Seite 52. Der Landbote. 1918.
Warum? — Darum!
den Leichnam in einer Kuhhaut zur Grabesstelle oder ließ bei einem, der sich erhängt hatte, das Ende des Strickes aus dem Grabe hervorragen.
2. Den Sack schlägt man, und den Esel meint man, wenn man an einem Höherstehenden seinen Unwillen auslassen möchte, dafür aber den Untergebenen schilt, allerdings so, daß sich ersterer doch betroffen fühlen muß (lat. qui asinum non polest, stratum oseckit).
3. Einen auf den Esel bringen — jemanden strafend beschimpfen. Im Mittelalter wurden Ungehorsame oder Widerspenstige auf einen Esel gesetzt und zur Freude der Jugend durch die Stadt geführt.
4. Er versteht von einer Sache soviel wie der Esel vom Garnwickeln, also nichts (lat. asinus ad lyram).
6. Ihn bitten wie einen Esel, d. h. mit Schlägen.
Wir wollen ihn bitten und sagen,
Als man dem Esel tuot;
Will er den Sack nit tragen,
So fleht man ihn genuog.
6. Wenn's dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen. Diese Redensart ist einer Fabel entlehnt. Für seinen Mutwillen wurde der Esel dadurch bestraft, daß er ein Bein brach.
III. Ziege und Bock.
1. Den Bock zum Gärtner machen oder de» Bock auf die Haferkiste setzen — eine Sache schlimmen Händen anvertrauen, (ck. ovem lupo committere — das Schaf dem Wolf anvertrauen.)
2. Einen ins Bockshorn jagen — einen so in die Enge treiben, ihm Furcht und Schrecken einflößen, daß er vor Angst dem Teufel geradezu ins Horn läuft. (Die Redensart wird von Luther häufig gebraucht.)
3. Einen zum Sündenbock machen — einem die Sünden und Vergehen anderer aufbürden (in die Schuhe schieben), so daß er dafür büßen muß. Die Redensart hat ihren Ursprung in der Stiftung des großen Versöhnungstages <3. Mos. 16.) Nachdem der Hohepriester für sich und seine Familie einen Stier geopfert hatte, führte man zur Entsündigung des Volkes zwei Böcke vor den Altar und warf über sie das Los. Auf dem einen Los stand „dem Jehovah", auf dem anderen „dem Asasel". Der Bock, den das erste Los traf, wurde geschlachtet, den anderen, den Sündenbock, setzte man, nachdem der Hohepriester die Hand auf ihn gelegt hatte, in die Wüste zum Asasel. Man betrachtete das Opfertier als Stellvertreter des Sünders, der eigentlich den Tod verdient hatte. Darum mußte er zum Zeichen der Übertragung seiner Sünden seine Hand auf das Opfertier legen; dies tat der Hohepriester als Vertreter des ganzen Volkes.
IV. Das Schwein.
1. Wir haben die Säue noch nicht miteinander gehütet. Dieses derbe Wort bekommt oft der zu hören, der sich unbefugterweise - herausnimmt, einen andern zu duze».
2. Schwein haben — Glück haben.
Umschau.
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Volkslied.
Ich geh' durchs grüne Wiesental An jedem Tag so manchesmal;
Warum?
Ein Mädchen wohnt dort, lieb und gut,
Mit frischem Sinn und keckem Mut;
Darum!
Dort, wo die alten Weiden steh'n,
Dort tut der Bach das Mühlrad dreh'n:
Warum?
Damit der reiche Müllersmann Auf seiner Mühle mahlen kann:
Darum!
Der Müller macht ein schief Gesicht,
Doch kümmert mich der Müller nicht:
Warum?
Weil er doch nicht verhindern kann,
Daß Käthchen mich schaut freundlich an:
Darum!
Die Mühle geht bei Tag und Nacht,
Und doppelt hält der Müller Wacht:
Warum?
Daß er die leeren Trichter füllt Und.nicht der Fuchs sein Träubchen stiehlt; Darum!
Mein lieber Müller, habe acht.
Der Fuchs stiehlt doch trotz deiner Wacht: Warum?
Weil du der Augen zwei nur hast,
Die Liebe aber hundert fast:
Darum! Heinrich Diefenbach f.
Inhalts-Verzeichnis.
<Die Zahlen beziehen sich auf die Seiten des Landboten. Erzählungen und Gedichte sind nicht berücksichtigt.)
Wohlfahrtspflege. Kriegswirkungen auf dem Lande 3. Wiedereinführung der Schafzucht 4. Die Garten- und Landwirtschaft und die Vögel 15 u. 26. Ein altes Handwerk in neuem Gewand 16. Kriegsfürsorge und Armenunterstützung 28. Rückgang des Schnapsverbrauchs 39. Landwirtschaftliche Lehranstalten der kommenden Zeit 42.
Heimatschutz und -Pflege. Ein ausgerotteter Räuber in Alt- Nassaus Bergen und Waldungen 1. Alte Linden 11. Die Schönheit der Wiese 18. Ratschläge 19. Schutz unser» Eulen 24.
Bildung und Erziehung. Jugendpflegekurs für ehemalige Volksschülerinnen 4. Wie gewinnen wir unser Volk für gute Literatur? 11. Krieg und Kriminalität der Jugendlichen 31. Hexenringe 39. An des Dorfes steingefaßter Quelle 46 u. 50.
Brauch und Sitte. Brauch und Sitte bei der Jahreswende am Taunus 4. Ein Westerwälder Märkerdingtag 6. Historische Sprichwörter und geflügelte Worte in Nassau 14,18 u. 27. Wie alt sind die Bauernregeln? 23. Der Apfel in Mythus und Volksglauben 34. Aus alten Badeordnungen 35. Das Dorfwirtshaus 35. Jugend hat keine Tugend 36. Im Russenbad 38. Salz im Volksglauben 44. Weihnachts- und Neujahrssitten 49. Unsere Haustiere in Sprichwort und Redensart 51.
Berschiedenes. Nassauische Originale (Der Bub) 2. Das älteste Gasthaus in Deutschland 3. Nassauische Originale (Herz Löb) 7. Der schielende Landrichter 8. Ist der Specht nützlich oder schädlich? 8. Gemeindehaus 12. Die Rosenbrautstiftung zu Hochheim a. M. 16. Nassauische Originale (De Morxe Hoinerich) 19. Welschkorn 20. Bon den Wundern des Apfels 24. Der Scharfrichter im Dienste der Volkswirtschaft 28. Nassauische Originale (Der beliebte August) 30. Das Huhn von Verdun 32. Rosegger, der „Windmacher" 32. Geflügel im Obstgarten 32. Die Heiratsfrage nach dem Kriege 36. Die Gleichheit des Friedhofs 36. Der Oleander als Haustier- feind 36. Die Heilkraft der Walderdbeere 40. Nassauische Originale (Hampeters Schuster) 43. Vom Zundelfrieder 44. Kaffeegrund als Viehfutter 48. Über die Giftigkeit von Taxus und Akazie 48. Beobachtungen beim Angeln 48.
Verantwortlich für die Schriftleitung: B. von Nauendorf in Wiesbaden. — Druck u. Verlag der L. Sch eilen bergsichen Hofbuchdruckerei in Wiesbaden.
