R». 1» Donnerstag, 1 Januar 1914.
dom Regiemgstisch, nanrentlich nach derjenigen des Kriegsministers, mtlichc bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme eines Hausins Konservativer, einmütig von der Auffassung behrscht wurden, es sei dem verletzten Rechts- empfindn durch diese Vertretung der Angelegenheit nicht G e ü g e geschehen. Daß durch spätere Erklärungen und durch rs, was nachdrücklicher und rechtzeitiger geschehen ist, als esstc Akustik der ersten Reden vom Regierungstisch vermuten etz, diese Auffassung erfreulicherweise eine Rich- tigstellungrfahren konnte, ändert nichts an der Tatsache, daß die «Legung, die durch sechs Siebentel des Reichstags und sichereinen inindestens ebenso großen Bestandteil des deutschen «olles ging, vom bürgerlichen Rechtsempfinden und nicht voriger sozialdemokratischen Hetze erzeugt wurde. Das Berhalterder Sozialderuokraten im Reichstag war von allen bürgerlich! Parteien in dem Augenblick verurteilt, als ihre Äußerunm hörbar wurden." Bemerkenswert ist dies gegenüber derKritik konservativer und rechtsnationalliberaler Kreise a der Haltung der nationalliberalen Parteileitung; angesügtsei deshalb auch, was der nationalliberale »Hannotrsche Courier" ganz richtig betont: „Das Interesse des Reicks verlangt, daß der Zaberner Fall so rasch wie möglich v e g e s s e n wird. Herr v. Jagow hat aber umgekehrt die Leitnschaften erst recht wieder aufgewühlt, also dcnBaterlande einen üblen Dienst geleistet und dem Leutnar v. Forstner jedenfalls auch keinen besseren."
* tu allgemeine Verlängerung der Frist für die Ber- mögenstklärung zum Wehrbeirrag über den 20. Januar hinaus hatzn der Handelstag uno verschiedene Handelskammern den Fianzminister durch begründete Eingaben gebeten. In Beanwortung einer solchen Eingabe ha: der Finanz- ministe der Koblenzer Handelskammer erwidert. Saß ito) § 17 der Ausführungsbestimmungen des Bundesrats die Branlagungsbehörde einem Beitragspflichtigen, der glaubhft niacht, daß ihm die Abgabe der Vermögenserklärung innerklb der in 8 13 bezeichneten Frist nicht möglich ist, die Frist jur Abgabe der Vermsgenserklärung angemessen verlingern kann. Hierzu bestimmten die preußischen Ausfhrungsvorschriflen in Artikel 7, daß in diesen Fällen eine Verlängerung der gedachten Frist bis spätestens den 1. Mirz 1014 bewilligt werden dürfe. Durch diese Vorschrift werd den von der Handelskammer dargelegten Verhältnissen in cisreichender Weise Rechnung getragen. Dem Wunsche, die issagte Frist allgemein zu verlängern, erklärt der Finnzminister im Interesse des rechtzeitigen Abschlusses des Verinlagungsversahrens nicht entsprechen zu können.
* Das Reichswohnungsgesetz wird auf dem 8. Kongreß der internationalen Vereinigung für Rechts- und WirtschaftS- phsosophie Anfang Juni 1914 in Frankfurt a. M. eingehend erictert werden. Als Referenten sind dafür gewonnen der sichere Staatssekretär Exzellenz Dr- Bernhard Dernburg (Brlin) und Wirkt. Geh. Oberregierungsrat vir. v. Strauß i:4> Torney, Senatspräsident des Oberverwaltungsgerichts Brlin. — Die kommunalpolitischen Aufgaben für Wohnungs- tfotm behandelt Herr Professor vr. Philipp Stein (Frank- strt a. M.). Der Vorstand des Ze'tralverbandes der Haus- Lsitzervereine Deutschlands hat in seiner letzten Sitzung be- Mossen, diesen Kongreß durch den Verbandsdirektor Herrn Zustizrat vr. Baumert (Spandau) und Dr. Seyfart (Greiz) «u beschicken.
5,1 Die „Straßburger Post" über die konservativ-alldeutschen Hetzer. Die amtliche Feststellung, daß es bei dem Vorkommnis in Zabern am Freitagabend sich keineswegs um einen planmäßigen Angriff auf den Militürposten gehandelt haben kann, und die Weiterverbreitung dieser Feststellung kamen den konservativen und alldeutschen Blättern recht ungelegen, und sie lassen ihren Unmut in heftigen Angriffen gegen die Zivilbehörden aus. Die „Straßburger Post", die bekanntlich der reichsländischen Regierung nahesteht, wendet sich, indem sie diese Blätter in ihrer ganzen Tendenz der Verhetzung der öffentlichen Meinung gewissen elsaß-lothringischen Organen gleichstellt, in folgender berechtigter scharfer Weise gegen diese Angriffe: „Lediglich — so schreibt das Blatt —, weil ein Attentat auf den Militärposten in Zabern für die konservativ-alldeutsche Politik erwünscht gekommen wäre, fällt man jetzt über die bürgerlichen Behörden und deren wahrheitsgemäße Feststellungen her und verdächtigt sie in einer so leichtfertigen und skrupellosen Weise, wie man es von konservativer Seite am allerwenigsten erwarten sollte. Die Blätter, die da von amtlicher Selbsttäuschung und Beschönigung schreiben, haben doch nicht dre geringste eigene Kenntnis des in Frage stehenden Vorganges und wissen den amtlichen Feststellungen rein gar nichts entgegenzuhalten. Wie kommen sie also zu ihren schwer beleidigenden Vorwürfen? Ihr Verlangen läuft ja geradezu darauf hinaus, daß man ein Attentat in Zabern, wenn es schon nicht wirklich vorgekommen, doch wenigstens hätte glaube!: machen sollen zur Unterstützung der konservativ-alldeutschen Tendenz. Man kann nur mit Staunen sehen, auf welch ein Niveau die konservative Partei herabgedrückt wird durch eine Kämpfesweise, die sich über das Tatsächliche der Vorgänge tendenziös hinwegsetzt und der jedes Mittel recht ist, um die Vorgängf für ihre Zwecke umzudeuten und auszunühen."
Ich. „Die Hilfe." Die von dem fortschrittlichen Reichs- tngsabgeordneten v. Friedrich N a u m a n n herausgegebene Wochenschrift „Die Hilfe" beginnt mit deni neuen Jahre den 20. Jahrgang ihres Erscheinens, und ihr Herausgeber widmet diesem Ereignis einen Gcdenkartikel. Er verweilt darin nicht nur bei verschiedenen denkwürdigen Daten in der Geschichte der „Hilfe", sondern er würdigt auch ihren politischen Werdegang. Ihre Tendenz seit jeher und ihr politisches Programm von heute charakterisiert Naumann wie folgt: „Das nämlich war das politische Hauptergebnis unseres Arbrsitens, daß zur Erlangung sozialer und freiheitlicher Fortschritte hinter der Zeit konservativ-klerikaler Herrschaft eine Periode kommen müsse, in der die Parteien der Linken die Verantwortung und Führung der Nationen zu übernehmen bereit sind. Diesem Gedanken dient unser Blatt und freut sich, daß inzwischen das, was vor 10 oder 12 Jahren noch als Traum unserer Gruppe erschien, heute auf der ganzen Linie als herankommend gefühlt wird. Um den Zusammenschluß der ' sozialen und freiheitlichen Kräfte fördern zu können, gaben wir 1903 mit klarem Bewußtsein die eigenen Parteiabstchten auf und stellten. uns treu und unwiderruflich in die Reihen des Linksliberalismus. Von da an arbeitete die „Hilfe" in der Freisinnigen Bereinigung und später in der Fortschrittlichen Kolkspartei. Der Zusammenschluß der drei linksliberalen Parteien und die freundschaftliche Nachbarschaft zu Nationalliberalen rechts und Sozialdemokraten link? ist Programm der „Hilfe" gewesen und geblieben. Wir wissen.
MtSSÄrrHArrSN ©Ägbitltk Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. _ Sette 3.
daß auf diesem Gebiete noch viel zu tun ist, aber gerade das gibt uns Lebensfteude und Schaffenskraft. Wir wollen innerhalb der Linken eine Heimstätte zukunftsfroher Gedankenarbeit sein, da wir der Überzeugung sind, daß kein geschichtlicher Erfolg der Linken ohne starke geistige Vertiefung in die sozialen, staatspolitischen und weltpolitischen Probleme möglich ist." — In dieser politischen Vertiefungsarbeit hat die „Hilfe" von jeher Vorzügliches geleistet, und die besten Wünsche für ihr weiteres Wachstum begleiten sie beim Eintritt in ihren Jubiläumsjahrgang.
* Eine Kraftwagenzählung. Die Statistik über den Umfang des Kraftwagenwesens im Deutschen Reiche soll fortgeführt und zu diesem Zweck der Bestand an Kraftfahrzeugen nach dem Stande am 1. Januar 1914 neu ausgenommen werden. Es soll dabei ferner auch ein Überblick über den Verkehr von Kraftdroschken und Kraftomnibussen durchgeführt jverden.
, Heer und Slotte-
Der Kaiser und die Kriegervereine. Generaloberst von Lindeqnist, der Präsident des Deutschen Kriegerbundes, veröffentlicht in der „Parole" eine Erklärung, in der er mitteilt, daß der Kaiser im Laufe des Herbstes wiederholt seine Zufriedenheit und Freude zu erkennen gegeben habe über den vortrefflichen Eindruck, den die Kriegervereine an allen Orten hervorriefen, die er in verschiedenen Teilen des Vaterlandes besuchte. In großer Anzahl erschienen, hätten die Mitglieder durch straffe Haltung, durch Erscheinung und Ausdruck — vielfach im Ordensschmuck — erkennen lassen, daß der alte Soldatengeist in ihnen weiter lebe. Das habe dem Kaiser wohlgetan. Auch berichtet er von einem Telegramm, das ihm der Kaiser zu seinem 75. Geburtstage schickte und das den Wunsch aussprach, „daß die treue und aufopfernde Tätigkeit im Interesse der Kriegervereine das berechtigte und befriedigende Gefühl erfreulicher Erfolge hinterlassen möge".
Nene Garnison der sächsischen Fliegerkompagnie. Die dritte (Königl. sächsische) Kompagnie des König!, preußischen Fliegerbataillons Nr. 1 erhält als Standort Großenhain (nicht Zeithain). Die Verlegung der Koinpagnie aus der vorläufigen Unterkunft auf dem Truppenübungsplatz Döberitz nach dem Standort Großenhain erfolgt am 16. März 1914.
Die Zahl der Marineinspektionen. Die Bildung einer neuen selbständigen ' Unterseeboots-Jnspektion ist, wie schon erwähnt wurde, in diesem Jahr geplant. Das Unterseebootswesen scheidet aus der Inspektion des Torpedowesens ans und untersteht künftig einer eigenen Inspektion, die in Kiel ihren Sitz mit einem Flaggoffizier an der Spitze erhält. Unsere Marine wird daher 1914 9 Inspektionen aus- weisen: 2 Marineinspektionen, je eine des Bildungswesens, des Torpedowesens, der Schiffsartillerie, der Küstenartillerie und des Minenwesens, der Marine-Infanterie, des Unterseebootswesens sowie die Marinedepot-Jnspektion. Außer den Marineinspektionen, die den Stationschefs unterstehen, reffortieren alle vom Reichsmarineamt. Im Frühjahr 1914 treten zwei selbständige Unterseebootsflottillen in Tätigkeit.
Schiffsbcwegungen. Gingetroffen: S. M. S. „Kaiser" mit dem Chef der detachierten Division, S. M. S. „König Albert" und „Siraßburg" am 20. Dezember in Lome (Togo). S. M. S. „Gneisencm" am 30. Dezember in Amoy, S. M. S. „Emden" am 30. Dezember in Amoh, S. M. S. „München" am 28. Dez. in Danzig.
Post und Eisenbahn.
Das Ergebnis der württembergischen Eisenbahnen. Nach dem Verwaltungsbericht der Berkehrsanstalten für das Jahr 1912 hat sich ein Betriebs über schuß von 26 675 624 Mark ergeben, das sind gegen den Etatsansatz 3 481247 und gegen das Vorjahr 368 279 M. mehr. Von dem Überschuß sind 2 630 208 M. an den Eisenbahnreservefonds abgeführt worden, der am Schluß des Etatsjahres 1912 ein Vermögen von 14 044 083 M. hatte. Das Anlagekapital von 796 904 008 Mark hat sich durch den reinen Betriebsüberschuß zu 3,5 Prozent verzinst.
KuZlanö.
Frankreich.
Die erste Sitzung der Kommission der neuen Partei. Parrs, 31. Dezember. Die in einer im Verlaufe des vergangenen. Freitag von den Parteien der Linken, der Kammer abgehaltenen Versammlung ausgewählte Kommission hat ihre erste Sitzung abgehalten. Es wohnten dieser Sitzung vor allen! B a r t h o u und B r i a n d bei. Es wurde die Fassung der Erklärung erörtert, die namens der neuen Gruppe abgegeben wird sowie der Text und die Statuten. Die Erklärung wird eine entschiedene Richtung nach Links zeigen. Die Statuten werden derart abgefatzt werden, daß keinerlei Mißverständnis möglich 'st sind jeder Einfluß des Parlaments auf die Minderheit verhindert wird. Die Statuten und das Manifest unterliegen der Zustimmung der gesamten Gruppe
beim Wiederzusammentritt des Parlaments.
Meuterei an Bord eines Kreuzers. Paris, 31. Dez. Das Blatt „Avenir du Tonkin" meldet, daß an Bord des Kreuzers „D e f s a i x" im Hafen von Saigon Mitte November eine ernste Meuterei ausgebrochen sei. 280 Matrosen, welche sich über die Haltung des zweiten Offiziers und über die schlechte Kost beklagten, flüchteten sich in die Heizräume und weigerten sich« die Befehle der Offiziere auszuführen. Erst nach langen Bemühungen gelang es, die Ordnung wreder-
herzustellen.
Valkanstaaten.
Die Einholung des neuen Fürsten von Albanien. W i e n,
30. Dezember. Die „Albanische Korrespondenz" meldet aus Balona: Die provisorische Regierung hat bereits die Er
nennung der Delegierten aus Südalbanien vorgenommen, welche mit den Delegierten aus den übrigen Teilen Albaniens m der nächsten Zeit nach Potsdam reisen sollen, um dem Prinzen zu Wied die albanische Krone anzutragen. Man nimmt hier an, daß das neue Staatsoberhaupt um die Mitte des nächsten Monats seine Reise nach Albanien antreten wird Weiter verlautet, daß nach dem Eintreffen des Fürsten in Albanien die provisorische Negierung demissionieren und daß der Fürst sodann ein neues Kabinett ernennen wird.
Türkei
Die Unabhängigtcitsfeier in Konstantinopcl. Konstantinopel, 31. Dezember. Heute vormittag fand hier eine Erinnerungsfeier anläßlich des 045. Jahrestages der Un- ckbhängigMtserklärung der Türkei statt. An der Feier, die das erstemal begangen wurde, nahmen die türkischen Studenten aller Fakultäten und die Schulen teil. Die Studenten durchzogen nach der Feier die Straßen der Stadt; vor
den Ministerien wurden patriotische Ansprachen gehalten. Der Kriegsminister beglückwünschte die Jugend zu der Initiative und forderte sie auf, an der Verteidigung des Vaterlandes und des Kalifats zu arbeiten. Der Sultan empfing eine Deputation der Studentenschaft. Ein Mitglied der Deputation hielt eine Ansprache, in der es die Gefühle der Ergebenheit der Studentenschaft für den Sultan ausdrückte.
Der erste Staudamm am Euphrat. Der Walt von Bagdad hat am 12. Dezember den Hindujah-Siaudamm feierlich ein- geweihi. Das Wasser wurde dadurch glücklich in den alten Euphratkanal geleitet. Damit ist die erste Etappe jenes gewaltigen Planes vollbracht, durch den der englische Ingenieur Sir William WillcockS Mesopotamien die Fruchtbarkeit des einstigen „Gartens Eden" wiedergewinnen will. Wenn die ganze Anlage vollendet ist, wird das Land dank einer ausgezeichneten Bewässerung wieder Erträgnisse liefern, die seinen sprichwörtlichen Ruf in der Vergangenheit rechtfertigen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 300 Millionen Mark, und da die türkische Regierung diese Summe nicht hat, schreitet die Arbeit nur langsam vorwärts. Durch den nun vollendeten Staudamm ist der Anfang gemacht. Die nächste Stufe der gewaltigen Anlage ist die Errichtung eines Dammes am Habanieh-See, gegenüber von Bagdad. Doch wird noch lange Zeit vergehen, bis die halbe Million Acres wüsten Landes bewässert ist.
Luftfahrt.
Aufruf für ein Zeppelin-Museum in Friedrichshofen.
Aus Anlaß der Feier des 75. Geburtstags des Grafen Zeppelin beschlossen die Gomeindekollegren der Stadt Friodrichshasen, ein Zeppelin-Museum zu gründen. Innerhalb der Mauern des idyllischen Bodenseestädtchens, dessen Name Graf Zeppelin weithin bekannt inachte, . in dem er die bedeutsamsten Jahre seines Lebens in Arbeit, Kampf und Sorgen verbrachte, wo er sein Luftschiff schließlich entstehen und sich vollenden sah, dort wollte man mit dieser Gründung eine Stätte schaffen, die späteren Geschlechtern lebendig erhalten soll die Erinnerung an die Gestalt und das Wirken eines großen Sohnes unseres Volkes, die Erinnerung an _ die verflossenen bewegten und begeisterten „Friedrichshafener Tage", die unserem deutschen Natronalempfi irden und Fühlen so schöne Bereicherung und alteni Menschheitstraum eine ernste, verheißungsvolle Erfüllung brachten. Graf Zeppelin hat seine Zustimmung zur Errichtung eines solchen Museums gegeben und gütiger Weise versprochen, es durch Zuwendungen aus seinem eigenen Besitz zu fördern. Ein Komitee hat die Ausführung des Gedankens in die Hand genonimen. Das Museum ist geplant als eine Sammlung von Gegenständen aller Art, Modellen, literarischen und aktenmätzigen Dokumenten, Erinnerungszeichen und dergleichen mehr, die auf die Person und das Leben des Grafen Zeppelin sowie seiner bekannten Mitarbeiter, auf sein Luftschiff und dessen wechselvolle Geschicke, sowie ans die mannigfachen sonstigen Arbeiten sich beziehen, mit denen sein reger, schöpferischer Geist sich befaßte. Der Grundstock zu einer solchen Sammlung, der dem Museum überwiesen werden wird, ist bereits vorhanden, aber es ist vorerst noch recht wenig. Es ergeht daher mit diesem die öffentliche Bitte an alle, die Zeppelin-Erinnerungen irgend welcher Art besitzen, solche zum Besten des Museums hergeben zu wollen. Alles, auch das Unscheinbarste, sei es technischer, sei es literarischer oder bildlicher Art. sei es zum Preise oder Ruhme, sei es als Satire oder Kari- kierung oder als harmlose Spielerei gemeint, jede Gabe ist willkommen. Sollte der eine oder andere dem Zeppelin-Museum eine Geldspende zukommen lassen wollen, so wivd auch eine solche dankbar angenommen werden zur Erwerbung von Gegenständen, die auf andere Weise nicht erhältlich sind. Zuwendungen sind an Stadtschultheiß Mayer-Friedrichshafen zu senden. Die Namen der Spender werden im Museum in geeigneter Weise bekannt gegeben werden.
Daucrflug eines Wiesbadeners. Der Pilot Wilh. Frankl in Johannisthal (früher in Wiesbaden) berichtet uns über seinen am Montag ausgeführten Fünfstundenflug um den Preis der Nationalflugspende. Der Flieger schreibt uns u. a.: Am Montag bestieg ich jetzt zum erstenmal wieder, nachdem ich ein Vierteljahr ganz ohne jedes Training war, einen Eindecker der Allgemeinen Fluggesellschaft Johannisthal, Konstrukteur Keidel, zu einem Fünfstundenflug um die Preise der Nationalflugspende für 1913. — Das Wetter war sehr schlecht, aber da ich nur noch 2 Flugtage bis 31. Dezember 1913, dem äußersten Termin für diesen Wettbewerb, hatte, konnte ich nicht wählerisch sein, sondern ließ, nachdem ich vergebens auf besseres Wetter gewartet hatte, den Aeroplan Herausrollen, unterrichtete hiervon den Sportzcugen Herrn Kapitänleutnant Röpke, bestieg die Maschine, probierte noch einmal den Mercedes-Motor aus, dann Vollgas — lo?. — 11 Nhr 15 Min. — Der Start war nicht gut, die Maschine war mir fremd, der Schnee lag. ziemlich hoch und ein böiger scharfer Schneswind; langsam ließ ich die Maschine steigen, da ich allein an Benzin ca. 150 Liter an Bord hatte und ich durch zu scharfes Anziehen des Höhensteuers ein Durchsacken der Maschine unbedingt vermeiden mutzte. Nachdem eine Höhe von ca. 200 bis 300 Meter erreicht war, behielt ich diese Höhe für die Dauer bei, da mir sonst jede Orientierung verloren gegangen wäre. Gegen 2 y z bis 3 Uhr klärte sich das Wetter auf; andere Maschinen starteten und besuchten mich in meiner Höhe. Langsam sing es an zu dunkeln; eine Maschine nach der anderen landete; nur ein Doppeldecker flog noch über meinem Apparat. Endlich war der Zeitpunkt zum Landen gekommen. Ich drosselte den Motor bis auf einige Hunden Touren — ein kurzes Ausparieren der Bodenböen, dann streiften die Räder leicht den Boden und ich war um 4 Uhr 17 Min. gelandet. Der Flug dauerte genau 5 «stunden 2 Min. Der ausgesetzte Preis hierfür itn-b. 5000 M. Übrigens mar der Doppeldecker, der vorher über nur flog (ein Ago-Dopveldecker neuester Konstruktion mit Piloten Remus) aus bis jetzt nicht festgestellter Ursache abgestürzt, nachdem er eine Reihe unfreiwilliger Looping the Loops ausgeführt hatte. Der Pilot ist wunderbarertveise nur schwer verletzt worden; es besteht Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten.
Der Flug des Rüsten Wassiljew über Deutschland. Petersburg. 30. Dezember. Von der deutschen Regierung wurd« dem Ministerium des Äußern eine Liste der für
