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We»b.A«sgabe, 1. Blatt.

x?re«vckS^tter Caavurn.

Dienstag. 6. Januar 1914.

Nr. 8.

5lus der Umgebung.

ht. Frankfurt a. M.. 5. Januar. Für die städtischen obimstorischen Fortbildungsschulen ist eine Abände rung des Ortsstatuts geplant, nach der künftig die Bercch tiMng zum Esnjäbrig-Freiwilligendrenst nicht mehr als B e s r e r u n g s g r u u d vom Besuch der Schulen Kelten soll. Der Schulvorstand Hai bereits entsprechend be fcploften. @etn Beschluß bedarf noch der Zustimmung der oberen städtischen Behörden.

in Bingen. 5. Januar. Heute war Hier eine Schiffer Versammlung seitens des Zentralverband es christlicher sabiik- Verkehrs- und Hilfsarbeiter Deutschlands einbeeufen

dwser Versammlung sollte Redakteur Frankenberg aus Aschasfeuburg über „Die gesetzliche Regelung der Nacht- und Sonntagsruhe im Biunen-Schiffahctsgewerbe und ihre Gegner" sprechen Zu dieser Versammlung war nicht ein einziger Scgiff e r e rschi e n e n.

* Marburg, 5. Januar. Die Stadtverordneten bewilligten eine Beihilfe von 1000 M. an Me Gesellschaft für die Er- zrLhi.ng der d e u i f ch e n Auslandsjugend im Deutschen Neiche. als dessen Zentrale bekanntlich Marburg bestimmt ist

Der Prozeß gegen Oberst v. Reuter.

Straßburg. 5. Januar.

In der Nachmittagsverhandlung erbittet sich der Angeklagte Leutnant Schabt das Wort zu folgender Erklärung: Ich habe heute vormittag verschiedentlich da Wort Pöbel gebraucht. Ich will bemerken, daß damit nicht die elsässische Bevölkerung und die ruhigen Bürger von Zabern gemeint sein sollten, sondern die Radaumacher und deren pöbelhaftes Benehmen. Zeuge Oberwachtmeister K a r i g äußert sich nun über die Vorgänge am 8. und v. November. Er erklärt, an diesen Tagen mit Steinen be­worfen worden zu sein. Am 27. und 28. November wurde es ärger.

Der Krcisdrrektor habe aufgetragen, recht scharf vorzugehen.

das könne er beschwören. Bei den Vorgängen hätten meist Kinder Lärm gemacht, die Erwachsenen hätten sich im Hintergrund gehalten. Am 28. November seien etwa 1000 er­regte Menschen auf der Straße gewesen. Die Zivilbevölke­rung sei eben der Meinung gewesen, die jungen Offiziere wollten provozieren, weil sie immer mit der Hand am Säbel gingen. Angeklagter Oberst v. Reuter: Es ist

charakteristisch, daß wir uns nicht mehr auf der Straße zeigen sollten. Von einen: sonst ruhig denkenden Herrn, dem Schrift­leiter einer größeren Zeitung, habe ich Worte der Empörung darüber gehört, und daß es unglaublich sei, daß von unseren Soldaten abends in der Kaserne das Lied „Ich bin ein Preuße" gesungen wurde. Wir sind doch preußische Soldaten und, wenn abends in der Kaserne dieses Lied eingeübt wird, so ist das doch selbstverständlich. Ein derartiger Anspruch geht doch viel zu weit. Zeuge Regierungs- und Kreisamt- munn G r o ß m a n n berichtet über

die Verhaftung des Landgerichtsrats Kalisch:

An diesem Tage war auf den Straßen eigentlich wenig Ver­kehr. Es wurde auch nicht gejohlt, sondern nur gepfiffen. Plötzlich meldete man mir, daß Landgerichtsrat Kalisch ver­haftet sei. Ich sah in der Gruppe der Verhaftelen auch noch den Herrn Staatsanwalt und fragte den Offizier, was er eigentlich mache. Er sagte, die Leute seien stehengeblieben. Ich antwortete, das sei doch nicht verboten. Darauf erwiderte er: Jawohl, das sei verboten; er handle nach dem Befehl des Obersten. Ich habe dann nach Stratzburg tele­phoniert u: das Haus des Unterstaatssekretärs Mandel, !vo der Herr Kreisdirektor zum Diner war. Exzellenz Mandel kain selbst ans Telephon, und ich teilte ihm mit, daß Patrouillen mit aufgepflanztein Seitengewehr durch die Straßen zögen, Richter verhaftet hätten und neue Unruhen zu befürchten seien. Ich sagte am Telephon, Exzellenz Mandel möchte zu erreichen suchen, daß der kommandierende General v. Deimling dem, Obersten Anweisung gebe, die Patrouillen zurückzuziehen. Ich bin dann in die Kaserne zu dem Herrn Obersten gegangen. Ich bat den Herrn Obersten, die Patrouillen zurückzuziehen. Darauf sagte er, wenn ich deshalb gekommen wäre, dann hätte jedes weitere Verhandeln keinen Zweck, ich sei nicht sein Vorgesetzter und er nicht mein Untergebener. Die Zivilbehörden hätten versagt, Gendarmerie und Polizei seien machtlos. Seine Offiziere würden in der unflätigsten Weise auf den Straßen beleidigt, er auch. Er werde gegen jede Beleidigung Vorgehen. Der Redakteur, der ihm vorgeworfen hätte, er habe gestohlen, laufe noch frei her­um und säße noch nicht im Gefängnis. Der Schloßplatz sei voll Menschen. Wenn es nicht anders würde, lasse er schießen. Ich sagte, daß ich zu ihm gekommen sei, um dieses Unglück ab- znwehren. Darauf erwiderte er:

„Ich halte es eher für ein Glück, wenn jetzt Blut fließt!"

Ich sah ein, daß ich nichts bet ihm erreichte. Ich entnahm im Gegenteil seinen Darlegungen, daß der Oberst zum Äußersten entschlösse n ivar. Deshalb sagte ich nur noch, daß die Gendarmerie und die Polizeimannschaften An­weisung erhalten würden, dafür zu sorgen, daß auch nicht ein­mal jemand auf der Straße stehen bleiben dürfe. Ich wollte nur das Äußerste verhindern. Eine gesetzliche Grundlage für meine Maßnahmen hatte ich nicht. Verhandlungs­führer: Wissen Sie nicht, daß nach gültigen Vorschriften jede Ansammlung auch von unbewaffneten Menschen auf den Straßen verboten werden kann? Zeuge: Nein, das war mir nicht erinnerlich. Ich gab sofort den Gendarmen die er­forderlichen Anweisungen, die Patrouillen wurden aber nicht zurückgezogen.

Zwölf Mann mit anfgepflanztem Seitengewehr hielten den ganzen Fahrdamm besetzt,

io daß nur die Bürgersteige freiblieben, und zogen so die Straße entlang. Wer auf dem Fahrdamm war, mußte fort. Die'Leute sind den Befehlen sofort nachgekommen. In einem Fall habe ich^gesehen, daß ein Mann, der mit dem Rücken gegen einen Soldaten stand, ohne weiteres verhaftet wurde. Am nächsten Morgen wurden die Verhafteten in Begleitung von Mannschaften mit aufgepflanztem Seitengewehr in das Gericht geführt. An diesem Tag wurde mir gemeldet, daß Leutnant S ch a d t mit seinen Leuten in ein Haus eingedrun- gen sei. Ich ging sofort hin, und Leutnant Schadt sagte zu mir, ein Schlosserlehrling, der das Volk aufgewiegelt habe, sei in das Haus geflüchtet und solle nun verhaftet wer­den. Ich fragte den Leutnant, wer die Polizeigewalt in Zabern hätte. Er sagte, er müsse auf Befehl des Obersten einschreiten. Es stellte sich dann heraus, daß der Lehrling vorn in das Haus hinein und hinten wieder heransgelanfen >var. (Heiterkeit.) Ich ordnete an, daß der Lehrling, sobald cr ergriffen sei, dem Zivilrichter vorgeführt werde. Damit loar Leutnant Schadt zufrieden. Vorsitzender Generalmajor v. Pelet-Narbonne: Ihre ausgiebige Hilfe haben Sic also erst ? « «« fi ü t c n, als Oberst v. Reuter ent- <

fchlosjen war, schießen zu lassen ? Zeuge: So weit

in Zabern Gendarmerie stationiert tvar, war sic bereits zum Schutz des Militärs tätig. Ich habe nun noch ein übriges ge­tan und jedes Stehenbleiben verhindern wollen. Vorsitzender: Also, um das Äußerste zu verhindern,

haben Sie auch das Äußerste getan? Zeuge: Jawohl, rm übrigen bin ich überzeugt, daß, wenn die Patrouillen zu­rückgezogen worden wären, Ruhe eingetreten wäre. Die Leute haben nur deshalb herumgestanden, weil Patrouillen zn sehen waren. Angeklagter v. Reuter erklärte noch einmal, daß er den Ausdruck vom Blutvergießen nur so meinte, wie er es darstellte. Zeuge Bürgermeister Knöpfel (Zabern) kann nur angeben, daß am 6. und 8. November viele Kinder und Neugierige auf den Straßen waren,

von Aufruhr aber nicht gesprochen werden konnte.

Etwa 40 Kinder johlten und pfiffen. Über die Vorgänge vom 26. bis 28. November weiß er nichts, weil er zu dieser Zeit krank war.

Zeuge Amtsgerichtsrat l)r. S p i e ä e r : Als wir damals an einem der letzten Novembertage auf die Straße traten, kam Leutnant Schadt auf uns zu und wir sahen dann, daß er in einen Wortwechsel mit Landgerichtsrat Kalisch geriet. Wir erklärten uns solidarisch und wurden feftgenommen. Wir wurden dann in die Schloßkaserne trans­portiert, und dort trafen wir den Obersten v. Reuter. Wir machten ihn auf das Gesetzwidrige seines Vorgehens auf­merksam.

Oberst v. Reuter erwies sich völlig unbelehrbar und unzugänglich

und erklärte, er habe nur seine Pflicht getan und würde auch weiter seine Pflicht tun, komme, was da wolle. Die Autorität müsse hochgehalten werden. Ich hatte den Eindruck, daß das Vorgehen des Obersten v. Reuter aus einer ganz be­sonderen Staats- und Rechtsanschauung her­vorgehe und daß er das Gefühl einer Rechtswidrigkeit seiner Handlungen absolut nicht hatte.

Zeuge Staatsanwalt Krause: Am 6. November hatte mich Leutnant v. F o r st n e r um Schutz gegen Beleidi­gung ersucht. Ich gab das Ersuchen an die Gendarmerie weiter, die das Notwendige veranlassen sollte. An sich inter­essierten mich die Vorfälle schon deshalb, weil ich mich fragte:

»Wie kommt es, daß die sonst so ruhige Zaberncr Bevölkerung auf einmal so aufgeregt ist?" Verschiedene Leute sagten mir, es bestehe eine große Animosität gegen den Obersten v. Reuter und den Leutnant Freiherrn v. Forstner. Offiziere und Unter-, offiziere hätten sich bei ihnen über zu anstrengenden Dienst beschwert. Und es seien auch zwei Selbstmorde von Unteroffizieren darauf zurückzuführen. Dazu kam, daß die Einjährigen plötzlich in der Kaserne wohnen mußten und daß Oberst v. Reuter zu einem Einjährigen, der viel im Ausland studiert hatte, den Ausdruck Fran­zos e n k o p s gebraucht hatte. Das fanden die Bewohner Zaberns unvassend, und sie fanden es auch nicht richtig, daß der Oberst sie immer mit „Leute" anredete. Sie waren der Meinung, daß mit „Leute" nur Mannschaften angeredet wer­den dürfen und daß man, wenn man zum Publikum spreche, entweder „Bürger" sagen oder gar keine Anrede gebrauchen soll. Ich selbst sah ja darin nichts so Ungeheuerliches, und einem Obersts gegen den man sonst nichts gehabt hätte, hätte man das vielleicht auch nicht übelgenommen. Angeklagter Oberst v. Reuter: So lange ich beim Regiment bin, ist überhaupt kein Selbstmord voraekommen. Das liegt vor meiner Zeit. Ob ich „Leute" oder „Bürger" sage, ist doch ganz gleich. „Leute" ist keine Beleidigung, und auch ich würde mich nicht beleidigt fühlen, wenn man „Leute" zu einer Gruppe sagen würde, in der ich mich befände. Den Ausdruck „Franzosenkopf" will ich nicht direkt bestreiten. Aber er ist doch nicht verletzend. Der Ausdruck „Wackes" liegt mir ganz 'ent. Ich habe ihn auch niemals gebraucht. Zeuge Staats­anwalt Krause stellt noch fest, daß die Bevölkerung nicht sozialistisch und chauvinistisch verhetzt war. Man tvird es verstehen, wie die Bevölkerung dazu kam, auf einmal an einem Wort Anstoß zu nehmen, an dem früher nicht so sehr Anstoß genommen wurde. Man war eben animos gegen den Obersten v. Reuter und den Leutnant v. Forstner. Ohne diese Animosität und die Vorfälle, die sich vorher abgespielt hatten, wäre auch wegen des Ausdrucks „W a ck e s" es niemals zn so aufregenden Szenen gekommen. Auf die Frage, ob denn wohl die Zeitungen an den Vorfällen schuld seien, antwortete der Zeuge: Der Herd, von dem aus die ganze Bewegung geschürt wurde, war nicht die Zeitung, sondern die Fabrik. In den Fabriken war der kurz vorher entlassene Jahrgang tätig, und insbesondere dieser Jahrgang sollte viel vom Leutnant v. Forstner wissen. Dieser Jahrgang ist dann auch an den Sonntagen mit den Fahr­rädern aus der ganzen Umgebung gemeinschaftlich nach Zabern gekommen. Es ist nichts Schlimmes passiert, bis auf einmal inderNähederWohnungdesLeutnants v. Forstner ein Pistolenschuß fiel. Da herrschte einen Moment atemlose Spannung, weil man nun dachte, es würde ettvas passieren. Aber auch hier überzeugte man 'sich

bald, daß nichts Ernstes passierte, und man glaubte auch nicht, daß jemand einen Schuß auf den Leutnant v. Forstner hätte abgeben wollen. Dann kamen die fünf Frösche, und da ging erst recht das Gelächter los. Man glaubte an einen Bubenstreich. Auch am Freitag, den 28. November, herrschte absolute Ruhe. Es gingen wohl Leute auf und ab, aber nicht mehr als sonst. Dagegen waren die Soldaten er­regt, wohl, weil sie beleidigt worden waren. Sie verhafteten links und rechts von uns. Ich habe von beleidigenden Rufen nichts gehört. Es war ganz lautlos auf der Straße und geradezu eine gespensterhafte Ruhe.

V e r h a n d l u n g s f ü h r e r : Es soll aber ganz erheblich gejohlt worden sein. Zeuge: Davon habe ich nichts gehört.

Angeklagter Leutnant Schadt: Es ist zweifellos gejohlt und gepfiffen worden. Zeuge Staatsanwalt K r a u s e :' Nein. Angeklagter Leutnant Schadt: Ich habe nur die Leute fest­genommen, von denen ich fest überzeugt ivar, daß sie gejoblt hatten. Von einer gespensterhaften Ruhe kann gar keine Rede sein. Zeuge: Es tut mir ja leid, daß der Herr Leutnant Schadt hier angeklagt ist, denn er hat nur die Befehle seines Vorgesetzten ausgeführt. Außer einem Huhruf habe ich nichts gehört.

Es war lautlos, und außerdem verhafteten die Soldaten blindlings, wie die Kosaken auf den Straßen Petersburgs.

Vielleicht glaubten die Soldaten, Leute zu erkennen, die an den Tagen vorher Unruhe gestiftet hatten. Sogar ein Tauber wurde verhaftet. Ein Rechtsanwalt sagte mir, das Militär wi wohl verrückt geworden, und er drohte damit, seinen Stadtratstitel niederznlegen. Am 2. Dezember kam Gene­ral Kuh n.

Er zog die Patrouillen ein» und nun war alles ruhig.

Auch beim Auszug des Regiments war von Animosität der Zaberner Bevölkerung gegen das Militär nichts zu bemerken. Man hatte allgemein Mitleid mit den Soldaten. Die Bevölkerung war also nicht gegen das Militär verhetzt. ^ Es richtete sich immer nur alles gegen den Leutnant v. F o r st n e r und^ einige Leutnants, die provozierend mit Herrn v. Forstner durch die Straßen gezogen waren.

Zeuge Amtsgerichtsrat Brand macht ähnliche Angaben wie Staatsanwalt Krause und bestreitet auch seinerseits, daß von der Menge gejohlt wurde.

Zeuge Adjutant Leutnant Q u a r i n bekundet, daß von ^ der Menge fortwährend gerufen wurde .", und daß auch gepfiffen und gejohlt wurde. An­geklagter Oberst v. Reuter: Es kann gar nicht bezweifelt werden, daß die Menge johlte und pfiff. Das ist doch eine ganz ungezogene Form der Äußerung. Zeuge Leutnant Brunswick bekundet ebenfalls das Johlen und Schimpfen. Verhandlungsführer: Was wurde geschimpft?

Zeuge: Sauschwob und Saupreutz, aber so entfernt, daß, wenn man sich umdrehte, die Beleidiger weg waren.

Unter allgemeiner Spannung wird nun Leutnant Freiherr v. Forstner

vernommen. Auch er bekundet, daß die Menge gerufen habe: Bett.. Lumpensäcke und Ähnliches. Verhandlungs­

führer: Wer hat denn das gerufen? Zeuge v. F o r st n e r: Es waren gewiß auch Kinder darunter, aber meistens Fabrik­arbeiter von 18 bis 20 Jahren. Verhandlungs­führer : Sie sollen vor Ihrer Wohnung in herausfordern­der Haltung eine Zigarette geraucht und mit gekreuzten Armen dagestanden haben. Z e u g e : Ich habe überhaupt nur einige Minuten vor meiner Wohnung gestanden und bin dann sofort in mein Haus hineingegangen. Anklagever­treter: Wann haben die Schimpfereien angefangen? Zeuge: Schon am 5. November. Von da ab wurde ich jeden Tag, wenn ich in den Dienst ging, belästigt; und es wurde ge­rufen: „Vive la France!" „Merde la Prusse!“ Zu

deutsch: Preußen ist ein Dreck! Es wurde die Marseillaise ge­pfiffen usw. Polizei war nicht zu sehen. Anklagever­treter: Zuerst wurde wohl nur gerufen: 10-M.-Leutnant! und Wackes!, und die Rufe wurden erst stärker nach der Ver­öffentlichung ihrer Äußerung über die Fremdenlegion?

Zeuge: Ja, da wurde gerufen saupreuß!, Bettsch.!,

Schwöb und dergleichen mehr. Anklagevertreter: Wie oft wurde das ft gerufen? Zeuge: 30- bis 40mal. Ver­hau d l u n g s f ü h r e r : Sie haben auch anonyme Post­

sachen bekommen? Zeuge: Ich habe 1400 derartige Post­sachen erhalten (Heiterkeit), aus Zabern allein 400.

In vorgerückter Stunde tverden die Verhandlungen auf morgen Dienstag 9 Uhr früh vertagt.

Der zweite Tag.

Eigener Drobtbericht des „Wiesbadener Tagblatts".

wb. Straßburg, 6. Januar. In dem Prozeß gegen den Obersten v. Reuter wurde heute vormittag 9 Uhr die Ver­handlung mit der Fortsetzung des Zeugenverhörs wieder auf­genommen. Die Gesamtzahl der von heute ab noch zu vernehmenden Zeugen beträgt 88. Ein Leutnant V o e t o g e berichtet über die Vorgänge am 9. und 10., bezw. 28. Novem­ber, ohne neue Momente zu bringen. — Zeugin Frau Ewer, Inhaberin eines Zigarrengeschäfts in Zabern, sagt u. a., daß von einem Arbeiter in jene» kritischen Tagen in ihrem Laden geäußert worden sei, von Mühlhausen kommen uns jetzt die dortigen Genossen zur Hilfe Sie gibt eine Reihe von Schimpfwortcn wieder, die in jenen Tagen zu hören waren. Als Zeugin geäußert hätte, eS werde offenbar gegen die Offiziere gehetzt, wurde sie von dem Oberbürgermeister Knüpfer zur ' Zurücknahme dieser Erklärung veranlaßt. Die Zeugin schildert den Obersten v. Reuter als einen begeisterten Elsässer Freund.

Zeuge Leutnant Brunswick weiß sich einer Szene zn erinnern, tvo sieben Arbeiter, jedenfalls, auswärtige, am 29. November in den „Karpfen" kamen, sich dicht neben die Offiziere setzten, „Vive l’Alsace" riefen und herausfordernde Reden führten.

Die Leute hätten Skandalszenen beabsichtigt, und nur das Erscheinen des Obersten v. Reuter habe sie daran verhindert.

Um 10 Uhr zieht sich der Gerichtshof zurück, um gegen die Berichterstattung der „Frankfurter Zeitung" Stellung zu nehmen. Die schlechten Akkustikverhältniffe im ganzen Saal^erschweren die Berichterstattung sehr. Der Ver­treter der „Frankfurter Zeitung" wurde zur Rede gestellt, weil er den Ausdruck „Der Hund höhnt uns" als angebliche Äußerung des Obersten wiedergegeben bat. Der Vertreter, der mit der schlechten Verständigung fein Miß­verständnis erklärt, sagt Berichtigung zu. Der Ver­handlungsführer ersucht um m ö g l i ch st objektive B e - richte r st a t t u n g. Auf Grund des Vorkommnisses werden der Presse bessere Plätze angewiesen.

Kreisdirektor Mahl

beschwert sich über die unrichtige Berichterstattung. Er be­st r e i t e t, daß der Statthalter ihm verboten habe, zum Obersten zu gehen. Der Berhandlungsführer stellt da­gegen fest, daß jener fragliche Ausdruck gefallen sei. Dasselbe stellt der Anklagevertreter fest. Der Kreis­direktor berichtigt nunmehr seine Aussage.

Zeuge Offizier N o l d e, der auf dem Kascrnenhof Wache hatte, kann nur wenig bezeugen. — Musketier Beck war einer der Begleiter des Leutnants v. Forstner. Er berichtet, daß am 28. November 16 bis 18 junge Burschen gerufen haben: „Ihr Dreckschwobe, geht nach Hause!" Als die

Turnstunde aus war, rief ein Bursche: „Da geht der Lump, der Drecksack!", worauf dieser den Mann verhaftete. Bei dieser Gelegenheit hätten sich wohl 100 Menschen angesam­melt. — Musketier J a quer äußert sich über die Vorgänge öei der Turnhalle. Einer der Schreier, namens Kiefer, äußerte gegenüber den Aussagen der Soldaten, die bei ihrer Aussage bleiben, er habe nichts getan. — Musketier greis äußerte sich in ähnlicher Weise über die Vorgänge.

Zeuge Schlosserlehrling Habermann wurde am 28._ November verhaftet, weil er dem verhafteten Kiefer zuge- rnfen haben soll: „Na, so'ne Gemeinheit, denen wollen wir es schon zeigen!" Zeuge will den Grund seiner Verhaftung nicht, kennen. —_ Musketier Jerusalem wurde von einem Zeugen, der rief: „Du Drecksack, laß mich los!", gekratzt.

— Zeuge Köln sagt aus, daß er, als er am Kanal entlang ging, verhaftet und in den Pandurenkeller eingesperrt worden sei. Er habe etwa 40 bis 50 Menschen gesehen, darunter den Verleger des „Zaberner Anzeigers" Wibecke. Die Leute whlten. Ein Schreier hätte sich in das Hans Hehls geflüchtet.