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vonnerstag. 8. Januar 1914. M0VKLN-KU§gKbe. Nr. II. - 62. Jahrgang.

Jur Eröffnung des preußischen Landtags.

Von vir. H. Pachnicke,

-Mitglied des Reichstags und des preuß. Abgeordnetenhauses.

In: preußischen Landtag wird sich manches von dem wiederholen, was Öen Reichstagssitzungen der letzten Zeit besonderen Reiz verlieh. Dafür sorgen die Konscr- bativen. Sie haben vieles auf dem Herzen, das her­unter muß, und sie sprechen es lieber im Dreiklassen- hflus aus als in der deutschen Volksvertretung, die aus binem der Volksgesmntheit günstigeren Wahlverfahren hervovgeht.

Der Reichstag und das preußische Abgeovdneten- baus weisen eben wegen dieser Verschiedenheit des Wahlrechts eine völlig verschiedene Zusammensetzung auf. Deshalb kann. es zwischen der Reichs- und der preußischen Politik die Harmonie nicht geben, bie auch Fürst Bülow in seinen Betrachtungen über die Re- Merungszeit Wilhelms II. für erforderlich erklärt. Dort 43 Deutschkonservative, hier 147; dort 12 Freikonser- pative, hier 54, das gibt für Willenskundgebungen eine recht ungleiche Resonanz. Das parlamentarische Leben wird vom Majoritätsprinzip beherrscht. Wer zur Mehr­heit gehört, hat Einfluß. Die Konservativen gehörten bereits zweimal in großen Momenten zur Minderheit, bei der Revision der elsaß-lothringischen Verfassung wie bei der Deckung der Rüstungsaus,gäben, und das kön­nen sie um so weniger verwinden, als ihnen in diesem Reichstag noch weitere Möglichkeiten der Depossedie­rung drohen.

Sic zürnen der Regierung, die dies zuließ; sie sind zerfallen mit dem Kanzler, der ihre Zumutung, die Auflösung des Reichstags zu betreiben, abwies. O-b Ne sich schon jetzt zum Sturm gegen ihn erheben wer­den, ob sie die Revanche vertagen, hängt zuletzt von den Aussichten auf Erfüllung ihres Zweckes ab, die sie bei der ihnen eigenen Witterung für Hofluft selbst am besten zu beurteilen wissen. Erscheint des Kanzlers Stellung noch zu fest, dann drohen sie nur. Erscheint sie schoir erschüttert, dann führen sie die Drohung aus. Die Stelle, die Minister ein- und absetzt, war für die Konservativen stets der Ausgangs- und Zielpunkt der Aktionen.

Auf diese Stelle soll es Eindruck machen, wenn wan Preislieder auf die Kommandagewalt und Heeves- pisziplin singt und damit den Anschein erweckt, als befänden sich beide in Gefahr. Forstner und Jagow werden ausmarschieren und nicht nur entschuldigt, son­dern gefeiert werden, vielleicht nicht ganz in dem ^Tone desReichsboten", der das gegen den schlag­fertigen Leutnant gefällte Urteil einenS ch a ndfleck für die deutsche Natur" nannte, Wohl aber im Stil der -.Kreuzzeitung", welche in der halbamtlichen Ankündi­gung einer Untersuchung gegen Herrn v. Jagow eine --Unsicherheit und Schwäche" erblickte, oder der ..Deutschen Tageszeitung", die darin eineVer­beugung gegen die demokratischen Schreiern" sah. Der Linken ist es ein leichtes, uachzuweisen, daß es sich hier um die Achtung vor Recht und G e s e tz, um die Wahr u n g der R e g t e- rungsautorität handelt. Aber wird diese rich­tige Auffassung von den entscheidenden Stellen geteilt?

Demselben Zweck, die Position des Reichskanzlers Und auch seines Stellvertreters zu untcrhöhlen, dient

Schneesterne und Eisblumen.

Von Franz Pflugk.

In fröhlichem Reigen tanzen die Schneeflocken durch die Luft, bald lind und leis herabschwebend, bald in toller mist dahinwirbelnd. Frau Holle schüttelt die Betten aus, sagt der ^olksmund, und bald hat sich die Mutter Erde in ein blen­dend weißes Gewand gehüllt. Wie das in der Sonne schim­mert und flimmert, funkelt und glitzert, und welch wunder­bare Schönheit auch in jedem kleinsten Teilchen!

Ja, wer je einmal diese kleinen, überaus zarten Gebilde genauer betrachtete, der wird überrascht gewesen sein von ihrer Schönheit, und es nimmt ihn nicht wunder, wenn er hört, daß sich schon frühzeitig ein lebhaftes Interesse für sie ^kundgab. Der erste, der auf die charakteristische Sternform des Schnees aufmerksanr machte, war der Gelehrte Albertus 'Magnus, dergroße Zauberer" (st 1280), eingehend scheint sich auch der Erzbischof Magnus von Upsaia mit ihnen beschäftigt zu haben. In einem 1585 von ihm herausge- Mbenen Werke findet sich ein besonderes Kapitel über Schnee- siguren und auch die ersten Abbildungen; sie scheu freilich ziemlich abenteuerlich aus, da er die allen zugrunde liegende hexagonale Form übersehen hatte. Auf diese wie? erst Kep­ler hin (1611), und deshalb bedeuten auch die später erschei­nenden Zeichnungen einen bemerkenswerten Fortschritt. Die uns von der Schulbank her bekannten Bilder der Schnee­kristalle rühren von dem englischen Walfischfänger und

.der Ruf nach Arbeitswilligen - Schutz. Die Herren v. Bethmann-Hollweg und Delbrück haben er­klärt, daß, wenn sie an dieses Problem herantreten, sie es in seiner Gesamtheit erfassen, also auch den Ag r ar- b o t> k o t t und Karte11terrorismns ernbe- ziehen wollen. Die Männer von demKartell der schaffenden Arbeit" meinen es anders, sie wünschen Trutzmaßregeln allein gegen die Arbeiterschaft, also etwas, das, wiewohl der Form nach gemeines Recht, öer Sache nach auf etwas dem Zuchthaus- und Sozialistöngesetz Ähnliches hinauskommt. Wiederum ein Zwiespalt und ein Grund zum Grollen. Die Minister würden hier zweifellos einlenken, wenn sie nur eine Mehrheit dafür sähen. Wer dem jetzigen Reichstag Vorschläge machen, die dem Großgrundbesitz und der Schwerindustrie genehm sind, heißt nichts an­deres, als sich eine neue Ni eher läge holen. Da­nach wird Herr v. Bethmann-Hollweg nach zwei Mißtrauensvoten, die er sich schon zu,gezogen hat, wenig Lust verspüren. Auch der Rat, den Reichs­tag dann eben h e i m zuschick e n, ist leichter gegeben als ausgeführt.

Wenn ferner für die finanzielle Selb st- ständigkeit der Bundesstaaten Lanzen ein­gelegt werden, so geschieht das auch nur, um Seiten­stöße gegen die zu führen, welche den Wehrbeitrag aus die starken Schultern legten und der Wermögens- zuwachssteuer zustimmten, die für Konservativen dop­pelt schrecklich ist, weil sie erstens mit der Auffassung bricht, daß das Reich nur indirekt besteuern dürfe, und weil sie zweitens die Erbschaftssteuer in sich schließt. Mit dem Eintritt der Reichsbesitzsteuern hat die Ent­wicklung den Liberalen recht, den Konservativen un­recht gegeben, und wer unrecht erhielt, sucht er­fahrungsgemäß nun gerade zu beweisen, daß er im Rechts war.

Die Spannung ist also hoch genug. Bei der Etatsberatung kann die Entladung erfolgen. Hier ist der weiteste Spielraum gegeben; denn der Etat als der finanzielle Niederschlag der gesamten Staotstätigkeit steht mit beinahe allen Erscheinungen des öffentlichen Lebens in irgend einer Verbindung. Was nach der Ausgäbenverteilung zwischen Preußen und dem' Reiche Preußen nicht direkt angeht, geht es indirekt insofern an, als die Jnstruiernng der preußischen Stim­men tm Bundesrat zur Debatte steht.

Der Etat selbst gibt alleMngs zu schärferer Kritik kaum Anlaß. Er hat ein so, vorteilhaftes Aus­sehen, daß er den Neid der übrigen Bundesstaaten er­weckt. Einnahmen und Ausgaben halten ohne An­leihen das Gleichgewicht. Dabei fließen in den Aus- aleichssonds noch 79 Millionen Mark dem Voranschlag nach; in Wirklichkeit werden es vermutlich erheblich mehr sein; denn die Veranschlagung geht von einer Verkehrssteigerung um 3 Prozent für das Jahr aus, während die tatsächliche Verkehrssteigerung mehr als das Doppelte betragen hat. Der , Zuschuß der Eisen­bahnverwaltung zu den allgemeinen Staatszwecken darf nach der jetzt geltenden Regel über 2,10 Prozent des statistischen Anlagekapitals nicht hinausgehen und ist deshalb mit 244,4 Millionen Mark angesetzt. Dazu treten 15,9 Millionen Mart aus Domänen, 81,8 aus Forsi-n. 18 aus der Bergverwaltung, 12,4 aus der Lotterie, 4,6 aus der Seehandlung und 0,2 Millionen Mark aits der Münze an Betriebseinnahmen hinzu. Die direkten Steuern smd netto mit 480,4, Zölle und indirekte Steuern niit 72,1 etatisiert. Im ganzen stehen

späteren Theologen William L-coresby und dem Meteorologen Glaisher her und bieten uns allerdings die Schncekristalle m einer idealen Rein^heii, rZ'ernheit und Vollendung, ivie sie das menschliche Auge in der Natur ivohl nie erölrckt.

Diesen Männern hieraus einen Vorwurf zu machen, wäre aber ungerecht, sie haben geleistet, was auf dem Wege direkter Angenbeobachtung, und Nachzeichnung überhaupt er­reicht werden konnte. der modernen Mikrophotographie

mit ihren vollkommenen Apparaten blieb es Vorbehalten, die Abbildungen von ScoresbY und Glaisher zu ergänzen, zu be­richtigen und an ihre Stelle naturgetreue Schneebilder zu setzen. Wir verdanken diese Aufnahmen Dir. Neuhauß m Berlin, Nordcnskjöld in Stockholm, dem Amerikaner W- A. Bentley u. a. Sie bilden, eine der interessantesten Anwen­dungen der für alle Zweige der Wissenschaften so überaus fruchtbaren Momentphotographie, stellen allerdings an die Geduld und die Geschicklichkeit des Ausnehmenden keine ge­ringen Anforderungen. Man bedenke nur die Flüssigkeit der zarten Kristalle, deren scharfe Kanten und deren feine Orna- mentierung sofort leiden, sowie diese empfindlichen Gebilde auf eine Fläche fallen.

Die Photographien lehrten mit überraschender Deutlich­keit, daß die meisten Schncekristalle durchaus nicht so regel­mäßig und völlig symmetrisch sind, als man bisher angenom­men hatte, sie zeigten ganz auffällige Abweichungen von der gesetzmäßigen geometrischen Gestalt. Bei den strahlenför­migen Sternen waren die Strahlen oder die Radien von un­gleicher Länge, ebenso die ihnen ansitzenden Nebenftrahlen,

522 Millionen Mark Reinerträge aus ber Besteuerung 369,6 Millionen Mark aus den Betriebsverwaltungen gegenüber ein Verhältnis, das auf völlige Ge­sundheit der Finanzen deutet. , .

Daraus hätte freilich der Landwirt, chaftsmlnrster .die Folgerung ziehen sollen, vor allem für die An- s i e i> I u n i] von Bauern und Arbeitern sehr viel höhere Mittel flüssig zii machen. Daß nur eine Million gefordert wird, zeigt, wie kühl man dieser größ­ten Ziikunstsausgabe der Landwirtschaftspolitik noch immer gegenüber steht. (Auf diesen Punkt wiesen wir ini Leitartikel der gestrigen Morgenausgabe ebenfalls schon hin. Schrifü.)

Die angekündigten Gesetzentwürfe tragen nicht viel Zündstoff in sich. Nur bei dem Parzellierungs- gesetzt flammt der alte Streit rrm die Ostmark von neuem auf. Selbst Fürst Bülow, der die offizielle Polenpolitik verteidigt, muß in seinerDeutschen Poli­tik" zugeben, daß sich das Prozentverhältnis zwischen der deutschen und polnischen Bevölkerung nicht wesent­lich verändert habe, die großpolnische Propaganda da­gegen heftiger geworden sei. Temperamentvoll schil­dert Hans Delbrück in seiner soeben erschienenen Schrift Reoierung und Volkswille" die Mißerfolge, die aus deni'Gebiet des Schulwesens, in der Polonisiernng der Städte, in der Übertreibung der Grundstückspreise, in dem Boykott und anderen unerfreulichen Erscheinungen zutage kommen. Diese Gegensätze der Auffassungen sind auch im Parlament vertreten und werden dort ge gebenenfalls zu lebhaftem Ausdruck gelangen.

Am kräftigsten aber wind sich der Unwille darüber Lust machen, daß eine Wahlrechtsvorlage aus- bleibt. Herr v. Bethmann-Hollweg sucht die Kmser- v<stiven, die er durch seine Reichspolitik verletzt hat, da­durch zu besänftigen, daß er ihre preußischenP a r- teiinte ressen schützt. Parteiegoisnius, nichts anderes ist es, das die Konservativen an dem bestehen­den Wahlrecht sesthalten läßt. In den Dienst der K l a s s e n s e l b st s u ch t stellt sich der Ministerpräsi­dent, so lange er auf eine Reform des widersinnigsten aller Wahlrechte verzichtet. Ob er damit seine agrari­schen Gegner versöhnt, ist zweifelhaft. Sicher aber ist, daß er die Liberalen abstößt und auch bei ihnen keine Deckung findet.

Es ist für Preußen immer verhängnisvoll ge­wesen, wenn notwendige Reformen nicht rechtzeitig, d. h. solange sie in maßvoller Form möglich waren, vorgenLMmen, sondern kurzsichffg und hartnäckig ver­weigert wurden", das hat' soeben erst der Amts- Vorgänger des Herrn v. Bethmann-Hollweg ^ ausge­sprochen. Gilt der jetzigen Staatsleitung dieser Rat eines überwiegend konservativ gerichteten Staats­mannes schon als zu liberal?

Zur Srage der Arbeitslosen­versicherung

wird uns weiter geschrieben:

Wenn auch bereits seit einer Reihe von Jahren sich Staat und Gemeinde mehr oder weniger mit der Ein­führung einer Arbeitslosenversicherung beschäftigt haben und diese Beschäftigung hier und da zu praüischen Er- gebnissen geführt hat, so beschränkt sich «die Behandlung dieser Frage doch meist auf allerdings reichliche theoretische Erörterungen. Einmal ist diese Tatsache bedingt durch die Neuheit der ganzen Einrichtung, zum

die^kleinen sechseckigen Plättchen zeigten oft ungleiche Durch­messer und Seiten, sechsseitige Prismen, mitunter nicht ganz parallele Endflächen. Sehr häufig waren auch Verschiebungen, Verbiegungen und andere Deformationen zu beobachten.

Die Ursachen dieser Unregelmäßigkeiten ließen sich leicht seststellen. Regelmäßige Kristalle bilden sich nur dann, wenn die dabei tätigen Molekurlarkräfte nach allen Richtungen un­gehindert wirksam sein können. Nun wäre ja diese Be­dingung in der freien Atmosphäre am 'ehesten erfüllt, wenn ist ihr nahezu Gleichgewichtszustand herrschte oder doch nur eine gelinde Bewegung. Gerade in den oberen Luftschichten ist aber die Luft häufig stark bewegt, selbst dann, wenn es am Erdboden windstill ist. Bilden sich nun Schneekristalle, so wird ihr Wachstum auf der dem Winde ausgesetzten Seite eine Hemmung erfshren, während das auf den anderen Seiten nicht der Fall ist. Bei starkem Winde fügen^ sich die Schneesterne auch mancherlei Verletzungen durch Aneinander- prallen zu; diese werden um so geringfügiger sein, je kürzer der Weg ist, den die Kristalle zurückzulegen haben. Die Be­obachtung bestätigt dies, denn gerade daiw, wenn sich aus tiefliegendem Dunst oder Nebel vereinzelte Schneekristalle ausscheiden, sind diese besonders regelmäßig geformt, ein Vor­gang, der bei uns selten, in den Polargegenden aber um so häufiger vorkommt.

Auch über die Entstehung der Schneekristalle hat Sie Wissenschaft manche interessante^ Tatsache festgestcllt. So weiß man heute, daß sie sich allmählich bilden, indem an ein mikroskopisch kleines Schneepünktchen sich neue ausetzen, und