S-tte 4, Msrgen-AusgaSe, 1. Blatt. W?SSZmdener TtttzKlM. Donnerstag, ro. Januar 1814. Nr. 11.
Aus allen diesen Mitteilungen leuchtet es jedenfalls hervor, daß die russische Regierung gegenüber der jetzigen Duma in arger Verlegenheit sich befindet und mit ihr nichts anzufangen weih.
Ein allrussischer Bolksbildungskongreß. Petersburg, 6. Januar. Vom 5. bis 16. Januar (n. St.) findet in Petersburg der erste allrussische Kongreß statt, der sich mit Fragen der Volksbildung befassen wird. Da werden aus allen Teilen des großen russischen Reichs Tausende von Volkslehrern zusammenkommen, um ihre Probleme zu erörtern. Indes schon betrachten ihn die Behörden und noch mehr die reaktionären Kreise mit solch scheelen Blicken, daß dieser Kongreß entweder seiner Aufgabe nicht gerecht werden oder der vorzeitigen Schließung verfallen wird. Ist es doch bislang noch fast immer das Schicksal jedes Kongresses in Rußland gewesen, der dem Fortschritt dienen sollte.
Die Gärung in Sibirien. T s ch i t a, 6. Januar. Die revolutionäre Gärung in Weststbirien und anüeren Landstrichen Sibiriens hat einen sehr ernsten Charakter angenommen. In Tschita wurde Militär konsigniert. Fast allnächtlich finden Haussuchungen statt und zahlreiche Verhaftungen werden vorgenommen. Bisher dürften etwa 200 Personen verhaftet worden sein. Die Leitung der Bewegung erfolgt, wie die Behörden bereits festgestellt haben, von den russischen Revolutionszentren aus.
Bulgarien.
Die Mißstimmung über die Anwendung des Bandenge- sttzcS durch Griechenland. HZ. Sofia, 6. Januar. Die Meldung aus Athen, daß die griechische Regierung die angebliche Anwesenheit bulgarischer Freischärler an der griechisch» bulgarischen Grenze zum Vorwand für ihren Entschluß genommen habe, in Mazedonien das neue Bandengesetz sofort anzuwenden, erzeugt in allen Kreisen um so tiefere Erregung., als man weiß, daß diese Maßnahme einzig und allein auf die Vernichtung des bulgarischen Elements abzielt. Damit fallen die letzten Bedenken. Jedermann verlangt jetzt Repressalien.
Marokko.
Der kampflustige Raisuli. Gibraltar, 7. Januar. Hier vorliegenden Privatnachrichten zufolge, die aus der spanischen Einflußzone in Marokko hier eingetroffen sind, hält man einen Angriff des einflußreichen marokkanischen Stammeshäuptlings Raisuli auf die Spanier im Riffgebiet allgemein für bevorstehend. Man glaubt, daß die kommenden Unruhen den Spaniern außergewöhnlich schwere Opfer auferlegen werden. Raisuli verfügt nach den letzten Meldungen über mehr als 10 000 modern bewaffneter, ihm blind ergebener Truppen, die sich den Spaniern selbst in offener Schlacht zu stellen in der Lage sein werden. Raisuli hat bereits vor längerer Zeit die deutsche Schutzgenossenschast nachgesucht, die ihm die deutsche Regierung jedoch verweigert:, da seine fortgesetzten Reibungen mit den spanischen Behörden immer noch nicht zu einer Verständigung geführt haben. In der hiesigen englischen Kolonie ist man seit längerer Zeit davon unterrichtet, daß das System, das die Spanier in ihren Prefidios gegen die Marokkaner ausüben, über kurz oder lang zu einem allgemeinen Aufstand führen müssen. Die spanischen Behörden haben von jeher eine Vertuschungspolitik getrieben, um die Lage im Mutterland nicht so schlecht erscheinen zu lassen, wie sie in de: Tat ist.
Bus Stadt und tanh.
Wiesbadener Nachrichten.
Dis ersten Hausnummern in Wiesbaden.
Berlin als Schöpferin der ersten Hausnummern. Eine Notiz dieses Inhalts durchlief vor mehreren Wochen die Presse. Darnach ist im Jahre 1797 in Berlin zuerst der Gedanke durchgesührt worden, die Häuser mit Nummern zu versehen, Wien ist dem Beispiel 1803 und Paris 1805 gefolgt. Dies veranlaßte den Verfasser dieser Zeilen, einmal dem Ursprung auch der Wiesbadener Hausnummern nachzugehen, und siehe da: in demselben Jahre 1797 findet sich diese heute unentbehrliche Einrichtung auch bereits in unserer Stadt. In der damals wöchentlich veröffentlichten Fremdenliste vom 3 Juli 1797 sind alle Gast- und Badehäuser mit den zugehörigen Hausnummern versehen. Da heißt es zum Beispiel: „Nr. 206 im Adler", „Nr. 264 in der Blum", „Nr. 267 im Rindsfuß", „Nr. 85 im blauen Trauben", „Nr. 216 in der Stadt Mainz" usw. Wiesbaden wäre also im Interesse des Fremdenverkehrs mit der Neuerung Berlin auf dem Fuße gefolgt. Der Lauf der Hausnummern läßt sich in dem Spielmannschen Werkchen „Wiesbaden und seine Bewohner zu Anfang des 19. Jahrhunderts" genau verfolgen. Darnach finden wir in den Jahren 4802 und 1809 innerhalb der Stadtmauern 403 numerierte Wohngebäude. Die Nummer 1 trug das Mainzer Tor in der unteren Marktstraße, die letzte Nummer 403 das Haus des Krämers Schilgen, heute Metzger- gaise 1. Auch die Tore trugen, da sie alle bewohnt waren, Hausnummern: Nr. 14 Neutor, Nr. 187 Stumpfes Tor. Nr. 194 Heidnisches Tor, Nr. 320 Sonnenberger Tor. Die Nummern zogen vom Sonnenberger Tor durch Hafner-, Mühl-, Gold- und Metzaergasse und endeten im Zentrum der Stadt. Länger als ein Menschenalter hielt man zähe an dieser Art von Numerierung fest, so daß die inzwischen entstandenen Häch'er der Friedrich-, Luisen-, Wilhelm-, Taunus-, Nero- und Schwalbacher Straße ganz ohne Nummern blieben. Man bzhalf sich in den neuen Straßen, indem man die Häuser nach ihren Besitzern nannte, so sagte man zum Beispiel „Mockscbes Haus" in der Wilhelmstraße. Ebenso verfuhr man bei Bwauung von Lücken in der Altstadt: „Kalbsches Hans" auf dem Schlotzterrain. Dieser Name ist heute noch gang und gäbe. Endlich, am Schluß des Jahres 1831 — die Mauern und Tore der Stadt waren längst gefallen und die Zahl der Häuser ohne Nummern hatte die der numerierten nahezu erreicht —, entschloß man sich zu einer Änderung. Man teilte nun die ganze Stadt in zwei Teile, welche man Litera A und Litera B nannte. Jeder Teil war für sich numeriert, die Grenze zwischen beiden bildeten Burgstraße. Markt, Obere Marktstraße, Michelsberg. Der südwestliche Teil, einschließlich der genannten Straßen, hieß Stadtteil Litera A, der nordöstliche Stadtteil Litera 2. Litera A 1 begann am Museum, zog die Wilhelmstraße aufwärts, um in die Burg- strahe einzubiegen. Litera 8 1 begann am heutigen „Berliner Hof", zog die obere Wilhelmstrahe herab über den Theaterplatz. durch die untere Webergasse usw. Hand in Hand mit der Nennumerierung teilte man beide Stadtteile zum Zweck einer geordneten Armenpflege in je sechs Viertel ein, deren Obmänner den hochtönenden Titel „Stadtvorsteher" bekamen. Unterm 27. Januar 1832 wurden dann diele Neueinrichtungen
im „Wiesbadener Wochenblatt" in einer Tabelle bekannt gemacht, aus der sich ergibt, daß die Stadt damals, ohne Claren- thal und ohne Militär, 8824 Einwohner zählte, die in 756 Gebäuden wohnten. Im großen und ganzen finden wir die Numerierung aus 1831 auch in den 1841 und 1842 erschienenen Steinschen Adreßbüchern. Nur fällt hier die Änderung auf, daß die außer der Stadt liegenden Mühlen und Landhäuser für sich numeriert sind, also nicht mehr einem der Teile Litera A ober B angehören. So trägt die vor dem Stumpfen Tor oelegene erste Mühle (Erkel) die Nummer 1 und das Besitztum des Freiherrn v. Malapert an der Ecke der Platter Straße die Nummer 40. Diese zu Mißverständnissen führende Verschiedenartigkeit der Numerierung konnte sich unmöglich einbürgern, sie verschwand bereits nach dem Jahre 1843, um durch die Numerierung der einzelnen Straßen ersetzt zu werden. Diese geschah zunächst nicht in der jetzt üblichen Art; man gab den Häusern auf der einen Straßenseite fortlaufende Nummern und sprang dann am Ende der Straße auf die andere Seite über. Anfangs- und Endnummern einer ausge- banten Straße lagen sich also stets gegenüber. In dem 1853 erschienenen Haasschen Adreßbuch beginnen beispielsweise die Nummern der Marktstraße an dem Kaufmann Wolfschen Hause Nr. 1. Ecke der Langgasse, und enden gegenüber am Hause der Witwe Dotzheimer (jetzt Poulet), das die Nummer 49 führte. Bei nicht ausgebauten Straßen führte dieser Gebrauch wieder zu dem Mißstand, daß die mit dem Fortschreiten des Bauens entstehenden Häuser nicht angereiht werden konnten, also wieder ohne Nummern blieben. Eine endgültige Änderung brachte das Jahr 1862, in welchem die heute noch übliche Art der Numerierung mit den ungeraden Ziffern auf der rechten und den geraden auf der linken Straßenseite angeordnet wurde. A. H. M.
— Todesfall. Der bei der Eisenbahndirektion in Mainz beschäftigte Architekt Louis Panthel von hier, Sohn des früheren Schlossermeisters Gustav Panthel, ist vorgestern während des Dienstes von einem Gehirnschlag betroffen worden und gestern verschieden. Er hat insbesondere bei den Bahn- Hofs-Äeubauten Worms, Wiesbaden, Kreuznach und Darmstadt mitgewirkt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde rhm anläßlich der Einweihung des Darmftädter Bahnhofs das Ritterkreuz 2. Klaffe des Großherzogl. Hess. Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
— Bezirksausschuß. Der Landwirt Franz Joseph Hett in Bad Homburg ist unzufrieden mit seiner Heranziehung zur Wertzuwachssteuer, weil der Erwerbspreis zu niedrig angesetzt sei. Aus Grund von Sachverständigengutachten wurde seine Klage abgewiesen. — Der Restaurateur Karl L a g n e a u in Dornholzhausen betreibt am Ausgang des Ortes nach der Saalburg zu in Stellvertretung eines anderen eine Gastwirtschaft. Sein Ruf ist nicht einwandsfrei. Als er daher unlängst um die Übertragung der Konzession auf seinen eigenen Namen einkam, wurde dem Gesuch nicht entsprochen. Der Kreisausschuß hat aus demselben Grunde gegen ihn entschieden, und dasselbe tat auf seine Berufung der Bezirksausschuß.
— Gegen die Spirituosenversteigerungen. In der letzten Versammlung des „Vereins der Handelsagenten" wurden u. a. auch die im Herbst und bei Herannahen der Weihnachtsund Verbrauchszeit stattfindenden Spirituosenversteigerungen besprochen und hierbei darauf..hingewiesen, daß die mit Spirituosen handelnden Kaufleute außer der laufenden noch eine einmalige sehr hohe Konzessionssteuer bezahlen müssen und daß dieselben durch solche Versteigerungen aufs schwerste geschädigt werden. Der Verbrauch ist infolge der durch die wesentlich erhöhte Branntweinsteuer sehr gestiegenen Verkaufspreise ohnehin so enorm zurückgegangein daß viele Kaufleute kaum die auf dem Kleinverkauf ruhende Steuer erschwingen. In Berücksichtigung dieser Momente und der höchst schwierigen Lage, in welcher sich heute der Kleinkausmann befindet, beschloß der Verein, Schritte zu tun, welche dahingehen, daß fernerhin Spirituosenversteigerungen von Leuten, welche ohne Konzession find, überhaupt nicht mehr aenehmiat werden sollen. "
— Personal-Nachrichten. Den Herren Beigeordneten B o r g m a n n, Professor Dr. Hackenbruch. Sanitätsrat Dr. Mayer und Dr. Zais wurde von dem Sultan der Medjidie-Orden 3. Klaffe verliehen.
— Kleine Notizen. Auf den heute abend im großen Saal der „Wartburg" auf Veranlassung des „Haus- und Grundbesitzervereins" stattfindenden Vortrag des Justigrats Dr. Jünger über das W e h r b e i t r a g s g e s e tz unter besonderer Berücksichtigung der Vorschriften für die Haus- und Grundbesitzer sei noch einmal aufmerksam gemacht. Auch Nickitvereinsmitglieder haben Zutritt.
vorberiHte Wer Kunft, Vorträge und Verwandtes.
* Vorträge. Am 12, 13. und 14. Januar wird der Jesuitenpater C o y a. n s z im Zweigverein Wiesbaden des „Katholischen Lehrervereins drei Bort äge halten. Er gedenkt im Saale
Lwevereins zu sprechen über: „ErziehungsprMem in christlicher und nichtchristliche- Beleuchtung". Dre einzelnen Vorträge behandeln: „Gegenstand der ÄÄiehung", „Ideal der Erzrehung und „Faktoren der Erziehung .
Professor Marcel! Salzer wird am Sonntag im Kasino- saal lustige Dichtungen von Busch. Gremz. Gunrppenbera Hart leben Kegeler, Liliencron Moszkowskr, Fritz MMer^Ottö Neitzel. Nestroy. Rosegger. Salten. Salzer. Thän« „vor-
Am nächsten Mittwoch, abends 6 Uhr, findet im Nbein- Hecke!" der fünfte diesjährige Abend des „V e r e i n"s f ü r Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung statt. Lehrer Stückvath aus Biebrich der sich durch seme volksLindlichen Forschungen hervorgetan 'hat wird über nayauNiye Vierzeiler sprecheii '
«US osm veremsreven. vorberichte, Vereinsversammiungen.
* ? ur Öffnung der diesjährigen Karnevalsaison veranstaltet der „Wiesbadener Karnevalverein Narr- tzalla m der närrisch dekorierten „Turnhalle" Lellmund>- stvaße 2o Sonntag, den 11. Januar, ein Karnevalskonzert mit Tanz und humoristisch-karnevalistischen Vorlrägen, unter Mitwirkung von Kg nevaltsten und Büttenrednern. Die Munk stellt der Wiesbadener Musikverein, die Tanzlesiuug besorgt
Tanzlehrer Jung
vereknsfeste. (Aufnahme frei bis zu so Zeilen.)
* Der „Wiesbadener Fechtklub C. B." feierte am Neuiahrstage in den Räumen des Hotels „Bellevue" in Biebrich bei zahlreichem Besuche sein 34. Stiftungsfest. Für abwechslungsreiche Unterhaltung sorgten die zahlreichen Vorführungen. dre von künstlerisch begabten Mitgliedern und Gästen des Klubs dameboten wurden. Die Vortragenden ernteten allgemeinen, lebhaften Beifall. Einige svaniren.de Fechtgänge in Florett und leichtem Säbel, unter Aussicht des Fechtmeisters Aug. Kö-bbe von einigen Mitgliedern nusgeführt, gaben Zeugnis von der guten Schulung. Gewandtheit und Aufmerkiamkeit der Fechter. Da auch der Tanzleiter. Tanz
lehrer F. Sauer, eifrig bemüht war. jede freie Minute für die tanzlustigen Damen und Herren zu gewinnen, so kamen auch diese voll auf chre Rechnung.
Nassauische Nachrichten.
Ein „alter Kunde".
. ~ Höchst a. M., 7. Januar. Das „Höchst. KreisA." be
richtet: Dieser Tage kam der „Rechner" einer Versicherungs- kaye eines Nachbarortes in eine hiesige Druckerei. „Eich braucht do wieder e pmw Quittungszettel for unser Viehkaff'", sagte er. „Eich hun Ihne do e Muster von de letzte mitgevracht", sUHte^ er hinzu und überreichte dabei dem Drucker ein solches, das rm ^ahre .— .1851 gedruckt war. „Sie könne'se grad wieder mache wie die do: nur statt Gulde und Kreuzer drucke Se mer Vtark und Pfennig, sunst kann alles so bleiwe." — Leider stand der Satz nicht mehr.
.... .— Eisenbach. 7. Januar. Gestern abend ist der etiva 23- jahrlge Sohn des dieser Tage plötzlich verstorbenen Landwirts Pete. Sack 4r festgenommen uns in das Gesängnis zu Eam- oerg gebracht worden. Er soll tm dringenden Ve, dacht stehen, se ln en V a t er erschossen zu haben. Vater und Sohn lebten im Unfrieden.
— Diüenburg, g. Januar. In der heutigen Stadtverordnete nsitzung wurde an Stelle des ausgeMedenen seitherigen Vorstehers Kaufmann R. Fischer dessen Stellvertreter Gymnafiatobeelehrer Professor Norl zum Stadtver- ordnetenvorsteher und Buchdruckereibesttzer E. Weidenvach zum Stellvetreter gewählt. Schriftführer der Versammlung ist der Stadtsekretär; zu seinen Stellvertretern :vuvden die Stadtveroidneten Hassert und Dr. Dönges wtedergL- wahlt. Der Magistrat legte den Bericht über die Gemeinde- angelogenherten m 1912/13 gedruckt vor. Der städtische Spiel- platz am laufenden Stein soll durch Einebnung um ein weiteres Stück vergrößert werden Zur späteren Erbauung einer neuen Overtonbrncke soll em Fonds angesammelt werden. In geheimer Sitzung wurde in Anwesenheit des zug^ogenen Sachverständigen der Stadt, Baurat Knipping aus Bochum, über die_ Beseitigung der Wegeübergänge an der Eifenbahnstrecke Weidenau-Mllenhung im Ortsbering beraten.
Kus der Umgebung.
Ausstellungen in Frankfurt a. M. ht Frankfurt a. M.. 7 Januar. Das städtische Elektri- zitäts und Bahnamt veranstaltet im Sommer dieses Jahres in de. Festhalle eine größere Fachausstellung für Elektrotechnik An de: Spitze des Unternehmens, an dem sich der Lckagistrat und die Frankfurter Stadtverwaltung offiziell beteiligen, siebt Staütrat Hin. — Die Vorbereitungen zu der 1916 oder 1917 hier stattftndenden g offen mehrmonatigen Ausstellung „Reise und Verkehr" wurden bereits in die Wege geleitet.
_ dt. Frankfurt a. M., 7. Januar. Aus einer Stiftung des Kommisstonsrats I u r e i t kaufte die S-chneider-Zwangsinnung für 180 000 M. ein Haus in der Bleichstraffe an; in diesem sollen ein ^nnungsheim und Räume für die Schneider- »rganisatlonen geschaffen werden.
ht. Biedenkopf. 6. Januar.. Nach dem Lode des Kreis- Kommunalkafsenrendanten Philipp Jäger wurde kürzlich in der von diesem verwalteten Kasse ein Fehlbetrag von 6000 M. festgLstellt. die. wie Jäger auf dem Sterbebett leinen Angehörigen mitgeteilt hat, Won dem Verstorbenen veruntreut sind. Auf Beschluß der Behörde wird der Kassenfehlbetrag zur Konkursmasse Jägers angemeldet.
Gerichtssaal.
oll Ein vernünftiger Bescheid. Barmen. 3. Januar. Das Herz auf dem richtigen Fleck hat offenbar der Barmer Oberbürgermeister, von dem ein nachahmensweter Bescheid in einer Sitzung der hiesigen Strafkammer bekannt wurde. Unter der Anklage des Diebstahls sollte sich eine Ehefrau verantworten die mit ihrem Lllann in den denkbar di- rftigsten Verhältnissen lebt. Als die Not aufs höchste gestiegen war. tiefe sich die Frau, um für ihren Säugling Milch kaufen zu können, dazu verleiten den Gasautomaten zu öffnen und diesem einige G oschen zu entnehmen Die Ärche wurde bei der . nächsten Revision entdeckt und gegen die Frau Anklage erhoben. Der Bagatelldiebstahl hätte für die Angeklagte schwere Folgen haben können, denn sie ist bereits wegen des gleichen Delikts, wenn auch geringfügig, vorbestraft. Der Vertreter der Anklage mußte daher auch, nach dem Buchstaben des Gesetzes, auf Rückfallöiebstahl plädieren und beantragte gegen die Frau die gesetzliche Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis. Der Gerichtshof zog aber in Erwägung, daß der gestohlene Betrag nur sehr gering war, und daß die Frau in entschuldbarer Notlage gehandelt habe. Nach der Novelle zur Strafprozeßordnung tritt aber in solchen Fällen eine Strafverfolgung nur ein auf Antrag des Geschädigten, auch kann das Gericht dann noch auf Geldstrafe erkennen. Als geschädigt kain im fraglichen Fall die Stadt in Betracht, die durch den Oberbürgermeister vertreten wird. Der Oberbürgermeister hat es nun abgelehnt, einen Strafantrag zu stellen und in Ermangelung eines solchen muffte das Gericht auf Freisprechung der Angeklagten erkennen.
Spott und Spiel»
* Die Fcldbergwanberung des „Rhein- und Taunusklubs Wiesbaden <E. B.)", (1. Hauptwanderung 1914) findet am Sonntag, den 11. Januar, statt. Ilbfahrt mit Eilzug 6 Uhr 56 Min. nach Höchst und von da nach Königstein weiter, Ankunft daselbst 8 Uhr 20 Min. Die Wanderung führt zunächst durch das reizende Taunusstädtchen von der gleichnamigen Burg überragt, alsdann auf der aussichtsreichen Limburger Straße, später im hübschen Reichenbachtal aufwärts zum Fuchstanz (668 Meter). Kurze Sammelrast! Von hier Aufstieg zum Feldberg (880,6 Meter). Ankunft etwa 10y 2 Uhr; gemeinsames Mittagessen im „Gasthaus zur Walküre". Weitermarsch 12s/ß Uhr an der Nordrodelbahn und dem „Gasthaus zur Rodelbahn vorbei, über den 675 Meter hohen mit einer Kapelle gekrönten kahlen Bergrücken, mit herrlichen Ausblicken nach dem Feldberggebiet, Seelenberg, Zacken usw., stach dem malerisch gelegenen Ort Oberreifenberg (600 Meter) mit hübscher Burg mit stolzem Bergfried. Auf schönen Wegen mit überraschenden Ausblicken nach Niederreifenberg und das obere Weiltal wird nach dem Roten Kreuz (680 Meter) ge- tvandert, das gegen 2 Uhr erreicht wird. Nunmehr- an dem vom „Frankfurter Taunusklub" neu gefaßten Seelborn (der ckarken Quelle der Ems) vorbei, auf die Limburger Straße, zum „Gasthaus zur Billtalhöhe". Ankunft 31/2 Uhr. Kaffeerast bis 4% Uhr. Weitermarsch über Königstein nach dem Endziel der Want,erung, dem apfelweinberühmten „Batzenhaus" bei Neuenhain, wo die Wanderer nach etwa ös^stündi- ger Wanderung um 5% Uhr eintreffen. Abmarsch nach dem Bahnhof Soden kurz vor 8 Uhr. Rückfahrt mit dem Zug 8 Uhr 18 Mrn., an Wiesbaden 9 Uhr 58 Min. Führer die Herren R. Weber und Fr. Wendler. Teilnehmer-, bezw. Tischkarten ind bis Samstag, den 10. d. M., abends 8 Uhr, bei Ludwig Becker, G.rotze Burgstraße 11, Hch. Cron (B. Cratz Nächst), Kirchgasse 62, und Karl Hack, Rheinstraße 37, oder am Donnerstag, den 8. d. M., im Klublokal, „Turngesellschaft", in Empfang zu nehmen. — Die Wie i h n a ch t § f e t e r auf dem „Chausseehaus" hatte sich eines recht guten Besuchs zu er-
