern "der Religion, die überall da ist, wo Menschen hungern und dürsten nach dem Höheren. Den Menschen in dieser Not zu helfen, ist der rechte Gottesdienst.

Nicht der Agitator Traub hatte in diesem schönen Vor­trag zu uns geredet, sondern der warmherzige Freund der Kirche, der erhalten will, was erhalten zu werden verdient, der den Zusammenhang mit der großen Vergangenheit pietät­voll pflegt, aber gerade aus dem Bewußtsein dieses Zusam­menhangs das Recht zu seinen freiheitlichen Forderungen sich nimmt. Reicher Beifall der Hörer lohnte den Redner.

— Das Kinenmtographenwesen. Auf Einladung des städtischen Akziseamts versammelten sich gestern im Rathaus eine Anzahl Interessenten des Kinematographenwescns, um die Überführung einer Reform der städtischen Kinosteuer zu beraten. Außer den Mitgliedern der städtischen Steuer­behörden und des Akziseamts waren als Vertreter der „Wies­badener Vereinigung zur Bekämpfung van Schund und Schmutz in Wort und Bild" Bildhauer Köper sowie sämt­liche Kiuobesitzer erschienen. Bekanntlich hatten auf Vorschlag des Stadtverordneten Justizrat v. E ck im letzten Jahre Magi­strat und Stadtverordneten die Neuregelung der Kinosteuer nach einer von der „Wiesbadener Vereinigung zur Be- käinpfung von Schund und Schmutz in Wort und Bild" abge- saßten Denkschrift beschlossen, nach der Kunstfilme, Naturauf­nahmen und belehrende Filme steuerfrei seien, dagegen alle Dramen, Humoresken usw. nach Länge der Filme und der Größe des Zuschauerraums besteuert werden sollten. Hier­durch sollte die Steuer gleichzeitig in den Dienst der Kino­reform gestellt werden. Um das Projekt entspann sich gestern eine heftige Debatte. Die Kinobesitzer erklärten es für un­annehmbar, da die Besitzer kleiner Kinos dann gezwungen wären, um eine mittelniäßige Besteuerung zu erlangen, Naturaufnahmen zu geben, was nicht anginge, da das Publi­kum der kleinen Kinos diese ablehne. Herr Köper vertrat da­gegen den Standpunkt, daß auch, wissenschaftliche Aufführun- gen das Interesse eines breiteren Publikums fänden, wenn dieses deren Wert kennen lerne. Die Kinointeressenten wandten sich scharf gegen das Stenerprojekt und empfahlen eine Steuer nach Größe des Zuhörerraums (Sitzest Auch wurde gedroht, im Fall des Zustandekommens der Magistrats­vorlage eine Zeit nur Naturaufnahmen zu bringen, wodurch dann der Magistrat keine Steuer erhalte. Die Versammlung verkannte nicht die Schwierigkeit der Durchführung des Projekts.

— Sonntagsruhe und Kaufmannschaft. Am Mittwoch, den 7. d. M., fand in der „Wartburg" eine Mitgliederver­sammlung des „Kaufmännischen Vereins" statt, in der Herr Ed. Moeckel über den neuen Gesetzentwurf wegen der Sonntagsruhe berichtete. Das neue Gesetz sieht eine drei­stündige Arbeitszeit vor, die in Wiesbaden bereits seit Jah­ren eingeführt ist; zu bedauern ist, meinte der Redner, daß nach dem neuen Entwurf die Verkaufszeit eine getrennte bleibt. Der Referent gab ferner Kenntnis von dem Ergebnis der kürzlich unter den selbständigen Mitgliedern des Vereins veranstalteten Abstimmung über die eventuelle Einführung des Frankfurter Statuts. Von 368 Antworten lauteten 297 für vollständige Sonntagsruhe; ein Teil will jedoch die Zigarrengeschäfte ausgenommen haben. — Für die Kauf- mannsgerichtswabl wurde eine Wahlkommission gewählt, da es durch die Aufstellung einer sozialdemokratischen Liste auch hier zum Wahlkamps kommt und daher eine besondere Tätig­keit für die bürgerliche Liste notwendig erscheint? Der erste Vorsitzende, Stadtverordneter GI ii ck l i ch, dankte dem seit- kerigen Geschäftsführer des Vereins, Herrn Horz, für seine Tätigkeit, die Versammlung nahm mit Bedauern Kenntnis von dem Ausscheiden des genannten Herrn aus seinem Amt.

— Abcndunterhaltung des „Kaufmännischen Vereins". Aus Anlaß seines Stiftungsfestes veranstaltete der „Kauf­männische Verein Wiesbaden", wie alljährlich, eine Abend­unterhaltung, der neben dem geselligen Zweck auch die künst­lerische Note nicht fehlte. Die Veranstaltung fand im Feft- saal der „Turngesellschaft" statt und war natürlK, sehr stark besucht. Aus der umfangreichen Vortragsfolge seien zunächst die Liedervorträge der Königl. Hofopernsängerin Fräulein Martha B o m m e r erwähnt, die ^der Künstlerin Gelegenheit gaben, als Konzertsängerin ihr zahlreiches! u „sj aufmerksames Auditorium zu erfreuen. Die Darbietungen fanden bei dem wiederholten Auftreten der Sängerin stets starken Beifall. Auch die Liedervorträge des Königl. Opernsängers von Schenck, dessen umfangreiche stimmliche Mittel in mehreren seiner Hauptschlager bestens zum Ausdruck kamen, fanden außerordentlich beifällige Ausnahme und in einigen humor­vollen Liedern, die Dakapo verlangt wurden, bezwingende Heiterkeit. Den Hunwr bis zur Groteske verkörperte aber der Königl. Hofschauspieler B. H e r r m a n n, der sich zunächst als Coupletsänger produzierte^ und in dieser Rolle sogar einen „Wackes"-Witz geschickt anzuoringen wußte. Beim wieder­holten Auftreten übertraf sich dann Herr Hermann in der karikaturistischen Vorführung einer modernen Tanzkonknrrenz beinahe selbst. Neben musikalischen Darbietungen wies die VortragSfalge dann noch einen von Herrn Jul. Fuchs verfaß­ten und den Herren Fuchs und Nagel vorgetragenen Dialog „Vater und Sohn" auf, der ein „Bild des Lebens von zwei Seiten", einer heiteren und einer ernsten, zeichnete. Den Vorträgen folgte ein Ball, der die tanzfreudige Jugend bis in die ersten Morgenstunden in bester Stimmung versammelt hielt. , -ii-

— Eine eigenartige Kochkunstaussiellung wird hier am nächsten Mittwoch eröffnet, eine vegetarische nämlich, welche in erster Linie den Zweck haben soll, ein allgemeines Urteil über vegetarische Kost Zu.ermögliche ^Ler also noch daran zweifelt, ob auf vegetarische Weist überhaupt schmack- und nahrhafte Speisen hergerichtct werden können, hat in dieser Ausstellung die beste Gelegenheit, sich nuf bte einfachste Weist ein Urteil darüber zu verschaffen. (?§ stehen ihm dazu ganze Reihen von verschiedenen Schüsseln für 10 Pf. das Stück zur Verfügung. Die Ausstellung findet im vegetarischen Kur- Restaurant von A. Häuser, Taunus- und Geisbergstraßen- Ecke, statt und dauert nur wenige Tage.

— Das 25j8hrige Jubiläum seiner Tätigkeit für die Ver­sicherungsgesellschaft „Viktoria" in Berlin begeht am 16. d. M. Generalagent Wilhelm Geis hierstlhst. Schon in seinem früheren Beruf wirkte er für die Gesellschaft, die ihn später­hin ganz gewann und ihm den Posten übertrug, den er nun­mehr lange schon mit besonderem Erfolg bekleidet. Zahlreiche

Freunde und Bekannte werden des Herrn Geis, der auch als Konzertsänger und Gesangvereinsleiter besonders bekannt und geschätzt ist, an seinem Ehrentag zweifellos gerne gedenken.

— Butterabschlag. Ein nicht unwesentlicher Abschlag auf Butter ist neuerdings wiederum cingetreteu. Der Preisrück­gang beläuft sich bei allerfeinster Süßrahmtafelbutter von l M. 55 Pf. bis 1 M. 60 Pf. aus 1 M. 40 Pf., bei Molkerei- butter auf 1 M. 30 Pf. Daß bei der allgemeinen Teuerung und den seither hohen Butterpreisen dieser Abschlag sehr be­grüßt werden wird, ist gewiß.

— Preußisch-Süddeutsche Klaffenlotterie. In der heuti­gen Vormittagsziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassen- foüerie kamen keine größeren Gewinne heraus.

vorDsrichts Wer Ikunft, vortrüge und verwandtes.

, * Mainzer Stadtryeater. Mittwoch und Sonntag findet wieder „Parsival" als Fremden-Vorstellung, um 6 Uhr be­ginnend, statt.

* Kurhaus. Für das 8. Zyklus-Konzert am Freitag dieser Woche ist an Stelle der durch Krankheit am Erscheinen ver­hinderen Frau PiaMe-von der Osten, die Königl. Bayr, Hof­opern- und Kammersängerin Hermine Bosetti aus München gewonnen.

Musik- und Vortragsabende.

Auch das «ui -Sonntag vevariiratteie zweite Volts- k o n z e r t, veranstaltet vom „VolksbildurigSversin Wies­baden, E. B." (Abteilung für Volksunterhaltung), hatte einen sehr lebhaften Besuch aufzuweisen, so daß der Saal des, „Turn­vereins" bis «ruf den letzten Platz besetzt gewesen. Tie dafür gewonnenen Solok.äfte hatten offenbar eine besondere An­ziehungskraft ausgeübt. Sa namentlich Lilly Haas, Opern­sängerin am Königl. Hoftheater, welche mit ihrer prächtigen Altstimme die Arie „Sieh, mein Herz erschließet sich" aus „Samson und Dalila" und die R. Schumannschen Lieder „Der a.me Beter" und „Er, der Herrlichste von allen" zum, wir­kungsvollsten Vortrag brachte. Auch A. Schiering, erster Konzertmeister der städtischen Kurkapelle, gewann die Hörer, und zwar durch seine vortrefflichen Vtolinvorträge. dem Konzert in G-Atoll an. 26 von Max Bruch und drei alte Wiener Tanzweisen von F. Kreitzler. Beide Solisten erfreuten sich des wärmsten Beifalls und mußten sich zu Zugaben ver­stehen. Die, Chorvort.äge hatte der Männergesangverein „C o n c o r d i a“ übernommen und seine Aufgabe mit be­kannter Frische und Hingebung ausgeführt. Er saug „Steuer Frühling" von Breu und „Tanz und Gesang" von Zander, „Am B ünnele" von Nüßler und „Einkehr" von Schmelzer, so­wie „Untreue" bonSilcher und „Wanderlied" von Bollboch, alles Kompositionen, die die „Concoridia" schon früher vorgeführt und auch jetzt wieder zu anziehendster Wirkung brachte. Die Veran­staltung, die trotz des vollen Saales leider gerade aus den Kreisen, für welche sie ausdrücklich bestimmt, nicht in dem er­wünschten Maße besucht schien, darf im übrigen dem „VoW- bildungSverein" aufs neue als Ansporn für seine in hohem Maße dankenswerten Bestrebungen gelten. r.

Der „Wiesbadener Be a m t e n b e r at n" veran­staltete am Samstag im Kasinosaale für seine Mitglieder ein Konzert, das sich eines außerordentlich starken Besuchs zu erfreuen hatte und zu dessen Ausführung Frl. A n n i e Battenfeld (Klavier) Herr Schubert, Königl. Hof- opernsänger, und die Gesangsabteilung des Vereins unter Leitung des Herrn L o tz herangezogen waren. Frl. Batten­feld dokumentierte sich auch an dieser Stelle wieder als sehr begabte Klavierspielerin. Erfreute die anmutige Künstlerin in den beiden ersten Solosachen (E Moll-Fuge von Händel, Variationen über ein ungarisches Volkslied von Brahms) durch Korrektheit im Technischen und Solidität in der Auffassung, so überraschte sie im weiteren (Des-Dur Etüde und 8, Rhap­sodie von Liszt) durch Eleganz und Sauberkeit im Passagen­werk durch rhythmische Straffheit, durch Modulationsfähigkeit im Anschlag und durch kraftvolle Tongebung. Die wohl­temperierte Wärme nn Ausdruck, unterstützte und hob die Vorträge in ihrer Wirkung aufs beste, Herr Schubert sang die Arie dos Max aus dem „Freischütz" und Lieder von Meyer» Hekmund, Hosmann und Strauß mit feinkünstlerischem Ge­schmack, reich schattiert und gesuhlswarm. Starken Beifall fanden auch die Borträge des Männerchors, die — von Herrn Letz mit sorglich waltender Hand einstudiert — klangschön und dynamisch gut «rbaestuft zu Gehör kamen. Das Beste bot der Choc in den volkstümlichen Gesängen ,.O süße Heimat" von Schaub und „s Herz' von Silcher. In Herrn Wen dl er war ein anschmiegsamer Klavierbegleiter zur Stelle. Fz.

Evangelische Jngcndvercine Nassaus.

Limburg 12. Januar Unter dem Vorsitz des Pfarrer Jfttifceü- (^arftccbt) Titelt der SanbeSöevbanb deutsche evangelische Z, Pf.st, bereme Nassaus im „Evangelischen Vereinshause" feil diesjährige Hauptveriammlung. Dem Tätigkeitsbericht zi R WAen du- M'gendvereine neuerdings in Nassau übe: vaichend schnell suß. namentlich im Lahngebiet. Ein geplant, M'^lnmenjchlust des Verbandes mit den Jugendvereinen dc Mitten beinischen Verbandes evangelischer Arbeitervereir wurde einer späteren Tagung zur Erledigung überwiesen. I r$ n stwnd wurden wiedergewählt Pfarrer Rumpf (Langer schwalbach) und Landgerichtsrat de Niem (Limburg).

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HÄUptversHMMliUNZ des RhLinF a u c r Vereins f ü Obst-. Wein- u r> d Gartenbau statt. In derselbei !varf Herr Schlegel (Lstrich) einen Rückblick ans die Tätigckei des Vereins und hob hervor, daß im Jahre 1609 der erste Obst markt in Wie s bade ii, jtattfand mit einem Umiätz vor 6000 bis 6000 M, der bis heute aus das Doovelte geftieger sei. MS , jetzt sind fünf Obstmärkte abgehalten worden Redner betonte, daß gerade das Rheingauer Obst auf dev Wiesbadener Markt gesucht werde und empfahl, im Rheingm Kwschen, Johannis- und Stachelbeeren, im oberen Rheinam Hrnweeren und im Dale Grdbeeren anzupflanzen. Beschlossm wurde, im Oktober eine Gemüse Ausstellung mit Preisvert« Weinbau-Inspektor Schilling (Geisen e^dbEtwortung der Frage „Was müssen wi im Rheingau zu steigern?" übe her Wintw Ulwzelii und Kronen, über das Abki'atzei

htl Bestreichen mit Kalk und den richtigen Schutt

außerdem Auslichten derselben. Redner erwähnt

flöhte 'm Rtzeuigau mit der Düngun, bie /eien genau so zu düngen wi

s^F/rrcherge Zum «chlutz folgte noch eine fachliche Aus ipwmv unter den einzelnen Mitgliedern.

Braubach, 12. Januar. Gestern fiel ein Ijähnger Knab, Elens Eschenbrenn er in den hochgehenden Brmrbachc: Schund trieb pfeilschnell, 200 Meter weit unter den Straßen Mivotben dahin bis ifm kurz vor der Mündung in den Rheii «n einer offenen Stelle der Landwirt Paul H i n t e r w ä l l e i erariss und unter großer Mühe rettete. Der Knabe lütt “0») hat abe erhebliche Kopfverletzungen erlitten und ltegl tcUver k,ank darnieder.

— NordÜ-ckcn 12. Januar. In der hiesigen Wirtschaft Heß fand am 6. Januar eine unmäßige Kneiperei statt, die leider den Tod eines braven Arbeiters aus Bayern der in einem hiesigen Steinbruch tätig war zur Folge batte. Derselbe ging eine Wette ein, innerhalb einer ist Stunde 1!4>.Schoppen Schnaps zu trinken; vorher hatte er schon ein ziemlich g oßes Quantum Bier getrunken. Kurze Zeit, nachdem dies tatsächlich geschehen, starb der Unbedochtsame.

Bus 5er MtnaeSnma.

Verhaftung dreier russischer Betrüger, hd. Frankfurt a. M., 12. Januar. Im hiesigen Haupt- bahuhof wurden drei Russen verhaftet, die versucht hatten, drei Fahrkarten, die ihnen vom russischen Konsulat zu einer