Seite 2. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.
Fall wohl zuständige Reichskanzler t>. Bethmcnm-Holl- weg im Reichstag erklärt, daß der Oberst v. Reuter bei seinen Maßnahmen gegen die Bürgerschaft den Rüchtsboden verlassen habe. Der Oberst wiederum glaubte auf diesem Boden zu stehen, weil er sich guf die Kabinettsorder vom 17. Oktober 1820 berufen zu können meinte, die, wie in den: Prozeß sestgestellt wurde, tatsächlich in einer geheimen Dien st i n st r u k- t i o n vorn 23. März 1899 enthalten ist. Es wird noch sestgestellt werden müssen, wie das geschehen konnte, obwohl jene Kabinettsorder nicht nur durch das preu- tzische Gesetz vorn 20. März 1838 über den Wassert- gebrauch außer Kraft gesetzt wurde, sondern auch durch den Art. 36 der preußischen Vers a s s n n g s- urkunde vom 31. Januar 1850, welcher Bestandteil der preußischen Militärgesetzgebung, also im Reich einschließlich Elsaß-Lothringens, geltendes Recht geworden ist und der wie folgt lautet: „Die bewaffnete Macht
kann zur Unterdrückung und zur Ausführung der Gesetze nur in den vom Gesetz bestimmten Fällen und Formen und ans Requisition der Zivilbe- h ö r d e n verwendet werden. In letzterer Beziehung hat das G e s etz die Ausnahmen zu bestimmen."
Eine Nachprüfung und A b g r e n z u n g der K o m- petenzen wird die Vorbedingung für die Wiederherstellung des dringend notwendigen Kontaktes zwischen Zivil- und Militärbehörden sein. Wenn die letzteren auf ihre Rechtsbasis hinzuweisen sind, so wird ihnen doch auch der Glaube genommen werden müssen, daß die Zivilbehörden im entscheidenden Moment versagen. Noch ist in den Reichslanden keineswegs, wie ein in pessimistischer Aufwallung gesprochenes Wort des bekannten nationalliberalen Abgeordneten v. Calker lautete, „alles kaput", aber es ist genug medergerissen worden, und jetzt gilt es a u f z u b a u e n. Dafür ergibt sich aber eine staatsrechtliche Forderung. Soll ein gutes Zusammenarbeiten von Militär- und Zivilbehörden im Elsaß für die Zukunft Platz greifen, so ist es dringend nötig, daß der jüngste deutsche Bundesstaat eine verfassungsmäßige Spihe erhält, die zu gleicher Zmt o b e r st e Militär- und ' v i l i n st a n z ist. Das haben bei den Verhandlungen über die elsaß-lothringische Verfassungsreform die Linksliberalen bereits gefordert. Es ist dabei gleichgültig, ob diese Spitze ein Präsident, ein monarchischer Landesherr oder ein erblicher Statthalter^ ist. Notwendig wird es freilich sein, daß er im gleichen Maße das Vertrauen der Bevölkerung wie des Heeres besitzt.
Ku^wärtige presiestimmen.
* Wie«, 10. Januar. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" kommentiert daS Urteil im Straßburger Prozeß mit wenigen, aber bezeichnenden Worten. Sir schreibt: Diese drei Urteile, die allenthalben größte Sensation erregt haben, dürften kaum geeignet sein, die Gegensätze zwischen Zivil- Lnd Militärverwaltung im Elsaß auszugleichen.
*• Paris, 11. Januar. Seit langer Zeit bat kein innerdeutsches Ereignis die französische Presse in gleichem Maße beschäftigt wie die heutige UrteilSsprechung im Straßburger Prozeß." Ter „Petit Parisien" schreibt: „Der gestrige
Tag rann für Deutschland als ein historischer Tag angesehen werden, die absolutistischen Ideen und das Säbel- regiment haben auf der ganzen Linie gesiegt." — Der „Figaro" schreibt: „Die Reaktion scheint auf der ganzen
Linie zu triumphieren. Auf Frankreich wird das Straßburger Urteil einen bleibenden Eindruck Hervorrufen. Der _ Gegensatz zwischen den einzelnen Parteien ist Deutschland' selbst wird immer schärfer werden. Ter gestrige Tag ist für Deutschland, ja für ganz Europa ein historischer Tag. Die Armee hat den Sieg über die Ration davongerragen. Man muß für unsere Nachbarn mehr Mitleid als Entrüstung empfinden. Denn das ganze Volk ist vergewaltigt worden." — Das „Journal des D.vbats" schreibt: „ES handelte sich nicht um Rechtsfragen, sondern um das Prestige des Militärs: Wenn der Kaiser oder die
Regierung die Situation anders beurteilt hätten, wäre Forst- ner von Anfang an aufgehalten worden. Aber man wollte nicht den Anschein erwecken, vor dem Zivi! zu weichen. So wie
Momente hatte und besonders durch seine deutliche Textaussprache angenehm ausfiel. Die übrige Besetzung bot Bekanntes. Frl. Frick als „Sülamith" und Herr Schütz als „Salomo" wußten sich mit bestem Erfolg geltend zu machen. Das Haus war nahezu nusverkauft. =
*» Ern lustiger Abend. Wie, dieser kleine Mann ist der große Vortrags-Humorist? Ich gestehe, daß ich mir Marcett Salzer etwas anders, sagen wir wuchtiger vorgestellt habe. Auch die Art. wie c r sich vorstellte, entsprach nicht ganz dem Bilde, das ich mir von ihm gemacht hatte. Dann aber wurde ich angenehm und immer angenehmer enttäuscht, und es dauerte keine fünf Minuten, da war es vorbei mit allen Reflexionen: Marcell Salzer, wie er ist und hoffentlich noch recht lange bleibt, hatte vollständig gesiegt. Er hat den Wiesbadenern, die den großen Kasinosaal ziemlich füllten und ihn ■— bildlich — mit offenen Armen und -- tatsächlich — mit reichlichem Vorschußöeifäll empfingen, wirklich einen lustigen Abend bereitet, den man nicht nur herzhaft und in voller Hingebung genoß, sondern dessen man sich auch noch lange mit Vergnügen erinnern wird, 's war ein Mordsgaudi! Darin zeigt sich die besondere Begabung Salzers, daß er selbst solche Sächelchen unglaublich wirkungsvoll herauszuarbeiten versteht, nach denen zu greifen der Durchschnittshumorist gar nicht wagen dürfte. Ein solches Sächelchen war z. B. Fritz Müllers Bubengeschichte „Der Bismarckfranzl". Wer sie liest, wird gewiß nicht lustig dabei, wer sie von Salzer hörte und sah ler erzählt die Geschichte und Spässe nicht nur, er spielt sie auch!), wurde selbst hierbei kreuzfidel. Köstliche Einfälle des alten Wieners I. N. Nestroh, ein Schwänkleiu von Peter Rosegger, ein „philosophisches" und wohl den meisten Zuhörern unbe- "anntes Gedicht von Wilhelm Busch, die prächtige Humoreske Der Einhornapotheker" von Otto Erich Hartleben, das ..Malchen" Wilhelm Hegelers und andere schöne Sachen standen auf dem. ungeschriebenen Programm, mit dem der lustige Künstler sein Publikum reichlich zwei Stunden lang in den siebenten Himmel versetzte. e.
" Mainzer Stadttheatrr. Am Samstag fand in Mainz die Erstaufführung des vielbesprochenen bürgerlichen Schauspiels von Fritz Philipp! „Pfarrer H e l l m u u b" statt. Wir haben seinerzeit ausführlich über das Stück als Buch
Wiesbadwör Tagüla tt.
die Frage vor ein Militärgericht gestellt war, mutzte sie zu» guinten der Offiziere entschieden werden." — Der „T e m p s" findet cs vom Rcchtsstandpunkt aus absolut unzulässig, daß in dieser Begründung nur subjektive Erwägungen zugunsten des Angeklagten geltend gemacht werden, unter Ausscheidung jeder Prüfung der materiellen Tatsachen, und fährt dann fort: „Die unglücklichen Elsässer müssen zusahen, wie das
Minimum von Garantien ganz zusammenbricht, welches ihnen in den bestehenden Gesetzen, die zudem noch einen Aus- nahmecharakter hatten, geboten war. Dieses Gesetz selbst existiert nicht mehr. Es wird in Zukunft genügen, daß ein Oberst oder ein anderer Offizier in der' Souveränität seines Bewußtseins es für erwiesen erachtet, ein mit der Ausführung des bürgerlichen Gesetzes betrauter Beamter der Zivilgewalt habe keine genügende Festigkeit bewiesen, um selbst unbestraft seine Soldaten aut die Straße zu schicken, die Passanten zu verhaften und in die Wohnungen einzudringen. Wo bleibt das idealistische Deutschland der Madame de Stach?"
Der Streik in Südafrika.
Verhängung des Kriegszustandes.
* London, 11. Januar. Die Regierung der südafrikanischen Union veröffentlicht einen Mobilisierungsbe- f eh l, durch den die Zahl der unter die Waffen gerufenen Bürger auf 60 000 steigt. Nach den letzten Meldungen drohen die Arbeiterführer mit dem Generalstreik. Man befürchtet, daß cs zu Unruhen kommen wird. Heule soll der Kriegszustand über das Unruhegebiet verhängt werden. Man vermutet, daß es sich mehr um eine Revolution, als um einen Streik handelt. Parallel mit dem Sisenbahner- streik geht eine Revolte Schwarzen in Jagersfontain. 900 Eingeborene brachen in die Stadt ein. Es kam zu einem scharfen Gefecht, bei dem 7 Reger getötet und 36 verwundet wurden. Die Weißen sollen ein Dutzend Verwundete gehabt haben.
Mobilisierung der Weißen in Transvaal.
wb. Pretoria, 10. Januar. Das Amtsblatt veröffentlicht heute abend eine Proklamation, die sämtliche waffenfähigen Bürger in Natal und Oranje zu den Fahnen ruft. Diese Streitkräfte zusammen mit den durch die gestrige Proklamation mobil gemachten werden auf ungefähr 60 000 Mann geschätzt. — Die Bürgerwehr bildet sich mit außerordentlicher Schnelligkeit. Die Mannschaften der verschiedenen Regimenter üben den Wacht dien st innerhalb Johannesburgs und Pretorias aus und besetzen die strategisch wichtigen Eisenbahnlinien. .
Die Lage in JohonneSburg.
Johannesburg, 10. Januar. Die Lage wird Ammer kritischer. Verschiedene Sprengversuche auf den Bahnlinien wurden vereitelt. Gestern abend wurde der Kap- zug gleich nach der Abfahrt durch D Y n a m 1 1 zum Stillstand gebracht. Die Lokomotive wurde beschädigt, der Schienenstrang zerrissen, Menschen wurden jedoch nicht verletzt. — Die Stadt. gewinnt das Aussehen einer Stadt im Belage- r u n g s z u st a n d. Kavallerie, Infanterie und Polizei sind überall zu sehen. Die Truppenkontingente sind an den strategischen Punkten ausgestellt. Die Behörden sind vollkommen Herren der Lage.
Die Maßregeln in Kapstadt.
wb. Kapstadt, 11. Januar. Starke Abteilungen der Bürgerwehr schützen, den H a u p t b a h n h o f und die anderen Baulichkeiten. Eine andere Abteilung bewacht die Docks.
Mobilisierung in Natal.
wb. Durban, 10. Januar. Die gesamte Infanterie, Kavallerie und Artillerie ist mobilisiert.
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Tic Basutoscrhebnng in Jagersfontein
wb. Jagersfonteiu, 10. Januar. Die Erhebung der eingeborenen Arbeiter, die dem Basuto stamme angehören, wurde durch den Tod eines Basutos veranlaßt, der, wie be. hauptct wird, an den Folgen eines Fußtritts starb, den er von einem Weißen erhalten hatte. Die Basutos verweiger- ten gestern die Arbeit, bewaffneten sich und verlangten die Verhaftung der Weißen. Der Verwalter der Einfriedigung, in der die Basutos wohnen, versuchte vergebens zu vermitteln. Die Basutos zerstörten alles, was ihnen unter die Hände kam, rissen auch die Einfriedigung nieder und raubten das Geld, das zur Bezahlung der Gehälter bestimmt war. Jetzt
referiert und seither getreulich berichtet, wie es über verschiedene Bühnen ging. Die Uraufführung in Köln erzielte nur einen mäßigen Erfolg. Mainz ist die fünfte Bühne, die das Stück herausbringt und ihr war cs beschieden, dem „Pfarrer Hellmund" zu einem vollen, ehrlichen Erfolg zu verhelfen. Und wie viel größer wäre er noch gewesen, stände die Darstellung ganz auf der Höhe! Aber selbst bei dem meist unausgeglichenen Spiel der Mitwirkenden kam das Wertvolle des Stückes genügend zur Geltung, um einen von Akt zu Akt sich steigernden Applaus zu erzielen. sehr zahlreichen Zu- ichauer folgten der Handlung mit Spannung und Verständnis. Die tiefpoetische, gedankenreiche Sprache, die leise anklingende Symbolik und Mystik verfehlten ihre Wirkung nicht. Es sei nochmals betont, daß hier von einem Tendenz-Drama keine Rede sein kann. Hier spricht ein Dichter zu uns, schreibt sich rin Bollmensch die Seele frei. Sonst nichts. Glücklicherweise. ^ Gerade dadurch hat der Verfasser viel zu geben. — Die beste schauspielerische Leistung bot_ Herr Springer als Pfarrer Hellmund. Ich denke mir diesen Mann zwar jünger, in anderer Maske — Herr Springer sah aus wie ein Mcdizinalrat —, aber der Künstler hatte doch hen Krim seiner Rolle erfaßt und sein Spiel war an guten Momenten reich. Frau Bolteny gab die Frau des Pfarrers, diese heimlich leidende, fcinnervige und doch starke Frau Marthc, die mit tiefer Liebe an dem Gaiten hängt und ihm stets treu zur Seite steht. Eine wundervolle Rolle, die einer Künstlerin Gelegenheit gibt, ihre ganze Kraft, ihr ganzes Können einzusetzen- Frau Bolteny bringt leider nur ein sehr schönes Gesicht für diese Rolle mit, und das kann auf die Dauer nicht für die Unzulänglichkeit der Darstellung entschädigen. Sie schlug einen Pastoralen Ton an und glaubte damit eine „Frau Pfarrerin" zu spielen. Doch sei ein Aufschrei lobend registriert, der wahrhaft erschütterte und die leise Hoffnung aufkommen läßt, daß Frau Bolteny mit der Zeit die ganze Rolle besser beherrschen lernt. Herr Seniler gab den Präsidenten mit teilweise gutem Gelingen. Eine schärfere Charakteristik dieses Buchstabenmenschen wäre aber wohl am Platze. Dafür übertrieb Herr Sladeck etwas zu sehr als Redakteur, besonders als er merkte, daß die drollige Figur zum Lachen reizte, und Herr L a u bin ger brachte sich in der Rolle des jungen Leut-
Moutag, 12* Januar 1914. Nr. 18*
bewaffneten sich alle Weißen mit Flinten und andere» Waffen. Als die Basutos die Einfriedigung verließen, um die Stadt zu stürmen, verlegten ihnen die Weißen den Weg. Di- Basutos griffen an, worauf die Weißen Feuer gaben. Mehrere Basutos fielen. Die Basutos schienen von Tollheit ergriffen zu sein und versuchten beständig gegen die Stadt vorzudringen, wo die Frauen und Kinder in ihrer Gewalt gewesen wären. Die Weißen mutzten immer wieder auf die Eindringenden feuern. Schließlich waren die Basutos bis zur Reservation zurückgetrieüen. In der Stadt folgte eine Panik, da die Frauen wußten, daß den Tausenden von Basutos nur 150 Weiße gegenüberstanden. Biele Frauen und Kinder flüchteten in Fuhrwerken aller Art nach Fauresmith, während bewaffnete Männer von den' Feldern herangallo- pterten oder in Automobilen eintrafen, um den Weißen dort zu helfen. Vormittags traf eine Abteilung Truppen mit zwei Geschützen ein. In der Reservation der Basutos herrscht jetzt R u h e.
Deutsches Reich.
* Hof. und Personal - Nachrichten. Die KrouLrin- z c f s i n weilte im Laufe des gestrigen Vormittags am Strande des Seebades Brösen und besichtigte lange Zeit das Zerstörungswerk der großen Sturmflut.
Dem Präsidenten Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Dr. Metz zu Berlin ist aus Anlast seines 25jährigen Dienstjubi- laums der Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse verliehst worden.
Dem Ehrenpräsidenten des Verbandes Deutscher Müller, vau den Wyngaert zu Berlin-Wilmersdorf, wurde der Rote Adlerordcn 2. Kasse verliehen.
* Eine offiziöse Rechtfertigung der Rüstungskommission.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" widmet den Verhandlungen der Rüstungskommission eine Besprechung, in der es heißt: „Die zweitägigen Verhandlungen der Kommission zur
Prüfung der Rüstungslieferungen haben, wie die veröffentlichten Berichte dartun, in keiner Weise die Befürchtungen derer bewahrheitet, welche glaubten, daß mit dem Nnsctzen der Kommission ein neuer Schritt auf dem Wege zum par» lä ment arischen System getan sei. Die überaus lebhaften Verhandlungen, die an den beiden Sitzungstagen zwischen den der Kommission angehörigen Reichstagsmitgliedern und einer Reihe von Vertretern unserer größten wirtschaftlichen Betriebe stattfanden, führten in dem Rahmen der Kommissionsausgaben zu Aussprachen, die auch von dem allgemeinen politischen Standpunkte aus als wertvoll zu betrachten sind. Insbesondere gilt dieses von der Klarstellung der Resolution, die der Reichstag bei der Verabschiedung der Wehrvorlage hinsichtlich der künftigen Art der Vergebung der Rüstungslieserungen gefaßt hat. Mit voller Zustimmung auch derjenigen Abgeordneten, welche diese Resolution einge- bracht haben, konnte sestgestellt werden, daß ihr keineswegs ein Mißtrauen gegen die Leistungen der Rüstungsindustrie, oder die Absicht, diese gegenüber den staatlichen Instituten zurückzudrängen, zugrunde lag. Durch den Vorschlag des ge- schäftsleitcnden Ausschusses der Kommission, für die wichtigsten Zweige der Rüstungslieferungen Referenten teils auS Mitgliedern des Reichstags, teils aus Vertretern der Industrie zu bestellen, die Hand in Hand mit den Ressorts die Methode der Rüstungslieferungen prüfen sollen* werden, wie schon jetzt zu erwarten ist, praktische Erfolge errungen, unbegründete Angriffe entkräftet und damit unser öffentliches Leben vergiftende Auseinandersetzungen ausgeschaltet sowie das Heer und die Marine in ihrer nationalen Arbeit gestärkt und gefördert."
* Der Friede zwischen Ärzten und Ortskrankenkassen wieder gefährdet. Gestern traten die Vertrauensmänner, der Beirat und Vorstand des Leipziger Ärztoverbandes und «der Geschästsausschutz des deutschen Ärztcvereinsbunües abermals zu einer Sitzung zusammen, die stellenweise sehr erregt verlief und nach deren Verlauf leicht geschlossen werden könnte, daß der erst kürzlich zustande gekommene Friede infolge neuer Differenzen zwischen Ärzten und Kaffen sehr gefährdet sei. Heute sollen in Berlin neue Verhandlungen im Reichsamt des Innern stattfinden.
* Der Kampf für und gcgcu die Kirche in Berlin. Am
gestrigen Sonnlag waren die Gotteshäuser Groß-BerlinS überfüllt. Der Kampf gegen die Kirche hatte einen Kampf für die Kirche ausgelöst. Um den Gemeinüemitgliedern außerhalb des gewohnten gottesdienstlichen Rahmens die Not
nants durch sein undeutliches Sprechen um einen Teil des Erfolges. — Das Stück müßte einen intimeren Rahmen haben, das Mainzer Stadttheater ist reichlich groß, die riesige Pfarrstube im ersten Akt wirkte recht störend. Die Regie ließ überhaupt manches zu wünschen übrig, auch für mehr Tempo hätte sie sorgen dürfen. Und doch der starke Erfolg. Rufe nach dem Autor wurden laut, gegen Schluß zu immer dringlicher, bis Hofrat B e h r c n d auf der Bühne erschien und im Namen des Verfassers für den reichen Beifall dankte. D. v. N.
Weine Chronik.
Theater und Literatur. In Leipzig ist gestern der Seniorchef der Verlagsftrma V r o ck h a u s, der frühere Parlamentarier Heinrich Eduard Brockhaus, im Alter von 84 Jahren gestorben. Mehr als 40 Jahre hat er erst an der Seite seines Vaters, dann seit dessen Tode mit seinem jüngeren Brüder Heinrich Rudolf Brockhaus, das umfangreiche und weitverzweigte Unternehmen geleitet und ihm die hohe Stellung, die es seit seiner Begründung im deutschen Buchhandel einnimmt, dauernd zu wahren gewußt.
Im Bremer Schauspielhaus hatte die Uraufführung von Heinrichs gllgcnsteins dreiaktigem Lustspiel „Quisisana euren unbestrittenen starken Erfolg. — Illgenstein ist bekanntlich dar Verfasser des auch hier mit bestem Erfolg gegebenen feinen Lustspiels „Kammermusik".
Hermann E s s i g s „F rauenm u t" fand am Freitag bei seiner Uraufführung im Schauspielhause zu Düsseldorf eine freundliche Aufnahme.
Maxim Gorki, über dessen Gesundheitszustand kürzlich beunruhigende Meldungen durch die Presse gingen, ist von seiner Krankheit nunnrehr völlig wieberhergestellt und auS der Obhut der Ärzte entlassen worden.
„Die verflixte Liebe", eine Komödie von Ludwig Hirfchfelo, fand bei ihrer Uraufführung am Josephstädter Theater zu Wien viel Beifall.
In Berlin fand die Reihe der Festlichkeiten anläßlich des 70. Geburtstages Viktor B l ü t h g e n s ihren würdigen Abschluß i" «nein Festmahl, das der Verein Berliner Presse zusammen mit der Literarischen Gesellschaft zu Ehren seines langjährigen Mitgliedes im „Hotel Kaiserhof" veranKaltettz.
