9h. 15.
Samstag, 10. Januar 1914.
Wiesbadener Tagblair.
Morgen-Ausgabe, 1» Blatt.
Seite 5.
Entschieden. Diese brachten erfreulicherweise jämtlich den Sleg der deutschen Spieler Gebrüder Klein schro t y, Rahe und Kreuzer. Von den einzelnen Spielen brachten nur die Begegnungen zwischen R. Kleinschroth-Vermont und p- Kleinsch.oth-Guillemant schürfe Kümpfe, denn & Klein- let) otI> gewann erst nach hartnäckigem Kampfe 16—H, 6—4, und sein Bruder Robert verlor sogar gegen Vermont den Zweiten Satz 6—8. gewann über den ersten Satz 6—3 und den brüten entscheidenden 6—4. Ferner schlug R. Kleinschrory 8-2. 8—6 Mica.d, Kreuzer 6—1. 6—2 Gaubert und Rahe £-6, 6—2 Gault. Im Doppelspiel fertigte das deutiche Paar Kleinschroth-Rahe 6—3 7—5 Gault Poulrn ab.
. st. Die Oxford Canadians konnten auch ihr zwmtes Spiel rm Berliner Eispalast zum ersten Siege gestalten, nneCanadier besiegte.n den Berliner Schlittschuhklub nach hartem Kamme mir 8 2 Toren, nachdem das Spiel, der Hallbzert 3:0 sui. dre Canadier gestanden hatte.
^ * Das Billardturmer in Köln. In der Fortschung der
Endspiele gewann Sambarth (250 Pomts. 6.75 Durchschnitt) gegen Dr Ludwig (182:5 55), vr. Baum (250:6.25) gegen ^chnarchendorff (126:3.15). Drefcher (2o0:4.032> «egen Soe.ing 232:3.741). Eine große ubervaichung vrachte der Steg von Haering-Solingeri über vr. Baum Franffurft dm Verteidiger des Meistertitels. Infolge des starken Andrangs des Publikums mutzte auch am Donnerstag wieder der g otze Tu: niersaal schon beim Beginn der vierten Partie geschlossen werden. Es gewann: Drescher (250 Pomts: 4.032 $«156= "hnitt) gegen Nassau (196:3.161) vr Ludivlg (250:o65o). «egen Schnarchendockf (207:4 6). Haering (m0.4.385) Men vr Baum (238:4.092). Der Stand ist: Baum 3- Z. Drescher. Haering. Ludwig, Nassau. Sambarth^ic + 2. schnarchendoefs 0. Von diesen haben Drescher und -sambarth noch Wer. die anderen noch zwei Pa tien zu spielen. vr. Ludwig 250N»A «ewinni gegen vr Baum (156:5.032), sambarth (2o0 -5A02) gegen Haering (215:4.471). Drescher (250:4.237) gegen Schnarchendorff (173:2.932).
a. Die Mannheimer Badenia. die bedeutendste «teeple- Chtvse Süddeutschlaiids. ist in dem jetzt erschienenen neuen Mannheimer Programm von 70 000 auf 75 000 Ar. erhöht worden, so daß sie nur noch um 5000 M. hinter der wertvollsten deutschen Hinde ms-Konkurrenz, dem Grotzen^Berlmer ^agd- Rennen zurückbieibt. Dagegen hat sich der Preis der Stadt Mannheim das Hauptereignis des zweiten Tages, eine Prei»- reduzierung von 4000 M. gefallen lassen müssen, ganzen wirft der Badische Rennvercin für sein dreitägiges Meeting ln Mannheim die stattliche Summe von 194 000 M., also 2000 Mark mehr als im Vorjahr, an Preisen aus.
hiebe empfangen, daß er besinnungslos niedevfiel. Sann biß die Bestie der Bändigerin in die Schulter; ohnmächtig sank da- Mädchen nieder. Zum Glück ivaren inzwischen einige harter mit Eisenstangen herbeigieeilt. Sie konnten das Rauotier rn einen Winkel des Zwingers zrücktreiben und die emden oesinnungslosen Opfer seiner Angriffslust „auf rem ftafig schleppen. Die Untersuchung ergab, daß Fraulein Rostet recht ernsthaft verwundet ist. ... , ... «„„»„„a
Der größte Orchpdeenzüchter Österreichs „m Konkurs Wien, 9. Januar. Der bekannte Orchydeenzuchter Gustav Haardt in Pölitz hat Konkurs angemeldet. . Die Aktiven haben einen nominellen Wert von iy 3 . Millionen Kronen, me Passiven betragen 900 000 Kronen. .
Eine Erderschütterung. Paris, 9. Januar, ^on der Gegend von Rennes wurde gegen Mitternacht eme starre ErD- erschütterung verspürt.
Ein Lustmord. London. 9. Januar. Unter dem Sitz eines Abteils eines Vorortzuges wurde auf dem Bahnhose von Shoreditsch die Leiche eines ermordeten Knaben rm Alter von 7 Jahren gefunden: Allem Anschein nach liegt ern Lustmord vor. _
Tumult in einer Kirche. Rom. 9. Januar. In Oxunr (Amlien) sollte eine Statue des wunde tatmen Heiligen Orontius, dem man die Fähigkeit der Herbeiführung, des Regens nach langer Trockenheit zuschrieb, bei Nacht nach seiner 3 Kilometer entfernten Landkirche in feierlicher Prozession zuruck- bracht werden. Da die Geistlichkeit wegen der herrschenden Kälte und Nässe dagegen Widerspruch erhob entstand ttt der Kirche ein Tumult. Die Priester wurden beschimpft und bedroht, mutzten sich in der Sakristei verriegeln und konnten nur durch die Carabinieri vor Schlimmerem bewahr, werden. Der Bischof hat die Neukonsekrierung der Kirche ungeordnet.
Ein Orkan in Wladiwostok Wladiwostock 9 Jan. Die Stadt wurde am Weihnachtsfeste (russischen Stils) von einem Sturme heimgesucht, der zeitweilig die Starke eines Orkans annahm. Das Telephonnetz und die elektrische Beleuchtung wurden beschädigt, die Häuser abgedeckt und „me Haustreppen eingerissen. Der Straßenverkehr ist fast völlig eingestellt.
GerichtZfaal.
w i. Der „größte Hochstapler". Berlin, 9. Januar. Vor dem Oberkriegsgericht des 3. Armeekorps als Berufungsinstanz stand gestern ein desertierter Soldat, den der Vertreter der Anklage als den größten Hochstapler, der je die Militärgerichte beschäftigte. ia. den es re gegeben habe, bezeichnet^ GS handelt sich um den Musketier Liannewurf, der in- In- und Auslände eine lange Reihe von HochstapAeien und Hciratsschwindeleien verübte. Das Gericht verurteilte den listenreichen Abenteurer zu 6 Zähren 6 * i n a t e n Zuchthaus, zu 900 2JI. Gelditrare und zur Ausstoßung aus dem Leere.
Neue§ au§ aller Welt.
Der Burgherr der Rudelsburg f. Naumburg 9. Jan. Hier starb der Burgherr der Rudelsburg undJnyaber des Rittergutes Kreipitzsch. Hauptmann Erich v. Schonberg, im
Alter von 60 Jahren. . w c
104 Jahre alt. Munchen. 9. .gjanuar. Am 11. ^an. wird eine Münchener»», Frau Gordula Burger, 104 aahre au. Vor einigen Jahren war die Dame noch recht Aich und ge- suitS. jetzt kränkelt sie und kann Nicht mehr recht gehen und
^"lOÜ. Geburtstag. Kleve. 9. Januar. Im benackMrten Griethausen feierte die Witwe Johann Sc&omna ily.en .100. Geburt^dag in körperlicher und gerstrger ^rriche. --er lieft der Jubilarin einen Sessel und einen Geldbetrag überreichen. bte Gemeinde schenkte ihr ein «parkassenouch über
Breslau, 9. Januar.
inderkr
Schulen am. L)»e der
Kinderklinik teilt hierüber folgAides m.m ' ß er Stadt
Röteln verwechselt, mit denen sie teilweise eine gervche Ahn
lichkeit hat Die auffälligste Krankheitserfcheinuna besteht m
einem hellroten, fleckigen, etwas erhabenen Ausschla.,. der z erst aut den Wangen und aus der Außenseite der Borde.arMe auftritt und sich von da über den ganzen Körper verbreite. An manchen Stellen, besonders im Gesicht und. >am Gelaß fließen die einzelnen Flecke zu stark gieroleten. sich CTÄ fühlenden Flächen zusammen. Oft besteht lästiger Jucks^ und leichte Fiebertempemtur. Die Krarikheit hat einen durchaus gutartigen Charakter und pflegt nach vier bis sechs Tagen ohne besondere Behandlung abzuhecken. Sie tr«t den Namen Livtlienm inkectiasum und bat am meisten Ähnlichkeit uni Nesselsucht oder Masern. Die Direktion der Kinde,, klmik Uimmt Mittcilnngen Wer einschlägige Beobachtungen rnrt Dank ent-
gegen. . rt" fx 1 1
Bei Kläranlagearbeilen ertrunken. C a n n a 1 1 , J. ^an. Bei der Herstellung des für die Stuttgarter Kla anlage ^bestimmten'"Dückers, der bei dem Eisenbahnviadukt unter dem Neckar Undurckgeführt wird sind heute wegen nassen
Wetters zivei A beiter auf dem über dewAuß gebauten über gcmg ausgeglitten, »ns Wasser aerutsckst und. ertrnmem Rettungsversuche waren erfolglos. Dre Namen der Verunglückten sind noch nicht festgestellt. s,,
Zu dem Mord in der Kirche von Reepsholt. ur 1 ch, 8. Januar. Die fortgesetzten Nachforschungen babm sn d-w Gegend von Jever zur Verhaftung eines Mannes, angeblich eines Dienstknechtes aus dem Kreise Wrttmund g^Myrt. oer dringend verdächtig erscheint, die Bluttat in der Kirche zu Recpsholt ausgeführr zu haben, deren Opfer Pastor ~oe.ty wurde. rc.-
Die eifiene Frau verkauft. Kattowitz. 9. Januar. b.in . Hausbesitzer aus Zawierce verkaufte vor etwa 5 Dconateu lern Hab und' Gut und zog mit seiner bildschönen ff« Amerika, um dort sein'Glück zu suchen. Er scheint es aber nicht stefunden zu haben. Seinen Angehörigen schrieb er trotzdem wiederholt, daß es ihm gut gehe. Dabei fiel es den Verwanoten auf. daß die Frau nichts von sich hören ließ. Vor enngen Tagen nun erhielten die Angehörigen des Auswanderers aus einem Kattowitzer K"ankenhause die amtliche Mitteilung, daß sich der Mann hier schwer krank in Behandlung befinde. Er wünsche seine Verwandten zp sehen. Auf dem Krankenbette gestand er. daß er sich rn Amerika nur kurze - Seit mrfgehcckten habe und wieder hierher zuriickgekehrt sei. Seine Frau hab>e er bereits vor längerer Zeit für 1000 Dollar an ein Freudenhaus verkauft. . .
0 Eine Tierbändiger«« «m Kampf mit einem. Bare,,. Lausanne. 9 Januar. Die Zahl der in letzter.Zeit so hastigen Fälle, in denen angeblich gezähmte Raubtiere sich gegen ihren Bändiger wandten oder ausbrachen, ersahst eine neue Bereicherung durch einen Vorfall, der sich dieser Tage hier m einer Menagerie abspielte Die junge Tierbändiaerrn Olga Rostet betrat den Käfig eines großen Büren: die Bestie aber stürzte sich plötzlich auf das unbewaffnete Mädchen, richtete sich auf packte es mit den Vordertatzen und versuchte, den Hals der Bändigerin mit den Zähnen zu erreichen. Der Stiefvater des Mädchens, Jeannin. eilte sofort in den Zwinger wurde aber von dem großen Bären mit einen! si> wuchtigen Tatzen-
Herrenhaus.
Eine halbstündige Sitzung.
O Berlin, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.") Das Herrenhaus war heute gerade 30 Minuten zusammen. Man erledigte ausschließlich Formalitäten, wählte die Fachkommissionen und überwies die bereits eingekommenen Gesetzentwürfe, besonders das Fideikommißgesetz und das Lan- desverwaltungsgesetz einer besonderen Kommission. Für morgen wird ein größerer Tag ertvartet, da der Antrag Avrk von Wartenburg über die Berschtebung der staatsrechtlichen Verhältnisse zuungunsten der Einzelstaaten auf der Tagesordnung steht. Man spricht sogar davon, daß Herr v. Beth- mann-Holl'weg sein Erscheinen in Aussicht gestellt habe,
» $ Berlin, -9. Januar.
Am Ministertisch: I>. Beseler.
Präsident v. Wedel-Piesdorf eröffnet die Sitzung um 2.30 Uhr.
Nach geschäftlichen Mitteilungen findet
die Berridigung neu eingetretener Mtglieder
statt, und zwar der Herren: Fürst zu Sayn-Wittgenstein,
General der Kavallerie v. Maffow, General der Infanterie v. 'Löwenfeld, Br. Dernburg und Graf Schaffgotsch.
Es folgt die Beschlußfassung über die geschäftliche Behandlung der dem Haus bereits zugegangeney Vorlagen: Das Fideikommißgesetz^ das Landesverwaltungsgesetz sundi das Ausgrabungsgesetz wurden besonderen Kommissionen überwiesen.
Damit ist die Tagesordnung erkedigt.
Nächste Sitzung Samstag 11 Uhr: Antrag des Grasen
Dark zu Wartenburg, betreffend Wahrung der Stellung Preußens im Reiche. — Schluß 3 Uhr.
Letzte vrahtberichte.
Die Vorgänge in Albanien.
ff-ff Konstantinotzel, 9. Januar. Der österreichische Botschafter hatte heute eine einftiinbtge Unterredung mit dem Großwesir. Sie betrifft die Vorgänge in Albanien. Es verlautet, der Botschafter habe einen offiziellen Schritt wegen der türkischen Umtriebe unternommen. Dem Korrespondenten des ,,B. T." wird jedoch versichert, ein solcher schritt sei nicht erfolgt. Der Botschafter habe die Pforte auf dre türkischen Waffen- sendungen nach Albanien auftnerrsam geinacht und die eventuellen Folgen einer türkischen Einmischung betont.
Essad-Pascha ein Freund der Kandidatur des Prinzen zu Wied/
wb. Mailand, 9. Januar. „Corriera della Sera" meldet aus Bari: Ha s sau -Pasch a, ein vornehmer Albanese, der aus DuraM hier eingetroffen ist und für einen Abgesandten Ejsad-Paschas gehalten wird, widerspricht allen^ Gerüchten von Umtrieben gegen den Prinzen zu Wied in Durazzo. Im Gegenteil, man treffe dort Vorbereitungen für den Empfang des Prinzen. Essad-Pascha begünstige die Kandidatur des Prin- zen und sei Vorsitzender der Vereinigung für die Vorbereitungen zur Ausschmückung des Fürstenpalastes. Hassan erklärt, er sei von Essad-Pgschg abgesandt. uni den Prinzen zu Wied in seinern Namen und im Namen der Stadt zu begrüßen; er werde in einigen Tagen mit einer albanesischen Abordnung abreisen. Hassan hält, es für möglich, daß der Putschversuch in Valona in schweigender Zustimmung Ismail K e in a l s stattgefunden hat, welcher mit Bedauern dem Regierungsantritt des neuen Fürsten entgegensehe. Keinal W c erst infolge der Aussorde- rungen der interngtionalen Kontrollkommission und der Bevölkerung eiugegriffen.
Die Verschärfung des Sicherheitsdienstes in Valona.
v,-b. Mailand, 9. Januar. _ „Carrffra della Sera" meldet aus Brindisi: Die Mannschaft ^ des aus Valona angekom-
menen Dampfers „Adriaico" berichtet über die Verschärfung des dortigen SicherheilsdiLnstes. ^ Gendarmen mit aufgepflanztem Seitengewehr patrouillierten in dem Hafen. Die italienischen und die österreichisch-ungarische« Stationsschifse übten, einen schärferen Überwachungsdienst aus.
Weitere Verhaftungen. — Die Vernehmung der Verschwörer.
wb. Valona, 9. Januar. Eine Anzahl albanischer Notabcln, die verdächtig sind, an der Verschwörung zugunsten Jzget-Paschas teilgenommeu zu haben, wurden hier verhaftet. Das Verhör des Urhebers der Verschwörung Bekir-Bei fand
gestern abend an Gegenwart der Minister der provisorischen Regierung statt. Die gefangenen türkischen Offiziere werden im Laufe des Tages vernommen.
Der Schneesturm.
Drei Ersenbahnzüge im Schnee stecken geblieben, w- Leipzig, 9. Januar. Im Erzgebirge sind heute morgen zwei Züge im Schnee stecken geblieben, der eine zwischen den Stationen Scheidenberg-Elterlein, der andere zwischen Meinersdorf und Thum. ~
w. Plauen i. B., 9. Januar. Heute blieb zwischen Schönberg und Reuth der Personenzug Nr. 214 im Schnee stecken. Er war bis 10 Uhr noch nicht frei, obgleich sofort ein Schneepflug und ein Hilfszug mit Personal nach Werdau abgegangen war. Bei dem starken Sturm verwandelte sich der Liegen und der Schnee sofort in Eis. Die Reisenden wurden noch nachts von einer Lokomotive nach Reuth gebracht
O Greifswald, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.") Die deutsche Seewarte telegraphiert hierher, daß neue Hochwassergefahr droht.
wb- Wladiwostok, 9. Januar. Die Stadt wurde am Weihnachtsfesttag von einem Sturm heimgesucht, der zeitweilig die Stärke eines Orkans annahm. Das Tclephonnetz und die elektrische Beleuchtung wurden beschädigt, die Häuser abgedeckt und die Haustreppen eingerissen. Der Straßenverkehr ist fast völlig eingestellt.
Die Rüstungskommission in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik.
G Berlin, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.") Die Rllstungskommission besuchte heute vor- inittag, wie augeküudigt, die hiesige Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik. Die Besichtigung erfolgte unter der Führung des Geheimen Baurats vr. v. Gontavd; sie nahm etwa zwei Stunden in Anspruch. Im Reichstagsgebäude wurden sodantt am Nachmittag die Beratungen fortgesetzt.
Zur Einberufung des Seniorenkonvents des Reichstags.
O Berlin, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.") Der Seniorenkonvent des Reichstags ist zum 15. Januar einberusen worden, um über die Geschäftslage des Reichstags Vorschläge zu machen. Der Seniorenkonvent soll, wie im Vorjahre, für die gesamte Etatsberatung einen Arbeitsplan aufstellen, unb zwar so, daß eine rechtzeitige Verabschiedung des Etats bis zum 1. April, ermöglicht wird. Die Budgetkommission des Reichstags beginnt die Etatslesung am 14. Januar. Die zweite Lesung des Etats soll im Plenum des Reichstags am Montag, 19. Janimr, ihren Anfang nehmen.
Der Entwurf eines preußischen Wertzuwachssteuergesetzes.
-st- Berlin, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.") Der Entwurf eines preußischen Wertzuwachs- steuergesetzes ist in Vorbereitung und es kann damit gerechnet werden, daß eine dementsprechende Vorlage dem Landtag noch in dieser Session zugehen wirb. Das Gesetz ist eine Folge der Bestimmungen des Reichsgesetzes über Änderungen ’ im Finanzwesen vom 3. Juli 1913. In dem Gesetz wirb bestimmt, daß durch Landesgesetze oder in Gemäßheit des Landesrechts durch ortsstatutarische Vorschriften eine andere Regelung des Wertzuwachses getroffen werden kann.
Keine Demission des Polizeipräsidenten v. Jagow.
~ 9rf e o h \ 9 ‘ Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl. ) Zu der Stellungnahme des Polizeipräsidenten v. ^agow in der Zaberner Affäre will der „Lok.-Anz." zuverlässig erfahren haben, daß die in einern anderen Blatt ausgestellte Behauptung, Herr v. Jagow habe der Form wegen seine Demission eingereicht, diese sei aber abgelehnt ^ worden, jeder Begründung entbehre. Der Polizeipräsident habe überhaupt seine Demission nicht angeboten. Wer Herrn v. Jagows Charakter kennt, fügt das Blatt hinzu, wüßte von vornherein, daß er „der Form wegen" überhaupt nichts tut.
Die diesjährigen Kaisermanöver.
-f-i- Berlin, 9. Januar. Die diesjährigen Kaiser- manöver sind wegen der Erntearbeiten vom 7. bis 11. September auf den 14. bis 18. September verlegt worden. Die Termine der K a i s e r p a r a d e n bleiben unverändert; sie finden für das 7. Korps am 25. August in M ll n st e r und am 29. August in Koblenz statt. Auch bie übrigen Provinzialfestlichkeiten werden von der Manöververlegung nicht berührt.
Die Aufnahme der Thronrede in parlamentarischen Kreisen.
ff -si Berlin, 9. Januar. Die meist von konservativer Serie bediente Korrespondenz „Woth" läßt sich aus parlamentarischen Kreisen schreiben: Die Tatsache, daß der König trotz seiner Anwesenheit in Potsdam dre Thronrede zur Eröffnung des Landtags iiicht persönlich verlesen hat, hat in Abgeordnetenkreisen Befreni- den erregt. Seit dem Bestehen des Landtags ist es das erste Mal, Latz zu Beginn einer neuen Legislaturperiode der Landtag nicht vom König in Person eröffnet wurde. Sessionen der Legislaturperiode sind allerdings schon früher durch den Ministerpräsidenten eröffnet worden. Man nimmt an, daß die Vorgänge im Reichstag int Dezember auf den König verstimmend oingewiistt haben. Der Umstand, daß die Wahlreform in der Thronrede keine Erwähnung findet und daß Störungen int Schlosse deshalb befürchtet worden seien, wird als nicht stichhaltig betrachtet.
Die Frage der Fristverlängerung der Vermögens» erklärung.
ff ff Berlin, 9. Januar. Auf zahlreiche Anfragen teilt der Hansabunü mit, daß in der Angelegenheit der Verlängerung der Frist zur Wgabe der Vermögenserklärung für den Wöhrbeitrag, wie dies von seiten der Llreise des Gewerbestandes, gewünscht wurde, in kürzester Zeit eine Entscheidung git erwarten ist. Der Bund es rat wird sich in diesen Tagen mit der Arigelegenheit beschäftigen
