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Abend-Ausgabe, 1 Matt.

Sette 3«

schossen die Schüler die Wohnung des Direktors mit Revol­vern. In Jaroslav weigerten sich die Zöglinge, zum Unter­richt zu gehen und forderten eine Revision der unhaltbaren Zustände. In Stawropol entwendeten die Seminaristen drei Heiligenbilder aus der Seminarkirche und schlugen revolutio­näre Proklamationen in den Straßen an. Der Direktor des Seminars in Pleskau erbat die Hilfe des Synods, da die Schüler jeden Gehorsam verweigerten.

Bulgarien.

Der neue Sobranjepräsident. Sofia, 2. Januar. Bei der heutigen Präsidentenwahl in der Sobranje erhielt Watschaw 88 Stimmen und ist somit zum ersten Präsidenten gewählt. Tie Wahl des Vizepräsidenten wurde auf morgen vertagt.

Die bevorstehende Lösung der Kabinettskrise. Sofia. 3. Januar. Die Kabinettskrise soll morgen ihre Lösung finden. Die Sobranje hat den Stambulowisten Matakiew und den Anhänger Tontschews, Sawa Jwantschew, zu Vize­präsidenten gewählt. Die Sozialisten haben in der Kammer einen Protest wegen verspäteter Einberufung der Sobranje eingereicht.

Der Schiedsspruch des Präsidenten von Frankreich. AB.

Sofia, 2. Januar. Die Nachricht aus Paris, Griechenland habe den von Bulgarien gewünschten Schiedsspruch des Prä­sidenten Poincars zur Regelung der Streitfragen über dre Absteckung der griechisch-bulgarischen Grenze angenommen, ist unrichtig. Bulgarien wünscht den Schiedsspruch PoincarSs nur über die bulgarischen Kriegsgefangenen. Die griechische Regierung hält die Gefangenen trotz wiederholter Versprechun­gen, sie sreizulassen, fest. Das bulgarische Kabinett bemüht sich, das Kabinett in Athen zu einer gerechten Lösung dieser Frage zu veranlassen, um nicht gezwungen zu sein, zu Regress ivmatzregeln Zuflucht zu nehmen.

Serbien.

Vorläufig noch keine Neuwahlen. Ein altradikales Kabinett? Belgrad, 2. Januar. Der König berief heute nochmals die oppositionellen Parteiführer ins Palais und er­klärte, daß Neuwahlen gegenwärtig tnit Rücksicht ans die Militärleistungen zahlreicher, als Reservisten unter den Fahnen stehender Wühler sowie aus technischen Gründen nicht zweckmäßig erscheinen. Die Parteiführer beharrten aus dem Standpunkt, den sie bei ihrer ersten Berufung ins Palais dar­gelegt hatten. In politischen Kreisen wird erwartet, daß der König Paschitsch die Bildung eines altradikalen Kabinetts anvertrauen wird.

Griechenland.

Eine dringliche Anleihevorlage der Regierung. Athen, 3. Januar. Ministerpräsident Venizelos, der seine Auslands­reise am Samstag antreten wollte, hat die Abfahrt bis Mitt­woch verschoben mir Rücksicht auf die Kammersitzuugen, die bis Dienstag dauern werden. Die Regierung wird der Kammer eine Vorlage über eine Anleihe von 6 Millionen zu­gehen lassen, für die sie Dringlichkeit verlangen wird.

Die Kammer und der türkische Dreadnonghtskauf. Ad.'A Athen, 2. Januar. In der heutigen Sitzung der Kammer richteten mehrere Deputierte an die Regierung Anfragen, be­treffend den Ankauf des DreadnoughtsRio de Janeiro" durch die Türkei. Ministerpräsident Venizelos bestätigte die Nach­richt über diesen Ankauf und erklärte, er sei nicht in der Lage, mitzuteilen, welche Maßnahmen die Regierung zu ergreifen gedenke, um die Oberherrschaft der griechischen Marine im Agäischen Meere aufrecht zu erhalten oder die iit dieser Ab­sicht bereits getroffenen Maßnahmen bekannt zu geben. Der Ministerpräsident erklärte schließlich:Ich glaube, daß der gegenwärtige Stand der nationalen Fragen es nicht gestattet, über bereits erfolgte Schiffsbestellungen oder über Verhand­lungen wegen weiterer Aufträge zu berichten. Ich kann der Kammer 'lediglich versichern, daß Griechenland ent­schlossen ist, die Suprematie zu behaupten; ich kann weiter versichern, daß die obersten Spitzen der griechischen Marine nicht im geringsten beunruhigt sind." (Beifall.)

Türkei

Enver - Bei künftiger Kriegs minister? Ko n ft »tut* nopel, 3. Januar. Kriegsmiuister Jzzet-Pascha hat

demissioniert. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Kriegs- portefeuille Enver-Bei angeboten werden.,

Der Unwillen über den englischen Vorschlag, betreffend die Jnfelfrage. Konstantinopel, 2. Januar. Die offiziöse Presse erklärt jetzt ganz entschieden, daß die Lösung der Jnfelfrage in dem Sinne, wie sie England Vorschläge, niemals angenommen werden könnte.Tanin be­hauptet, die leitenden Männer Griechenlands müßten wissen, daß, so lange die Jnfelfrage nicht gemäß deru türkischen Standpunkt geregelt sei, die Beziehungen zwischen der Türket und Griechenland anormal blieben. Die Türkei werde alles aufbieten, um die Inseln zurückzugewinnen. Bon Griechen­land hänge es ab, die gegenseitigen Beziehungen nicht zu ver­schlimmern. Morgen, lvenn das Schicksal gefällt sei, könnte sich die Lage ändern, deitn das Schicksal sei nicht iutmer blind.

Große Freude über den Dreadnoughtskanf. Konstan- tinapel, 2. Januar. Die gesamte Presse betont die große Bedeutung des nunmehr hier und iti den Provinzen bekannt­gegebenen Ankaufs des KriegsschiffesRio bc_ Janeiro'. Die Erwerbung des Dreadnoughts ruft hier lebhafte Freude her­vor und bietet Gelegenheit, die Subskription für die Ausge­staltung der Flotte kräftig zu fördern. DemTanin" zufolge wird das Schiff Mitte Juni hier erwartet. Bon dem Kauf­preise ist noch annähernd ein Drittel zu bezahlen.

Ksten.

Ein Bombenanschlag in Kalkutta. Kalkutta, 2. Jan. In einer Polizeiwache an der Peripheri der Stadt wurde heute eine Bombe geworfen, die jedoch nicht explodierte. Die Bombe glich derjenigen, die im Dezember 1012 gegen den Vizekönig geschleudert worden war.

Mexiko.

Freilassung von 26 früheren Abgeordneten. Mexiko, 2 . Januar. 26 frühere Abgeordnete, die auf Huertas Befehl seit dem 10. Oktober im Gefängnis sich befinden, sind heute entlassen worden, nachdem die Richter des Bezirksgerichts die gegen sie erhobene Anklage wegen Aufruhrs als unbegründet zurückwiesen.

Der Kampf nirt Nurvo Larcdo. N e w V o r k, 2. Jan. Nach einer Depesche aus Laredo machet! sich Aufständische und Bundestruppen weiterhin den Besitz von Ruevo Laredo streitig. Gestern behaupteten beide Teile dieselben Stellungen bis zunr Abend. Auf dem Schlachtfeldc liegen 200 Tote.

Bus Stabt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Der neue Stadtschulrat. Der Magistrat und die Schuldeputation wählten in ihrer letzten Sitzung den Lyzeal- direktor Dr. August Müller, zurzeit in Duisburg-Ruhrort, zum Stadtschulrat, als Nachfolger des seitherigen Stadtschul­rats Müller, der bekanntlich am 1. April in den Ruhestand tritt. Der Gewählte ist 42 Jahre alt und Seminarakademiker. Er ist aus Alsenz bei Kreuznach gebürtig, besuchte die Volks­schule und das Lehrerseminar, war dann 2 Jahre Volks­schullehrer und bereitete sich hieraus für das höhere Lehramt vor. Im Jahre 1898 bestand er das Examen für die höhere Lehramtstätigkeit in Bayern und im Jahre 1910 das preußi­sche Oberlehrerexamen. Rach kurzer Tätigkeit als Lehrer au der Oberrealschule in Landau war Dr. Müller Direktor an den höheren Mädchenschulen in Pirmasenz, Weißenfels, Bieb­rich a. Rh. und Duisvnrg-Ruhrort.

Arbeitsamt. Bei der Vermittlungsstelle standen im Monat Dezember d. I. in der Abteilung für Frauen 401 Ar­beitsgesuche 360 Angeboten von Stellen gegenüber, von denen 340 besetzt wurden. Der Abteilung für das Gastwirtsgewerbe waren 489 Arbeitsgesuche, darunter 127 von weiblichen, zu­gegangen, denen 472 offene Stellen, darunter 134 für weib­liche, gegenüberstanden; von denselben wurden 412, darunter 84 durch weibliche, besetzt. In der Abteilung für Männer lagen 827 Arbeitsgesuche vor, 480 Stellen waren gemeldet und 396 wurden besetzt. Bei der Fachabteilung für das Maler-, Lackierer- und Weitzbindergewerbe gingen 98 Arbeitsgesuche ein. Offene Stellen wurden 56 gemeldet, von denen 56 be-

setzt wurden. Bei dem Stellennachweis für raufmanmiche Angestellte meldeten sich 43 männltchc und 15 weibliche Stellensuchende; offene Stellen wurden 3/ für männliche^ und 22 für weibliches Personal gemeldet. Besetzt wurden 2 < durch männliche und 6 durch weibliche Stellemuchende, . 3»

der Abteilung für Krankenpflegepersonal meldeten sich 2- Stellensuchende, darunter 7 weibliche; 9 ossene -stellen, Dar­unter 2 für ioeibliche. wurdeit gemeldet, von denen < durch männliche Stellensuchende besetzt wurden. Insgesamt waren im Dezember v. I. 1895 (im Vorjahr 1648) Arbettsgesuche und 1416 (1158) Angebote angemeldet; besetzt wurden 1247 (1033) Stellen.

Reichshallen-Theater. Ungeachtet des schönen Wmter- tags mit seinen verlockendenReizen für die Freund« des Schnee- und Eissports fanden sich zu Neujahr doch viele Anhänger des Varietes im ReichShallen-Theater ein. Der rührige Direktor Becker war in der Zusammenstellung des Programms wmwr recht glücklich, so daß es allseitig zufriedenstellen wird. Risa Eadella leitet als Soubrette das abwechselungsreiche Pro­gramm mit frischen Wiener Liedern ein. Von den lichen Darbietungen spricht weiter das Rokoko-Duett Dr. Erwin und Sophie Hemmer besonders an, mrd Fräulein Frida Rohr sorgt wiederum für gute Stimmung im Hause. Auch der Humorist Hans Wridenberg wird seiner Aufgabe vollauf gerecht. Seine CoupletsRingel-Ringel-Reihen", die neue­sten politischen Zwischenfälle, ioie den Fall von Zabern, m launiger Weise behandelnd, trägt ihm reichen Beifall ein. Eine gute Rezitatorin ist Fräulein Marga Felden. Auf artisti­schem Gebiet leisten Mister Jacson mit seiner freistehenden Leiter und The-Goltz-Tvio, namentlich mit einem Drahtserl- akt auf rollenden Kugeln, Hervorragendes. Die Jongleure Danty und Danth sowie der vom letzten Programm über­nommene komische Excentric-Akt üben auf die Lachmuskeln weiter ihre volle Wirkung aus.

DerWiesbadener Männergesang-Berein" hielt sein« diesjährige Weihnachtsfeier am Samstag, den 27. Dezember, im festlich geschmückten Saal derWartburg" unter freund­licher Mitwirkung von Fräulein Gerda Jdelberger, Opernsängerin, Fräulein Anna Baum (Violine) und einem Doppelquartett von Vereinsmitgliedern ab. Die Vortrags- folge war dem Fest entsprechend gewählt, und die Vortragen­den, besonders die beiden Damen, ernteten für ihre künstleri­schen Darbietungen den reichsten Beifall der leider nicht iit gewünschter Anzahl erschienenen Zuhörer. Am 1. Januar versammelten sich die Mitglieder des Vereins imWartburg - Restaurant zunr gegenseitigen Austausch der Neujahrswünsche, bei welcher Gelegenheit auch dem Ehrenvorsitzenden des Ver­eins Herrn Generalintendanten Grafen Hülsen-Häseler ein Glückwunschtelegramm gesandt wurde. Die telegraphische Antwort desselben lautete:Vielen Dank für Ihr mich auf­richtig erfreuendes Gedenken; der große Erfolg, den unser Verein im vergangenen Wettstreitjahre errungen, ist ein lebender Beweis für den Ernst und die Kraft seines Strebens. Mögen diese Eigenschaften ihm allzeit treu bleiben! In diesem Zeichen erwidere ich Ihre Wünsche mit herzlichsten Grüßen Ihnen allen. Aus Wiedersehen! Graf Hülsen."

Zur ReichsversicherungSordnung. Auf Grund de? § 160 der Reichsversicherungsordnung und 8 2 Slbsatz 2 des Versicherungsgesetzes für Angestellte wird der Wert der Sach­bezüge für den Gemeindebezirk der Stadt Wiesbaden für den Tag wie folgt festgesetzt: 1. Bei Betriebsbeamten, Hand­

lungsgehilfen und anderen Angestellten in ähnlich gehobener Stellung: Wertsätze für 1. freie Kost: a) Einzelmahlzeiten: 1. Frühstück 15 Pf., 2. Frühstück 16 Pf., Mittagessen 60 Pf., Vesperbrot 15 Pf., Abendessen 45 Pf.; b) volle Tageskost 1 M. 50 Pf.; 2. freie Wohnung 50 Pf.; 3. freie Kost und Wohnung 2 M.; 2. bei Arbeitern männlichen Geschlechts: Wertsätze für

1. freie Kost: a) Einzelmahlzeiten: 1. Frühstück 15 Pf.,

2. Frühstück 15 Pf., Mittagessen 55 Pf., Vesperbrot 15 Pf., Abendessen 35 Pf.; b) volle Tageskost 1 M. 35 Pf.; 2. freie Wohnung 35 Pf.; 3. freie Kost und Wohitung 1 M. 70 Pf.;

3. bei Arbeitern weiblichen Geschlechts: Wertsätze für 1. freie Kost: a) Einzelmahlzeiten: 1. Frühstück 15 Pf., 2. Frühstück 15 Pf., Mittagessen 45 Pf., Vesperbrot 15 Pf., Abendessen 30 Pf.; b) volle Tageskost 1 M. 20 Pf.; 2. freie Wohnung 30 Pf.; 3. freie Kost und Wohnung 1 Ni. 60 Pf. Im übrigen eriolat die Feitiebuna anderer Sackibe»üae von Fall zu Fall.

fahrene Naturforscher beteiligen, ein Biologe, ein Geologe und ein Meteorologe." Shackleton sprach dann über die Leistungs­fähigkeit der 120 Hunde, die aus Alaska und Sibirien kommen; mit diesen Tieren hat schon Amundsen die besten Erfahrun- gen gemacht. Für den Vorschlag, anstatt der Hunde gezähmte Bären bei der Polarreise zu verwenden, zeigte er wenig Sympathie. Viel verspricht er sich auch von den Aeroplan- Schlitten, die vermöge ihrer ausgezeichneten Motore imstande sind, nahezu 2000 Pfund Gewicht mit einer Schnelligkeit van 6 bis 6 Meilen in der Stunde zu befördern. Shackleton hofft, die Durchquerung des Südpolarkontinents bei günstigen Be­dingungen in fünf Monaten durchzuführen.Geht alles gut, so hoffe ich, daß meine neue Südpolarexpedition im April 1915 zurück sein wird."

Im Boxkampf mit Maeterlinck. Der Weg zum .Herzen Maeterlincks führt durch den Boxhandschuh das ist der Ein­druck, den der bekannte englische Journalist Ward Prrce von (einem Boxkämpfe mit dem Dichter vonPeleas und Meli- sande" davougetragen hat. Ward Price, der selbst ein^ sehr tüchtiger und erfahrener Boxer ist, hat Maeterlinck in seiner schönen Villa bei Nizza besucht, tnit ihm geplaudert, vor allem aber: mit ihm geboxt, und er selbst gesteht es, daß Maeter­linck erst dann »vit ihm nicht sehr nahestehenden Menschen einen gefühlsmäßigen Kontakt gewinnt, wenn ein anderer höchst materieller Kontakt vorausgegangen ist; wenn im Box­kampf seine Faust mit dem Kiefer des Gegners Fühlung ge­wonnen hat. Ein kräftiger Mann in Sweater, Kniehosen und derben braunen Strümpfen, dessen volles bereits mit grauen Strähnen durchzogenes Haar ein Gesicht umrahmt, das die rote Farbe der Gesundheit zeigt, ein Mann mit einem harten schweren Kinn und scharf auAschauenden aufmerk­samen blauen Augen das ist der Maeterlinck, dem Ward Price, die Boxhandschuhe an den Händen, sich gegenüber sah: Maurice Maetevlinck, der Philosoph und Dichter der Seele, der Träumer und Denker, der denSchatz der Armen" und dasLeben der Bienen" schrieb.Und auf drei Minuten", so erzählt der Engländer tu derDaily Mail",sollte ich das Recht, ja die Pflicht haben, diesem Manne nach allen Regeln der Kunst und bestem Können meine Fäuste ins Gesicht zu schlagen." Aber nicht umsonst boxt Maeterlinck seit drei Fahren mit der Gewissenhaftigkeit eines echten Enthusiasten unweigerlich Tag um Tag. Es ist gar nicht so leicht, bei Monsieur Maeterlinck einen richtig sitzenden Hieban den

Mann zu bringen"; selbst der erfahrene Boxer sieht sich hier

einem sehr tüchtigen Gegner gegenüber, die stämmigen kräf­tigen Beine des Dichters entwickeln eine erstaunliche Elastizi­tät und Fixigkeit. Immer wieder weiß Maeterlinck meister- hast mit einem Sprunge oder einer Parade dem Hiebe auszu­weichen, geht blitzschnell zum Gegenangriff vor, und che der Engländer es sich versieht, hat Maeterlinck zweimal einen cross right" am Kopfe stines Gegnersgelandet". 24 Jahre Vorteil hat Ward Price auf seiner Seite, aber er gesicht, daß er nicht ein einziges dieser Jahre vermißt haben möchte. Maeterlinck boxt englisch- Hoch ausgerichtet steht er da, hält seine Rechte ziemlich weit empor und die Linke etwas mehr als üblich gekrümmt, so^datz beide Boxhandschuhe nahe an seinem Gesichte stehe»- '«eure Abwehr ist ganz ausgezeichnet, erstcht" dabei fester und besser' als die meisten Menschen seines Alters;und als nach forei Minuten unser Gang vor­über ist", berichtet Prree,hatte ich eine wogende Brust und ein wild arbeitendes Herz, während Maeterlinck tut# der vorschriftsmäßigen Pause von nur einer Minute zu einem neuen Gang mit seinem Boxlehrer bereit stand." Vordem war Maeterlinck, wie fast immer gegen Besucher, mehr als schüch- teru getoesen, schien sich unbehaglich und unsicher zu fühlen; aber wenn er einen Gast erst einmal tüchtig verboxt hat, sind die Hemmungen geschwunden. Dann fällt jeder .Zwang von ihm ab, dann wird er herzlich, ungezwungen und vergnüg, und erzählt. Vom Boxen natürlich. Das Boxen tolle die Menschen gewaltig machen? Aber, aber:Das Boxen ist

doch gerade die Bezähmung der Gewalttätigkeit. Ist ein Boxer je ein roher Mensch adxx ein Kampfhahn? Nein, im Gegenteil, dse Gewißheit, sich schützen zu köniteu, verleiht ihm Selbstvertrauen und Ruhe. Der Mensch ist ein höchst einpfindliches West»- besonders gegenüber seiner eigenen Meinung. Ist er beleidigt oder in Gefahr und weiß er, daß er keine Gewandtheit in der Verteidigung besitzt, darin ioird er nervös.Ich wäre also ein Feigling?" fragt er sich selbst, und um sich darüber zu beruhigen, wird er zuin Angreifer. Und er greift feige zu Messer oder Revolver. Der Boxer aber, der seiner Verteidigungskraft sicher ist, ist geduldig und lang­mütig." Dann kam das Gespräch ans Maeterlincks Arbeit. Zwei neue Ausgaben beschäftigen ihn gegenwärtig, ein Buch ^Der unbekannte Gast", eine Betrachtung über das überir­dische Bewußtsein, und ein Bühnenwerk, das den Titel er­hältDie Heirat Tylthls", eine Fortsetzung desBlauen Vogels".

Kleine Chronik.

Theater und Lfteratur.Pfarrer Hellmuud", das vielbesprochene und'angefeindete Drama des einheimischen Dichters Fritz P h i l i p p i, wird am 10. d. M. im Mainzer Stadttheater zur Aufführung gelanget,.

Der Vertrag des Intendanten der Frankfurter Oper, Robert Volkner, ist von der Neuen Theater-Aktien­gesellschaft bis Herbst 1917 verlängert worden.

Der Frauenmut", ein Lustspiel von Hermann Essig, der im vorigen Jahr mit dem Preis der Kleiftstiftung geehrt worden, kommt am 9. Januar im Düsseldorfer Schauspielhaus (Direktion Dumont-Lindemann) zur Urauf­führung.

Bildende Kunst und Musik. In F r a n k f u r t a. M. fand gestern unter der künstlerischen Leitung von Qberregisseur Ehristian K r ä h m e r im Opernhaus die erste Aufführung desParsifa l" statt. Das bis anfs letzte Plätzchen aus­verkaufte Haus folgte mit wachsendem Interesse und tiefster Ergriffenheit dem in allen Teilen ineisterlich vorbereiteteil und künstlerisch vollendet dargcbotenen Weihefestspiel. An dekorativer Pracht bot die Aufführung eine Fülle von Schön­heit, Harmonie und Farbenglanz. Das Orchester unter der Leitung von Dr. Rolicnberg stand in jeder Beziehung auf der Höhe seiner Ausgabe. Am Schluß der fünfstündigen Auffüh­rung wurden die Hauptdarsteller Robert Hutt (Parsifal), Richard Breitenfeld (Amfortas), Herr MeurS (Titurel), Johannes Föntz (Gurnemanz) und Frau Berte Schelper (Kundry) ob ihrer gläirgendeu Leistungen von der erlesenen Festgemeinde, die bis dahin in ehrfürchtigem Schweigen der Aufführung gefolgt war, stürmisch gefeiert.

Die neue Oper WeingartnersKarn und Abel" geht am 17. Mai in Darmstadt zum erstenmal in Szene. Der Komponist wird auf den Wunsch des Großherzogs von Hessen die Oper selbst dirigieren. Die weibliche Hanpi- rolle wird Frau Lucille Marcels-Weingartner singen.

,.D a s k u r z e Leben", ein lyrisches Drama in 3 Akten und 4 Bildern van Fernandez Shaw, Musik von Manuel de Falla, fand bei der Generalprobe in der Opera Comique in Paris den einmütigen Beifall der Kritik.

Wissenschaft und Technik. Der außerordentliche Professor Dr. Hans Kniep von der Straßburger Universität ist, ivie dieStratzb. Post" hört, als ordentlicher Professor der Botanik nach W ü r z bürg berufen worden.