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Samstag, 21. Dezember 1918. 2Jl0£CJ0ft s 2ltt5C|Clb£* Nr. 595 . • 66. Jahrgang.
Vor unseren Toren.
_ Österreich-Ungarn ist zerfallen, aber es wäre wohl möglich, daß sich die Staaten, in die es zerfallen ist, aus Zweckmäßigkeitsgründen wieder irgendwie zusammen- schliehen. Mit dieser Möglichkeit wird mannigfach gerechnet.^ Es wird geltend gemack>t, daß das Habsburgi- fä>e Reich nicht zusammengcdracht worden Ware, wenn nicht g e o g rap h i i--wi rtfchaftl i che Nut- wendigkeiren das Werk de-- Dynastie erleichtert, ja erfordert hätten. In der Tat tollte ein Bestand von vielen Jahrhunderten dckür iprechea. daß es nicht bloß Willkür und Zwang, sondern luch innere Notwendig- feit gewesen ist. die dienm Reiche den inneren wie den äußeren Kalt gegeben bat. Jedoch muß man mit Vorhersagungen auf Grund aon geschrchtlichen Abstraktionen äußerst vorsichtig fem. gar zu leicht gerät man in die Ver-fuchung, einen Zustand 'ist organisch notwendig zu halten, weil er eben besteht oder so lange bestanderr hat. Wer sich auf solche Urteile Htloot, der karin plötzlich beträchtlich überrascht sein durch einen absolut entgegengesetzten Zustand, der sich durch die Unwiderstehlichkeit, mit der er ins Leben tritt, schcn hinlänglich als organisches Bedürfnis erweist. Wir deuten hierbei u. a. an die geradezu blendende Klarheit, mit der sich der Gedanke durchgesetzt hat, daß der S t a a t P r e u ß e n s ganz überflüssig geworden ist Vor einem Monat noch wäre das eine Absurdität gewesen, heute lesen wir beispielsweise in der „Kreuz-tg.": „Es ist möglich, ja notwendig, daß Preußen, d 'm beute durch die Umwälzung die Taseinsbereckstigung als besonderes Staatswesen ge- nommen ist, in seine Teile zerlegt werden muß." Notwendig nennt das die „Kreuzztg." Man denke, die „Kreuzztg." tut das!
Um aber auf chas frühere Öfter reich-Ungarn zurückzukommen, so wird man nach diesem Beispiel aller- dings vorsichtig in der Bewertung der Wahrscheinlichkeit sein müssen, daß sich dir Staaten, die aus den Trüni- mern des alten Reichs -ntstebeii oder schon entstanden sind, irgendwie wieder zusammentun inögen, sei es auch nur zur nüchternen und :crn zweckmäßigen Ordnung von materiellen Interessen. Selbst wenn es zu einer derartigen Verständigung im Rohmen etwa von Tarif- Verträgen und dergleichen käme, io wird es jedenfalls ausgeschlossen sein und bleiben, daß ein gemeinsames Band von höher er politischer Beden- t u n g hse sieben Staaten nmsossen wird, in die sich Österreich-Ungarn teils ,chon zerlegt hat und teils zerlegen wird, so aber, daß die meisten dieser Staaten neue Verbindungen mit derart Stammesangehörigen außerhalb des alten Rerchsnerbondes eingehen werden. Im'R ab men des früheren Österreich-Ungarn werden nur zwei Staaten bleiben, der t s ch e ch o - s l o w a k i s ch e
(26. Fcrtsepunav Nachdruck verboten.
Die wedernanns
Roman von Ilse Dorr Tanner.
„Wix 'n Bild!" sagt.' Herr non Kötterau entzückt.
Es war, als sei mit Sabine der Geist des Frohsinns in das alte Oberköttwaner Herrenhaus eingezogen. Wenn der Freiherr jetzt dröhnenden Schrittes über die Diele stampfte, hörte er meist lustiges Mädchcnlachen im großen Saale. Der stand nun ganz im Zeichen des Weihnachtssestes und olich einen- Warenlager, iind Sabine half mit Feuereifer me vielen: vielen Geschenkplätze für die Dienstboten, die Dorstmder, die Armen zu ordnen und für jeden das Pissende auszusuchen. Am Nachmittag war dann unten in de!> Küchenregionen Leben und Lachen, da wurden unzählige Pfefferkuchen und Pfeffernüsse gebacken Prokinös und Marzipan, „fein wie von Hibrich", wie Sabine meinte, hergestellt, und sie sog mit Entzücken die 'ußen weibnachtlichen Düfte ein.
„Nein, Kinder. Weihnachten ans dem Lande ist doch zu himmlisch! Das -st ube«-hailpt erst das wahre! Im ganzen Hause riecht's so schön nach Weihnachten, und dabei Haber, wir noch nicht e>nmal einen Baum! Und so viele Leute beschenken zu können, das ist herrlich! Ihr wißt ia gar nicht, wi< e-ut lbr's habt, ihr Köttelan- Mädels." Und sie wie'oelie erst Käthe, dann die ernste Helene in der Küche umher, und Mamsellchen schmunzele dazu, die „Schwester von unserm Volontär" hatte ihr Herz im Sturm erobert.
Käthe bestand darauf, für Sabinens Schwestern ein großes Paket Weihnacht sgebück .-»u packen. „Lu mußt ihnen doch zeiaen. was d» bei uns gelernt hast", mei.nc sie — beide Sckiwesiern duzten sich schon seit d-m zweiten Tage ihres Tortseins nnt Sabine — „außerdem firne ja dein Herr Bruder konst ganz um seinen Körterwuer Buntenteller", setzte sw errötend hinzu.
„Was ibin zwar nichts schaden würde, aber schmerz, lich wäre, besonders, wenn er je von diesein delikaten Mandelpfefserkuchen gekostet hätte, sowas ißt er nämlich
und der m a g y a r i f cf) e, alle anderen werden sich, wie gesagt, mit den auf sie wirtenden Konnitionalen an den Grenzen vereinigen, die Polen Gali.ziecks mit den anderen Polen, die Rumänen mit dein Königreich ihrer Nationalität, die Südslawen init den Serben, die Deut- schen mit uns. von den Ukrainern mag es zweitelhast sein, ob sie ein eigenes SLcr itäweien werden behaupten wollen oder ob sie es nicht n ich -nnrger Zeit vorziehen, sich dem russischen Förderatmsia-ue anzuschlreßen.
Der zukunftsreichste dieser Staaten ist doch wohl der s ü d s l a w i s ch - s e r b i s ch e" er wird vor dem tschechoslowakischen und auch vor den: panmimänischen, erst recht vor dem magyarischen die in die Zukunft weisende Grundlage des größten territorialen Umfangs und einer sehr wichtigen Secküste haben, er wird sich geographisch-politisch eu ein >»r -entscheidenden Mi t t e l g l i e d e entwickeln können, da er niitten in die alten Kulturgebiete Europas hineinreicht, alio mit uns und Italien Grenze b.'koinnit und dafür im Süden Grenznachbar Griechenlands wird und den Blick zum Ägäischen Meer hinüberricht-a kann, also Mitteleuropa und den nahen Orient glercherweste in leinen Bereich zieht. Wohl wird das neue Polen volkreicher sein (immerhin wird der südslan rsche Staat gegen 12 Millionen Einwohner zählen), aber Polen wird immer abseits liegen und kann keine aeogiaplnsch bestimmende Bedeutung beanspruchen, wie sie den Ländern von den Ostalpen länas des AdrrameereS bis zu den Ionischen Inseln allerdings gebührten. Es steckt Zukunftsmöalrch- keit in diesem vergrößerten Serbien, mehr solcher Möglichkeiten sogar als in dem ts ch e ch o - s l o w ak i s chen Staate, der. wie sehr er ach auch wirtschaftlich ent- wickeln mag, politisch unbedingt beengt bleiben wird und sein Dasein eigentlich schon ganz erschöpft, indem er entsteht. Denn was kann hinzukommcn, was kann sich da jemals groß ändern?
Immerhin dürfen sich die Tschechen sagen, daß sie die Früchts eines Sieges genießen, während die Magyaren, die ans eine ungefähr gleiche Stufe einer mitteleren Existenz kommen, ni dieser Stufe als Geschlagene herabsinken, stast zu ihr anfzusteigen.
Mackensens tragisches Geschick.
Budapest, 18. De?i. Generalsekdmarschall v. Mackensen ist in der Gemeinde Joch im Pester Komi tat interniert. Er wird im Schloß des Grafen Ladislaus Karolpi wohnen, wo ihn fünfzig erlesene Soldaten des 1. Honved-Insanterie-Re- giments bewachen werden. Die in seiner Begleitung befindlichen Militärpersonen werden teils im Schloß, teils in Bauernhäusern untergclbracht.
Eisenbahn erstreik in Spanien.
\v. B- Madrid. 18. Tcz Havas. Die Angestellten sämtlicher Eisenbebngcscllsckafteii Ickten die Aikeit nieder. Cs heißt, daß die Arbeiter sich tcr: Ausständigen anscklicßcn. _
besonders gern", lackte Sabine und Käthe legte hierauf heimlich noch zwei große Pakete Mandelpfefserkuchen in die Kstte-
Dcnr Fioiherrn machte cs Spaß, täglich mit seinen drei Töchtern, wie er scherzend sagte, Schlitten zu fahren, denn er freute sich an Sabinens Entzücken üöer das un-, gewohnte Vergnügen und an ihrer Freude über die Natur. . ^
Bei einer solchen Spazierkahrt hatte Sabine große Mengen Mistel im Walde entdeckt. „Das seht ihr nun hier scheel an, und wir münen'S in'Berlin mit Gold aufwiegen" sagte sie und erklärte den beiden Freundinnen, wie sie nach englischer Art daheim damst zu Weihnachten die Zimmer schmückten „Einen großen Ziveia hänaen wir an den Kronleuchter, und wer sich darunter trifft, muß sich einen Kuß geben, so ist's in England üblich."
„Nun dann bleibt Gerda Vandow überhaupt darunter stehen, die kennt die Sitte sicher aus ihrer Lon» doner Pension", sagte Helene trockeii.
„So — wirklich?" fragte Sabine lachend.
„Ach, bewahre, Helene scherzt ja nur, sie hat ein kleines Vorurteil gegen Ge, Sa" sagte Käthe hastig und verlegen, „sie gefällt sonst allen Menschen und besonders den Herren."
„Ia. Jobst schwärmt auch von ihr", meinte Sabine harmlos, um dann ihre Worte gleich zu bereuen, denn sie sah einen gequälten Zug auf Kalbens liebem Gesicht.
„Liebes, armes Madel, als ob ich nicht schon lange gemerkt hätte, wie's um dick bestellt ist!", dachte sie mitleidig, „ach, die Männer sind doch zn dumm und blind; an ihrem Glücke laufen sie vorbei und jagen einem Irrlicht nach!" — Laut sagte sie:
„Jobst läßt sich wie die meisten Männer sehr durch Äußerlichkeiten bestechen, und dieses Fräulein von Vandow ist wohl sehr apart lind hübsch und dabei originell."
„Sie ist ein Blenoep". meinte Helene, und es klang wie Ärger aus ihrer -stimme.
Beladen mit Mistel, Ilex und hübschen Tannen- und
Haase über Regierung und Nationalversammlung.
W. B. Berlin, 18. Dez. Diev,Freiheit" veröffentlicht eineEiklärung des Lolksbeaustragten Haase, die dieser bei einem Empfang ausländischer Journalisten auf an ihn gerichtete Fragen abgaö: Zu der von Fehrenbach betriebenen Einberufung des Reichstages sagte er, daß von einer E x i st e nz d es R e i ch st i g s n ich t m e h r b i e Rede sein könne. Wenn die Notwendigkeit einer Einberufung, damit begründet würde daß die Entente die gegenwärtige Regierung nicht anerkene. so müsse demgegenüber bemerkt werden, daß Marschall Foch den Waffenstillstand mit den deutschen Abgeordneten abgeschlossen hätte, nachdem sie erklärt hatten, daß sie im Auftrag der Regierung Ebcrt-Hnase gekommen seien. Der Ab schlutz des Waffenstillstandes bedeute also eine Anerkennung der Regierung. Nach internationalem Brauch verdp j-de Regierung als verhandlungsfähig anerkannt, wenn sie im Besitze der tat* sächlichen Gewalt lei. Dies müsse aber von der gegenwärtigen Regierung ohne weiteres zugegeben werden.
Aus die Frage, ob in der Nationalversammlung mit einer sozialistischen Mehrheit zu rechnen sein werde, erklärte Haase, Saß die industrielle Entwicklung Deutschlands die Masse der Arbeit und die politische und gewerkschastlrckfe Schulung der Arbeiterklasse die Vorbedingung für eine sozialistische Republik geben. Jedenfalls sei anzunehmen, daß die rührige politisch aufgeklärte Arbeiterschaft die größten Krastanstrengun- gen machen werde, um die Köpfe aufzuklären und dadurch für die Sozialdemokratie recht bald die Mehrheit der Bevölkerung zu gewinnen. Haase erklärte es mit Nachdruck für ausgeschlossen, daß etwa die Nationalversammlung gewaltsam ailseinanderge* trieben werden würde, falls die bürgerlichen Parteien die Mehrheit erhielten.
Ferner antwortete er auf eine Frage, daß keine Aussicht für die Möglichkeit einer aenieinsamen Negierung von Unabhängigen und Spartakiden bestehe. Die Macht der letzteren wurde nur zunehmen, wenn die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse sich derart verschlechtern sollten, daß die Arbeiterschaft an der gegenwärtigen Regierung verzweifelte und bei einer radikalen Gruppe Zuflucht suchte, »m 'hre Lage mit ihrer Hrlfe zu verbessern. Wenn der Verband eine derarstge Wendung nicht wünsche, so könne er an einer Verminderung durch einen raschen Vorfricden und baldige Lebensmitt elsendun,z mitbelfen.
Über das Verhältnis zur Räterepublik sagte er. daß die diplomatischen Beziehungen aufrechterhalten würden, wenn auch ° die von der früheren Regierung beibeigcführre Abberufung des diplomatischen Vertreters
Fichtenzweigen, kehrte man i,enn und Sabinens geschickte Hände versahen alle Lasen, deren sie habhaft tverden konnte, mit dem weihnachtlichen Schmucke.
„Da sieht man gleich, daß wir ein Fräulein Wede- mann im Hause haben", meinte Heinrich Kötterau schmunzelnd, als er einen Tag vor Heiligabend ankam. „Und Helene- und Käthe' — potztausend — nicht zum WiederkennenI Ich habe nie gewußt, daß ich so hübsche Schwestern habe. Sie verdienen wirklich einen Orden, Fräulein Sabine!"
„Ia, Brüder verkennen ibre Schwestern meist, und besonders, wenn sie bescheiden sind und ihr Licht so unter den Scheffel stellen wie die Ihrigen", lachte Sabine.
Fortsetzung fofoi
Heue Bücher.
* ,,Der inner Tickter". Eine Erzählung von Rudolf Hans Bartsck (Leipzig Derlag von L, Staackmarn.) Was de: Titel dieser heiß durckglübten d:chferisckcn Scköpsung uns freudig erwarten läßt, bat uns der eigentliche Poet jene: deutschen Landschaft, Jbtc wir nun mehr als je unser eigen nennen dürfen, ganz erfüllt: es ist die Jugend eine» Tickncrs dargestellt, der das Höchste und Tiefste in leidenschaftlicher Sehnsucht ersahen möchte, oft zurück- gestoßen durch die nücktcine Wnklichkeir und doch nie gebxochcn, ein Idealist und ein starker Lcbcn-künstlcr zugleich, sinnlich-übersinnlicher Schwärmer, den lockenden Frauengesralten umgaukelt, die er bald schuft chic voll verehrt, bald mit derbem Genießen sest- hält. Und das Schöne dabei ist, das: auch die freundliche Ironie des Erzählers uns die Freude an all diesem slarlen inneren und äußeren Erleben nicht rauhen kann.
* „S cl> w a r z w a l d - Ä i n d e r". Erzählung von Maria Batzer. Buchschmuck icu Karl Sigrist. (Freiburg 1919, Hcrdcrsche Bcrlagshcndlung.', Eni neues Buch der als Kinderschriftstcllerin bestens bekannten Maria Tccher darf sreundliches Interesse denn, spruchen. Die Weihnackttniinimer unserer „Kindcrzeitung" wies als eiste Erzählung eine Arbeit ans Maria Batzcrs Feder auf Das neue Buch führt in ein Scl'warzwalddors mit dem würzigen Duft der Tannen und deni Rauschen des klaren Wassers, Es erzählt in der Hanptsochc von Kindern, ihrer Freude und ihrem Leid, und ist für Kinder brstinimr — aber auch Erwachsene werden es mit Ke- nuß lesen. P:«ck!ig und natürliche Gestalten von Kindern und Erwachsenen neidei, uns tcrntfüfirt. Karl Sigrist.Stuttgart hat den Biieerschmuck dazu ccliescri. Der Künstler sagt selber, daß dieses liebe frohe Ding zu sö mücken ihm w'rllich^ viel Freude gemacht habe, schon im Gedanken, seinem Buben dieses kleine Buch mit recht schöner» Bildern unter den Chriftboum legen zu känue».
