1
Seite 4. Mend-AnSgabe, 1. Matt. Mesbade«rr TttgttM»
sprechende Hund, produziert sich nach bestem Können. Den Schlußakt stellen E. u. T. May, die am dreifachen Reck ihre Gewandtheit beweisen.
— Deutscher Abend. Wie alljährlich, so veranstaltet auch diesmal die hiesige Männer-Ortsgruppe des „Vereins für das Deutschtum im Ausland (Mg. deutscher Schulverein)" zur Erinnerung an die Reichsgründung 1871 einen „Deutschen Abend". Er findet am Mittwoch, den 14. Januar, 8)4 Uhr, nt der Turnhalle des „Turnvereins", Hellmundstraße 25, statt. Herr Or. Fuß, der frühere Oberbürgermeister von Kiel, wird die Festrede halten, Vorträge des oberelsässischen Dialektdich- lers Karl Zumstein sowie turnerische und musikalische Darbietungen werden den Abend abwechselungsreich gestalten. Möge die lebhafte Anteilnahme, die unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen den Bestrebungen des Vereins entgegenbringen, sich auch bei dieser Gelegenheit zeigen; jedermann, der vaterländisch gesinnt ist, ist willkommen. Eintrittsgeld luirb nicht erhoben.
— Neue Kurse in der Gewerbeschule. Am Mittwoch, den 7. Januar, hat ein Werkstättenkursus für Gas- und Wasserinstallateure begonnen, der einem langgehegten Wunsche Rechnung trägt. — Am kommenden Donnerstag, den 15. Januar, abends 8 Uhr, beginnt sodann ein Fachkursus für Automobil- reparatuven, der für alle am Automobilbau interessierten Handwerkszweige bestimmt ist.
— Die Viehseuchen in Hessen-Nassau. Der Nachweisung über den Stand der Viehseuchen am 81. Dezember ist zu entnehmen, daß die Maul- und Klauenseuche im Regierungsbezirk Kassel in einer Gemeinde in fünf Gehöften neu fest- gestellt wurde. Die Schweineseuche herrscht dagegen in 106 Gehöften, welche sich auf 72 Gemeinden m 15 Kreisen verteilen. Was den Regierungsbezirk Wiesbaden anbetrifft, so ist nirgends Maul- und Klauenseuche vorhanden, die Schweineseuche herrscht dagegen in 64 Gehöften, welche sich aus 44 Gemeinden in 12 Kreisen verteilen.
— Personal-Nachrichten. Zu Postanwärtern sind angenommen : B o n h a g e n, früher Feldwebel in Diez, Dingel- dey, Vizewachtmeister, in Montabaur, Grimm LI. Ob erbau teiller, fn Dillenbnvg. Postanwärter Weitzel in Höchst und Postgehikfe Hellbach in Oberursel haben die Post - assistentenprüfuna bestanden. Telegraphensekretär Schaffer ist von Wiesbaden nach Wetzlar versetzt. Postfekretär struve in Wehen tritt in den Ruhestand (künftiger Wohnort Wies- baden). Die TelegraphengeWfin Frl. Ruppel ,n Wiesbaden ist freiwillig ausgeschieden.
— Kurhaus. Die Kurverwaltung nmcht darauf aufmerk- sanr, daß mit Beendigung der Tanzvorführungen morgen abend beim Verlassen eines Galerievlatzes die Berechtigung auf den vorher innegehabten Platz erlischt. Als Anzug für Ballbe- sucher ist für das Parkett des «aales für Damen Gesellschafts- toilette ohne Hut. für Herren Frack oder Smoking vorge- schrieben, während für Galeriebesucher der Anzug beliebig fein kann.
— Kleine Notizen. Die in Nr. d des „Tagblatts" unter der Svitzmarke „ImmobilienVersteigerungen" gebrachte Notiz von der Versteigerung des Hauses Rheinstraße 62 ist dahin git ergänzen, daß neben der eigenen Hypothek noch 2700 M. rückständige Zinsen und Kosten bestehen. — Heute sind es 10 Jahre, seit Frl. Käthe W i r t h als Mitarbeiterin im Hause Guggenheim u. Marx am Schlotzplah tätig ist. —
vorberichte über Kunft, Vorträge und Verwandtes.
° * Bortrag. Für die „Jngendverernigung der
städtischen Fortbildungsschulen" halt am Sonntag abends 8 Uhr Mittelschullehrer Kroller nt Ä£r Aula der Gewerbeschule einen Vortrag über: „Freiherr vom und zu Stein". Gäste sind willkommen.
Bus dem Landkreis Wiesbaden.
-- Wicker, ,8. Januar. Gegen den hiesigen Bäcker Fr. V. ist ein Verfahren wegen Vergehens gegen § 176,3 ein» gleitet. Es haben bereits Vernehmungen iw dteser Angelegenheit vor dem Amtsgericht in Lochheim stattgefunden.
Naffauische Nachrichten.
Landesverband deutsch-evangelischer Jugendvereinc.
8. Limburg, 8. Januar. Gestern tagte tut hiesigen „Evangelischen Gemeindehaus" die Hauptversammlung des Landesverbands deutsch-evangelischer I u g e n d v e r e i n e Nassaus. Der Vorsitzende, Pfarrer Anthes aus Bärstadt, erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß dieser Zweig moderner Jugendpflege sich in erfreulichem Wachstum befindet, einstweilen besonders in der Lahngegend. Das Programm: „der Bund redet nicht viel von Religion, aber er will echte Frömmigkeit bringen: dienende Liebe und redliches Gottvertrauen und harten, tapferen Mut gegen alles Gemeine" übt seine Anziehungskraft aus. Die geplante Vereinigung mit den Jugendgruppen des Mittelrheinischen Verbands evangelischer Arbeitervereine, der durch seinen Vorsitzenden Pfarrer S ch m i t t (Höchst a. M.) vertreten war, wurde noch einmal vertagt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Landgerichtsrat de Niem (Limburg) und Pfarrer Rumpf (Langenschwalbach) wurden wiedergewählt.
Die Bluttat in Eisenbach,
" Eisenbach. 9. Januar. Heute fand die Sektiort der Leiche des getöteten Peter Seck 4r von hier statt. Zu derselben waren die Witwe und der Sohn desselben zugezogen. Letzterer als der Tat verdächtig, wurde aus dem Gefängnis iit Camberg vorgeführt und angestLts der Leiche legte er das G e st ä n d n i s ab, mehrmals auf den Vater geschossen und ihn getötet zu haben. Die Mutter bestatt,gte hierauf die Angaben ihres Sohnes. ..
k. Höchst a. Bi.. 8. Januar. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurden die nLugewählteit Mitglieder durch den Vorsitzenden Or. Beil verpflichtet und ein- geführr. Für den verstorbenen Herrn Droser wurde Stadtverordneter Ferdinand Schrodt mit 19 gegen 10 Stimmen, die Stadtveordneter Rötger erhielt, zum unbesoldeten Stadtrat gewählt Neugewählt wurden in den Finanzausschuß die Herreit Appel und Hofmann und in den Ovgantsationsaius- schuß HerrSevecke. Der Firma Eckstein u. Sohn in Frankfurt wird für 8 Jahre gegen eine jährliche Gebühr von ggy M. das Monopol für das öffentliche Anschlagswesen erteilt. Auf Anfrage erklärt Bürgermeister Dr. Janke. daß das neue Empfangsgebaude am Bahnhof am 1. Juli d. eröffnet werden soll.
h Diez, 8. Januar. Der seit dem 1. Dezember v. I, kei dem Königl. Wasserbauamt Diez als Registrator rn Stellung befindliche Gustav. Sandow von Michelbach wird seit 1 Januar vermißt. Am 31. Dezember erhielt er seinen Lob,', etwa 48 M., und fuhr nach Hause. Am 1. Januar fuhr er morgens, ohne den Verdienst abgeliefert zu haben, angeblich nach Diez zum Waperbauamt. Hier ist er aber nicht einge- hoffen und seit dieser Zeit verschwunden.
o. Oberlahnstein, 8. Januar. Der hiesige Wertums- verein ist mit Unterstützung aus städtischen und Kreismitteln zu einem Musen msneubau geschritten. der bereits an - läßlich des 30jährigen Jubiläums des Altertumsveretiis im Mai dieses Jahres bezogen werden soll. Natürlich handelt es sich hier um ein Museum von ziemlich bescheidenem Umfang.
Nus ösr Umgebung.
D«s neue Frankfurter Polizeipräsidium, ln. Frankfurt -. M., 8. Januar. Nach nahezu vierjähriger Bauzeit ist Las neue Polizeipräsidium so weit vollendet, daß cs im Laufe dieses Sommers bezogen werden kann. Der an dem Hohenzollernplatz belegene Monumentalbau wird das größte Bauwerk Frankfurts sein. Er enthält allein 900 Zimmer für Bureauzwecke, dazu kommen Wohnungen, Haftzellen, zwei große Sitzungssäle, ferner drei mächtige Lichthöfe und viele Nebenräume mancherlei Art. Der gewaltige, 106 Meter lange und 90 Meter tiefe Bau wird von einem 46 Meter hohen Dachreiter gekrönt.
Der Prozeß gegen Oberst V. Reuter.
(Sin Schlußwort des Hauptaugeklagte».
= Straßburg, 8. Januar. Den Ausführungen des Anklagevertreters uiid des Verteidigers folgte ein kurzes Schlußwort des Angeklagten, Obersten v. Reuter. Er führte aus: Zunächst möchte ich nochmals sagen, daß ich das volle Bewußtsein habe, daß meine Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften geschlossen hinter mir stehen. Ich wiederhole, was ich am Anfang gesagt habe, daß das, was meine Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften getan haben, auf meinen Befehl getan wurde. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung auch jetzt noch am Ende dieser Verhandlung. Ich habe auch heute noch die volle Überzeugung, daß ich g e z io u n g c n war, so zu handeln, nachdem ich mir meine Bestimmungen genau angesehen und es dann als notwendig betrachtet habe, so zu handeln. Ich glaube dabei im Einklang gewesen zu sein mit meinen Vorschriften. Ich habe unter der Notwendigkeit, allerdings unter einer bitteren Notwendigkeit gehandelt und habe so gehmidelt, wie ich es vor Gott und meinem Kaiser und König zu verantworten gedenke. Auch die F e st n a h m e der Leute war meiner festen Überzeugung nach durchaus notwendig. Ich glaube, daß ich auch menschlich richtig gehandelt habe; denn ich bin überzeugt, hätte ich die Leute herausgelassen, so wäre es unbedingt an jenem Tage noch zu nächtlichen Zusammenstößen gekommen, bei denen Blut geflossen wäre. Durch diese Zurückhaltung im Keller habe ich bei der Zivilverwaltung und bei der Bevölkerung die Überzeugung erweckt, daß es bitterer E r n st geworden war, und deshalb sind dann auch wohl weitere und stärkere Ruhestörungen in den folgenden Tagen unterblieben. Ich bin fest überzeugt, nur meine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben.
GerichtZsaal.
y. Das Urteil zur Revolverschießerci in der Mainzer Ober- realschnlc. M a i n z, 9. Januar. Der 16 Jahre alte Schüler Johann Kaufmann von hier, der am 18. November in der Oberrealschule auf seinen Lehrer einen Revolverschutz abgegeben hatte, hatte sich heute vor der Mainzer Strafkammer wegen Mordversuchs zu verantworten. Det Angeklagte bestritt energisch, die Absicht gehabt zu haben, den Lehrer zu erschießen, er wollte vielmehr sich selbst erschießen. Die Strafkammer sprach den Angeklagten wegen Mordversuchs frei, verurteilte ihn aber wegen verbotenen Schießens mit einer Woche Gefängnis.
wb. Verurteilte Taschendiebe. Frankfurt a. M., 9 Januar. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Lftahvigen Kürschner Wilhelm Schön Herz zu 2 Jahren Zuchthaus und den löjährigen Abraham Kur eck Es Rußland zu einer Gefängnisstrafe von 1% Jahren Die Verurteilten hatten besonders im Frankfurter Hauptbahnhof Daschendtebstahle aus- gesührt. Ihre Verhaftung erfolgte im O-Zug München-Köln auf der Strecke nach Mainz.
wb Zum Schismatiker-Prozeß. Budapest. 9. Januar. DaS Gesuch des Verteidigers im Schismatiker-Prozeß, dem russischen Grasen Brobi ns ki freies Geleit zu gewähren, wurde vom Justizminister mit der Begründung abgelehnt. daß er nicht in der Lage sei, angesichts der, jetzigen Sachlage tm Prozeß dem ©trafen freies Geleit znziusichern.
wb. Das Unglück der Tuncan. Paris. 9. Januar.
Gestern fand vor der hiesigen Straskaimmer die Verhandlung «egen den Chauffeur der Isidora Duitcan, Dorverand. statt, durch dessen Verschulden am 18. April v. I. die Leiden Kinder der Dunocrn und deren Gouvernante den. Tod rn den Wellen der Seine fanden. Dorverand, wurde wegen fahrlässiger Tötung zu 6 Monaten Gefängnis und 200 Fr. Geldstrafe verurteilt.
Neues aus aller WM.
Die Beerdigung der Opfer dcr Eisenbnhnkntaftrophc von Woippy. Barmen, 9. Januar, Gestern fand unter großer Beteiligung der Bürgerschaft die Beerdigung der bei dem Eisenbahnunglück zu Woippy bei Metz ums Leben gekommenen drei Barmer Musketiere statt. Unter den Kränzen befanden sich auch solche, die vom Kaiser, vom Kronprinzen und vom Prinzen Joachim gestiftet worden t« .
Im Schlafe vom Feuer überrascht.^ Oberneubrunn (Thüringen). 9. Januar. Hier ist «&> Hohmannsche Säge- Merk niedergiebrannt. Drei der tn bent ©ebäube wohnenden Arbeiter wurden von dem Feuer im Schlafe überrascht und sprangen aus dem Fenster. Sie erlitten schwere Verletzungen.
Für 50 000 M. Uhren und Schmucksacheu gestohlen. Berlin. 8. Januar. Dieben, die das Geschäft des Uhrmachers Gilbert in der Schönhauser Allee 126 a heimsuchten, fielen Uhren. Ketten. Ringe und andere Schmucksachen im Gesamtwert von etwa 60 000 M. zur Beute. Bisher konnten die Täter noch nicht ermittelt werden. Die Inhaberin, eine Witwe, erleidet, da sie nicht versichert ist. emen empfindlichen Schaden.
Beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Beuthen. 8. Jan. Sin schwerer Unfall ereignete sich E dem Teich des in der Nähe der Stadt befindlichen Versuchsschachtes. Als sich.eine Anzahl Schulkinder mit Schlittschuhlausen auf ihm vergnügte, brach Plötzlich die dünne Eisdecke und mehrere Kinder stürzten ins Wasser. Ein 12jähriger Knabe ertrank, während die anderen gerettet werden konnten. , , „
Eine Touristengescllschast halb tot aufqefunden. Genf, g. Januar. Eine aus sechs Personen bestehende Touristen- gesellschast. die bei schlechtem Wetter auf Schneeschuhen die Besteigung der Dole unternommen batte, kehrte nicht wieder zurück. Zwei HÄfskolonnen wurden ausgeschickt. kam
aber nur eine zurück, ohne die verunglückten Bergsteiger gefunden zu haben, die andere mußte infolge heftigen Schnee- sturmes eine Schutzhütte aufsuchen. Das Rettungswerk wurde gestern fortgesetzt. Sämtliche Touristen wurden am nördlichsten Punkte der Dole in einer selbst erbauten Schneehütte halb tot aufgefunden. Man hofft, sie am Leben erhalten.
Ein BrandurrMck in einer Wiener Filmfabrik. Wien, 8. Januar. Ein furchtbares Bvandungluck hat sich heute vormittag hier ereignet. In der Filmfabrik von. Gaumont. die sich im Zwischenstack eines Hauses in der Mariahilfer Straße befindet, entstand durch die Unvorsichtigkeit einer Arbeiterin, die Filme mit Benzin reinigte, eine Explosion, wodurch der
Freitag, v. Jmmar 1914. Nr. 11-
Plafond des ersten Stockes zum Einsturz gebracht wurde. Zwei
Beamtinnen der im ersten Stockwerk besind-lichen Versicherungsgesellschaft Austria, deren Kleider durch die Stichstarnmeii Feuer fingen, wurden sofort getötet. Sie sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Zwei weitere Personen wurden schwer, mehrere andere leicht verletzt. Eine Person wird noch vermißt. Das Feuer selbst konnte nach zwei Stunden angestrengtester Tätigkeit gelöscht werden. Das Cafe Westminster ist durch die Lüschaktion vollständig überschwemmt ivorden.
Tic Flucht vor der Schwiegermutter. London. 9. Jan. Gestern abend wurde auf den Puffern des letzten Wagens des Expreßznges London-Liverpool bei der Station,Nottingham eilt Mann namens Noppen halb erstarrt aufgefunden. Er hatte eine Strecke von 1500 Kilometer zurückgelegt auf dem Puffer, den Rücken dem Wagen zugekehrt. Mit einer Hand hatte er sich an eine Eisenstange angeklammert. Er war halb- starr und konnte erst nach langen Bemühungen ms Lebeti zurückgerufen werden. Auf die Frage, was ihn dazu bewogen hätte, eine solche Fahrt zu machen, erwiderte er, daß er die Absicht gehabt habe, seiner Schwiegermutter soweit als möglich zu entgehen. ,
Letzte DrahLberichle.
Der Kbschiedsbefehl des Kronprinzen an die ersten Leibhusaren.
Hp Berlin, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.".s Die „Tägl. Rundschau" veröffentlicht heute den Regimentsbefehl, den der Kronprinz bei dem Abschied vom ersten Leibhusaren-Regiment an dieses gerichtet hat. Das interessante Dokument hat folgenden Wortlaut: „Husaren meines Regiments! Über zwei Jahre habe ich mit Euch denselben > Rock getragen und derselben Standarte treue Gefolgschaft gehalten wie Ihr. Seine Majestät der Kaiser und König hat mir ein nettes militärisches Arbeitsfeld zugewiesen, und so habe ich zu gehorchen. Es wird mir verflucht schwer, und das Herz will mir brechen, daß ich nun nicht mehr an Eurer Spitze durchs Leben reiten soll. Das werdet auch Ihr zu dieser Stunde fühlen, dessen bin ich sicher. Die beiden glücklichsten Jahre meines Lebens habe ich in Euren Reihen verbracht, meine Jugend trage ich heute zu Grabe. Wohl kann man mich von Euch trennen, aber mein Herz und mein Geist bleiben unter Euch. Wenn einmal der Kriegsruf und das Signal „Marsch, Marsch" wird geblasen, so denkt, daß ich den sehnlichsten Wunsch habe, diesen Augenblick des höchsten Soldateiiglücks aii Eurer Seite mit- erlebeu zu dürfen. Das feste und innige Band aber, das Euch, meine Kinder vom Regiment, mit mir unlöslich verquickt, wird erst dann zerrissen werden, wenn auch für mich die Stunde des Abmarsches zur höchsten Armee dort droben geschlagen haben loird. Mein altes, heißgeliebtes Regiment Hurra! Gez. Wilhelm, Kronprinz."
Ein anerkennendes Telegramm des Kaisers an de» Kronprinzen.
# Berlin, 9. Januar. (Eig. Drahtber. d. „Wiesb. Tagbl.") Ferner veröffentlicht die „Tägl. Rundsch." den Wortlaut eines Telegramms, das der Kaiser aus demselben Anlaß an den Kronprinzen gerichtet hat. Das Telegramm lautet: „Es ist
mir ein Bedürfnis und eine Genugtuung, dir am heutigen Tage, an dem du schiversten Herzens von dem geliebten ersten Leibhusaren-Regiment Abschied nimmst, meine Anerkennung und meinen Dank auszusprechen für das, was du an der Spitze dieses Regiments geleistet hast. Das Ilegiment wird alle Zeit stolz darauf sein, daß es in dir seinen Kommandeur verehren durfte. Möge der Reitergeist, den du gepflegt und gehegt hast, in dem Regiment weiterleben und dein Beispiel stets Nachahmung finden. Wilhelm I. K."
Die Gründe der Versetzung des Kronprinzen.
-st Berlin» 9. Januar. (Eig. Drahtber. ü. „Wiesb. Tagbl.") Über die Gründe für die Versetzung des Kronprinzen will die „Tägl. Rundschau" folgendes erfahren haben: Es sei an Allerhöchster Stelle nicht unbekannt geblieben, daß die direkten militärischen Vorgesetzten des Kronprinzen sich in ihrer ^ Stellung wenig behaglich fühlten, weil es ihnen nicht leicht wurde, ihre Aufgaben dem Kronprinzen gegen- ! über zu löseir. Jir Langfuhr und Danzig sei es in den letzten Monaten offenes Geheimnis gewesen, daß die Beziehungen des Kronprinzen zu den beiden Generalen rein dienstliche Formen angenommen > hätten. Die plötzliche Versetzung des Kronprinzen ! dürfte daher diesen Herren nicht ungelegen gekommen sein. Eingeweihte wollen wissen, daß der kommandierende General v. Mackensen etwa 14 Tage vor der Versetzung des Kronprinzen nach Berlin gereist und vom Kaiser in Audienz empfangen worden sei ^ Tatsächlich habe sich der Kronprinz im Kreise seines Offizierkorps geäußert, daß feine plötzliche Versetzung wach Berlin auf den Einfluß einiger Personen in der Ilmgebung des Kaisers zurückzuführen sei.
Braitnschweigischcr Staatsminister v. Hartwieg f. wb. Braunschweig, 9. Januar. Staatsministei v. Hartwieg ist in der vergangenen Nacht gestorben.
Staatsminister Hartwieg ist am 19. Januar 1849 alz Sohn eines Arztes in Lutter a. Bö. geboren. 1873 wurde ei Polizeiässessor und trat in demselben Jahre als Bürger, nteister von Helmstedt in den Kommunaldienst. In diese» Amte verblieb er fünf Jahre und trat am 29. April 1879 tu ben Staatsdienst als Regiernngsrat in den Dienst de? braunschweigischen Staates zurück. Bald darauf erfolgt, ^ feine Ernennung zum Ministerialsekretär, und am 8. Mai 1888, am Geburtstage des damaligen Regenten Prinze, , Albrecht von Preußen, wurde er zum außerordentlichen Mid . y oltebe deS herzoglichen Staatsministeriums, an 1. April 1889 zum Wirk!. Geh. Rat und Mitglied de! Staatsministeriums ernannt. Am 8. Mai 1898 verlieh ihn Prinz Albrecht den Titel „Exzellenz". Die „Braunschw Landes-Ztg." schrieb am 8. Mai 1913 über,Hartwieg u. a.: „Das parlamentarische Verhalten des Ministers hat deutlist > bewiesen, daß er sich Gerechtigkeit und Billigkeil zu seinen Leitsternen erkoren, und daß er das ehrliche Be> mühen hatte, in Frieden und Eintracht mit der Bewohne« schaft anszukammen. Schikanöse Praktiken, Polizeivexatione» mib kleinliche Plackereien, wie sie in unserem großen Nach barstaate die Pultkamersche Überlieferung gegen den Liberalismus anzuwenden liebte, sind in unserem Lande unbekannl , geblieben." So das Braunschweiger Blatt. Der Verstorben, war seit Jahren schon schwer leidend und hat mehrere Qpera- tionen durchgemacht, die auf Tod und Leben gingen. Mar hat sich gewundert, mit wieviel verhältnismäßiger Frische sei«
