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Sonntag. 22. Dezember 1918. 9RO?()Clt s «HUdCJCtbC« ' ' Nr. 597. 66. Jahrgang.

Vom Wert der Religion.

Von Pfarrer Haibach (Limburg).

Die Wahrheitsfrage muß in der Religion obenan* stehen. Sie mutz immer wieder mit aller nur denk­baren Folgerichtigkeit aufgeworfen und durchgedacht werden. Denn Gott ist die Wahrheit, uno nur der kann hoffen, ihm nahe zu kousinen, der in der Walirheit. d. h. wahrhaftig, bleibt. Reben der Frage nach der Wahrheit der Religion darf aber auch die nach ihrem praktischen Wert nicht vernachlässigt werden. Wenn wir es wagen, dieses Riesenkapit-l in Angriff zu nehmen, so kann es sich selbstverständlich !>n Rahmen eines kurzen Artikels , nur um eimge Streiflichter handeln, die allerdings nach dem Zentrum zielen. Wir gehen davon aus, oatz wir uns im Geilte einmal nach Bad Nauh si n versetzen und in früher Morgenstunde uns im Park emfinden und den Anfang des Kurlebens belaus.hcn, wie ihn etwa Georg Modersolm schildert. Es geht gegen 7 Uhr. Schon sammeln sich die Kurgäste. Kranke und Gesundgewor- - dene. Wohlhabende und Zftme, Gebildete und einfache Leute. Die Bänke um den Musikpavillon sind schon dicht besetzt. Jetzt schlägt die Uhr -ruf foem nahen Turm 7. Viele eilen noch Hinz», denn aenau U!N 7 Uhr beginnt die Kurkapelle ihr Morgenkonzen mit einem Choral. Da ertönen such lchon d-e ersten Klänge durch den Park: Befiehl du deine Weg.' irnd »aas dem Herz auch kränkt." ManLw-, welch? die Weg» mindern, kommen näher, um den Choral besser hören zit können. Andere bleiben stehen. Namentlich di» Armen, die von den Kassell ge­schickt sind, drängen fM, herzu und lauschen mit Andacht der Weise. Ihre letzten Akkorde sind nun in ruhiger Harmonie verklungen. Die MenM^eht auseinander, zerstreut sich nach den Bäder.n, nach den Brunnen und Wohnungen. Die folgenden Teile des Programms interessieren nicht mehr in dem Matze. Was aber ist es. was alle diese Menschen, diese Armen und Kranken, derenHerzvumpe nicht mehr recht arbeiten will, diese Lei­denden und Gesundenden, die Menschen aller Richtungen und Konfessionen und Religionen in seinen Bann ge­nommen hatte? Was ist es, was auch die festgehalten bot, welche die Kirchen innerlich nicht mehr halten konn­ten? Warum sagen gerade Leute letzterer Art:Ich

möchte dabei sein, wenn der Cbeial beginnt"? In der rein ästhetisch-musikalrstien Wirkung des Chorals findet das keine ausreichende Erklärung. Diel? liegt vielmehr darin, daß in dem eiafadie», wuchtigen, ausgeglichenen Choral die U r k r n f: der Religion zur Auslvirkung kommt, die auf jedes Menschenherz seine Anziehungs- v kraft ausübt und von ihm als eine Stärkung emp­funden wird, nach der es sihreft wie der Hirsch nach irischem Wasser. Las große Leiden der Menschheit, dessen Folgeerscheinungen eist niele von unseren modernen Krankheiten direkt oder indirekt sind, hat seinen Sitz in der Seele d°s Menschen, diesem wunderbaren und wunderfeinen Instrument, das den Mittelpunkt und die bewußte Zusainnienüissung unseres Seins aus- macht. Ist oder wird es ans irgendwelchen Gründen verstimmt, reißen Saiten diran. r o entsteht eben das j eigentliche Menschen! sid und Me.< henelend, jenes Nach* lassen an Lebensmut und Lebenskraft, an Schaffens­freudigkeit und ftetertbcnbfnebe, an innerer Harmonie und sonniger Helle. Was kann da helfen und was hilft da? Unter allen heftenden Machten iteht die Macht der Religion voran. Sie ist die große Heilquelle, aus der man mit der Schale reiner Frömmigkeit schöpfend sich gesund oder wenigstens gesünder trinken kann, sie ist der große Meister, der ft» aesvrnngenen Saiten des Seeleninstruments wi»der einziehen und es wieder stim­men kann auf Harmonie, indem er es stimmt auf Gatt. Gewiß hat überspannt.' irregeleitete Frömmelei schon oft­mals das gerade Genent-nl bewirk! und manche zum krankhaften Fanatismus oder sogar in die -traurige Zelle des ausgesprochenen Wahnsinns geführt. Gewiß hat Köhlerglaube und religiöse Perblenöung auch in der Ge­schichte . - die christliche nicht ausgenommen sich zu Taten Verwirrt, deren wir uns schämen müssen und schämen offen und rückhaltlos, aber man muß sich dem- gegenüber doch sehr hüten vor dem Fehler, das Kind mit dem Bad? auszuschütten. Selbst wenn einer mit all jenem die Religion m siäi belasten will, ihr Plus- konto überwi»gt doch das Schuldkonto aanz außerordent­lich. Was die gereiuiate und geklärte Form der Reliaivn, wie sie in ihren großen Bahnbrechern Wirk­lichkeit geworden ist und ein, die es sich uns hier handelt, an lehenschaffenden, tröstenden, anfrichtenden, znrecht- weisendeu. ermunt»rnd,'n. haltenden Kräften und Wer­ten nnaezäblten Memchen'eel.'n gegeben hat und gibt jeden Tao. sede Stunde iede Minsit'. iit aar nicht aus- zuwaen und kann auch dem größten Religionsfeind nicht ernstlich bestritten werden, llaseres Erachtens wird es ganz und gar unmöglich sein, einen gleichwertigen Er- satz zu bieten. Das Leben des modernen Menschen ist wie in anderer Bezi»nnna so auch in seelischer gegen früher nicht leichter, sondern schwerer geworden. Kon­

flikte, Fragen, Kämpf», Bewegungen und Erwägungen. Versuchungen und Verlockungen, von denen der Urgroß­vater in der Zipfelniiitze und mit der gemütlich quulmen- den Pfeife noch wenig Ahnung hatte, stürmen auf seinen Enkel ein. Und dabei hat der noch den Nachteil, daß seine rein physische Widerstandsfähigkeit bei weitem nicht mehr die feines Vorfahren isi. Sv zieht denn für den modernen Menschen miteiner aufs äußerste gesteigerten Sensibilität die Gefahr herauf, einchch seelijch und körperlich zerrieben zu w»cden, was ja leider allzu häufig schon qeichieht. Diese Geßihr auf das Ganze der Kulturmenschheit übertragen, beißt nicht weniger, als daß ihre Zukunft ernstlich in Frage geitellt wird. Wollen wir aber ihre Behauotung und ihren weiteren A u f st i e g und wir 'ollen und müssen ihn wollen. dann gilt es alle guten Geister zu rufen, die den abwärts rollenden Wagen austiglten und dem Men­schen sein Gleichgewicht erhallen und mehren können. Alle guten Geister, wie si-.» sich auch immer nennen mögen und wie sie abgestempelt lind, sollen uns als Helfer^ in der Not willkommen 'ein. Man lasse aber auch nicht den guten Geist, der wie kem anderei als Helfer bewährt ist, vor der Türe stehen, man ziehe nicht in Vor­eingenommenheit oder ans Verärgerung oder Partei­gezänk die Vorhänge zu gegen den Sonnenschein der Religion. Wir brauchen jetzt mehr als je Licht, Wärme, Kraft. All das hat die Sonne der echten Reli­gion je und je ihren rechtsrwKindern gegeben und gibt sie und wird sie geben. Man muß nur im Geist und in der Wahrheit darnach verlangen.

Was will der Spartakusbund?

Berlitz 14. Dez. Unter dieser Überschrift wird jn der Roten Farme" das Programm -des 'Spcmtfruäbimbeä ent­hüllt. Das Sprachrohr der Liebknecht und Luxemburg füllr zu diesem Zweck zwei Seiten des raren Zeitungspapieres mit schwülstigen Tiraden, während ein paar Worte genügt hätten. Der Spartakusbund will, wie er offen ausspricht, die Weltrevolution, den Bürgerkrieg und die Diktatur des Proletariats.

Das ist sein ganzes Programm. Als Mittel zur Erreichung seiner Ziele empfiehlt er eine Reihe hübscher Radikalmaß- i.ahmen, an ihrer Spitze steht bezeichnenderweise die Ent­waffnung der Polizei. Demnächst sollen alle Ange­hörigen der herrschenden Klaffen, sämtliche Offiziere und die nichtproletarischen Soldaten entwaffnet werden. Auf der anderen Seite soll die gesamte erwachsene proletarische Bevölkerung als Arbeitermiliz bewaffnet werden. Alle Parlamente und Gemeinderäte werden beseittgt. Regiert wird nach russischer Methode. Die Arbeiter- uni, Soldatenräte, deren Ausschüsse und Organe werden allmächtig.

Wir würden Vorschlägen, so bemerkt dieKöln. Ztg.", das übrige Deutschland der Republik Neukölln anzu­gliedern, wo die genialen Arbeiter- und Soldatenräte trotz aller Proteste der Regierung tagtäglich neue Fähigkeiten ui sich entdeckten und neben ihren anderen Eingriffen in das RechtSleben jetzt nach dem ..Vorwärts" beim Ehescheiden an­gekommen waren. Verhältnismäßig milde und erweiterungs­fähig erschein: im Spartakusprogramm die Forderung des Sechsstundentages, um so energischer vertritt es die Enteig­nung des Grund und Bodens aller Banken, Bergwerks-, Hütten-, aller Großbetriebe in Handel und Industrie, Kon­fiskation aller Vermögen, Annullierung der Staats- und anderer öffentlichen Schulden sowie sämtlicher Kriegsan­leihen. Ausnahmen soll der Zentralrat der Arbeiter- und Soldatenräte bei niedrigen Anleihen und kleinem Vermögen bewilligen dürfen. Zu allem dem kommt, um auch nicht einen Stein unseres Wirtschaftslebens auf dem anderen zu laffcn, eine zentrale Streikkom Mission, die unter stän­digem Zusammenwirken mit den Betriebsräten der beginnen­den Streikbewegung im ganzen Reich die einheitliche Leitung, sozialistische Richtung und die kräftigste Unterstützung durch die politische Macht der Arbeiter- und Soldatenräte sichern soll. Unbegreiflicherweise will Spartakus sein kraftstrotzendes Programm nicht in der Regierung durchsetzen, nein, er erklärt:Er wird nie anders die Regierungsgewalt über­nehmen als durch den klaren unzweideutigen Willen, des großen Willens der großen Mehrheit der proletarischen Masse in ganz Deutschland; nie anders als kraft ihrer bewußten Zustimmung zu den Aussichten, Zielen und Kampfmethoden tes Spartakusbundes." Nach dieser Erklärung erwarten wir, daß morgen die Spartakuffe stürmisch sofortige Wahlen zur Nationalversammlung fordern werden, um über den unzwei­deutigen Willen der Volksmehrheit Klarheit zu schäften. Sollten wir uns darin täuschen? Dann wollen wir wenigstens mit Interesse darauf warten, wie sich die Unabhängige Sozialdemokratie, die ja ganz im Fabrwaffer des Spartakus­bundes segelt, zum Programm der Weltrevolution, des Bür­gerkrieges und der Diktatur des Proletariats, zu den Aus­sichten und Kampfmethoden des Spartakusbundes stellt.

Die Furcht der Unabhängigen vor der Volks- abftimmung.

Stuttgart, 16. Dez. Di» Unabhängigen Sozialdemo­kraten haben in ihrer Hauptveriaminlung beschlossen, die Teilnahme an den Wahlen uir Landesversammlung und Nationalversammlung ab ; nlc !> n e n, ia nur die At« beiter- und So l d rtenr- rt» Träger der Revolution seien.

Ein Kruppsches Preisausschreiben für Friedensarbeit.

Essen, 15. Dez. Die Firma Krupp fordert in einem Aufruf an ihre Werkangehörigen diese auf, Vorschläge zur Anfertigung von Friedensmaterial, und zwar von Massenartikeln, zu machen, die sich für die Werkstätten Kruppscher Werke eignen. Es heißt in dem Aufruf: Mit der Fertigstellung einer Reihe von Friedensgegenständen haben wir begonnen. Weitere sind in Aussicht genommen. Tisie reichen aber nicht ans, uni alle Angehörigen unsercr Werke zu beschäfti­gen. Da aber eine ausreichende Beschäftigung unserer Werke für jeden Werksangehörigen von größter Bedeu­tung ist, so laden wir all» Werksangehörigen ein, um Vorschläge zur Anfertigung von Friedens­material zu machen. Bon Vorschlägen, die sich dar­auf beschränken, einfach ein.' bekannte Gattung von Maschinenvorrichinngen oder Werkzeugen oder Teilen davon zu machen, Hirten mir abz:sieben, ebenso von Vor­schlägen, die nur eine Aufgabe stellen, ohne die Lösung anzugeben. Es ist darauf. Bedach: zu nehmen, daß der Vorschlag eigenartig ist uqd s.siyL.AlisftMung uns eine günstige Stellung geg mühr'^-nsi'even Wettbewerbern ver­sprächt. Die zwanzig beiten Vorschläge für jeden Gegenstand, dessen Fertigung nm oder unsere Außen­werke noch nicht vorgesehen haben, werden mit Preisen von 100 bis 3000 M. bedacht. Zur Prüfung der Vor­schläge wird ein neungliednger Ausschuß, eingesetzt.

Die ersten Landtagswahlen nach der Revolution.

hoben, wie m.itncteilt, in Anhalt und In Mecklenbury-Strelitz statt­gefunden und in diesen beiden Bundesstaaten sozialdemokratische Mebrheiten ergeben. In den beiden sozialdemokratischen Reich s- tagswahlkreiscn des Herzogtums Anhalt waren allerdings auch bis­her schon Srzialdemrlräten gewählt, nämlich Wolsgang Heine, der bekannte nuk der Seite der Meh-heitssozialdemokratie stehende Berliner Rechtsanwalt, und der Elk-crselder Gewerkschastsbeamte Bender. In diesen beiden Wahlkreisen waren bei der Reichs­tagswahl des Jahres 1615 von den 68 266 abgegebenen Stimmen 31 4G5 int ersten Wsblgang ans die Sozialdemokratie gefallen. Dies­mal erhielten sie 82 229 Stimmen, die bürgerliche Demokratie 64147, die Kcnsertativcn 8265, der Mittelstand 3249 Stimmen. Die Zahl der abgeoebeuen Stimme», die insgesamt 15918V beträgt, ist durch die Wahlberechlifung der Frauen und durch die Herab­setzung des wahlsäbipen Alters um 5 Jahre also aus mehr als das Doppelte {cfncfreii. Bemerkenswert ist, daß dir Unab- hänargen nickt einmal die erforderliche Zahl von Unter­schriften ausbrachtcn. um eine eigene Liste ausstellen zu können. Gewählt wurden neck dem Verhältniswahlsystem 22 Mchrbeitssrziolisten, 12 Demokraten uvt 2 konservative Bolks- parteiler, während die M ittclst ändler aukfielen. In Mecklenburg- Strelih, das nur eine,. Rcichsiec-sadgcordueten^ zu wählen hatte und durch den Nuliouallibkralen Roland-Lücke im Reichstag vertreten war, wurden 22 Sozialdemokraten, 16 Liberale, 3 Hand­werker und 1 Banerubündler in den Landtag gewählt. Bei der letzten Reichstage.,vahl hatten >-on den 21129 abgegebenen Stinimen die Sozialdeniokraten nur 6492 erhallen, waren also nicht einmal in die Stichwahl gekommen Landtaoswahlen aber gab tS bisher in Mecklenburg-Streich bekanntlich überhaupt nicht, da es ja nur eine Ständevcrtretung barte.

Weitere Erhöhung der Bergarbriterlöhne im Ruhrrevier. - Di« Verhandlungen der Bergarbeiterverbände mit dem Zechen, verband führten, wie aus Esten genieldet wird, zu dem Zugestänv- nis einer werteren löproz Erhöhung der Durchschnittslöhne sämt­licher Bergarbeiter ab 1 Januar, und zwar im Vertrauen dar ruf, daß die Äibcitcrre.'trcter die erforderlichen Kohlenpreiserhöhungen zusammen mit den Ze chenbesttzern durchsetzen werden. _.

Wiesbadener Nachrichten.

Die Ausstellung von Pässen.

Bon Montag. dett 23. t>. M. ab, werden die aus Grund der Bekanntmachung des kommandierenden Generals der franzö­sischen Armee angeordneten Legitimationskarten (Paffe) aus- gegeben. Da alle Einwohner über 12 Jahre einen Paß er­halten. muffen rund 85 000 Personen in wenigen Tagen er­scheinen. Es sind daher 7 Abfcrttgungsstellcn errichtet. Für die Abfertigung selbst ist die Reihenfolge der Haus- haltsausweis - Nummern vorgeschrieben. Eine Ein­teilung nach Straßen war der Kontrolle wegen nicht möglich. Die umfangreiche Verwaltungsarbeit fordert, daß sich die Einwohner genau nach der amtlichen Bekannt- machung richten. Alle die festgesetzte Reihenfolge nicht beachtenden Persoren nlüssen abgewiosen werden. Zunächst ist die Reihenfolge für Montag, den 23., und Dienstag, den 24. d. M., bestimmt. Die weitere Reihenfolge wird noch bvkanntgegeben. Die Gesichästsstnrcken sind von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 3 Ubr sehne Mittagspause) festzgesetzt. Da unter Umständen nicht alle Mitglieder einer- Haushaltung gleichzeitig erscheinen können, ist den Einwohnern die Wahl der Zeit an dem jeweils bestimmten Tag freigestelll.

An Unterlagen sind gefordert: der Haushalts­ausweis, die Markenausgabekarte, ferner ein Zettel mit folgenden Angaben für jede einzelne Person: Na me, Vorname, Geburtsort, Kreis, Provinz, Geburtsdatum. Ist die Photographie zu dem gegebenen Terniin nicht beizubringen, müssen dfi aufgernfenen Perso­nen doch zu den festgesetzten Zeiten erscheinen. Es wird noch daraus aufmerksam gemacht, daß in den Paßeintragungen über die Farbe der Haare, der Augen und besondere Kennzeichen Angaben zu machen sind, so daß sich die Einwoh­ner auif diese Fragen -vorbereiten wollen.