Jtt. 1«. Samstag, 10. Januar 1914. HMESEM'IMMV fealgMßlt.
doch, daß er überschritten wird. Herr Sanitätsrat Friedländer scheint anzunehmen, daß statt der vorgesehenen 60 000 M. im ersten BetriebSjcchr ein Zuschuß von etwa 80 000 M. notwendig wird. Hoffentlich bleibt's dabei, und hoffentlich gestaltet sich das Betriebsergebnis des recht kostspieligen Kurfaktors (recht kostspielig, obwohl die Anleihe von 2,8 Millionen nicht verbraucht worden ist) in den künftigen Jahren wenigstens nicht ungünstiger!
Wir erinnern uns auch, daß seinerzeit im Stadtparlament die Ansicht vertreten wurde — namentlich von Herrn Dr. Massenez —, daß es richtiger wäre, das neue Badehaus der Stadt lediglich für Thermalbäder einzurichten. Es wurde gesagt, datz die Einrichtung von medizinischen Bädern die Anlagekosten ganz erheblich vergrößerten, ohne das Betriebsergebnis wesentlich zu verbessern. Herr Hart- mann wies gestern auf diese Tatsache hin; er durfte mit Recht sagen, datz die vor Jahren vertretene Anschauung, die namentlich von den Ärzten lebhaft bekämpft worden war, durch die Erfahrung des ersten Betriebsjahres bestätigt worden sei. Allerdings haben nach Herrn Sanitätsrat Friedländer die rein medizinischen Bäder in den ersten acht Monaten des Bestehens des Badehauses 40 000 M. eingebracht. Dieser Ertrag dürfte aber die für die medizinische Abteilung aufae- wendeten Baukosten nicht einmal mit 1 Prozent verzinsen. Wir nehmen sogar an, datz der Zuschuß, den das Badehaus erfordert, überhaupt nur durch die rein medizinischen Bäder hervoraerufen wird, deren Anlage das Bauprojekt ungemein verteuerte. Natürlich hat es keinen praktischen Wert, sich über Dinge zu unterhalten, die sich nicht mehr ändern lassen, aber aus Erfahrungen wie dieser kann man für die Zukunft lernen.
Der Blaukreuzverein hat im Stadtvarlament schon einmal Unglück gehabt. Gestern wurde sein Gesuch abermals zurückgewiesen. Wir schätzen ebenso wie die Stadtverordneten und der Magistrat die Wohlsahrtsbestrebungen des Vereins, aber die Ablehnung seines Dispensgesuches war eine Selbstverständlichkeit. Die Stadtvcrordneten- Versammlung, gegen deren ausdrücklich kundgegebenen Willen bas Gebäude an der Dotzheimer Straße errichtet worden ist, konnte gar nicht anders, als das Gesuch um Gestattung der Einrichtung einer Wohnung und verschiedener Schlafräume in diesem Gebäude abzulehnen. Das hat sie ziemlich einmütig getan, und damit hat sie zweifellos ganz im Sinne der Bürgerschaft gehandelt, Herr Bürgermeister Travers erklärte, wieso der Magistrat dazu gekommen ist, die Genehmigung des Dispensgesuches zu beantragen: „Der Magistrat hat seinerzeit, einem dringlichen Wunsch der Stadtverordneten-Ber- sammlung folgend, Protest gegen die Errichtung der Anlage des Blaukreuzvereins erhoben, und zwar wegen der beabsichtigten Einrichtung von Schweineställen. Der Magistrat ist der Ansicht, datz das äußere Ansehen des Gebäudes durch die nachträgliche Einrichtung von Wohn- und Schlafräumen keine Veränderung erleidet. Da der Blaukreuzverein Wohl- tätigkeitsbestrebungen huldigt, glaubte der Magistrat, seinen Wünschen cntgegenkommcn zu können, ohne das Allgemeininteresse zu gefährden." Das ließ sich natürlich hören, konnte aber unmöglich die Stadtverordneten veranlassen, ihre Stellungnahme zu dem Unternehmen des Vereins zu ändern, die in dem Referat des Herrn H i l d n e r klar und deutlich zum Ausdruck gebracht worden ist. Herr Demmer fand mit seiner Äußerung: „Wenn ein Privatmann ohne polizeiliche Genehmigung gebaut haben würde, dann hätte er die ganze Geschichte wieder abreißen müssen", lebhaften Beifall. Wie Herr Hildner, so betonte auch Herr Justizrat v. Eck, daß der Bauausschuß ebenfalls die großen Verdienste des Blaukreuzvereins nicht verkannt habe, aber das allgemeine Interesse der Bürgerschaft gehe über das des Vereins. Der Verein darf sich nicht beklagen; er hat jetzt lediglich die Folgen eines übereilten Schrittes und der Hartnäckigkeit zu tragen, mit der er trotz des berechtigten Widerspruchs eines großen Tmls d'r Bürgerschaft und ihrer Vertreter auf der Ausfüh- rund der Absicht bestand, sich an der Dotzheimer Straße in einer Weise auzusiedeln, die, abgesehen von anderem, geeignet ist, die Entwicklung der Stadt an dieser wichtigen -Ltelle ganz empfindlich zu beeinträchtigen. -tf-
Kaisers Geburtstag. Zur Feier des So. Geburtstags des Kaisers wird am 27. Januar im Kurhaus das übliche Festmahl um 2 Uhr nachmittags veranstaltet werden.
— Todesfall. Generaloberarzt a. D. Dr. Friedrich El au s, Veteran aus den Feldzügen 1864, 1866 und 1870^71, Ritter des Eisernen Kreuzes p. p., ist im 74. Lebensjahre in Koblenz gestorben. Der Dahingeschiedene hat lange^ Jahre in Wiesbaden gewohnt und war vor kurzem ivegen Krankheit zu einer in Koblenz wohnenden Tochter verzogen.
— Allgemeine Ortskrankcnkaffc Wiesbaden. Die Geschäftsführung der „Allgemeinen Ortskrankenkasse Wiesbaden" schreibt uns: „Auf die in Ihrem Abendblatt vom Gestrigen gebrachte Notiz gestatten wir uns folgendes zu bemerken: Es entspricht nicht der Tatsache, datz zurzeit die An- und Abmeldungen nur an einem Schalter abgefertigt werden, sondern gerade das Gegenteil ist der Fall; die Abfertigung erfolgt an Schalter 1 sowohl als auch au Schalter 2 und. Auskunft wird, so weit als möglich, an sämtlichen Verkehrsschaltern erteilt. Weitere Schalter zu diesem Zweck noch zu öffnen, wäre nur eine Erschwerung für die Verwaltung sowohl als auch sur das Publikum selbst. Ferner machen wir nochmals daraus aufmerksam, daß die Meldefrist bis zum 20. d. M. erweitert ist, wodurch dem Publikum Gelegenheit geboten wird, sich bei Ausübung seiner Meldepflicht etwas mehr zu verteilein wir empfehlen nochmals, die Abgabe der Meldezettel möglichst in die Frühstünden von 8 bis 10 Uhr zu verlegen, in welcher Zeit der Verkehr an beiden Schaltern weniger stark ist." uniete gestrige Bemerkung stützte sich auf die Tatsache, daß Schauer 1 am Donnerstag und Freitag, gerade in der Zeit von 8 bis 9 Uhr vormittags, von Anmeldenden, die zum Teil wegen des langen Wartens sehr unwillig sich zeigten, stark belagert war, während am Schalter 2 eine auffällige Ruhe herrschte. Unter diesen Umständen wäre es jedenfalls angebracht gewesen, das zahlreiche Publikum auf Meldung am Schalter 2 oder sonstwo ausdrücklich aufmerksam zu machen. Wenn das jetzt geschehen und der Verkehr dadurch in der gewünschten Weise gefördert werden sollte, dann wäre der Zweck der ersten Notiz ja erreicht.
— Kricgerverband des Regierungsbezirks Wiesbaden.
In der Vorstandssitzung am 7. Januar unter dem Vorsitz des Obersten a. D. v. Detien wurde Kenntnis von dem Ableben des Einzelmitglieds des Verbands Generalmajors z. D.
v. Freyhold gegeben. Für die anläßlich seines 70. Geburtstags übermittelten Glückwünsche hat General v. Lmdcquist dem Bezirksverband seinen Dank ausgesprochen. Äusnahme- anträge liegen vor von den Vereinen Reichenbach, Kreis Usingen, und St. GoarSbmften. Die Kreisberbände haben
zum 1. Februar d. I. die Inhaber des Eisernen Kreuzes sowie des Militär-Ehrenzeichens der General-Ordenskommission direkt namhaft zu machen. Im 8. Vierteljahr 1913 sind.an Unterstützungen 2721 M. und an NotstandszuwenduNgen 650 M., zusammen 3371 Dt., gezahlt worden. Ferner wurde mitgeteilt, daß dem Kriegerverein Schmitten noch 150 M. aus dern Notstandsfonds bewilligt worden sind. Von den aus 60 Pf. erhöhten Beiträgen entfällt auf die Unterverbände (Regierungsbezirks- und Kreisverbände) kein Teilbetrag.
— Gärtnereiberufsgcnosscnschaft. Wie uns aus Kassel mitgeteilt wird, hat die dort am 0. und 10. d. M. tagende Deutsche Gärtnereiberufsgenossenschaft, der als Vertreter Wiesbadens die Herren E. Becker und F. Wittmann beiwohnten, Herrn E. Becker einstimmig zum Vorsitzenden gewählt.
— Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht wird bei Gelegenheit der nächsten Tagung noch verhandelt: am 14. Januar wider den Agent und Kellner Julius Wahl und den Schmied Karl Stemmler, beide aus Wiesbaden, wegen Münzverbrechens (Verteidiger: Rechtsanwalt Kaschau und Rechtsan- walt Dr. Stahl); am Samstag, den 17. Januar, Wider den Schlosser Will). Schäfer aus Schwanheim wegen. Meineids (Verteidiger: Rechtsanwälte Bruch und Rathhart in Frankfurt); am Montag, den 19. Januar, wider den Fabrikarbeiter Franz Leidner, den Schlossergesellen Friede. Strauch und die Ehefrau Anna Leidner, geb. Schädel, alle aus Griesheim, wegen Falschmünzerei (Verteidiger: Rechtsanwalt Biesenbach).
— Di- Rodelbahn am Chausseehaus mußte gestern, nachdem tags vorher noch ein starker Verkehr dort geherrscht, den Betrieb einftellen. Leider ereignete sich zum Schluß noch ein Zusammenstoß, der leicht von üblen Folgen hätte begleitet sein können. Ein Schlitten kam herabgesaust, und obwohl die Rodler und das Publikum Warnungsrufe erschallen ließen, blieb eine Wiesbadener Dame auf der Bahn stehen und wurde umgefahren. Sie kam heil davon, während der Rodler derart zu Boden schlug, daß er besinnungslos liegen blieb. . Er erholte sich jedoch in der Behandlung durch die Sanitätswache bald wieder und konnte, ohne weiteren Schaden genommen zu haben, von dannen ziehen.
— Diebstahl. Am Donnerstag wurde ein Postpaket gestohlen, in dem sich verschiedene Fahrradbestandteil« befanden, u. a.: Sechs Fahrradketten, sechs Paar Pedale, fünf Laternen, fünfzig Paar Hosenhalter und drei Spiralfederbremsen.
— Personal Nachrichten. Rechtsanwalt Ludwig Mol ly, der in Köln vor mehreren Wochen verunglückte, bat seine hiesige Praxis niedergelegt; Rechtsaiuvalt Dr. Höchster ans Bonn hat dieselbe übernommen.
Spielplan der Wiesbadener Theater.
Bon, 11 Januar bis 18. Januar.
König!.
Schauspiele.
Resldcnz-
Theatcr.
K«r-Theatcr.
Sonntag
Ab. 1).
Zum 25. Male: Die Königin von Saba.
Vzl Uhr. (Halbe Pr.i Air baten.
7 Uhr:
Die Puppenklinik.
3*/2 Uhr. (Kl. Pr.)
Alles für die Firma. 8 Uhr:
Ddr müde Theodor.
Montag
Ab. B.
La Traviata.
Die wmische Fliege.
Der müde Theodor.
Dienstag
Abon. 6. (Kleine Preise.)
Die Braut vou Messina.
Die Puppenklinik.
Ein kostbares Leben.
Mittwoch
Abon. A,
Aida.
Wir geh'n nach Tegernsee.
Ein kostbares Leben.
Donnerstag
Abon. B.
Die Fledermaus.
Die Puppenklinik.
Ein kostbares Leben-
Freitag
Ab. C.
! Neu cinstudiert: Die StüUen der Gesellschaft.
Gastspiel d.Operetteu- Eusembles vom Stadt- theater in Hanau: Hoheit tanzt Walzer.
Der müde Theodor.
Samstag
Abon. D.
Der Rosenkavalier.
Schneider Wibbel.
Ein kostbares Leben
Sonntag
•
Ab. A.
Oberon.
i/ 2 -i Uhr: (Halbe Pr.) Wir geh'u nach Tegernsee.
7 Uhr:
Schneider Wibbel.
3-/2 Uhr: (Kl. Pr.) Fräulein Chef.
8 Uhr:
Seine Geliebte.
Vorberichte über Nunst» Vorträge und verwandtes-
* Königliche Schauspiele. Die Reihenfolge der Abonne- montsbuchstcrben für die nächste,Woche ist die folgende: Sonntag D, Montag B, Dienstag C, Mittwoch A, Donnerstag B, Freitag C, Samstag D, Sonntag A, Montag B. — Am Sonntag gelangt im Abonnement D „Die Königin von Saba" inst Frl. Englerth in der Titelrolle znr Aufführung. Bei dieser Gelegenheit singt Herr «chubert hier zum erstenmal den „Assad". .— Hebbels sünfakuse A-üugöbic „Gyges und sein Ring" ist in den Spielplan des,,Hoftheaters ausgenommen worden und soll in der ersten Harste des Februar neu einstudiert in Szene gehen.
* Kurtheater. Morltag wird dev, lästige Schwank „Der müde Theodor" znm letztMnral,ausgesuhrt. Dienstag geht der Schwank „Ein kostbares Leben znm erstenmal in Szene, der in Hannover einen beispielloien Erfolg Isatte
* Wochen-Programw der Kur-Beranstoltungen. Sonntag,
1l. Januar: 11 Ms Uhr: Konzert rn der Kochürunnen-Trinkhalle. 4 Uhr im Abonnement ® ©aale: Sinfonie-Konzert
(Leitung: städtischer Musikdirektor K^l Schuricht). 8 Uhr: Abonnements-Konzert. Montag, 12 Januar: 4 und 8 Uhr: Abonnements-Konzert. Dienstag. Januar: 4 und 8 Uhr: Abonnements-Konzert, b Uhr . Ml Weinsaäle: Tee-Konzert.
Mittwoch. 14. Januar: 11 Um. Konzert in der Kochbrnnnen- Trinkhallo. 4 und 8 Uhr: Abonnements-Konzert. 5 Uhr im Weinsaale: Tee-Konzert. 15. Januar: 4 und
8 Uhr: Abonnements-Kvnzert. «tertag. 16. Januar: 4 Uhr im Abonnement: Militär-Konzert. Uhr nn Weinsaale: Tee-
Konzert. 7% Uhr E. großen Saale: 8. ZyklusSonzert
(Leitung: städtischer Müstidirektor Kars Schuricht, Lolrstin: Kannnersängevin Eva luaichke - von der Osten. Dresden, Sopran). Samstag, 17. 11 Uhr: Konzert tn der
KoMrunnen-Trinkhalle. 4 und 8 Uhr: Abonnements-Konzert. 4% bis 6% Uhr: TauELee tn der Wandelhalle und un Keinen Saale. — Euto-Dmn!bng-Rundfa>hrteu (Abfahrt Kurhaus) : Sonntag: lOUbr Uhr Königstein Diens
tag: 10 Uhr Jagdschloß Lim. ' Ms- Uhr Saalburg-Ausflug. Mittwoch: 10 Uhr Georgpliborn 2 Uhr Foldberg. DonEstag: 10 Uhr Rauenthal. 2% Uhr Mw Kärgstem, Soden. Munster. Freitag: 10 Uhr Römerkastell Zugmantel. 2 Uhr Wispertal, Nalionaldenkmal. 2 Ubr Bader Konigstein, Cronberg. Crontkal. Samstag: 10 Uhr Rauenthal, Uhr Rheingauausflug, Kloster Eberbach.
* Borträge. Mont«. nachmittags 5 Uhr. veranstaltet die Ortsgruppe Wiesbaden des Vereins Hessen-Nassau. M Frauenstimmrecht,. un „Rheinhotel" einen Fünf-UIst- Lee, zu den: als Referentul Baroneß v. Bistrmn gewannen ist. Die hier sehr geschätzte Reouerin wird über die Frauenbewegung und ihre Gegner sprechen. Nack) dem Vortrag fmdet eine Aussprache statt. Nichunitglieder sind willkommen.
Morgen Sonntag, 8 8A Uhr, spricht im großen Saa«. der „Wartburg" Dr. pM- ^-nst Cohn-Wiener (Berlm- Halensee), Privatdozent der freien Hochschule in Berlin, über das Thema: „Ein Gang durch die Geschichte, der jüdischen Kunst". Der Vortrag wird, durch Lichtbilder erläutert. Gäste, Damen und Herren, sind willkommen.
Aus dem Landkreis WiSLbaösn.
Ein Mordversuch?
. ^ Biebrich, 9. Januar. Gestern abend etwas nach 9 Uht hörten mehrere Leute in der Rahe des »Rheinischen Hofes"
Abend-Ausgabe, 1. Blat t. _ Seite 3
vom Rhein her Hilferufe. Sie sahen, wie ein Mann fortlief, während 30 Meter unterhalb des Ezeliusschen Landebockes eine Frau tief ini Wasser stand. Sie retteten die Frau und verbrachten sie in ein benachbartes Haus und von da ins Krankenhaus. Die Frau, welche im 48. Lebensjahr steht, ist die zweite Ehefrau des 41 Jahre alten Taglöhners Michael Schießer, Wiesbadener Straße 15 wohnhaft, von dem sie getrennt lebt. Sie hat den Mann erst im September v. I. als Witiver mit sieben Kindern geheiratet. Da sie ihm aber nichts habe recht machen können, sei sie wieder von ihm gegangen. Sch. habe nun mehrere Male versucht, mit ihr abends ein Stelldichein am Rhein herbeizuführen. Gestern abend habe er sie wieder auf 9 Uhr in die Wiesbadener Straße bestellt, wo sie um die angegebene Zeit miteinander zusammen- getrofferi seien. Sie seien beide an den Leinpfad zwischen Zollamt und „Rheinischer Hof" gegangen, wo sie dicht am Rheinuser auf- und abspazierten. Gleich oberhalb des Geländers, das dort am Ende der hohen Kaimauer angebracht ist, habe ihr der Mann plötzlich ohne jeden Grund einen Stoß gegeben, so datz sie über die Böschung hinunter in den Rhein stürzte. Zum Glück war die Stelle nicht tief, so datz sie sich im Wasser aufrecht halten konnte. Der Mann habe ihr dann eine dünne Leine gereicht, um sie zu retten; als dies nicht gelang, sei er fortgelaufen, um angeblich einen Nachen zu holen. Inzwischen wurde sie dann von den hnizukommenden Leuten gerettet. Die Frau nimmt an, daß der Mann die Ehe mit einem jungen Mädchen eingehen wollte und daß sie ihm, zumal sie nicht in die Ehescheidung willigte, im Wege war. Sch. wurde noch in der Nacht in seiner Wohnung durch die Polizei festgenommen. Er bestreitet entschieden, die Frau in den Rhein gestoßen zu haben; er sei überhaupt gestern abend nicht mit ihr zusammen gewesen. Heute erfolgt seine Vernehmung durch den Untersuchungsrichter.
— Biebrich, 10. Januar. Der Fabrikarbeiter Foh. Lauf begeht heute fein 40jähriges A r b e i t s j u b i l ä u m bei der Firma Portlandzementfabrik Dyckerhoff und Söhne, G. m. b. H., zu Amöneburg.
Aus der Umgebung.
Unglück auf dem Waffer.
ni. Bingen. 10. Januar Die bei der Erbauung der neuen Brücke über die Nahe verwendete Dampframme ging heute morgen infolge der reißenden Strömung des Hochwassers plötzlich unter. Von den 10 darauf beschäftigten Arbeitern konnten sich 8 durch Abspringen auf eine nahe Böschung, reiten, während zwei von der Flut bis in die Mifte des Rheins getrieben wurden, wo sie unter großen Anstrengungen gerettet werden konnten.
*
—• Siegen, 9. Januar. Die hiesige Polizei nahm eine aus vier Italienern bestehende Diebesbande fest, die in den letzten Wochen im Kohlenrevier größere Einbruchsdiebstähle, namentlich bei Goldarbeitern ausführte. Im Besitz der Verhafteten befand sich eine große Anzahl wertvoller und anderer Goldsachen.
Die Wetterlage.
Hochwasser.
Z. Oberlahnstein, 9. Januar. Seit gestern abend gehen am Rhein und unteren Lahn schwere Regengüsse weder. Die Schneereste ans den Bergen schmelzen rapid. Die Lahn und ihre Rebenbäche sichren Hochwasser.
Greven i. W., 8. Januar. Die Ems ist noch weiter gestiegen. Heute früh zeigte der Pegel 5,86, heute mittag 5,40 Meter. Anscheinend tritt Stillstand ein.
wb. Mannheim, 10. Januar. Rhein und Neckar sind stark im Steigen begriffen. In der vergangenen Nacht stieg der Wasserstand bei Hüningen von 0,95 auf 1,88 Meter, in Kehl von 1,98 auf 2,30 Meter, in Maxau von 3,84 auf 3,91 Meter, in Heilbronn stieg der Neckar von 1,30 auf 3,50 Meter. Der Neckar führt starkes Hochwasser. Auch von Heilbronn wird ein weiteres starkes Anwachsen des Neckars gemeldet. In Mannheim hat sich der Wasserstand des Neckars und des Rheins in der vergangenen Nacht wenig verändert.
\vb. Hellbraun, 10. Januar. Der Neckar ist derart gestiegen, daß er heute früh über die Ufer getreten ist. Die Niederungen sind überschwemmt. Der Fluß führt viel Holz mit sich. Ein weiteres Steigen wird befürchtet.
wb. Eßlingen, 10. Januar. Der Neckar ist während der Nacht bis heute früh 6 Uhr mit einer solchen Wassermasse über seine Ufer getreten, daß das ganze Flußtal zwischen Plochingen und Eßlingen fast einen einzigen See bildet. Seit vielen Jahren war ein solcher Hochwafferstand nicht zu verzeichnen. Verkehrs- und Betriebsstörungen sind allgemein eingetreten, und da ein weiteres Steigeir des Wassers in sicherer Aussicht steht, läßt sich die Gefahr der Lage noch nicht einmal genau übersehen. An vielen Orten sind die elektrischen Lichtleitungen unterbrochen. Die Höhe des Schadens wird sich erst nach Tagesanbruch feststellen lassen.
wb. Stuttgart, 10. Januar. Infolge des Hochwassers des Neckars mußten heute nacht die Flutzanwohner geiveckt wer» den. Die Kellervorräte wurden überall in aller Eile geborgen. Der Cannstätter Exerzierplatz steht vollständig unter Wasser. — In Göppinge n wurix die Feuerwehr alarmiert. Der Heubach hatte verschiedene Straßen überschwemmt und die Keller unter Wasser gesetzt. — Rach einer Meldung aus Ulm ist die Donau zwar ebenfalls stark im Steigen begriffen, doch besteht dort noch keine Hochwassergefahr. Im Laufe des Morgens wurde aus den meisten Landesteffen Frostwetter mit Schneesäll gemeldet, so daß die größte Ge- fahr beseitigt erscheint.
Die neue Sturmflut an der Ostseeküste, wb- Wismar, 9. Januar. Heute nachmittag steigerte sich der Wind zum Sturm, der Hochwasser herbeisührte. Gegen 7 Uhr abends waren die Zugangsstraßen zum Hafen und mehrere Häuser und Holzlagerplätze überschwemmt.
Überschwemmungen in Belgien.
* Brüssel, 10. Januar. In der Umgebung von Lüttich ist die Maas über ihre Ufer getreten. Die letzthin singe» tretene Schneeschmelze hat die Gefahr außerordentlich gesteigert. Die ganze Gegend von Lüttich und Vertuers ist von Wasserschäden bedroht. Eine große Anzahl Dörfer sind überschwemmt. Die Straßenbahnen, die zwischen den einzelnen Städten verkehren, mußten ihren Betrieb gestern nachmittag einstellen. Mehrere Vororte der größeren Städte mußten geräumt werden. Die Leute an den Ilferu der Maas sind in großer Besorgnis, zumal es unmöglich erscheint, Wagen und -Kähne zum Fortschaffen der Möbel zu erhalten. In Des- diddes ist das Wasser in sämtliche Kellerräume gedrungen und hat besonders unter der ärmeren Bevölkerung großen Schaden
