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Gette 4»

Morgen-AttsgaSe, i. Blatt.

Wresbadrrrrr Tagbtatt.

Mittwoch, V. Januar 1914.

Nr. 9.

Eine sehr glückliche Gemeinde.

FC. Bsm Westerwald. 5. Januar. Das 780 Einwohner zählende. Dorf Langenaubach im Dillkreis hat bis auf den heutigen Tag noch keine Gemeindesteuern von seinen In­sassen erhoben, da es 500 Hektar Wald besitzt, die jährlich 50 000 M. aus Holznutzung einbringen. Außerdem ist die Ge­meinde im Besitze von Kalksteinbrüchen, die eine gute Rente abwevfen, und verfügt über ein Barvermögen von 200 000 M.

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— Wehen, 6. Januar. Der König!. Hegemeister a. D. Karl D e u h e r. Inhaber mehrerer Orden, ist im Alter von 78 Iah en hier gestorben.

ht Schloßborn. 5. Januar. Die monatelangen Streitig­keiten um die Verpachtung des gemeinschaftlichen Jagdbezirks zwischen dem Fiskus und der hiesigen Bürgerschaft sind zugunsten der letzteren entschieden worden. Der fiskalische Walddistrikt Steifet, de. durch die Bildung eines Eigenjagdbezirks von dem gemeinnützigen Jagdbezirk Schtoß- born abgetrennt wurde, fiel an den Bezirk Glashütten.

ht. Usingen, 6. Januar. Die Anregung des Forstmeisters Krekel (Hofheim), in den Taunuswaldungen eine sogenannte tvaldartige S ch ö n h e i t s k u l t u r eiitzuführen, ist im Hinteren Taunus auf fruchtbaren Boden gefallen. Es ist hier eine Bewegung im Entstehen die dem Vorgehen der Gemein­den. von Eppstein, Vockenhausen und Hofheim nacheifern will, die aber diese neuartige Waldkultur noch Wetter auszudehnen beabsichtigt, nämlich auch auf den Wildschütz. Die Tiere des Waldes sollen du ch geeignete Maßnahmen ttt ihrem Bestand gehegt werden, nicht nur durch die Jagdpächter allein, sondern durch eine planmäßige Erziehung der Touristenwelt zur Ach­turig vor dem Walde und seinen Bewohnern.

S. Hachenburg, 5 Januar. Am 4. Januar veranstaltete der hiesige Turnverein zum Besten seines Turnhallen- betr iebsstockes eine Wiederholung seiner Abendunterhaltung vom Neujahrstag. Marmorgruppen, Stabübungen und Frei- gruppen wurden vorgeführt. Den musikalischen Teil führte der unter Leitung von Gerichtssckretä- Münch stehende Musikverein aus, der in Herrn Henkel einen talentvollen Piolinsolisten ge­wonnen hatte. Zur Unterhaltung der Erschienenen trugen das Lustspiel „Die Gouvernante" und der Schwank „In der Mädchenklasse" nicht wenig bei.

Kus der UmaedMno.

Die Frankfurter städtische Arbeitslosenversicherung.

red. Frankfurt a. M., 6. Januar. Die städtische Arbeits­losenversicherung ist hier jetzt eingeführt worden. Als Vor­aussetzung für die Gewährung der Arbeitslosenunterstützung wird gefordert, daß der Arbeitslose seit mindestens einem Jahre ununterbrochen in Frankfurt gewohnt hat und nicht nur vorübergehend als Arbeitnehmer in Stellung gewesen ist, ferner muß der Arbeitslose einem Gewerbe angehören, dem­zufolge ihm die Verrtchtung von städtischen Rotstandsarbeiten nicht zugemutet werden kann. Die tägliche Unterstützung Be trägt 70 Pf. für Unverheiratete und 1 M. für Verheiratete, und kann bei letzteren für jedes von dem Arbeitslosen ver sorgte Kind unter 16 Jahren um 15 Pf. bis zum Betrag von i M. 60 Pf. heraufgeseht werden.

Der beseitigte „Volksfreund".

— Koblenz, 6. Januar. Der „Koblenzer Volks­freu n d", ein katholisches Wochenblatt, teilt in seiner letzten Nummer mit, daß er sein Erscheinen wegen schwerer Er­krankung seines Redakteurs Simonis vorläufig einstellen muß. In Wirklichkeit ist wohl nicht so sehr die Krankheit des Redakteurs als die Tatsache, daß das Blatt von den maß' gebenden Zentrumskreisen unserer Stadt nicht genügend um terstützt, und also indirekt beseitigt worden ist, die Ursache der vorläufigen Einstellung der Herausgabe. Das geht klar und, deutlich aus einem längeren Artikel hervor, den sich der ..Volksfreund" von einem „alten Mitarbeiter" schreiben läßt und der u. a. die folgenden charakteristischen und einen Blick hinter die Kulissen eröffnenden Sätze enthält: „Man sollte meinen, daß in einer Stadt mit heute 60 000 Einwohnern es ein leichtes wäre, daß ein Blatt mit solchen Grundsätzen neben anderen Zentrumsblättern existieren könnte. Leider ist dem nicht so. Schweren Herzens schreiben wir diese Zeilen nieder. Nicht darum sind wir bekümmert, weil uns ein großer Ver­dienst entginge. Der „Bolksfreund" hat nie Überschuß gehabt. Nein, was uns am meisten bekümmert, das ist die Behand­lung, die wir so oft von unseren Brüdern erfuhren. Unter dem Vorwand des Schutzes der Einigkeit in der Partei sollen sogar die Gedanken reglementiert und uni- soniert werden. Darum müssen alle Konkurrenten auf geisti­gem Gebiet weichen. Besonders bitter ist es für ein katholi­sches Organ und für katholische Schriftsteller, sehen und er­fahren zu müssen, daß sogar der Klerus in dieser Hinsicht Partei ergreift. Die ganze katholische Bürgerschaft muß sich von einem einzigen Organ ihre geistige Kost borschreiben lassen. Die Folgen sind offenbar. Ein Matt, das es allen recht machen will und muß, wird schließlich seicht und sinkt zum katholischen General-Anzeiger herab. Die­jenigen, welche mitgeholfen haben, die Alleinherrschaft eines Blattes zu sichern, fühlen indes mehr und mehr, daß sie sich selbst eine Rute gebunden haben. Häufig in letzter Zeit sind uns Klagen auch aus geistlichen Kreisen zugekommen, welche den Terrorismus der Partei und „ihres" Organs zum Gegen­stand batten."

Philipp-Reis-Denkmal.

stt. Frankfurt a. M., 6. Januar. Mit der Ausführung eines Denkmals für den Erfinder des Fernsprechers, Philipp Reis, wurde vor mehreren Jahren Professor Hausmann (Frankfurt) betraut. Wie der Künstler nunmehr mitteilt, ist das Werk soweit vollendet, daß es bald aufgestellt werden kann. Als Grund der längeren Verzögerung gibt Professor Hausmann an, daß er lange gesucht habe, die Trockenheit, mit der gewöhnlich sogenannte technische Denkmäler ohne Allegorien zum Ausdruck gebracht werden, durch ernc frischere künstlerischere Auffassung der Materie zu ersetzen.

wb Frankfurt a. M.. 6. Januar. In der heute abge- baltenen Vollversammlung der Handelskammer wurde Geh Komme zienrat A Hau rano. der seines hohen Alters wegen auf eine Wiederwahl zur Handelskammer der er 8g Jahre lang als Mitglied angehörte verzichtete,-zum Ehrenmit­glied der Handelskammer ernannt- Geheimrat Andrese über­reichte He rn Haurand ein von Otto Linnemann verfertigtes künstlerisches Divlom Hauend stand an der Spitze de 'er. die das Tahaksmonopol tut Jahre 1878 und später bekämpften mir dem Erfolge, daß diese Bestrebungen aufgegeben wurden.

Er gehörte fe ner dem Bezirkseisenbahn'-at von 1886 bis 1897, den, Großhcrzoqlich Heistschen Eisenbahnvat und 15 Jahre lang von 1883 bis 1897 dem preußischen Landeseisenbahnrat an. Auch als Mitglied ves Ehrengerichts der Frankfurter Börse, eine Zeitlang als denen stellvertretender Vorsitzender war er tätig — Heute nachmittag gegen 4 Uhr setzte bei' 4 Grad Wärme ein starkes Schneetreiben ein.

— Fulda. 5 Januar. Zu der Wahnsinnstat in Salmünster ist noch zu berichten, daß der jugendliche Täter Obertertianer am hiesigen Königl. Ghmnasium war. Er hatte wegen tadelhaster Führung außerhalb der Schule bereits das Consilium abeundi erhalten, war exzentrisch veranlagt und

schon einmal hatte ihm ein Schutzmann wegen Bedrohung

ernen Revolver abgenonrmen. Zu seinen Mitschülern äußerte er. dax. falls der ominöse Brief von üben käme, d. h. seine Entlastung vom Gymnasium verfügt sei, er sich eine Kugel durch den Kopf m-gen würde.

S. Wissen (Sieg), 5. Januar. Die rückläufige Konjunktur in der Industrie macht sich auch in hiesiger Gegend geltend. Die hiesigen Weißblechwalzwerke der Firma van der Zypen und Wissencr Eisenhütten haben 50 Arbeitern kündigen müssen, weitere 50 Leute sollen noch entlassen wer­den, ^weil Bestellungen nicht genügend eintreffen und die Preise zurückgegangen sind. Auch aus dem Kohlenrevier kommen Leute hiesiger Gegend zurück, die dort entlassen wor­den sind. — Im Gräflich Walderdorfsschen Wald tu Guck­st e i m wurde der Holzhauer Nilges von einen, A st ge­troffen und erlitt eine Gehirnerschütterung, an der er im Krankenhaus zu Dernbach st a r b.

GerichtZsaar.

Oerprozetz gegen Oberst v.Neuter.

lFortsetzung des Drahtberichts in der gestrigen Abend-Ausgabe.»

vH. Straßüurg, 6. Januar. Eisenbahnarbeiter L i l l, einer der Verhafteten, will nichts getan haben. — Maschinist Fritsch hat gesehen, wie Kalisch und Bemelmann mit mehreren Soldaten diskutierten. Er wurde von. einem Sol­daten, der ihn duzte, verhaftet. Er habe sich an den Demon­strationen nicht beteiligt. Er werde den Obersten verklagen, weil er sich in dem Keller Rheumatismus zugezogen habe.

Im weiteren Verlaufe der heutigen Vormittagsverhand­lung wurden noch weitere Zeugen verhört, die am Abend des 28. November durch eine Militärpatrouille festgenommen und in den Pandurenkeller gesperrt worden waren. Sie er­klärten — zunächst unvereidigt —, daß sie nichts Strafbares getan hätten. Die Aufforderung, weiterzugehen, Hütten sie nicht gehört. Auch sei, von Kindergeschrei abgesehen, nicht gejohlt worden. Ein Zeuge erklärt, daß es in dem Pan­durenkeller sehr finster war; ein anderer daß er seine Not­durft im Keller verrichten mußte. Morgens erhielten sie Kaffee und im Laufe des Vormittags wurden sie vor den Amtsrichter geführt. Ein dritterZeuge erzählte, Leutnant Sckadt habe den Degen gezogen, als wenn es in den Krieg ginge.

Im Gegensatz zu diesen Zeugen sagen die Unteroffiziere und Musketiere aus, daß Gruppen beieinanderstanden, johlten und schimpften. Darauf gab Leutnant v. Schadt den Befehl, die Schreier festzunehmen. Sodann wurden die Einzelheiten erörtert, die zu der. Anklage wegen Hausfriedensbruchs gegen Leutnant Schadt geführt haben. Es handelt sich um die Fest­nahme des schreiners L e v y auf der Treppe des Hehlschen Hauses. Der Zeuge weiß nicht, warum er verhaftet wurde. Weiterhin stellte Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Grossart als charakteristisch fest, daß, wenn Rufe fielen und man auf die Leute zuging, diese taten, als wenn nichts geschehen wäre. Leutnant v. Forstncr und Frau Ewers bestätigen diese Wahrnehmung. — Um 1 Uhr wurde die Verhandlung auf 4 Uhr vertagt.

Die Nachmittagsverhandlung.

In der Nachmittagsverhandlung wurde mit der Ver­nehmung der Zeugengruppe, Musketiere, und Zivilisten, fort­gefahren, die am 28. November, abends, an der Belegung des Pandurenkellers aktiv oder passiv beteiligt waren. Es kam bei der Gegenüberstellung der verhaftenden Mannschaften mit den damals Verhafteten mehrfach zu drastischen Auseinandersetzungen. Trotz Vorhaltens des Zeugeneides will keiner der Verhafteten Äußerungen, wie „Dreckiger Schwöb" und dergl., getan haben, was die meisten Soldaten zeugeneidlich bestätigen. Halbwüchsige Jungen, Lehrlinge usw., die damals im Moment der Verhaftung ge pfiffen hätten, geben heute an, nur höchst harmlose Lieder gepfiffen zu haben, wie „Morgenrot" oder „Muß i' denn" usw. Einer gibt allerdings zu, auf zwei Fingern ge­pfiffen zu haben. Ein Gefreiter leugnet nicht, bei einem Ver­haftungsakte gesagt zu haben:

„Ich renne Ihnen mein Bajonett durch den Leib, wenn Sie fliehen."

— Kurz vor 6 Uhr verkündet der Gerichtshof einen durch den Anklagevertreter veranlaßten Beschluß, von den Zeugen sämt­liche bis auf sechs zu vereidigen, also auch die Soldaten und Unteroffiziere, die sofort den Eid leisten. Bei den sechs Nichtvereidigten, darunter zwei der jugendlichen Pfeifkünstler, wurde wegen der vielfachen Widersprüche in ihren Aussagen Unglaubwürdigkeit angenommen. — Wenn die Ver­handlung im gleichen Tempo wie heute fortschreitet, rechnet man damit, daß nach Schluß des Zeugenverhörs morgen gegen Mittag der Anklagevertreter mit dem Plaid oy er beginnen kann und daß vielleicht noch am Abend der Urteilsspruch erfolgen dürfte.

Die De r e i d i g u n g der vielen Zeugen nahm längere Zeit in Anspruch. Von den sechs von der Vereidigung Aus­geschlossenen wurde nachträglich noch einer vereidigt, da er feine Aussagen widerrief. Auf Antrag des Anklagevertreters werden noch Rechtsanwalt Vetter und ein Gerichtsassessor aus Zabern geladen und hierauf die Weiterverhandlung auf Mittwochvormittag 9 Uhr vertagt.

wc. Unlauterer Wettbewerb und versuchte Erpressung wird dem früheren Metzger Julius F r i ck e in Eltville vorgeworfen. Der Mann war früher als Vorarbeiter auf den Frankfurter Asbestwerken tätig. Nach seiner Entlassung verwertete er Rezepte zur Herstellung von Asbest im Interesse einer Konkurrenzfirma und richtete an den Betriebsleiter einen Brief, worin er anfragte, welche Entschädigung man ihm zu gewähren gewillt sei, sofern er seine Absicht, die Rezepte der Konkurrenz mitzuteilen, nicht zur Ausführung bringe. Nur wegen versuchter Erpressung nahm die Straf­kammer ihn in 10 T.a g e G e f ä n g n t s.

wc. Seltsame Betrugsarten verübt der Monteur Albert Hammes aus Springen. Einmal ist.er bereits bestraft, weil er einem jungen Mädchen, dessen Bräutigam im Ge­fängnis saß, mitgeteilt hatte, dieser Bräutigam solle ent­lassen werden, sofern sich die Braut zur Stellung einer Kaution bereit finde. Ein andermal, weil er einem Küchen­mädchen, dem Anschein nach, um sich -ein Trinkgeld zu ver­dienen, mitgeteilt hatte, sein Vater sei ausgeglitten und liege hilflos auf der Straße. Neuerdings hat er sich folgenden Streich geleistet: Während er im hiesigen Gefängnis eine längere Strafe verbüßte, hatte er einen jungen Mann aus Hambach bei Idstein kennen gelernt und Kenntnis von dessen Verhältnissen erlangt. Am 1. Dezember wurde er aus dem Gefängnis entlassen, am 2. Dezember begab er sich nach Hambach und überreichte der Schwester seines Bekannten ein Schriftstück folgenden Wortlauts: „Beschluß! Auf Antrag der Königl. Staatsanwaltschaft in Wiesbaden soll der Straf­gefangene B. entlassen werden und Gerichtskosten in Höhe von 261 M. bezahlt werden. Die Strafe wird auf 4 Monate 18 Tage herabgesetzt. I. A. Kaiser, Müller, Arnold." Wenn er mit der Überreichung ^des Schreibens den Zweck verfolgt halte, die 261 M. in die Hände zu bekommen, so erreichte er diesen Zweck nicht. Man schöpfte vielmehr Verdacht, und er mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. Wegen schwerer Urkundenfälschung und rückfälligen Betrugsversuchs ver­urteilte die Strafkammer ihn zu 9 Monaten Gefäng­nis unter Aufrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft.

wc. Eine Rabenmutter. Die Ehefrau des Bäckergehilfen Andreas Weitzenberger in Wiesbaden ist heute etwa 32 Jahre alt. Als sie vor etwa 3 Jahren ihren Mann heiratete, brachte sie mit in den Haushalt einen 4 Jahre alten Knaben, welcher sich bis dahin in einer Anstalt befunden hatte. Dieses Kind scheint den Eheleuten lästig gewesen zu sein, und es wurde von vornherein von seiner Mutter wie auch von seinem Stiefvater in der empörendsten Weise miß­handelt. „Bankert!" „Mißgeburt!" waren Kosenamen, die es alltäglich zu hören bekam. „Hätte ich Arsenik", so soll sich eines Tages die Mutter' geäußert haben, „so würde ich das Kind vergiften". Und ein andermal: „Wenn ich es nur unter ein Auto werfen könnte". Die Behandlung, die sich das arme, schutzlose Kind gefallen lassen mußte, war allerdings eine der­artige, daß die Absicht, es beiseite schaffen zu wollen, nahe­liegt, und Hausgenossen wissen zu erzählen, daß es seinen eigenen Kot habe essen müssen, daß es bei großer Kälte nur leicht bekleidet in den Abort eingesperrt worden sei, daß es im Hemd in einem frisch aufgeputzten Zimmer habe sitzen müssen, daß es ins Gesicht geschlagen, daß es einmal einen Fußtritt erhalten habe, welcher es gegen eine Wand warf, daß" mit einem Schlüsselbund auf seinen Kopf eingeschlagen worden sei, daß es vielfach vor Hunger laut geschrien habe, usw. End­lich wurde das Kind in eine Anstalt verbracht, wo sich die Folgen der empörenden Schimpfworte. welche das Kind tag­täglich zu hören bekam, noch heute in unliebsamster Weise bemerkbar machen. Der Ehemann Weitzenberger ist krank. Gegen ihn konnte daher noch nicht vor dem Schöffengericht verhandelt werden, der Frau aber wurde, mit Rücksicht dar­auf, daß der Mann die treibende Kraft bei den Mißhand­lungen gewesen zu sein' scheint, eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten zudiktiert.

wo. Buchmacherei. Wegen Beihilfe bei der gewerbsmäßi­gen Vermittlung von Rennwetten verurteilte die Strafkam­mer den Reisenden und Kellner Leizinger zu 2 Monaten Gefängnrs und 500 M. Geldstrafe, im Falle des Zah- lungsunvermögens zu weiteren 50 Tagen Gefängnis.

wb. Der Giftmordprozeß Hopf. Frankfurt a. M.,

6. Januar. Der Prozeß gegen Karl Hopf wegen vierfachen Mords und dreifachen Mordversuchs, der Montag, den 12. Januar, beginnt, wird voraussichtlich 5 Tage dauern; doch ist vorsichtshalber zur Durchführung der Verhandlung eine Woche der Schwurgerrchtsperiode freigehalten worden. Zur Verhandlung sind 18 Sachverständige und 49 Zeugen geladen worden. Für die Zuhörer, die nur gegen Einlaßkarten Zu­tritt zur Verhandlung erhalten/sind nur etwa 25 Plätze frei, während die Zahl der Anmeldungen für die Karten schon über 800 beträgt.

wb. Eine entlarvte „Heilige". Laibach, 8. Januar. Die 28jährige Johanna I e r o v s e k. Welche als Heilige aus­trat und im Kloster Wostice Verzückungsanfälle bekam, wobei sie angab, B l u t z u schwitzen, welches von den Gläubigen als wundertätig gepriesen wurde, ist heute zu 10 Monaten Kerker verurteilt worden. Nach dem Kloster fanden wahre Wallfahrten statt, so daß die Gendarmerie einschreiten mußte, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Nachforschungen ergaben, daß die Schwindlerin sich in einem Schlachthaus Blut besorgt hatte, das sie zu ihren Vorführungen benutzte. Interessant ist es, daß die Angeklagte einen Empfeh­lungsbrief von dem Laibachex Bischof vr. Jeglio an den Pfarrer von Wostice erhalten hat. Die Angeklagte hatte bei ihren Verzückungsanfällen den Gläubigen 'Mittei­lungen aus den, Jenseits gebracht und diese dann zu Er-

Die Berichtigung des Krcisdirektors Mahl, wb- Straßburg, 6. Januar. Kreisdirektor Mahl gibt unter Bezugnahme auf seine gestrige Zeugenaussage dem Inhalte nach folgende Erklärung ab: „Meine Angaben wegen des Subordinationsverhältnisses zu dem Herrn Obersten von ! Pressungen und Betrügereien ausgenützt. Reuter und mir bedürfen einer Berichtigung, da seine Aus- sagen falsch ausgelegt worden sind. Ich habe am 11. Novencher am Bahnhof dem Herrn Statthalter vorgetragen, daß Herr Oberst v. Reuter mir soeben in sehr lautem Tone Vorwürfe gemacht habe, daß ich auf seine Aufforderung nicht zu ihm gekommen sei. Rach Anführung sämtlicher Gründe und Dar­legung der gesamten Situation hat der Herr Statthalter er­klärt, daß gegen meine Antwort, daß ich nicht zum Herrn Obersten hinginge, nichts einzuwenden sei. Er hat nicht ge­sagt, ich solle nicht zum Herrn Obersten gehen. Der Herr Statthalter war vielmehr der Auffassung, daß ich als Jüngerer zum Herrn Obersten hätte hingehen müssen, wenn er mich in einer Form darum ersucht hätte, die mir das ohne Bedenken für meine amtliche Stellung uird mich möglich gemacht hätte.

Nach der Art, wie es aber geschah, konnte ich nicht hingehen.'

Das hat der Herr Statthalter und der Herr kommandierende General gebilligt."

Sport und Spiel.

Pferderennen.

* Nizza, 6. Januar. Prix des Iris. 4000 Franken.

1. E. Fischhofs Azarias (Powers), 2. Cafe-Eoncert, 3. Le Potache. 26:10; 17, 31:10. — Prix des Jasmines. 4000 Franken. 1. A. Veil-Picards La Sorbonne (Parsrement),

2. Gendarme, 3. Malefice. 122:10; 29, 57, 42:10. _ Prix

Bethune. 7000 Franken. 1. Ch. Lienarts Ma Love (Head)

2. Manthorpe, 3. Don Cesar. 39:10; 19, 66, 80:10. _ Prix

de l'Esterel. 4000 Franken. 1. Ch. Lienarts Scorff (Head)^ 2 Sarbacanne 2, 3. Montmartre. 37:10; 24, 51:10.

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* Die Segelpreise des Kaisers, die dieser für die kommende Saison ebenso w,e für die bisherigen gestiftet hat. fallen, und -war der Ermuntcrungspreis in die 6-Meterklasse, die Kaiser-