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Seite 2. MsrgtM-Aus-gabe, 1, Blatt.

rungen, der Handels- und LaudwirtschaftZkammern beson­ders der Ttstarbeit der BerussgLnossenschaften und der wirt­schaftlichen Fachverbändo zu verdanken. Die Erkenntnis, daß die Durchführung der Erhebungen nicht allein im Interesse der Verwaltung, sondern in erster Linie in demjenigen der beteiligten Erwerbszweige liegt, die dadurch einen ziffer­mäßigen Nachweis über Produktion. Absatz und Verbrauch erhalten, bricht sich nach dem Inhalt der' Denkschrift immer mehr Bahn. Die Denkschrift ist von der Reichsverwaltung den Bundesregierungen und dein Reichstag zugegangen.

* Ein Preisausschreiben über das Verhältnis der Presse zur Justiz. Ter Vorstand des Vereins für Recht und Wirtschaft, der sich die Förderung zeitgemäßer Rechts­pflege i» der Verwaltung zur Aufgabe gesetzt hat, schrieb einen Preis van 1000 M. aus für die beste Bearbeitung des Th-maS:Das Verhältnis der Presse zur Justiz unter be­sonderer Berücksichtigung her Berichterstattung durch die Presse und ihre gesetzliche Vervntwortlichkeit." Das Preisgericht hat in seiner Sitzung. den ersten Preis dem Rechtsanwalt Glaser (Dresden) zuerteilt. Lobende Erwähnung erhielten für ihre Arbeiten Rechtsanwalt Weck (Charlottenburg) und Ge­richtsassessor Dr. Albert Hellwig (Friedenau), Assistent der Universität Berlin.

* Das Deutsche Zentralkomitee für ärztliche Studienreisen warbt darauf aufmerksam, daß Meldungen für die diesjährige Winter-Studienreise, welche vom LS. bis 31. Januar statt- findet und München. Eiberchausen. Partenkirchen. Oberammer­gau Innsbruck. Gosscnfatz, Bozen. Meran berühren wird, nur noch bis zum 17. Januar d I. angenommen werden können. Preis der Reise von München bis Meran 175 , M. Anfragen und Meldungen sind zu richten au das Deutsche Zentralkomitee für ärztiliche Studientreisens. Beivltn Wy, Potsdamer Straße 13ct b.

Rechtspflege und DermaUung.

JM. Justiz-Personalwo. LculdgerichMnt H c. riijc in Frankfurt «. M. wurde zum Oberlandeserichtsrat in Frank­furt a. M. ernannt. Landgerichts rat Friede rici in Frankfurt a. M. ist gestorben. Versetzt wurden Amtsgerichts­rat W i ck in Gamineriingen nach Hadamar und Amtsrichter Licht in Calau als Landrichter nach Wiesbaden, Der Staatsanwalt Lemkes bei der Staatsanwaltschaft des Land­gerichts in Frankfurt a. M. ist an die Oberftaatsanwaltschaft daselbst versetzt.

Eine neue Nrlaubsordnung für Justizbeamtc ist unter dem 7. d. M. vom preußischen Justizminister verfügt worden. Sie enthält einige bemerkenswerte Änderungen gegen den bisherigen Zustand. Bei den Urlaubsgesuchen ist künftighin nicht mehr der Zweck des Urlaubs, sondern nur noch die Ver­anlassung desselben allein cmzugeben. Die Landgerichts­präsidenten und der Präsident des Amtsgerichts Berlin-Mitte können fortan über die Urlaubsdauer der ihrer Aufsicht unter­stellten Beamten ohne Unterschied der Urlaubsdauer entschei­den, sofern der beantragte Urlaub lediglich in die Zeit vom 1. Juli bis 80. September fällt. Die Oberlandesgerichts- präfidenten und Oberstaatsanwälte können Assessoren Urlaub zur Beschäftigung bei anderen preußischen Staatsverwaltun­gen oder im Reichsdienst einschließlich des Dienstes in den Schutzgebieten oder bei preußischen kommunalen Verbänden und sonstigen öffentlich-rechtlichen Organisationen bis zur Dauer von 2 Jahren (bisher bis 1 Jahr 6 Monaten) erteilen. Ferner können die Oberlandesgerichtspräsidenten und Ober­staatsanwälte, auch wenn der Urlaub eine Stellvertretung aus Staatskosten erfordert, den ihnen unterstellten höheren Be­amten, mit Ausnahme der bei einem Oüerlandesgericht oder einer 'Oberstaatsanwaltschaft beschäftigten, zwecks Erholung Urlaub bis zur Dauer eines Monats erteilen.

Das Disziplinarrecht der Rcichsbeamten. Der Staats­sekretär des Innern hat auf Anregung des kaiserlichen Dis- ziplinarhofs die Veröffentlichung einer Auswahl von Ent­scheidungen dieses höchsten Gerichtshofes veranlaßt, die für die im Reichstage bevorstehenden Beratungen der Vorlage über die Wiederaufnahme eine? Disziplinarverfahrens von Bedeutung ist. weil sie einen Einblick' in die Judikatur des DiSziplinarhofs gestattet. Die Sammlung der Entscheidungen ist von dem Vortragenden Rat im Reichsamt des Innern, Ge­heimen Regierungsrat Br. Schulze herausgezeben. Der kaiserliche Disziplinarhof blickt auf eine fast vierzigjährige Tätigkeit zurück. Er hat in dieser Zeit Gelegenheit gehabt, das Disziplinarrecht der Reichsbeamten in mehr als 400 Fällen anzuwenden, und auSzubauen. Die hierbei gewon­nenen Rechtsanschauungen sind bisher, abgesehen von wenigen gelegentlichen Mitteilungen imZentralölatt für das Deutsche Reich" oder in Fachzeitschriften, noch nicht verösfent- licht worden,

Reer und flotte.

* Ausgestaltung der Fischercischulc. Die oberste Marine­behörde beabsichtigt, die an Bord der Flschereischutzfahrzeuge

ob er eine Stasselei mit einem anderen Bilde arw Licht rücken

wollte. .... . r

Nachdem der König das Bild der Monna Gwcouda be- lvändert hatte, lenkte er seine Aufmerksamkeit auf den un­vollendeten, danebenstehenden Karton.

Was ist denn das?' .

Nach den Weintrauben und dem Thyr,os zu schließen, mutz" es ein Bacchus sein", meint- der Hofpoet.

Und dies?" wies der König aus cm nebenstehendes Bild. "Vielleicht auch ein Bacchus?" antwortete unentschieden

Saint-Gelais. , .. ...

Eigentümlich", sagte der König staunend,.Haare, Brust, Gesicht ganz wie bei einem Mädchen. Es gleicht der Monna Lisa Gioconda, dasselbe Lächeln . . -

Stelletcf^i", Bemcrftc bet äjofpoct, "be^ucgle $taitrc Leonard in diesem Werke seiner Phantasie das wieder aufzu- erweckcn. was es in der Natur nickt mehr gibt, vielleicht wollte er die beiden von den Göttern getrennten.Teile, den männ­lichen und den weiblichen, wieder vereinen.

Dieser Erklärung lauschend, warf Franz L ebenso scham- r 0 fe Blicke auf dieses Bild, wie kurz vorher aus Monna Lisa.

Löse du uns. Meister, unsere Zweifel', wandte er sich -n Leonardo,ist das Bacchus oder ein A'ndroghn?"

.Keines von beiden, Majestät", erwiderte ^Leonardo, wie cm Schuldiger errötend,es ist Johannes der Täufer."

Der Täufer? Unmöglich! Was du sagst, ich bitte Als er jedoch aufmerksamer hinschaute, sah twr König im dunkeln Hintergründe des Bildes das. seine Kreuz aus Rohr. Verständnislos schüttelte er den Kopf.

Mastre Leonard,' ich jause beide Bilder, den Bacchus, das heißt den Johannes, und die Lisa Gioconda. Was ver­langst du für die beiden?

Majestät", erwiderte der Künstler schüchtern,sie sind nicht beendet. Ich hatte mir vörgenommcn ..."

Redensarten", unterbrach ihn der König,den Johannes, meinetwegen, mag cs drum sein, ich werde warten. Aber an

Wiesbadener' Tagblait»

Dienstag, 13. Januar IM i

Nr. IS.

errichteten Fischcrcischulen weiter auszugestaltcn. Zweck dieser Maßnahme der MarinebehSrde im Interesse der deut­schen Hochseefischerei ist. unbemittelten Mannschaften, die dem Fischtzrcigewerbe angehören. Gelegenheit zu geben, die Prü­fung als Schiffer für kleine Fahrt abzulegen, ohne eine Navi­gationsschule zu besuchen. Durch die Ausgestaltung der Fischercischule wird die Möglichkeit geschaffen, weitere Kreise der H o ch s e e s i s ch e r ihrem Gewerbe zu erhalten.

Schiffsbcwegunqen. Eingetroffen: S. M. S.Scharn­

horst" mit dem Chef des Kreuzerasschrvaders und S. M. S. Tiger" am 9. Januar in Bangkok. S. M> S.Gneisenau" am 9. Januar in Singapore. S. M. Torpedoboot8. 90" am 9. Januar in Tschingkiang, S. M. S.Luchs" am 7. Januar in Canton.

Kurland.

Niederlande.

Ter erste sozialdemokratische Bürgermeister. Haag,

11. Januar. Der erste sozialdemokratische Bürgermeister in Holland ist vom Minister Karl van der Linden ernannt wurden, und zwar in der Person des sozialdemokratischen Ab­geordneten T e r L a a r. Zaanda m ist die Gemeinde, die dieser Ehre teilhaftig wird.

Frankreichs

Maßregelung eines politisierenden Geistlichen.

Paris, 12. Januar. Aus Hazebrouk wird gemeldet: In allen Kirchen der Diözese wurde gestern der bischöf­liche Hirtenbrief verlesen, in dem der katholisch-demo­kratische Deputierte Abb6 Lemire mit der Ex­komm u n i k a t i o n bedroht wird, falls er nicht bin­nen vier Tagen feierlich erkläre: 1. daß er seine bis­

herige Politik aufgebe, 2. daß er sich von dem Blatte Cri de Mandre" lossage und 3. daß er nicht mehr als Kammerkan-didat austreten werde. Der Generalvikar Jourdin teilte dem Abb6 Lemire im Namen des Bischofs von Lille die ihm angedrohte Strafe persön­lich mit. Abb6 Lemire erhob gegen seine M a tz r e g e- lu n g ausdrücklich Vorbehalte. Auch seine Partei­freunde legten gegen das Vorgehen des Bischofs Pro­test ein.

Portugal.

Schwere Anklagen gegen den Ministerpräsidenten. Lissabon, 10. Januar. . Ministerpräsident Leite ist. In der gestrigen Senatssitzung der Gegenstand heftiger Angriffe seitens des Senators JoaoFrcitas geworden. Der Senator erhob gegen den Ministerpräsidenten die Beschul­digung, seine Stellung im fetzigen und im vorhergehenden Kabinett zugunsten seiner Privattätigkeit als An­walt gebraucht zu haben. Seine Klienten erhielten gesetzwidrige Urteile und in einem Fall soll für einen gewissen Regierungserlatz sogar Barzahlung erfolgt sein. Die Sitzung gestaltete sich derartig tumultuös, daß die Galerien geräumt werden mußten. Die Regierungspartei verließ . schließlich unter lärmenden Kundgebungen den Saal und die Sitzung wurde abgebrochen.

Flucht royalistischer Gefangener. Lissabon, 11. Jan. Acht politische Gefangene, die zur Einzelhaft verurteilt wor­den waren, entflohen aus dem Gefängnis von Coimbra. in­dem sie über die Umfassungsmauern sprangen. Sie schleu­derten auf ihre Verfolger Pflastersteine, so daß eS ihnen ge­lang, nach dem Dorfe Celas zu entkommen, von wo jede Spur von ihnen fehlt. Unter den Entkommenen befinden sich der bekannte Royalist V a s c o n c e l l o s, ein royalistischer Oberst, zwei Hauptlcutc, ein Leutnant, ein Arzt und ein Jurist.

Italien.

Ein großer Schiffahrtsstreik bevorstehend. R o m,

12. Januar. Italien steht vor einem großen Schiff­fahrtsstreik, der dem auswärtigen Handel großen Schaden zuzusügen droht. Bereits heute soll der Ans­stand in mehreren italienischen Häfen beginnen. Die Mannschaften von über 180 Schiffen der beiden größ­ten Schiffahrtsgesellschaften werden voraussichtlich heute die Arbeit niederlegen.

Albanien.

Der Termin der Räumung Südalbaniens. Wien, 10. Januar. Der Termin, der von den Großmächten Griechenland zwecks Räumung des Epirus gestellt wor­den ist, ist auf den 18. Januar neuen Stils festgesetzt worden.

Volksversammlungen für den Prinzen zu Wied. Wien, 10. Januar. Aus Valona wird gemeldet, daß in Elbassan,

der Monna Gioconda keinen Strich mehr. Schöner kannst du sie nicht darstellen. Ich will sie gleich haben, hörst du? Be­stimme den Preis, sei nicht zu bescheiden, ich werde nicht feilschen." '

Leonardo fühlte, daß er sich entschuldigen, daß er einen Vorwand für seine Weigerung finden müsse. Uber was sollte er zu diesem Menschen sagen, der alles, was er berührte, un­anständig und gemein machte? Wie sollte er ihm verständlich machen, was das Bildnis von Monna Gioconda für ihn be­deute, warum es ihm für kein Geld der Welt seil sei?

Der König dachte, Leonardo schwiege, weil er fürchtete, cs zu billig fortzugeben.Nun. wenn du selbst nicht willst, so bleibt nur mir übrig, den Preis zu bestimmen."

Er blickte auf Monna Lisa und sagte:Dreitausend

Taler. Ist es zu wenig? Dreiundeinhalb?"

Sire", begann Leonardo aufs neue mit zitternder Stimme,ich kann Euch versichern

Er stockte, fein Gesicht wurde bleich.

Nun gut viertausend, Maftre Leonard. Ich glaube, es ist genug."

Ein Flüstern durchlief die Reihen der Höflinge, noch nie hatte ein Beschützer der Künste, selbst Lorenzo de' Medici nicht, solch- Preise für Bilder angelegt.

Leonardo erhob in unaussprechlicher Verwirrung seine Augen zum König. Er lvar bereit, ihm zu Füßen zu fallen, ihn anzuflehcn, wie man um sein Leben fleht, daß er ihm Monna Lisa lassen möge. Der König nahm seine Verwirrung alS Ausdruck der Dankbarkeit an, er stand auf, rüstete sich zum Weggehen und umarmte ihn zum Abschiede.

Nun, so ist eS abgemacht; viertausend Taler. Du kannst das Geld erheben, wann du willst. Morgen schicke ich nach dem Bilde. Sei unbesorgt, ich werde einen Platz dafür wählen, mit dem dl! zufrieden sein wirst. Ich weiß es zu schätzen und werde es der Nachwelt überliefern.

Als der König wegging, fiel Leonardo in einen Sessel.

Djakowa und den meisten anderen Ortschaften Albaniens in den letzten Tagen ft a r k b e s u ch t e Versammlungen stattge­funden haben. In diesen Versammlungen wurde für die sofortige Thronbesteigung des Prinzen zu 'Wied agitiert und gleichzeitig Delegierte gewählt, die dem Prinzen entgegenfahren und ihn begrüßen sollen.

Reue Kämpfe mit serbischen Banden. Belgrad,

10. Januar. Aus Kruschewo wird gemeldet, daß hier in den letzten Tagen blutige Kämpfe zwischen Albanern und Serben stattgefunden haben. Jy zahlreichen Dörfern'des Distriktes wurden alle Männer von serbischen Banden ver­haftet und gemartert. Eine Anzahl der Verhafteten wurde nach Monastir gebracht. Auch in anderen Distrikten sollen serbische Banden wieder zu Massen auftreten und ihr Un­wesen daselbst treiben.

Türkei

Eine Rechtfertigung Enver-Paschas wegen des großen Stellenwechsels. K o n st a n t i n o p e l, 10. Januar. Kriegs- Minister Enver-Pascha erklärte imTanm" in einer.Recht­fertigung zur Pensionierung zahlreicher Offiziere, die höheren Offiziere nähmen in Friedenszeiten Stellungen ein, welche sie m Kriegszeiten anderen Offizieren überlasten müßten. Eine Verjüngung der Cadres sei notwendig. Die Türkei brauche im Frieden nur einen Esfektivstcmd von 200 000 Mann. Das Budget des Kriegsministeriums werde demnach die Summe von sechs Millionen nicht über­steigen, gegen 1014. Millionen im laufenden Jahre.

Subskription und Steuerzuschlag für die Flotte. Kon- stantinopel, 11. Januar. Die Subskription für die Flotte wird hier und in der Provinz eifrig fortgesetzt. Der Konstantinopeler Generalrat hat sich auf Antrag des Ministers des Innern T a l a a t, der der Sitzung beiwohnte, durch Akklamation im Prinzip für die Einführung eines Steuerzuschlages ftir die Flotte ausgesprochen.

Ksien.

Zur Auflösung des Parlaments in China. P. T. Peking, 12. Januar. In seinem Erlaß erklärt der Präsident Nuanschrkai, die Auflösung des Parlaments erfolgte deswegen, weil es unmöglich sei, seine Be­schlußfähigkeit zu erreichen. Ein zweiter Erlaß weist die Notwendigkeit nach, die das Pari a m e n t und die Wahlen betreffenden Gesetze umzuarbeitetft Die Wiedereinberufung des Parlaments nach der A8- ä n L e r u n g dieser Gesetze wird feierlich versprochen, gleichzeitig wird der Perwaltungsvat beauftragt, das Ergebnis' seiner Erwägungen über die Organisation einer Kommission zur Abänderung der Verfassung vor­zulegen. . ,

Die Hungersnot in Süd-Japan. K. Tokio,

11. Januar. 'Die Hungersnot in den südlichen Pro­

vinzen Japans dauert fort und man hegt große Be­sorgnis für die Zustände, die eintretcn würden, wenn der geringe Bestand an Nahrungsmitteln ganz cmfge- brancht ist. __ *

Dev Streik in&afrifect.

R. Johannesburg, 11. Januar. Man schätzt, daß nach der Ankunft aller Aufgebote etwa 12- bis IS 000 Mann in Witwatersrand unter Waffen stehen werden. Die Haftbe­fehle gegen die Streikführer B a i n und M a s o n sind noch nicht ausgeführt. Die Beamten der Gewerkschaften treffen ausgedehnte Vorkehrungen, um ihre Verhaftung zu ver­hindern. Eine von 9000- Personen besuchte Versammlung von Streikenden nahm heute nachmittag eine Resolution zu­gunsten eines allgemeinen Streiks an. Die Versammlung verlief in Ruhe und Ordnung. Die Redner waren im Tone gemäßigter als früher. Mehrere Redner warnten vor Über­schreitung der Gesetze. Kein Polizist. Detektive oder Soldat war zugegen, doch hätte die Behörde in wenigen Minuten 1000 Bewaffnete auf den Platz werfen können.

E. Durban, 11. Januar. Die Abstimmung unter den Arbeitern in den Eiscnbahnwerkstätten ergab eine Mehrheit für den Streik. Die Zugführer und die Nichtorganisierten Arbeiter stimmten dagegen. Dre Mehrzahl des Fahrdienft- personals stimmte ebenfalls gegen den Streik und erklärte, sie würde arbeiten, so lange sie geschützt würde. Das Lokomotiv- personal nahm zwar eine Resolution gegen den Streik an, er­klärte aber, es würde keine Züge nach dem Rande bedienen.

E. Blöemfontein, H- Januar. Aus Ferreire wird ge­meldet, daß versucht worden ist, die Eisenbahnstrecke in die L u f t z u s p r e n g e n. An einer Stelle haben die Streiken-

Er^sah mit irrem Blicke auf das Bild Monna Lisas, er glaubte noch immer nicht an das Geschehene.

Einfältige kindiiche Gedanken kamen -hm in den Sinn er wollte das Bild verstecken, daß es der König nicht wie­derfinden sollte; er wollte es nicht herausgeben, wenn man ihm auch mit dem Tode drohen würde; er wollte es durch Francesco Melzi nach Italien schicken, ja selbst damit fliehen.

Die Dämmerung brach an. Mehrmals hatte Francesco in die Werkstätte hineingeblickt, aber er hatte es nicht gewagt, den Meister anzureden. Leonardo saß noch immer vor dem Bilde der Gioconda. In der Dunkekheit glich sein blasses, unbewegliches Gesicht dem eines Toten. Nachts trat er in Francescos Zimmer; dieser hatte sich bereits hingelegt, konnte aber nicht cinschlasem

Stehe aus! Wir wollen ins Schloß. Ich mutz den König sprechen." ^

Es ist zu spät, Meister! Ihr seid heute ermüdet. Ihr werdet wieder krank werden. Schon jetzt fühlt Ihr Euch un- tvchl! Wäre es nicht besser, wir gingen morgen?" .

Nein, sofort! Zünde die Laterne an und begleite mich. Übrigens, wenn du nicht willst, so gehe ich allein."

Ohne etwas zu erwidern, stand Francesco auf, kleidete sich an, und sie ginge» ins Schloß.

Bis zum Schlosse waren es zehn Minuten zu gehen. Der Weg war steil und schlecht gepflastert. Leonardo ging lang­sam und stützte sich »ns den Arm Francescos. Die sternenlose Nacht war schwül und dunkel. Durch die Zweige hindurch schimmerten die erleuchteten Schlotzfenster; Musik schallte aus ihnen heran? durch die Nacht.

Der König speiste in einem kleinen, auserwählten Kreise und ergötzte sich an einer Unterhaltung, die er besonders be­vorzugte. Aus einem großen, silbernen Becher, auf dessen Außenseiten künstlerische Darstellungen unzüchtigen Inhalts angebracht Ivarcn. zwang er die jungen Hofdainen zu trinken. In Gegenwart aller beobachtete er, wie die einen lachten, die anderen erröteten und vor Scham weinten, die dritten sich