Einzelbild herunterladen
 

1

Seite 4L

Drorge«-A«sgaSe, 1. matt.

LNrsimdetter GagMirK.

Sonntag/ 11. Januar 1911.

Nr. IV.

Thema' «FrmrenüÄnsche in Gemeinde und Staat" sprechen. Frau Dt\ Fischer-Eckert ist weithin bekannt als eins der führen­den Frauen auf dem Gebiets der Stinrmrechtsbewegung.

Liebe und Ehe in ihrer Bedeutung für Ge­sundheit, Lebensglück und Lebenskraft, so beißt das Th^ma. über welches Schriftsteller Emil Peters- Berlin am Mittwoch, abends 8% Uhr. im großen Saale der „Wartburg" auf Veranlassung des hiesigen Kneipvvereins sprechen wird.

Aus dem vereßnsleben. vorberrchts, vsreinsoerssnrmlungen.

Der Männergesang-Vevein „Cacilia" veranstaltet heute Sonntag, nachunttags 4 Uhr, bei Mitglied Seidel, Platter Straße 168, eure Jtachfeier seines Weihnachtsfestes.

* Heute Sonntag, 3 Uhr nachmittags, hält der „Verein ehemaliger Jäger und Schützen von Wies­baden und Um ge g egend" in der „Wartburg" eine General versammln ng mit nachfolgender KaisevgsLurtstags- feier ab.

* Der Bäckerklub „Heiterkeit" veranstaltet heute nach­mittag von 4 Uhr ab eine Nachfeier seines Weihnachtsballes auf der neuen Adolfshohe.

* Die „Wiesbadener Kinn er" veranstalten heute Sonntag, ab 5 Uhr 11 Min. im närrisch geschmückten „Vater Rhem", Bleichstraße 5, einen karnevalistischen Kappenabend, zu welchem ein auserlesenes närrisches Programm zusammen­gestellt ist.

Bus öem Landkreis Wiesbaden.

-o- Biebrich. 10. Januar. Im „Verein für natuMemäße Gesundheitspflege" (Kneippverein) sprach der Schriftsteller und Vorsitzende des Deutschen Bundes für „Regeneration", Herr Emil Peters aus Berlin, über „Liebe und Ehe". Er gab dabei beherzigenswerte Ratschläge für die Erziehung der weib- licheu und männlichen Jugend in ihren Entwickelungsjahren und schilderte den Eingang der jungen Leute zur Che, wobei vielfach Oberflächlichkeit und Unüberlegtheit vorherrschten. Der Vortragende ist Vegetarianer. Seine Ratschläge über Rahrunsswtzise und Bekleidung dürsten jedoch nicht überall Zustimmung gefunden haben. Beherzigenswerte Worte führte er aus ^über die Erziehung und Ernährung der Kinder, über das ideale Zusammenleben von Mann und Frau. Jedenfalls hat der Vortrag viel Gelegenheit zum Nachdenken für alle Familienmitglieder gegeben.

Kaffcraffcfie Hctdirid}tett.

Übernahme der Cronberger Eisenbahn-Gesellschaft durch den

Staat.

bi. Cronberg, 10. Januar. Eine außerordentliche Gene­ralversammlung der Cronberger Eisenbahn- Gesellschaft. in der 19 Aktionäre mit 2841 Stimmen und 852 300 M Aktienkapital vertreten rvaren. genehmigte mit Stimmeneinheit den Übergang der Cronberger Eisenbahn als Ganzes an den Staat und beschloß die Auflösung der Gesellschaft ohne Liquidation. Der Staat gewährt als Gegenleistung der Gesellschaft eine Abfin­dung. und zwar für jede Aktie eine oder mehrere Staatsschuld- Verschreibungen einer Sproz. konsolidierten Staatsanleihe. Ver- lvaltung und Betrieb der Eisenbahn-Gefellschaft gehen vom 1. Januar 1914 ab auf Rechnung des Staates. Wie der Vor­sitzende mrtteilt. wird der Staat nach der vollständigen Über­nahme für Neuerungen und Verbesserungen etwa 1200000 M. aufwenden.

*

~ Ordens-Verleihungen. Kunstschlosser Go ebel zu Eppstein erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.

ht. Cronberg, 9. Januar. Das Fahr 1913. brachte der Stadt eine Geburten st ei geruna um 25 Prozent gegen das Jahr 1912. nämlich von 61 auf 80. Dagegen sank die Zahl der Eheschließungen von 34 aus 26. also um 25 Prozent.

r. Rüdesheim, 9. Januar. In der heutigen Stadtverord­neten Versammlung erläuterte Bürgermeister Albert! den von Dem Regie rungsbau rat Mühlen (Wiesbaden) ausgearbeiteten Plan für . die U m f ü h r u n g der Eisenbahnlinie hinter die Stadt Rüdesheim. Der Plan rechnet mit einer Trennung des Personen- und Güterbahnhofes. Ersterer wird 200 Meter rheinabwärts- (westlich) gerückt. Durch Ab» grabnngen, Einschnitte und zwei Zwillingstunnels wird eine für viergleisigen Betrieb gerichtete, fairst steigende Linie ge- sckxlffen. -Östlich Rüdesheims könnte sich nötigenfalls der Güterbahnhos entfalten. Er würde für lange Zeit aus­reichend angelegt und nahe an die Militärrampe kommen. Die Kosten würden etwa 8% Millionen (einschließlich des neuen 'Bahnhofes) betragen, denen aber Vorteile für die Bahn selbst von 11*4 Millionen gegenüberständen. ... ni. In den Wahl­ausschuß der Stadtverordneten - B ersanrMlun i wählte die Versammlung heute die Herren Bloen, Bruns, van ser Hehde. Ott und Sahrholz. In den Finanzausschuß wur­den die Herren Bauer van der Hehde, Reuter. Sturm und Sahrholz. in den Rechnungsprüfungsausschuß die Herren Bruns, Ott, Rückert, Sahrholz und Straßner, in den Bau­ausschuß die Herren Bruns. Becker, Ott, Rückert und Winau gewählt. Die Mitglieder der anderen Ausschüsse wurden ein­stimmig wiedergewählt. Für W e g e a n l a g e n usw. hat die Eisenbahnverwaltung mehrere Meter breite Streifen Gelände nötig das sich im Besitz der Stadt Rüdesheim befindet. Der Magistrat brachte als Forderung, die man der Sisenbcchn- direktion stellen sollte, den Betrag von 30 M. für die Rute in Vorschlag. Die Versammlung genehmigte nach kurzer Aus­sprache den Magistratsvorfchlag. Zum Stadtverordneten- vorsteher wurde Herr Reichenbach mit 16 gegen 1 Stimme ge- wähli. — Für die allgemeine Ortskrankenkasse wurde als Vorsitzender Buchdruckere'besitzer Meier mit 10 Stimmen, als 2. Vorsitzender Jos Schlepper 4r (Geisenheim) mit 7 Stimmen, als Schriftführer Jos. Gies (Johannisberg) mit 11 Stimmen gewählt.

ü. Nassau, 9. Januar. Die Stad-tverordneten-Bersamm- lung faßte folgenden Beschlu«: Da die Realschule nicht mehr von Knaben besucht wird, soll die Schuldeputation gebeten werde», baldigst eine Vorlage enrzubringen zwecks Auf- b e b u tt g der Realschule und Vettvandlung in eine städtische Mädchenschule unter Leitung einer Lehrerin mit Zugrundelegung des Lehrplanes der Hildaschule , n Koblenz.

# Hachenburg, 10. Januar. Nächsten Montau den 12. d. M„ feiern die Eheleute Lokomotivführer Ludwig Brenner und Frau goldene Hochzeit. Brenner ist tQ. seine Frau 70 Jahre alt. Beide befinden sich wohl.

Bus öev Umgebung.

Ein Rodelunglück bei Marburg.

X Marburg 9 Januar. Bei dem die ganze Woche hier herrschenden winterlichen Wetter wurde eifrig dem Rodelsvort gehuldigt. Gestern abend gegen 1440 Uhr verunglückten nun am oberen Rotenberg zwei Studentinnen dadurch, daß mit voller Wucht, auf der stark abschüssigen Straße gegen dort lagernde Bandsteine geschleudert wurden. Die eine der Ver­unglückten erlitt außer smistigEn Verletzungen einen schweren Oberschcnkelbruch. imch Anlegung eines Notverbanöes wurde sie gegen Mitternacht von der Sanitätskolonne in die chirur­gische Klinik eingenefert Zwei weitere Rodlerinnen, die ebenfalls verunglückten, kamen mit leichteren Verletzungen davon.

ht. Bad Homburg v. d. H., g, Januar. Der Kohlenhändler pcttinger wurde am. Mittwochabend bon mehreren Per­sonen durch Messerstiche in die Brust so schwer ver- > r v t. daß er hoffmrnssks darniederliegt.

"st dlimster a. St 9. ^cmuar. Eni Bade- und Brunnen­baus hat Münster a. St. vor einiger Zeit erhalten, nun soll auch mn neues Kurhaus erbaut werden. Der Bau- und oer ü'iilanz-Ausschuß sollen sich rnit der Frage beschäftigen und unter Zuziehung des Kreisbaumeisters Damm als tech­

nischen Berater ein Wettbewerbs-Aus.sch reiben zur Erlangung Von geeigneten Entwürfen für das neue Kur. haus erlassen.

m. Langenlonsheim, 9. Januar. Zur letzten Ruhe be­stattet wurde hier ein direkter Nachkomme des „Jägers aus Kurpfalz", Förster Ritter Georg Borosini Edler zu .Hohenstcrn. Der Verstorbene war hier lang« Jahre Förster und vor neun Jahren in beit Ruhestand getreten. Er war 75 Jahre alt und hatte sowohl den Feldzug 1866 als auch den 1870/71 mitgemacht.

rmk. Darmstadt, 9. Januar. Der Urheber des bedauer­lichen Un glücksfalles, ivelchem in der Neujahrsnacht der Kaufmann Dörsam am Fenster seiner Wohnung zum Opfer fiel, scheint nunmehr ermittelt worden zu seiil. Der am Provinzialarresthaus hier angestellte Gefangenenaufseher Wehr ich ist als der Täter anzunehmen, wenn er auch unbe­absichtigt den. Tot des Dörsam verursacht hat. Er hat mit einem bayerischen Werdergerve.hr Neujahr mit scharfer Munition angeschossen und wahrscheinlich dabei das Unglück herbergesuhrt. W. ist zunächst auf frewin Fuß.

Ms. Kassel, g. Januar. Prinz Ernst August zu Solms- Braun felS wurde nach bestandener erster luristischer Staatsprüfung zum Gerichtsreferendar im Bezirke des Oberilcmdesgerichts zu Kassel ernannt.

Gerichtssaal.

Der Giftmörder Hopf vor den Geschworenen.

8. u. Hi Frankfurt a. M., 10. Januar. Am kommenden Montag wird vor de»i hiesigen Schwurgericht die Haupt- verhaudluiig gegen den Drogisten und Fechtlehrer Karl Hopf beginnen, dem nicht -weniger als sechs Giftmorde, begw. Giftmord-Versuche zur Last gelegt werden, während in einem siebenten Fall begründeter Verdacht gegen Hopf besteht. Hopf ist am 2. März 1863 in Frankfurt als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Hopf geboren. Er besuchte die Muster- ichiile, war aber kein guter Schüler, kam in ein Privatinstitut und mußte sich die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst durch Ablegung einer Prüfung in Kassel erwerben. '884 diente er dann sein Jahr beim 81. Regiment in Frank­furt ab, 1886 ging er nach London. Er hatte in einem Drogengeschäft gelernt und fand Stellung in ähnlicheil Ge­schäften. 1888 ging er, angeblich wegen eines Halsleidens, nach Marokko, wo er in verschiedenen kaufmännischen Stellun­gen bis 1890 blieb. Nach längerem Aufenthalt in Brüssel und London kam er 1894 nach Frankfurt zurück und übernahm, von seinem Vater mir Geld unterstützt, ein Futtermittelge­schäft in Wörsdorf bei Idstein, das er 1898 verkaufte. Hopf rief dann «ine Hundezuchtanstalt ins Leben, die in Züchterkreisen sich eines ziemlichen Ansehens erfreute. So war ein von ihm gezüchteter Bernhardinerhund, dem er seinen Artistennamen „Athos" gegeben hatte, auf eiiter kinologischen Ausstellung mit einem Preis von 10 000 M. ausgestellt. Nach­dem sich aber bald ergeben hatte, daß für Hopf weniger Sport- und wissenschaftliche Interessen, als vielmehr Gewinnsucht maßgebend waren, zogen sich die besseren Kreise wieder zurück und Hopf gab seine Hundezüchterei auf. Er wandte sich dann der F e ch t k u n st zu und trat in einer Reihe von Varietes usw. als Kunstfechter mit verschiedenen überraschenden Tricks aus, wobei der muskulös gebaute Mann, dessen Brust mit ver­schiedenen Medaillen geschmückt war, auf das Publikum eine große Anziehungskraft ausübte. Im Wiesbadener Reichs­hallentheater spaltete er 1907 einen Hammel mit einem Schlag in zwei Teile. Trotzdem er als Fechter und Variete- k ü n st l e r im allgemeinen ganz befriedigende Einnahmen erzielte, soll er sich andauernd in Geldverlegenheit befunden haben und

der Hunger nach Gold scheint die Triebfeder zu allen seinen Verbrechen gewesen zu sein.

Als bei dem Tod seiner ersten Frau — Hopf war im ganzen dreimal verheiratet — Gerüchte auftauchten, daß seine Frau nicht eines natürlichen Todes gestorben sei, zog Hopf die Ver­breiter des Gerüchts, darunter auch mehrere Zeitungen, die den fraglichen Vermutungen Raum gegeben hatten, zur Rechenschaft und erzielte auch verschiedentlich eine Verurtei­lung. Inzwischen ist aber mit Sicherheit festgestellt worden, und zwar durch Untersuchung der Leichenteile, daß Hopfs erste Frau tatsächlich an Arseniövergiftung gestorben ist. Nach dem Tod der Frau erhielt er die Lebensversiche- r u n g s s u m m e in Höhe von 15 000 M. ausgezahlt, und die­ser Umstand, in Verbindung mit den Erfolgen, welche die er­wähnten Beleidigungsklagen gegen Zeitungen usw. hatten, mag den Verbrecher kühn gemacht haben. Seine zweite Frau, deren Leben er ebenfalls hoch versichert hatte und die bald nach der Eheschließung zu kränkeln ansing, ohne daß die Ärzte einen eigentlichen Grund hierfür zu entdecken , vermoch­ten, trennte sich nach wenigen Monaten von ihrem Mann starb aber schon nach kurzer Zeit ebenso wie das in der Ehe geborene Kind, wie man annimmt, an den Folgen des ihr von Hopf beigebrachten Giftes. Seine dritte Frau erkrankte im Juli 1912 plötzlich „ach dem Genuß von Tee an heftigem Erbrechen und Kopfschmerz. Sie erholte sich dann wieder wurde aber aufs neue krank, so daß eine Krankenschwester be­schafft wurde, und mußte bis in den Oktober hinein das Bett hüten. Auffälligerweise erkrankten aber auch die Pflege­schwester, die Monatsfrau und das Dienstmädchen nach und nach an ähnlichen Erscheinungen. Der Winter ging im übri­gen leidlich vorüber. Am 16. Februar 1913 trank Hopf mit seiner Frau nach Tisch «ine halbe Flasche Sekt. Nach dessen Genuß wurde ihr wieder schlecht, es stellten sich Kopfschmerz Brechreiz und Durchfall ein. ' Diese Erscheinungen wieder­holten sich >m Marz. Zufällig wurde nun damals der Haus- arzt, der den Angaben des anscheinend treu besorgten und seine Frau ,elost verpflegenden Hopf stets Glauben geschenkt hatte, durch einen anderen Arzt vertreten. Dieser vermutete, daß es sich um eine Vergiftung handelte, und ließ die Frau in ein Krankenhaus bringen. Hier verdichtete sich b« r Ver­dacht, uiid der Verteidiger der seinerzeit von Hopf wegen Be­leidigung verklagten Personen hörte davon. Cr hielt es für seine Pflicht, die Staatsanwaltschaft von dem neuen Verdacht in Kenntnis zu setzen. Die Kriminalpolizei wurde benach- richtig! uns der nichts ahnende Hopf am Vormittag des 14. April I9lc> verhaftet, als er von einem Besuch seiner Frau aus dem Krankenhaus ton. Bei der sofort nach der Einliefe- rung des Verhafteten in das Gefängnis vorgeirommenen körperlichen Durchsuchung fand man in der Tasche KMs einen Vorrat von Zyankali. Die Haussuchung ergab P in der Wohnung des Verhafteten ein ganzes Lager von Giften,

so daß Hopf angesichts des erdrückenden Beweismaterials sich zu dem Geständnis herbeiließ,.daß er seine dritte Frau habe vergiften wollen. , Weiter wurde in seiner Wohnung, in einem Gehennkabtnett, eine. Menge von Jnsixnmenten und Photographien aufgefunden, die -erkennen ließen, daß Hopf in sexueller Hinsicht perversen Neigungen, gefrönt Hab«. Letztere Änfrcht wurde noch dadurch gestützt, daß Hopf «ine

Zeitlang als Schaubudenbesitzer in Deutschland herumreisie und „plastische F r a n e n s ch ö n h e i t e n" ausstellte, bis diese Ausstellungen öffentliches Ärgernis erregten und von der Polizei verboten wurden. In dem „Laboratorium" Hopfs fand man neben vegetabilischen Giften verschiedener Art, wie Arsenik und Zyankali, auch solche animalischer Natur, und zwar äußerst virulente

Typhus- und Cholerabazillenkulturen.

Diese Kulturen hatte sich Hopf aus einem medizinischen Museum in Wien verschrieben, das in medizinischen und bakteriologischen Kreisen sich großen Ansehens erfteut und das zahlreiche klinische Institute mit Bazillenkultureu zu wissen­schaftlichen Forschungszwecken versorgt. Um sich diese Bazillenkultureu verschaffen zu können, hatte sich Hopf Brief­bogen drucken lassen, auf welchen er sich als Inhaber eines Wissenschaftlichen Laboratoriums in Frankfurt a. M. bezeich- nete. Da Hopf bei seinen Bestellungen sich durchaus in fach- wissenschaftlichen Ausdrücken bewegte, nahm der Inhaber des Museums keinen Anstand, seine Bestellungen auszuführen, zumal Hopf ab und zu, wenn die gelieferte Ware ihm nicht ganz entsprach, dieselbe unter eingehender, durchaus fach- wissenschaftlicher Begründung zurücksmrdte und vollwertigen Ersatz dafür verlangte. So bestellte er auch einmal bei dem Wiener Institut

Cholerabazillcn, deren Keime auf den Schlachtfeldern des Balkans gesammelt

ivorden sein müßten. — Die Untersuchung der Leichenreste der verstorbenen Angehörigen Hopfs hat in sämtlichen Fällen das Vorhandensein von Giftspuren mit Sicherheit ergeben. Trotzdem gehen die Sachver­ständigengutachten in verschiedenen Punkten wesentlich aus­einander. Während von der einen Seite unter Bezugnahme auf die Ergebnisse des Leichenbefundes und die Aussagen der Personen, die mit Hopf ständig in Berührung waren, der Be- ioeis des Giftmords als erbracht angesehen wird, äußern an­dere Sachverständige Zweifel darüber, ob die beobachteten Symptome für den Nachweis einer Vergiftung genügen. Nach­dem Hops selbst das Vorhandensein von Giftresten in den Leichen teils auf die Benützung von Schönheits­mitteln durch die betreffenden Personen während ihres Lebens, teils auf die Anwendung von A r se n i k Präpa­raten seinerseits zur Leichenkonservierung zurückführt, wird ein großer Teil der Verhandlung der wissenschaftlichen Aus­einandersetzung zwischen den Sachverständigen nach dieser Richtung hin Vorbehalten bleiben. — Die Anklage gegen Hopf hat in der Zeit seit seiner Verhaftuirg noch eine Erweiterung erfahren. Die polizeilichen Ermittelungen haben nämlich hin­reichende Verdachtsgründe ergeben, daß auch der Vater Hopfs einer verbrecherischen Handlung seines Sohnes zum Opfer gefallen ist, so daß die Anklage sich jetzt auf ' vierfachen Mord und dreifachen Mordversuch erstreckt. Ein Geständnis hat Hopf bis zum heutigen Tag nicht abgelegt. — Zu der Verhandlung sind 61 Zeugen und

9 Sachverständige geladen. — Die Verteidigung hat Rechts­anwalt vr. Si nzh e im er (Frank furt a. M.) übernommen.

-wo. Konkursvergehen. Der Kaufmann Otto M o o k in Lorch hat iiu Jahre 1906 dortselbst ein gemischtes Waren­geschäft gegründet. Anfänglich hatte er Erfolg, dann aber mußte er ein Moratoriuni erwirken. Am 17. Juli 1912 wurde pber fern Vermögen der Konkurs verhängt, unterm 2o. Januar 1913 aber mangels Masse wieder eingestellt. Bis zu dem Moratorium war ein Kreditposten zugunsten seines Sohnes mcht in den Büchern verzeichnet, während ihm später o" ® tt l aX ' r 15600 gutgeschrieben und 7800 M. für Kost und 8o0tS belastet waren. Nach einem unterm 10. Mai 1912 zwi­schen Vater und Sohn abgeschlossenen Vertrag war zuletzt zum Ausgleich seines Kontos das Geschäft mit allen Warenvor­räten rn das Eigentum des Sohnes übergegangen. Nur ab­gesehen von drei Posten, die Schulden hatte Mook-Vater für sich behalten. Die Strafiammer verurteilte ihn gestern wegen Begünstigung eines Gläubigers zum Nachteil des anderen sowie wegen unordentlicher Buchführung zu 100 M. Geld­strafe.

PC. Tierquälerei. In barbarischer Weise hat am Abend des 20. Oktober v. I. der Taglöhner Gustav Wüst in Wies­baden ein von dem Fuhrherrn Keller geliehenes Pferd m 'Khandelt. derart, daß noch nach Tagen das Tier auf- gepichte Striemen zeigte. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu 8 Tagen Haft.

wb. Ein Werber der Fremdenlegion. Kassel, 9. Jan Als Werber für die Fremdenlegion hatte sich heute vor der Kasseler Strafkammer der Schreiber Rhein zu ver­antworten. Rhein, der mehrere Jahrx in Frankreich lebte, hatte auf Verairlassurig französischer Werber mehrere junae Kasseler Arbeiter überredet, mit ihm „ach Nancy zu reisen und sich in die Fremdenlegion einreihen zu lassen. Die deut­schen Behörden bekamen ,edoch von seinem Vorhaben Kennt­nis und verhafteten Rhem m deni Augenblick, als er mit seinen Opfern abreisen wollte. Der Angeklagte wurde w

10 Monaten Gefängnis verurteilt *

wb. Gefährliche Übergriffe eines Privatdetektivs. S t o l v

in Pommern, 9. Januar. Vor der hiesigen Strafkammer be- gmm heute der Prozeß gegen den P r i v a t d e t e k t i v Pauk S 4 w a.r 3 und den Oberkellner Hinze wegen Anmaßung ernes öffentlichen Amtes, Beleidigung und Freiheits­beraubung. Es handelt sich um das gerichtliche Nachspiel de§ Selbstmords des Gymnasiasten Tie mann in Echarlotten- ri t0 ‘ E^^^^^handlung.erfolgte wegen plötz­

licher Erkra nkung Schivarz die P e r t a g u n g des Prozesses.

Sport und Spiel.

Turnverein Wicsbadea' Zu« ersten Hauptwalckerung nach dem Großen ^eldberg hatten sich 66 Wander­lustig^ darmiter Damen, eingefnnden. Die Fußtour be- ganii in Höchst- Nach zweistündigem Diarsch wurde Cronbera erreicht, wo,elbst eine kurze Frühstücksrast stattfand. Von hier ging's über eine herrlich« Schneelandschaft, durch dicht be- Ichneite und ini Jagretf glitzernde Wälder, dem Gipfel des Feldbergv zu, wo,elbst gegen 1 Uhr Einkehr gehalten wurde Rach dem Abmarsch wurde in Schloßborn eine halbstündia« Kaffeerast gemacht, um dann mit lustigen Wanderliedern bera- ob nach Ehlhalten zur Hauptrast zu marschieren. Hix« j 0l Vereinshmm der Turug«meinde Ehlhalten, begrüßte der Vor- sttzende, Turner Debus, die Gäste. Der Zug 8 Uhr 64 Min ab Niedernyausen brachte die frohe Wanderschar wieder naL Wiesbaden. —- Die zweite Hauptwanderung findet am 8. Februar nach dem Kämmerso r st statt. '

Fußball. Am Sonntagnachmittag 2 % Uhr treffen sich aus dem Sportplatz an der Fraiikfurter Straße bi« Seiten Mannschaften des FrankfurterFußballvereins und des Sport-