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Donnerstag, 19. Dezember 1918. Nr. 591. • 66. Jahrgang.
Der Kampf gegen Spartakus.
Immer näher rückt der Tag, an dem c3 üch entscheiden mutz, ob das deutsche Volk durch das verbrecherische Treiben eines winzigen Kreises matz loser P h a n t a st e n um die Früchte der Revolution betrogen werden soll oder nicht. Während immer weitere Schichten der Bevölkerung zu der Erkenntnis gelangen, daß nur in der organischen Fortentwicklung und nur ohne gewaitsaine Störungen oder Zertrümme- rung des wirtschaftlichen Apparates das neue Teutsch- land ausgebaut werden kann, mehren sich die Attentate der Liebknecht und Genossen gegen die Grundlagen seiner Existenz. Die „Rote Fahne" veröffentlicht jetzt einen spaltenlangen Aufruf ihrer Partei, in der unter unglaublicher Verdrehung der wirklichen Tatsachen zum Kamps auf den Barrikaden für die Neugestaltung der Welt nach Herrn Liebknechts Ideen ausgerusen wird; nach den Ideen dieses Herrn Liebknecht, der noch vor kurzem dem bayerischen Ministerpräsidenten auf dessen Vorwürfe erklärt hat: Mag Deutschland zugrunde gehen, wenn nur Spartakus -siegt. So sieht dieser .Politiker" aus, der ans den Trümmern der Existenz seines eigenen Volkes die Weltoerbrüderung einsuhren will. Er hat ja übrigens auch mit Hilfe seiner Gefolgsleute. freigelassener Schwerverbrecher und Deserteure, seine Theorien in die P > a x i s umzusetzen versucht. In Neukölln haben dir Spartaknslente die Stadtverwaltung aus dem Hause gejagt, haben Ehescheidungen ausge- sprachen. Gefangene befielt, die unglaublichsten Eingriffe in die Rechtssprechung getan. Neukölln hat lange zugr- wartet, was aus dieser Probe Liebknechtscher Weltbc- freiung werden würde. Erst als es zu toll wurde, setzten die Proteste ein. Arbeiter und Angestellte haben den Herren vom Spartakusbund nun endlich ein Ultimatum gestellt. So toll war die Sache, daß selbst die bisher mehr als langmütig: Negierung Evert-Haase sich zu einem geharnischten Erlaß an ose Neuköllner Machthaber veranlaßt sah uns dem Treiben jetzt endlich, wie gemel- det. ein Ende bereitst bat. Aber auch sonst im Reich versucht Liebknecht, den Uinsturz des Bc,lehend>-n mit allen Mitteln »u erzwingen. Unter "einem Einfluß haben dre D o r t m ., » d e i und S.-Rate die rheini- scheu Großindustriellen Tlu,si:n und Srinncs in einer jeder öffentlichen Gerechtigkeit ins Gesicht schlagenden Welse festgenn'men. Unter dem Terror Liebknechts voll- zogen sich die Wahlen zu der Reichsraqung der A.- und S.-Räte am 16. Dezemom. Keine Wahlschieberei keine Wahlfälschung ist den Herren zu gering, um nid;t ange- wandt zu werden. Wenn tiotzdem die Berliner Wahlen für die Reichstagunq der Ä.. und S.-Räte mit einem überwältigenden Sieg der Mehrbe i tssozia> l r st e n abgeschlosjen hcrb-m, so zeigt das nur. daß selbst der Terror nicht Schreck-n genug hat. um das Rechts- gefuhl der Volksseele zu ertöten. Es ist traurig.-daß ein Teil der U n a o h n g , g e n sich immer niehr zu den Spartakusleuten hrirgezogen nihlt. Freilich sind das im wesentlichen nur Kreise der Berliner Parteiangehörigen. Und auch l'i.n lebt die Vernunft immer noch. So haben die unabhängigea Mitglieder des Rates der Volksbeaustraqten nch einii'utig wenn wir recht unterrichtet sind, für ein grotztinögliches Zusammengehen der beiden sozialistischen Parteien mklärt und sollen sogar an die Aufstellung einer gemeinsamen Liste für die Wahlen zum Nationalkongreß denken. Viel Hoffnungen für diese Wahlen haben im übrigen auch die mit Liebknecht liebäugelnoen lluabbäigigen nicht. Auf einer Versammlung erklärte erst dieser Tage wieder Ledebour daß jene ziernlich sicher d.-n M c b i h e i t s sozialisten die starke Mehrhen bringen müßten. Statt aber daraus die J einzig richtigen Konsegneazen zu ziehen, plädiert er für die möglichst lange H i n a n s z ö g e r u n g der Wahlen, um inzwischen durch die Diktatur alle nicht kommunistisch denkenoen Schichten des Volkes von der Mitentscheidung über il.r Schicksal für immer auszu- schließen. Unter d'ei'en Unist mden muß die Regierung endlich daran gehen. Spartakus und keinem Kreise die Machtmittel zu entz:-'h.>n aus die er für den Entscheidungskampf. den er .im der Barrikade und auf der Straße will, hofft. Wir sebr Liebknechts Aufrufe zur brutalen Gewalt wirken, zeigt die St r e i k b e w o g u n g, die leider in den letzten Taxen mi-der im Zunehmen ist.' In Esten haben die Berna-bciter ihren Forderungen dadurch Nachdruck zu otrluh.n .«flucht, daß sie die Zer- störuna der Zechcnanlagen anku"diaten. Aber auch sonst droht durch die Llebknecht-Isgitation oer deutschen W i risch a f t schwere Gefahr. Bel dm Siemenswerken haben die von Liebknecht renönlich aufaereizten Ar- beiter über daS Selbstv-ntändliche hinaus so nnne- h e u e r l i ch e F o r d e r » n g r n gestellt, daß deren Be- williaunq eine Mebrbüa'tilng der Betriebe um jährlich 70 Millionen Mark bed-ualen würde. Verallgemeinert sich das. so ist der Z u s a m na t lt b r n ch der ganzen deutschen Wirtschaft nicht zu umgehen. Die Reaieruna sieht das. wie gesagt, endlich ein. Eine Erklärung Scheide
manns kündigt denn auch die einzige richtige Maßnahme gegen Spartakus, nämlich d,» Entwaffnung, an, die längst auch von den Fr-uutaldaten immer wieder gefordert wird. Das Machtunttel dazu soll die durcy einen soeben veröffentlichten Erlaß d"r Regimung zu bildende V o l k sw e h r>bringen, die ans die Regierung allein vereidigt werden wird. Rutil die alleilige Bewaftnung der Anhänger Liebknechts, lvie sie dreier fordert, sondern allein ihre Entwaffn u n g und endgültige Kalt- stellung sichert di: Zukunft des deutschen Volkes, um die wir alle ringen. _
40 Millionen Wablbereckrtigte!
Amtlich wird mitgeteilt: Das Wahlrecht ist durch die Verordnung vom 12. November 1918 ausgedehnt worden a) a if die Frauen, b) auf die 20- bis 25jährigen. a) auf die Soldaten. Während bei den Reichstagswahlen von 1912 14.4 Millionen Wahlberechtigte waren und von diesen sich 12,3 Millionen — 85 Prozent an den Wahlen beteiligt haben, werden infolge der Ausdehnung des Wahlrechts bei den Wahlen zur verfassungsgebendg i deutschen Nationalversammlung ungeiähr 39 bis 40 Millionen, darunter etwa 21 Millionen Frauen, wahlberechtigt sein. Diese Summen ergeben sich auf Grund der folgenden Berechnung: Nach der amtlichen Statistik lStatistik des Deutschen Reiches, Band 240,2, S. 2541 sind am 1. Januar 1911 aus den Jahrgängen 1898, der als erster Geburtsjahrgang für die Wahlberechtigung in Frage kommt, und früher vorhanden gewesen: Männliche Personen 22 968 829, weibliche Personen 23 904 261, zusammen 46 870 090. Davon sind in den Jahren 1911 bis 1918 abzu- setzen die Sterbefälle. Sie betrugen etwa 600 000 jährlich, und »erteilen sich nahezu zu gleichen Teilen auf Männer und Frauen, zusammen etwa 4P Millionen. Abzusetzen sind ferner etwa 1,8 Millionen im Kriege Gefallener und Vermißter. Im ganzen sind demnach durch Tod usw. 6ch Millionen (4,2 Millionen Männer. 2,4 Millionen Frauen) von der obigen Summe der Wahlberechtigten abzusetzen. Außerdem haben abzugeben dis Ausländer mit etwa 1%, Millionen. Hinzu dagegen kommen die uns während des Krieges zugeströmten Ausländsdeutschen, die in Konkurs befindlichen und die Armenunterstützung beziehenden Personen. Alles in allem ergibt sich an Wahlberechtigten am 31. Dezember 1918 die Summe zwischen 39 und 40 Millionen Personen, etwa 18 Millionen Männer und 21 Millionen Frauen. Zweifelhaft erscheint es, ob unsere Kriegsgefangenen (etwa 500 000) in die Lage versetzt werden können, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Mit dieser Berechnung wird eine kürzlich durch die Blätter gegangene, auf irrtümlicher Voraussetzung fußende Aufstellung, die nur etwa 35 Millionen Wahlberechtigter angab, widerlegt.
N cht 800. sondern 1800 Millionen!
Der Staatssekretär des Reichsschatzamts Schiffer hat bereits in einem öffentlichen Vortrag mttqeteilt. daß nicht nur 800 Millionen, sondern über 1 Milliarde an barem Geld und Vermögenswerten des Reichs durch planlote und sinnwidrige Anordnungen der einzelnen Arbetteräte ver- gendct worden sind. Wie der „Tay" von unterrichteten Kreisen dazu erfährt, ist auch diese Schätzung zu niedrig gegriffen. Es sind bisher -auf Anforderung der verschiedenen „Räte" und sonstigen Körperschakten rund 1800 Millionen ausgezahlt worden, ohne daß hierfür in jeden: Fall ordnungsmäßige Belege gegeben worden sind. *
|$er Völkerbund.
Es ist kein Zweifel, daß der furchtbarste aller Kriege überall eine unbezwingliche Sehnsucht nach einer Neuregelung erzeugt hat. die eine Wiederholung solcher Vorgänge a u s s ch l i e tz t. Nachdem Wilson dieser Tage auch in seiner Pariser Rede wieder vom Völkerbund gesprochen hat. lohnt sich ein neuer Hinweis auf die im Verlag von Reimer H o b b i n g (Berlin) erschienene Schrift des Staatssekretärs Erzberger „Der Völkerbund — der Weg zum Weltfrieden". Erzbcrger unternimmt in dieser vor wenigen Monaten erschienenen Schrift nichts weniger als eine Slizze der zukünftigen Staatengemeinschaft, ja, sein letztes Kavitel stellt einen Entwurf der Verfassung des zukünftigen Völkerbundes dar. Wir glauben, daß nichts leichter ist. als bei einem Problem, wie diesem, skeptisch zu sein. Es ist sehr billig, dar- auf hinzuweisen, daß. seitdem die Menschheit existiert. Kriege bestanden haben, und daß die erlauchtesten Geister der Menschheit bis jetzt vergebens an einer Überwindung des Krieges gearbeitet haben. Wir glauben vielmehr im Gegenteil dazu betonen zu muffen: Die Lage, in der sich gegenwärtig die Völker des Erdkreises befinden, ist eine völlig neue. Sie ist in nichts vergleichbar mit früheren Situationen. Wie jede neue Epoche in der Geschichte erweckt sie neue Forderungen und neue Ideale. Ein solches Ideal ist der Völkerbund Erzbergers; er ist „ein Ziel, aufs innigste zu wünschen". Die Schwieriakeiten. die sich der Verwirklichung dieses Zieles ent- gcgenstellen, verkennt Erzberger selbst nicht, er verweist vielmehr wiederbolt darauf und gibt Ratschläge, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Das Buch Erzbergers, der ja inzwischen als Vorsitzender der deutschen Waffenstillstands- kommiffion tätig ist. ist ein Zeichen, daß das deutsche Volk nicht mehr obseits stehen will bei dem großen Rinaen um die neuen Formen des Völkerdaseins. Die große Frage der Weltzu- kunft läßt sich vielleicht so formulieren- Machtgedgnke oder R e ch t s g e d a n k e? Erzberger setzt sich auf das wärmste für den Rechtsgedanken ein. Der Machtgedanke hat sich, daran ist nicht zu zweifeln, in diesem Weltkrieg auf das äußerste gesteigert; was er an Mitteln hervorbringen konnte, hat er getan, das Ergebnis ist tief erschütternd. Dem Rechtsgedanken gehört die Zukunstl
Die Schulzucht nach dem Kriege.
Bon Professor Dr. A. Fuchs rn Wiesbaden.
Der Welttrteg mit seinen eingreifenden Felgen stellt auch die Päldagogik vor ne-u-c wichtige Fragen. Eine der bedeutsamsten ist die der Schülzucht nach dem Krieg. Die Klagen über Verrohung unserer Jugend werden immer lauter, und überall verlangt man nach Maßnahmen, diesem. Unheil zu steuern. Es ist leicht einzuseben, daß die lange Abwesenheit des Vaters und der dadurch eingetretene Rückgang der häuslichen Erziehung zu einer Beavcchrlosuny der Kinder führen mußte. Um so mehr soll es die Schule als ihre Ausgabe betrachten, das Elternhaus jetzt in seiner ansblühenden erziehlichen Einwirkung nach Kräften zu unterstützen.
Das Mittel freilich, das -von so vielen Seiten als heilsam gepriesen wird, die Wiedereinführung empfindlicher Strafen in der Schule, halte ich nicht für geeignet zu -dieser Mitarbeit. Durch Anhäufung und Verschärfung der Strafen tetoirit man oft das gerade Gegenteil: die Jugend wird dadurch verhärtet^und yleicbgültig gemacht. Aus diesem Grund sind auch die Stvafbefugniffe der Lehrer immer n ehr sinaeschrärckt worden. Überhaupt legt die Geschichte des öffenÄichen Erziehungswesens ein -beredtes Zeugnis dafür ob, wie man jederzeit bemüht war, von den röhen, ^barbarischen Mtteln der früheren Schulzucht loszu-kommeii und zu edleren, feineren Formen der -Erziehung überzugehen. Das gilt vor allem von der körperlichen Züchtigung, von der man ganz richtig erkannt bat, daß sie nur Augenblickserfolge hervorbringr. -daß sie in ihrer Ausübung des Lehrers unwürdig ist, und daß sie überdies das Ehr- und Schamgefühl des Schülers verletzt.
Diese Beschränkung der Strafgewalt zwingt den Lehrer, die Herrschaft über die Jugend in der Überlegenheit der eigenen Person zu suchen; sie nötigt ihn zu weiser Selbstbesinnung, zur Entwicklung seiner inneren Kräfte, zur Vertiefung und Beseelung seiner ganzen Erziehungsarbeit. Motze Drill- und Zwangsdiszipliii, beständige Drohungen und Strafen können für die Entwicklung des Schülers nur schädliche Folgen haben, storrmilitärische Zucht mocht unsere Schule zur Soldatensch-rle, barscher Korporalston wirkt nur mechanisch von außen. „Gehorsam und Disziplin sollen gleichsam organisch auf einer das ganze innere Leben des Schülers umfassenden und befruchtenden Gesa m t e rz i eh u ng hewrrmachsen. Durch solche tiefer« psvchlüogn'che Fundamentierung der Schuldisziplin wird nichi nur zahlreichen sogenannten Disziplinarfällen von vornherein vorgebeugt, sondern auch eine über die Schule hinaus wirkende erzieherische Wirkung des Schulqehorsams und der Schulordnung gesichert." Solche „positive aufbauende" erziehe rische Tätigkeit ist viel bedeutungsvoller und segensreicher als die „bloß negative ErziehunqZarbeit mit JpMfe der Strafgewalt"
Als die treibende Kraft dieser erziehlichen Einwirkung aber ist -die Liebe zur Jugend anzuschen. Unsere größten Pädagogen haben die Forderung der Liebe bereits erhoben; aber erst in der letzten Zeit ist Klarheit in diesen Begriff gebracht worden. Wenn als dos gemeinsame Merkmai jeglicher Liebe das Fühlen des Wertes gilt, das man der geliebten Person oder Sache beimißt, so beißt das für das Verhältnis des Lehrers zum Schüler: „Fühle den Wert de: Menschcnseele, die di: bilden sollst, und behandle sie aus diesem Gefühl heraus". Wer so der Jugend gegenüber fühlt, wird sicki ebensowenig schroffer Behandlung wie gutmütiger Schiväche und weichlicher Nachsicht schuldig machen. Es gibt eben eine Art von Festigkeit, die aus zielbewußter Liebe kommt, die Notzr'endigkeit einer straffen Disziplin bleibt doch bestehen, und der Lehrer hüte sich, etwa aus Furcht öder Gutmütigkeit die Strafe zu fliehen. Auch ein liebender Vater kann streng sein, wenn es sein muß, und ebensowenig wird ein vc-n Liebe zur Jugend erftillter Lehrer auf die Strafe verzichten, wo er sie nötig hat. Wenn der Erzieher erst einmal das Herz seines Zöglings gewonnen hat, kann er ihn leicht regieren, und die Strafe wird ihm nur ein Notbehelf s e' n.
Der Lehrer, der auf Verrohung unserer Fugend stößt, sehe also nicht in der Strafe das Heilmittel, sondern biete die ganze Macht seiner Persönlichkeit auf, um die Schäden zu beffern. _
Umänderung der Militärstrafgesetzpflege.
W. P. Berlin, 14. Tez Die veränderten Verhältnisse, die durch die Üniwalzung im Terljchcn Reiche cingelreten sind, macht-:» auch die U ni ä n d c r u n g der gesetzlichen Bnlimniungen über die Militär st rasrechtspflcge ersorderlich. Eine gänzliche ümortcilimg der Gesetze war lei tcr gebotenen Eile nicht möglich. Tic von der Rcichtrcgiciung mit Gesetzeskrast orlaisene Verordnung, bklrcsscnd die cinsiweiiigr Anderuna der Mililürstrasrechlsoronuna. der EinfLhrungsgesctzes dazu.und Miliiärstrafgeietzbuches beschränkt sich dabcr daraus, neben einigen Änderungen, die sich mit der Notwendigkeit aus dem Übergang der Staatsgewalt aus eine andere Regierung ergebe», die Härten der Mililärstrafqerichtsordnung zu beseuic,«» und den veränderten Umständen entsprechend die weitgehende Mstwiikiinq der Veiirauensieute der Soldaten (Soldaren- räte) an der Rrchisprectung verzusehen. Die- wesentlichen Bestimmungen sind folgende- Tic niedere Gerichtsbarkeit, deren Ausübung auf lttertreiunge- und leichte Verqchenssälle beschränkt war und — abgesehen von der Mitwirkung des Gerichtsschrelbcrs — ausschließlich durch Lsfizicre erfolgte, fällt fort und wird durch das sür die Sirasrcrfügungen borg schriebene Verfahren ersetzt. Dadurch wird regelmätzig eine wesentlich vereinfachte Beschleunigung crnicglicht. ahne datz der notige Rechtsschutz dem Beschuldigten entzogen wird, da dieser durch Einspruch die Überleitung in das ridei.tliche lricgsgcrichiliche Bcrsahrln bewirken kann. In diesen Fällen soll anf.crdcm von einem Strafverfahren überhauvt abgesehen werden könne» Tainit ist dem viel empsundenen Bedürfnis Rechnung getragen, lei leichteren Straftaten den starren Grundsatz der sc genannten Legalität zu beseitigen, wonach auch die gcringfüsigstc Berschluna gegen das Strafgesetz geahndet werden muß. n-.trigensails der dazu Berufene selbst bestraft wird. — Die Verteidigung wird dahin erweitert, Latz sich der Beschuldigt«
