Sefte B. Srtmtfng, SS. D«z«iüb« JW».
Wiesbadener TaftNak^.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Nr.
die VersorgunigSakten des KontrolkbureouS heranqu-»^en. Die
vorliegenden Anträge bei den KontroMnireauü wer den den Vleciorynngsämtern eingeschickt. Für di« HintcMiedenen von Zivillreemnen, di« HeereSbeemtte oder Mikitär penonen der Uitterklosien waren, verbleibt es bei de« bisherige» *»> fttmimnigen.
— über die Kriegsschulden des Landkreise« Wiesbaden
kaufen immer noch die tollsten Gerüchte um. sie sollen noch einer Version 18 Millionen, noch einer anderen 24 Millionen Marck betragen. Demgegenüber wird folgendes festgestellt: Die Schulden des Kckeifts betrogen zurzett rund 10 Millionen Mark, und zwar sind diese Millionen den Familien der Kriegs terlnchmcr zugeflossen; diese Unterstützungen sind durch Reichsgesetz vorgeschrieben. Von der genannten Summ« sin« dem Kreis auf Grund reicbseM'etzlichlcr Bestimmung vom Reich zu erstatten rund 8 Millionen Mark, so daß als Schutt des Kreifes der Betrog von 2 Millionen Mark verbleiben wird. Zur Aufnahme der Schulden haben KreiSausschutz und Kreistag jedesmal! di« Genehmigung erteilt.
~ Päckchenbritf« an ©tjaugcne in England sind künftig nur noch bis zum Gewicht den 500 feiamm zulässig. Schwerere Sendungen muffen als Pakete verschickt werden. Bit zum 22. Dezember einschließlich können an Gifcnptne in England wie auch in andere» feindlichen Länder weder Pakete ilvch Päckchen abgejaadt werde», woraus erneut hiiigcwiesen wird.
Dorbericht« über Kunst, Vorträge und Verwandtes.
* «affaustches L-nd-klheater. Auf Wunsch des General« der Besatzungstluppen wird em ersten Weihnachtsserertag anstatt „Oberon" die £ per „Carmen" und am zweiten Welhnachtsseiertag „Oberon" ausgcführt Beginn beider Vorstellungen 4V6 llhr. Fteitag gelang! l'att „Dreimädrrlbaus" „Die Roie von Stambul" (Ab. B) zur Äussülirunp Die Titelrolle singt diesmalFraulem Alsermonn. (Ans. 5 Ubr? Am Samstag wird „Der Slruwwel. Peter" (Ab. Di fiat, „Meine Frau, die Hiftchauspielerm" gegeben. (Ans. 5^ Uhr.) Crnniag (Ab. A) „Die toten Augen" — vom elften Wlihuachtrieiertagc ab wird die Theaterkaffe vorläufig wieder Eintrittskarten für olle die lausende Woche vorgesehenen Bor. ftellungen i-crkaulc». jkosicnstunden von 8 bis 9 Mi und 10 bis 12 Ubt. DaS Publikum wird noch darauf ausmerksam gemacht, daß schriftlich« Vcrbcftellungeu, orßer aus Amphilhealcr. nach mt vor entgeccngenrmmen werden, und zwar kür alle im Wochenspielplan angtkuutixten Bristellunpen.
* Kurhaus. Für den 1. WeibnachtStag ist ein Sinfoniekonzerl,
für den 2. We:h„a»tSlab «in Richard-Waanerkouzert. deid« uut« Leitung des Musikdirektors Schuricht, angesetzt. __
Handelsteil.
Amtliche Devisenkurse In Deutschland.
W.T.-B. Berlin, 22. Derbr. (Drahtbericat) Tel«gjaphUsh« Auerablungen für
Holland. .355.00 G. Mk. 355.50 B. für 109 Gnlden
Dänemark.232.50 G. « 223.00 R « 100 Kronen
Schweden .244.25 G. . 244.75 R « 100 Kronen
Norwegen .234.75 0. « 236.23 R » 100 Kronen
Schweiz.175.75 G. « 178.00 R « 100 Franot
Oesterreich-Ungarn. 53.95 G. , 54.05 R « 100 Kronen
Bulgarien. 00.00 G. * 00.00 R « 100 Lewi»
Konstantinopel . . • 00.00 G. « 00.00 B. « 1 türk. Pia.
Spanien....... 136.00 G. - 137.00 R « 100 Peseta»
Helsingfora.81.50 G. « 81.73 R
Ausländische Wechselkurs*.
w. Zürich, 21. Dez Wechsel auf Deutschland 68.50 (zuletzt 58.25). au! Wien ?0— (29.75), auf Holland 205.— (205.?5). auf New b ork 4.83 (4.82). au! London 22.88 (22.90), auf Paris 88.10 (88—). aut Italien 75 — (75.—). auf Kopenhagen 130.— (ISO.— 1. auf Stockholm 141.— (141.50). auf Christiania 135. - (185.50) auf Petersbure 68.— (67.—). auf Madrid 96.25 (96.75), auf Buenos-Alres 216.50 (217.—).
Industris uni Handel.
w. Erhöhung der Bleehpreise. Essen, 21. Dez. In den gestrigen und heutigen Silzuneen dar Blechwalzwerke wurde, um einen teilweisen Ausgleich der gewaltigen Vermehrung der Selbstkosten durch die Einführung des Achtstundentages. der daduich bedingten Erhöhung der Roh- stoffpreise und außeiderr der eingetretenen Lohnsteigerung herbeizuluhren. eine Erhöhung der Preise auf Grobblech* um 100 M- auf Feinbleche in Handlungs- und Spezial- eualitäten um 150 M. beschlossen Die erhöhten Preis« gelten für alle Verkäufe ab 1. Januar 1919.
* Metsllcesellsrhalt. Franklurt a. M. Wie man hört, wird die Dividende für 1917/18 mit 18 Proz. vorgoschlagon. gegen 25 Proz i V.
Handelsregister Wiesbaden.
In das Handelsregister wurde bei der unter Nr. 571 eingetragenen Firma Hamburger Engros-Lager S. Blumenlhalu Co. mit dem Sitze in Wiesbaden eingetragen. Der Kauf manu Adolf Blumenthal zu Wiesbaden ist in das Geschäft als persönlich haltender Gesellschafter eingetreten Die Gesellsclialt hat am 1. Januar 1918 begonnen. Die Prokura des Kaufmanns Adolf Blumen- Ihal ist erloschen Die Prokura des Kaufmanns Hermann Kaß bleibt l «stehen
Oie Abend-Ausgabe umfaßt 0 Seiten.
ftauptjehetftleitcr: A. Hegerhorst.
Derantw örtlich für Leitartlfel: A. Hegerhofst; für politische Nachrichten: F. Günther; für den Unterhaltung»!«!!: B. v. Nauendorf; für den lokalen und provinziellen Teil und Gerichtssaal: 3. B.: SB. Ed: für den Handelsteil: W. Etz; für die Anzeigen und Rellamen: H. Tiornauf, lümtlich m Wiesbaden.
Druck u. Verlag der L. Schellenbergllchen Hofbuchdruckerei in Wie»baden.
Sprechstunde der Schriftleitung 12 hi» 1 Uhr.
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wählt werden. Etwas kompliziert ist die Ausrechnung der gewählten Abgeordneten nach den einzelnen Listen. Hier wird die Zahl der abgegebenen Stimmen aller Listen durch 1, 2, 3. 4, 5 usw. so oft geteilt, bis sich — um das Beispiel von Hessen-Nassau festzuhalten — auS den höchsten Sdimmen- zablen die 15 Abgeordneten herausrechnen kaffen. Die Stimmreste fallen dann aus. bezw. kommen für Ersatz in Frage. Um unseren Lesern diese» mathematische Exempel zu veranschaulichen, wollen vir hier ein Beispiel anführen. Unter der Annahme, daß auf vier ausgestellt« Listen im ein- Seinen 350 000, 200 000, 125 000. 120 000 gültige Stimmen entfallen unb 15 Abgeordnete zu wählen sind, stellt sich die Verteilung der Sitze wie folgt:
Liste 1. ~°~ ~
1 350 000
2 175 000
3 116 666
Liste 2. 200000 2 )
9)
87 500 70 000 58 000 13) 50 000 14) 43 750
100 000 66 666 10 ) 50 000 15) 40 000
Liste 3. 126 000 62 500 41668 31250
•s
Liste 4. 120 000 6 ) oO 000 13) 40 000 30000
ES entfallen also auf Liste 1 7, auf Liste 2 4, auf Liste 3 und 4 je 2 Abgeordnete. Bei verbundenen Listen würde da» Verhältnis, wie schon in der SamStag-Abend-Ausgabe erläutert, für die Minoritäten günstiger. Die Anwendung dieser verbundenen Listen nach der Losung: „Getrennt marschieren und vereint schlagen", empfahl der Redner nach eingehender Erläuterung für die bürgerlichen Parteien als sicherste Schutzmaßnahme gegen das Anwachlen der sozialdemokratischen Sitze in der Nationalversammlung und stellte zwei Reso» lutlvnen zur Diskussion, in denen der Volksausschuß fordert, daß die politischen Parteien sich miteinander verständigen und verbundene Listen aufstellen. Fünf Herren, die möglichst politisch nicht hervorgetreten sind, sollen sich zu diesem Zweck mit den hiesigen politischen Parteien zusammentun.
Im Anschluß an den Bortrag sprach zunächst der Bor- sitzende, Rentner Sturm, über seine Bemühungen bei dem Kommandanten zur Herbeiführung von Erleichterungen für die Bevölkerung. Bestimmte Zusagen seien ihm zwar nicht gemacht worden, doch ist Prüfung und Berücksichtigung der Vor schlage in Aussicht gestellt.
Rechtsanwalt Dr. B e r e s sprach hierauf über Zweck und Ziele de» Naffauischen LandeS-Bauern-Ausschufles, der im Hinblick auf die Wahlen wertvolle Arbeit geleistet habe und noch leiste.
In der Diskussion über den Vorschlag des Landgerichts- ratS Lenbard wurde das Für und Wider der verbundenen Listen erörtert, die, wie von demokratischer Seite betont wurde, den Wahlkampf kurz vor der Wahl noch beeinträchtigen körnten. Die Resolutionen wurden zum Schluß von der Versammlung angenommen und die Herren Ruthe, Profeffor Fresenius, Redakteur Dr. Geueke, Weber und Landgerichts- rat Lenhard mit der Ausführung beauftragt. g.
Wiesbadener Nachrichten.
Nrdakteur Karl Losacker f.
Derkaq nnfo Redaktion des „Wiesbadener TwMattS" find mm einem neuen schweren VerAift betroffen woriden: Unser .Karl Lcsacker ist nicht mehr. Ern schweres Darmleiden, «das ihn in den letzten Jahren wicdevhobt awfS Kvanckenlayer geworfen hatte, zwang ihn vor ettva drei Wochen, sich einer erneuten Operation zu untergiehen Obwohl dies« glücklich verlausen ist und man bei seiner zähen LebenSeneugie seine baldige Genesung erhoffen durfte, ist er min doch zu unserer schmerzlidhen Enttäuschung denselben Weg gegangen, wie etw-r % Jahr vor ihm Kollege Diesenbach, ebenso wie dieser im besten ManneSatter Unser Karl Losacker, erst 55 Fahre alt, war uns ein lieber Frevnld und Kollege, ein ernster, erfohre- wer Journakist, der über 30 Fahre dem „WieSboidener Tagblatt" seine treuen, verantwortungsvollen Dienste geleistet Hat. Was da» bedeutet, können nur die ganz ermessen, die Wert und Bedeutung der modernen PuSsizistik voll zu würdigen wissen und sokhst am Rad der Zeit arbeiten. Karl Losacker trat am 1. Februar 1888 als Berichterstatter in unsere Redak- tion ein und fand >donn im Lauf der Jahr« mit der stet» fortschreitenden Entwickbung des „Wiesbadener Dogblwir" «inen wachsenden Anfgabenkveik. Seine frühere Tätigkeit im lokalen Teil und insbesondere seine unzähligen nützlichen Ratschläge im Brieflasten brachten ihn mit weiten Kreisen des Publikums in etige und angenehm« Verbindung. Seit etwa 9 Jahren, namentlich während des Kriegs, lag doS Schwergewicht seiner Tätigkeit im polttftchen Dienst der Redaktion, in der er gleichfalls ein sehr geschätzter Mtavbsiter war Ein tragisches Geschick raffte ihn jetzt in, diesen traurigen Weih- nachtstagen in einem Zeitpunkt dahin, wo nach Beendigung des Kriegs in der Leitung der Lokalredakticn seine journalistische Laufbahn ihren erfolgreichen Abschluß ^finden sollte. Wir stehen gebeugten HcmpteS am der Bahre dieses charaktervollen Mannes, dessen Andenken wir stets in Ehren halten.
Der goldene Sonntag.
Der letzte Sonntag vor Weihnachten, früher mit einer Anspielung auf unser Edelmerallgeld von Der Geschäftswelt stolz >der „goldene" genannt, weA an ihm di e meisten und ^größten Käufe gemacht wurden, war natürlich so „papiernern wie der sogenannte silberne Sonntag. DaS Gold ist ja längst ans dem Verkehr geschivunden und wird wchl als Zahlungsmittel so schnell nicht wieder zum Vorschein kommen. Aber das tut nichts zur Sache, wenn man nur genügend von den Seinen hat, den braunen, blauen, grünen, und was sie sonst noch alle für Farben haben, den städtischen oder staatlichen, dann kann man kaufen so viel man will, und ist überall gern gesehen. In diesem Jahr« um so mehr, als das Weihnachtsaeschäft naturgemäß nicht bei weitem an das der Friedenszeit heranreicht. Schon die ganze Woche über herrichte ein äußerst lebhafter Verkehr. Gestern belebten sich 'bald nach Mittags die Hauptstraßen der inneren Stadt, so baß der Fußgängerverkehr wieder die gange Fahrbahn beanspruchte, und wenn man auch nichts kaufte, so machte man doch den an diesen Sonnragen üblichen Weihnachisbummri. Immerhin aber sind au» vielen Schauenden, Prüfenden und Wägenden gestern auch Käufer geworden. Fn den Warenhäusern herrschte wieder Massen- verckehr, der zwar auch augenscheinlich n'cht im Verhältnis zum Kausgeschäft stand, aber den Verkäuferinnen und Verkäufern gewisser Abteilungen trotz stärkerer Besetzung alle Hände voll zu tun gab. Am begehrenswertesten waren natürlich wieder die Spielsachen. Denn wenn es vielen auch noch io schwer fällt, man hängt eben alles daran, um wenigstens den Kleinen «ine ungetrübte WeibuachtSfteude zu bereiten. Vielfach wurden indes auch Gebrauchs- ffnfo Bedarfsartikel, und was sich sonst noch zu praktischen Geschenken eignet, gekauft, überhaupt sah man gestern dock mehr Leute mit Päckchen, Schachteln und dergleichen nach Hause gehen wie am vorigen Sonntag. Freilich, wie gesagt, gegen frühere Zeiten kein Levgleich. Die nächsten Weihnachten werden wohl wieder bessere sein, d i e Hoffnung darf man sicher hegen.
— Deutsche demokratische Partei. Fn seiner letzten Sitzung hat der Lorstogd der Deutschen demokratischen Partei als 3. Vorsitzenden Herin Direktor Dr. Höfer gewählt. Weiter wurden drei Ergänzungswahlen für den Vorstand vor- genommen, durch welche Herr Sanitätsrat Dr. Fried- länder, Lehrerin Fräulein van Riefelt und Hotelbefitzer Zorn in den Vorstand aufgenonrmen wurden.
— Rationierung des Gasverbrauch». In einer Bekannt- machirng rm Anzeigenteil unseres Blattes wird daran er- irmert. daß alle Gasabnehmer den RationierungSvorschriften unterworfen sind und sich neue und umgezogene Abnehmer im alten Rathaus unaufgefordert zur Entgegennahme ihrer Veranlagung zu melden haben. In keinem Fall können Gasab- nehmer, die keine Benachrichtigung darüber erhalten haben, wie viel Gas sie Leübvenr.en dürfen, daraus ein Recht auf unbeschränkten Gasverbrauch Meiten.
— Die Forderungen der Bankbeamten. Eine stark besuchte DerMumllung des Deutschen Dankbeamtenvereins, Zweigverein Wiesbaden, in der „Wartburg" befaßte sich gestern vormittag mit der Lage der Bankbeamten unter den neuzeitlichen ^Verhältnissen. Mit dem Ziel der sozialen Hebung ihres Standes und im Interesse gesunder friedlicher Weiterentwicklung ihres Gewerbes stellte die Ver- sammlnng einmütig ein« Reihe Forderungen auf, deren baldige Erfüllung sie aus dem Geiit der neuen Zeit heraus erhofft. ES sind daS u. a.: Anerkenuung «des Deutschen Bank- heamtcnvereins als der einzig berufenen StandeSrrganisation der Bankbeamten Deutschlands auf dem skrvti sch-gewerkschaft- sicher Grundlage und Hinzuziehung desselben bei den daS Bankgwoedbe und die Bankangestellten betreffenden Fragen. Zusammenschluß der Bvnkleitungen auch in Wiesbaden zu Korporationen, welche imsdailde und ermächtigt sind, mit dem Deutschen Banfleamtenverein als Vertreter der Bankangestellten zu verhandeln und Abmachungen zu wessen. Umgehende durchgreifende Regelung der Gehälter aller Angestellten unter Glenhstellung der Kriegsteilnehmer mit den nicht «ingezogenen Beamten, Weiterzahlung der Teuerungszulagen usw., Wiedereinstcllung der aus dem Heeresdienst entlassenen Angestellten, Einführung der siebenstündigen Arbeitszeit (Samstag höchstens 6 Stunden b» durchgebender ArbertS- weift) und die Gewährung eines angemessenen Urlaubs an die kriegSbeschÄngten und erholungsbedürftigen Beamten, endlich Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse und Entgegenkommen bei der Entlassung für Ersatzkräfte, inSbeson- der« der Verheirateten und aus den Erwerb angewiesenen unter ihnen,
— Beschleunigung der Hinterbliebenenversorgung. Die
Vovbereiwng der Versorgungsanträge für die Witwen und Waisen von Offizieren ist neuerdings vereinfacht worden. Zur Deschieunigung der Hinteibliobenenversorgung soll auch für die Versovgungsvnträge für die Wittoen und Waisen von Heeresbeamten und von Militärbeamten der Unterklassen das Verfahren vereinfacht werden. Das Kriegsministerium will insbesondere einer Ausschaltung deS BezirkskommandoS näherlreten. Versuchsweise ist bestimmt worden, daß in den Fällen, in denen die Versorgungsämter des GardekorpS sowie de» l. und 16. Armeekorps zuständig find, di« BersovgungS- anträye von den amtlichen Fürsorxestellen unmittelbar den Dersovgungsämtern übersandt werden. Rückfragen werden in immittekbarem Verkehr mit den Fürscrgestellen oder den Hinterbliebenen wstv. erledigt. So weit eS sich um Hinterbliebene von Rentenempfängern handelt, haben die Derforgungsämter
Aus Aunst und Leben.
* Restdenz-Thrater. „Florians Hochzeit" wurde gestern gefeiert! Sämiliche Teilnehmer waren in bester Stimmung, nur fehlte allen die — Stimme!! Trotzdem wurde mft Hingabe „gesungen", und mit bestem Gelingen getanzt und gespielt. Eduard vonder Becke ist der fingerfertige Verfasser de» Schwanks Er hat die Schwvnkliteratur nicht garrde dcsm-it bereichert, er hat sie nur um einen Schwank vermehrt. Die Musik de» Frankfurter Komponisten Ma; B e r t u ch hörte sich zuerst recht anspruchsvoll an, fast zu anspruchsvoll für den Dext, «besonders ober für «die Sänger. Doch schon am Ende des ersten Akts «wurde sie recht bescheiden, und bkildb so b-s zum Schluß. Dabei fehlt chr das Prickelnde, ins Ohr Fallende, dar nun einmal dazu gebärt. Die Mitwirkenden brachten er jedoch fertig, vie zohlreicken Zuschauer mtt- zureifen. So wurden einige Duette, Märsche und Tänze mkCemoIt wie: „Elisabeth, Elisabeth, sei doch ein bißchen nett", „Liebe kleine PuppimauS", „D«e Weiber, di« Wei«ver" und „Pilllallen". Herr von der Becke tat sich als Neffe au» Pillkaüen befonverS hervor. Er spielte und tanzte un-
r rein gewandt und hielt sich mit seiner natürlichen Komik maßvollen Grenzen. Herr Möller gab «den Florian, wie er solche jungen Leute in Hochzeitknötrn zu geben weiß: recht vck»enkwurdig. Es handelt sich hier nämüch wieder einmal um einen jungen Ehemam», den sein« Frau am Hochzeitstag verläßt. Seine Partnerin Fräulein Wolsert war, wie schon öfters, eine recht nliedliche Puppimaus, und Fvau Heger, die Gattin de» Verfasser«, fügte sich gewandt und temp e nmnent- Ipfl h> «da» ZusammLnfpiel der flanschen
Ä ren von Frau Agte und Herrn B u g g « sind hinlänglich ritt und feststehend, dafür' trug Herr Michels, durch gelungene Maske unid leberidtges Spiel, ein« neue Not« in das Ganze. Es gab Blumen und Deitall in Mengen, sowohl für den Verfasser wie auch für die übrigen Mtspielenden. Herr von der Beck« 'Sann mit dem Erfolg dieser Uvauffichrung zu- frieden sein. 8. v. N.
* Wie eht Schlachtfeld nach sechs Monate» auSffrht. Di«
wundervolle Hiillrast der Naim, die sich aus den von Granaten ausgewülilten Schlvchtseldern in ganz überraschender Weise osjen- bart, schildert ein englischer Soltat sehr anschaulich auf Grund seiner persönlichen Eindlücke, iie er in Frankreich gehabt hat. „Ich hatte," so (chrcibt er, „an einigtn schweren Kämpfen in der Nach, baischast einer Farn» i» Rortslandern tcilxenonimen. Wochen hindurch hatten die Teulschen uvsere Vatteiie drschoffen, die rm paar hundert Meter ton den Houptgedäuden enlsernt aufgrstrllt war. Eie hatten den Errud und Beden nach alle» Richtungrn durchoilugt, mächtige Graiiattrichter anfgeworsen und ein kleines Birkenwäldchen m »inen Hausen Holz'vlntcr verwandelt. Die Farm, aus die Lag kür Tag Eranaten niede» sielen, war zu einem wüsten Trümmee. hausen geworden Immer mehr »richten dos Ganze als ein Lhaoll, ren dem man nicht glauben konnte, l>rf) jemalt diese Statte der Zerstörung wieder etwa« andere» sein könnte als ein Zeugnis für die Fuichtbaikeit die Kiieges. Lines Margen« faßte die dcuifche Attillcrie vufere Pottrric mit drei Trestern, tötete vier von unsere» Karo»irren und rerwundetc mich schwer am Arm, so daß ich ein paar Tage darauf mich in England wiedersai'd, um für weitere Kämpfe zurcchtgeslickt zu werten. Die Monate der Heilung gingen schnell vorüber, uni nach einem halben Jahr war ich wieder in Frankreich, selisauicrweise uur eine kurze Strecke von der Farm entfernt, bei der ick, t er wendet worden war. So benutzte ich einen Cmmtnfc u» hinüber «u gehe« und mir anzu se he n, wie «* dort
aussah. Es war ein schöner Sommermorgen, und dar sonst nie ruhende Donnern und Krachen der Geschütze schwieg. Ei» schöner seiner Tunst lag über der Landschatt. In den letzten drei oder vier Monaten batte die Artilleriebeschietzung durch die Deutschen a» dieser Stelle ausgkhört, und die Natur hott« sich schnell an di« Arbeit gemacht. Tie zersplittettcn Bäume hatten frisch« Sprossen grtticben und Hausen von s'iichgrünen Blättern glitzerten i« Sonnenlicht, während der Boten mit bunten Blumen bedeckt war. Ich ging zur Farm und fand den pausen von Steinen und Tränimern als einen großen Hügel wieder, der mit BiooS und reichen, Grase bedeckt und von einem blutroten Teppich von Mohn- blumcn, die jetzt in dem strahlenden Sonnenlicht Orange und Gu.d schimmerten, gcliönt war Kaum eine Spur der wilden Zerstörung, die ich turnols xrschen, erschien noch dem Auge. Uber den zerstörten Eingang der Sclnune war r.ne weiße Rose geklettert, deren dichte Blumcn'äischel bis »um Boden heraöhingen. Die großen häßlichen Grauottrlchter, on die ich mich so gut erinnerie, waren von der Natur iu zanhi'hast schone kleine Gruben verwandelt, in denen auo zaricm Moo» Flecken von brauen, Ehrenpre;« und von Wiksciischauiuliaut und immer wieder Ma>i«n von gelb» rotim Mohn hervcrlruchittcn Hier und dort war »in großer Granaten!, atcr in «inen bül scheu kleinen See von lristahheUem Wasser »vigesormt, au« den, gilbe Iris hervorwuchsen. Tie ganze Szenerie war ein wahres Trauniiand der Natur, wahrend es sechs Monate sinder al« »in Chook von Verwüstung und Elend erschienen war. So heilt di« gütige Hand der Mutter Erde die Wunden deS Landes, die der Krieg gi schlagen hat. Welche Zerstörung auch i« .Nirmandsland" «ud am den Schlachtfeldern der Somme der Krieg ans den Fildern und in den Wäldern hcrrorgerusen habni mag. die allheilende Natur wird daS Land schnell zu seiner früheren Schön- heit wiederherstellen. Der Mensch und der Krieg wird niemals die vollkommene Arbeit der Mutter Erde töte« können."
