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WitsbÄener UM
Verlag Langgaffe S1 r Fernruf:
„T-gbl-<,.H«us". tDSdntlltUw f ’~-.A5s&? 12 HUSOÖÖM!« „Tagblatt-Hails" Nr. 66i>0-53.
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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
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Samstag» 5. Januar 1914. MGVgEN-KU§gtlbE. Nr. 5. * 62. Jahrgang.
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Wiesbadener ^agblatt
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Das „Wiesbadener Tagblatt", das wöchentlich zwölfmal erscheint, ist nicht nur wegen seines gediegenen und anregenden Inhalts fast in jedem Hause der Weltkurstadt eingewurzelt als
das SamMsnblatt Wiesbadens,
das „Wiesbadener Tagblatt", die älteste und beliebteste Zeitung Wiesbadens, ist zugleich auch als das erste politische und bei weitem am meisten verbreitete und bedeutendste liberale Blatt
das küdrsnde Organ Nassaus.
Es wird auch fernerhin bestrebt sein, zu jeder grundsätzlichen Frage und allen politischen Ereignissen von Bedeutung eine selbständige und liberale Stellung ejnzunehmen, itn Zusammengehen aller Liberalen den Weg zum Siege des Liberalismus zu sehen und immer von nationalem GesichtSvnnkt aus der Wohlfahrt des Ganzen zu dienen.
Nicht nur infolge der Bedienung durch die besten Tele- graphenüureaus, sondern auch durch seine eigene Berliner Redaktion, die in diesem Vierteljahr noch eine wesentliche weitere Ausgestaltung erfahren wird, durch einen umfassenden, modern organisierten eigenen telegraphischen Dienst ist das „Wiesbadener Tagblatt" in der Lage, bei prompter und gewissenhafter Berichterstattung als
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Der Verlag.
Die FLotrenreise nach Westasrika und Südamerika.
i.
An Bord S. M. S. „Kaiser".
Atlantischer Ozean, im Dezember 1913.
■ Am 9. Dezember 1913, vormittags 11 Uhr, verließ S. M. S. „Kaiser" mit dem Divisionschef der detachierten Division an Bord die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven und dampfte nach der Wilhelmshavener Reede, um die von Seiner Majestät dem Kaiser befohlene Auslandsreise anzutreten. Draußen erwarteten das Flaggschiff die beiden anderen Schiffe der Division: das Linienschiff „König Albert" und der kleine Kreuzer „Straßburg", die von Kiel gekommen waren. Mit Salut begrüßten sie die neu gesetzte Flagge deS Divisionschefs.
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Die letztest Tage bis zur Ausreise hatten lein glänzendes Bild geboten. Dazu ist die Wilhelmshavener Werft just lm Dezember nicht angetan. Unter dem fortgesetzten Regen hatten sich die Wege mit Schlamm und Schmutz bedeckt. Bon dem nicht gerade gastlich aussehenden Kai aus ging cs direkt über einen hölzernen Laufsteg auf das Schiss. Und dieser Laufsteg war unausgesetzt in Benutzung. Was war nicht alles in dem Schiff unterzubringen zu dieser Meist- Abg» sehen von der besonderen Schiffsausrüstung, die an Börd gegeben werden mutzte, weil das Schiss in die Tropen sollte, Und abgesehen von den Mengen an Material und Inventar, zur Ausfüllung in jedem Detail, verschwanden geradezu fabelhafte Mengen von Proviant und Kantinenartikeln in seinem Riesenleib. Und fragte man den Schiffszahlmeister, wie lange das Einzelne nun reichen würde, so war man aufrichtig bestürzt zu hören, wie in kurzer Zeit hungrige Seemannsmägen all diesem ein Ende bereiten würden. Alles auszu-
Die Politik der Woche.
Der Übergang vom alten ins neue Jahr hat sich auch diesmal in der üblichen, vergnügten Weise^ vollzogen. denn in uits allen überwiegt doch zum Schluß der Optimismus den Pessimismus, und so sind wir an der Jahreswende geneigt, das vom neuen Jahre . zu erhoffen, was uns das alte versagt hat, mag auch diesmal die Silvösterfeier manch einem durch den Gedanken oetrübt worden sein, daß der 31. Dezember der Tag für die Feststellung der Wehrsteuer tvar. .Auch die Schnee stürme, mit denen das Jahr 1914 sich etwas ungebärdig vorstellte, haben wir trotz der >damit verbundenen Verkehrsstörungen geduldig in Kauf genommen, und wenn wir dadurch etwas verspätet in den Besitz der Glückwünsche gelangten, die uns zum Jahreswechsel gespendet wurden, so wissen wir doch, daß diese darum nicht weniger herzlich gemeint waren.
Wie aber steht es mit den politischen S t ü r m e n, mit denen das Jahr 1913 ausklang und die uns aller Voraussicht nach auch in diesem Jahre bei dern am 13. Januar erfolgenden Wiederzusammentritt des Reichstags erwarten? Schon die von seiten des Z e n t r u m angekündigte Erörterung des Falles Jagow, der übrigens auch den am 8. Januar zusammentretenden preußischen Landtag beschäftigen dürste, wird dafür Sorge tragen, daß die Zabern-Affäre noch nicht so bald zur Ruhe kommt. Erfreulicherweise hat sich herausgestellt, daß es sich bei der geheimnisvollen neuen Schießerei in Zabern nicht um ein Stttewtet cnuf den Militärposten gehandelt hat, aber die bedauerlichen Vorgänge dürften nach anderer Richtung hin — steht doch auch das Verfahren gegen Oberst v. Reuter bevor — noch manches Opfer fordern.
Glauben doch manche, daß am Ende der leitende Staats m a n n zu. diesen Opfern gehören könne. Jedenfalls ist es nicht zu bestreiten, daß Herrn v. Beth- mann-Hollwegs Stellung, die schon durch das Mißtrauensvotum des Reichstags einen Stoß erlitten hatte, durch das konzentrische Vorgehen der K o n s e r- vativen auf der einen und des Berliner Polizeipräsidenten v. Jagow auf der anderen Seiten wesentlich erschwert worden ist. Leute, die das Gras wachsen hören, wollen denn auch wissen, daß bei den Neujahrs- ompfängen am Kaiserhofe schon von dem sechsten Reichskanzler gesprochen worden sei, und es werden auch bereits Namen wie der des Freiherrn v. Schar- lemer-Lieser'und des Fürsten Lichnowsky genannt, aber das sind verfrühte Bemühungen, solange der fünfte Kanzler noch auf seinem Posten steht.
/Etwas freundlicher als die innere Politik'läßt sich für den leitenden Staatsmann beim Jahreswechsel die auswärtige Politik an, denn der vielerörterte Vorstoß der Tripel-Entente gegen die deutsche Militärmission in der Türkei hat sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen, und die Mächte des Dreiverbandes werfen sich jetzt in sehr bemerkenswerten Preßfehden gegenseitig vor, den anderen im Stich gelassen zu haben. Am schärfsten trat dabei die Heuchelei der Staatsmänner
zählen ist ganz unmöglich- Als Beispiel seien 12 000 Kilogramm Butter, 20 000 Kilogramm Mehl, 16 000 Kilogramm Kartoffeln, 10 000 Kilogramm Zucker und als Fleischnahrung u. a. z. B. 20 000 Paar Halberstädter Würstchen genannt, von denen festgcstellt wurde, daß six gerade zu neun Mahlzeiten reichten. Zum Schlüsse war der Kohlenvorrat aufzufüllen. Es fehlte nur die letzte Ergänzung an Kohlen; etwa 3000 Tonnen (—- 60 000 Zentner) waren an Borv, nur 9- bis 10 000 Zentner fehlten. Sie wurden am vorletzten Tage, als die übrige Ausrüstung beendet war, von den Seeleuten und Heizern morgens aus Prähmen cn Bord geschaufelt in wenigen Stunden -—, aber wie sah dann das Schsis aus! Wo man . sonst die blitzsauberen Decks, Türme, Aufbauten sah, das blanke weiße Holzdeck, die schmucke, graue Farbe, da war nichts als schwarzer, zäher, klebriger Schmutz. Und auf diesem Schiffe, sollte sich am folgenden Tage der Admiral zu der großen Reise einschststu!
Am Nachmittag Hub bann großes Reinemachen uro das jeder Hausfrau zur Freude gereicht hätte. Tausend fleißige Hände regten sich, hundert Besen und Absetzer kratzten und fegten, Dutzende von Schläuchen spritzten und fluteten Wassermengen über das Schiff, 5(jn nächsten Vormittag, als der erste Offizier. befahl, daß „Ausklaren" gepfiffen, d- h- mv Arbeit eingestellt werde und die Leute sich umziehen sollten, war wie der Phönix aus der Asche ein ansehnliches Schiss erstanden, das dem Anbordkommen des Admirals und dem Hissen seiner Flagge würdig cntgegensah.
Die Offiziere und Leute waren über all den Vorberei- tungS- und Ausrüstungsarlbciten wohl garnicht recht zur Besinnung gekommen. Die trübe Witterung, der Regen, die wenig anregende und dabei anstrengende AusrüstungSarben hatte'sich etwas lähmend auf die Freude gelegt, die jeder empfunden hatte, als der Befehl zur Ausreise erfolgte. Aber nun war man fertig! Nun ginß es wirklich los! In sauberen Anzügen standen die Blaujacken in Reih und Glied als der
am Quai d'Orsay hervor, die der deutschen Politik vorwerfen, daß ihr Ziel die Aufsaugung der Türkei sei, während doch gleichzeitig die französische Militärmission in Griechenland mit so umfassenden Vollmachten ausgestattet wurde, daß man nahezu von einer französischen M i l i t ä r h e r r s ch a f t in dieseni Balkanstaate sprechen kann. Offenbar) rechnen die griechischen Politiker dabei ans die wirksame Unterstützung Frankreichs im besonderen und des Dreiverbandes .im allgemeinen bei dem Streit um die al b a n r s ch e Grenzfostsetzung und die Verteilung der Ägüischeu Inseln. Gegen den Vorschlag Sir Edward Greys sind von seiten der Dreibundmächte einige Einwendungen erhoben worden, aber es wird nicht daran gezweisclt, daß zum Schluß auch über diesen Teil der Balkanfrage eine schiedlich-friedliche Einigung erzielt werden wird.
Während man in Griechenland sehr optimistischer Stimmung ist, stehen zwei andere Balkanstaaten, Bulgarien und Serbien, im Zeichen einer ch r o n i- schen Krisis, die dort durch die Niederlage des Kabinetts Radoslawow bei den Wahlen und hier durch die verworrenen Parteiverhältnisse in der Skupschtma hervorgerufen wurde. In Bulgarien bat Zunächst der Minister des Äußern Ghenadiew demissioniert, aber cs gilt als wahrscheinlich, daß der Premierminister Radoslawow nach der Eröffnung der Sobranje zurücktreten wird. In Serbien hat das Kabinett Paschitsch jetzt zum zweiten Mal seine Demission eingereicht, und man rechnet damit, daß ein altradikales Ministerium an seine Stelle treten wird.
In Mexiko hält sich der viel angefeindete Präsi- dent Huerta noch immer, und er behauptet neuerdings sogar Erfolge Wer die Rebellen errungen. zu haben, was für die Amerikaner «ine sehr ärgerliche Tatsache wäre. Am Ende werden diese, mißtrauisch wie sie sind und mit dem Ausbau der Monroe-Wikson- Doktrin beschäftigt, jetzt auch nach berühmten Mustern über die deutsche M i l i t ä r m i s s r o n in der Republik P a r a g u a y schreien, obwohl ein derartiger Lärm um nichts ebenso unberechtigt und töricht wäre wie das Lamento über die „deutsche Militärdiktatur in der Türkei".
Oie presse im neuen Ztrafgesetz- entwurs.
Es ist unsere eigene Angelegenheit, nämlich die der Presse, von der hier gesprochen werden soll, aber diese Angelegenheit ist auch solche der Allgemeinheit, und darum darf ein übereinstimmendes Interesse erwartet werden. Es handelt sich um die Stellung, die der Presse im neuen Strafgesetzentwurf zugewiesen werden soll. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch hatte es abgelehnt, den 8 193 des Strafgesetzbuches (W a h r n e h m n n g b e r e ch t i g t e r I n t e r e s s e n) zu erweitern und damit dem hauptsächlichsten Verlangen der Presse zu entsprechen. Auch schränkte er den Wahrheitsbeweis bei Beleidigungen ein, wenn die Be-
Admiral an Bord kam, und sein „Guten Morgen, Kameraden!" wurde mit schallendem Gruß erwidert „Guter. Morgen, Herr Admiral!" Unmittelbar nach dem Abschreiten der Fronten befahl der erste Offizier: „Alle Mann auf Verholstationen!" _ „Klar zum Loswerfen!" Und dann ging's in bie Schleusen hinein, vorbei an dem Kreuzer „Sehdlitz", dessen Besatzung den scheidenden Kameraden drei Hurras zurief, vorbei an der Musik, die auf den Molen stand und unausgesetzt „Friedericns Rex" und „Mutz i denn" spielte, vorbei an winkenden Kameraden, die mit ihren Frauen am Ufer das Auslaufen verfolgten. In diesem erhebenden Moment ist cs^ doch wohl den meisten klar geworden, was es bedeutete, daß sie aus einem Schiffe standen, dessen Gefechtskraft von keinem anderen Schiffe der Welt nbertroffen wird, und daß sie mit diesem Schiffe und einem zweiten gleichstarken hinaus sollten in die Welt, um deutsches Können, um deutschen Fleiß sehen zu lasse» und die Söhne der Heimat über See zu grüßen. Die Begeisterung, die solche Gedanken allmählich weckten, wuchs noch, als der Kommandant auf Befehl des Admirals alle Mann aus dem Achterdeck um sich versammelte,
— über 1000 waren es! — um ihnen den Zweck der Reise mit wenigen Worten einzuprägen und das Telegramm Seiner Majestät zu verlesen: „Ich wünsche der Division glückliche Fahrt und Heimkehr. Gott geleite Sie! Wilhelm. I. 11."
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Gegen Abend trat die Division den Marsch an, zunächst ging es jadeabwärts. Es wehte steif aus West-Südwest. Beim Weser-Feuerschiff waren die Lotsen abgugeben, mit den letzten Grüßen an die Heimat. Dann tu die Nordsee hinein!
— Die wollten uns gerne ziehen lassen. Waren doch seit 13 Jahren keine deutschen Linienschiffe in die Welt hinausgc- fahren! Einen brüllenden Westwind setzte sie. uns entgegen, und ihre kurzen Seen schmetterten gegen die Stahlwände des Schiffes, daß der ganze 25 000 Tonnen schwere Koloß sich doch ab und zu schüttelte und grimmig die Nase, ins kalte Schaumwasser steckte, lind konnte Frau Nordsee uns nicht schrecken
